karlchen
Da sich die Lektüre doch fast interessanter gestaltet, als sein Werk "The Ends Of Globalization", eröffne ich hiermit den Thementhread dazu - wie üblich mit der Zusammenfassung der Einleitung. Viel Spass beim lesen und diskutieren !
Bamyeh beginnt mit der These, dass in früheren Zeiten, als das Durchschnittsalter der Menschen geringer war - das Bewusstsein des Todes eine größere Rolle gespielt hätte. Trotzdem sei seine strukturelle und allgemeine Bedeutung geblieben - er gehört zum Menschen und zu allem Lebendigen. Im politischen Bereich - wo es um Projekte und Machtspiele ginge - sei die Bedeutung eher das Ende dieser Bemühungen als das individuelle Ende.
Bamyeh möchte nun eine philosophische Untersuchung über die Bedeutung dieses Motives in der Weltpolitik durchführen - so startet B. mit der dialektischen These, dass der Wille zur Macht unweigerlich den Triumph des Todes miteinschlösse.
Bamyeh glaubt, die Geschichte der Zivilisation begänne mit Gilgamesh, da der politische Mensch das Bedürfnis hätte, über die Gestaltung und Bedeutung eines gemeinsamen Schicksals nachzudenken. Diese Ausrichtung würde den Herrschaftsgedanken und Regierungsverantwortung miteinschliessen - als besonderen Bereich der Politik, der eben das "Allgemeinwohl" bzw. die Interessen einer Allgemeinheit zum Gegenstand haben müsste.
Hier sei nun eine Unterscheidung zwischen plötzlichen (zeitweisen) und endgültigen Unterbrechungen von Macht wichtig, wobei sich das Buch auf letztere beschränken wolle, da der Autor da einen Mangel an Untersuchungen sieht. Hierbei sei ihm eine breite, globale und vergleichende Perspektive wichtig. Dabei möchte er sich an Themen mit allgemeiner Bedeutung orientieren.
Welche meint er ? Z.b. die der verschiedenen Logiken des Umgangs der Macht an das Motiv der Sterblichkeit, wie sie u.a. in der Ausgrenzung als historischen Fortschritt lägen. Bamyeh möchte die Diskussion mit dem Gilgamesch-Epos beginnen, dann zur griechischen Polis weitergehen und schliesslich zu einer Geschichte der Weltreiche, zu der der Erlösungsreligionen und schliesslich zu den modernen Systemen der technokratischen Verwaltung und der Massengesellschaft. Obwohl Bamyeh an die Möglichkeit einer solchen philosophiegeschichlichen Betrachtung glaubt, meint er, dass es dabei aber keine einfache Abfolge geschichtlicher Phasen geben könne. Die historisch erzählende Perspektive würde zwar den Vorteil einer klaren Beschreibbarkeit des Ausgangsthemas bieten, aber diese allgemeinen Themen, die Bamyeh Tropen ("tropes") nennt, würden meht als die Foucault´schen Episteme mehr beinhalten als spezifische geschichtliche Situationen.
Bamyeh meint, die Logiken der vier Themen (Tropen) seines Buches stammten damit nicht nur von der Besonderheit ihrer sozialen, intellektuellen oder politischen Geschichtlichkeit sondern auch von den darin enthaltenen grundlegenden Problemen (Ideen ?), auf den sich diese bezögen. So liessen sich auch deren Gleichzeitigkeit und Übergänge betrachten, weil diese Tropen in ihrer Allgemeinheit eine gesamtgeschiliche Bedeutung besäßen, die gedankliche Paradoxien miteinschlössen. Damit bewahrten sie uns vor dem selbstverteidigenden Akt eine Suche von direkten Antworten für nicht direkt lösbare Fragen von allgemeiner Bedeutung.
Die vier Tropen der Sterblichkeit in der Politik seien Trost, Imperium, Vorbereitung ung Vergessen. Die Veränderung des Umgang damit in den verschiedenen geschichtlichen Epochen wären dabei keine Hegel´sche Aufhebung eines poltischen Ansatzes durch einen anderen, sondern synchron bestehende Möglichkeiten. Dabei gäbe es einen transhistorischen Bezug zur Idee, die Welt mit Macht und Ruhm zu beherrschen und die Nachwelt mit Unvergleichbar- oder Beispielhaftigkeit. In allen Epochen - auch der Gegenwart - gäbe es Elemente der verschiedenen Tropen - z.B. Weltmächte und kleine, national definierte Länder.
Trotzdem gäbe es eine geschichtliche Abfolge - aber nicht die der logischen Weiterentwicklung oder der reinen Unterwerfung, sondern eher die der Erweiterung von Möglichkeiten, oder bei einer angenommenen logischen Zeitlosigkeit - die des Versteckens oder Überdauerns kultureller Motive.
Es sei bekannt, dass es in jeder Epoche solche nichtkommunizierten Haltungen gäbe , die Ernst Bloch mit der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen - also des Nebeneinanders verschiedener kultureller Perioden durch Überdauern der ensprechenden Logiken beschrieben hätte.
Johannes Fabian lehnte dagegen fortschreitende Entwicklungen ab, weil er argumentiert, dass die konkrete geschichtliche Ausgangssituation ein aktuell bedingtes Ereignis und nicht das Ergebnis einer früheren Epoche wäre.
Bamyeh meint, dass die Tropen jedenfalls in unterschiedlichem Maße geschichtlich wirksam wären, ohne deswegen zu verschwinden.
Sein Projekt stünde in der Tradtion von Simmels Soziologie, der mehr auf Beobachtung aktueller Ereignisse als auf komplizierte methodische Ansätze achtete. Außerdem versuche es global und transnational zu sein, ohne Diversität als Selbstzweck sehen zu wollen. Dieser breite Ansatz sei auch deshalb richtig, weil die existenziellen Bedingungen des Daseins ebenso universell wären.
