Versuch der Entwicklung einer philosophischen Fachsprache

Amateur
Hallo Zusammen !


Weil meine "Amateur-Idee" ja offensichtlich gestorben ist, ...
(jedenfalls bekam ich zuletzt keine Antworten mehr und auch Nachfragen durch PN´s blieben ohne Erwiderung gruebel )
... will ich eine der Ideen anders aufziehen:

Mir geht es um eine möglichst vokabelarme "Grundsprache".
Ein Traum wäre eine von vielen Philosophen anerkannte, einheitliche "Fachsprache", mit deren Hilfe Diese dann eigene Ideen formulieren können, ohne vom Leser verlangen zu müssen, mit jedem Philosophen auch eine weitere Sprache erlenen zu müssen.
Auch Diskussionen zwischen Philosophen könnten durch eine solche Fachsprache erleichtert werden. Vielleicht auch Diskussionen in diesem Forum !

Ich hätte nun folgenden Vorschlag:
Alle Interssierten stellen sich "in der ersten Runde" vor, auf einer einsamen Insel nur einen einzigen philosophischen Gedanken mitnehmen zu dürfen und nennen diesen. (Falls aus sich selbst heraus nicht unmißverständlich, wären natürlich Erläuterungen klasse.)

Ich versuche dann aus allen Beiträgen einen ersten Vorschlag für ein Minivokubalr vorzustellen.
In der zweiten Runde könnten wir über dieses Vokabular diskutieren.

Bei Einigung, könnten man in einer weiteren Runde, weitere philosophische Gedanken auf ihre "Formulierbarkeit" durch unser Vokabular überprüfen.

Gruß Andreas
T1982
Hi.

Ich spiel mal wieder Spielverderber großes Grinsen

Einmal mehr: Deine Bemühungen sind ja wirklich löblich – es gib abert bereits mehr als einen Versuch… Vermutlich dürfte es nicht schaden, da mal nachzuschauen. Den Anfang könnte z.B. eine Beschäftigung mit Bacon, Hobbes und Leibniz bilden und auch Frege, Carnap oder Russel, gemischt mit ein wenig Quine wären nicht falsch. Dazu noch ein wenig grundsätzliche Wissenschaftstheorie und diverse Beschäftigungen mit wissenschaftlichen Fachdisziplinen, um herauszufinden, ob es zur Erklärung der Gesamtsumme der Phänomene überhaupt eine einheitliche Fachsprache geben kann. Im Ernst (und wenn es nur zum Spicken ist… Zwinker ): schau Dir mal Carnaps „Der logische Aufbau der Welt“ an.

Gruß
Amateur
Hallo T1982 !


Wieso Spielverderber ?

Deinen Leseempfelungen gehe ich gerne nach (tat ich auch schon bei allen im ersten Thread)
Würde aber gerne auch eigene Erfahrungen machen. Empfinde dabei Philosophie tatsächlich auch als intelektuelles Spiel, bei dem man eben auch im Scheitern viel lernen kann, und vorher Spaß hatte.
Falls man sogar kleinere Erfolge hätte, könnte das auch für die Diskussion im Forum helfen.
Falls Du hingegen erklären könntest, warum eine solche Fachsprache prinzipiell unerreichbar ist, oder aber warum sich eine bereit existierende noch nicht durchgesetzt hat, wäre das für mich mindestens ebenso interessant.
Falls weder noch, könntest Du ja die einsame Insel besuchend ein Beispiel benennen.

Falls nichts von Allem, würdest Du mir ja das Spiel nicht verbieten.


So oder so oder so, ich lass Dich einfach nicht zum Verderber meines Spiels werden ... roll

Gruß Andreas


P.S.
"Spicken" überlas ich zunächst und bin mir nicht ganz sicher, was Du meinst. Meistens ist ja das "überfliegen(?)" von philosophischen Texten bei der häufig schwer verständlichen Sprache ganz unmöglich.

