Fernsehen und Einfluss

DayDream87
Hallo! Dass Medien schon immer einen großen Einfluss auf den Menschen ausübten, dürfte ja allgemein bekannt sein. Ich möchte hier aber den Fokus auf das Fernsehen lenken. Genauer gesagt, geht es mir um Phänomene, die ich schon seit einiger Zeit beobachten kann.

Ich möchtel mich hier speziell auf private Sender beziehen (nennen wir sie LTR, 1Sat etc.)
Zu sehen gibt es dort mittlerweile fast nur noch Sendungen ohne Inhalt. Zudem sind die Sendungen meist gestellt und haben nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Die Produzenten scheinen mit jeder ausgestrahlten Sendung eine Art Pseudomoral verbreiten zu wollen. Wie wirken solche Produktionen auf jüngere Zuschauer? Wieso lassen sich die Menschen von diesem Mist berieseln? Sie tun es ja, sonst würden diese Sendungen nicht mehr laufen. Ist es ein Genuss, eine Befriedigung immer die ewig gleichen, leeren Sendungen zu schauen? Ich denke, dass das auf Dauer eine Gefahr für unseren Bildungsstandart ist, womöglich hat es schon längst Einfluss darauf genommen.

Eine andere Sparte wird gefüllt mit "Informationen" zu weltbewegenden Themen wie Mode, Lifestyle, Stars und Sternchen, Luxus und anderen unverzichtbaren News. Dem Zuschauer wird hier eine Welt gezeigt, die dem einfach Mann niemals offen stehen wird. Frustration ist die Folge. Wenn ich auf der Mattscheibe ständig Glanz & Glamour sehe, dann steigen doch folglich die eigenen Ansprüche an die Arbeit, das Aussehen und so weiter. Ein möglicher Grund für kollektive Unzufriedenheit?

Dann gibt es noch diese großen Publikumsshows. Anscheinend haben die jüngeren Zuschauer keine wirklichen Vorbilder mehr, sodass von einem auf den anderen Tag ein Unbekannter plötzlich einen zweifelhaften Ruhm erlangt und das Gesprächsthema Nummer 1 ist, nach dem Motto vom Tellerwäscher zum Millionär.

Kollektive Verblödung? Volksverdummung? Materialismus? Ein für -mich persönlich- beunruhigender Trend. Auch wenn vielleicht auf den ersten Blick nicht danach aussieht.
DreamingNB
Dass die Medien das ausstrahlen was (gerne) angesehen wird, hast du selbst erkannt. Ich denke daher ist es klar, dass die sog. Verdummung zum größten Teil vom "einfachen" Volk ausgeht, zumindest was die inhaltsleeren Unterhaltungssendungen angeht. Die angesprochene Pseudomoral ist sicherlich ein Faktor an dem möglicherweise negative Beeinflussung auf Kinder stattfindet. Aber diese Beeinflussung ist in durch gewisse Eltern viel gefährlicher. In Film und Fernsehen, sowie in den ältesten Erzählungen, ob Märchen oder Roman, ging es immer darum eine gewisse Moral triumphieren zu lassen, bzw das allgemein anerkannt Gute zum Sieg zu schreiben. Das funktioniert nunmal sehr gut, weil es wohl gewisse Bedürfnisse der Massen befriedigt. Da es denen nicht bewusst ist, wird es ihnen auch nicht zu viel. Ich sehe also eher, dass der Erfolg dieser Sendungen unseren Bildungsstandard widerspiegelt, der von anderen Faktoren maßgeblich beeinflusst ist.

Dass die sog. News im genannten Sinne Werbesendungen sind, ist klar. Hier sehe ich eher die gezielte Beeinflussung. Und ja, die unerfolgreichen sollen sich gefälligst dafür schlecht fühlen nicht genug zu konsumieren... zumindest wollen das die Verantwortlichen verständlicherweise. Allerdings kann ich kein Mitleid für jene empfinden, die sich nun als erwachsene Menschen tatsächlich davon lenken lassen. Bei Kindern ist es in der Tat ein großes Problem. Aber jeder hätte wohl die Jugend in seinem persönlichen Sinne erzogen und wer mehr Macht hat, hat die Wahl.

Vorbilder funktionieren meiner Erfahrung nach nur im direkten Umfeld und nicht in den Medien. Eltern, Lehrer, Trainer etc. eignen sich zB ideal als Vorbilder für Kinder, versagen aber oft deutlich. Doch ist hier wieder die Subjektivität der gewünschten Auswirkungen der Vorbilder, sowie der ganzen Erziehung hervorzuheben. Vielleicht sind andere mit genau dieser Entwicklung sehr zufrieden.

