Nichts ist das Sein [...]

glorin
Nichts ist das Sein, ist das Sein das Nichts ist es aber nicht seiend.

Kompliziert? Nein, eigentlich nicht.

Wir stellen folgende Primise: wenn etwas existiert dann bezeichne ich dies als seiend. Wenn wir aber etwas als seiend bezeichen muss es auch nicht Sein geben.

Doch nun verlassen wir die Formen des seien und begeben uns zu den eigentlichen Begrifflichkeiten. Seien ist das Verb für Sein. Da man das nicht seien als Gegenteil des seien bezeichnet müsste das Nichts folglich das Gegenteil des Sein seien. (Sind wir uns soweit einig? Dies ist ja eigentlich altbackend.)

Nun kommen wir aber zum Problem. Wenn Nichts das Gegenteil des Seien ist, kann es nicht Sein. Denn dies schließt das Nichts ein. Denn Nichts ist nur dann Nichts, wenn nicht Teile des Nichts sind. Somit wäre es folglich eine falsche Annahme zusagen das Nichts könnte seien. Da dieses Nichts nicht seien kann, kann es auch nicht nicht seien. Dies bedeutet aber das Nichts nicht das Gegenteil des Seien sein kann. Es kann nur ein Teil des Sein seien. Aber nicht umgekehrt. Somit ergibt sich folgende Problematik. Es gibt kein Gegenteil für Sein. Dies könnte man so bezeichnen: Da es keine Gegenteil des Sein gibt, gibt es auch kein Nichtsein. Das bedeutet es wäre falsch irgend eine Angabe über das Seien zutreffen.

Facto, wir sind nicht. Dies wird synonym für nicht existenziell häufig gewertet. Mit dieser Erkenntnis dürfte klar werden, das unser jetziges Weltbild falsch ist. Es ist entweder so komplex das wir es nicht verstehen können, oder wir sind gar nicht vorhanden, bzw. Projektionen.
Marki85
Erinnert an Heidegger ;-).

Ich verstehe den Gedankengang so:

Da das Nichts keine Entität ist, besteht für es nicht die Möglichkeit nicht zu sein, da man nur von Entitäten aussagen kann ob sie sind oder eben nicht.

EINWAND 1:

Zitat:

Das bedeutet es wäre falsch irgend eine Angabe über das Seien zutreffen.

Facto, wir sind nicht.


Dieser Schluss ist denke ich nicht richtig, denn: Dass wir nicht sind nur ob der möglichen Tatsache dass man keine Aussage über das Sein treffen kann, ist kein korrekter Schluss.

Denn einerseits sagst du: Man kann keine Angabe über das Sein treffen, andererseits lieferst du direkt im Anschluss eine Angabe darüber: Es ist nicht.

Korrekt wäre folgende Antwort:

Zitat:

Das bedeutet es wäre falsch irgend eine Angabe über das Seien zutreffen.

Facto,.


Die logische Syntax muss nach dem Facto abbrechen, da du ja selbst behauptest, keine Angabe treffen zu können.

EINWAND 2:
Zitat:

Wenn Nichts das Gegenteil des Seien ist, kann es nicht Sein.


Du behandelst das Nichts wie ein Seiendes. Du machst Seinsaussagen über "etwas" das logisch nicht vorhanden ist. <= Wohlgemerkt ist der letzte Satz natürlich falsch, denn er versucht das Gleiche. Du kannst über Nichts nichts aussagen, weder dass es nicht vorhanden ist, noch dass es das Gegenteil von Etwas ist. Denn einem NICHT-Vorhandenen kannst du keine Eigenschaften zuweisen.

Das ist ein performativer Selbstwiderspruch, denn es sähe so aus:
Die Eigenschaft des Nichts ist ja bereits, keine Eigenschaft zu haben. Du selbst aber sagst etwas darüber aus, was du im Grunde nicht kannst.

Ich würde keine Komplementarität zwischen Etwas und Nichts postulieren, so wie du es sagst, ich würde im Grunde sagen, angelehnt an Wittgenstein:

Es gibt Dinge, über die kann man klar sprechen. Damit endet der Horizont des Sagbaren. Was du als Nichts bezeichnest kann in unserer Sprache nicht evaluiert werden, da unsere Sprache NUR auf Etwas´en basiert:
Ein Deutscher Satz braucht ein Subjekt. Nichts stellt kein Subjekt dar, kann kein Subjekt sein. => Du kannst keine propositionalen Aussagen über das Nichts treffen.

Zitat:

Nichts ist das Sein, ist das Sein das Nichts ist es aber nicht seiend.


Dieser Satz ist an jeder Stelle invalent, wo ein "Nichts" als Subjekt oder Objekt steht. => Aus logisch unmöglichen Sätzen kann man nichts Schlussfolgerungern.


Zitat:

oder wir sind gar nicht vorhanden, bzw. Projektionen.