Mein Gedanke ist der:
Ein philosophischer Text kann entweder sekundärliterarisch übersetzt(in Umgangssprache) werden, oder ist bedeutungslos. Ein Begriff der nicht mehr erklärt werden kann, muss entweder Grundbegriff sein, oder ist reines Geräusch.
In einer Wissenschaft, die sich unnötig unverständlich macht, können sich viel mehr Scharlartane tummeln, als bei "exakteren" Wissenschaften.

Aber jetzt erstmal "Carnap" (Bin in meiner Kindheit unweit einer "Carnaper Straße" aufgewachsen)
T1982
Hi,

ich bin weit davon entfernt, Dir etwas zu verbieten. großes Grinsen

Im Übrigen meinte ich mit „Spicken“ das informationsbeschaffende Nachschauen, wie man es aus der Schule beim Blick zum Nachbarn bei der Klassenarbeit kennt…

Gruß
Pippen
Zitat:
Original von Amateur
In einer Wissenschaft, die sich unnötig unverständlich macht, können sich viel mehr Scharlartane tummeln, als bei "exakteren" Wissenschaften.



Nur weil die exakten Wissenschaften einfach bestimmte (evtl. falsche) Axiome setzen und danach "funktionieren". Wenn man nichts sicher weiß, dann weiß man auch nicht, wer der Tor und wer der Weise ist. smile

I.Ü. hat doch die Philosophie eine ganz ordentliche Fachsprache. Es ist - auch außerhalb der Logik - keinesfalls so, dass man das Gefühl hat, jeder erzählt mit seinen Begriffen, außer vielleicht bei Freaks wie Sloterdiijk, Hegel & Co., wo das "Nichts" nichtet usw. smile
Amateur
Hallo Pippen !


Als Amateur habe ich da natürlich nicht den Überblick, gehe gerade den Leseempfehlungen von T1982 nach. Aber wenn Sloterdiijk dass dann offensichtlich auch heute noch nicht beherzigt, würde mich sein Begründung interessieren. Wenn ich ihn jedenfalls "live" sprechen höre, dann hätte ich den Eindruck, dass er an komplizierteren, druckfähigen Sätzen, recht lange säße.

Gruß Andreas
Pippen
Ich sehe das Problem auch eher darin, dass nicht nur in vielen Sprachen philosophiert wird, sondern dass sich diese nach 150-300 Jahren auch so verändern, dass das Verständnis mehr und mehr verlorengeht. Gerade seit wir wissen, wie viele ungeschriebene Prämissen Aussagen haben.

Deshalb wäre es an der Zeit, eine künstliche Sprache zu kreieren ODER Latein als verbindliche Philosophensprache festzulegen (das Wie lasse ich mal offen). Eine tote Sprache eignet sich dafür am besten, weil man sie Recht kontrollieren kann und sie sich nicht so weiterentwickelt, wie eine natürliche Sprache, die gerade der gemeine Hinz & Kunz verwässert.

Damit hätte man schon viel gewonnen. Man stelle sich vor, von Platon bis Wittgenstein alles einheitlich in einer Sprache....
Rebecca
Oh Himmel, nein. Das ist in meinen Augen ein Degradieren der Philosophie zu total nüchternen Bereichen wie Mathematik.
Der Gedanke - der weiterführende Gedanke - denn Philosophie ist "Denkkunst - lebt von den vielfältigen Möglichkeiten der Sprache. Das Ausdrücken, die Emotion, die jedes Wort verlangt, erscheint mir als das Wichtigste bei Literatur und Philosophie.

Man denke beispielsweise an Nietzsche, ein brillianter philosophischer Schreiber. An sein: Denn jede Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit....
Nur als Beispiel.

Nun ist natürlich Latein die logischste Sprache mit ihren 6 Fällen und lässt keine großartigen Umschreibungen zu. Aber lassen wir sie doch "in der Kirche".
So sehe ich das Bemühen von Amateur zwar als eine Idee an, aber unter:
Pueri sunt pueri, puerilia tractant.

Was könnte man das jetzt schön interpretieren. Dazu bedarf es der Lebendigkeit der Sprache.

