Shamatic
Dieses Jahr ist Fussball-WM. Es werden voraussichtlich wieder deutsche Nationalfahnen en masse im öffentlichen Bild auftreten. Wie ist dies gesellschaftstheoretisch zu betrachten und zu bewerten ? Gibt es einen Unterschied zwischen "gesundem" Nationalbewusstsein und "schlechtem" Nationalismus ? Wenn ja, wie sind die Kritieren zur Unterscheidung ? Und kann das eine nicht schnell in das andere umgewandelt werden, wenn der sozialpolitische Kontext sich verändert ? Wenn Nationalbewusstsein sich stärker ausbildet, dann ist die habituelle Grundlage d.h. der "Nährboden" für potenzielle Rechtspopulistische Ideologien gegeben. Ist dies schon ein Grund dafür, jegliche Form von Nationalbewusstsein zu kritisieren und abzulehnen ?
Meine Antwort ist: Ja. Es ist ähnlich wie mit dem Begriff der Toleranz. Tolerieren ist ein passiver Prozess: Ich erkenne den Anderen nicht als Anderen an, sondern sehe ihn stets als potentielle Bedrohung. Ich tue ihm zwar nichts und lassen ihn leben, aber dadurch schirme ich mich gleichzeitig von ihm ab. "Toleranz" ist ein Prozess der politischen Monadenbildung, der Isolierung voneinander. Dadurch ist der Sprung von der Toleranz zur Intoleranz ein minimaler und alles andere als ein Gegensatz, wie dies in der liberal-multikulturalistischen Ideologie propagiert wird. In ähnlicher Weise ist der Sprung von "gemäßigtem" Nationalbewusstsein zum rechtspopulistischen Nationalismus nur ein winziger. Nationalbewusstsein ist ebenso ein Prozess der Identifikation d.h der Abgrenzung auf der Ebene des ideologischen Gebildes der "Nation". Die ideologische Grenzziehung liegt also hier schon vor, und um daraus eine absolute Grenze d.h. eine Feinschaft zwischen "Nationen" zu machen, muss man nur einen winzigen Schritt gehen.
Angesichts der Entwicklung des globalen Kapitalismus und den Entwicklungen in den "Zentren" kapitalistischer Produktionsweise, scheinen mir größere sozialpolitische Auseinandersetzungen sehr wahrscheinlich zu werden. Dies sind immer Phasen der ideologischen Artikulation d.h. Verfremdung gesellschaftspolitischer Probleme, wie dies vorallem in der natioalsozialistischen Ideologie zu sehen war. Deshalb dürfen wir uns nicht auf diese künstlichen Differenzen zwischen "gutem/gesundem" und "schlechtem/kranken" festfahren lassen. Schon jetzt muss die politische Praxis so formuliert und getätigt werden, dass Nationalitätsbewusstsein als solches abgelehnt wird. Es muss als ideologische Repräsentation der staatlich-kapitalistisch verfassten Gesellschaftform begriffen werden.
Stolz auf ein "Vaterland" zu sein, bedeutet, dass diejenige Person sich auf symbolische Weise von sich entfremdet hat. Denn die Identifikation mit einer bestimmten Nation ist nichts anderes als die Identifikation mit einem leeren Signifikanten, welcher nicht aus dem Lebensprozess der Menschen herauswächst, sondern "von-oben" auf die Menschen gedrückt wird.
Fazit: "Nationen" sind "künstliche" Trennungen zwischen gleichen Menschen.
PS: Ich werde wahrscheinlich gelbe Streifen sammeln, wenn die WM anfängt. Wer am Ende die meisten hat, hat gewonnen
Meine Antwort ist: Ja. Es ist ähnlich wie mit dem Begriff der Toleranz. Tolerieren ist ein passiver Prozess: Ich erkenne den Anderen nicht als Anderen an, sondern sehe ihn stets als potentielle Bedrohung. Ich tue ihm zwar nichts und lassen ihn leben, aber dadurch schirme ich mich gleichzeitig von ihm ab. "Toleranz" ist ein Prozess der politischen Monadenbildung, der Isolierung voneinander. Dadurch ist der Sprung von der Toleranz zur Intoleranz ein minimaler und alles andere als ein Gegensatz, wie dies in der liberal-multikulturalistischen Ideologie propagiert wird. In ähnlicher Weise ist der Sprung von "gemäßigtem" Nationalbewusstsein zum rechtspopulistischen Nationalismus nur ein winziger. Nationalbewusstsein ist ebenso ein Prozess der Identifikation d.h der Abgrenzung auf der Ebene des ideologischen Gebildes der "Nation". Die ideologische Grenzziehung liegt also hier schon vor, und um daraus eine absolute Grenze d.h. eine Feinschaft zwischen "Nationen" zu machen, muss man nur einen winzigen Schritt gehen.
Angesichts der Entwicklung des globalen Kapitalismus und den Entwicklungen in den "Zentren" kapitalistischer Produktionsweise, scheinen mir größere sozialpolitische Auseinandersetzungen sehr wahrscheinlich zu werden. Dies sind immer Phasen der ideologischen Artikulation d.h. Verfremdung gesellschaftspolitischer Probleme, wie dies vorallem in der natioalsozialistischen Ideologie zu sehen war. Deshalb dürfen wir uns nicht auf diese künstlichen Differenzen zwischen "gutem/gesundem" und "schlechtem/kranken" festfahren lassen. Schon jetzt muss die politische Praxis so formuliert und getätigt werden, dass Nationalitätsbewusstsein als solches abgelehnt wird. Es muss als ideologische Repräsentation der staatlich-kapitalistisch verfassten Gesellschaftform begriffen werden.
Stolz auf ein "Vaterland" zu sein, bedeutet, dass diejenige Person sich auf symbolische Weise von sich entfremdet hat. Denn die Identifikation mit einer bestimmten Nation ist nichts anderes als die Identifikation mit einem leeren Signifikanten, welcher nicht aus dem Lebensprozess der Menschen herauswächst, sondern "von-oben" auf die Menschen gedrückt wird.
Fazit: "Nationen" sind "künstliche" Trennungen zwischen gleichen Menschen.
PS: Ich werde wahrscheinlich gelbe Streifen sammeln, wenn die WM anfängt. Wer am Ende die meisten hat, hat gewonnen