Ist der Tod notwendig?

byLaszlo
Bemerkung: ich denke, es ist hier nützlich (wenn auch nicht notwendig) sich einen
Blick auf die sehr kurze Beschreibung "Notwendigkeit" in der Wiki zu gönnen.
Und als Anfang nehme jeder sein Wissen um den eigenen Tod.
ewig
Ohne ein "wofür" keine Notwendigkeit. Insofern ist die Eingangsfrage schlichtweg unvollständig.
Qu_ner
Hallo, byLaszlo
Meines Wissens ist der Tod notwendig, weil beim kopieren der Zellen und auch bei der DNA Fehler passieren. Die Zelle bekommt sozusagen irgendwann ihr Todesprogramm und vernichtet sich dann selbst Über meinen eigenen Tod kann ich leider keine Aussage machen, denn ich war noch nicht tot.
Gruß, qu
Nylen
im Gegensatz zu Ewigs "wofür" frage ich "für wen".

Für uns Menschen ist der Tod notwendig insofern das eine biologische Uhr tickt und desto später es wird desto mehr häufen sich fatale körperliche Probleme. Ich halte es für "möglich" das wir diese Uhr verlangsamen oder stoppen. In dieser Hinsicht ist der Tod nicht notwendig, also zwingend. Es ist möglich das wir dereinst den Tod besiegen.

Aber es gibt die Schöne Geschichte. Jemand wünschte sich Unsterblichkeit und bekam sie von den Göttern. Aber ach, er hatte sich nicht gewünscht nicht zu altern, und so verging er und wurde zu einem Geist, einer Stimme die durch den Wind weht, niemals sterbend.

Anders herum versuchen wir aktuell grade das Altern aufzuheben, aber mit nur kosmetischem Erfolg.

aber nehmen wir an wir stoppen das altern und erlangen Unsterblichkeit. Das schützt uns nicht vor Unfällen.

Die Elben im Herr der Ringe und in Tolkiens Welt sind Unsterblich, aber durch das Buch weg sterben sie wie die Fliegen. Durch Krieg, Brudermord, Unfälle etc.

Der Tod ist nicht notwendig, aber alles scheint zu vergehen über kurz oder lang. Und das scheint notwendig so zu sein.
byLaszlo
hm, ewig.

ja, das stimmt ,was du sagst.
Ich bitte dich mir zu helfen, die Frage so zu stellen,
dass es uns gelingt die Gewissheit und Stabilität
des Todes zu befragen, ohne gleich Biologie zu betreiben.
Kai
Ich als Agnostiker weiß nicht um meinen Tod. Jedenfalls nicht im Sinne einer feststehenden Tatsache. Wahrscheinlich wird mein Körper irgendwann vergehen, ob mein Bewusstsein mit vergeht oder fortexistiert, weiß ich nicht. Ich sehe nicht, woher ich darüber ein sicheres Wissen haben sollte.
byLaszlo
hallo Kai,

in meiner Ausgangsfrage war nicht eine Erkenntnis
im Sinne von einem auf Erfahrung gegründetes
Wissen gemeint sondern, wie man etwa sagt:
die Kultur entspringt (möglicherweise) dem Wissen
um unseren Tod und unsere Sterblichkeit.

"ich weiß es nicht", ist eine mögliche gute Antwort.
Jede weitere Bestimmung des Nichtwissens, etwa im
Duktus von "wir KÖNNEN es nicht wissen usw."
wäre sofort schon "sehr viel gewusst". Denke ich.

Ein Mensch, der "Tod macht", geht von einer
Verlässlichkeit seines Tuns aus (zur weitere Diskussion
über die Spielarten der Notwendigkeit)
byLaszlo
hallo Nylen,
ich freue mich über deine differenzierte
(für mich hoffnungsfrohe) Antwort, wobei du den
genaueren Schritt (ins Bestimmte= "für wen") machst,
wogegen ich nur die Bitte einzuwenden habe, oder die
Aufforderung dazu, etwas allgemeineres über "den Tod"
zu berichten. Ob du etwas kennst?

