Der Russe
Hallo!
Ich habe Klärungsbedarf zu den unten markierten Textpassagen aus der Vorrede der Prolegomena, weil ich Humes Werk nicht kenne:
"HUME ging hauptsächlich von einem einzigen, aber wichtigen Begriffe der Metaphysik, nämlich dem der Verknüpfung der Ursache und Wirkung, (mithin auch dessen Folgebegriffe der Kraft und Handlung etc.) aus, und forderte die Vernunft, die da vorgibt, ihn in ihrem Schoße erzeugt zu haben, auf, ihm Rede und Antwort zu geben, mit welchem Rechte sie sich denkt: daß etwas so beschaffen sein könne, daß, wenn es gesetzt ist, dadurch auch etwas anderes notwendig gesetzt werden müsse; denn das sagt der Begriff der Ursache. Er bewies unwidersprechlich: daß es der Vernunft gänzlich unmöglich sei, a priori, und aus Begriffen eine solche Verbindung zu denken, denn diese enthält Notwendigkeit; es ist aber gar nicht abzusehen, wie darum, weil etwas ist, etwas anderes notwendiger Weise auch sein müsse, und wie sich also der Begriff von einer solchen Verknüpfung a priori einführen lasse.(*) Hieraus schloß er, daß die Vernunft sich mit diesem Begriffe ganz und gar betriege, daß sie ihn fälschlich vor ihr eigen Kind halte, da er doch nichts anders als ein Bastard der Einbildungskraft sei, die, durch Erfahrung beschwängert, gewisse Vorstellungen unter das Gesetz der Assoziation gebracht hat, und eine daraus entspringende subjektive Notwendigkeit d. i. Gewohnheit, vor eine objektive | aus Einsicht unterschiebt.(**) Hieraus schloß er: die Vernunft habe gar kein Vermögen, solche Verknüpfungen, auch selbst nur im allgemeinen, zu denken, weil ihre Begriffe alsdenn bloße Erdichtungen sein würden, und alle ihre vorgeblich a priori bestehende Erkenntnisse wären nichts als falsch gestempelte gemeine Erfahrungen, welches ebensoviel sagt, als, es gebe überall keine Metaphysik und könne auch keine geben."
(*) Spricht er hier (nach dem 1ten Doppelpunkt) vom Begriff "Kausalität" (also "Verknüpfung der Ursache und Wirkung") oder vom Begriff "Ursache"? Oder machen die beiden Begriffe für ihn (Hume?) keinen Unterschied?
Ich formuliere die angegriffene (metaphysische) Lehrmeinung so: "Jedes Ereignis hat eine Ursache, bzw. es ist notwendig für ein Ereignis, ursächlich zu sein." Mit dieser Formulierung scheinen für mich "Ursache" und "Wirkung" in der Tat Synonyme zu sein.
Den Angriff, auf den Kant hier verweist, verstehe ich so (Ausführungen nach dem 2ten Doppelpunkt). Aus der bloßen Einführung eines Begriffes, was wohl eine gängige Praxis in der Metaphysik ist/war, darf kein uneingeschränkter Glaube an die Substanz dieses Begriffes erwachen, denn damit glaubt man, dass sich das Denken einer Notwendigkeit, die im eingeführten Begriff steckt, durch die Willkür dieses Begriffes jenseits jeder Erfahrung vollziehen kann. Doch jeder Begriff wurzelt in der Erfahrung, d.h. man muss etwas zuerst bewußt erfahren, um es dann überhaupt in einem Begriff fassen zu können.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich's richtig verstanden habe, denn die Unmöglichkeit des Denkens (der Verknüpfung der Ursache und Wirkung) aus Begriffen wird hier nur damit begründet, dass "denn diese enthält Notwendigkeit". Ich wünschte mir genau an dieser Stelle weitere Erläuterung.
(**) Also, wenn ich richtig verstehe, besteht die (wie es später im nächsten Paragraphen heißt) "übereilte" Folgerung Humes darin, dass eine objektive Einsicht gar nicht möglich sei, denn vermittelst Erfahrung assoziiert der Mensch seine Erlebnisse mit Begriffen, die in der Sprache ihren Ausdruck finden. Alsdann besitzt die Notwendigkeit der Ursache für ein Ereignis, Prozess, Dingbeschaffenheit usw. eine streng subjektive Prägung, weil wir uns diese Notwendigkeit, aus Gewohnheit, nur aus erfahrbaren Erlebnissen schöpfen.
Ich bitte hierzu um Kommentare/Anmerkungen...es wäre sehr hilfreich, wenn jemand in diesem Zusammenhang zu Humes Position mehr sagen würde...
