Niklas Luhmann - "Erkenntnis als Konstruktion"

Nauplios
"Für einen Soziologen liegen die Fenster in den philosophischen Auditorien zu hoch."
(Niklas Luhmann; Die neuzeitlichen Wissenschaften und die Phänomenologie; S. 56)

"Ich habe das Bedürfnis, in jedem Buch mindestens einen Unsinn hineinzubringen."
(Niklas Luhmann; Interview in "Frankfurter Rundschau"; 8.12. 1997)



Das Thema dieses Threads ist der Aufsatz "Erkenntnis als Konstruktion" von Niklas Luhmann (in: "Aufsätze und Reden"; Stuttgart 2001; S. 218 - 242). -

Die 25 Seiten haben zwei Vorteile: Zum einen sind sie schnell gelesen, so daß es im Grunde möglich ist, sich jederzeit in diesen Lektürethread einzubringen; zum anderen verschaffen sie uns die Gelegenheit, uns diesem zwar kurzen aber dichten Text in einer langsamen Bewegung anzunähern. Das kommt auch der Aufforderung Luhmanns nach: "... versteht mich bitte nicht zu schnell." (Interview in der Frankfurter Rundschau vom 8.12.1997). -

Auf die Frage nach seinem Hauptcharakterzug soll Luhmann geantwortet haben: "bockig". - Das überrascht zunächst ein wenig, denn Bockigkeit wird unter den philosophischen Tugenden bekanntlich nicht gelistet. Müssen wir ihn überhaupt als Philosophen lesen? Oder anders: Müssen wir als Philosophen ihn überhaupt lesen? - Luhmann hat sich ja als Soziologe verstanden. Nach einem Wort Jean Pauls lagen die Fenster in den philosophischen Auditorien für ihn zu hoch. Seine Bockigkeit war eine, die sich in der steten Auseinandersetzung mit Gedanken der philosophischen und soziologischen Tradition entwickelte. -

So zeigen auch umgekehrt seine Schriften für philosophisch an der Tradition geschulte Köpfe eine gewisse Bockigkeit und man ist bisweilen geneigt, eine Textstelle, die sich dem Verständnis nicht erschließen will, in Verdacht zu nehmen, hier könne womöglich der "Unsinn" versteckt sein, von dem im oben zitierten Interview die Rede ist. - Im Falle unserer Aufsatzes "Erkenntnis als Konstruktion" bietet sich dafür etwa der Satz an: "Erkenntnis ist nur möglich, weil sie keinen Zugang zur Realität hat." Ein anderes Beispiel, das den Verdacht des Unsinns auf sich zieht, ist das bekannte "Menschen können nicht kommunizieren." - Wie soll man sich das vorstellen?

Ich würde gern, bevor wir zum Text kommen, Eure Erfahrungen mit der Systemtheorie Luhmanns ein wenig besprechen. Wie ergeht es Euch, wenn Ihr Texte von Luhmann lest? - Vielleicht hat ja der eine oder andere aus Anlaß einer Luhmann-Lektüre auch schon den Charakterzug der Bockigkeit an sich festgestellt ... smile
Nauplios
Keine Bockigkeit, dafür aber den Eindruck von Peter Fuchs bestätigend: "Leicht gebeugt, sehr beamtenhaft, sehr höflich, sehr aufmerksam":

Niklas Luhmann bei einem Vortrag
Verena
Hallo Nauplios,
zunächst einmal vielen Dank für dein Einleitung.

Vor einem näheren Eingehen auf den Text selbst, möchte ich zu Beginn zuerst einmal den Blick auf die hermeneutische Struktur im Titel des Aufsatzes lenken:
Erkenntnis ALS Konstruktion heißt, etwas (Erkenntnis als Untersuchungsgegenstand) wird als etwas (Konstruktion) verstanden - genauer: Der Gegenstand (Erkenntnis) wird im Hinblick auf etwas (Konstruktion) als etwas verstanden.
Mit anderen Worten: Ein Begriff von etwas ("Konstruktion" ) liefert das Interpretament, die Folie, im Hinblick worauf die Eigenschaften von etwas anderem (des Untersuchungsgegenstands "Erkenntnis") interpretiert, dh Eigenschaften des Gegenstands 'Erkenntnis' am Leitfaden des Begriffs "Konstruktion" herausgearbeitet, ausgelegt werden sollen - und am Ende einer solchen auslegenden Untersuchung soll dank des Lichts, welches der Begriff "Konstruktion" auf den Gegenstand 'Erkenntnis' wirft, eine klareres, deutlicheres Verständnis wesentlicher Aspekte des Gegenstands 'Erkenntnis' stehen.

