Raum & Zeit als physikalische Realitäten?

Willi
Oh ja wirklich? Hast du eventuell Autoren oder Literatur Empfehlungen?
Willi
um noch einmal auf das eigentliche Thema zu Kommen. Hatte Einstein nicht Raum und Zeit als zusammenhängendes Physikum Definiert?
Nylen
Douglas Adams ist nur sehr intelligente humoristische Literatur.
Keine Philosophische oder wissenschaftliche Fachliteratur.

Was ich dir empfehlen kann sind aber drei Antike Autoren.

Heraklit - Leider kaum was überliefert. Aber suche einfach mal nach seinem Denken im Internet.
Parmenides - Genausowenig überliefert, aber ebenfalls im Internet zu finden.

Lao-tse - Tao-te-King

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=15...itel=1#gb_found

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=31...itel=1#gb_found



Edith sagt: Einstein hat geueigt das Raumzeit eine Einheit bildet ja. Aber ich bin Physiklaie.
Philipp Wehrli
Zitat:
Original von Pippen
Nun wissen wir ja eigentlich seit Kant, dass Raum & Zeit apriorische Kategorien sind, d.h. wir haben und brauchen diese Kategorien ohnehin und es ist offen, ob diese "an sich" existieren. Wir mögen unsere Welt als dreidimensionale Welt sehen, aber diese 3D-Welt (oder die vierdimensionale Raumzeit) kann auch nur in unserem Kopf existieren.

Nach ockhams razor müßte die Physik doch genau das annehmen; tut sie aber nicht; sie erhebt das Raumkontinuum zur physik. Realität. Versteht ihr das, warum sie das tut? DAs ist doch eigentlich unwissenschaftliche Spekulation....

ockhams razor fordert, dass die einfachste Erklärung bevorzugt wird. Welches die einfachste Erklärung ist, kann aber nur im Gesamtbild beurteilt werden. Kant liefert kein Gesamtbild. Da fehlen nämlich entscheidende Punkte. Z. B.:
Woher kommt das apriori Wissen?
Was genau wissen wir apriori?
Weshalb stimmen die Erscheinungen von Raum und Zeit so schlecht mit unseren Erwartungen überein, wenn wir doch apriori wissen, wie sie sein müssen?
Was ist es denn, das das Resultat eines Experiments ausmacht? Wie kann dies alles in mir drin passieren, wenn doch alle anderen Menschen genau das gleiche sehen?

Wenn du nur schon diese Fragen beantworten willst, ist es viel einfacher, eine real existierende Aussenwelt anzunehmen.
Neo
Zitat:
Original von Nylen
Was ich dir empfehlen kann sind aber drei Antike Autoren.

Heraklit - Leider kaum was überliefert. Aber suche einfach mal nach seinem Denken im Internet.
Parmenides - Genausowenig überliefert, aber ebenfalls im Internet zu finden.

Lao-tse - Tao-te-King

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=15...itel=1#gb_found

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=31...itel=1#gb_found


Zu Parmenides gibts übrigens eine ausgezeichnete Hörbuch CD
Willi
Zitat

Wie kann dies alles in mir drin passieren, wenn doch alle anderen Menschen genau das gleiche sehen?

Quantenmechanisch gibt es keine Gleichzeitigkeit. Der Beobachter kann nur den Ort definieren oder die Zeit.
Pippen
Zitat:
Original von Schneemann
Nein, es ist ein Irrtum zu meinen die Physik mache Aussagen über den ontologischen Status der Realität. Sie beschränkt sich vielmehr auf die Beschreibung dessen was vorgefunden wird.

It is wrong to think that the task of physics is to find out how nature IS. Physics concerns what we can say about nature.
(Bohr)


Das halte ich für falsch.

Physik will - wie jede andere Naturwissenschaft - wahre Theorien über unsere Natur aufstellen. Theorien sind bekanntlich wahr, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Um etwas über die Natur sagen zu können, müssen wir in den Wissenschaften so gut wie möglich verstehen, wie Natur wirklich ist. Naturwissenschaften wie die Physik kommen also gar nicht umhin, über Dinge Theorien aufzustellen, die vermeintlich auch unabhängig von uns existieren sollen.

