snpm
Liebe und Grüße an die Philo-Welt!
Ja, diesmal steht das Ps zu Beginn: Habe soeben eine relativ lange Nachricht geschrieben (jedenfalls ist so einiges an Zeit verflossen) und habe leider nicht daran gedacht, dass mich das Forum nach einer bestimmten Zeit automatisch abmeldet und daher ist die Nachricht, die ich geschrieben habe ins Nirvana verschwunden. Ärgerlich, aber eigentlich besser, da die Nachricht zu lange war und meine Gedanken eigentlich darauf hinauslaufen:
Mich würde interessieren wie ihr Glauben und Denken abgrenzt und an welchem Punkt das genau geschieht, denn ich habe das Gefühl, dass das Denken selber und jede Denkrichtung letztlich reine Glaubenssache ist.
Auf Antworten/Fragen/Bemerkungen hoffend und grüßend:
snpm
ewig
Denken scheint mir noch im Such- oder Ergrübelungs-Prozess befindlich, während glauben bereits auf dem Fundament einer relativ festen Überzeugung steht.
Taurus
@snpm
Deinem Glauben kann ich mich soweit anschliessen.
@ewig
"Denken scheint mir noch im Such- oder Ergrübelungs-Prozess befindlich"
Muß nicht aber diesem Such- oder Ergrübelungs-Prozess, schon ein Glaube zu Grunde liegen?
Mußt du diesem Prozess nicht Glauben schenken?
Qu_ner
Hallo snpm,
meiner Meinung nach kommt denken vor glauben, denn denken ist Voraussetzung, um galuben zu können (an was auch immer). Sozusagen ist das Denken dann auch nicht abzugrenzen, da dann Glaube u.a. gar nicht bewusst wäre.
Gruß, Qu
snpm
@ Qu_ner: Das stimmt meiner Meinung nach nur zum Teil, weil du als denkendes Wesen das Denken nicht wegdenken kannst. Das Denken ist immer. Ganz anders verhält es sich mit dem Bewusstsein und dem Glauben. Du kannst glauben, ohne dass du dir bewusst bist, zu glauben. Bsp: Viele Menschen, die ich gefragt habe worin sie ihren Glauben begründen würden, antworteten mir ( Und zwar so, dass sie sich zum ersten Mal darüber bewusst geworden sind ): Ich weiß nicht woran ich glaube, aber ich weiß, dass ich glaube!
Qu_ner
@snmp
| Zitat: |
| Ich weiß nicht woran ich glaube, aber ich weiß, dass ich glaube! |
Ein Gläubiger kann das sagen, ja. Aber wenn ein Denker das sagen würde: Ich weiß nicht woran ich denke, aber ich weiß, daß ich denke! Es wäre schon interessant zu wissen, woran er gerade denkt, oder?
Gruß, Qu
Taurus
Es ist interessant zu wissen ob er glaubt, das er denkt oder ob er es weiß.
snpm
| Zitat: |
Original von Taurus
@snpm
Deinem Glauben kann ich mich soweit anschliessen.
@ewig
"Denken scheint mir noch im Such- oder Ergrübelungs-Prozess befindlich"
Muß nicht aber diesem Such- oder Ergrübelungs-Prozess, schon ein Glaube zu Grunde liegen?
Mußt du diesem Prozess nicht Glauben schenken? |
Genau dieser Gedanke hat mich beschäftigt. Ein Nihilist wird an die Ablehnung jeglicher Werte glauben, und nicht an Nichts. Somit kann man vielleicht nicht behaupten: Ich glaube an nichts. Denn dann glaubt man ja doch.
@ Qu_ner: Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist das meine Antwort:
Der Denker der nicht weiß, woran er denkt, aber weiß, dass er denkt ist der Mensch der meinem Verständnis nach den ersten philosophischen Akt überhaupt gemacht hat, nämlich den Akt des Sich-Bewusst-Werdens des Bewusstseins. In dem Falle, ist der Inhalt das Bewusstsein schlechthin, nicht? Bitte korrigiere mich, wenn ich in deinem Sinne falsch liege.
