Hi mark.
| Zitat: |
„irgendwie merkwürdig (oder auch gerade nicht) , aber auch unter "bottom-up"- bzw. "top-down"-ansätzen wird höchst unterschiedliches verstanden. wie immer gibts viel potential aneinander vorbei zu reden. grundsätzlich würde ich mich als pro bottom-up verstehen. aber das heisst ja nun nicht, dass ich jeden beliebigen konkreten problemlösungsansatz nur deshalb schon für sinnvoll oder gar erfolgsversprechend halten würde, nur weil man ihn zu recht (oder auch zu unrecht, in meinen augen) als typischen bottom-up-ansatz bezeichnen würde.
bottom-up muss, wie monismus oder reduktonismus, nicht als konkretes programm vestanden werden sondern als grundeinstellung.“ |
Ach was.
| Zitat: |
| „ohne zweifel sind reduktionistische ansätze in den naturwissenschaften nicht nur überaus erfolgreich sondern schlicht konkurrenzlos.“ |
Und wie erklären sie Verstehen?
| Zitat: |
Zitat:
Aber Deine Frage war, wie ich Emergenzen erklären möchte, ohne bottom up. Ich weiß es nicht. Bottom up trägt ja und erklärt ja vieles in beeindruckender Weise und da braucht man ja nicht so zu tun als sei es anders, die Erfolge sind da. Ab einem bestimmten Punkt werden diese erklärenden Erfolge aber unüberzeugend.
Möglicherweise gibt es Modelle, an die wir alle noch nicht denken, selbst der Dualismus ist ja nicht aus dem Rennen,
der dualismus ist aber sowas von aus dem rennen...
bzw: er steht aus bekantnen gründen nichtmal am start!
Zitat:
denn Repräsentationalismus ist ja auch nichts anderes als ein verkappter Dualismus.
der repräsentationalismus ist vor allem ein weiterer begriffszankapfel. meistens nur ein kampfbegriff.
natürlich gibt es bilder. auch im kopf. und natürlich repräsentiert ein begriff etwas. das ist soweit völlig unstrittig und unproblematisch.“ |
Ja ja, das weiß nun wirklich jeder, der das Wort aussprechen kann, nur repräsentiert ein Begriff denn nicht?
Und wie tut er das? Indem er, wie Du meinst, mit den Tatsachen übereinstimmt?
Jenen die durch Begriffen erst dazu gemacht werden?
| Zitat: |
| „warum-fragen vernebeln nur.“ |
Upps, in seltener Klarheit bekannt, was sonst gerne bestritten wird.
„Frag nicht“, als die intelligenteste aller Antworten... Naja.
| Zitat: |
Zitat:
Ich glaube, dass der Unterschied den Brandom trifft, VURDs (verlässliche unterscheidende responsive Dispositionen) von Verstehen zu trennen Sinn macht.
VURDs liegen vor, wenn die Spinne ihr Netz neu webt, weil ein Vogel es zerstört hat, wenn der Vogel sein Nest zu bauen beginnt, weil es Frühling ist, sich seine Hormonsituation ändert und so weiter. Sie tun das „Richtige“ aus unserer Sicht der Dinge, mit der wir meinen erklären zu können, welche „Absicht“ die Natur verfolgt (auch das schwierig genug, wenn man dem mal nachgeht), aber sie selbst, wären vermutlich nicht in der Lage erklären zu können, warum sie tun, was sie tun – selbst dann nicht, wenn sie sprechen könnten.
„du wirst wohl auf der ganzen welt niemanden finden, der diese nterscheidung grundsätzlich ablehnen würde. warum auch? es ist ja keine neue sondern eine altbekannte, war ja bisher nicht so, dass wir darüber gross im zweifel gewesen wären, ob spinnen in einem üblichen sin verstünden, was sie tun, wenn sie ein netz spinnen.
es stand einfach noch nie zur debatte, ob ein papagei versteht, was er "sagt". deshalb ist das kein thema, nicht, weil irgendjemand dagegen oder diesbezüglich im zweifel wäre.“ |
Wenn es nie zur Debatte stand, ob ein Papagei versteht was er sagt,
wieso kann man denn dann davon sprechen,
dass er nicht versteht was er sagt, wenn er so dressiert ist, dass er auch die Frage, „Wer ist Bundeskanzler?“ antwortet: „Frau Merkel ist unsere Budeskanzlerin?“ An der „falschen“ Antwort kann man es nicht erkennen, denn sie ist ja nicht falsch, sondern richtig.
| Zitat: |
Zitat:
Verstehen läge vor, wenn wir richtig reagieren und Gründe dafür angeben können.