Bamyeh beginnt mit der These, dass in früheren Zeiten, als das Durchschnittsalter der Menschen geringer war - das Bewusstsein des Todes eine größere Rolle gespielt hätte. Trotzdem sei seine strukturelle und allgemeine Bedeutung geblieben - er gehört zum Menschen und zu allem Lebendigen. Im politischen Bereich - wo es um Projekte und Machtspiele ginge - sei die Bedeutung eher das Ende dieser Bemühungen als das individuelle Ende.
Bamyeh möchte nun eine philosophische Untersuchung über die Bedeutung dieses Motives in der Weltpolitik durchführen - so startet B. mit der dialektischen These, dass der Wille zur Macht unweigerlich den Triumph des Todes miteinschlösse.
Bamyeh glaubt, die Geschichte der Zivilisation begänne mit Gilgamesh, da der politische Mensch das Bedürfnis hätte, über die Gestaltung und Bedeutung eines gemeinsamen Schicksals nachzudenken. Diese Ausrichtung würde den Herrschaftsgedanken und Regierungsverantwortung miteinschliessen - als besonderen Bereich der Politik, der eben das "Allgemeinwohl" bzw. die Interessen einer Allgemeinheit zum Gegenstand haben müsste.
Hier sei nun eine Unterscheidung zwischen plötzlichen (zeitweisen) und endgültigen Unterbrechungen von Macht wichtig, wobei sich das Buch auf letztere beschränken wolle, da der Autor da einen Mangel an Untersuchungen sieht. Hierbei sei ihm eine breite, globale und vergleichende Perspektive wichtig. Dabei möchte er sich an Themen mit allgemeiner Bedeutung orientieren.
Welche meint er ? Z.b. die der verschiedenen Logiken des Umgangs der Macht an das Motiv der Sterblichkeit, wie sie u.a. in der Ausgrenzung als historischen Fortschritt lägen. Bamyeh möchte die Diskussion mit dem Gilgamesch-Epos beginnen, dann zur griechischen Polis weitergehen und schliesslich zu einer Geschichte der Weltreiche, zu der der Erlösungsreligionen und schliesslich zu den modernen Systemen der technokratischen Verwaltung und der Massengesellschaft. Obwohl Bamyeh an die Möglichkeit einer solchen philosophiegeschichlichen Betrachtung glaubt, meint er, dass es dabei aber keine einfache Abfolge geschichtlicher Phasen geben könne. Die historisch erzählende Perspektive würde zwar den Vorteil einer klaren Beschreibbarkeit des Ausgangsthemas bieten, aber diese allgemeinen Themen, die Bamyeh Tropen ("tropes") nennt, würden meht als die Foucault´schen Episteme mehr beinhalten als spezifische geschichtliche Situationen.
Bamyeh meint, die Logiken der vier Themen (Tropen) seines Buches stammten damit nicht nur von der Besonderheit ihrer sozialen, intellektuellen oder politischen Geschichtlichkeit sondern auch von den darin enthaltenen grundlegenden Problemen (Ideen ?), auf den sich diese bezögen. So liessen sich auch deren Gleichzeitigkeit und Übergänge betrachten, weil diese Tropen in ihrer Allgemeinheit eine gesamtgeschiliche Bedeutung besäßen, die gedankliche Paradoxien miteinschlössen. Damit bewahrten sie uns vor dem selbstverteidigenden Akt eine Suche von direkten Antworten für nicht direkt lösbare Fragen von allgemeiner Bedeutung.
Die vier Tropen der Sterblichkeit in der Politik seien Trost, Imperium, Vorbereitung ung Vergessen. Die Veränderung des Umgang damit in den verschiedenen geschichtlichen Epochen wären dabei keine Hegel´sche Aufhebung eines poltischen Ansatzes durch einen anderen, sondern synchron bestehende Möglichkeiten. Dabei gäbe es einen transhistorischen Bezug zur Idee, die Welt mit Macht und Ruhm zu beherrschen und die Nachwelt mit Unvergleichbar- oder Beispielhaftigkeit. In allen Epochen - auch der Gegenwart - gäbe es Elemente der verschiedenen Tropen - z.B. Weltmächte und kleine, national definierte Länder.
Trotzdem gäbe es eine geschichtliche Abfolge - aber nicht die der logischen Weiterentwicklung oder der reinen Unterwerfung, sondern eher die der Erweiterung von Möglichkeiten, oder bei einer angenommenen logischen Zeitlosigkeit - die des Versteckens oder Überdauerns kultureller Motive.
Es sei bekannt, dass es in jeder Epoche solche nichtkommunizierten Haltungen gäbe , die Ernst Bloch mit der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen - also des Nebeneinanders verschiedener kultureller Perioden durch Überdauern der ensprechenden Logiken beschrieben hätte.
Johannes Fabian lehnte dagegen fortschreitende Entwicklungen ab, weil er argumentiert, dass die konkrete geschichtliche Ausgangssituation ein aktuell bedingtes Ereignis und nicht das Ergebnis einer früheren Epoche wäre.
Bamyeh meint, dass die Tropen jedenfalls in unterschiedlichem Maße geschichtlich wirksam wären, ohne deswegen zu verschwinden.
Sein Projekt stünde in der Tradtion von Simmels Soziologie, der mehr auf Beobachtung aktueller Ereignisse als auf komplizierte methodische Ansätze achtete. Außerdem versuche es global und transnational zu sein, ohne Diversität als Selbstzweck sehen zu wollen. Dieser breite Ansatz sei auch deshalb richtig, weil die existenziellen Bedingungen des Daseins ebenso universell wären.