Taurus
@snpm
Ergibt sich daraus für dich eine Konsequenz ?
snpm
@Taurus
Du scheinst etwas erkannt zu haben, wo ich es nicht erkannt habe. Kannst du mir deshalb konkretisieren, welche Konsequenz du in welchem Zusammenhang meinst, damit auch ich eine Chance habe zu begreifen?
Qu_ner
@Taurus
| Zitat: |
| Es ist interessant zu wissen ob er glaubt, das er denkt oder ob er es weiß. |
Ich glaube er weiß, daß er denkt. Glauben kann er an alles, auch ans denken (wobei sich hier dann viele Möglichkeiten auftun).
@snpm
| Zitat: |
| In dem Falle, ist der Inhalt das Bewusstsein schlechthin, nicht? |
Meiner Ansicht nach braucht man für einen Inhalt auch irgendeinen Behälter. Ich denke, daß das Bewusstsein ein Behälter ist und der Inhalt kann unterschiedlich sein. Nach dieser Auffassung kann der Inhalt des Bewusstseins nicht es selbst sein.
Gruß, Qu
Taurus
Welche Praxis möchte das Bewustsein frei von Gedanken halten?
Ein Gedanken freies Bewustsein erlebt sein. (es ist sein und erdenkt es nicht)
Nach diesem Erleben ist das gedachte "ich bin" keine Frage und kein Glaube mehr.
Eine erdachte Existenz "ich denke, also bin ich" hat nur die zweifelhafte Ahnung seiner Existenz.
Zweifelhaft deshalb, weil die Antwort "ich denke, also bin ich", schon den existenz Zweifel beinhaltet "bin ich?"
Ein real erscheinender Glaube.
Real erscheinend, weil das Bewustsein ja vorhanden ist, und sich erahnen lässt.
Es bleibt aber ungewisser Glaube, weil Denken ein dualer Prozess ist, und mehrere Möglichkeiten kennt, somit bleibt der Zweifel und der Glaube.
Selbst wenn man dieser Ahnung intuitiv vertraut, bleibt man nicht vollkommen ohne Zweifel.
Wenn er sich erlebt und erkennt als "ich bin", hat das eine Konsequenz.
@snpm
Darum habe ich dich gerfagt ob deine Ansätze und deine Aussagen für dich auf eine Konsequenz deuten?
snpm
Da ich sehr lange darüber nachgedacht habe, aber zu keinem Ergebnis gekommen bin, weil sich die meisten Konsequenzen dann nicht als solche herausstellten, muss ich entweder annehmen, dass ich meine natürlichen Grenzen erreicht habe, oder nicht scharf genug nachgedacht habe. Ersteres ist zur Zeit bequemer. Du musst den Weg wohl alleine weiterdenken, compadre. Wenn du auf dem Weg etwas höchst interessantes erfährst, lass es mich wissen.
mfg, snpm
Taurus
Ich lasse die Konsequenz mal weg.
Ich meine es ist klar feststellbar, das man seine Existenz nicht über bewuste gedankliche Auseinandersetzung erkennen kann.
Damit möchte ich sagen, gilt es dann nicht zu überlegen, ob das bewuste Denken, sich für diese Fragestellung als "dienlich" erweisen kann?
(dienlich im Sinne, eine Lösung finden)
Und gibt es Alternativen?
Gruß Taurus
snpm
| Zitat: |
Original von Taurus
Ich lasse die Konsequenz mal weg.
Ich meine es ist klar feststellbar, das man seine Existenz nicht über bewuste gedankliche Auseinandersetzung erkennen kann.
Damit möchte ich sagen, gilt es dann nicht zu überlegen, ob das bewuste Denken, sich für diese Fragestellung als "dienlich" erweisen kann?
(dienlich im Sinne, eine Lösung finden)
Und gibt es Alternativen?