Insgesamt sehe ich nicht unbedingt einen Trend zur kollektiven Verblödung. Es sind imho ganz bestimmte Schichten betroffen, die ihre Blödheit quasi jetzt durch die Medien bedienen lassen können und dadurch evtl auf ihrem Blödheitslevel bleiben. Auf der anderen Seite gibt es natürlich eine beabsichtigte Tendenz in den Medien Konsum zu verherrlichen. Das ist in werbefinanzieren Branchen ganz natürlich.

Die eigentlich Volksverdummung findet am oberen Ende statt. Nämlich beim enormen Leistungsverfall an Gymnasien und Universitäten. An immer mehr mittelmäßigen Absolventen mit guten Noten und oberflächlicher Ausbildung statt Bildung. Da wo was zu Verdummen ist, ist die Gefahr am größten. Um die LTR und 1Sat Zuschauer mache ich mir weniger Sorgen. (aber dieses Thema gehört eigentlich in einen anderen Thread)
Shamatic
@DreamingNB
Zitat:
Insgesamt sehe ich nicht unbedingt einen Trend zur kollektiven Verblödung. Es sind imho ganz bestimmte Schichten betroffen, die ihre Blödheit quasi jetzt durch die Medien bedienen lassen können und dadurch evtl auf ihrem Blödheitslevel bleiben.

Zeigt dies nicht, dass der Begriff der "Blödheit" bzw. "Verblödung" einfach nicht taugt um gesellschaftliche Prozesse hinreichend nachvollziehen zu können ?

Zitat:
Dass die Medien das ausstrahlen was (gerne) angesehen wird, hast du selbst erkannt.

Ich würde dafür plädieren, das Verhältnis als "dialektisches" zu begreifen d.h. im Sinne einer gegenseitigen, wechselnden Beeinflussung und nicht die eine Seite (hier: Die "Zuschauer" bzw. "Konsumenten") als das Primäre zu setzen. So behandelt man die "andere Seite" (die Medienproduzenten und deren politisch-ökonomische Rahmenbedingungen) als rein passives Element, welches einfach nur reagiert. Das halte ich für falsch. Ebenso wie die Naturalisierung von Eigenschaften wie "Blödheit", als sei das etwas angeborenes.
Agent Orange
Zitat:
Original von Shamatic
Ich würde dafür plädieren, das Verhältnis als "dialektisches" zu begreifen d.h. im Sinne einer gegenseitigen, wechselnden Beeinflussung und nicht die eine Seite (hier: Die "Zuschauer" bzw. "Konsumenten") als das Primäre zu setzen. So behandelt man die "andere Seite" (die Medienproduzenten und deren politisch-ökonomische Rahmenbedingungen) als rein passives Element, welches einfach nur reagiert. Das halte ich für falsch. Ebenso wie die Naturalisierung von Eigenschaften wie "Blödheit", als sei das etwas angeborenes.


Genau, die Entwicklung von zielgruppenorientierten Medienangeboten ist kein einseitig gestaltbarer Prozess, sondern das vergangene Angebot wirkt auf die Rezeption des aktuellen und das wiederum in die Zukunft. Die Zuschauer werden gewissermaßen auch für lukrative (geistige und kostenmäßige)Billigproduktionen dressiert.
Doctior
Massenverblödung?Jein.Man muss sich natürlich auch die Frage stellen, warum die Leute sich diese leeren Shows ansehen.Viele Sendungen sind absichtlich dumm gestaltet, die Produzenten zeigen Ausnahmefälle und oft steckt Hinterhalt dahinter,es werden bewusst Menschen gezeigt über die man lacht, weil man sich nicht vorstellen kann so zu leben oder zu sein.Sie beabsichtigen diese Leute lächerlich zu machen.Ihr Produkt besteht darin für halbwegs gebildete Menschen in ironischer Weise amüsant zu sein-Schadenfreude ist die schönste Freude; man ist froh nicht so zu sein lacht über diese.

Soziologisch gesehen ruft dieses Thema sehr interessante Aspekte hervor.Die Macher produzieren eine Show, die sie selbst eigentlich nicht interessant finden sondern sie vermarkten können und mit ihr Erfolg haben können.Eigentlich üben sie in der Show schon Kritik an der Gesellschaft aus, weil sie überzeugt sind ihr Produkt sei ein Treffer und sie aber diese Menschen auslachen,verspotten die sie zeigen-weiter gibt es dann diese Cartoons und Comicserien (Simpsons,Family Guy etc.) welche wiederum die Castings resp.Talkshows auf die Schippe nehmen und gesellschaftskritisch aufgebaut sind.Jedoch auch ihr Produkt,welches Gewinn erbringen soll und kommerziell ist löst Massenverblödung aus.Dieses Ziel dieser leeren Sendungen ist sehr paradox..
Neo
Hi,