Wenn ich als Physiker behaupte, dass sich ein A mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h bewegt, dann wird ja wohl A und dessen Bewegung als real angenommen weden müssen. Die Daten der Geschwindigkeit sind reine Anschauungsform.

Physik versucht daher sehr wohl Aussagen über die Realität zu machen. Wenn behauptet wird, c sei immer ca. 300.000 km/s, dann meint die Physik ja wohl: das wäre auch so, wenn es uns nicht gäbe. Sie ist eben keine Mathematik, die keinerlei Entsprechung in der "Außenwelt" haben muss.

Dadurch wird meine Fragestellung mE durchaus relevant.

Zitat:

Wenn du nur schon diese Fragen beantworten willst, ist es viel einfacher, eine real existierende Aussenwelt anzunehmen.


Das tue ich, die Frage ist nur, ob man Raum und Zeit auch als Teil der real existierenden Aussenwelt annehmen muss. Das halte ich für sehr problematisch.
Philipp Wehrli
Zitat:
Original von Willi
Zitat

Wie kann dies alles in mir drin passieren, wenn doch alle anderen Menschen genau das gleiche sehen?

Quantenmechanisch gibt es keine Gleichzeitigkeit. Der Beobachter kann nur den Ort definieren oder die Zeit.

Das mit der Gleichzeitigkeit ist die Relativitätstheorie. Die Unbestimmtheit der Quantentheorie betrifft Ort und Impuls oder Energie und Zeit. Beides spielt bei meinem Satz keine Rolle. Denn bei alltäglichen Ereignissen stimmen die Beobachter ja ziemlich gut überein. Wie kann das geschehen, wenn die Vorgänge nur in meinem Gehirn ablaufen?
Philipp Wehrli
Zitat:
Original von Pippen
Zitat:

Wenn du nur schon diese Fragen beantworten willst, ist es viel einfacher, eine real existierende Aussenwelt anzunehmen.


Das tue ich, die Frage ist nur, ob man Raum und Zeit auch als Teil der real existierenden Aussenwelt annehmen muss. Das halte ich für sehr problematisch.

Die Frage ist, wie man Realität definiert. Mein Vorschlag:

Realitätskriterium
Wenn wir ein mathematisches Element zur Berechnung eines Experimentes zwingend brauchen, so existiert in der Natur ein Äquivalent zu diesem Element. Ein solches Element nenne ich real.

Wenn man Realität anders definiert, kommt man zu seltsamen Schlussfolgerungen, wie das Einstein-Podolsky-Rosen Paradoxon zeigt.
Pippen
Zitat:
Original von Philipp Wehrli
Die Frage ist, wie man Realität definiert.

Realitätskriterium
Wenn wir ein mathematisches Element zur Berechnung eines Experimentes zwingend brauchen, so existiert in der Natur ein Äquivalent zu diesem Element. Ein solches Element nenne ich real.

Wenn man Realität anders definiert, kommt man zu seltsamen Schlussfolgerungen, wie das Einstein-Podolsky-Rosen Paradoxon zeigt.


Deine Definition halte ich eben für nicht gut. Wir brauchen zB die Kategorien des Raumes und der Zeit, um physikalische Aussagen sinnvoll treffen zu können. Es ist aber völlig offen (und wohl weder beweisbar noch widerlegbar), ob diese Kategorien objektiv wirken oder nur in unseren Körpfen. Deine Definition setzt ohne Grund etwas zusätzlich voraus, und verstößt daher gg. die Idee von ockhams razor.

Es macht aber einen Riesenunterschied, ob es Räume (mit verschiedener Struktur) in der Realität gibt oder nicht. Wenn das der Fall ist, dann kann es sein, dass wir zB keinen Zugang in bestimmte Räume haben. Wenn das nicht der Fall ist, dann gilt das nicht.

Wenn Physik da nicht ordentlich differenziert und ihre Grundlagen klar macht, verfehlt sie ihren Zweck und wird zu einer Art Geisteswissenschaft.
Philipp Wehrli
Zitat:
Original von Pippen
Zitat:
Original von Philipp Wehrli
Die Frage ist, wie man Realität definiert.