„mag ja sein. nur ist gründe angeben eben ein erhalten und damit richtiges reagieren im sinne deines kriteriums für verstehen!
beim turingtest, möchte man da wieder mal in erinnerung rufen, unterhält man sich miteinander!“ |
Ist denn der Nestbau nicht richtig, wenn der Vogel ihn nicht begründen kann?
Seit eh und je manscht Du alles, Sprache, Handlungen, Reflexe, Konditionierungen, Denken zum Verhalten zusammen und wunderst Dich, dass man irgendwelche Probleme haben kann, weil doch Verhalten alles erklärt.
Richtig, so ein Verhaltensbegriff erklärt alles, und dadurch wird er wertlos und verliert jede Trennschärfe.
Bezogen auf das Verstehen hilft uns das keinen Deut weiter.
| Zitat: |
Zitat:
Selbst wenn die Gründe falsch sind, so hat man doch ein Konzept, eine Theorie über sich, über die eigene Intentionalität, man glaubt zumindest zu wissen, warum man tut, ws man tut (und sagt).
„das zweifelt niemand an, nur hat die spinne auch eine theorie über sich. zugegebenermassen in einem anderen sinn als ein mensch eine theorie über sich hat, aber der unterschied spinne mensch läuft eben nicht dort, wo du ihn hier implizit verortest.“ |
Wo verläuft denn genau der Unterschied?
Klingt so, als sei Dir das bekannt.
| Zitat: |
| „"verstehen" kann man ebenso wie "theorie von sich selbst haben" entsprechend bildlich-graduell verwenden, ohne dass man sich gross verbiegen müsste.“ |
Ah, bildlich-graduell, lass mich raten, das ist das Äquivalent zu 1000 kleinen Schritten der Evolution, die bekanntermaßen auch für jede ausbleibende Erklärung herhalten müssen?
Von der Theorie der Amöbe zu der des Philosophen, nur ein paar Schritte, ein paar zu Zufälle und sehr viel Zeit.
Erklären kann so einfach sein, wenn man die lästigsten Fragen einfach nicht stellt.
| Zitat: |
„gerade weil unausgesprochen sowieso glasklar ist, dass das verstehen der spinne nicht in dem sinne zu verstehen ist, wie man es in anderen situationen mit menschen versteht.
zu sagen, dass jemand versteht, wenn er gründe angeben kann, ist sicher nicht falsch, nur wird es von dir so dargestellt, als brächte das einen fortschritt im gegensatz zu der behauptung, dass richtiges verhalten das kriteriuem für verstehen wäre. und das ist eben falsch, weil erstens, wie gesagt, gründe angeben durchaus verhalten und richtiges reagieren ist“ |
Was wäre denn falsches Reagieren, wer legt das fest?
| Zitat: |
„und zweitens gar nicht klarer ist zu sagen, die spinne kann keinen grund geben als zu sagen, sie verstehe nicht was sie tut. und in dem sinne war das von vornehrein klar und ein "deshalb" dazwischen zu setzen wäre nichts als lächerlich. und drittens, wie sähe denn eine spinne aus, die gründe angeben kann??
"richtiges verhalten" ist, zumindest bei dir, im wesentlichen ein strohmann.“ |
Und die Behauptung Strohmann, ist zumindest bei Dir und bei Schneemann, die Universalfloskel, wenn’s zum Argument nicht reicht, muss man nur verhaltensmäßig nachzählen.
| Zitat: |
Zitat:
Ich bin nun der Auffassung, dass diese Gründe eben unterschiedlich weit reichen können, d.h. man erfasst innere und äußere Faktoren (Daten, Motivationen, Wechselwirkungen) unterschiedlich weitreichend.
auch das ist ja nicht mehr als eine trivialität die das folgende nicht im geringsten stützt.
jeder würde dir bis hierher zustimmen. nur eben weiter nicht.
