Welche Werte sind wertvoll und warum?

snpm
Liebe Philo-Welt!

Vielleicht werde ich das Thema am Ende völlig verfehlt haben und Gedanken vermischt haben, die es nicht zu vermischen gilt. Einen Versuch ist es wert.

Mir geht es hier vor allem um den Begriff der Wichtigkeit.
Leben, das ist für mich ein Kampf zwischen unterschiedlichen Interessen und Vorstellungen. Jeder Mensch hat bestimmte Interessen und Vorstellungen. Ich zum Beispiel hege ein gewaltiges Interesse für Kunst und Philosophie. So folgere ich, dass mir diese Bereiche wichtig sind. Warum sind mir diese Bereiche wichtig? Weil sie meinem Wesen entsprechen, weil ich mein Wesen in diesen Bereichen aufgehen lassen will. Wenn ich Liebe oder Freiheit als Werte erachte, die wichtiger sind als andere, so habe ich unterschiedliche Wertigkeitsstufen errichtet. Diese Stufen richten sich nach meinem Charakter, so sind die anderen Stufen unwichtiger als die oberen. (Ich will etwas langsamer an dieses Thema herangehen, bitte verzeiht mir). In letzter Konsequenz will ich also mit den Werten, die ich als wichtig erachte, mich selber bestätigen. Nun gibt es die Anderen, dh. die Subjekte mit unterschiedlichen Wertvorstellungen. Wie kann ich behaupten, meine Werte seien wichtiger als andere, wenn ich mich doch nur selber bestätigen will oder die Gesellschaft, in die ich mich aus freien Stücken begebe. Denn die Gesellschaft, in der ich verkehre wird ganz ähnliche Werte und Vorstellungen haben. Meine subjektive Meinung, in der Philosophen als Könige bestimmt werden, ist eben subjektiv und gerade in diesem Forum sollte darüber diskutiert werden. Ich bin daher sehr gespannt auf eure Gedanken.

lg, snpm
Joker
Du sagst ja dass die Werte persönlich bestimmt werden und dementsprechend eigentlich für einen selbst gelten. Ich frage mich, welche Arten von Werten es eigentlich gibt. Einerseits sicher die persönlichen Werte die du schon genannt hattest, und andererseits die Werte die für die Allgemeinheit zählen. Mein Gymnasium hat als Motto: Wo Werte Schule machen. Diese Werte schätze ich als das ein, wofür die Schule steht. Meine eigenen Werte aber stehen diesem vielleicht entgegen, das sind meine persönlichen Werte, die ich nicht in Übereinstimmung zu denen der Schule bringen kann. Nun, wenn wir uns fragen welche der beiden genannten Werte jetzt wichtiger sind, kann man denke ich nicht gerade antworten. Wertvoller für mich sind meine persönlichen Werte, da ich ohne sie nicht wäre, was ich bin. Für die Schule zählen ihre Werte, da sie die Schule charakterisieren. Ich würde deshalb Werte als subjektiv einzuschätzend betrachten, es kommt auf den Betrachter an, der bestimmt, welche Werte er nun als wichtiger betrachten will. Ich denke es hält sich hier ähnlich wie bei der Moral, bzw. der Frage nach gut und böse. Man selbst muss bestimmen welche Antwort dieser Frage man annehmen will.

Jetzt aber beim wichtiger sein, das ist eine andere Sache. Wenn ein völlig übertrieben eingestellter Mensch (egal in welche Richtung ein Extremist) seine Werte als wichtiger betrachtet als die meiner Schule bspw. dann muss man sagen dass er falsch liegt. Wertvoller sind ihm seine eigenen aber trotzdem kann man sie nicht als wichtiger betrachten. Ich will auch die Welt beherrschen, aber das enthält keine Wichtigkeit. Wenn wir hier bei der Frage nach der Wichtigkeit Werte als eine Meinung der Allgemeinheit anschauen, dann muss abgestimmt werden, welche Werte Wichtigkeit erhalten sollten. Wichtigkeit definiere ich in diesem Fall als 'allgemein von Nutzen', oder denkt ihr das wäre falsch?
Unter dieser Definition würden die Werte dann als wichtig eingestuft, wenn sie allgemein möglichst hilfreich sein können. Der Wert aber wird nicht miteinbezogen, es sei denn, sie erhaltet durch ihre allgemeine Wichtigkeit einen Wert.