Wie kommt man nun aber dazu "Erkenntnis" oder dem "Erkennen" etwas (womöglich Sachfremdes) von außen quasi unterzuschieben, zu unterstellen? Wie kommt man zu der Meinung, dass der Begriff "Konstruktion" das Verständnis des Gegenstands 'Erkenntnis" erhellen könnte, mit welchem Recht macht man das?
Zweifelsohne muss man sich schon zuvor mit Erkenntnis/Erkennen intensiver auseinandergesetzt haben, dh ein gewisses Vorverständnis von der Sache "Erkenntnis" entwickelt haben, um feststellen zu können, Erkenntnis oder Erkennen sei wie Konstruieren, dh könne zurecht so verstanden werden, wie ein Vorgang, den man als "Konstruktion" bezeichnet.
Der Titel "Erkenntnis als Konstruktion" beinhaltet also zunächst einmal für den Leser eine Behauptung bzw. eine These, nämlich, dass der Autor nach einer längeren Zeit der Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Erkenntnis" zur der Erkenntnis gelangt ist, dass ein wesentlicher Aspekt von Erkenntnis dem Konstruieren gleicht, dass "Konstruktion" ein wesentlicher Grundzug von Erkenntnis sein soll und das Erkennen deshalb zurecht als "Konstruktion" ausgelegt werden kann.

Daraus resultiert dann aber auch der Leitfaden für eine erste Auseinandersetzung mit dem Text:
1. Was versteht der Autor unter "Konstruktion"; und
2. auf welche Aspekte des Erkennens hebt er mit diesem Begriff ab?

Erst nach dieser Bestandsaufnahme kann die kritische Frage gestellt werden, ob der Begriff "Konstruktion" wirklich einen wesentlichen Grundzug des Erkennens trifft und welche Aspekte des Phänomens Erkenntnis bei einer solchen Auslegung evtl. im Dunkeln bleiben - mit anderen Worten: ob das Vorständnis des Autors, aus welchem das Interpretament "Konstruktion" resultiert, die Sache "Erkenntnis" wirklich umfassend trifft oder teilweise verdeckt, ausblendet bzw. noch radikaler: unter Umständen evtl. in grundsätzlicher Weise verfehlt.
Nauplios
Zitat:
Original von Verena

Wie kommt man nun aber dazu "Erkenntnis" oder dem "Erkennen" etwas (womöglich Sachfremdes) von außen quasi unterzuschieben, zu unterstellen? Wie kommt man zu der Meinung, dass der Begriff "Konstruktion" das Verständnis des Gegenstands 'Erkenntnis" erhellen könnte, mit welchem Recht macht man das?
Zweifelsohne muss man sich schon zuvor mit Erkenntnis/Erkennen intensiver auseinandergesetzt haben, dh ein gewisses Vorverständnis von der Sache "Erkenntnis" entwickelt haben, um feststellen zu können, Erkenntnis oder Erkennen sei wie Konstruieren, dh könne zurecht so verstanden werden, wie ein Vorgang, den man als "Konstruktion" bezeichnet.


Damit ist eine Problemlage angesprochen, Verena, die in nuce in dem unauffälligen "von außen" steckt: Läßt sich an der Erkenntnis etwas erkennen ohne dafür eine Erkenntnis zu bemühen? Oder anders gesagt: Wenn Erkenntnis eine Konstruktion ist, dann ist auch diese Erkenntnis, daß die Erkenntnis eine Konstruktion ist, ihrerseits eine Konstruktion. Oder transzendentallogisch gewendet: Wie ist es denkbar, daß die Quelle der Erkenntnis zugleich als Quelle der Erkenntnis der Bedingungen der Erkenntnis in Anspruch genommen werden kann? -

Die Hermeneutik unterscheidet dann Verstehen vom Vorverständnis und verzeitlicht die Paradoxie, die Transzendentalphilosophie operiert mit der Unterscheidung empirisch/transzendental, die Phänomenologie wiederum arbeitet mit der Unterscheidung noetisch/noematisch ... Allen gemeinsam ist: sie unterscheiden. Die Handhabung der Paradoxie, des Zirkels, der im Erkennen des Erkennens liegt, läuft immer über Unterscheidungen. (Diese Unterscheidungen zu vermitteln - siehe den Thread zu den synthetischen Urteilen in der Mathematik - sind ja gerade Gegenstand und Essenz vieler philosophischer Kommunikationsversuche.) - Man kann also im Grunde nirgends anfangen, ohne Unterscheidungen zu machen: wahr/unwahr, gut/böse, empirisch/transzendental, bewußt/unbewußt ... usw. -

Bevor wir noch mal auf den Titel "Erkenntnis als Konstruktion" kommen, lasse ich das für heute erst einmal so stehen; aber wir müssen der Frage, was es mit dieser "Konstruktion" und diesem "als" auf sich hat, natürlich noch genauer nachgehen. -
Jörn
Zitat:
Original von Nauplios
Man kann also im Grunde nirgends anfangen, ohne Unterscheidungen zu machen: wahr/unwahr, gut/böse, empirisch/transzendental, bewußt/unbewußt ... usw.


Zitat:
Original von Niklas L
Erkenntnis ist anders als die Umwelt, weil die Umwelt keine Unterscheidungen enthält, sondern einfach ist, wie sie ist. Die Umwelt enthält, mit anderen Worten, kein Anderssein und keine Möglichkeiten.


