Agathon
Ist die Welt ein Spiegel?
Ist die Welt, so wie wir sie wahrnehmen, letzten Endes soetwas wie ein Spiegel für uns?
Die Welt ist viel zu komplex, als dass wir die komplette Realität aufnehmen
können, wir können daher immer nur einen Teil betrachten.
Doch welchen Teil wir wahrnehmen und wie wir ihn wahrnehmen hängt von uns selbst ab, von unserem tiefsten Innerem.
Ist die Welt ein Spiegel unserer Seele?
Unsere Welt steckt voller Hinweise, aber auch Warnungen, die uns möglicherweise helfen sollen keine schweren Fehler zu machen oder aus schwierigen Situationen herauszufinden.
Doch wie sollen sie uns helfen, wenn wir sie ignorieren oder falsch interpretieren?
Vielleicht sollte man es sich als Aufgabe machen, diese Hinweise aufzuspüren und richtig zu deuten.
Viele Grüße
Agathon
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Agathon
Ist die Welt ein Spiegel? |
Die Welt nicht, aber ich.
Sun Deluge
Und aus der Sicht des Idealismus?
Sommerlybelle
Wenn die Welt ein Spiegel unserer Seele wäre, wie würde es mich gruseln. Natürlich baut jeder seine eigene Realität auf, seine eigene kleine Welt und glaubt an sie. Und doch sind wir der "Wirklichkeit" - die trotz unseres stets ändernden Seelenlebens stabil bleibt (Deutschland bleibt Deutschland, der Himmel ist für alle blau) - ausgeliefert. Obwohl ich davon nicht ausschließe, dass sie sich durch bestimmte Einflüsse (Gottes Wille z.B.) beeinflussen lässt. An Tagen, wo zumindest die Gemeinde, die ich manchmal besuche, tauft scheint prinzipiell IMMER die Sonne. Ich habe es noch nie anders erlebt.
Vielleicht habe ich auch den Kern deiner Frage falsch verstanden? Ich kann dir jedoch in diesem Aspekt zustimmen, dass unsere Lebensumstände sehr von unserem inneren Bild beeinflusst werden (was denke ich von mir, was strahle ich demnach aus, auf welche Menschen wirke ich anziehend etc.). Doch vermutlich können wir die Welt um uns herum nur zu einem gewissen Teil beeinflussen. Ich bin bei bestimmten Eltern aufgewachsen, ich bin in ein bestimmtes Land geboren worden und mir sind bestimmte Dinge mit auf den Weg gegeben worden. Ich kann viel ändern, ABER ich denke, in Wirklichkeit haben wir eigentlich keine Wahl. Wir denken immer, wir könnten dies oder jenes machen, doch am Ende kommt alles so, wie es kommen muss. Wir DENKEN nur, wir hätten die Kontrolle und es frei entschieden... Ist das nun erschreckend oder nicht... zumindest muss ich von diesem Standpunkt aus nicht ständig fragen: Wo in meiner Vergangenheit habe ich mich falsch entschieden? Was wäre, wenn ich damals das gemacht hätte oder das? Und wo habe ich jetzt die Wahl...
liebe Grüße
Sommerlybelle
Versucherling
Hm interessante Frage, aber ich denke dass Somerlybelle den Kern der Frage angeschnitten hat. Man kann auf der einen Seite nicht sagen, daß ich mich in der Welt wieder finde in dem was meine eigene Persönlichkeit angeht. Aber zum anderen Teil gibt es ja auch ein Teil des Selbst der nicht wirklich bewußt wahrgenommen wird. Das liegt einfach daran, daß man mit anderen Menschen gefühlsmäßig austauscht mehr oder weniger lang bzw. intensiv. Aber ich könnte mir vorstellen, daß derartige Dinge von Mensch zu Mensch weitergegeben werden könnten. Und wenn das der Fall wäre, dann macht die Vergangenheit ein Teil von unserem inneren Selbst aus. Und aus der Vergangenheit heraus entwickelte sich ja unser Jetzt. Also müsste es tatsächlich so sein, daß die Welt der Spiegel unserer Selbst sein müßte. Allerdings müsste man eben verstehen bzw. sich damit beschäftigen, wie dieses Spiegelbiild zustande kommt bzw. woraus der Spiegel genau bestünde, um sozusagen das Spiegelbild auch verstehen und richtig sehen zu können. Und ganz gewiss ist denke ich ebenso entscheidend, wofür ein persönliches Herz am sträksten schlägt. Ich wäre gespannt darüber, was jemand darüber zu sagen hätte, der sich damit eine längere Zeit auseinandergesetzt hat. Denn ich denke, daß man sich mit solchen dingen eine längere Zeit auseiandersetzen müsste, um eine brauchbare Antwort zu bekommen. Oder man beschäftigt sich mit irgendwelchem Zeug, was sozusagen ein Teil des Puzzels ergeben könnten, worin der Spiegel bestünde. Wir könnten ihn hier einfach entstehen lassen, wenn wir dazu in der Lage wären.