Realitätskriterium
Wenn wir ein mathematisches Element zur Berechnung eines Experimentes zwingend brauchen, so existiert in der Natur ein Äquivalent zu diesem Element. Ein solches Element nenne ich real.

Wenn man Realität anders definiert, kommt man zu seltsamen Schlussfolgerungen, wie das Einstein-Podolsky-Rosen Paradoxon zeigt.


Deine Definition halte ich eben für nicht gut. Wir brauchen zB die Kategorien des Raumes und der Zeit, um physikalische Aussagen sinnvoll treffen zu können. Es ist aber völlig offen (und wohl weder beweisbar noch widerlegbar), ob diese Kategorien objektiv wirken oder nur in unseren Körpfen. Deine Definition setzt ohne Grund etwas zusätzlich voraus, und verstößt daher gg. die Idee von ockhams razor.

Es macht aber einen Riesenunterschied, ob es Räume (mit verschiedener Struktur) in der Realität gibt oder nicht. Wenn das der Fall ist, dann kann es sein, dass wir zB keinen Zugang in bestimmte Räume haben. Wenn das nicht der Fall ist, dann gilt das nicht.

Wenn Physik da nicht ordentlich differenziert und ihre Grundlagen klar macht, verfehlt sie ihren Zweck und wird zu einer Art Geisteswissenschaft.

Ok, nehmen wir doch einmal an, Raum und Zeit existieren nur in meiner Wahrnehmung. Wie erklärst du dir, dass 22 Fussballspieler in einem Spiel sich alle einig sind, wo der Ball gerade ist? Was bleibt denn von einem Ball an sich, wenn Raum und Zeit keine Eigenschaften an sich sind?
Pippen
Zitat:
Original von Philipp Wehrli
Ok, nehmen wir doch einmal an, Raum und Zeit existieren nur in meiner Wahrnehmung. Wie erklärst du dir, dass 22 Fussballspieler in einem Spiel sich alle einig sind, wo der Ball gerade ist?


Der Ball (B) ist reale Materie, der Rest, zB Gras, Spielfeld usw., ist ebenfalls, aber andere, Materie (M). Das wären die eigentlichen angenommenen Realitäten.

Unser Gehirn errechnet nun, wo sich B befindet, in dem es B und M in Relation setzt. Dazu hilft ihm ein virtuelles Koordinatensystem, wo es den Ball schließlich verortet...und da alle 22 Spieler dasselbe Koordinatensystem benutzen, sind sie sich alle einig, wo der Ball ist. Dieses "Koordinatensystem" wäre der Raum. Er (d.h. der Raum als eine Art Koordinatensystem) ist mit Sicherheit in unserem Kopf, aber wieso sollte er zusätzlich real sein? Dazu muss man unbeweisbare Zusatzannahmen machen oder hat schonmal jmd. die Koordinatenachsen irgendwo gesehen? Das widerspricht ockhams razor, also muss man eigentlich davon ausgehen, dass Raum nur eine Anschauungsform in uns ist. Dann aber ist zB die Aussage der Physik, mit dem Urknall ist auch der Raum entstanden und breitet sich aus, falsch. Die moderne Physik nach Einstein arbeitet offensichtlich mit einer Raumvorstellung, die vollkommen spekulativ UND unfalsifizierbar ist. Warum?
Philipp Wehrli
Zitat:
Original von Pippen
Zitat:
Original von Philipp Wehrli
Ok, nehmen wir doch einmal an, Raum und Zeit existieren nur in meiner Wahrnehmung. Wie erklärst du dir, dass 22 Fussballspieler in einem Spiel sich alle einig sind, wo der Ball gerade ist?


Der Ball (B) ist reale Materie, der Rest, zB Gras, Spielfeld usw., ist ebenfalls, aber andere, Materie (M). Das wären die eigentlichen angenommenen Realitäten.

Unser Gehirn errechnet nun, wo sich B befindet, in dem es B und M in Relation setzt.

Wie kann ich das errechnen? Da müsste ich doch irgendwelche Zahlen in die Rechnung eingeben. Woher kommen die? Weshalb stimmen diese Zahlen bei allen Spielern überein (nach Umrechnung in eine gemeinsames Koordinatensystem)?