Wenn man das gleich auf den ewigen Antagonismus von Realismus und Antirealismus bringen will: "Gibt" es Unterscheidungen weil wir sie machen? Oder machen wir sie, weil es sie gibt? Die Umwelt enthält laut Luhmann keine Unterscheidungen. Was heißt das? Enthält sie nicht vielleicht Unterschiede, die unsere Unterscheidungen "motivieren"? Luhmann macht hier so en passent in Metaphysik und weiß (woher?) was es gibt und was nicht. Möglichkeiten z.B. gibt es nicht. Sagt Luhmann.

Man ist bei dieser Ausgangslage "irgendwie" gezwungen, ganz indifferent gegen die "Umwelt" zu argumentieren. Sie enthält keine Unterscheidungen. Punkt. Naheliegend ist dann, dass man mit dem Finger auf natürliche Arten zeigt, Hund, Katz und Maus. Oder sind das bloß Molekülhaufen? Nein, das sind reale Systeme in einer realen Umwelt, wie Luhmann zuvor selbst meint ... das verwirrt mich. Bei natürlichen Arten scheint die Welt ein Wörtchen "mit zureden", oder? Bei anderen Gegenständen der Betrachtung sind unsere Freiheiten im Unterscheiden größer: Was ist eine Gesellschaft? Was ist ein Mann?, was eine Frau? - im Hinblick auf das soziale Geschlecht gefragt. ... Ist es egal, ob wir über die Welt der mittelgroßen Dinge sprechen oder die Welt im ganz Kleinen?

Kann Luhmann zwischen System - sagen wir mal auf der linken Seite und Umwelt auf der rechten Seite in die Mitte treten und feststellen, was jeweils nach Links und was nach Rechts gehört?

Zitat:
Original von Niklas L
Erkenntnis wird demnach durch Operationen des Beachtens und des Aufzeichnens von Beobachtungen (schreiben) angefertigt. Das schließt Beobachten von Beachtungen und Beschreiben von Beschreibungen ein.

Wie kommt es, dass das, was wir da aufschreiben etwas bedeutet? Diese Frage könnte der ganzen Chose einen anderen Dreh geben - und ich bin nicht sicher, ob das wirklich ein anderes Thema ist :-)
Nauplios
Zitat:
Original von Jörn

Wenn man das gleich auf den ewigen Antagonismus von Realismus und Antirealismus bringen will:


... bleibt man dann nicht in einem ontologischen Weltbild stecken? - Dieser "Antagonismus" ist ja gerade ein Ausdruck der Verlegenheit, die sich genötigt fühlt, sich entweder für Zirkel auf der "Erkenntnisseite" zu unterscheiden oder von einer "an sich" seienden Realität, die unabhängig von einer sie fundierenden Erkenntnis ist, auszugehen. Nun ist ja die Umwelt eines selbstreferentiellen Systems (im Sinne Luhmanns) keine Umwelt "an sich"! - In der Umwelt gibt es weder Dinge noch Ereignisse, schreibt Luhmann (S. 223). Denn die Differenz von System und Umwelt ist ja keine ontologische. Die Realität wird ja nicht aufgeteilt in zwei Bereiche: hier das System, dort die Umwelt; sondern die Differenz von System und Umwelt ist immer eine systemgebundene Differenz. -

Wenn Luhmann also von selbstreferentiellen Systemen spricht, dann ist das zugleich (!) konstruktiv und realistisch gemeint. So kann er etwa sagen: "Es gibt Systeme" und "Ebensowenig gibt es ... Systeme" (S. 223). "(Deshalb haben wir oben gesagt, es gibt Systeme.)" (S. 223)
Nauplios
Um die De-ontologisierung, die in der System/Umwelt-Differenz steckt noch ein wenig zu erläutern, folgt hier ein Zitat aus dem Aufsatz "Probleme mit operativer Schließung" (N. Luhmann; "Soziologische Aufklärung", Bd. 6; S. 21f):

"Beobachten ist, in welchem System auch immer, nur als Operation möglich; anders kann sie sich nicht ereignen. Andererseits ist die Unterscheidung von Operation und Beobachtung, wie jede Unterscheidung, nur als Beobachtung möglich; denn Beobachten ist nichts anderes als Unterscheiden und Bezeichnen. Operation pur ist, was immer sie ist; ja man könnte ohne Beobachtung nicht einmal feststellen, daß sie ist und nicht vielmehr nicht ist.

Will man Operationen beobachten, muß man sie also unterscheiden. Aber wir wissen auch, daß der Beobachter sich im Unterscheiden invisibilisieren muß, und dies auch dann, wenn es ihm um Selbstbeobachtung geht. Logisch betrachtet handelt es sich also um ein zirkuläres Verhältnis welchselseitiger Voraussetzung, das aber nur zustandekommt, wenn der Zirkel selbst im Zirkel nicht vorkommt. Es handelt sich, anders gesagt, um eine Tautologie, die ihrerseits die Paradoxie des Beobachtens verdeckt.