Zitat:
Original von DayDream87
Eine andere Sparte wird gefüllt mit "Informationen" zu weltbewegenden Themen wie Mode, Lifestyle, Stars und Sternchen, Luxus und anderen unverzichtbaren News. Dem Zuschauer wird hier eine Welt gezeigt, die dem einfach Mann niemals offen stehen wird. Frustration ist die Folge. Wenn ich auf der Mattscheibe ständig Glanz & Glamour sehe, dann steigen doch folglich die eigenen Ansprüche an die Arbeit, das Aussehen und so weiter. Ein möglicher Grund für kollektive Unzufriedenheit?

das ist ja der Sinn der Sache. Das Herz unserer Welt, in der sich alles um Kommerz und Konsum dreht, schlägt nunmal nur aufgrund dieser Begehrlichkeiten und Bedürfnisse, die ständig neu geschaffen und aufrecht erhalten werden müssen.
Frust kommt da kaum auf. Das ganze ist eher eine Schlafpille, die man möglichst regelmäßig verabreicht bekommt, um besser weiter träumen zu können, von der schönen reichen Welt, die ja ganz real existiert, schließlich wird sie einem jeden Tag präsentiert.
Was früher Prunk und Gloria der Feudalherren und Monarchen für das niedere Volk war, sind heute diese Promi-Sendungen.

Zitat:
Original von DayDream87
Kollektive Verblödung? Volksverdummung? Materialismus? Ein für -mich persönlich- beunruhigender Trend.

Yip. Und da steht durchaus Methode dahinter. Ist kein Zufall dass der ganze Dreck ausgerechnet aus USA zu uns rübergeschwappt ist, dem Inbegriff von Kommerz und Kapital.

Gruß

EDIT:
Damals zur Zeit der Kohl-Ära als man durch die Änderung der Mediengesetze die Privatsender etabliert hat, war dieses Phänomenen schon bekannt. es gab schon damals Soziologen und Psychologen, die aus der Beobachtung der USA wußten, wie man mit diesem Medium ein ganzes Volk manipulieren kann, ohne dass es nach Manipulation aussieht.
Aber das war seitens unserer damaligen Regierung ja sogar gewünscht.
'Opium für das Volk' 2.0. Sozialer Friede durch Gehirn-Amputation.

Das dumme Nutzvieh in den Ställen, dem man leise klassische Musik vorsäuselt und Dias von der grünen Weide zeigt, weil sie dann mehr Milch produzieren. Erinnert mich doch sehr an 'Matrix'.
Gil Gamesh
Zitat:
Original von Neo
'Opium für das Volk' 2.0. Sozialer Friede durch Gehirn-Amputation.


Und genau hier unterscheiden sich unsere Positionen prinzipiell. Funktional ist das "Opium" für die Herrschaft in der Tat. Doch auch hier wird dem Volk nichts vorgesetzt, gegen das es sich nicht wehren kann. Der Spruch lautet richtig, "Opium des Volkes". Das Volk berauscht sich nämlich selbst, mit Wille, Verstand und Bewusstsein. Der Einzelne entscheidet selbst und durch die Anwendung der blödsinnigen Abstraktion "Dummheit" macht man sich die Sache einfach und will eigentlich gar keinen Fehler in den Gedanken des "Dummen" entdecken. Worin besteht er denn, der Fehler? Was ist verkehrt am Konsumieren? Was ist verkehrt am "Fernsehen"?

Hier wird doch deine moralische Haltung praktisch. Du führst da irgendeine feinsinnige Unterscheidung in deinem Verstand zwischen guten und schlechten Bedürfnissen. Und diese Unterscheidung soll schon für sich sprechen. Da brauchst du keinen Aufwand zu betreiben und mal einen Fehler an so einem "schlechten" Bedürfnis nachweisen. Damit will ich aber nicht sagen, dass Bedürfnisse Irrationalitäten erzeugen können, also zum Beispiel 2.000 Paar Schuhe besitzen zu müssen, u. ä.