Ich finde auch besser immer den je eigenen Tod zu meinen,
denn der Tod "überhaupt" oder "schlechthin" gibt gar nicht,
er ist ja eine Abstraktion, den niemand zu sterben braucht.
Somit wäre dann "Notwendigkeit" auch so eine Abstraktion,
abgezogen von Einzelfällen. Wenn ich aber die Notwendigkeit
insoweit zu spezifizieren vorgebe, dass es um die Notwendigkeit
des Todes gehen soll, könnte etwas herauskommen?
Wenn nicht, dann um so besser! Man kann sagen, Allgemeinheiten
bleiben auch dann leer, wenn ich sie aufeinander beziehe(bzw. bezogen habe).
Nylen
Ganz zu folgen vermag ich dir nicht.

Aber ein paar Gedanken zum Tod allgemeinerer Art.

Wir sagen Cäsar IST tot, Elvis IST tot etc. Wir tun so als wäre der Tod ein IST-Zustand. Der Tod ist aber genau das nicht. Man IST nicht tot, sondern man IST NICHT.

Ob es einen Zustand des NICHT SEINS gibt, das mag Spekulation bleiben.Ich denke aber nein.

Warum denke ich das. nun ich bin durchaus ein traditionell denkender Mensch und mache in mir soetwas wie einen Körper aus, einen Geist und einen Lebenshauch. Aber verändere ich den Körper verändert sich mein Geist. Überhaupt kann ich mir nicht vorstellen wie Geist ohne Körper existieren soll.

Und das wäre eine Bedingung für ein weiteres Nachleben. Irgendetwas in uns müsste nicht körperlich sein, und ohne Körper existieren können, und ich frag mich was das sein soll. Klassisch ist die Seele der Kandidat hierfür, aber was immer ich auch in betracht ziehe es benötigt doch Körperlichkeit.

Obwohl ich also glaube das der Tod recht unausweichlich ist, es nichts gibt was den Zeitpunkt des Todes überdauert, sehe ich dem recht gelassen entgegen. weniger dagegen dem sterben. Meine Phantasie kann sich grässliche Sterbeszenarien ausdenken. Und wenige angenehme. Allerdings als ich in der Situation war das ich beinahe verblutet wäre, da schien es mir .... angenehm.
Es war ein wegdämmern. Doch war da keine Angst im Angesicht des Todes, sondern innerer Frieden.

Der Tod so betrachtet macht das Leben kostbar und wertvoll. Es verbietet uns was Jahrtusende in Kriegen vollzogen wurde, deren Kämpfer gesagt bekamen, die Kürze ihres Lebens werde im Himmel vergolten.
Wann immer ein Mensch stirbt, stirbt buchstäblich ein Universum.
Aber alle Universien müssen vergehen.
Sebastian_B
Hallo!

Ich studiere nicht Philosophie, aber ich traue mich mal, was dazu zu schreiben. :-)

Ich habe die Frage so verstanden, bevor ich eure Posts gelesen hatte:

Wofür ist der Tod notwendig?

Und da dachte ich sofort an folgendes: Wenn ich wüsste, dass ich ewig lebe (mal Unfälle und tödliche Krankheiten ausgenommen, daran gedenke ich ja auch in meinem sterblichen Leben schon nicht zu sterben,...) wäre ich wahrscheinlich sehr faul.

ich würde kein Instrument üben, ich würde meine Uniangelegenheiten schlechter über die Bühne bringen und keinen Sport treiben... denn ich könnte mir immer sagen: Ich hab ja noch Zeit! Weil ich aber weiß, dass ich ein Leben von ca. 100 +/- 20 Jahren (oder weniger) habe, übe ich jetzt, weil ich denke, dass ich irgendwann zu alt bin um noch anzufangen ein Instrument zu lernen, ich kümmere mich um meine Uni damit ich keine Zukuntfsängste haben muss und ich treibe Sport damit ich länger fit und gesund bleibe.

