Neo
Papa Ratzi hatte dieses Thema unlängst in seiner Osterbotschaft (ich habe sie noch nicht gelesen, ich glaube sie ist noch nicht im Netz).
Aber er hat wohl sinngemäß gesagt, dass wenn es der Technik und Medizin dereinst gelänge, den Tod zu besiegen, und ewiges Leben zu ermöglichen, dies kein Segen für den Einzelnen Menschen wäre, sondern ein Fluch.
Und ich glaube er hat Recht. Sosehr wir uns auch vor dem Tod fürchten (die einen weniger, die anderen mehr): jeder hat genug Vorstellungskraft sich mal für 5 Minuten auszumalen, was es für ihn bedeuten würde, wenn er gesagt bekäme: ab heute lebst Du für alle Ewigkeit (oder zumindest solange sich diese Kugel um die Sonne dreht). Ein Tag wäre wie der andere, ein jahr wie das andere und nichts besonderes mehr. Jedes Ziel,das man sich vornimmt zu erreichen, verliert augenblicklich seine Bedeutung vor diesem zeitlichen Hintergrund.
byLaszlo
lieber Sebastian,
ich bin richtig stolz, dass du deine Ansichten mitgeteilt hast.
wenn du später noch reinschaust, wirst du bestimmt hier Gedanken
finden, die ähnlich sind wie deine und wirst du mich kaum dabei
ertappen, dass ich Menschen die je eigene Einstellung streitig
mache. Aber manchmal reizt es mich nachzufragen und wenn mir
die Frage nicht ganz gelungen ist, könnte sie wirken als wäre ich "kritisch".
Ich gebe zu, es ist schwierig über eine Befindlichkeit zu urteilen,
die wir garantiert nicht erfahren werden. Darin scheinen Tod
und Unsterblichkeit (wie "notwendig") übereinzustimmen,
dass wir sie nicht erfahren können. Deine ErfahrungsBespiele
erzählen von kleineren oder grösseren Zeitspannen INNERHALB
deines Erfahrungshorizontes, deines gelebten Lebens.
Ich denke wir versuchen unsere Erlebnisse "hochzurechnen"
auf eine Ebene deren Zeitgefühl wir uns nicht vorstellen können...
ist das doch so, findest du?
Taurus
Hallo byLaszlo !
Eine Art wie ich mich ganz persönlich dem Tod nähere.
Es gab eine Zeit in die "Ich" nicht geboren war, wenn ich das betrachte, wird es leichter zu verstehen, das es auch eine Zeit geben muß, in der "Ich" nicht mehr Seiend sein wird.
"vor der Geburt" und "nach dem Tod", ist ein und das selbe.
Ich war in der lage geboren zu werden, dann bin ich in der Lage zu sterben.
Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich sehe ihn als "letztes Geschenk des Lebens", wohl aber habe ich Angst davor wie ich sterbe.
Diese Angst wird aber schwächer, denn ich weiß, das "Geschenk des Todes" kommt dann, wenn ich wirklich nicht mehr kann.
Den Tod als solchen sehe ich, als eine Art Transformation die Summe dessen, was ich war, zerlegt sich in seine Bestandteile, die Summe meiner Teile aber bleibt.
Sie wechseln nur ihre Form.
byLaszlo
liebe Loma,
eine sehr genaue Beobachtung von dir:
"Hätten wir unbegrenzt Zeit, warum sollten wir nicht ständig alles
immer auf morgen verschieben?" Es gilt sogar in irdischen Verhältnissen
für mich, denn ich verschiebe
vieles und am Ende der langen Bank fällt einiges in die Ewigkeit...besser gesagt
(bin ja nicht religiös) in den Tod.
Vor Menschen die DRUCK brauchen, habe ich genauso Achtung als vor jenen,
die Zeit brauchen. Da kann dich meine Einstellung kaum interessieren:
ich mag nicht der Sklave der Zeit sein, Sklave der Evolution, Sklave Gottes....
dazu habe ich sogar einen kleinen Scherz entwickelt in Anlehnung an den
Medizinkabarettisten Hirschhausen: Die Sklaverei ist abgeschafft,
der Neger wächst mit seinen Aufgaben.
Taurus
Wenn wir erkennen, das unsere Zeit begrenzt ist, sollten wir uns dann das Leben nicht einfacher machen?
Hinsichtlich unserer Bewertungen und Zielsetzungen, ich meine auch für die, die nach uns kommen.?
byLaszlo
hallo Taurus,
freundlich von dir, dass du schon jetzt schreibst,
ich habe gedacht, du hilfst mir, wenn die Luft hier auszugehen droht.