Würde ich sagen.

Gruss Joker
Libertad
Soll durch das Adjektiv 'wertvoll' eine unpersönliche, allgemeingültige Relevanz geschaffen werden?

Es gibt sieben Kardinaltugenden und Todsünden.

Diese ergeben auch ohne konkrete religiöse Doktrin einen gewichtigen Rahmen für das Tun und Lassen im Miteinander. Es wird wohl kaum einen Menschen geben, welcher sich dauerhaft von allen diesen Wertepaaren distanzieren kann.

Darf man dann annehmen, diese Werte seien wichtig?
snpm
Zitat:
Original von Libertad
Soll durch das Adjektiv 'wertvoll' eine unpersönliche, allgemeingültige Relevanz geschaffen werden?

Es gibt sieben Kardinaltugenden und Todsünden.

Diese ergeben auch ohne konkrete religiöse Doktrin einen gewichtigen Rahmen für das Tun und Lassen im Miteinander. Es wird wohl kaum einen Menschen geben, welcher sich dauerhaft von allen diesen Wertepaaren distanzieren kann.

Darf man dann annehmen, diese Werte seien wichtig?


Ja, durch das Adjektiv "wertvoll" wollte ich eine unpersönliche, allgemeingültige (da sollte man natürlich Vorsicht walten lassen) Relevanz schaffen. Also in dem Sinne habe ich es gedacht. Man darf annehmen, dass diese Werte wichtig sind. Nur welcher Wert, um es genauer zu betrachten, sollte für die Allgemeinheit an der Spitze stehen? Welcher Wert sollte für eine Gemeinschaft am Wichtigsten sein? Ist es völliger Unsinn so eine Frage zu stellen? Mir geht es um die Frage der Objektivität, dass Werte unter soziologischen gesehen für jede Gemeinschaft unterschiedlich wichtig sind ist mir klar.
Libertad
Die Gestalt der Würde und ihre Interpretation im global Village.
snpm
Alles klar.
Daedron
Für den Einstieg meiner Perspektivierung reichen eigentlich zwei Begriffe: Orientierung und Orientierungswelten.

Ich liefere dir zum Spaß mal nur Puzzelteilchen:
Methode(Methodos) = Eine Weise, den Weg entlang zu gehen
Orientierung= Begriff aus der Kartographie. Ehe der Kompass erfunden wurde, wurden Karten nach Osten ausgerichtet - eben Orientiert.
Orientierungswelten können durch "fremde Ideen" zerstört und erneuert werden.

Die Menschheit war noch nie eine Heerde. So hatte sie noch nie ein und dasselbe Ziel. Ist dies Wort dann nicht Unfug? Wird der Begriff "Gesellschaft" - zumindest im Singular - nicht zumeist ebenso falsch verwendet?


Wertvoll ist, was deine Augen oder die deines Prinzen dem du folgst glänzend macht - so erzählt es mir mein Auge (und es ist kein unkriegerisches).

Ach: Und wozu ein Warum? Für dies ist der Schüler verantwortlich. Sonst bleibt er immer nur Schüler...
Archibald
@ snpm:

Gegenfrage:

Was ist überhaupt ein "Wert" und warum?
John
vielleicht sollte man den Begriff "Ziele" dabei nicht außer Acht lassen?
Oder sind die Ziele ebenfalls nichts anderes als Werte.