Hoffe, das ist jetzt nicht am Thema vorbei. :-)

Grüße, Sebastian

Edit: Und die Antwort ist dann: Der Tod ist notwendig, damit ich mir Ziele im und für mein Leben stelle.

Wenn ein Dozent sagen würde: Geben Sie ihre Hausarbeit irgendwann ab, wann sie halt ferig sind, egal wie viele Jahre es dauert, würde ich ja nicht mal daran denken anzufangen ;-) ... Hieße es aber: Wer die nicht in 4 Wochen abgegeben hat, der fliegt sofort von der Uni, dann würde ich mich nicht mehr trauen, "nur" ne Woche vorher anzufangen.
Kai
Zitat:
Nylen: Irgendetwas in uns müsste nicht körperlich sein

das Bewusstsein. Wenn ich die Augen schließe und über irgendetwas nachdenke, dann sind diese Gedanken in meinem Erleben nichts körperliches.

Zitat:
Nylen: und ohne Körper existieren können

das Bewusstsein könnte vom Körper abhängig sein, ohne selbst Körper zu sein.

Zitat:
Nylen: Wir tun so als wäre der Tod ein IST-Zustand. Der Tod ist aber genau das nicht. Man IST nicht tot, sondern man IST NICHT.
Ob es einen Zustand des NICHT SEINS gibt, das mag Spekulation bleiben.Ich denke aber nein.

Deshalb ist die Formulierung "IST NICHT" schon problematisch. "Ist" ist eine Form von "sein".

Wenn man das Erleben des Moments zum Ausgangspunkt macht, wie in der Phänomenologie, dann erlebt man die Welt als außerhalb von sich existierendes Bewusstsein. Die Materie und damit der Körper ist die Hypothese.
Loma
Der Tod ist notwendig, weil die Welt sonst bald zum Stillstand käme.
Das Wissen um seine Sterblichkeit treibt den Menschen an, in der ihm zugestandenen Zeitspanne etwas erreichen zu wollen.
Hätten wir unbegrenzt Zeit, warum sollten wir nicht ständig alles immer auf morgen verschieben?

Liebe Grüße
gbg
Zitat:
Original von Loma
Der Tod ist notwendig, weil die Welt sonst bald zum Stillstand käme.


So denke ich das auch.

Aber nicht nur die Welt sondern auch wir selbst:

Wir Menschen sind ja wie lose d.h. wie selbstleere Bündel.
Man könnte auch sagen wir sind wie Schnüre mit ineinander greifenden Fasern.
Ein Gedanke löst einen anderen ab.
Eine Erinnerung löst eine andere ab
Ein Gefühl löst ein anderes ab.
Aber auch Moleküle die den Körper bilden lösen einander ab.
Usw.

Aber die Schnur bleibt dennoch immer feste Schnur!!!

Das würde ja aber bedeuten wir stürben ständig neue Tode aber wir würden unseren alten Ballast abwerfend und uns freimachend für Neues auch immer wieder stückweise neu geboren.

Deshalb mein Fazit: Wir müssen (es ist notwendig zu) sterben um zu leben.

L.G. gbg
Loa
Zitat:
Original von Loma
Das Wissen um seine Sterblichkeit treibt den Menschen an, in der ihm zugestandenen Zeitspanne etwas erreichen zu wollen.


Dem möchte ich widersprechen. Der Tod macht dem Menschen in erster Linie Angst. Angst aber ist nicht unbedingt ein positiver Antrieb.
Anders wäre es, wenn man um den Zeitpunkt seines Todes wüßte. Dann würde man planen was man bis dahin noch tun will.
Realistischerweise ist es aber so, dass man wann immer sterben kann.
Das bedeutet es existiert eine latente permanente Bedrohung der Existenz. Anstatt sich angetrieben zu fühlen kann man genauso gut resignieren mit dem Gedanken: Wozu soll ich das tun wenn ich nächste Woche tot sein könnte?
Diese beiden Sichtweise gleichen sich je nach Person mehr oder weniger aus....
Quirm
Zitat:
Original von gbg
Zitat:
Original von Loma
Der Tod ist notwendig, weil die Welt sonst bald zum Stillstand käme.