Vielleicht ist dir aufgefallen: Ich würde schon den Newtonschen Raum zur Realität zählen, nicht erst den gekrümmten von Einstein.
Schneemann
Zitat:
Original von Pippen
Physik versucht daher sehr wohl Aussagen über die Realität zu machen. Wenn behauptet wird, c sei immer ca. 300.000 km/s, dann meint die Physik ja wohl: das wäre auch so, wenn es uns nicht gäbe. Sie ist eben keine Mathematik, die keinerlei Entsprechung in der "Außenwelt" haben muss.

Die Physik macht Aussagen die sich nach bestimmten Methoden prüfen lassen und die im besten Falle zutreffende Vorhersagen von künftigen Ereignissen darstellen. Insofern unterscheidet sie sich klar von der Mathematik, die diesen Bezug auf die Erfahrungswelt nicht herstellt. Physik betreiben kann aber sowohl der Solipsist als auch der naive Realist, denn es hängt nicht davon ab welchen ontologischen Status man dieser Erfahrungswelt unterstellt. Darüber was nun die dahinterstehende Onotologie dieser Erfahrungswelt ist und über die letzten und engültigen Wahrheiten oder die Dinge-an-sich sagt die Physik nichts. Das ist nicht das Thema der Physik, das ist Metaphysik.
Pippen
Zitat:
Original von Schneemann
Die Physik macht Aussagen die sich nach bestimmten Methoden prüfen lassen und die im besten Falle zutreffende Vorhersagen von künftigen Ereignissen darstellen.


Das klingt sehr konstruiert. Wissenschaft soll "Wissen schaffen". Durch die Naturwissenschaften wollen wir nicht irgendwelche sterilen Aussagen gewinnen, sondern erkennen, was die Welt wirklich ist - so gut es eben geht. Wir wollen wissen, wie es wohl im Andromeda-Nebel so aussieht, wie der Urknall wohl abgelaufen ist, wann und warum Objekte der Schwerkraft ausgesetzt sind usw. Die hinter deiner Aussage steckende Wissenschaftstheorie zieht mE den falschen Schluß aus der immerwährenden Möglichkeit von Irrtümern. Sie zieht sich zurück auf eine Art Phänomenalismus, der nur und stur beschreibt. Physik wird damit zu einer Art Mathematik.

Metaphysik ist damit noch lange nicht in Sicht. Die ist nur dort gegeben, wo bestimmte Theorien unbeweisbar sind. Wenn ich als Physiker axiomiere, dass jeder wahrnehmbare physikalische Effekt eine reale (d.h. von uns unabhängige) Entsprechung hat, dann kann ich damit sehr gut arbeiten. Metaphysik würde erst dort anfangen, wo ich von der Realität nichtwahrnehmbarer Dinge ausgehen würde oder wo ich meine Wahrnehmung 1:1 gleich Realität setze.

@Philipp: Raum als reale Entsprechung ist eben für uns nicht notwendig, um unsere Welt zu beschreiben. Es reicht völlig, wenn die Raumvorstellung nur in unseren Körpfen verankert ist und "draußen" schlicht Materie in einem Nichts "schwimmt". Der einzige Unteschied: dort wo Physiker heute von "Raumkrümmung" sprechen, krümmt sich nur unsere Raumvorstellung (quasi das Koordinatensystem in uns). Was ich nicht verstehe: Wozu BRAUCHT die Physik den realen Raum? Man kann alle physik. Gesetze auch erklären, wenn man mit Raum & Zeit so arbeitet wie mit Zahlen und sie als reine Anschauungsformen sieht.
Schneemann
Zitat:
Original von Pippen
Durch die Naturwissenschaften wollen wir nicht irgendwelche sterilen Aussagen gewinnen, sondern erkennen, was die Welt wirklich ist - so gut es eben geht.