Eine Auflösung dieser Tautologie/Paradoxie ist möglich, wenn der Beobachter als Erstunterscheidung die Unterscheidung von System und Umwelt einführt. Er mag dabei als Beobachter unsichtbar bleiben, kann aber durchaus auch einen autologischen Rückschluß auf sich selber erlauben.

Denn wenn dies die Erstunterscheidung sein soll, muß auch er selbst (für den Fall, daß man ihn beobachten will) ein System sein. Diese Erstunterscheidung de-ontologisiert die Welt. Denn wenn man von ihr ausgeht, kann die Unterscheidung von Sein und Nicht-sein nur noch zweiten Rang beanspruchen; da es jetzt von einem System-in-der-Welt abhängt, was für es als Sein und Nichtsein fungiert. Die Tragweite dieser Erstunterscheidung kann also kaum unterschätzt werden."

(Hervorhebung von mir)
Marumi
Zitat:
Original von Nauplios
Eine Auflösung dieser Tautologie/Paradoxie ist möglich, wenn der Beobachter als Erstunterscheidung die Unterscheidung von System und Umwelt einführt. Er mag dabei als Beobachter unsichtbar bleiben, kann aber durchaus auch einen autologischen Rückschluß auf sich selber erlauben.


Ist nicht der Beobachter trotzdem da? Denn während er beobachtet gibt es ja noch eine "Rückseite", welche er selbst nicht beobachten kann, der "blinde Fleck". Um diesen blinden Fleck zu beobachten benötigt es einen Beobachter zweiter Ordnung, also einen Beobachter des Beobachters.

Das, mit der Paradoxie finde ich immer noch etwas seltsam, d.h. ich bin immer noch nicht so ganz durchgestiegen. Ist das im Prinzip eine Henne-Ei-Frage? Ich meine, irgendwann muss ein System ja mal "beobachtet" und unterschieden werden, aber das geht doch eigentl immer nur vom System selbst aus....?
Nauplios
Zitat:
Original von Marumi

Das, mit der Paradoxie finde ich immer noch etwas seltsam, d.h. ich bin immer noch nicht so ganz durchgestiegen. Ist das im Prinzip eine Henne-Ei-Frage? Ich meine, irgendwann muss ein System ja mal "beobachtet" und unterschieden werden, aber das geht doch eigentlich immer nur vom System selbst aus....?


Im Falle des Beobachtens liegt ja die Paradoxie darin, daß Beobachten zunächst mal gedacht wird als Handhaben einer Unterscheidung zur Bezeichnung der einen und nicht der anderen Seite. - Bezeichnung und Unterscheidung: Was ist das? Eine Unterscheidung! Das heißt, die Unterscheidung enthält sich selbst, nämlich als Unterscheidung von Unterscheidung und Bezeichung (re-entry). So tritt also die Unterscheidung in das durch sie Unterschiedene wieder ein. Die Paradoxie liegt also darin, daß die Unterscheidung, die in sich selber wieder eintritt, dieselbe und zugleich nicht dieselbe ist oder anders formuliert: Wie kann ein Anfang im Unterscheiden gesetzt werden, wenn man dazu eine Unterscheidung bereits gewählt haben muß?
Verena
Hallo an alle,
ich habe mal eine grundsätzliche Frage zur Verfahrensweise.
Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass wir zuerst textnah und sukzessive den Aufsatz Luhmanns besprechen (immerhin findet der thread ja im Bereich "Quellenstudium" statt ;-)) , bevor wir in eine doch ziemlich abstrakte theoretische Diskussion zu Luhmann und grundsätzlichen Fragestellungen einsteigen.
Dies könnte so aussehen, dass Teilnehmer, die sich mit Luhmann bereits schon etwas beschäftigt haben (ich selbst bin in Sachen Luhmann ein "bloody greenhorn" ),
1. die Lektüre etwas strukturieren, indem sie eine sinnvolle Einteilung der Lektürabschnitte vornehmen, und
2. diese Abschnitte evtl. kurz zusammenfassen (bzw. die wichtigsten Gedanken zu den Abschnitten sukzessive vorstellen), und
3. dass dann diejenigen, die sich evtl bei Luhmann noch nicht so gut auskennen (wie zB ich), dann eine Chance bekommen, Fragen zu den Abschnitten zu stellen.

Daran könnte sich dann nach Abschluss der Lektüre des Textes eine allgemeine Diskussion (auch über den Text hinaus) anschließen.

Was meint ihr dazu?
Nauplios
Zitat:
Original von Verena

Was meint ihr dazu?