So denke ich das auch.

Aber nicht nur die Welt sondern auch wir selbst:

Wir Menschen sind ja wie lose d.h. wie selbstleere Bündel.
Man könnte auch sagen wir sind wie Schnüre mit ineinander greifenden Fasern.
Ein Gedanke löst einen anderen ab.
Eine Erinnerung löst eine andere ab
Ein Gefühl löst ein anderes ab.
Aber auch Moleküle die den Körper bilden lösen einander ab.
Usw.

Das würde ja aber bedeuten wir stürben ständig neue Tode aber wir würden unseren alten Ballast abwerfend und uns freimachend für Neues auch immer wieder stückweise neu geboren.

L.G. gbg


Na wenn wir schon bei Bildern sind:
Auch sind wir Feuer. Kein Ding sondern Process, so dass wir mit annähernd 37° vor uns hinköcheln;
Jedes Feuer erlischt nach einer Gewissen Zeit; doch kann es auch jederzeit wieder entzündet werden. Feuer ist da Feuer; soll heißen Feuer mag sich in der Hitze unterscheiden aber nicht in dem was es ist, nämlich Process.
gbg
Noch eine kleine Anmerkung:

Man könnte vielleicht auch sagen dass unsere von PersonA PersonB PersonC ...
beigesteuerten aneinandergereiten Posts diesen Thread am Leben erhalten
Dünnt der Faden aus kann er reißen d.h. "sterben".

L.G. gbg
Loa
Zitat:
Original von Sebastian_B
Wenn ich wüsste, dass ich ewig lebe wäre ich wahrscheinlich sehr faul.


Normalerweise will der Mensch aber nicht nur leben, sondern er will GUT leben und die erstrebteLebensqualität treibt ihn letztendlich dazu an etwas zu tun.
Außerdem geht es bei diesen Überlegungen nicht so sehr um den Tod sondern um das Altern und das Bewusstsein darüber, dass man irgendwann "ausgedient" hat, krank wird, nicht mehr leistungsfähig ist etc.
Wäre man ein Leben lang jung und entsprechend flexibel, stark etc würde man sich wieder ganz anders verhalten.
gbg
Zitat:
Original von gbg
aneinandergereiten Posts
L.G. gbg


Und natürlich ineinandergreifenden Posts z.B. durch Zitate...

(Hab das was Du geschrieben hast, quirm leider nicht recht verstanden.

Brauchst es aber nicht noch einmal extra erklären so lange die anderen es nur verstanden haben. smile

L.G. gbg
Loa
Zitat:
Original von byLaszlo
.... die Gewissheit und Stabilität des Todes zu befragen


Meintest du vielleicht sowas wie:
Ist der Tod für das Leben unverzichtbar?
byLaszlo
"Wann immer ein Mensch stirbt, stirbt buchstäblich ein Universum."

Mit so schönen Worten habe ich nicht gerechnet, Nylen!

Ehrlich gesagt, ich habe nicht so gelernt wie du, wie
der Mensch sich traditionell versteht. Für mich kann der Tod
in erster Reihe den Körper treffen und meine Ausführungen,
aber ursprünglich auch meine Fragestellung möchten sich mit dem
je eigenen Tod beschäftigen, vor allem mit den individuelle
Verfahren, wie sich der jeweilige
Mensch damit auseinanderstzt. Manche fliehen, manche resignieren,
andere suchen einen Sinn daran. Manche schwingen sich zu Helden auf
und andere suchen eine Position im Leben aus, von wo aus sie
den Tod andere Menschen direkt oder indirekt angedeihen lassen
können, andere haben ihren Spass daran mich hier mundtot zu machen..usw...
Es gibt ---sagen wir---das grosse Nichts, es hat dann viele Ableger,
es gibt der Tod, der kleine Bruder: der Schlaf und der petit mort....

aber vielleicht magst du dich auf diese Themen nicht mit mir weiter
einlassen, weil unsere Ansichten (ideologisch) auseinandergehen.....?