Nichts für ungut. Ich folge euch nicht auf diese langweilige Insel! großes Grinsen

Freundliche Grüße
Rebecca winken
ete
Zitat:
Original von Amateur
Mir geht es um eine möglichst vokabelarme "Grundsprache".
Ein Traum wäre eine von vielen Philosophen anerkannte, einheitliche "Fachsprache", mit deren Hilfe Diese dann eigene Ideen formulieren können, ohne vom Leser verlangen zu müssen, mit jedem Philosophen auch eine weitere Sprache erlenen zu müssen.
Auch Diskussionen zwischen Philosophen könnten durch eine solche Fachsprache erleichtert werden. Vielleicht auch Diskussionen in diesem Forum !

Eine inoffiziell anerkannte Fachsprache gibt es doch mit dem Philo-Vokabular, wie z.B. Intersubjektivität, Platon´s Ideen, Circulus vitiosus, a priori, Kategorischer Imperativ u.v.a.

Kompliziert wird es erst dann, wenn einfache Erklärungen derart elaboriert gestaltet werden, dass sie einen Durchblick erschweren. Die philosoph. Termini sind nicht das Hindernis, sondern das 'Beiwerk', das schlicht und doch mit einem scharfsinnigen Rundblick dem Thema zuträglich sein kann, oder eben sich selbst inszeniert und dem Thema abräglich wird.

Philosophie beinhaltet bereits einen menschlich und historisch gewachsenen sprachlichen Reichtum, dazu ist es immer wieder neu erforderlich, sich dafür das Bewusstsein zu entwickeln, denn wahre (Sprach)Eleganz besticht durch ihre Anmut und Schlichtheit.
T1982
Zitat:
Original von ete

Eine inoffiziell anerkannte Fachsprache gibt es doch mit dem Philo-Vokabular, wie z.B. Intersubjektivität, Platon´s Ideen, Circulus vitiosus, a priori, Kategorischer Imperativ u.v.a.


Naja, Begriffe mögen ja vorhanden, aber wie schaut es mit der einheitlichen Verwendung aus? Freges Sinn ist Husserls Bedeutung, während Husserls Gegenstand Freges Bedeutung ist…

Gruß

PS
Den vielleicht offensichtlichen Lösungsversuch über Intension und Extension halte ich für nicht ausreichend, da hier mit Begriffscharakterisierungen gearbeitet würde, die letztendlich eine einheitliche Bedeutungstheorie der Begriffe erfordern würde.
Amateur
.
Amateur
Hallo Pippen !


Das Argument der "Zeitlosigkeit" einer Fachsprache könnte ein weiteres sein, ich würde dann aber - wie ich jetzt las war auch Carnap ein Anhänger dieser - statt Latain "Esperanto" vorschlagen, da Latain eine unnötig komplizierte Grammatik besitzt.

Jedenfalls, Dein Traum einer allgemeinen Sprache, die von Platon bis Wittgenstein funktioniert (hätte), wäre auch meiner, wird aber hier offensichtlich nur von wenigen geteilt.

Häufig höre ich hier sinngemäß folgendes:

Lies erst mal Alles was es so gibt. Auch Solches, dass vorwiegend literarischen Charakter hat und nur "ausschließlich philosophisch" wirkt (rebecca), lies auch alles, was seine Grundannahmen verschweigt(T1982) ...
... und wenn Du dann noch lebst, dann darfst DU hier auch mal eigene Gedanken versuchen.

Im Moment habe ich jedenfalls folgenden Eindruck:

Wenn X eine Idee äußert, gilt es als wichtig, einen Philosophen Y zu finden, der Gegenteiliges sagte. Ob er von anderen Grundannahmen ausging, ist unbedeutend.
Wenn X daraus dann jedoch schließen würde, sich eigene Gedanken garnicht mehr machen zu dürfen, weil ja zu seinem Punkt bereits alles gesagt sei, er also pflichtbewußt die Positionen Y´s zu übernehmen hätte, so nennt man ihm Z, der dann Y "widerlegt".
Philosophie scheint mir bei vielen eine Literaturwissenschaft geworden zu sein. Wer hat wann, was gesagt ?

Man ist belesen, aber unentschieden.