Das können wir gern so machen. - Bei Luhmann ist ja immer das Problem, daß seine Theorie sozialer Systeme nicht hierarchisch aufgebaut ist, sondern alles hängt mit allem zusammen, alles setzt alles voraus, d.h. egal wo man anfängt, man ist nie am Anfang.
Nauplios
Nachfolgend eine Einteilung des Textes in 10 Abschnitte:


1. Anfang - S. 221; erster Absatz ["... (second order cybernetics)"]

2. S. 221; erster Absatz - S. 222; Absatz Mitte ["... was auf diesem Wege erreicht werden soll."]

3. S. 222; Absatz Mitte - S. 224; erster Absatz ["... ist selbst eine erkenntnisleitende Operation."]

4. S. 224; erster Absatz - S. 225; letzter Absatz ["... von anderem unterscheidet."]

5. S. 225. letzter Absatz - S. 227; vorletzter Absatz ["... sich selbst einschließenden Konstruktivismus"]

6. S. 227; vorletzter Absatz - S. 230; Absatz ["... als Unbekanntes und Unerkennbares voraussetzen müssen."]

7. S. 230; Absatz - S. 232; letzter Absatz ["... Medium und Form möglich wäre."]

8. S. 232; letzter Absatz - S. 234; letzter Absatz ["... die ihm zugrunde liegt."]

9. S. 234; letzter Absatz - S. 236; erster Absatz ["... kognitive Leistungen steigert."]

10. S. 236; erster Absatz - S. 239; Ende.



Wir können das bei Bedarf kurzfristig noch anpassen; aber 10 Einheiten erscheinen mir als Fragmente klein genug, damit eine Taktung noch möglich ist und groß genug, damit noch Phrasierungsbögen gespannt werden können. - smile
Nauplios
"Irgendjemand hat mich einmal in einem Pub gefragt,
wie ich reagieren würde, wenn ich auf eine echte,
lebendige Leiche stoßen würde."
(aus: Sharon Bolton; "Todesopfer")

Die "lebendige Leiche" - das wäre auch eine jener kommunikativen Verstärkungen, mit denen Luhmann seinen Text einleitet. Zwar ist der "radikale Konstruktivismus" noch keine theoriegeschichtliche Leiche und erfreut sich in der Wissenschaftstheorie nach wie vor seiner Lebendigkeit; aber Luhmann hat doch "Zweifel" daran, ob der radikale Konstruktivismus "(erstmals) das Problem der Erkenntnis" gelöst hat. -

Dieses "Problem der Erkenntnis" liegt darin, daß jede Theorie der Erkenntnis sich in ihrem Gegenstand wieder vorfindet. Eine Erkenntnis dessen, was Erkenntnis ist, setzt Erkenntnis voraus. Die aristotelische Tradition kennt bereits diese Denkfigur alls noêsis noêseôs, als Erkenntnis des Geistes, Denkens (nous) durch sich selbst. Die philosophische Tradition hat dann darauf verschiedene Antworten gegeben, wie so etwas wie Erkennen möglich ist. Konstruktive Züge, wenn man das so sagen darf, liegen ja etwa schon in dem Satz Kants vor, wenn es bezogen auf den Verstand heißt: "alle seine Vorstellungen und Begriffe sind bloß seine Geschöpfe, der Mensch denkt mit seinem Verstand ursprünglich, und er schafft sich also seine Welt. (Immanuel Kant: Werke. Bd. VII, S. 71). -

"Seine Welt" - dann handelt man sich natürlich schnell das Folgeproblem ein: Wie ist dann eine gemeinsame Welt möglich? Auch darauf hat die philosophische Tradition mit der Theorie der Intersubjektivität (s. Husserls letzte cartesianische Meditation) eine Antwort versucht, die für Luhmann nicht ausreicht. Er sieht in all diesen Versuchen "Symptome einer unzureichend erfaßten Problematik". -

Nun teilt Luhmann allerdings auch nicht die Einsichten des radikalen Konstruktivismus in toto. In einer vorsichtigen, aber entscheidenden Abgrenzung spricht er (an anderer Stelle) von einem "operativen Konstruktivismus"; wir kommen darauf sicher noch zurück. Aber natürlich ist auch für Luhmann Erkenntnis eine "Konstruktion". Die Tradition des erkenntnistheoretischen Idealismus hatte das Problem der Erkenntnis darin gesehen, daß sie allein auf Erkenntnisleistungen abstellte: Der "Gegenstand", das "Ding an sich" - womöglich auch eine jener kommunikativen Verstärkungen - wartete dann gleichsam auf den Kuß des Prinzen, der damit an ihm eine Formung vollzog, etwa durch einen intentionalen Akt oder kategoriale Raster, Formen der Anschauung usw. -

Trifft der Strahl der Erkenntnis den Gegenstand so wie er ist oder - um es kommunikativ zu verstärken - so wie er wirklich ist? Reicht er ihn unverfälscht nach innen weiter? Oder ist er nur zu haben um den Preis von Erkenntnisleistungen, die ihn überhaupt erst in eine - für Menschen, für Subjekte - erkenn- und erlebbare Entität formatieren? - Die Antwort des radikalen Konstruktivismus darauf heißt: Erkenntnis ist nur möglich, weil sie keinen Zugang zur Realität außer ihr hat. Denn weder ein Gehirn, noch ein Bewußtsein kann "zu den Sachen selbst" ohne den Umweg einer Filterung dieser "Sachen" durch eigene Operationen.