Zitat:
Wenn ich mich also im Winter im Büro bis auf die Unterhose ausziehe und das Fenster öffne, dann ist es ein guter Grund, wenn ich sage: „Ich tue das, weil ich mich abhärten will.“ Nur gibt es berechtigte Zweifel an dieser Begründung, wenn mir die Kollegen sagen würden: „Nee, du bist eben hypnotisiert worden und folgst einfach einem Befehl.“ Ich würde das abstreiten, dann würde jemand sagen: „Schau her, hier sind die Filmaufnahmen.“
„was bei dir eben ein guter grund ist und was ein berechtigte zweifel.
du berufst dich dabei auf den üblichen gebrauch...nur sind deine beispielsitautionen so weit weg von dieser üblichkeit, dass da nichts mehr zusammenpasst.
weder ist das da oben im normalen verständnis ein guter grund noch ist das andere ein berechtigter zweifel.“ |
Habe ich schlicht nicht verstanden.
| Zitat: |
Zitat:
Nun könnte ich konsistenterweise behaupten, dass die anderen sich einen bösen Scherz mit mir erlauben oder über die Natur meiner Psyche nachdenken. Freud wählte den zweiten Weg und schloss daraus, dass wir offenbar auch dann gute Gründe finden, wenn es keine gibt. Die gute Story, die unser Ichbild festigt, ist offenbar ein wichtiger Faktor, für unsere innere Stabilität.
„ist sicher auch richtig. aber wo ist die relevanz im zusammenhang?“ |
Schwierig, wenn man jeden Satz auseinanderpflückt, ohne Bezug zum Gesamtzusammenhang...
Ich will darauf hinweisen, dass Verstehen ein Bedürfnis des Menschen ist, das erst einmal zumindest weniger von Wahrheitsgehalt des „Verstandenen“ abhängt, als man glauben sollte.
Das bezieht sich auf die unterschiedliche Reichweite von „Verstehen“.
Es ist die Frage, ob wir „richtiges Reagieren“ als „Verstehen“ deklarieren wollen, tut man es kommt man in Situationen, in denen z.B. ein Ara ganz offensichtlich nicht versteht und das auch nie eine Frage war, wie Du selbst meinst – d.h. Dir ist, wie jedem, intuitiv klar, der Vogel ist dressiert, dazu ist er immerhin in der Lage, aber wir, auch Du, kämen nicht im Traum drauf von Verstehen zu reden.
Das Problem: er macht nichts falsch, sondern im Gegenteil alles richtig, er reagiert auf Reize (eine Frage) angemessen, mit einer richtigen Antwort. Du würdest nun sagen, dass sei eine Frage der Quantität, wie viele Frage er beantworten kann, doch die Frage ist prinzipieller Natur. Wenn man statt des Geiers einen Computer nimmt, der (wie beim Turing Test) eine Unzahl von Antworten abspeichern kann, wann ist die Grenze zum Verstehen, statt des bloßen Reagierens überschritten – wenn es denn eine gibt?
Der andere Punkt ist, dass Verstehen eventuell nicht nur ein erkenntnistheoretischer Prozess ist, bzw. wenn er es ist, nicht nur erkenntistheoretische Hürden im Weg stehen, sondern auch psychologische Hürden.
Ich glaube, dass wir nicht allein auf der Suche nach Wahrheit sind, sondern vorrangig, nach einer für uns runden Geschichte.
| Zitat: |
„das schiesst nun schon wieder weit übers ziel hinaus.
das kommt, wenn man nur in trivial und komplex denkt und das phänomen der komplexität partout nicht sehen will.
zweifellos sind bestimmte geschichten derart, dass sie nur als erfunden zählen können. aber beileibe nicht alle. andere sind "echte" begründungsgeschichten trotzdem sie weder aus etwas anderem als dem "mechanischen programmabläufen" noch einer weiteren mystischen zutat von irgendwo ausserhalb entsprungen sind.“ |
Woran macht man denn, so rein verhaltensmäßig, die Unterschiede fest?
| Zitat: |
Zitat:
Manchmal reicht dieser private Mythos aber nicht aus um unsere Interaktionen mit Welt zu erklären, nämlich immer dann, wenn wir ein stärkeres Ungleichgewicht vorfinden und wir mehr zu der einen triebhaften Seite gezogen werden oder mehr zu der anderen sozialen Seite. Wir verstehen uns dann selbst nicht und weil das ein blödes Gefühl ist, blenden wir bestimmte Daten einfach aus, psychologisch gesprochen verleugnen wir sie (d.h. der kognitive Gehalt ist uns bewusst, aber die emotionalen Konsequenzen für uns selbst und andere werden in eigenartiger Weise nicht gesehen) oder wir verdrängen (das ganze Thema wird ausgelagert, wir haben das Gefühl sowohl emotional als auch kognitiv nichts mit der Sache am Hut zu haben).