Ich ahne deine Liebe zur griechischen Philosophie, somit haben
mich deine Zeilen "trotzdem" gefreut. Als ich 5 Jahre alt war, hat
mich mein Grossvater wegen irgendeine Belustigung von mir
sehr hart angefahren. Es betraf seinen Glauben. Ich war noch so klein!!!
Ich werde nie vergessen, was er gesagt hat: wenn du in mein Alter
kommst, wirst froh sein einen Gott zu haben. Inzwischen habe
ich noch mehr Respekt vor anderen Ansichten.
"letztes Geschenk des Lebens"
Zwei Strassen weiter von hier wohnt ein Heideggerschüler,
Rainer Marten, dessen Buch, "Der menschliche Tod" (das die Revision
der bisherigen Behandlungsarten des Todes verspricht), er sagt sogar,
der Tod ist der einzige Halt des Menschen. Er hat mir erlaubt ihn zu besuchen,
aber ich habe mich nie getraut ihn auf "mein Thema" anzusprechen!
Zumal er als 80 Jähriger sehr darüber klagte, dass er
mindestens die Hälfte der Originalliteratur noch nicht gelesen hat.
ich hoffe, du beteiligst dich noch "trotzdem"
Kai
Ich kann am Tod nichts positives entdecken. Ich glaube eher, dass viele Menschen aus einer (scheinbaren) Unabwendbarkeit eine Tugend machen.
Gegen die Möglichkeit eines ewiges Leben (als das Individuum, das ich jetzt bin) hätte ich solange nichts, wie ich die Möglichkeit zum Freitod hätte.
Ein ewiges Leben (als das Individuum, das man im Moment ist) wird wohl daran scheitern, dass Unfälle, Gewalt von Seiten anderer etc. nie ganz auszuschließen sind. Aber wahrscheinlich erreichbar ist eine erheblich ausgedehntere Lebenszeit, als der Mensch gegenwärtig hat.
Und eventuell ist die Unsterblichkeit in gewisser Hinsicht sowieso schon Tatsache. Die Zufälligkeit meiner Existenz ist mir seit geraumer Zeit nicht plausibel. Ich neige der Auffassung zu, dass der innerste Kern meiner Existenz immer war und immer sein wird.
Sun Deluge
Hallo,
der Tod würde etwas nützen, wenn man keine Vorteile mehr aus dem Leben zieht.
Der Tod selbst hat nichts mit Notwendigkeit zu tun. Er tritt dann ein, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, die lebenswichtigen Funktionen weiter zu erhalten. Etwas ganz banales, was keinem "wofür" Bedeutung tragen würde, ausser für jene, die andere gerne aus welchen Gründen auch immer tot sehen möchten.
Gruss
PS: Angst hat man vor der Art des Sterbens und auch der Ungewissheit zu Lebzeiten was eben nach diesem Leben auf uns warten könnte.
Taurus
Der Tod ist Schlüßel zum Erkennen
Der Tod gibt größtmöglichen Nutzen für das Leben
Der Tod ist sinngebend für das Leben
peddas
| Zitat: |
| Der Tod ist sinngebend für das Leben |
Was ist an einem Leben mit Tod denn bitte sinnvoller, als an einem ohne?
| Zitat: |
| Die Zufälligkeit meiner Existenz ist mir seit geraumer Zeit nicht plausibel. Ich neige der Auffassung zu, dass der innerste Kern meiner Existenz immer war und immer sein wird. |
Kai, vielen Dank fuer diese zwei Saetze. Ueber das Thema koennte ich zwar stundenlang mit dir diskutieren, aber finde die Formulierung wunderschoen. (Das nur nebenbei)
Nun aber mal zum Thema: Ich finde, dass der Tod absolut notwendig ist. Zur Begruendung muss ich etwas weiter ausholen, anfangen tu ich mal mit der schoensten Nebensache der Welt: Sex. Ich denke mal, dass wir so viel Spass daran haben, weil die Fotpflanzung evolutiontechnisch absolut notwendig ist. Wenn wir aber ewig leben wuerden und nur gelegentlich durch Unfaelle und Krankheiten sterben wuerden waere das erhalten der eigenen Spezies durch Fortpflanzung bei weitem nicht mehr so wichtig. Wuerden wir dann genauso wie zurzieit wie die Karnickel weitermachen waere die Weltbevoelkerung bald schon zu gross, um sie mit den uns gegebenen Mitteln ernaehren zu koennen. Das schoene ware in der Evolution zu einer reinen Notwenigkeit der Existens geworden.