Die Subjekttheorie der Erkenntnis war immer gefangen darin, daß ihr ja jeweils nur ein Bewußtsein für Befragungszwecke zur Verfügung stand. Man konnte dann allenfalls analogisch schließen, daß es sich beim alter ego wohl ähnlich verhalten müsse. Damit war für sie die Fragerichtung immer daran orientiert, wie die Welt in meinen Kopf kommt - oder in andere Köpfe. Die Vorstellung, daß gerade die Schließung, die "Abkopplung", eines Bewußtseins erst die Voraussetzung für Erkenntnis ist, konnte ihr aufgrund ihrer Theorieanlage nicht kommen. -

Deswegen ersetzt Luhmann diese Theorieanlage durch die System/Umwelt-Differenz und gibt die traditionelle Unterscheidung von Subjekt und Objekt auf. -

Bleibt noch zu erwähnen, daß natürlich auch diese Zusammenfassung eine Konstruktion ist und also nicht nur dekonstruierbar, sondern befleckt mit dem blinden Fleck jeder Beobachtung. - smile
Marumi
Ich muss mal was "Allgemeines" fragen:

Vielleicht seh ich den Wald vor lauter Bäumen schon nicht mehr, aber ich könnte die Frage im Luhmannschen Sinne, was denn Erkenntnis ist, nicht beantworten. Was erkennt denn das System, wenn es unterscheidet?
Verena
Zitat:
Original von Nauplios
...

Dieses "Problem der Erkenntnis" liegt darin, daß jede Theorie der Erkenntnis sich in ihrem Gegenstand wieder vorfindet. Eine Erkenntnis dessen, was Erkenntnis ist, setzt Erkenntnis voraus. Die aristotelische Tradition kennt bereits diese Denkfigur alls noêsis noêseôs, als Erkenntnis des Geistes, Denkens (nous) durch sich selbst. Die philosophische Tradition hat dann darauf verschiedene Antworten gegeben, wie so etwas wie Erkennen möglich ist. Konstruktive Züge, wenn man das so sagen darf, liegen ja etwa schon in dem Satz Kants vor, wenn es bezogen auf den Verstand heißt: "alle seine Vorstellungen und Begriffe sind bloß seine Geschöpfe, der Mensch denkt mit seinem Verstand ursprünglich, und er schafft sich also seine Welt. (Immanuel Kant: Werke. Bd. VII, S. 71). -

"Seine Welt" - dann handelt man sich natürlich schnell das Folgeproblem ein: Wie ist dann eine gemeinsame Welt möglich?

Im Falle der Kantschen (und auch Descartsch, allerdings nicht Leibnizschen) Subjektphilosophie erschöpft sich das Bewusstsein der Welt ja nicht in der empirisch bestimmten, subjektspezifischen (also so verstanden bloß "subjektiven" ) "jemeinigen" Welt, sondern das empirische (also subjektiv-zufällig bestimmte) Bewusstsein wird ja immer im Erfahrungsurteil (Anwendung der Kategorien) auf ein objektives, allgemeines Bewusstsein transzendiert, dh ein Bewusstsein, das die vielfältigen Wahrnehmungen in der Vorstellung eines Gegenstands einigt und die individuell-subjektiven Wahrnehmungen als Abschattungen des einen objektiv gegebenen Gegenstands versteht. Insofern in der Kantschen Subjektphilosophie, davon ausgegangen wird, dass allen Menschen (als Erkenntnissubjekte) mit den Anschauungsformen und Kategorien dieselben Bedingungen für diese Objektivierung (von Wahrnehmungen) zukommen, wird durch die überindividuell-gleichförmige Objektivierung auch die Grundlage (die Gegenstände) für eine gemeinsame, kommunikable Wirklichkeit geschaffen.

Zitat:
Auch darauf hat die philosophische Tradition mit der Theorie der Intersubjektivität (s. Husserls letzte cartesianische Meditation) eine Antwort versucht, die für Luhmann nicht ausreicht. Er sieht in all diesen Versuchen "Symptome einer unzureichend erfaßten Problematik". -

Hmm - inwiefern diese Versuche "unzureichend" sind, begründet Luhmann leider an dieser Stelle nicht weiter - naja, das würde natürlich auch den Rahmen dieses kleinen Essays sprengen.

Zitat:
Nun teilt Luhmann allerdings auch nicht die Einsichten des radikalen Konstruktivismus in toto. In einer vorsichtigen, aber entscheidenden Abgrenzung spricht er (an anderer Stelle) von einem "operativen Konstruktivismus"; wir kommen darauf sicher noch zurück. Aber natürlich ist auch für Luhmann Erkenntnis eine "Konstruktion". Die Tradition des erkenntnistheoretischen Idealismus hatte das Problem der Erkenntnis darin gesehen, daß sie allein auf Erkenntnisleistungen abstellte: Der "Gegenstand", das "Ding an sich" - womöglich auch eine jener kommunikativen Verstärkungen - wartete dann gleichsam auf den Kuß des Prinzen, der damit an ihm eine Formung vollzog, etwa durch einen intentionalen Akt oder kategoriale Raster, Formen der Anschauung usw. -

Hmm, ist zwar originell formuliert ;-) , aber suggeriert mE etwas unzutreffend, dass das "Ding an sich" der Gegenstand des Erkennens sei. Für Kant ist der Gegenstand des Erkennens (dh der Gegenstand der anschaulichen und kategorialen Verarbeitung) aber nicht das "Ding an sich", sondern das Ding in der Art und Weise wie es sinnlich-rezeptiv für das Subjekt begegnet - dh das Ding als Erscheinung ist das, was dem Erkennen als zu Erkennendes als Gegenstand entgegensteht.