Gruß Andreas
Archibald
@ Amateur:

Zitat von dir:

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Hallo Zusammen !


Weil meine "Amateur-Idee" ja offensichtlich gestorben ist, ...
(jedenfalls bekam ich zuletzt keine Antworten mehr und auch Nachfragen durch PN´s blieben ohne Erwiderung )
... will ich eine der Ideen anders aufziehen:

Mir geht es um eine möglichst vokabelarme "Grundsprache".

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Da liegst du ja ganz eng bei dem, was ich mit meiner "Nedilogie" vorhabe!

GRATULIERE!

Erste Runde:

Ich schlage den Begriff "Freiheit" vor!
Amateur
Hallo rebecca !


Ich bin Mathematiker und höre häufig die Kritik der "nüchternen" Mathematik. Ob eine "betrunkene" Philosophie dann aber soviel erstrebenswerter ist, weiß ich nicht.

Tatsächlich sprichst Du einen Verdacht aus, den ich seinem Wesen nach nie so deutlich benannt erwartet hätte:
Philosophie soll garnicht ernsthafte Probleme lösen, sondern ist eine Form der Literatur mit rhetorischem Anspruch. Etwa wie die chinesische Schrift, die sich fantastisch zur Kaligraphie eignet.

Vielleicht lebt der Westen ja auch deswegen in einer so kalten, nüchternen Welt, weil er nur 26 Piktogramme hat, wo der Chinese über tausende von Gemälden verfügt.

Übrigens:
Auf Grund der Zeichenfülle, gibt es kaum Chinesen, die eine chinesische Zeitung komplett verstehen, dafür aber brauchen sie etwa dreimal so lange für´s "Schreibenlernen", wie Europäer.

Gruß Andreas
T1982
Zitat:
Original von Amateur

Im Moment habe ich jedenfalls folgenden Eindruck:
[...]
Wenn X eine Idee äußert, gilt es als wichtig, einen Philosophen Y zu finden, der Gegenteiliges sagte. Ob er von anderen Grundannahmen ausging, ist unbedeutend.


Nein, so ist das nicht.
Aber sehr viele Probleme wurden bereits auf einem außerordentlich hohen Niveau in der Philosophie abgehandelt. Dabei sind etliche Dinge neu zutage getreten, es wurden Probleme gelöst und es wurden neue Probleme erkannt. Es wurde Argumente pro und contra was auch immer angeführt. Kurz: es wurde schon viel Arbeit erledigt. Auf dieser Arbeit sollte man AUFBAUEN! Es macht auch keinen Sinn, lange zu überlegen, ob man denn wohl berechnen könnte, wie lange ein Stein braucht, um aus einer bestimmten Höhe auf den Boden zu fallen (und ob der Stein vielleicht eine Seele habe, die ihm nach Gutdünken irgendwelche Fähigkeiten verleiht). Hier schlage man einfach ein Physikbuch auf – die Arbeit wurde schon erledigt…

Kommen wir zu Deinem Mathematik-Beispiel: wenn nun jemand überlegt und sagt „Mensch, ob man wohl bzgl. des Unendlichkeiten, sowohl hinsichtlich des unendlich Großen und des unendlich Kleinen, etwas rechnen kann?“ und nun in einem Mathematikforum irgendwelche Überlegungen äußert, wird man ihm auch sagen „Schau Dir mal ein wenig Infinitesimalrechnung und Mengenlehre an“. Man könnte ihm aber auch sagen „Schau Dir mal Leibniz und Newton sowie Cantor an“.

Der Punkt ist, und das hängt ja mit Deiner Ausgangsfrage im Thread zusammen, dass in der Philosophie Begriffe, Strukturen etc. stark von den jeweiligen philosophischen Hintergrundmodellen abhängen. Wenn jemand argumentieren würde „x muss richtig sein, denn Kant hat das gesagt“, dann ist das Blödsinn (und so läuft es auch nicht in wissenschaftlichen Arbeiten ab). Aber wenn es z.B. um „Vernunft“ geht und man irgendeine Vorstellung davon hat, macht es Sinn, zu sagen: „Analog zu Kant …“ oder „Wie bei Platon …“ – und warum? Weil damit auf entsprechende Hintergrundannahmen verwiesen wird. Vernunft bei Platon ist etwas anderes als bei Kant.