So entsteht übrigens eine Ideologie, eine fehlerhafte Theorie. Du hast das Interesse, dass die Menschen einsehen, einen Fehler zu begehen, indem sie dies und jenes Schlechte tun. Stellst aber fest, irgendwie scheinen sie es nicht zu kapieren, obwohl deren Fehler doch deines Erachtens auf der Hand liegt. Dein Fehlschluss besteht jetzt darin, dass da irgendeine äußere Abstraktion auf eine innere Abstraktion wirkt und umgekehrt, umgekehrt. Ergebnis: Na klar! Die Menschen sind dumm, sonst würden sie es ja einsehen etwas verkehrt zu machen, so wie du es auch irgendwann irgendwie eingesehen hast. Du scheinst also nicht dumm zu sein. Das mit der roten Pille hast du wohl etwas falsch verstanden. Eine ziemlich elitäre Position. Und es verdeckt deine Faulheit, vernünftig zu überzeugen, du verlegst deinen Fehler in die Dummheit der Menschen. Du erfindest eine dir passende Erklärung zur Aussichtslosigkeit der Lage.
Menschen sind nicht dumm. So ziemlich jeder ist des Denkens fähig. Ein Gedanke kann eine Dummheit enthalten, das ja. Aber die Dummheit lässt sich nachweisen. Das kostet oft eine Menge Aufwand, auch weil du dir selbst über bestimmte Theorien erst klar werden musst, Argumente sammeln, usw. Vor allem, wenn du genug Leute überzeugt bekommen willst, etwas zu ändern. Das Generalurteil Dummheit passt dir nur zu gut in den Kram (Interesse), weil es deine Ohnmacht überdeckt und du dir den Aufwand einer inhaltlichen "Agitation" sparen kannst, also den genauen Fehlernachweis, Sachargumente, usw.
Tritt doch mal hinter dein Ohnmachtsgefühl zurück und sieh dir doch mal an, was die Leute tun ohne gleich über jedes ihrer Verhaltensweisen ein moralisches Urteil zu fällen unter Absehen vom eigentlichen Verhalten. Wenn jemand Holz hackt, sieht das vielleicht für dich aggressiv aus, für mich sieht das nach Holz hacken aus. Wenn jemand eine Nachmittagstalkshow im Fernsehen sieht, dann mag das für dich eine dumme Freizeitbeschäftigung sein, für mich wird da nur eine Nachmittagstalkshow angesehen. Und jetzt mach dich auf die Suche nach den Gründen dafür, warum sie es tun. Warum hackt der eine Holz? Weil er vermutlich Holz für den Ofen braucht? Man müsste ihn fragen, nach seinen Gründen. Wenn du jetzt wegen seiner aggressiven Tätigkeit darauf schließt, dass in ihm ein Aggressionspotential vorhanden sein muss, ist das eine theoretische Verdopplung. Aggressionspotential ist für aggressives Verhalten verantwortlich. Wer hätte das gedacht. Ein Zirkelschluss. Das Gleiche mit der Dummheit des Talkshowschauers. Er muss wohl dumm sein, um so eine Dummheit zu begehen. Na klar doch. Vielleicht will er sich einfach nur die Zeit vertreiben, interessiert sich für andere Menschen. Er hat seinen Grund. Für dich vielleicht irrational, aber das müsstest du ihm nachweisen, mit einem Argument. Und welches Argument sollte da schon einschlagen, das ihn überzeugt, wenn er zufrieden ist und niemanden schädigt. Das klappt erst, wenn er unzufrieden ist, sich zum Beispiel laut beklagt, darüber, dass er zu fett sei und kaum noch schnaufen könne. Dann hast du Argumente innerhalb einer Zweck-Mittel-Rationalität parat. Also zum Beispiel, wenn es das Interesse ist, besser atmen zu können und Fett loszuwerden, dann ist Fernsehen das falsche Mittel, mehr Bewegung muss sein, weniger fressen, usw... Der Dicke ist bestimmt nicht zu blöd, das zu kapieren. Selbst, wenn er weiterhin vor dem Fernseher sitzen bleibt. Dann wird er vielleicht anfangen sich irgendwelche Dummheiten zurechtzulegen, Ausreden; vielleicht kommt er ja auch auf die Idee, sich eine innere Unfähigkeit anzudichten, aber all das wären Gegenargumente, verkehrte zwar im Sinne dieser Zweck-Mittel-Notwendigkeit, aber es sind welche. Eine Gesetzmäßigkeit so verkehrt zu denken, ist aber nicht gegeben. Ehrlich wäre der Fettsack, wenn er sagt, dass er nicht läuft, weil es ihm einfach zu anstrengend ist und Essen Spaß macht, und damit seine weitere Fettheit bewusst in Kauf nimmt. Dann sind aber alle weiteren Versuche zu überzeugen, überflüssig, die Argumente erschöpfend ausgetauscht, dann soll er aber auch Ruhe geben, mit seiner Klage und aufhören zu jammern, zu heucheln. (Dieses Beispiel kann man natürlich noch feinsinniger aufdröseln, mir geht es um das Prinzip des rationellen Argumentierens, das dem moralischen widerspricht.)
Und diese Tour ließe sich auf alles Verhalten der Menschen anwenden. Im Beispiel Kapitalismus (ganz grob): Der Arbeiter begeht einen Fehler, wenn er denkt, dass seine Arbeitskraft im Dienste eines Unternehmers, das geeignetste Mittel seines Fortkommens darstellt. Er muss zur Überzeugung gelangen, dass er sein Tun nur ein Kostenfaktor in der Rechnung des Arbeitgebers ist, dass diese Kost nie gering genug sein kann. Er müsste einsehen, dass er immer nur Mittel ist in der kapitalistischen Rechnungsweise. Wenn er das kapiert hat, soll er entweder aufhören zu jammern oder er muss etwas tun, die Rechnungsweise ändern, wäre das geeignetste Mittel, mit allem was dazugehört; oder er versucht über die Gewerkschaft zu einem besseren Recht zu kommen, das ändert aber nichts an der Rechnungsweise und daran, dass er weiterhin Mittel ist in ihr...

