Die Angst

ete
Zitat:
Original von schlinge
In Kalahari ist es anderes, bei den Menschen die um zu überleben die Lage immer auf neu analysieren ist Angst kurz und an die Ursache gebunden.

Das liegt daran, dass es in der Kalahari-Wüste keinen Wald gibt... großes Grinsen
schlinge
Dafür aber Honigdachse!
ete
Das ist doch praktisch: Die buddeln so große Gänge, dass Du schon mal Deine Schlafhöhle hast. Oder bist Du etwa eine Biene?
schlinge
Ich bin ein männlicher Biene, der beißt!
ete
Ah- dann hast Du nur vor der Königin Angst? großes Grinsen
schlinge
Wenn du die Königin bist, ja!
ete
Nö- da kann ich Dich beruhigen- wenn, dann nur i.S. Nerudas. roll
schlinge
Reichte für den Anfang, wenn ich wüsste was i.S. ist.
Vom Neruda habe ich kein Respekt.
Tarvoc
Zitat:
Original von Kai
Da hat jemand starke Angstgefühle, ohne dass es einen konkreten Grund dafür gibt. Dann nimmt der täglich seine Tabletten, die ihm der Nervenarzt verschrieben hat, und er ist von seinem psychischen Leid befreit. Sonne

Das hättest du wohl gerne, dass das so einfach ist. Als jemand, der in seinem Leben bereits sowohl Depressionen und Panikattacken als auch die Wirkung von Psychopharmaka selbst erleben durfte, kann ich dir allerdings verraten, dass es leider ganz so einfach dann doch nicht ist. Abgesehen davon ist es doch recht gut erkennbar, dass hinter deinem Wunsch, Kierkegaard Tabletten verpasst zu haben, nicht etwa das Bedürfnis steht, einem leidenden Menschen geholfen zu haben, sondern vielmehr das Bedürfnis, eine dir unliebsame Philosophie aus der Welt zu schaffen oder zumindest inhaltlich zu entschärfen. Ich für meinen Teil bin zwar auch in vielem nicht Kierkegaards Ansicht, bin aber dennoch der Ansicht, dass die Welt ohne seine Philosophie ärmer wäre (von dem Einfluss, den er auf spätere Denker hatte, einmal ganz abgesehen). Dass sie nicht zu deiner weltanschaulich-politischen Agenda passt, glaube ich dir aber auf's Wort. Dass du jemandem, dem du Depressionen und krankhafte Angstzustände attestierst, im selben Atemzug vorwirfst, er sei ein "Jammerlappen", zeigt übrigens deine Ignoranz hinsichtlich dieses Themas, die dich als Gesprächspartner auf diesem Gebiet eigentlich diskreditiert.
Kai
@ete
Ich bin ein Fan des dialektischen Denkens des 'sowohl-als-auch', manchmal auch des 'weder-noch". Ich bin im allgemeinen kein 'entweder-oder' Typ. Ich sehe allerdings nicht, dass Kierkegaard in Bezug auf Vernunft oder Religion, Welt oder Jenseits etc. ein 'sowohl-als-auch' Typ war. Er war der 'entweder-oder' Typ.
Kai
Ich habe mal eine Stalin-Biographie gelesen. Über seine schwere Kindheit, prügelnden Vater, enttäuschte Liebe etc. pp. Man kann sich erklären, warum er wurde, wie er war. (Wenn auch nicht jeder mit einer solchen Biographie so wurde.) Wenn man nun auch noch die Willensfreiheit in Frage stellt, dann kann man ihn am Ende als Opfer sehen. Trotzdem nenne ich Stalin einen psychopathischen Massenmörder. Und wenn jemand wie Kierkegaard das Glück hat, in eine reiche Familie hineingeboren zu werden, Philosophie studieren kann (im 19. Jahrhundert war das noch ein unvergleichbar größeres Privileg als heute noch), und dann in einem solchen Maße herumjammert, dann nenne ich den Jammerlappen. Einen armen, unwissenden, kranken Menschen würde ich niemals so bezeichnen.

Dass man neben der Jammerei, der verrückten Überbewertung der Angst, auch interessante Einsichten bei Kierkegaard finden kann, das bestreite ich nicht. Man findet auch bei Nietzsche interessante Einsichten, was nichts daran ändert, dass ein Reaktionär war. Man findet auch bei Marx interessante Einsichten über die Ökonomie, was nichts daran ändert, dass er sich in vielen Voraussagen getäuscht hat.

Ich behaupte nicht, dass man alle psychischen Störungen oder Psychosen mit Medikamenten restlos wegkriegt. Aber bei Depressionen und vielen Angstzuständen geht es nun mal. Und die Entwicklung der Psychiatrie und der Pharmazie geht ja schließlich weiter.