Zitat:
Original von Amateur
Ich bin Mathematiker und höre häufig die Kritik der "nüchternen" Mathematik. Ob eine "betrunkene" Philosophie dann aber soviel erstrebenswerter ist, weiß ich nicht.

Tatsächlich sprichst Du einen Verdacht aus, den ich seinem Wesen nach nie so deutlich benannt erwartet hätte:
Philosophie soll garnicht ernsthafte Probleme lösen, sondern ist eine Form der Literatur mit rhetorischem Anspruch.


Ein solches Philosophieverständnis ist mir (und den ganzen analytisch orientierten Strömungen) ein Graus – und findet sich zum Glück selten. Allerdings gab (gibt) es in der Philosophie(geschichte) darüber viel Streit.

Gruß
Pippen
Zitat:
Original von T1982

Naja, Begriffe mögen ja vorhanden, aber wie schaut es mit der einheitlichen Verwendung aus? Freges Sinn ist Husserls Bedeutung, während Husserls Gegenstand Freges Bedeutung ist…



Genau sowas ärgert mich.

Schlimm finde ich auch sowas: Der Fallibilismus argumentiert, dass man eine Wahrheit nicht sicher erkennen kann. Andere sagen zum selben Problem: Man kann nichts sicher wissen. Wieder andere meinen: Es gibt keine letzte Gewissheit. ALLES DIEGLEICHE Aussage, nur mit verschiedenen Worten und Hintergrundprämissen, d.h. man kommt auf verschiedenen sprachlichen Wegen am Ende nach Rom. Das ist einfach ärgerlich, weil unnötig verkomplizierend. Mehr noch: Fast alle die das sagen, sagen dann in irgendwelchen Fußnoten, dass sie doch wieder gewisse Ausnahmen zulassen (berüchtigt: Th. Nagel). Das ist gerade für Anfänger total verwirrend.

Vielen Philosophen würde es schon gut tun, wenn sie am Ende ihres Werkes dessen gesamten Inhalt "barebone" als Prämissensammlung präsentieren müssten, also nicht nur eine Zusammenfassung, sondern die volle Argumentation minus alle nicht notw. Argumente und G'schichten.

Wie es geht zeigt braininthevat. Jeder Philosoph weiß, was und welches Problem damit gemeint ist. Diese eine Wort ersetzt eine ganze Menge Erklärungen. So wünsche ich mir das. smile
Eugen
Hi Amateur,

Zitat:
Original von Amateur
Häufig höre ich hier sinngemäß folgendes:

Lies erst mal Alles was es so gibt. Auch Solches, dass vorwiegend literarischen Charakter hat und nur "ausschließlich philosophisch" wirkt (rebecca), lies auch alles, was seine Grundannahmen verschweigt(T1982) ...
... und wenn Du dann noch lebst, dann darfst DU hier auch mal eigene Gedanken versuchen.


Nein, also ich meine, dass du ein ziemlich kluger, origineller Kopf bist, eigentlich ein Naturtalent für Foren wie dieses. Genau das wird hier gebraucht. Selberdenken darf und soll man hier, wenn's dir im Moment auch nicht so vorkommt.

Und du musst nicht erst alles lesen, "was es so gibt".

Nur, du räumst es ja auch ein, dass du bisher eher wenig Berührung mit philosophischer Literatur hattest. Da halte ich es für einen problematischen Beginn, wenn du hier gleich mit so ambitionierten, umfassenden, grundlegenden Projekten wie diesem hier - oder dem sehr ähnlichen im anderen thread - einsetzt. Wie T1982 eben sagte: Es wurde viel Arbeit schon geleistet. Auch schon Problembereiche erschlossen, die dir jetzt noch gar nicht bewusst sind.