Zitat:
Trifft der Strahl der Erkenntnis den Gegenstand so wie er ist oder - um es kommunikativ zu verstärken - so wie er wirklich ist? Reicht er ihn unverfälscht nach innen weiter?

Ich denke diese naiv-realistische Position vertritt heuer niemand mehr - außer Wehrli vielleicht. ;-)

Zitat:
Oder ist er nur zu haben um den Preis von Erkenntnisleistungen, die ihn überhaupt erst in eine - für Menschen, für Subjekte - erkenn- und erlebbare Entität formatieren? - Die Antwort des radikalen Konstruktivismus darauf heißt: Erkenntnis ist nur möglich, weil sie keinen Zugang zur Realität außer ihr hat. Denn weder ein Gehirn, noch ein Bewußtsein kann "zu den Sachen selbst" ohne den Umweg einer Filterung dieser "Sachen" durch eigene Operationen.

Hmm - ich sehe nicht recht, was nun im Vergleich zu Kant in diesem Punkt das besonders Radikale am radikalen Konstruktivismus sein soll, denn auch für Kant bezieht sich ja das Erkennen nicht auf die Realität außerhalb des Bewusstseins (s.o.). Für Kant war im Vorfeld der KrV-Entstehung, das (bereits bei Descartes Schisma von res cogitans vs res extensa bestehende) Problem, wie sich Vorstellung (Anschauung und Denken kurz: Erkennen) auf den nichtsubjektiven Gegenstand bezieht eine zentrale Fragestellung - die erkenntnisphilosophische Antwort war die Unterscheidung zwischen "Ding an sich" und "Erscheinung" und letztere als immer schon subjektiv-sinnlich vermittelter Gegenstand des Erkennens.

Zitat:
Die Subjekttheorie der Erkenntnis war immer gefangen darin, daß ihr ja jeweils nur ein Bewußtsein für Befragungszwecke zur Verfügung stand. Man konnte dann allenfalls analogisch schließen, daß es sich beim alter ego wohl ähnlich verhalten müsse. Damit war für sie die Fragerichtung immer daran orientiert, wie die Welt in meinen Kopf kommt - oder in andere Köpfe. Die Vorstellung, daß gerade die Schließung, die "Abkopplung", eines Bewußtseins erst die Voraussetzung für Erkenntnis ist, konnte ihr aufgrund ihrer Theorieanlage nicht kommen.

Hmm - ich denke das Problem der Beziehung von Erkennen und erkenntnistranszendentem Gegenstand war in der Tradition durchaus präsent - Descartes löste das Schisma zwischen res cogitans und res extensa bekanntlich durch die Existenz eines allumfassenden Gottes und bei Leibniz war das ebenfalls präsent - auch er griff zu einer metaphysischen Hilfskonstruktion: die göttlicherseits vorinstallierte, dh "prästabilierte" Harmonie zwischen den Monaden (per se abgeschlossene Systeme!)
gewährleistet bei durchaus individuell unterschiedlicher Spiegelung der Welt die gleichartige Repräsentation der einen Welt in den vereinzelten (dh voneinander getrennten) Monaden.
Die Leistung Kants war, dass ihm natürlich das Problem ebenfalls sehr präsent war, wobei er allerdings eine Lösung anbietet, die ohne metaphysische Hilfskonstruktionen auskam.

Zitat:
Deswegen ersetzt Luhmann diese Theorieanlage durch die System/Umwelt-Differenz und gibt die traditionelle Unterscheidung von Subjekt und Objekt auf. -