Jeder Schaden lässt sich erklären, jeder Zufall aufschlüsseln (so schwierig das ist und praktisch oft unnötig), Abstraktionen wie Glück, Scham, Aggressivität, Dummheit, Intelligenz uvm. sind keine Erklärungen, das sind nur Bilder die meinetwegen in der Kunst ihre Rolle spielen sollen, wo sie interesseloses Wohlgefallen erzeugen, aber beim Theoretisieren über Gründe und Wirkungen nur Unzulänglichkeiten bleiben und moralische Titel sind. Moralisches Denken bringt ein Interesse vor jeder Erklärung in die Wissenschaft und produziert dadurch Ideologien, weil die Ergebnisse der moralischen Haltung entsprechen müssen. Der Ausgangspunkt einer marxistischen Kritik ist die Feststellung eines Schadens und das Interesse den loszuwerden. Von dem Gefühl des eigenen Betroffenseins müsste man erst einmal zurücktreten, um zu einem sachlichen Ergebnis zu kommen, woher der Schaden stammt. Das hängt natürlich vom jeweiligen Schaden ab, vielleicht eine Lohnkürzung oder durchnässte Klamotten. Im ersten Fall kämen wir vielleicht zur Kritik der politischen Ökonomie mit allen praktischen Konsequenzen, im zweiten Fall stellen wir fest, gegen das Wetter lässt sich nicht viel unternehmen, Wetterbericht vielleicht, Regenschirm mitnehmen, aber das Wetter abschaffen wäre ein unsinniges Unternehmen. Auch der Tod lässt sich rationell nicht kritisieren, aber es gibt Wege ihn hinauszuschieben, das heißt auch Forschung, usw... Am Ende finde ich evtl. das geeignete Mittel um den Schaden beseitigen zu können. Das Ergebnis hat seinen Ausgangspunkt im Interesse den Schaden loszuwerden und nicht im Ziel ein höheres, moralisches Interesse zu rechtfertigen, das nicht vernünftig zu begründen geht, siehe Religion, u. ä. Der Schaden ist etwas handfestes, lässt sich quasi anfassen, ist sachlich schwer zu leugnen.

Ein kleiner Lektüretipp!
Neo
Hi Gil,

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Doch auch hier wird dem Volk nichts vorgesetzt, gegen das es sich nicht wehren kann. Der Spruch lautet richtig, "Opium des Volkes".

Wirst lachen, das hatte ich sogar mal gewußt :-)

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Das Volk berauscht sich nämlich selbst, mit Wille, Verstand und Bewusstsein. Der Einzelne entscheidet selbst und durch die Anwendung der blödsinnigen Abstraktion "Dummheit" macht man sich die Sache einfach und will eigentlich gar keinen Fehler in den Gedanken des "Dummen" entdecken. Worin besteht er denn, der Fehler? Was ist verkehrt am Konsumieren? Was ist verkehrt am "Fernsehen"?

Das Volk konsumiert das, was man ihm anbietet. Angeboten wird das, was nachgefragt wird - schon klar. Aber dazu muß ich es erst mal anbieten. Wenn ich in Schulen jede Menge Drogen absetzen will, muß ich es erst mal dort verteilen, die Kids anfixen, dann kommt das mit der Nachfrage
schon von allein. Dann zu sagen, 'die berauschen sich ja selbst, mit Wille Verstand und Bewußtsein', halte ich für ... naja, ein wenig zu einseitig.

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Hier wird doch deine moralische Haltung praktisch. Du führst da irgendeine feinsinnige Unterscheidung in deinem Verstand zwischen guten und schlechten Bedürfnissen. Und diese Unterscheidung soll schon für sich sprechen. Da brauchst keinen Aufwand zu betreiben und mal einen Fehler an so einem "schlechten" Bedürfnis nachweisen.