Vielleicht wäre es besser, erstmal mit kleineren Häppchen anzufangen? Eignen würden sich z.B. Lektüre-threads. Derzeit läuft grad mal wieder eins zu Wittgensteins "Tractatus" (Ich könnte mir vorstellen, dass Wittgenstein ein Denker ist, der dir ganz gut liegt). Darüber könntest du evtl. ganz allmählich ein Gespür entwickeln für die Gründe der Fragwürdigkeit von Großprojekten, wie du sie hier versuchst.

Glaub' mir, das hier wird nichts, führt höchstens dazu, dass du dich irgendwann "unverstanden" und frustriert zurückziehst. Und ich meine, das wäre schade...
glorin
@Amateur:
Zitat:
Mir geht es um eine möglichst vokabelarme "Grundsprache". Ein Traum wäre eine von vielen Philosophen anerkannte, einheitliche "Fachsprache", mit deren Hilfe Diese dann eigene Ideen formulieren können, ohne vom Leser verlangen zu müssen, mit jedem Philosophen auch eine weitere Sprache erlenen zu müssen.


Was willst du nun, eine Fachsprache, oder eine "Grundspache"?

Zitat:
Alle Interssierten stellen sich "in der ersten Runde" vor, auf einer einsamen Insel nur einen einzigen philosophischen Gedanken mitnehmen zu dürfen und nennen diesen. (Falls aus sich selbst heraus nicht unmißverständlich, wären natürlich Erläuterungen klasse.)


Ok. Ich verlor mein falscher, aber als richtig geglaubter wissen um diesen hier zu ersetzen durch genauso falsches, aber richtig geglaubtes Wissen zuerlangen.

Zitat:
Falls Du hingegen erklären könntest, warum eine solche Fachsprache prinzipiell unerreichbar ist, oder aber warum sich eine bereit existierende noch nicht durchgesetzt hat, wäre das für mich mindestens ebenso interessant.


Weil dies keine Fachsprache wäre. Gerade für Menschen die gerne intelektueller sein möchten wäre dies ein großer Rückschritt. Auch erleichtert die Fachsprache in manchen Bereichen die Diskussionen.

Zitat:
Ein philosophischer Text kann entweder sekundärliterarisch übersetzt(in Umgangssprache) werden, oder ist bedeutungslos. Ein Begriff der nicht mehr erklärt werden kann, muss entweder Grundbegriff sein, oder ist reines Geräusch.


Gerade einige Gedankenspiele sind nur durch eine Komplexere Sprachwahl möglich, z.B. Anselms Gottesbeweis (die übersetzung in die Umgangssprache sind recht einfach zuwiderlegen, da dies die Vereinfachung erlaubt). Man kann nicht alles in die Umgangssprache übersetzen und es kann trotzdem bedeutungsvoll sein.

Zitat:
Ich bin Mathematiker und höre häufig die Kritik der "nüchternen" Mathematik. Ob eine "betrunkene" Philosophie dann aber soviel erstrebenswerter ist, weiß ich nicht.


Ah, ein Mathematiker. Dann habe ich mal eine Frage. Wie vereinfachst du diese Aussage (Fach"sprache" in Grund"sprache"): a³*b³=c³

Ach und noch etwas, wenn du das Inselspiel schon vorschlägst, dann fang doch selber bitte damit an.


@Pippen:
Zitat:
dass man eine Wahrheit nicht sicher erkennen kann. Andere sagen zum selben Problem: Man kann nichts sicher wissen. Wieder andere meinen: Es gibt keine letzte Gewissheit. ALLES DIEGLEICHE Aussage, nur mit verschiedenen Worten und Hintergrundprämissen, d.h. man kommt auf verschiedenen sprachlichen Wegen am Ende nach Rom.


Es sind nicht die gleichen Aussagen! Die erste Aussage sagt aus: "Man kann die Wahrheit nicht erkennen!" Die zweite Aussage lautet: "Man könne nichts "sicher" wissen." Die letzte Aussage bedeutet: "Es gebe keine letzte Gewissheit." (d.h. 1.man kann es nicht erkennen; 2.Jedes Wissen kann falsch sein; 3.Man weis nie ob etwas wirklich stimmt, es bestehen immer rest Zweifel)

Dies sind 3 ähnliche, aber minimal doch verschiedenen Aussagen.
Amateur
Lieber Eugen !


