Sozialdemokratie vs. demokratischer Sozialismus - Unterschiede?

ewig
Mir erschließt sich das gegenwärtig nicht, daher mögen mir bitte diejenigen unter Euch, die sich für versiert genug halten, die Unterschiede zwischen den obigen politischen Positionierungen herauszuarbeiten, zu diesem Zwecke die Augen auftun. Mein besonderes Augenmerk gölte hierbei den Unterschieden in der praktischen Organisation beider Konzeptionen. Soweit, daß auf dem Kernwort der Schwerpunkt liegen muß und mit dem Bestimmungswort das Spektrum des für das Hauptwort Möglichen eingegrenzt wird, ist mir die Sache relativ klar. Doch was würde das für die unterschiedliche Realisierung bedeuten? Gäbe es überhaupt Unterschiede oder ist das bloß Augenwischerei?
Erik van Thom
Die unterschiedlichen Bekenntnisse demokartischer Sozialisten und Sozialdemokraten zu Marktwirtschaft und Wettbewerb wirken auf mich wie die wesentliche Differenz.

(Die SPD bekannte sich im sogenannten Godesberger Programm am 15.11.1959 zu Marktwirtschaft und Wettbewerb - und wurde so von einer sozialistischen Arbeiterpartei zur Volkspartei.

http://de.wikipedia.org/wiki/Godesberger_Programm)
Kai
Aus sozialdemokratischer Sicht gibt es da keinen Gegensatz. Der Demokratische Sozialismus ist bis heute Teil der sozialdemokratischen Programmatik. Demokratischer Sozialismus wird nicht als ein bestimmtes Gesellschaftsmodell verstanden, sondern eher als eine Sammlung von Wertvorstellungen, an denen man sein Handeln orientiert.

Näheres http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Sozialismus

"Ich gestehe es offen, ich habe für das, was man gemeinhin unter 'Endziel des Sozialismus' versteht, außerordentlich wenig Sinn und Interesse. Dieses Ziel, was immer es sei, ist mir gar nichts, die Bewegung alles. Und unter Bewegung verstehe ich sowohl die allgemeine Bewegung der Gesellschaft, d. h. den sozialen Fortschritt, wie die politische und wirtschaftliche Agitation und Organisation zur Bewirkung dieses Fortschritts". Eduard Bernstein
Archibald
@ ewig:

Es stellt sich die Frage, ob "demokratischer Sozialismus" überhaupt machbar ist; betrachtet man nämlich "Sozialismus" als das (etwas stark vereinfachte) Prinzip: "Allgemeinnutzen geht vor Individualnutzen", dann haben im Sozialismus Anmaßer bezüglich des Nutzens Vorrang über die willkürlich freie Selbstbestimmung durch demkokratische Wahlen!

º Nicht mehr der Verbraucher bestimmt, welche Produkte er kaufen will, sondern, ein Wirtschaftsplanungskommitee

º Nicht mehr der Konsument entscheidet, welche Rockband oder welches Theater er sehen will, sondern, ein Einstufungskommitee

º Nicht mehr der freie Wählerwille entscheidet über Gesetze, nach denen Leute vor Gericht verurteilt werden, sondern, der (statutanmaßende) Gutachter