Herrje, so viele Antworten (und so wenig Zeit) :-) . Mal schön der Reihe nach:
@Jörn:
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| Die häufigen Fälle, wo das im Alltag [jenseits der Filosofieforen :-) also] reibungslos funktioniert, übersehen wir leicht, wie alles „Selbstverständliche“, während uns die Reibereien und Ausnahmen im Gedächtnis bleiben und zum (manchmal gar Dauer-)Thema werden. |
Vielleicht auch weil das in aller Regel eigentlich die interessanteren und – für uns selbst – vielleicht auch aufschlussreicheren Fälle sind :-) als das, was reibungslos funktioniert und in diesem Sinn ein "Selbstläufer" ist?
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| Ist Verbindlichkeit etwas, was per se abzulehnen ist? Kann sie nicht so oder so klingen? Bisweilen sogar so und so? |
Zweifellos ... Ich denke jedenfalls auch nicht, dass es hier darum gehen kann, irgendwelche pauschalen Grundsatzantworten zu finden.
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| Wer sein Konto wiederholt weit überzieht, dem kann es schließlich gekündigt werden. Und Kündigungsschreiben fallen manchmal recht schroff aus … |
Manchmal könnte man fast meinen, nicht nur Geduld, sondern auch Vertrauen – vielleicht das, was Verbindlichkeit schafft? - ist so eine Art Währung oder auch ein ziemlich knappes Gut. Und während man man zweifelt, wie viel man davon eigentlich zu vergeben hat, macht man sich manchmal gar kein Bild davon, wie begrenzt der
eigene Kredit doch auch ist :-) ... wie auch, wenns einem keiner sagt oder ohne die entsprechende Erfahrung?
Aber mal ehrlich: Kann das eine akzeptable Rechtfertigung für, sagen wir, grobe Ausfälligkeiten sein? Verbindlichkeit verbindet. Die andere Seite einer solchen ‚Verbindung’, ohne die sie nicht möglich wäre, ist vielleicht aber auch die Wahrung von gewissen Grenzen („Nähe“ meint bekanntlich ja auch nicht einfach Distanzlosigkeit). Auf ‚Grenzüberschreitungen’, wenns uns irgendwie zu viel wird, reagieren wir üblicherweise intuitiv mit Abwehrreflexen. Aber auch das scheint mir ziemlich zweischneidig zu sein: einerseits sorgt es dafür, den Bestand zu wahren und ist ein wichtiger Selbstschutzmechanismus, andererseits verhindert es aber auch Veränderung. Auch hier kommt man daher wohl nicht weiter, ohne zu fragen, welche Grenze aus welchem Grund denn überschritten wurde. Ganz klar, gegen manche Grenzverletzungen muss man sich wehren. Andere sind bei genauerem Hinsehen vielleicht doch gar nicht so schlecht und man kann dadurch eigentlich nur reicher werden :-) bzw. erhält dadurch auch die Chance, die eigenen Grenzen bzw. den eigenen Spielraum zu erweitern.
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| Wieso „oder“? Und warum nicht „und“? |
Ich beobachte, wie ein Kind von anderen, größeren Kindern brutal zusammengeschlagen wird. Bin ich es
mir schuldig, da einzugreifen? Inwiefern? Um vor mir selbst gut dazustehen, mir als guter und gerechter Mensch vorkommen zu können? Irgendwie klingt das etwas seltsam, finde ich...
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| Klingt zwar gut, aber ist es denn nicht etwas zu einfach - und daher missverständlich - formuliert? Mir fallen hier (zum Beispiel) die Wünsche zweiter Ordnung Frankfurts ein. Für das Thema umgemodelt: Gemeinsam mit anderen (als Team) setze ich mir und setzen wir uns ein Ziel. Hier haben wir es, will ich vermuten, zunächst mit einer freiwilligen Selbstbindung jedes Einzelnen an diese Gruppe und ihr Ziel zu tun. (Hier sieht man natürlich leicht, dass Gefahren lauern könnten, wenn die Gruppe als Gruppe zum Selbstläufer wird und man beginnt, das eine mit dem anderen zu verwechseln.) |
Wieso missverständlich? Wer sagt denn, dass Freiwilligkeit (ich habe diesen Begriff hier ja im Gegensatz zu dem des – externen - Zwangs gebraucht) immer angenehm und lustvoll ist, oder auch etwas, das reibungslos funktioniert :-) ?
In diesem Fall hängt die freiwillige Selbstbindung (die sicher auch mit „Wollen“ zu tun hat) wohl an dem gemeinsamen (Arbeits-)Ziel der Gruppe, und nicht an der Gruppe als solcher, das stimmt schon. Die verbindliche Kooperation, für die man sich auch mal selbst überwinden muss, ist so gesehen auch nur Mittel zum Zweck, um dieses Ziel zu erreichen, und erlischt mangels Grundlage wieder, sobald es erreicht ist. Aber gibt es nicht auch Fälle, in denen das (verbindliche) Miteinander auch Selbstzweck bzw. selbst ein Wert sein kann? Ein Unwert vielleicht aber auch, wenn man z.B. an sektenartige Gruppen o.ä. denkt, die auch vor Manipulation ihrer Mitglieder nicht zurückschrecken.
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| Mein Gefühl sagt mir: Bei diesem Thema kommt man nicht weit, wenn man nicht eine Handbreit tiefer gräbt und nach jenem authentischen – am Ende romantischen? – „Selbst“ fahndet, dem aufgetragen ist, seine ureigene Melodie zu finden, zu singen und zu leben, was es ihm unendlich schwer macht, sich selbst zugleich als Chorsänger zu sehen, ohne sich existenzielle Sorgen um dieses Selbst mit Tiefe zu machen ... |
Seine „ureigene“? Ich weiß nicht, ob das – jedenfalls in Bezug auf das „romantische“ Denken, in dem ja auch immer viel von Sympathie die Rede ist - nicht auch ein Missverständnis ist. Oder, etwas moderner: „ ... Auf welches Instrument sind wir gespannt?“ (Rilke). Vielleicht kann man den eigenen „Klang“ ohne Resonanz auch gar nicht hören? Ob diese ein Wohl- oder eher ein Missklang ist, ist aber sicher auch davon abhängig, ob die eigene „Melodie“ mit der des jeweiligen Gegenübers gut zusammenstimmt. Für ein gutes Instrument (und einen guten Spieler) sollte das doch möglich sein ;-) .