Beispiele für Werte: Friede Harmonie

vielleicht sollte man auch mal einen ganz pragmatischen Denkansatz versuchen:

ein Wert ist etwas, das prinzipiell als positiv anerkannt wird (von der Gesellschaft, "Außenseiter", die den Wert nicht anerkennen oder nur scheinbar verbal anerkennen, würden die Regel bestätigen).

Friede dürfte ein solcher Wert sein. Harmonie wohl ebenfalls. Vielleicht auch Ehrlichkeit, Fairness.

In-Frage-Stellung dieser Werte wäre wohl nur situativ möglich, nicht aber prinzipiell.

Beispiel: (ein besseres fällt mir im Moment nicht ein). Die Tatsache, dass ein Krieg geführt wird, ändert nichts daran, dass Frieden ein Wert ist und nicht Krieg.

oder anders ausgedrückt: Wert ist etwas, für das man eintritt, weil es die Verkörperung von etwas prinzipiell positivem ist.
Archibald
@ John:
Ich denke, mit dem, was du sagst, hast du nicht ganz unrecht!
Natürlich sind "Werte" in irgendeiner Form immer an ein "Ideal" gekoppelt, und, ein "Ideal" ist immer eine Form von "übergeordnetem Ideal".
Das ändert aber doch nichts an der Tatsache, dass verschiedene Ideale (z.b. die Ideale "Freiheit" und "Sicherheit") in dem, was sie sich selber durchsetzen lässt, widersprechen lässt!

Ich kann die Freiheit im Autoverkehr erhöhen, indem ich die Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 100 aufhebe, aber, ich kann die Verkehrssicherheit erhöhen, indem ich sie auf "Tempo 80" absenke.

Beide Ideale, die "Freiheit", als auch die "Sicherheit" sind "etwas Gutes", also dem übergeordneten Ideal "Gutes" untergeordnet!
John
ein interessantes Beispiel. Die Überordnung erscheint mir hier aber zu einfach, weil sie vorgibt, dass man das Erreichen eines Wertes nur erhöhen kann, wenn man was vom anderen Wert verliert.

Ich meine, dass weder "sicheres Autofahren" noch "freies Autofahren" Werte sind, die unwidersprochen Bestand haben können und zwar genau deswegen, weil sie beide eben keinen allgemeingültigen Wert darstellen, d. h. es wohl genügend Fahrer gibt, denen der eine Wert nichts bedeutet (abenteuerlustige Raser einerseits, Gelegenheitsfahrer, für die Autofahren und Freiheit nun gar nichts miteinander zu tun haben).

Wenn also beide Werte im Prinzip gut sind (und das sind sie), dürfen sie als Wert im Sinne des Themas nur gemeinsam auftreten, wenn ihr Auftreten unwidersprochen als positiv betrachtet werden soll. Also ein Wert im Sinne eines Ideals kann nur sein: "So sicher wie möglich, so unfrei wie nötig"
Archibald
@ John:

Du bit halt auch einer dieser unverbesserlichen Idealisten, die an so etwas wie an den "Idealen übergeordnetes Ganzes" glauben, an das "Gute an sich", sozusagen.

Das ist mir aber zu unpraktisch!
John
@Archibald: nun, ich bin irgendwie sicher ein Idealist, ich glaube aber, damit hat dieses Thema wenig zu tun. Philosophie muss nicht unbedingt absolut praxisnah sein, denke ich, wobei die Beispiele es aber durchaus sind.

Bedenkt man einmal, welche unreflektierten Werte (Sparsamkeit, Obrigkeitsgläubigkeit, Orientierung an irgendwelchen willkürlichen öffentlichen Maßstäben "das macht man so" ) meine Generation mitbekommen hat, finde ich es normal, Werte zu suchen, die wirklich auch dann noch Bestand haben, wenn man sie hinterfragt. Zumindest die Chance haben, Bestand zu halten.