„jaja...
ausgeblendet wird grundsätzlich immer. wie sollte es anders sein?“ |
Eingeblendet.
Du machst doch oben selbst den Unterschied, warum soll er hier denn dann gleich wieder nicht gelten?
Wird denn alles was es so gibt ausgeblendet, laufen Menschen ohne jede Art der Wahrnehmung durch die Welt? Offenbar nicht. Also werden wohl ganz spezielle Daten ein- und ausgblendet, solche, die eine bestimmte Bedeutung haben, so 1000schrittig evolutionär betrachtet könnte man sagen dass sich bewegenden „Dinge“, die wie gestikulierenden und Schallwellen ausstoßende Dinge mehr Aufmerksamkeit bekommen, als Bahnschienen.
Aber warum werden dann bestimmte Botschaften – die physisch an sich sehr gut hörbar sind –, überhört, oder eben: nicht verstanden?
Kann man das noch mit Reizen und Reaktionen biologischer Art erklären?
| Zitat: |
Zitat:
Das führt langfristig zu Leid und Freuds Ansatz war die Empfehlung eine andere Deutung vorzunehmen, die ganzen Daten (statt nur jene der privaten Mythologie) mit ihn die Erklärung einzubeziehen und dem Individuum eine alternative Erklärung anzubieten: Könnte es nicht sein, dass dir das Thema gar nicht piepegal ist, sondern dass es dich in Wahrheit rasend macht, aber du Angst hast vor der eigenen Wut über diesen Menschen, den du doch eigentlich liebst? Gibt es nicht gewissen Anzeichen, Phantasien, Träume, Symptome, Versprecher, die darauf hinweisen, dass du gar nicht ruhig und gelassen bist, sondern in Wirklichkeit stocksauer? Was würde es denn bedeuten, wenn du den geliebten Menschen in manchen Situationen am liebsten gegen die Wand klatschen würdest, was würde es für dich, dein Bild von dir selbst bedeuten?
„jo, das problem ist nicht etwas der ansatz etwas anders zu sehen, problematisch war bei freud von anfang an seine fixierung auf eine dogmatische inhaltliche ausrichtung der alternativen deutung und des verkaufens dieser, ganz kind seiner zeit, als der richtigen deutung. bis zu einem gewissen grad ist das zwingend, aber freud lässt jeglichen ansatz zum lockeren umgang damit vermissen. es heisst nicht umsonst psychoanalyse. und wir wissen alle, dass die psychoanalyse nicht etwa in richtung "heilender mythos" gegangen ist.“ |
Wie sieht denn so ein lockerer Ansatz Deiner Meinung nach aus:
Kann stimmen, muss aber nicht?
Wenn es Spaß macht, kümmer‘ dich drum, wenn es anstrengend wird, vergiss‘ es?
| Zitat: |
Zitat:
Die flotte Einladung zru Revision seines Selbstbildes zugunsten von tieferen Zusammenhängen, die einerseits davon ausgehen, dass man primäre Affekte wie Wut nicht nicht haben kann und andererseits davon ausgehen, dass man drauf gedrillt werden kann, dass man geliebten Menschen gegenüber keine Wut zu empfinden hat.