Nylen
Die Welt ist kein Spiegel. Die Welt ist kein Spiegelbild unserer Seele.
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die Welt spiegelt sich in uns, und wir sehen immer nur das Spiegelbild.
Loa
| Zitat: |
Original von Nylen
Die Welt spiegelt sich in uns, und wir sehen immer nur das Spiegelbild. |
Dazu hab ich jetzt mal folgende Frage:
Sind wir etwa nicht Teil der Welt oder wie oder was?
Und wenn wir es sind, wie kann man dann so einen Aussage treffen?
Die Welt spiegelt sich dann genau genommen in sich selbst.
Sommerlybelle
Ich glaube, nur Autisten sehen die Welt, wie sie wirklich ist. Unsere Sichtweise ist zu sehr von unbewussten Mustern eingetrübt, der eine sieht nur Porsche Cabrios auf der Straße, weil er selbst eins fährt, dem anderen fallen besonders die VW Polos auf. Alles, was uns nicht interessiert, blenden wir aus. Wenn man das Thema "Spiegel" unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, dann ist die Welt eine Art Spiegel. Ich würde sie gern mal durch die Augen eines anderen sehen.
Anna
| Zitat: |
Original von Nylen
Die Welt ist kein Spiegel. Die Welt ist kein Spiegelbild unserer Seele.
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die Welt spiegelt sich in uns, und wir sehen immer nur das Spiegelbild. |
Hallo Nylen,
angenommen wir sähen die Welt so, als spiegelten wir uns darin. So sähen wir doch jeweils nur uns in seitenverkehrter Weise, ohne daß uns dies bewusst auffallen würde? Und angenommen es würde sich so verhalten, was würde das dann in der Realität bedeuten?
Neo
| Zitat: |
Original von Anna
angenommen wir sähen die Welt so, als spiegelten wir uns darin. So sähen wir doch jeweils nur uns in seitenverkehrter Weise, ohne daß uns dies bewusst auffallen würde? Und angenommen es würde sich so verhalten, was würde das dann in der Realität bedeuten? |
es würde zunächst mal bedeuten, dass das, was uns da an der äußeren Realität mißfällt, unsere eigenen (unbewußten) Fehler und Schwächen sind.
Kennst Du Dethlefsen? Er vertritt genau diese These.
Anna
| Zitat: |
Original von Neo
es würde zunächst mal bedeuten, dass das, was uns da an der äußeren Realität mißfällt, unsere eigenen (unbewußten) Fehler und Schwächen sind.
Kennst Du Dethlefsen? Er vertritt genau diese These. |
Ich kenne Dethlefsen vom Namen her und Christa Kössners Spiegelmethode sehr gut. Das ist mir aber relativ gleichgültig. Angenommen wir würden uns im Spiegel sehen. Ob das nun Schwächen, Fehler, Stärken oder was immer ist. Das ist jedoch nicht meine Frage, sondern wie wirkt sich das Seitenverkehrte auf unsere Wahrnehmung aus? Können wir uns im Spiegel jemals "richtig" sehen und erkennen? Auf diese Weise offensichtlich nicht.
Agathon
Hallo,
| Zitat: |
Original von Neo
es würde zunächst mal bedeuten, dass das, was uns da an der äußeren Realität mißfällt, unsere eigenen (unbewußten) Fehler und Schwächen sind. |
das ist glaub ich genau das was ich meinte. Wenn wir uns z.B. über irgendjemanden aufregen, dann deshalb, weil derjenige Fehler oder Schwächen aufweist, von denen wir gedacht haben, dass wir diese längst mit viel Aufwand überwunden haben.
Wenn wir selbst niemals diese Schwächen gehabt hätten, würde uns das garnicht berühren.
Es hat manchmal den Anschein, dass all das was wir mal irgendwann in die Welt getragen haben immer wieder zu uns zurückkehrt, nur in einer anderen verschlüsselten Form.
Scheinbar zwingt uns das nach der
Goldenen Regel zu leben.
Viele Grüße
Agathon
Neo
@Agathon & Anna,
| Zitat: |
Original von Agathon
das ist glaub ich genau das was ich meinte. Wenn wir uns z.B. über irgendjemanden aufregen, dann deshalb, weil derjenige Fehler oder Schwächen aufweist, von denen wir gedacht haben, dass wir diese längst mit viel Aufwand überwunden haben.
Wenn wir selbst niemals diese Schwächen gehabt hätten, würde uns das garnicht berühren. |
| Zitat: |
Original von Anna
Angenommen wir würden uns im Spiegel sehen. Ob das nun Schwächen, Fehler, Stärken oder was immer ist. Das ist jedoch nicht meine Frage, sondern wie wirkt sich das Seitenverkehrte auf unsere Wahrnehmung aus? Können wir uns im Spiegel jemals "richtig" sehen und erkennen? Auf diese Weise offensichtlich nicht. |
Im Gegenteil und ich stimme Agathon zu.