Und dazu gehört eben nicht freiheitliches Autofahren ohne Sicherheitsaspekt, aber auch nicht die Überzeugung, eine Geschwindigkeitsbegrenzung sei nur da, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Und wenn das Gute an sich einen unbestrittenen Wert darstellt, oder man diesen so annehmen könnte, würde dies auch dann richtig bleiben, solange es noch nicht definiert ist.
Daedron
"Friede" ist nach deinen Kriterien John ein ebenso schlechtes Beispiel wie das Autofahren, da es auch (nicht wenige) Menschen mit kriegerischem Pathos gibt.

Besser erklärts sich aber an der Harmonie, welche doch nur durch Heteronomisierung der Menschen schaffbar ist: Ein Graus für meinen Geschmack.
Und auch hier muss etwas leiden, wenn dieses Ideal verfolgt wird:
Verhängen wir nicht noch immer den Kriegszustand gegen jenen, welchen wir als Gesellschaftsfeindlich klassifizieren? Könnte es überhaupt anders sein?
Denken wir etwa an die Pädophilie, welche mal als "normal" galt : Heute: Krieg allen Pädophilen.

Abraham wollte sein Kind für einen - für andere unsichtbaren Gott - dahinschlachten. Wie Kirkegaard an diesem Beispielzeigte könnte soein Verbrecher auch der neue Weltreligionsstifter für Jahrtausende sein.
Jesus galt auch als Verbrecher. Auch Sokrates: Beide gefährdeten die Gesellschaft und die Selbstverständlichkeit der Sitten.
Damals hatten wir eine "heerde" - in gewissen Dingen dachten alle herrschenden gleich - das ist heute nicht mehr der Fall.
Heute haben wir einen offeneren Kampf der Ideale: Und es sind Ideale, für die sich die Menschen dahinschlachten lassen..

Ein römisches Sprichwort lautet: Willst du den Frieden, dann rüste für den Krieg. In einer heteronomisierten Gesellschaft aber geht bald jeder freiwillig in die psychiatrie, der nicht von natur aus für sie geschaffen ist: Als sei er krank (früher Hexen, heute Menschen mit ADS usw.).
Man geht umgänglich miteinander um - aber nicht zu lange.... man würde dies nicht aushalten: Wer zu süß isst, verdirbt sich den Magen. Und wer seine Kriege nicht führt, wird alternativ zanken und salz streuen: Sehen wir das nicht an den einfachen Weibern?


Ein Gutes an sich gibt es jedenfalls nicht: Jedes Volk hat sein Gutes und sein schlechtes. Ja - manche hielten einen ehrbaren, starken Feind für Gut (Alt-Griechenland/Rom), manche das gottgefällige Leben, manche die pünktlich- und nützlichkeit(Deutschland) - andere dagegen den Ausdruck, dass man sich nicht von seiner Arbeit beherrschen lasse (Italien). Manche, dass man sich demütig gibt (England, Deutschland), andere, dass man gut von sich spreche und den anderen damit zu ähnlichen Taten motiviert (USA).

Es gibt nur ein Gut für etwas - und das heißt meist "Gut zur Erhaltung dieser Gesellschaft /Lebensform." - und es hat etliche Kulturen und Lebensformen noch nicht gegeben.


Es gibt in der Moralphil. den Begriff der "herrschenden Moral" - das ist jene Moral, die unbewusst von einem Volk vertreten wird. In der Moderne ist z.B. die vermoralisierung der Wirtschaft und Ökologie eingetreten - was sehr lange nicht der Fall war. Auch "Liebe" ist erst seit "kurzem" ein beachtenswerter "Wert" - und das auch nur in westlichen Gefilden....

Im Großen und ganzen ist für mich gerade der "Pluralismus der Meinungen und Mächte" ein Wert: Dies befreit uns von großen Holocausts der selbsternannten "guten und gerechten" und liefert uns gleichzeitig eine Arena, in der wir unsere Käfte spielen lassen dürfen.