Zunächst Dank für die aufmunternden Worte, denn ich dachte tatsächlich schon, mich hier zurückziehen zu müssen.

Dass es sich lohnt auch von anderen Philosophen bzw. deren Gedanken zu erfahren ist natürlich einsichtig.
Tatsächlich gehe ich auch allen Leseempfehlungen nach.

Ich hätte mir nur folgendes gewünscht:
Inhaltliche, zusammenfassende Mitteilung der Positionen jener Leseempfehlungen. Am Besten mit den verwendeten Grundannahmen.
So könnte ich bereits entscheiden, ob der entsprechende Philosoh für mich überhaupt interessant wäre, oder ob ich seine Prämissen garnicht teile. Das führt unmittelbar zum 2.wichtigen von Dir angesprochenen Punkt:

"Großprojekte"
Wie ich nun las, hat weder Russel, noch Wittgenstein alleine gearbeitet, häufig auch miteinander. Am idealsten wäre aber sicherlich ein noch "breiteres" Miteinander gewesen.

Das schreit nach Foren !

Wenn ich hier halbgare Grundideen nenne, die Andere durch Sachkenntnis einordnen, kritisieren und verbessern können, wäre ein GEMEINSAMES Großprojekt viel weniger unrealistisch, als jenes von Russel, der es nach den Erkenntnissen von Gödel auch aufgab.

Stattdessen:
"Lies alles(vieles) was auch wir schon lasen."

Das ist für mich nicht effektiv, schon auf Grund der angesprochenen Probleme bzgl. der verwendeten "Sprachen" und verschwiegenen Grundannahmen.

Ein ständiges "bei Null starten" jedes Einzelnen.

Wo aber ein "gemeinsames Vorankommen" als effektiver erkannt werden würde, müßte notwendig am Anfang auch eine gemeinsame Sprache stehen. Das Ganze ist also sicherlich ein GROSS-Projekt, aber eben auch notwendiges Fundament aller weiteren, "inhaltlichen" (Groß)-Projekte.

Gruß Andreas
Amateur
Hallo glorin !


Zitat:
Was willst du nun, eine Fachsprache, oder eine "Grundspache"?

Natürlich Beides:
- Grundsprache = Sammlung aller Grundbegriffe(Logik=Grammatik)
- Fachsprache = Sammlung aller Grundbegriffe und der aus ihnen abgeleiteten Fach-Begriffe.


Zitat:
Ok. Ich verlor mein falscher, aber als richtig geglaubter wissen um diesen hier zu ersetzen durch genauso falsches, aber richtig geglaubtes Wissen zuerlangen.

Für mich keine philosophische Aussage, sondern nur "Erlebnisbericht".
Ich würde aber folgende philosophische Aussage "heraushören":

Ich kann nichts wissen. Nur glauben, dass meine Annahmen "wahr" sind.

Also ein uralter Gedanke, der ohne rhetorisches Beiwerk viel "kompakter" rüberkommt.
UND außerdem:
Vielleicht von mir falsch interpretiert.
Vielleicht wirklich nur Erlebnisbericht.
Rhetorik lenkt also nur ab.



Und jetzt einge "?":

Zitat(Amateur):
Falls Du hingegen erklären könntest, warum eine solche Fachsprache prinzipiell unerreichbar ist, oder aber warum sich eine bereit existierende noch nicht durchgesetzt hat, wäre das für mich mindestens ebenso interessant.
Zitat:
Weil dies keine Fachsprache wäre. ...
WAS wäre keine Fachsprache?
Und wieso "WEIL" ?
Zitat:
... Gerade für Menschen die gerne intelektueller sein möchten wäre dies ein großer Rückschritt. ...
WAS wäre für gern-Intelektuellere ein Rückschritt ?
Und wieso, und worauf sich beziehend: "GERADE" ?
Zitat:
Auch erleichtert die Fachsprache in manchen Bereichen die Diskussionen.
Ich würde sogar behaupten: In allen Bereichen. Dann sind wir jedenfalls tendenziell beide an einer solche Sprache interessiert, aber worin bestand jetzt die Antwort auf mein Zitat ?