Dethlefsen ist der Auffassung, dass wir uns NUR im Spiegel vollständig sehen. So wie im richtigen Leben. Ohne den Spiegel bleiben Teile von dir deiner eigenen Wahrnehmung verborgen. Du würdest sie gar nicht kennen.
Aus etwas metaphysischer Sicht könnte man sogar davon ausgehen, dass genau dies der Sinn und Zweck des Daseins (Lebens) ist.
Sophie
| Zitat: |
Original von Anna
sondern wie wirkt sich das Seitenverkehrte auf unsere Wahrnehmung aus? |
Gute Frage. Vielleicht ist das Seitenverkehrte dafür verantwortlich, dass wir überhaupt etwas sehen und dann nur immer etwas "Ähnliches".
Ich habe irgendwie die Vermutung, dass, wenn wir uns exakt genau so sehen könnten, wie oder wer wir sind, entweder sofort etwas noch Bizarreres entstehen würde oder etwas unvorstellbares.
| Zitat: |
| Auf diese Weise offensichtlich nicht. |
Bei einem äußerlichen Spiegel zumindestens immer verdreht
Neo
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Original von Sophie
| Zitat: |
| Auf diese Weise offensichtlich nicht. |
Bei einem äußerlichen Spiegel zumindestens immer verdreht |
Das wäre noch zu klären. Ich erinnere, dass die Sehnerven überkreuz verlaufen. Vlt sehen wir erst im Spiegel die Welt wie sie wirklich ist. das was wir ohne Speigel sehen, und vermeintlich
nicht seitenverkehrt, ist ein Konstrukt des Gehirns.
Anna
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Original von Neo
Bei einem äußerlichen Spiegel zumindestens immer verdreht
Das wäre noch zu klären. Ich erinnere, dass die Sehnerven überkreuz verlaufen. Vlt sehen wir erst im Spiegel die Welt wie sie wirklich ist. das was wir ohne Speigel sehen, und vermeintlich nicht seitenverkehrt, ist ein Konstrukt des Gehirns. |
Interessanter Aspekt. Das würde bedeuten, daß wir uns im Badezimmerspiegel so sehen, wie wir sind, da ja spiegelverkehrt - unser Auge sozusagen überlistend. Doch die Welt überlistet das Auge nicht. Wir sehen sie also (weil unsere Augen ja überkreuz verlaufen) "falsch" rum.
Sophie
| Zitat: |
Original von Neo
Ich erinnere, dass die Sehnerven überkreuz verlaufen. Vlt sehen wir erst im Spiegel die Welt wie sie wirklich ist. |
Hm. Dreht das Gehirn das nicht wieder um? Wir sehen ja auch nicht auf dem Kopf, obwohl das von der Optik her so sein müsste. Bei Kindern weiß ich, dass sie anfangs oft spiegelverkehrt schreiben und auch spiegelverkehrt lesen können. Das ändert sich dann aber wieder.
Wie auch immer, die Wahrnehmung ist um die Differenz der Verdrehung nur ähnlich, denn wenn das Gehirn die Seiten vertauscht, vertauscht es ja Seiten, ob du nun in den Spiegel schaust oder auf Ziegen starrst.
Anna
| Zitat: |
Original von Neo
Im Gegenteil und ich stimme Agathon zu.
Dethlefsen ist der Auffassung, dass wir uns NUR im Spiegel vollständig sehen. So wie im richtigen Leben. Ohne den Spiegel bleiben Teile von dir deiner eigenen Wahrnehmung verborgen. Du würdest sie gar nicht kennen.
Aus etwas metaphysischer Sicht könnte man sogar davon ausgehen, dass genau dies der Sinn und Zweck des Daseins (Lebens) ist. |
Bist du tatsächlich der Meinung, daß wir uns im "richtigen" Leben vollständig sehen? Ist es nicht so, daß der beste Spiegel eine reine Sinnestäuschung ist? Und wer sagt, daß ich mich ohne mein Spiegelbild nicht kennen würde?
Ich meine, um auf einer anderen Ebene zu sprechen, dich schon zu verstehen. Das "Du" hilft mir in vielerlei Hinsicht, mein "Ich" überhaupt als "Ich" begreifen und verstehen zu können...
doch wir diskutieren hier ja den Spiegel und sein An-Sich-Sein
Anna
| Zitat: |
Original von Sophie
Gute Frage. Vielleicht ist das Seitenverkehrte dafür verantwortlich, dass wir überhaupt etwas sehen und dann nur immer etwas "Ähnliches".
Ich habe irgendwie die Vermutung, dass, wenn wir uns exakt genau so sehen könnten, wie oder wer wir sind, entweder sofort etwas noch Bizarreres entstehen würde oder etwas unvorstellbares. |
"Ähnlich" gefällt mir der Ausdruck. Es "scheint" so als ob, ist jedoch nie "das". Und weil eben bloß ähnlich... nicht exakt genau so... gibt es vielleicht diese Mißverständnisse um unser Selbstverständnis? Von der Ein- und Zuordnung des Gegenübers, "des Spiegels" ganz abgesehen.
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