Naja, wenn man wirklich auch tatsächlich als wirk-lich versteht, dann liefert die Wissenschaft auch genau das. Sie liefert nur eben keine Aussagen was darüber hinaus oder hinter dieser für uns wahrnehmbaren Wirk-Lichkeit stecken könnte. Und man fragt sich da natürlich aus einem pragmatischen Standpunkt heraus auch, wieso sollte sie das liefern und wozu braucht man das überhaupt? Das was nicht wirkt, was sich der Beobachtung und Prüfung generell entzieht hat sozusagen per Definition keinen Einfluss auf gar nichts und ist belanglos.

Eine metaphysische Theorie die besagt ich konstruiere mir meine Welt selbst hat aber erstmal keine Auswirkungen die man beobachten könnte und ist somit nicht Teil der Physik.

Zitat:

Die hinter deiner Aussage steckende Wissenschaftstheorie zieht mE den falschen Schluß aus der immerwährenden Möglichkeit von Irrtümern.

Nein, ich denke du setzt einfach die falschen Anforderungen an die Wissenschaften. Wissenschaft ist nicht dazu da die allgemeinen, philosophischen Fragen nach der letztendlichen Beschaffenheit der Welt oder dem Woher zu erklären. Empirische Disziplinen sind dazu da die Erfahrungswelt zu untersuchen und nicht für die Klärung der spekulativen Begriffsverbiegungen unseres Verstandes.

Zitat:

Wenn ich als Physiker axiomiere, dass jeder wahrnehmbare physikalische Effekt eine reale (d.h. von uns unabhängige) Entsprechung hat, dann kann ich damit sehr gut arbeiten.

Wenn das so ist, dann kannst du ja von einer so einer Vorstellung ausgehen und damit arbeiten. Tatsächlich macht das wohl praktisch jeder Mensch so, weil das einfach intuitiv und naheliegend ist. Der Punkt ist einfach nur dass du auch von einer anderen Vorstellung ausgehen kannst. Die Physik legt das nicht fest. Sie macht nur Aussagen über die beobachtbaren Phänome und Ereignisse und nicht über eine metaphysische Entsprechung mit irgendwas.
Kai
Zitat:
Pippen: Durch die Naturwissenschaften wollen wir nicht irgendwelche sterilen Aussagen gewinnen

Du schließt immer zu schnell von dir auf alle, von "ich" zu "wir".
Viele wollen was ganz anderes, als du willst.
Es gibt Hunderttausende Wissenschaftler, die nicht alle die gleiche Weltanschauung haben. Viele wollen nicht die Wahrheit finden, sondern Hypothesen entwickeln, auf deren Grundlage praktisches Handeln erfolgreich möglich ist.
Pippen
Zitat:
Original von Kai
Du schließt immer zu schnell von dir auf alle, von "ich" zu "wir".


Das haben Meinungen nunmal so an sich. Man vertritt eine Meinung nicht nur, um sie zu vertreten, sondern weil man glaubt, dass sie auch andere vertreten sollten. Die Mehrzahl soll anzeigen: Meine Ansicht ist (aus meiner Sicht heraus) mehrheitsfähig.

Zitat:

Viele wollen was ganz anderes, als du willst.


Habe ich das irgendwo bestritten oder ignoriert?

Zitat:

Viele wollen nicht die Wahrheit finden, sondern Hypothesen entwickeln, auf deren Grundlage praktisches Handeln erfolgreich möglich ist.


Hypothesen ohne Anbindung an Wahrheit? Das dürfte kaum konsequent durchgehalten werden, weil du die Wahrheit als virtuellen Bewertungsmaßstab brauchst.

Hier nochmal ein kleines Zitat aus abenteuer-universum.de, was den Ursprung meiner Bedenken verdeutlicht:

Wäre es denn nicht denkbar, wenn wir in Gedanken eine Rakete konstruieren, die mit beliebiger Geschwindigkeit fliegen könnte, doch noch hinter die "Grenze" unseres Universums zu blicken? Nein, das ist leider nicht möglich. Zwar hat der Kosmos eine endliche Ausdehnung, dennoch ist er ohne Grenzen. Wir können uns das am Beispiel der Erde verdeutlichen: Denken wir uns die 3 Raumdimensionen des Weltalls auf die zweidimensionale Oberfläche der Erde geschrumpft. Nun können wir von einem beliebigen Punkt aus starten und unendlich lange wandern, niemals würden wir an eine physikalische Grenze stoßen. Es gibt keinen Ort, an welchem die Erde "zu Ende" ist, wir können auch nicht herunterfallen. Man sieht daran, die Erdoberfläche hat zwar eine endliche Ausdehnung (510 100 933,5 [km2]), aber sie ist dennoch gleichzeitig ohne Grenze. Ebenso verhält es sich mit dem All: Niemals werden wir in der Lage sein an eine Grenze zu stoßen oder diese zu erblicken.

