Doro_thea
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| Original von Philippos Naja, "apodiktisch"... Ich dachte bei diesen Festlegungen, die wir hinnehmen müssen an solche Dinge wie Geburtsort, sozialer Status, Muttersprache... Der Geburtsort z.B. ist nicht einfach ein zufälliger natürlicher Ort, er ist zugleich eine normative Verortung, die wir durch unser ganzes Leben hindurch nicht mehr loswerden. Die Muttersprache, in die wir hinein erzogen werden, können wir auch nicht mehr abschütteln. |
Der eigene Geburtsort (und das damit verbundene Milieu, die Muttersprache,...) ist natürlich nicht einfach irgendein Ort, er ist sozusagen untrennbar - und in diesem Sinn "verbindlich" - mit der eigenen Lebensgeschichte verbunden. Oder ums mit Heimito von Doderer zu sagen: "Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer. Später erst zeigt sich, was darin war. Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch Kostüme wechseln wie er will". Andererseits hab ich allerdings auch schon sagen hören, "Heimat" sei Utopie :-) ...
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| Original von Philippos Vielleicht nicht. Aber was ich meinte: Es ist nicht einfach "selbstverständlich", dass sich Erwachsene um ein Neugeborenes kümmern und es annehmen - mit all den lebenslangen Verbindlichkeiten, die das für diese Erwachsenen mit sich bringt. (Dabei glaube ich, dass die Fälle der Ablehnung von Neugeborenen heute bei uns deshalb relativ selten sind, weil wir über Geburtenkontrolltechniken verfügen. Auch bedeutet es andererseits nicht gleich eine wirkliche Annahme eines Kindes, wenn die Eltern es auf die Welt kommen lassen und erziehen; da gibt es auch untschwellig wirkende, psychische Ablehnungen, und wohl gar nicht so selten.) |
Na ja, die Zeiten, in der ein pater familias rechtmäßig uneingeschränkter Herrscher über Leben und Tod war, sind zum Glück ja vorbei. Dass Eltern ihre Kinder mehr oder minder offen oder unterschwellig ablehnen, vernachlässigen, misshandeln,... kommt allerdings auch vor, das stimmt. Selbstverständlich ist eine 'glückliche' Kindheit nicht (und selbst das ist wohl noch kein Garant für ein gutes, gelingendes Leben oder auch für eine "intakte" Psyche; ebenso wie manche es auch unter widrigsten Umständen irgendwie schaffen, sich das zu bewahren).
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| Original von Philippos Dass Kinder ihren Eltern sozusagen automatisch dankbar sein müssen, meine ich auch nicht. Aber Kinder sollten doch irgendwann mal einsehen, was ihre Eltern für sie auf sich genommen haben; vermutlich kommt diese Einsicht spätestens dann, wenn die Kinder selbst einmal Kinder aufziehen... Was ich eigentlich sagen wollte, war etwa dieses: Dass ich auf der Welt bin, als halbwegs intakter Mensch, dem es halbwegs gut geht, ist nicht "einfach so" passiert. Es hatte weitreichende Folgen für meine Eltern; sie waren von meinem schieren Da- und Sosein sehr stark betroffen; ihr Leben hat sich dadurch enorm verändert. Will sagen: Schon das bloße Faktum meines Daseins war und ist mit weitreichenden normativen Konsequenzen verknüpft, ist ein Knotenpunkt vielfältiger und kaum überschaubarer "Verbindlichkeiten". Und das noch ganz unabhängig davon, ob ich das so im einzelnen wollte und will oder nicht. |
Na ja. Ohne Dir damit irgendwie zu nahe treten zu wollen, aber das klingt für meine Ohren schon etwas nach der (elterlichen) Opferrolle Jesu am Kreuz - und eben doch nach einer unterschwelligen Forderung nach 'Dankbarkeit' für das, was sie für ihre Kinder (an Lasten und Zumutungen?) "auf sich genommen haben". (Vielleicht liegts aber auch daran, dass ich selbst derlei Tiraden bis zum Erbrechen zu hören bekam und irgendwann wohl undankbarerweise beschlossen habe, dass diese Masche nicht zieht...) Aber Kinder betreffen und verändern das eigene Leben ja nicht nur verbindlich und weitreichend, sondern bereichern es (hoffentlich) auch
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| Original von Philippos Unsere Verflechtung mit unseresgleichen geht über das hinaus, was wir ausdrücklich "wollen" oder "nicht wollen" können. Sie liegt unserer ausdrücklichen Willensbildung immer schon voraus. Darauf wollte ich eigentlich hinaus. |
Ja, sicher fließt das - als eigene Lebensgeschichte - auch in die Willensbildung ein. Aber macht uns das allein schon unfrei? Ich denke nicht.