Viren

Verena
Zitat:
Original von DayDream87
... Ich kann euch diese Theorie nicht mit Argumenten untermauern, daher nannte ich das oben auch Spinnerei, aber genau das nenne ich für mich persönlich philosophieren...

Gut, dass du deine Vorstellung vom "philosophieren" so deutlich machst - dann ist zumindest klar, wie man deine Beiträge hier einzuschätzen hat.
Aber zum Thema:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Raucher
Abschnitt:
Hypothesen zur Evolution des Lebens

Wenn zwei Geschichten über ein Ereignis erzählt werden, dann ist diejenige Geschichte, welche durch eine Vielfalt von Belegen untermauert wird, für mich jedenfalls plausibler, als eine, die keinerlei Belege für sich vorweisen kann. Erstere ist eine Theorie, letztere nicht mal eine Hypothese und deshalb in der Tat eine blosse "Spinnerei".


Aber auch die Dichtung soll hier zu ihrem Recht kommen ;-)


Gesänge

I

O dass wir unsere Ururahnen wären.
Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor.
Leben und Tod, Befruchten und Gebären
glitte aus unseren stummen Säften vor.

Ein Algenblatt oder ein Dünenhügel,
vom Wind Geformtes und nach unten schwer.
Schon ein Libellenkopf, ein Möwenflügel
wäre zu weit und litte schon zu sehr.

II

Verächtlich sind die Liebenden, die Spötter,
alles Verzweifeln, Sehnsucht, und wer hofft.
Wir sind so schmerzliche durchseuchte Götter
und dennoch denken wir des Gottes oft.

Die weiche Bucht. Die dunklen Wälderträume.
Die Sterne, schneeballblütengross und schwer.
Die Panther springen lautlos durch die Bäume.
Alles ist Ufer. Ewig ruft das Meer -

Gottfried Benn
FLorian K.
Zitat:
Original von DayDream87

-Also, wenn das Leben eine einfache Variante der unbelebten, molekularen Verbindungen wäre, dann würde das bedeuten, dass unser ganzer Kosmos so geschaffen ist, dass die Entwicklung von Leben eine feste Variable in diesem Universum darstellt. Es ständ also seit dem Urknall fest, dass unter bestimmten Bedingungen (richtige Temperatur, Wasser in flüssiger Form etc.) nach langer Zeit Leben entstehen würde. Unser "Schöpfer" plante demnach mit dem Erschaffen des Universums auch das Leben mit ein.



Nehmen wir mal an, Du hast ein System, dass sich in ständiger Veränderung befindet:
Wenn das System unendlich variabel wäre und zeitlich unbegrenzt existiert, dann könnte es alle möglichen Varianten irgendwann einmal hervorbringen.

Daraus müssen kein bewusster Wille und noch nicht einmal die Existenz eines Schöpfers oder "ersten Bewegers" zu schließen sein.

Zitat:

-Ich gehe aber eher davon aus, dass das Leben "nachträglich" konstruiert wurde. Dafür habe ich natürlich keine Argumente, woher sollte ich die auch nehmen können... Es ist schwer für etwas Argumente zu finden, was schon so lange zurückliegt und worüber man sich noch lange, lange, lange streiten wird. Vielleicht kann man es als eine Art "Glauben" bezeichnen.



Richtig: Es ist eine Art von Glauben.

Der Begriff "konstruieren" schließt schon einen Glauben an einen bewussten Schöpfungsakt ein.
Einen solchen konnte man aber bisher nicht beweisen oder widerlegen.

Zitat:

Was die Genese in die Verbindungen hineinbrint? Wie in meiner Einleitung erwähnt, kann ich mir vorstellen, dass uns eine höhere Macht/Rasse erschaffen hat. Vielleicht nur einfachste Moleküle, warum sie das taten, darüber will ich nicht streiten. Im Grunde genommen sind die einfachsten Lebewesen schon komplexe Software. Ich kann euch diese Theorie nicht mit Argumenten untermauern, daher nannte ich das oben auch Spinnerei, aber genau das nenne ich für mich persönlich philosophieren...


Ich kann es mir eher nicht vorstellen, dass eine höhere Macht oder Rasse einen bewussten Schöpfungsakt vollbracht hat.
Außerdem verlegt diese Vorstellung das Problem ja nur eine Ebene höher. Die Frage wäre dann, wer hat diese Macht/Rasse erschaffen.
Diese wären vorallem auch Teil eines übergeordneten Systems. Nämlich des Systems, das sie hervorgebracht hat.

Sich einen Schöpfungswillen im menschlichen Sinne vorzustellen, halte ich für vermessen. Warum sollte es den auch geben?
Bloß weil etwas da ist, heisst es noch lange nicht, dass es "jemand" "gemacht" haben muss.
Daher treffen auch Begriffe wie "erschaffen", "konstruieren" und "Macht" nicht den Kern der Sache und tragen eher zur Verschleierung der Wirklichkeit, als zur Aufklärung bei.

Wenn etwas "das Leben" geschaffen hat, kann es selbst nicht "Leben" gewesen sein.
Alles andere wäre paradox.
Nur Leben kann aber einen Willen haben. (zumindest so, wie ich den Begriff definiere)
Hat Wasser einen Willen bergab zu fließen?
rudenz
Ganz witzig ist die Hypothese von dem Chemiker A. G. Cairn-Smith.
Er vergleicht die Entstehung der DNA mit dem Bau eines Steinbogens. Der Versuch einen Steinbogen direkt zu bauen ist nicht möglich ... man geht dabei normalerweise so vor, dass man einen Steinhaufen aufschüttet (als Gerüst), dann den Bogen darüber baut. Da nun der Steinbogen auf Grund seiner eigenen Spannung hält, kann der Steinhaufen weggeschafft werden ... was übrig bleibt ist der Steinbogen ( sprich die DNA) ... Cairn-Smith geht von anorganischen Vorläufern (Steinerhaufen) aus, welche heute nicht mehr aufzuspüren sind. Er kommt zu dem Schluss, dass Kristalle, vor allem aber die Tonkristalle, die besten Anwärter dieser anorganischen Vorläufer sind. Sie stellen sozusagen die Matrix für die organischen Möleküle dar.
Daraus könnte man schließen, dass die Darwinsche Theorie der Evolution eine grundlegende Eigenschaft von aus mikroskopischen Prozessen aufgebauter makroskopischer Systeme ist. Cairn-Smith zeigte verschiedene selektive Prozesse von Tonkristallen in Wasserlachen auf. Es ist hierbei sogar auf anorganischer Basis ein Selektionsprozess denkbar ...
Einen kleinen ersten Denkanstoß soll das Animpfen von übersättigten Lösungen mit Impfkristallen geben:
Es wird in der chemischen Industrie verwendet, um eine gewisse Kristallstruktur zu erzielen, welche die physikalischen Eigenschaften für den weiteren Prozess verbessern. Es wird der übersättigten Lösung die Kristallstruktur der Impkristalle vorgegeben. Das heißt zuvor gelösten Stoffe kristallisieren in der Kristallstruktur der Impfkristalle aus. Hört sich wie Zauberei an, ist aber in mikroskopischer Betrachtungweise ein ganz selbstverständlicher Ablauf.