Könntest du bitte mal versuchen, mir das spezifisch Andersartige und Neue des Luhmannschen Ansatzes in diesem Punk zu verklickern - mir ist das überhaupt nicht klar.
Nauplios
Nur kurz und im Vorübergehen (demnächst mehr dazu): Ich denke, daß Du mit Deinen Vertiefungen und Klarstellungen im wesentlichen wohl recht hast, Verena. Kant etwa kann man so natürlich nicht letztlich "abhandeln", wie Luhmann es in seinem kurzen Aufsatz macht (und wie ich es hier referiert habe). Die Transzendentalphilosophie Kants läßt sich so nicht ohne weiteres ad acta legen. Luhmann ist nun auch kein Kant-Exeget, der diese Philosophie von innen ausleuchtet und gegebenenfalls aufbricht oder in irgendeinem Sinne überwindet. Seine Theorie autopoietischer Systeme kommt zur Frage, wie Erkenntnis funktioniert von einer ganz anderen Seite, nämlich von der von Dir ja auch schon angesprochenen Differenz von System und Umwelt. - Hier liegen die Theorievorgaben. Insofern bietet es sich vielleicht doch an, einige kleine Exkurse in die Voraussetzungen dieser Theorie zu machen, denn "ausgehend von Kant" kommt man natürlich niemals dort an, wo Luhmann hin will. Er erwähnt zwar Kant und gibt ja auch eine konkrete Stelle im ersten Absatz an und auch in den Anmerkungen, aber das ist allenfalls eine Art Kontrastmittel, um sein eigenes Vorgehen daran sichtbar zu machen. Die Eigenart der Systemtheorie ist aber keine Weiterentwicklung, Neuinterpretation oder Überwindung Kants, sondern hat ihre Wurzel in einer ganz anderen Theoriegeschichte. -

Vielleicht sollten wir in der Tat uns zunächst mal mit der System/-Umwelt-Differenz beschäftigen und mit einigen anderen tragenden Theoriestücken und dann von da aus wieder auf das Problem der Erkenntnis zurückkommen.

Über diesen Umweg ließe sich auch die Frage von Marumi ("Was erkennt das System wenn es unterscheidet?") aufgreifen.

So viel erst mal als spontane Reaktion ... smile
Spirit
Hallo,

Zitat:
Original von Verena
Zitat:
Deswegen ersetzt Luhmann diese Theorieanlage durch die System/Umwelt-Differenz und gibt die traditionelle Unterscheidung von Subjekt und Objekt auf. -

Könntest du bitte mal versuchen, mir das spezifisch Andersartige und Neue des Luhmannschen Ansatzes in diesem Punk zu verklickern - mir ist das überhaupt nicht klar.


Luhmann geht es 1. nicht um eine transzendental-empirisch-Konstruktion (hier ist die theoriearchitektonische Funktion der Form-Medien-Unterscheidung zu beachten), 2. geht es ihm gerade um mehrere Systeme, nicht um ein allgemeines, transzendentales Subjekt, 3. liegt der Sinn-Begriff unterhalb der Unterscheidung von Wahrnehmung und Verstand, 4. geht es insgesamt um eine autologische - sich selbst reflektierende, tragende - Theorie-Konstruktion. [-]
Nauplios
Zitat:
Original von Verena

... das empirische (also subjektiv-zufällig bestimmte) Bewusstsein wird ja immer im Erfahrungsurteil (Anwendung der Kategorien) auf ein objektives, allgemeines Bewusstsein transzendiert, ... Insofern in der Kantschen Subjektphilosophie, davon ausgegangen wird, dass allen Menschen (als Erkenntnissubjekte) mit den Anschauungsformen und Kategorien dieselben Bedingungen für diese Objektivierung (von Wahrnehmungen) zukommen, ...


... ein "allgemeines Bewußtsein" ... "insofern davon ausgegangen wird, daß allen Menschen (als Erkenntnissubjekte) ... dieselben Bedingungen ... zukommen ..." - wenn ich mich für einen Moment als Anwalt des Teufels verstehen darf: in diesen Wendungen würde die Systemtheorie möglicherweise Indikatoren für die Verlegenheiten einer Erkenntnistheorie sehen, die Erkenntnis allein einem Subjekt zurechnet ... aber wie auch immer, ich denke, die erste Exkursion (weitere werden folgen) in die System/Umwelt-Differenz wird Luhmanns Position etwas deutlicher machen. - smile
Jörn
Ich tu mal so als wär nichts :-)

Anmerkung 1 verweist auf die KrV, S. 274f. Ich hab keine Standard-Ausgabe, sondern alle Kritiken von 2001 in einem Band. Das heißt ich bräuchte einen Tipp, wo ich das finden kann.
Eugen
Evtl. ist die Stelle gemeint:

"...Der Idealism (ich verstehe den materialen) ist die Theorie, welche das Dasein der Gegenstände im Raum außer uns entweder bloß für zweifelhaft und unerweislich, oder für falsch und unmöglich erklärt; der erstere ist der problematische des Cartesius, der nur Eine empirische Behauptung (assertio), nämlich: Ich bin, für ungezweifelt erklärt; der zweite ist der dogmatische des Berkeley, der den Raum, mit allen den Dingen, welchen er als unabtrennliche Bedingung anhängt, für etwas, was an sich selbst unmöglich sei, und darum auch die Dinge im Raum für bloße Einbildungen erklärt..."


(KrV --> I. Transscendentale Elementarlehre --> Zweiter Theil: Die transscendentale Logik --> Erste Abtheilung: Die transscendentale Analytik --> Zweites Buch. Die Analytik der Grundsätze --> 2. Hauptstück. System aller Grundsätze des reinen Verstandes --> dritter Abschnitt --> 4. Postulate des empirischen Denkens überhaupt --> Widerlegung des Idealismus))