„jo...an der wut hätte sich sicher niemand gestört. freud geht darüber eben doch etwas hinaus.“ |
Ja nu, war ein Beispiel für so eine typische Deutung, geht ja um verschiedene Arten von Verstehen.
| Zitat: |
Zitat:
Wenn die alternative Geschichte irgendwann mal überzeugender ist als die des privaten Mythos, dann ist das gewöhnlich ein Schock. Man erkennt, dass die Deutung über das eigene Verhalten der letzten Jahrzehnte nur ein geschönter Teil der ganzen (oder zumindest: umfassenderen) Geschichte ist, d.h. aber auch, man versteht sich selbst – und Psyche im allgemeinen – nachher besser.
siehste, das ist das problem dabei. die eine geschichte ist geschönt. die andere nicht.
an den geschichten, mal abgesehen von dem hang zum zwanghaften sexualisieren, stört sich niemand. daran dass die einen geschochten geschönt, die anderen aber ohne jeden weitern vernünfitgen grund ungeschönt genannt werden, daran schon.
unterschiedliche bewertung von solchen "geschichten" ist sicher nicht per se problematisch. es gibt da ziemlich unzweideutige dokumentierte beispiele.“ |
Merkst Du, dass den flotten Behauptungen sehr häufig jede Begründung fehlt?
Woran merkt man denn, am besten natürlich verhaltenstechnisch

, wann eine Gschichte überinterpretiert ist und wann sie nicht der Rede wert ist und die 72 Abstufungen dazwischen?
Die Antwort wird natürlich sein, am Verhalten, aber wie sieht es aus, ein verstehendes Verhalten, ein überinterpretierendes, ein unbegründetes, ein zwanghaftes...?
| Zitat: |
Zitat:
Auf einmal kann man nun Regeln denen man blind folgte, soziale Konditionierungen und biologische Triebe, viel bewusster explizieren. Man versteht auf einmal sehr viel mehr, wie man selbst tickt und man versteht auch, wie andere ticken.
|
Du meinst nicht? Jede Psyche ein unvergleichliches Unikat? Was willst Du dann mit Deskriptionen, was soll Dir Deine Kenntnis über Verhalten bringen, wenn Verhalten A im Grunde nie auf Verhalten B zu übertragen ist?
| Zitat: |
| „jo, aber das ist soweit nichts neues mit der psychoanalyse. reflexion hat die ja nun nicht entdeckt oder erfunden. da gehts dann schon mehr um behandlung psychischer krankheiten und inhaltlich dezidierter aussagen über das hier hinaus.“ |
Bekannterweise hat die PA unser Menschenbild ja auch kaum beeinflusst, was aber irgendwo natürlich sogar stimmt, wenn man liest wie im 21. Jahrhundert Erkenntnisse gefeiert werden, die im 19. Jahrhundert von Freud schon sehr viel tiefer durchdrungen wurden...
| Zitat: |
Zitat:
aber warum eigentlich?
Es wird ja im Grunde behauptet, dass ein zu unterkomplexer Erklärungsansatz zu mehr Leid als Freude führt und es wird darauf gebaut, dass es oberhalb des gegenwärtigen Ansatzes eine Ebene gibt, die diese divergierenden Daten in einer neuen Komplexität vereint.
Ist das nun bottom up, weil ja der evolutionäre Stress dafür sorgte, dass diese neue Komplexitätsebene entstanden ist, oder ist es top down, weil man einfach die Daten aus einer a priori integrierenden Sicht heraus erklärt?
„der vorgang ist natürlich btm up. was auch immer eine apriori integrierende sicht sein mag, wenn einen zusammenhang betrachten in welcher weise auch immer top down ist, dann ist es das natürlich und vieles andere mehr.
nur kann das ja so gar nicht zur debatte gestanden haben, wieso auch?
es wäre ein irrglaube zu meinen, man schaffe damit komplexität von oben herunter. wo systemgrössen allein schon zeichen eines top down ansatzes sind, da ist natürlich auch die physik sozusagen von grund auf top down. da man dort aber geradezu paradigmatisch den btm up ansatz verortet merkt man, dass da irgendwas merkwürdig läuft.“ |
Genauso paradigmatisch wie man Fragen nicht beantwortet?
Ist ja auch nicht schlimm, ich würde ja von keinem Teilchenphysiker Auskunft über meine Psyche haben wollen, aber wenn es ums Verstehen geht, ist die Aussage: Verstehen ist, wenn das Verstädnisareal stärker als gewöhnlich durchblutet ist halt nicht sehr gut.
Den Empirismus hast Du gratis in der Formulierung des Angebens von Gründen.