Diese Überlegungen gehen offensichtlich davon aus, dass Raum irgendwas Reales ist, dass uns hindert, irgendwo hinzukommen, so wie ein Fisch in einer Glaskugel mit Wasser niemals aus dieser herausschwimmen können wird. Der Physiker legt sich also hier fest: Aus einem 3-D-Raum kann man nicht in einen höherdimensionalen Raum. Deshalb wird ja auch die Multiversentheorie als "Blasen" von Multiversen vertreten; die "Blasen" sind quasi die Raumgrenzen.

Wenn der Raum und seine Dimensionen - wie ich vertrete - nur in unserem Geist existiert (d.h. real nur die Sterne, Galaxien usw. in einem riesigen Nichts schwimmend), dann wäre es ohne Weiteres möglich, mit o.g. Rakete hinter die Grenze unseres U. zu fliegen, wir müssten einfach nur schneller fliegen als das U. expandiert. Irgendwann würden wir die letzten Atome aus dem Urknall passieren und in ein dunkles Nichts blicken. Wenn es neben unserem U. noch weitere Universen geben sollte (Multiversen), dann können dies auch im selben "Raum"
existieren und wir könnten da theoretisch hinkommen....

Es kann sein, dass ich mich hier etwas verrannt habe, aber mir scheint es fundamental zu sein, wie man den Raum sieht und definiert. Wenn man zB den Raum rein subjektiv sieht, dann wäre die Raumkrümmung lediglich in unserer Anschauung; real hätte man nur sehr große Gravitationskräfte, die Licht u.a. ablenken - mehr nicht.
Willi
Das Dingen mit dem schaffen von wissen ist ziemlich verzwickt. Es gibt nämlich niemanden, der Wissen schaffen kann. Nur sich welches assimilieren. Leonardo sagte einmal ich erschaffe keine Skulpturen! Ich befreie sie aus dem Stein.
Da wären wir wieder beim Determinismus. Den aber zu beweisen oder zu widerlegen ist dann schwer.
Exebeche
Zitat:
Original von Pippen
Nun wissen wir ja eigentlich seit Kant, dass Raum & Zeit apriorische Kategorien sind, d.h. wir haben und brauchen diese Kategorien ohnehin und es ist offen, ob diese "an sich" existieren. Wir mögen unsere Welt als dreidimensionale Welt sehen, aber diese 3D-Welt (oder die vierdimensionale Raumzeit) kann auch nur in unserem Kopf existieren.


Ich glaube ich verstehe dein Problem.
Meines Erachtens ist der Begriff "real" ein Konzept, das die menschliche Psyche gezwungenermaßen hervorgebracht hat, in der Wissenschaft löst es sich jedoch in Sinnlosigkeit auf.
Stell dir bitte mal vor, dass wir in einem Computer eine Simulation von zellulären Automaten laufen haben, das sieht etwa so aus:
http://www.youtube.com/watch?v=JgnO-4fhuGE
Man sieht, wie hier Strukturen entstehen, dieses Systemverhalten ist einerseits mathematisch abbildbar, andererseits entwickelt es sich systemimmanent, d.h. jeder einzelne Punkt ändert sein Verhalten in direkter Abhängigkeit von seiner Umgebung (eben nicht unabhängig).
Die Visualisierung ist hier eine Darstellungsform, die uns erleichtert zu erkennen, dass das System sich nicht chaotisch entwickelt, sondern Regeln folgt, einer Ordnung unterliegt.
Man kann so ein System auch dreidimensional erzeugen, dann ist es gewissermaßen ein virtueller Raum.
In der Tat gibt es Menschen, die sagen, dass unser Universum ein sehr großes System von zellulären Automaten sei.
Diese Aussage ist mit Sicherheit weder wahr noch falsch, sondern einfach eine Art und Weise, wie man das Universum AUCH betrachten kann.
Wenn man die Strukturen in solchen Systemen beobachtet, kann man sich nach einer Weile durchaus vorstellen, dass sich da bestimmte stabile Fließgleichgewichte etablieren können, stabile Strukturen, die so etwas wie (sub-)atomare Teilchen erzeugen.
Da diese Teilchen sowieso permanent reagieren, könnte man sich leicht das In Erscheinung Treten einer konstanten Chemie vorstellen.
Und Pardauz, schon haben wir unsere Realität.
Natürlich braucht es garkeine konstante Chemie, aber es erleichtert den Veranschaulichungsprozess.
Stellen wir uns eine gigantische Simulation vor, deren Inneres so etwas wie unser Universum erzeugt.