Ich sehe es zunächst mal völlig neutral was da passiert. Jeder kann glotzen was er will und soviel er will, solange es keine Konderp*rnos oder realo-Gewaltvideos sind.
Entscheidend ist für mich, was das aus den Menschen macht. Und ob jemand von morgends bis abends gewaltverherrlichende Videos reinzieht und dann irgendwann austickt um an Schulen 'Leute wegzumachen' oder ob er sich von früh bis spät diesen Müll reinzieht, der seinen kritischen Menschenverstand abtötet und zum allzeit konsumbereiten Mitläufer macht – beides sind für mich sehr negative Erscheinungen, die man zumindest mal kritisch hinterfragen sollte.

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Na klar! Die Menschen sind dumm, sonst würden sie es ja einsehen etwas verkehrt zu machen, so wie du es auch irgendwann irgendwie eingesehen hast.

Ja. Und da ich das habe und früher mal genauso dumm war, weiss ich auch wovon ich rede und erlaube mir auch die Wertung 'dumm'. Obwohl es vlt bessere Adjektive dafür gibt. Vlt wäre 'denkfaul, bequem, einfältig' besser.

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Du scheinst also nicht dumm zu sein.

Zumindest nicht mehr in dieser Hinsicht.

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Das mit der roten Pille hast du wohl etwas falsch verstanden. Eine ziemlich elitäre Position.

ganz und gar nicht, ich bilde mir darauf nichts ein, schließlich war ich vor einige Zeit ja in derselben Situation.

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Und es verdeckt deine Faulheit, vernünftig zu überzeugen, du verlegst deinen Fehler in die Dummheit der Menschen. Du erfindest eine dir passende Erklärung zur Aussichtslosigkeit der Lage.
Menschen sind nicht dumm. So ziemlich jeder ist des Denkens fähig.

Streite ich nicht ab, selbst ich habe es fertiggebracht. Das Problem ist nur, dass es von sich aus sehr wenige tun, wenn sie nicht ein handfester Grund dazu zwingt. Solange alle schön friedlich schlafen und ihren süßen Traum träumen, will doch keiner aufwachen, oder?

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Tritt doch mal hinter dein Ohnmachtsgefühl zurück und sieh dir doch mal an, was die Leute tun

Oh, ich sehe sehr wohl was sie tun, das Problem ist, dass sie sich selbst nicht bewußt drüber sind, was sie da tun. Das ist nicht von mir, sondern das geht aus der ganzen kapitalismuskritischen Literatur hervor, die wir hier seit ein paar Wochen diskutieren.
Es ist den meisten nicht bewußt, dass sie nur Ausführende des automatischen Subjekts sind, und da es ihnen nicht bewußt ist, haben sie genau wie die Nutznießer keinerlei Interesse daran, dass sich dies ändert. Oder aber sie glauben, ihr Unglück liege an ihrem Schicksal, es gibt eben Arm und Reich, das entscheidet das Glück (früher hieß es eben, das entscheidet Gott). Oder sie seien eben nur nicht tüchtig genug, was für ein Irrsinn, da könnte ich vor Wut in die Tischplatte beißen! Darauf will aufmerksam machen, mehr nicht. Wenn es jedem bewußt ist, und er sich trotzdem für die blaue Kapsel entscheidet, soll mir das recht sein. Ansonsten sehe ich es als meine Aufgabe, hier die unbequeme Wahrheit zu verkünden. (ist jetzt etwas überspitzt formliert).

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Er hat seinen Grund. Für dich vielleicht irrational, aber das müsstest du ihm nachweisen, mit einem Argument. Und welches Argument sollte da schon einschlagen, das ihn überzeugt, wenn er zufrieden ist und niemanden schädigt. [...] Dann sind aber alle weiteren Versuche zu überzeugen, überflüssig, die Argumente erschöpfend ausgetauscht,

Es geht mir gar nicht so ums überzeugen. Wenn jemand einen Grund für sein Verhalten hat, und ihm dieser Grund bewußt ist, dann ist das für mich ok. Aber erst mal muß es ihm bewußt werden.
Wenn ich jemanden frage, warum er immer noch mehr rafft und immer reicher werden will, und dabei augenscheinlich Menschen ins Elend treibt, und er mir sagt, weil ihn das befriedigt dann würde ich ihn fragen, was ihn daran befriedigt. Antwortet er, er genießt es, andere zu zerstören, weil er sich selbst dabei jedesmal großartiger fühlt, oder er genieße einfach, das zu haben, worum ihn andere beneiden und die das nicht haben können, dann würde ich nochmal nachfragen, ob es ihm das Wert sei, dass dafür Menschen zugrunde gehen. Antwortet er mir ja, oder 'ist mir wurscht' dann wüßte ich warum er so handelt, wie er psychisch gestrickt ist. Dann kann man ihm eine Therapie anraten oder hoffen, dass er möglichst bald ins Gras beißt weil das zum Wohle der anderen geschieht, auf jeden Fall weiß der was er tut und warum.
Antwortet er hingegen, 'weil mir gar nichts anderes übrig bleibt, alle machen es doch so', dann ist klar, dass er nichts von Mehrwert, automatischen Subjekt etc. weiss, und da lohnt es sich durchaus mit Aufklärung anzusetzen.
Ich behaupte, die meisten kennen ihre eigenen Motive nicht, und das ist der Grund für vieles der schlimmsten Probleme unserer Gesellschaft.