Lange Rede, kurzer Sinn, wer von uns will schon ohne Spass am Sex leben
Nein scherz, das ist natuerlich nicht das endgueltige Fazit (obwohl ich das schon recht ueberzeugend finde). Jedenfalls muesste es eine strenge Geburtenkontrolle geben, die genau festhaelt wie viele Menschen sterben und damit auch neu geboren werden koennen. Das waere zur heutigen Zeit natuerlich weniger ein Problem, aber erzaehl mal den leuten im Mittelalter, dass sie im Moment keine Kinder kriegen duerfen, weil in Amerika weniger Leute durch Wirbelstuerme getoetet wurden als erwartet...
Ich hab noch einen anderen Gedanken, den ich mal gerne einbringen wuerde. Die Definition von Unsterbelichkeit faellt mir noch ein weing schwer. Mir ist schon klar, dass es simpel ausgedrueckt bedeutet nicht eines natuerlichen Todes durchs Alter sterben zu muessen, doch sehen wir uns das doch mal etwas naeher an. Wir werden geboren und wachsen auf, erleben die Bluete unserer Jahre und beginnen dann langsam wieder zu verfallen. Unsterblichkeit wuerde bedeuten keinen koerperlichen und damit auch geistigen Verfall zu erleben, also nicht mehr zu altern. Das Altern ist aber ein natuerlich biologischer Vorgang, genauso wie das wachsen nach der Geburt. Woher sollte unser Koerper also wissen wann genau er damit aufhoeren soll, denn irgendwie glaubt man doch immer gerade genau das Alter zu haben, in dem es sich am meisten lohnt nicht mehr zu altern.
Genau das ist uebrigens auch, was mich an Filmen wie Highlander etc immer so gestoert hat, wann soll der Koerper wissen, dass es Zeit wird unsterblich zu sein?
Ich hoffe ich konnte mich einigermassen ausdruecken.
Loma
| Zitat: |
Original von byLaszlo
Vor Menschen die DRUCK brauchen, habe ich genauso Achtung als vor jenen,
die Zeit brauchen. Da kann dich meine Einstellung kaum interessieren:
ich mag nicht der Sklave der Zeit sein, Sklave der Evolution, ... |
Ich möchte bzw. versuche ebenfalls, mein Leben nicht so zu gestalten/leben, als hätte ich zu wenig Zeit.
Ich denke übrigens, daß es weniger die Angst vor dem eigenen Tod ist, die uns plagt, sondern viel mehr der Verlust der Lieben um uns rum - und die Tatsache, daß diese einmal nicht mehr da sein werden, erhöht doch in gewissem Maße unsere Wertschätzung für sie (damit sei vielleicht eine andere bzw. zusätzliche Notwendigkeit für den Tod genannt).
Ob man beim Wissen um den Tod, Druck verspürt und kämpft, um etwas zu erreichen oder aber in Resignation versinkt, mag grundsätzlich von der persönlichen Veranlagung abhängen (stimme da Loa zu), aber ich glaube, daß unabhängig von diesen zwei Sichtweisen der Aspekt der Wertschätzung sehr eng mit dem Tod verknüpft ist. Alles, was ewig existiert (oder im Überfluß vorhanden ist), ist eigentlich nicht mehr wertvoll.
Und außerdem:
"Nicht Sterben ist's, was uns so schmerzt,
das Leben schmerzt uns mehr." (Emily Dickinson)
Liebe Grüße
Taurus
So Paradox es auch klingen mag, der Tod erinnert uns an unsere Unsterblichkeit.
Das Problem welches wir damit haben, ist nur das wir Ansprueche darauf erheben, wie diese auszusehen hat.
Cornak
an die Sterblichen fern von mir : Ich war als Arzt beim Sterben vieler Menschen anwesend und komme zu folgendem Schluß: Ich kann etwas sagen über das Sterben, nicht aber über den Tod, da ich ihn nicht denken kann. Die Frage, ob der Tod notwendig sei, halte ich deshalb für eine Un-Frage und aus philosophischer Sicht off topic, da uns die drei bekannten Wege zur (philosophischen) Lösbarkeit verschlossen bleiben (mathematisch, logisch, empirisch).