In der Sowjetunion sind gesunde Menschen in die Psychiatrie eingeliefert worden. Das war eine der Methoden, mit denen Kommunisten ihre Kritiker fertig machen wollten. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man psychisches Leid durch Medikamente lindert und abstellt.
Tarvoc
Zitat:
Original von Kai
Das ist etwas ganz anderes, als wenn man psychisches Leid durch Medikamente lindert und abstellt.

Es kann etwas anderes sein. Aber das hängt auch davon ab, aus welchen Gründen man sie durchführt und wie der Leidende zu dieser Behandlung steht. Ein Problem dabei ist ja auch, dass psychisches Leid in einem ganz anderen Maße mit der Persönlichkeit des Leidenden zusammenhängt als physisches Leid.
Nylen
Zitat:
Aber bei Depressionen und vielen Angstzuständen geht es nun mal.


Meine Erfahrung ist Gegenteilig. Psychotische Störungen kann man abstellen aber die Symptome der Depression und von Ängsten bekommt man schwer bis gar nicht unter Kontrolle.

Als ebenfalls Psychopharmaka schluckender Mensch finde ich, obwohl ich dir ja in manchem sonst hier im Forum zustimme, das du kein Urteil anmassend solltest von etwas von dem du offensichtlich eher theoretisch etwas weisst.
Kai
Der Standpunkt eines Beobachters sagt etwas über das, was er beobachten kann. Wer in einer Sache drinsteckt, kann vieles beobachten, was ein Außenstehender nicht beobachten bzw. erleben kann. Aber der Beobachter von außen kann wiederum vieles beobachten, was der, der in der Sache drinsteckt, nicht beobachten kann. Nun können aber die verschiedenen Beobachter ihre Beobachtungen austauschen und von einender lernen.

Eines der Argumente der Existentialisten für Grenzsituationen wie Angst und Verzweiflung ist, dass sie einen Menschen aus einem unreflektierten Dahinleben herausreißen könnten. Ich gehe davon aus, dass Menschen ab einer bestimmten philosophischen Bildung und einer gewissen intellektuellen Kraft dazu in der Lage sein müssten, auch ohne solche Granzsituationen nur Kraft ihrer Gedanken dem unreflektierten Dahinleben zu entkommen. Einer Idealisierung von mit Leid verbundenen Grenzsituationen stimme ich deshalb nicht zu. Und wenn nun auch noch die Auffassung vertreten wird, solche mit Leid verbundenen Grenzsituationen wie Angst, Verzweiflung, Schuld, Todesnähe usw. seien geradezu notwendig, um eine gute Philosophie zu entwerfen, dann bin ich damit noch weniger einverstanden.

Auch oder gerade ein Mensch der sich nicht in Grenzsituationen befindet und einen kühlen Kopf bewahren kann, kann erkennen, das aus einer Symbiose von Psychose und religiösem Fanatismus keine gesunde Philosophie entstehen kann.
Shamatic
Zitat:
Original von Kai
Auch oder gerade ein Mensch der sich nicht in Grenzsituationen befindet und einen kühlen Kopf bewahren kann, kann erkennen, das aus einer Symbiose von Psychose und religiösem Fanatismus keine gesunde Philosophie entstehen kann.

Die Ausdrucksweise, dass es "gesunde" und somit implizit auch "kranke" Philosophien gibt, stammt jedoch von dir. Und ich weiß auch nicht, woher du deine Kriterien für diese medizinische Terminologie nimmst. Oder wähnst du dich in einer Position zu sein, von der aus Philosophien in die eine oder andere Kategorie einsortiert werden können ? Ich finde, du gehst mit den Begriffen von Gesundheit und Krankheit etwas zu unreflektiert um, so als sei eindeutig und objektiv klar, was "gesund" und "krank" bedeutet...
Erik van Thom
Tja, es gibt so die Kombination von "Genie und Wahnsinn", Leute, die nur genial sind, wenn sie (ausser verrueckt und begabt) auch noch ungluecklich sind (siehe den Roman "Doktor Faustus" von Thomas Mann), und sicherlich auch noch Leute, die genial sind, ohne innerlich am Abgrund zu taenzeln.
Ad Hominems werden (ausserhalb von Kneipen und Wirtshaeusern) von halbwegs gebildeten Leuten als ziemlich vulaer aufgefasst. Deswegen ist es viel vornehmer (und vor allem konstruktiver!) zur Sache zu argumentieren; also hier zur Philosophie Kierkegaards unter Auslassung seiner Person.
Ich kenne von ihm nur "Entweder Oder", und auch davon nur die Zusammenfassung auf 170 Seiten. Also, ich fand das ganz inspirierend! (Das Original von etwa 1000 Seiten wirkte auf mich im Anschluss wegen des Umfangs dann doch abschreckend...)
Ich freue mich auf Beitraege zum Begriff "Angst" nach ihm und auf alle, die ihr Fachwissen teilen (und vielleicht vergoessern) moechten.