Wäre doch ein echter Kompromiss: was muss ich tun, um zu zeigen, dass ich verstanden habe? Gründe angeben oder es demonstrieren (dass man eine Regel praktisch anzuwenden versteht).
| Zitat: |
Zitat:
Technisch ist es die Angliederung einer Ebene die bereits vorhanden, aber vedrängt, ist, so dass man quasi auf eine primitivere Ebene zurückgeht (die „Regression im Dienste des Ich“) um diese primitive Ebene mit der sozialen zu einer neuen Ganzheit zu vereinen.
„du merkst doch aber selbst, wie man so in geschwafel abdriftet, oder?“ |
Nein, was genau ist Deine Kritik?
| Zitat: |
Zitat:
Das fordert vom Ich sich ganz praktisch zu trauen auch so zu fühlen und zu denken, wie man es sich vorher nie eingestehen konnte,
„himmel, höst du dir eigentlich manchmal auch zu?“ |
Ja, warum?
| Zitat: |
Zitat:
vor allem weil man gedrillt wurde, dass man so nicht zu sein hat und bisher alle verachtet (und klammheimlich bewundert) hat, die so sind.
lagerfeuerpsychoanalyse...?
männer müssen gar nicht so hart sein um echte männer zu sein...?
*seufz*“ |
Hast Du Zweifel daran, dass Rollenbilder tradiert werden?
| Zitat: |
Zitat:
Das macht diese Art von Verstehen zu mehr als einer hübschen neuen Theorie, sondern zu einer kognitiv-emotionalen Höchstleistung, man muss buchstäblich über seinen eigenen Schatten springen.
„sicherlich, aber das über den schatten springen hat die psychoanalyse auch nicht erfunden und nicht wenige inhaltliche aussagen scheinen sich allein aus den zeitgeschichtlichen gegebenheiten und schattenspringen aus prinzip zu ergeben.
niemand sagt, dass man nie nicht über seinen schatten springen müsste.
nur muss man es deswegen auch nicht zum prinzip erheben.“ |
Niemand sagt, dass man das zum Prinzip erheben muss, viele kommen ja ohne Sprung durchs Leben.
| Zitat: |
Zitat:
Verstehen wir das Verstehen, wenn wir es in einer reinen Objektsprache formulieren?
„verstehen wir denn "reine objektsprache"?“ |
Warum nicht, A berührt B und verändert dessen Position im Raum, ist doch zu verstehen.
| Zitat: |
Zitat:
Ich glaube, das bleibt immer defizitär, weil wir uns persönlich gemeint fühlen müssen.
„wir müssen uns beim verstehen verstehen persönlich gemeint fühlen???
vielleicht verstehen ja unterschiedliche leute verstehen verstehen auch höchst unterschiedlich...“ |
Ich schätze, darum hat Exe diesen Thread gestartet und wenn ich mich recht entsinne, habe ich von unterschiedlichen Reichweiten von Verstehen gesprochen.
| Zitat: |
Zitat:
Wir können unsere höchstpersönliche Lebensweise, unsere Prämissen, unser Weltbild, unser Selbstbild nicht herausrechnen ohne zu abstrakt zu werden. Ich glaube wir verstehen uns dann nicht richtig und wir sind es doch, die einen inneren Raum zu Verfügung stellen, vor dessen Hintergrund wir Daten erleben und interpretieren.
Es gibt keine Welt unabhängig von uns, wir können höchstens von unserem höchstpersönlichen Erleben ausgehend schließen, folgern, urteilen, dass es nicht anders sein kann, als dass auch andere Wesen diese Perspektive zur Verfügung haben.
„es gibt keine welt unabhängig von uns. mein kandidat für die floskel des jahres.“ |
Super, wo Du doch so gerne das gleiche erzählst, das Ich als Grenze der Welt und so, dass Du mich nur anhand Deiner höchst eigenen Reaktionen wahrnimmst. Vielleicht hat ja ein dramatischer Sinneswandel stattgefunden, oder Dein Gedächtnis lässt Dich irgendwie im Stich, oder Du verstehst selbst nicht, was Du schreibst, wäre dann für dieses Thema irgendwie auch lehrreich.
| Zitat: |
„du weisst so gut wie alle anderen hier, dass es im üblichen verständnis sehr wohl eine welt unabhängig
von uns gibt. auf etwas weitergehendes bezieht sich das schlicht nicht.“ |
Es ist einfach ein wenig anstrengend nachvollziehen zu können, wo’s denn bitte 120%ig sein soll und wo nun wieder die allergewöhnlichste Sichtweise zum Maßstab genommen werden soll. Da bist Du einfach sehr sprunghaft, was Dir dazu verhilft, dass irgendwie alles ganz einfach ist, Kunststück bei beliebig vielen Perspektiven, die man mal eben so einnimmt um die gleich wieder fallen zu lassen.