Zitat:
Original von Gil Gamesh
Jeder Schaden lässt sich erklären, jeder Zufall aufschlüsseln (so schwierig das ist und praktisch oft unnötig), Abstraktionen wie Glück, Scham, Aggressivität, Dummheit, Intelligenz uvm. sind keine Erklärungen,

Nein, es sind aber die Hindernisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt, damit Deine Scahdens- und Zufallersklärung erst mal Gehör findet.

Gruß

P.S.
Danke für den Link, habs noch nicht gelesen, wird aber noch nachgeholt.
AkiraL
Man sieht, dass in den Nachrichten nur noch Sachen laufen, die man gar nicht zu wissen braucht, um andere Aspekte der Politik zu verbergen. Das Volk wird abgelenkt von einer toten Entführten und einem zurücktretenden Bundespräsidenten. Das ist ähnlich wie im Film Wag the Dog. Auch der völlig übertriebene Lena-Hype nimmt zig Minuten in Anspruch. Dass eine Maria Bögerl entführt und umgebracht wurde, kommt als erste Meldung bei ZDF, obwohl dieser Mord schon seit Wochen begangen wurde.

Was ist mit dem Afghanistan-Krieg? Anstatt von Krieg zu sprechen, benutzt Angela Merkel Euphorismen der Rücksicht auf das Volk wegen. "Einsatzbedingt Gestorbene" anstatt gefallene Soldaten. "Kriegsähnlicher Zustand". Das ist Manipulation vom Feinsten. Anstatt um unsere Soldaten zu trauern, sollen wir uns um Maria Bögerl sorgen? Wenn die Masse wüsste, dass da was im Gang ist, dann würde man Merkel auf den Schafott befördern. Benötigte Panzer und Ausrüstungen werden nicht geliefert, damit man nicht von Krieg sprechen kann. Deswegen sterben Menschen.

ZDF-Dokus wie "Die Afghanistan-Lüge" werden verschoben auf 2 Uhr nachts, damit die Einschaltquoten gering gehalten werden. Stattdessen wird tagsüber über Stars Sternchen und Glamour berichtet. Deutschland ganz schön, alle happy, Luxus überall, keine Obdachlosen, keine Bettler, keine Probleme - so soll's sein. Man könnte die Kanzlerin des Mordes anklagen.

Man weiß nicht, warum Horst Köhler vom Amt zurücktritt. Wollen die Politiker mithilfe der Medien den Fokus auf ihn lenken?
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von AkiraL
Man weiß nicht, warum Horst Köhler vom Amt zurücktritt. Wollen die Politiker mithilfe der Medien den Fokus auf ihn lenken?

Dass die deutsche Medienlandschaft überhaupt staatlich (das meinst du doch mit "Politiker", oder?) manipuliert wird, steht wohl noch in Frage.
AkiraL
Ich denke schon, dass es so ist. Immerhin werden sogar Soldaten und Offiziere dazu gezwungen, Unwahrheiten zu sagen. Außerdem laufen Aufklärungsprogramme nachts, wenn keiner sie guckt, dabei ist es doch das Top-Thema überhaupt. Es ist eine Beleidigung für all die Toten, die ihr Leben für ihr Land gelassen haben, welches sich nicht ein Bisschen darum schert. Man sollte ihnen Respekt entgegen bringen und keine Lügen.
carsten aus bochum
Hi Apfel.

Zitat:
„Außerdem laufen Aufklärungsprogramme nachts, wenn keiner sie guckt, dabei ist es doch das Top-Thema überhaupt.“


Dein Top-Thema vielleicht.
Möglicherweise verwechselst Du hier Ursache und Wirkung.
Die „Aufklärungsprogramme“ kommen wohl eher nicht deshalb nachts, weil sie niemand sehen soll (denn wenn das wirklich so wäre, gäbe es einen effektiven Trick: nicht drüber berichten), sondern weil sich die breite Mehrheit dann doch eher für Volksmusik, Krimi und Show interessiert und es streng nach Quote geht, meinst Du nicht?