Ich habe Klärungsbedarf zu den unten markierten Textpassagen aus der Vorrede der Prolegomena, weil ich Humes Werk nicht kenne:
"HUME ging hauptsächlich von einem einzigen, aber wichtigen Begriffe der Metaphysik, nämlich dem der Verknüpfung der Ursache und Wirkung, (mithin auch dessen Folgebegriffe der Kraft und Handlung etc.) aus, und forderte die Vernunft, die da vorgibt, ihn in ihrem Schoße erzeugt zu haben, auf, ihm Rede und Antwort zu geben, mit welchem Rechte sie sich denkt: daß etwas so beschaffen sein könne, daß, wenn es gesetzt ist, dadurch auch etwas anderes notwendig gesetzt werden müsse; denn das sagt der Begriff der Ursache. Er bewies unwidersprechlich: daß es der Vernunft gänzlich unmöglich sei, a priori, und aus Begriffen eine solche Verbindung zu denken, denn diese enthält Notwendigkeit; es ist aber gar nicht abzusehen, wie darum, weil etwas ist, etwas anderes notwendiger Weise auch sein müsse, und wie sich also der Begriff von einer solchen Verknüpfung a priori einführen lasse.(*) Hieraus schloß er, daß die Vernunft sich mit diesem Begriffe ganz und gar betriege, daß sie ihn fälschlich vor ihr eigen Kind halte, da er doch nichts anders als ein Bastard der Einbildungskraft sei, die, durch Erfahrung beschwängert, gewisse Vorstellungen unter das Gesetz der Assoziation gebracht hat, und eine daraus entspringende subjektive Notwendigkeit d. i. Gewohnheit, vor eine objektive | aus Einsicht unterschiebt.(**) Hieraus schloß er: die Vernunft habe gar kein Vermögen, solche Verknüpfungen, auch selbst nur im allgemeinen, zu denken, weil ihre Begriffe alsdenn bloße Erdichtungen sein würden, und alle ihre vorgeblich a priori bestehende Erkenntnisse wären nichts als falsch gestempelte gemeine Erfahrungen, welches ebensoviel sagt, als, es gebe überall keine Metaphysik und könne auch keine geben."
(*) Spricht er hier (nach dem 1ten Doppelpunkt) vom Begriff "Kausalität" (also "Verknüpfung der Ursache und Wirkung") oder vom Begriff "Ursache"? Oder machen die beiden Begriffe für ihn (Hume?) keinen Unterschied?
Ich formuliere die angegriffene (metaphysische) Lehrmeinung so: "Jedes Ereignis hat eine Ursache, bzw. es ist notwendig für ein Ereignis, ursächlich zu sein." Mit dieser Formulierung scheinen für mich "Ursache" und "Wirkung" in der Tat Synonyme zu sein.
Den Angriff, auf den Kant hier verweist, verstehe ich so (Ausführungen nach dem 2ten Doppelpunkt). Aus der bloßen Einführung eines Begriffes, was wohl eine gängige Praxis in der Metaphysik ist/war, darf kein uneingeschränkter Glaube an die Substanz dieses Begriffes erwachen, denn damit glaubt man, dass sich das Denken einer Notwendigkeit, die im eingeführten Begriff steckt, durch die Willkür dieses Begriffes jenseits jeder Erfahrung vollziehen kann. Doch jeder Begriff wurzelt in der Erfahrung, d.h. man muss etwas zuerst bewußt erfahren, um es dann überhaupt in einem Begriff fassen zu können.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich's richtig verstanden habe, denn die Unmöglichkeit des Denkens (der Verknüpfung der Ursache und Wirkung) aus Begriffen wird hier nur damit begründet, dass "denn diese enthält Notwendigkeit". Ich wünschte mir genau an dieser Stelle weitere Erläuterung.
(**) Also, wenn ich richtig verstehe, besteht die (wie es später im nächsten Paragraphen heißt) "übereilte" Folgerung Humes darin, dass eine objektive Einsicht gar nicht möglich sei, denn vermittelst Erfahrung assoziiert der Mensch seine Erlebnisse mit Begriffen, die in der Sprache ihren Ausdruck finden. Alsdann besitzt die Notwendigkeit der Ursache für ein Ereignis, Prozess, Dingbeschaffenheit usw. eine streng subjektive Prägung, weil wir uns diese Notwendigkeit, aus Gewohnheit, nur aus erfahrbaren Erlebnissen schöpfen.
Ich bitte hierzu um Kommentare/Anmerkungen...es wäre sehr hilfreich, wenn jemand in diesem Zusammenhang zu Humes Position mehr sagen würde...