Wie erklärt denn der strenge bottom upianer, dem keine Warum-Frage intelligent genug ist, was so verhaltenstechnisch und bottom up ein „übliches Verständnis“ ist?
Ich meine, nach dem üblichen Verständnis von üblichem Verständnis werden wir da sicher schnell einig, nur wollen wir ja der Sache auf den Grund gehen, mit dem Verstehen, da passt die Floskel vom üblichen Verständnis dann nicht so richtig gut.
| Zitat: |
„als gezielte provokation...meintewegen. aber wen provozieren? btm up ansätze? damit wohl eher nicht.
gleichzeitg widerspricht sich eine höchstpersönliche perspektive mit anderen, die diese perspektive ebenfalls einnehmen. sie ist dann eben nicht mehr höchstpersönlich.“ |
Könnte dann aber verglichen werden, nicht wahr?
| Zitat: |
| „mehr als trivialitäten verstecken sich dahinter doch auch nicht. wie alle wissen, wass es heisst, dass eine perspektive im eigentlichen sinn unteilbar ist und andererseits natürlich auch, was damit gemeint ist, eine perspektive zu teilen. so what. kryptische kalendersprüche daraus zu zaubern ist sicherlich auch nicht jedem vergönnt, aber das macht die deswegen ja noch nicht zu tieferen einsichten.“ |
Du meinst solche, die Du hier gleich reihenweise zu bieten hast?
Du bist ja nach meinem Wissen vom konstruktiven Diskurs nicht ausgeschlossen, also nur zu.
| Zitat: |
„also teleologisch ist sicher nicht das gleiche wie top down.
von verstehen verstehen war bis hierher übrigens weit und breit nichts.
in gewisser hinsicht ist auch geometrie verstehen eine art selbsterkenntnis...“ |
Das hilft natürlich ungemein....
| Zitat: |
Zitat:
Dies ist so der Versuch einer groben Skizze der Evolution von „Innen“, was mir bei den objektivierenden Ansätze missfällt, ist, dass das Ich und seine Komptenzen dort zunehmend eingeschränkt beschrieben werden, man redet über neuronale Netze und dass das Ich doch eigentlich nur Illusion sei, eine biologisch funtionslose Selbstbespaßungsschleife, die auf dem Boden von Urteieln, Gründen und Argumenten funktioniert, einer Basis die man in naturwissenschaftlichen Darstellungen schlicht nicht findet, weil man der Natur kausale Zwänge aufgrund von Ursachen unterstellt, man kann dann nicht anders, als der Regel zu folgen, kein Proton sagt: „Ach, schaiß Gravitation, habe ich heute keinen Bock drauf“ aber die Verkehrsregeln, die sozialen Konventionen, können wir brechen, unsere Vorstellungen von einer Regel sind zu ändern.
„letzteres ist zweifellos richtig...nur inwiefern soll das, kann das argument sein hier.“ |
Hm. Verstehen heißt, Vorstellungen von Regeln zu folgen und diese Vorstellungen darstellen zu können, vielleicht so?
| Zitat: |
Zitat:
Aber eben nur im Individuum, das nun andere Überzeugungen besitzt, erklärt man es weg, ist man gezwungen aus Gründen Ursachen zu machen, die letztlich nur Physik sind, man erklärt die Funktion von Systemen durch andere, Systeme und ich glaube das landet einfach im infiniten Regess.
als erstes mal landet es in der komplexität des modells.
und aus gründen ursachen machen...das hört sich so an... aber so ist das ja, musst du zugeben, einfach nicht richtig wiedergegeben.
schau dir doch an, wie bei gödel form gar nicht anders kann als inhalt zu sein.“ |
Du hast bis vor kurzem noch geleugnet, dass es zwischen Ursachen und Gründen überhaupt Unterschiede gibt, also, ...