Gruß Taurus |
Meine Existenz ist für mich nur über die gedankliche Auseinandersetzung feststellbar. Deshalb erkläre mir bitte, warum sie für dich über die Reflexion nicht erkennbar ist. Eine andere Form des Erkennens kenne ich nicht.
Taurus
Sorry mein Fehler!
Natürlich kann man sich erkennen, ich meinte nicht unbezweifelbar erkennen.
Man kann sich nicht ohne Zweifel erkennen.
Eine bewust gestellte Frage nach eigener Existenz,beinhaltet schon den Zweifel, "bin ich existent?"
Daraus ergibt sich für mich, als Konsequenz das Gesetz der Toleranz, wenn ich mich schon nicht ohne jeden Zweifel bestimmen kann, ist das Bestimmen ausserhalb meines selbst, noch viel unmöglicher.
Gruß Taurus
snpm
Da sind wir uns einer Meinung.
Der Zweifel lässt sich nicht beseitigen, außer man erklärt etwas für gewiss und zieht einen Schlussstrich (behaupte ich jetzt mal so). Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir ohne den Zweifel nicht philosophieren würden. Mit diesem Satz hast du meine Gedanken jedenfalls besser formuliert als ich das tun könnte: Muß nicht aber diesem Such- oder Ergrübelungs-Prozess, schon ein Glaube zu Grunde liegen? Mußt du diesem Prozess nicht Glauben schenken?
Mußt du diesem Prozess nicht Glauben schenken? Ich muss meinem Denken Glauben schenken. Wenn ich die Frage stelle "Denke ich?" muss ich an das Denken über diese Frage glauben. Darum: Wir sind alle Gläubige.
Taurus
| Zitat: |
Original von snpm
Wir sind alle Gläubige. |
Meiner Meinung nach ist deine Aussage die Unwahrheit, wirst du doch mit dieser Aussage zum Wissenden.
Und eine Frage bleibt, was machst du nun aus deiner "Lüge".
snpm
| Zitat: |
Original von Taurus
Sorry mein Fehler!
Natürlich kann man sich erkennen, ich meinte nicht unbezweifelbar erkennen.
Man kann sich nicht ohne Zweifel erkennen.
Eine bewust gestellte Frage nach eigener Existenz,beinhaltet schon den Zweifel, "bin ich existent?"
Daraus ergibt sich für mich, als Konsequenz das Gesetz der Toleranz, wenn ich mich schon nicht ohne jeden Zweifel bestimmen kann, ist das Bestimmen ausserhalb meines selbst, noch viel unmöglicher.
Gruß Taurus |
Ich teile mit dir auch diese Ansicht. Sagen wir das Bestimmen (obwohl man ja bestimmen kann, es geht nur um die Überprüfbarkeit) außerhalb meiner selbst ist unwahrscheinlicher. Was ist schon unmöglich? Unmöglicher ist dann noch unmöglicher als unmöglich
Qu_ner
@Taurus
| Zitat: |
| Welche Praxis möchte das Bewustsein frei von Gedanken halten? |
Sind das nicht die Praktiken wie z.b. meditieren oder in Trance oder Reverie oder einfach denken? Ich meine, das Bewusstsein als Behälter all dessen, was nur erdacht werden kann, ist belegt mit Erdachtem. Sollte glauben mehr sein als erdenken, dann muß hier auch mehr verankert werden, wie z.B. eine Festigung eines Glaubens. Durch wen oder was aber Glauben gefestigt wird, hängt mMn von einem Festiger selbst ab.
| Zitat: |
| Wenn er sich erlebt und erkennt als "ich bin", hat das eine Konsequenz. |
Die Konsequenz könnte sein, daß er ist. Wie könnte er sich sonst die Frage stellen, ob er ist? So kann der deshalb nicht zweifeln, denn er hat die Frage gestellt, weil er sie stellen konnte.
Gruß, qu
© Philo-Welt.de 2005-2008