Gruß,

Carsten
eliskases
Zitat:
Original von Stanley Alvarez

Dass die deutsche Medienlandschaft überhaupt staatlich (das meinst du doch mit "Politiker", oder?) manipuliert wird, steht wohl noch in Frage.

In der Tat wird sie nicht manipuliert bzw. eher wenig.

Die privaten Fernsehveranstalter würden sich jede Einflussnahme verbitten. Dies deshalb, weil sie streng nach Quote verfahren müssen. Es ist eine Binsenweisheit, dass jedes politische Programm unterirdische Quoten verursacht. Da die privaten Sender aber auf gute Quoten angewiesen sind, bedeutet politische Einflussnahme immer und ohne Ausnahme einen erheblichen Einnahmeverlust.
Tatsächlich gibt es politische Einflussnahmen eher bei den Öffentlich Rechtlichen Sendern. Warum? Weil in deren Aufsichtsgremien Politiker sitzen. Bei den Privaten tun sie das nicht.

Die Privaten verfahren streng nach dem Gesetz der Quote. Gut ist, was viele Menschen sehen wollen. Der Zusammenhang ist aber dennoch nicht banal. Gute Quoten garantieren noch keine guten, finanziellen Einnahmen. Wie viel ein Sender verdient hängt vielmehr davon ab, ob die Werbekunden in diesem oder jenem Beitrag auch einbuchen wollen.

Man kann also bei einem Beitrag gute Quoten erzielen, z.B. bei "Big Brother", aber manche Werbekunden sagen: "Das ist ein Trash-Programm. Wir wollen in diesem Trash -Programm nicht für unsere High-Qualitiy-Produkte werben". Wenn das geschieht hat man zwar womöglich gute Quoten für sein Programm, aber man verdient als Sender dennoch nichts. Das ist natürlich mehr als dumm.

Also ist es wichtig ein Programm anzubieten, das so gestaltet ist, dass es einerseits erfolgreich ist bei den Zuschauern und andererseits auch beliebt bei den Werbekunden.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen fiktionalem und non-fiktionalem Programm.
Fiktionales Programm kann Bildungsprogramm sein: nach "Jurassic Park" gab es einen Hype um das Wissen um prähistorische Lebensformen. Jeder 14 Jährige konnte nach "Jurassic Park" angeben, was ein Velociraptor ist. Die Kids stürzten sich geradezu in Wissen über Lebensformen im Campanium.
Und die "Matrix-Trilogie" hat vermutlich mehr für die Förderung der Philosophie getan als jeder Philosophieunterricht.
"Jurassic Park" vermittelt aber auch ein Wissen um moralische Werte. Die Aussage des Films ist nämlich: es ist nicht gut, wenn der Mensch in die natürliche Evolution eingreift.

Non-fiktionale Programme, wie Dokumentationen oder auch "scripted reality" berichten über historische oder familiäre Zusammenhänge und tun so, als seien ihre Geschichten Realität. Das gesamte Nachmittagsprogramm der privaten Sender ist mittlerweile "scripted reality". Warum tun das die privaten Sender? Weil die Zuschauer es honorieren und zuschauen, wenn eine Geschichte so aufbereitet ist, als ob es Realität wäre. Die meisten Zuschauer wissen, dass die nachmittäglichen Sendungen, die so tun, als seien sie Realität, in Wahrheit gar keine Realität sind. Sie schauen sie trotzdem.
Das mag man bedauern, aber am Ende ist es unerheblich. Denn am Ende ist es für die Zuschauer nur eine Art der Unterhaltung.

Diese Unterhaltung beeinträchtigt sie nicht etwa in ihrem Denken. Was der Zuschauer denkt, ergibt sich vielmehr aus seiner Erziehung und der Zuschauer weiß sehr wohl zwischen Unterhaltungsprogramm und politischer Realität zu unterscheiden. Sie denken: das ist ein nettes Unterhaltungsprogramm. Es ist aber intolerabel, dass die Regierung die Harz 4-Regelsätze kürzen will.
AkiraL
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hi Apfel.

Zitat:
„Außerdem laufen Aufklärungsprogramme nachts, wenn keiner sie guckt, dabei ist es doch das Top-Thema überhaupt.“


Dein Top-Thema vielleicht.
Möglicherweise verwechselst Du hier Ursache und Wirkung.
Die „Aufklärungsprogramme“ kommen wohl eher nicht deshalb nachts, weil sie niemand sehen soll (denn wenn das wirklich so wäre, gäbe es einen effektiven Trick: nicht drüber berichten), sondern weil sich die breite Mehrheit dann doch eher für Volksmusik, Krimi und Show interessiert und es streng nach Quote geht, meinst Du nicht?

Gruß,

Carsten


Mein Top-Thema... Deutschland ist im Krieg und es wird nichts berichtet.