Was Du zu sagen hast, kannst Du ja klar mitteilen.
| Zitat: |
Zitat:
Man versucht af der Basis immer schon vorhandenen und immer stärker wachsenden Verstehens, dass sogar Theorien über dies und das zu formulieren in der Lage ist, das verstehende Subjekt, das sich von besseren Gründe überzeugen lässt, dadurch (weg) zu erklären, dass man behauptet, dieses Subjekt und seine Gründe und Überzuegungen gäbe es gar nicht, aber implizit behauptet man, das sei die bessere, überzeugendere Lösung.
Hierin sehe ich einen schwer aufzulösenden Widerspruch.
„aber nur, weil du es derart verkürzt wiedergibst.“ |
Also bitte, ich verbiete niemandem den Mund, mir ist eine Erklärung sehr willkommen, und sei sie 30 Seiten lang.
| Zitat: |
„noch so längliche ausführliche darstellungen psychoanalytischer praxis aus deiner sicht ändern an der verkürztheit der darstellung dieses punktes ja nicht das gerinste.
wegerklärt wird gar nichts.
es ist nur so, dass man nun mal mit dem erklären muss, was man hat. und ein "ich" hat man in diesem sinne nunmal nicht.“ |
Vielleicht hat man aber auch gerade das. Wer ist es denn, der forschen und sich du die Welt in einem tieferen Sinne verstehen will? Die Wolke, der Wurm, der Bartgeier? Doch eher wir, die wir uns selbst als Ich erfahren und den anderen als Du erleben.
Das leugnen zu wollen ist nun ...amüsant, aber der Weg dahin, okay, es gab Zeiten, da gab es vermutlich kein Ich, also kann man es ruhig so erklären, kommt am Ende raus, ein Ich gibt es gar nicht, sollte man kurz drüber lachen wie blöd man ist und neu beginnen.
| Zitat: |
„mit einem "ich" ist nichts erklärt, weil es, in einer erklärung unerklärt, eben als solches bestehen
bleibt.“ |
Ich sage ja auch eher, dass man ohne Ich Verstehen schlecht erklären kann.
Das hängt dann schon zusammen.
| Zitat: |
„da wird doch nichts klarer. bei alldem was du dazu jetzt ausgeführt hast, wird damit klar, was verstehen ist? das willst du nicht ernsthaft behaupten, oder?
ein verstehendes subjekt als solches stehen zu lassen führt in einen unhaltbaren dualismus, denn atome sind sicher keine verstehende subjekte. also versucht man, nicht unbegründet, den anderen weg zu gehen udn u sagen, verstehende subjekte sind in diesem sinne auch nichts anderes als atome.“ |
Diesen hohen Anspruch habe ich durchaus des öfteren bemerkt, ich warte einfach geduldig auf die Antwort.
Bisher habe ich viele Anläufe gesehen, aber keinen Sprung, Du?
| Zitat: |
„das verstehende subjekt als solches zu erklären ist ja doch kein wegerklären. und wie bei jeder erklärung wir auf etwas anderes zurückgeführt und damit verschwindet das zu erklärende natürlich in diesem erklärenden sinn.
da wir nunmal von der tatsache der unbewussten und unbelebten welt ausgehen können und sehen, dass bewusstes und belebtes sehr wohl aus unbewusstem und unbelebtem zu verstehen ist, umgekehrt aber eher weniger, muss dein verharren bei verstehenden subjekten als unerklärten solchen von vorneherein zu
inkonsitenzen im grossen entwurf führen.“ |
Der Begriff den Unbewussten meint hier aber etwas völlig anders, als in der PA, aber dass man um Gründe anzugeben, wenn man das als Grenze akzeptiert wissen muss, was man tut, könnte richtig sein.
| Zitat: |
„du kannst natürlich sagen, der interessiert mich gar nicht oder ähnliches. sicher legitim. nur musst du den anderen dann auch nicht vorwerfen, sie wöllten etwas weg erklären nur weil sie es eben in diesen entwurf einordnen möchten und nicht nur beziehungslos nebeneinand stehen lassen und eben erklären wollen.
du kannst da echt nen gang runterschalten.“ |
Ich werfe eigentlich wie gewohnt nur vor, dass sich der behauptete immense Vorteil bestimmter Verfahren dann doch immer wieder nicht so einstellt, wie behauptet. Vielleicht kann man das einfach mal grundsätzlich was dran drehen?
Gruß,
Carsten