Nunja.. ich fürchte, dass ich mich schlecht auszudrücken wusste. Ich hoffe, ein paar Dinge sind dennoch nachvollziehbar.
mfg,
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von John
Beispiele für Werte: Friede Harmonie

Es gibt, denke ich, zwei Arten von Werten: Einerseits die originären Werte "an sich", die eigentlich kaum argumentativ hergeleitet werden können. Sie beziehen ihren Wert quasi aus sich selbst: z.B. Recht auf Leben, Freiheit, Gleichheit, Würde, etc.
Dann gibt es die sekundären Werte, die sich eben aus diesen originären Werten ableiten. "Frieden" z.B. ist doch kein Wert "an sich", sondern geht doch quasi aus den primären Werten hervor.

Wenn du also fragst, welche Werte "wertvoll" sind, dann sollte man wohl diese Trennung zwischen originären, primären Werten und sekundären Werten ziehen.
Letztere ließen sich aus ersteren argumentativ herleiten, da hat Subjektivität und Relativität eigentlich nichts zu suchen.
Die primären Werte wiederum lassen sich wie gesagt argumentativ nicht begründen, sie sind intersubjektiv, kulturell vereinbart (bzw. sie gehen halt aus den eigenen Wünschen hervor, selbst nicht tot, unfrei, ungleich und würdelos usw. zu sein)

Schwierigkeit ist vor allem, die "Wichtigkeit" der primären Werte gegeneinander abzuwägen, denn wie auch schon gesagt wurde: Die Werte widersprechen sich teilweise. "Freiheit" gegen "Sicherheit" wurde schon genannt, wobei ich bei "Sicherheit" alles andere als überzeugt davon bin, dass dies ein originärer Wert "an sich" ist.
Noch umstrittener ist meines Erachtens die teilweise Unvereinbarkeit von "Freiheit" und "Gleichheit". Ich kann ja mal ein Beispiel nennen, wo mir das persönlich sehr stark auffällt:
(links-alternative) Diskussionsgruppen, bei denen die einen sich eine möglichst offene, eben völlig freie Diskussion wünschen, während die anderen (also ich Zwinker ) darauf bestehen, dass eine solche Diskussion automatisch Hierarchien schafft und Ungleichheit reproduziert, also eine gewisse Regulierung (auf Kosten der Freiheit) notwendig sei. Zweiteres ist auch in linksradikalen Kreisen immernoch deutlich unbeliebter. Freude

"Stan"
Archibald
@ John:

Welche Dinge sind es dann?

Benenne sie mir, und, jeder wird garantiert ein hinter diesen Dingen stehendes Ideal finden!
John
Zitat:
Recht auf Leben, Freiheit, Gleichheit, Würde, etc.


mal ganz abgesehen davon, dass auch diese Werte nicht absolut unumstritten sind, ob nun Problemfälle, Perversionen oder Gesetze sie einschränken, ist dies, so glaube ich, schon die richtige Spur. Das Problem an Beispielen ist ja, dass sie immer weitergeführt, widerlegt oder relativiert werden können.

Nehme ich nun mal Frieden und Liebe dazu, ob nun primär oder sekundär als Wert zu sehen. Ich versuche eine Definition über das Gegenteil, soweit vorhanden und ordne sie dann etwas zu, dass theoretisch wünschenswert ziemlich nahekommt.

Kann man Krieg und Hass als wünschenswert bezeichnen? Sicher, aber hätte dies irgendwas mit wünschenswert zu tun? Wenn man auch dies bejaht (Kulturkreis, besondere Umstände, wie auch immer), probiere ich es mit dem Begriff "Normalität", ziehe mich also bewusst in eine Art "theoretisch ideale" Gesellschaft zurück.

Und nun nehmen wir Frieden und Liebe tatsächlich als sekundär an und fragen, ob nicht durch die Erfüllung dieser Werte die primären Werte stärker realisiert werden können.