Oder wolltest Du sagen:
"Es gibt diese Fachsprache."


Zitat(Amateur):
Ein philosophischer Text kann entweder sekundärliterarisch übersetzt(in Umgangssprache) werden, oder ist bedeutungslos. Ein Begriff der nicht mehr erklärt werden kann, muss entweder Grundbegriff sein, oder ist reines Geräusch.
Zitat:
Gerade einige Gedankenspiele sind nur durch eine Komplexere Sprachwahl möglich, z.B. Anselms Gottesbeweis (die übersetzung in die Umgangssprache sind recht einfach zuwiderlegen, da dies die Vereinfachung erlaubt). Man kann nicht alles in die Umgangssprache übersetzen und es kann trotzdem bedeutungsvoll sein.

Da brauchte ich ein konkretes Beispiel, warum man seinen Gottesnachweis nicht in Ungangssprache übersetzen kann.
UND:
Bin mir nicht sicher, dass eine philosophische Fachsprache nur "(aktuelle) Umgangssprache" sei, aber sie sollte dann Umgangssprache werden(idealerweise).
UND VORALLEM:
Was nur mit bestimmten Begriffen gesagt werden kann, bedeutet:
Diese Begriffe müssen zu den "Grundbegiffen" gezählt werden.
Deswegen würde ich mich umso mehr für jene "komplexe Sprachwahl" interessieren, die nach Deiner Auffassung für Anselm unverzichtbar war.


Zitat:
Ah, ein Mathematiker. Dann habe ich mal eine Frage. Wie vereinfachst du diese Aussage (Fach"sprache" in Grund"sprache"): a³*b³=c³

- ??? Fachsprache in Grundsprache ???
- (a*b)³=c³ , das war´s dann aber auch schon. (1 Operation weniger)


Zitat:
Ach und noch etwas, wenn du das Inselspiel schon vorschlägst, dann fang doch selber bitte damit an.

Hatte ich schon:
"Ich kann nicht zweifeln, dass ich zweifel."

Zu Deiner Erwiderung an Pippen:
Zitat(Pippen):
dass man eine Wahrheit nicht sicher erkennen kann. Andere sagen zum selben Problem: Man kann nichts sicher wissen. Wieder andere meinen: Es gibt keine letzte Gewissheit. ALLES DIEGLEICHE Aussage, nur mit verschiedenen Worten und Hintergrundprämissen, d.h. man kommt auf verschiedenen sprachlichen Wegen am Ende nach Rom.
Zitat:
Es sind nicht die gleichen Aussagen! Die erste Aussage sagt aus: "Man kann die Wahrheit nicht erkennen!" Die zweite Aussage lautet: "Man könne nichts "sicher" wissen." Die letzte Aussage bedeutet: "Es gebe keine letzte Gewissheit." (d.h. 1.man kann es nicht erkennen; 2.Jedes Wissen kann falsch sein; 3.Man weis nie ob etwas wirklich stimmt, es bestehen immer rest Zweifel)

Dies sind 3 ähnliche, aber minimal doch verschiedenen Aussagen.


Und das erlebe ich bei Vielen hier regelmäßig:
- Du stellst fest, dass jemand in diesen Sätzen KEINEN Unterschied sieht.
- Du bestreitest dass, denn es gäbe minimale Unterschiede. WELCHE ?

Vor allem die Unterschiede Deiner 2. und 3. "Übersetzung" würde ich gerne ausgeführt sehen.
Was ist der Unterschied zwischen:
"Wissen kann falsch sein" UND "man weiß nie ob etwas wirklich stimmt"

Wenn Du da einen echten Unterschied benennen könntest, würde ich jede Philosophie für gänzlich unmöglich halten, weil selbst minimale Übereinstimmung im Verständnis der gemeinsamen Muttersprache nicht existieren würde. Ich müßte quasi bei jeder Silbe sicher annehmen, dass mein Gegenüber etwas anderes verstehen würde.

Gruß Andreas