Sind wir Projektionen, verlagert sich das Problem doch nur um eine Ebene. Denn auch jeder Projektion liegt etwas zugrunde. Dem Bild an der Wand die Folie auf dem Overhead. Und Platon würde Sagen: Dem Abbild in dieser Welt die Idee. Ich denke nicht, dass uns das weiter bringt. Und dagegen, dass wir gar nicht vorhanden sind, würde ich sagen "cogito ergo sum". Irgendetwas wirst du nicht wegdenken können, denn selbst dieser Gedanke, ist schließlich schon wieder "etwas".

Denn "wir sind nicht vorhanden" unterscheidet sich ganz klar von folgendem: "" Und sei es nur die Abfolge meiner Handlungen, die den Inhalt zwischen den Beiden "" unterscheidet. Auch wenn du sagst, "" und "wir sind nicht vorhanden" sei im Grunde gleich, so wirst du unmöglich beides durch die selben Attribute beschreiben können. Die Buchstaben machen einen Unterschied.
Marki85
Mir ist gerade noch etwas aufgefallen:

Bei Aristoteles gab es ja 4 Sinne von sein:
1.substanziell
2.akzidentell
3.wahr/falsch
4.möglich/wirklich

Vielleicht könnte man über eine Sache mal nachdenken glorin:

Wenn es auf der einen Seite Dinge gibt, denen Sein zukommt, man aber über alles Andere nicht sprechen kann, gibt es dann zwischen dem Sein und dem "Anderen" vielleicht etwas, das dynamisch zwischen beiden hin und her pendelt:

"Das Mögliche"
glorin
Zitat:
Da das Nichts keine Entität ist, besteht für es nicht die Möglichkeit nicht zu sein, da man nur von Entitäten aussagen kann ob sie sind oder eben nicht.


Nicht ganz. Das Nichts ist keine Entität. Dies dürfte den meisten geläufig seien.
Dies ergibt aber ein großes Problem. Entweder ist das Nichts doch eine Entität, aber in diesem Fall kann es nicht das Gegenteil des Sein seien. Oder aber es ist keine Entität. In diesem Fall kann es aber auch nicht das Gegenteil des Sein seien, da es keine Entität ist.

Zitat:
Dieser Schluss ist denke ich nicht richtig, denn: Dass wir nicht sind nur ob der möglichen Tatsache dass man keine Aussage über das Sein treffen kann, ist kein korrekter Schluss.


Hm, da hast du eigentlich recht. Meine Formulierung ist mehr als schwammig. Wir sind nicht, wäre das Gegenteil des Verbes und müsste eigentlich lauten "Wir sind nicht seiend". Das Verb "seien" kann man "nicht seiend" als Gegenteil gegen über stellen.
Da das Verb in diesem Falle untergeordnet ist kann man folglich sagen von unserem Sein sprechen. Dies ist uns aber leider nicht möglich, da es kein Gegenteil von dem Sein gibt. Also kann es nicht Sein das wir sind. Somit müssen wir nicht seien, da dies Niemanden untergeordnet werden kann uns es somit ein Gegenteil hat, wir also mit ihm etwas bezeichnen können.

Zitat:
Die logische Syntax muss nach dem Facto abbrechen, da du ja selbst behauptest, keine Angabe treffen zu können.


In diesem Fall spreche ich aber von dem "nicht seien".

Zitat:
Du behandelst das Nichts wie ein Seiendes. Du machst Seinsaussagen über "etwas" das logisch nicht vorhanden ist. <= Wohlgemerkt ist der letzte Satz natürlich falsch, denn er versucht das Gleiche. Du kannst über Nichts nichts aussagen, weder dass es nicht vorhanden ist, noch dass es das Gegenteil von Etwas ist. Denn einem NICHT-Vorhandenen kannst du keine Eigenschaften zuweisen.


Und du findest noch einen Grund, warum das Nichts nicht das Gegenteil des Sein seien kann. ^^ Hätte ich auch drauf kommen sollen.

Zitat:
Es gibt Dinge, über die kann man klar sprechen. Damit endet der Horizont des Sagbaren. Was du als Nichts bezeichnest kann in unserer Sprache nicht evaluiert werden, da unsere Sprache NUR auf Etwas´en basiert: Ein Deutscher Satz braucht ein Subjekt. Nichts stellt kein Subjekt dar, kann kein Subjekt sein. => Du kannst keine propositionalen Aussagen über das Nichts treffen.


Sorry, muss ich passen. Kenne mich in diesen Bereich nicht so gut aus. Auch wenn deine Schlußfolgerung sich logisch anhört. Gleiche gilt auch für deine nächste Antwort. Bei der es aber an meiner Unkenntis über das Wort "invalent" evtl. auch schon scheitert.