Oder noch einfacher: Vorstellbar ist natürlich sehr wohl eine Gesellschaft, die sich auf Krieg und Hass gründet (George Orwell, 1984). Können, sollten, dürften diese Begriffe damit aber als Wert bezeichnet werden? Muss eben genau diese Frage nicht praktisch von außerhalb dieser Gesellschaft, also theoretisch definiert werden?
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von John
Zitat:
Recht auf Leben, Freiheit, Gleichheit, Würde, etc.


mal ganz abgesehen davon, dass auch diese Werte nicht absolut unumstritten sind...

Das habe ich ja gar nicht gesagt. Aber diese Werte sind nicht argumentativ herzuleiten, sie entziehen sich einer solchen Herleitung schlicht, weshalb ich sie ja "originär" bzw "primär" genannt habe. Das macht sie natürlich alles andere als "unumstritten".
Wobei man evtl. ja auch diese genannten (und nicht-genannten) Werte nochmal voneinander ableiten könnte, wie mir vorhin aufgefallen ist: z.B. wenn man "Freiheit" versteht als die "Freiheit aller", dann leitet sich daraus im Grunde das Postulat der "Gleichheit" ab, da nur unter Gleichen die gleiche Freiheit herrschen kann (womit sich mein genanntes Problem bzgl. Diskussionskultur im Grunde auch auflöst).

Zitat:
Nehme ich nun mal Frieden und Liebe dazu...

Kann man Krieg und Hass als wünschenswert bezeichnen? ...

Ich finde es schwierig, "Liebe" und "Hass" als Werte zu bezeichnen. Es sind zu allererst einmal Emotionen, wenn auch jeweils wünschenswerte bzw. nicht wünschenswerte.

Zitat:
Oder noch einfacher: Vorstellbar ist natürlich sehr wohl eine Gesellschaft, die sich auf Krieg und Hass gründet (George Orwell, 1984)

Oh, ich denke, es ist falsch, wenn man die Gesellschaft in 1984 so interpretiert, dass sie sich auf "Krieg" und "Hass" gründet. Die gesellschaftlichen Werte sind prinzipiell die gleichen, nicht ohne Grund heißen die Ministerien ja auch "Ministerium für Frieden" und "Ministerium für Liebe" oder so ähnlich. Das Moment, das hier zum tragen kommt, ist vielmehr eine Pervertierung dieser Werte.
John
direkt mal zu Orwell: Die Pervertierung liegt wohl nicht in einer Pervertierung der Werte, wenn man die Namen der Ministerien nimmt, sondern in einer Pervertierung der Namensgebung, bzw. eben in der ganzen pervertierten Denkweise.

Ich meine auch, dass der "Hass" dort weit über eine Emotion hinausgeht, und letztlich auch der Krieg, vielleicht auch der Mangel (was war noch das 4. Ministerium?) in einem Ausmaß die Rolle von Werten einnehmen, wie es eben in einer positiven Gesellschaft niemals der Fall ist. Leider.

Dieser Gedanke ist mir ehrlich gesagt grade erst gekommen, aber wenn ich so nachdenke, komme ich zur Erkenntnis, dass WERTE wohl in keiner Gesellschaft so stark prägend waren wie eben in 1984.

Damit wären eigentlich Werte definiert als gesellschaftsprägende und bewusst von einer herrschenden Klasse unterstützte Faktoren.

So betrachtet haben Werte leider eben in einer negativ geprägten Gesellschaft einen höheren Stellenwert wie in einer positiv geprägten.
Muss das so sein oder ist das veränderbar?
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von John
So betrachtet haben Werte leider eben in einer negativ geprägten Gesellschaft einen höheren Stellenwert wie in einer positiv geprägten.
Muss das so sein oder ist das veränderbar?

Ich weiß im Augenblick nichtmal, was eine "negativ geprägte" und eine "positiv geprägte Gesellschaft" ist. Leben wir in einer "positiv geprägten Gesellschaft"?