Phänomenologisch haben mich immer wieder die Sekunden beeindruckt , in denen das Lebendsein übergeht in das Totsein.
byLaszlo
hallo Cornak,
für eine Un-Frage/aus philosophischer Sicht off topic
Ich denke, Cornak, du bist kreativ genug, um mein Anligen zu
berühren und in der Lage gute Ansätze ausbauen zu helfen
anstatt schlechte in den Tod zu stossen.
Ich bin auf der Suche nach einer Fragestellung und dafür sind mir
Prothesen gut genug. Ich gebe zu, es könnte für dich als Diskutieren
mit Behinderten erscheinen---ich konnte es nicht besser. Ok,
vielleicht tauche in einem künftigen Thread als
philosophischer Missgeburt auf und dann können wir
wieder nicht zusammenarbeiten. (Innerhalb der "allgemeinen Fragen" könnte
vielleicht eine Reinkarnation geben.)
Grüße.
Taurus
@Cornak
Ich sehe keine Frage, es gibt nur eine Antwort, und die IST unbestreitbar.
Wuerde ich aber eine Frage sehen, gåbe es viele Antworten, die wiederum viele Fragen Aufwerfen.
Sun Deluge
| Zitat: |
Original von Loma
[...]
Und außerdem:
"Nicht Sterben ist's, was uns so schmerzt,
das Leben schmerzt uns mehr." (Emily Dickinson)
Liebe Grüße |
Sterben als Übergang zählt noch zum Leben...
| Zitat: |
Original von Cornak
Phänomenologisch haben mich immer wieder die Sekunden beeindruckt , in denen das Lebendsein übergeht in das Totsein. |
Empirisch kannst Du das bei anderen nicht so erleben, wie die betroffenen Beobachter selbst erleben. So hast Du auch nicht die Möglichkeit grossartig etwas feststellen zu können, ausser das die Körperfunktionen ausbleiben. In welchem Augenblick beginnt der Tod? Das zähle ich zu
persönlichen Erfahrungen, wahrscheinlich die einzige der Art und die letzte welche man zu Lebzeiten machen wird, bevor man im selben Augenblick alles wieder vergisst, alles an Gedanken und Erinnerungen, von 100 rasch auf 0 (zer)fällt.
byLaszlo
hallo Kai,
Deine Einstellung, wie du meine Frage angehst, fällt so aus,
dass ich mit meiner viel Gemeinsamkeiten erkennen kann.
Freundlich von dir, dass du sie mitgeteilt hast!
Ich wusste nicht, wie ich die Frage nach dem Tod so stellen
soll, dass er frühere Behandlungsarten miteinbezieht aber
gleichzeitig die fast noch undefinierbaren Entwicklungen
der Biotechnik berücksichtigen kann.
Von meiner Erziehung und Bildung aus mache ich die Trennung
Körper/Seele/Geist usw. nicht mit, und von meinem Ansinnen
her bin ich eher auf eine Zusammenarbeit als auf eine
Wiederlegungen von anderen Argumenten/ Ansätze aus.
Du bist eher Kämpfernatur----nicht wahr?
byLaszlo
Sun Deluge,
ich habe meine Frage in der Hoffnung gestellt,
sie liesse sich entweder durch die Beiträge im Laufe der
Diskussion oder durch eigene Überlegungen präzisieren.
Also eine Pro-These. Wie formuliere ich eine Frage, die uns
erlaubt zu dem Versprechen der Biotechnik positiv zu
positionieren, wie verhalte ich mich zu den
früheren Behandlungsarten dieses Themas und zu
den Lebensentwürfen, die daraus resultieren??
Camus geht zum Beispiel von einer "starken" Notwendigkeit
des Sterbenmüssens aus, wenn er uns Sisyphos vorstellt.
Zum Beispiel.
Wie würdest du diese Themen in einer kurzen Fragestellung formulieren?
Taurus
Kann etwas aus dem Sein Verschwinden?
Also nicht mehr im Sein enthalten sein.?
Sollte die Antwort nein lauten?
Laesst sich nur noch ueber die Form streiten.
byLaszlo
gbg,
"Dünnt der Faden aus kann er reißen d.h. "sterben"."
Fasst du den Tod als Metapher auf? Vielleicht ist der Tod
ein Stressbegriff dem wir nicht direkt nähern können?
Solange die Erklärungen dem Tod den Stachel ziehen,
bewegen wir uns auf eine relativ angst- und leidfreie Ebene.
Wie würdest du den Tod in der Menschenhand nennen,
der, aufgrund seiner Beständigkeit und Nachhaltigkeit/
Unumkehrbarkeit sowohl gegen sich als auch gegen
anderen gerichtet werden kann? Wie als Metapher?
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