Zitat:
Sind wir Projektionen, verlagert sich das Problem doch nur um eine Ebene. Denn auch jeder Projektion liegt etwas zugrunde. Dem Bild an der Wand die Folie auf dem Overhead. Und Platon würde Sagen: Dem Abbild in dieser Welt die Idee. Ich denke nicht, dass uns das weiter bringt. Und dagegen, dass wir gar nicht vorhanden sind, würde ich sagen "cogito ergo sum". Irgendetwas wirst du nicht wegdenken können, denn selbst dieser Gedanke, ist schließlich schon wieder "etwas".


Mir ist auch kurz nach dem Posten dieser Widerspruch aufgefallen. Aber ich eddiere den Inhalt prinzipiel nicht um. Dies kann ich auch in keiner Diskussion machen.
Marki85
Zitat:

Das Nichts ist keine Entität. Dies dürfte den meisten geläufig seien.
Dies ergibt aber ein großes Problem. Entweder ist das Nichts doch eine Entität, aber in diesem Fall kann es nicht das Gegenteil des Sein seien. Oder aber es ist keine Entität. In diesem Fall kann es aber auch nicht das Gegenteil des Sein seien, da es keine Entität ist.


Das meinte ich als ich sagte, dass es im Grunde nur "Etwas" gibt, das "Nichts" aber nicht im Bereich des Sagbaren liegt. Über ein Etwas kannst du etwas aussagen, wo aber kein Etwas ist, endet das Sagbare.

Die Bestimmung von Valenzen stammt eigentlich aus der Syntax und der Morphologie. Da ich aber häufig die Philosophie mit der Sprachwissenschaft mische muss ich das wohl erklären:

Eine Valenz ist in der Syntax die Wertigkeit von Verben. Ein einfaches Beispiel:
Peter liebt Anna.
=> x liebt y.
Die Valenz des Verbes "lieben" ist 2-wertig, denn es fordert zwei Nomen, die die beiden Valenzstellen besetzen: x muss durch ein SUBJnom (Subjekt im Nominativ) besetzt sein, und y muss durch ein AKKO (Akkusativobjekt) besetzt werden.

Nun sehen wir uns deinen Satz an:

Zitat:

Nichts ist das Sein, ist das Sein das Nichts ist es aber nicht seiend.


Wir wenden darauf ein sogenanntes Substitutionsparadigma an, und aus dem Satz wird:

X ist Y, is Y X ist X nicht seiend.

Wir erhalten hier zunächst den Satz

X ist Y. Dies ist eine Kopula-Konstruktion mit dem 2-wertigen Kopula-Verb "sein".

Bereits hier tritt ein Fehler in der Logik auf, denn es gilt die Regel: Alles muss mit sich selbst identisch sein. Wenn du sagst: X ist Y stellst du eine Identität zwischen dem Nichts und dem Sein fest. Für alles Seiende ist aussagbar, WANN es mit sich selbst identisch ist. Wenn sich die Eigenschaften gleichen.

Wir können also zB. sagen:
"Mein Haus ist das Haus meiner Eltern."

Dies kann auf ein Haus zutreffen. Beide Male wird das Gleiche bezeichnet, es ist also mit sich identisch.

Bei Etwas und Nichts ist das schon ganz anders. Wie soll Nichts mit sich selbst identisch sein, wo es doch nichts gibt, indem es Übereinstimmung haben könnte? Ich würde sagen: Bei einer Aussage wie X ist Nichts kann es logisch keine Übereinstimmung geben.

Denn hier kommen wir wieder ein Problem: Wenn du sagst, dass Etwas eigentlich Nichts ist, so erhält das vermeintliche Nichts eine kategoriale Bestimmung durch das Etwas, auch wenn du sagst, es sei nicht vorhanden. Das Nichts wird aus seiner Sprachlosigkeit enthoben und mit dem Etwas gleichgestellt. => Das Nichts erhält die Eigenschaften des Etwas, und ist damit nicht mehr Nichts etc.

Ich glaube nicht, dass man logischen Problemen bei deiner These wirklich entgehen kann. Und wenn ich länger darüber nachdenke fallen mir sicher noch wiedere Probleme ein.
glorin
Hi,
hatte für diesen Thread in den letzten Tagen keine Zeit. Bin jetzt aber wieder da. Erst einmal danke für deine Erklärung.

Zitat:
Denn hier kommen wir wieder ein Problem: Wenn du sagst, dass Etwas eigentlich Nichts ist, so erhält das vermeintliche Nichts eine kategoriale Bestimmung durch das Etwas, auch wenn du sagst, es sei nicht vorhanden. Das Nichts wird aus seiner Sprachlosigkeit enthoben und mit dem Etwas gleichgestellt. => Das Nichts erhält die Eigenschaften des Etwas, und ist damit nicht mehr Nichts etc.


Das kannst du auch genau anders herum drehen. Das Etwas erhält die Eigenschaften des Nichts. Da dieses keine festen Eigenschaften haben kann, könnte das Etwas rein theoretisch welche haben können. Auch wenn es logischer Weise auch kein hat und haben kann.