Was wäre hier Raum und Zeit?
Der Raum wäre das vordefinierte Bezugssystem, in dem sich das Ganze abspielt, er wird vom Programmierer festgelegt. Er legt die mathematische Koordinaten fest, innerhalb derer das System sich entwickelt und außerhalb derer nichts möglich ist.
Die Zeit wiederum wird nicht vordefiniert, sie ergibt sich vielmehr aus den Entwicklungsstufen des Systems.
In populärwissenschaftlichen Büchern wird manchmal gesagt, man solle sich Zeit wie einen Laib Brot vorstellen, bestehend aus den aneinandergereihten Bildern der Zeitpunkte.
Naja, gewissermaßen hilft das schon.
Sieh dir noch mal den Film mit den Zellautomaten an und stell dir vor, du würdest von jedem Augenblick ein Foto machen, und die Fotos Übereinanderkleben. Wenn man sich von Foto zu Foto bewegt verfolgt man auch die Systementwicklung mit und sieht zugleich den direkten Zusammenhang der Systemzustände.
Die Entwicklung des Prozesses ist hier entscheidend.

Das gleiche geschieht mit unserem Universum. Hier haben die Fließgleichgewichte eben dissipative Strukturen entstehen lassen, die Autopoiese betreiben, sich reproduzieren und das Zusammenspiel der Partikel "Realität" nennen.
Was ist nun Realität?
Ich denke bei den zellulären Automaten definiert sich die Realität dadurch, dass die Elemente in Verbindung stehen.
Ihre Realität ist nicht das Bild, das wir betrachten.
Den Prozess durchläuft das System unabhängig davon, ob wir eine Visualisierung betrachten oder nicht.
Letztlich werden im Prozessor des Computers Einsen und Nullen in Beziehung gesetzt, die einer strengen Ordnung unterliegen.
Diese Beziehungen definieren die Realität.
Dabei ist Raum nichts, was in der Visualisierung greifbar wird, jedoch ist es ein übergeordneter Teil der Ordnung, die sich durch alles zieht. Er definiert die Beziehungen streng mit.
Das Gleiche für die Zeit.
Wenn man die Simulation für 5 Minuten (oder 5 Millionen Jahre) anhält und anschließend wieder einschaltet, ist die Zeit in der Simulation nie angehalten worden. Denn hier gibt es nur die Achse, an der entlang sich das System entwickelt.
Es gibt nur Achsen, an denen entlang sich das System entwickelt. Eine solche Achse, an der entlang sich das System entwickelt könnte auch gänzlich von unserer "Zeit" losgelöst sein.
Alle Elemente des Systems teilen aber das Bezugssystem und stehen insofern direkt oder indirekt in Bezug zueinander.
Das definiert ihre Realität.
Meiner Meinung nach ist es theoretisch denkbar virtuelle Realitäten auf logischer Ebene zu erzeugen, die unserer Realität auf logischer Ebene in nichts nachstehen.
Ich könnte mir sogar vorstellen, dass eines Tages jemand eine Simulation erzeugt, deren Raum nicht vordefiniert ist, sondern durch eine Gleichung berechnet wird, die Fraktale erzeugt.
Eine solche Rechnung würde immer tiefer in das unendlich Kleine vordringen, womit das Bezugssystem Raum automatisch wachsen würde.
Das wäre ein expandierendes Universum.