Archibald
Wenn man sagt, man findet etwas gut, benutzt man dazu auch oft die Redewendung: "Und das ist auch richtig so".
"Richtig"-Sein bezieht sich aber auf den objektiven Wahrheitsgehalt von Tatsachen, moralische Aussagen sind aber Geschmackssache, das heisst, genaugenommen können sie nur "gut oder schlecht" oder aber "wahr oder falsch" im Bezug auf eine bestimmte Prämisse sein.
Beispiel:
"Es ist richtig so, dass ein Schüler, der seine Hausaufgaben nicht macht, Internetverbot bekommt".
Diese Aussage wird erst dann Komplett, wenn eine Zusatzbedingung (Moralprämisse) hinzukommt:
"Es ist richtig so, dass (Im Sinne von: "Folgende Aussage ist richtig") ein Schüler, der seine Hausaufgaben nicht macht, (und, in jenem Fall) Internetverbot bekommt (, in Zukunft seine Hausaufgaben machen)".
Sonntagssoziologe
Moralische Aussagen müssen sich wohl immer auf ein höheres Prinzip berufen. Ich bin kein Philosoph, aber ich glaube, Geschmackssache sind moralische Aussagen nicht. Nach Kant (man berichtige mich ggf.) ließen sich moralische Aussagen aus einer inneren Erkenntnis ableiten, religiös hingegen aus Schriften usw.
niefre44
Vielleicht solltest deine geschmackssache,als subjektive GewiisensInstanz ansehen,aber kommt aufs gleiche raus
Sonntagssoziologe
Die subjektive Gewissensinstanz kann mir aber verbieten, mich für meinen Geschmack zu entscheiden.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Sonntagssoziologe
Moralische Aussagen müssen sich wohl immer auf ein höheres Prinzip berufen. |
Sie müssen es genauso viel oder wenig wie andere Sätze auch...
Archibald
@ Sonntagssoziologe:
Zitat von dir:
Moralische Aussagen müssen sich wohl immer auf ein höheres Prinzip berufen.
Aha, und, dieses Prinzip ist denn wohl an eine Moral gekoppelt, die sich wiederum an einem NOCH HÖHEREN Prinzip orientiert...............
So kann es nicht weitergehen!
Sonntagssoziologe
Naja, ich wüßte nicht, wie eine moralische Aussage moralisch sein kann, wenn sie nicht an ein übergeordnetes Prinzip gekoppelt wäre. Moral bedeutet ja allgemeine Handlungskonvention. Eine allgemeine Konvention kann schlecht aus meinem Inneren herauskommen.
Archibald
@ Sonntagssoziologe:
Was ist den dann nuin "das höchste Prinzip der Moral" ?
Doch nicht gar eine "Metamoral" ?
Sonntagssoziologe
Keine Ahnung. Sowas gibt es vielleicht gar nicht. Moralische Konventionen entstehen meiner Meinung nach ungesteuert und ohne Anspruch auf Wahrheit. In jedem Falle kommen sie von außen, nicht von innen. Das wird schon dadurch deutlich, dass ein Argument: "Ich bin kein Verbrecher, ich habe bloß meine eigene Moral." gesellschaftlich nicht anerkannt wird. Moral, die nur aus einem selbst kommt, ist keine Moral, sondern eine Privathandlung. Moral ist nun mal per Definition eine sozial anerkannte Handlung. Wäre Moral etwas rein Privates, bräuchte man den Begriff gar nicht.
Archibald
@ Sonntagssoziologe:
Dann gäbe es, ganz genau genommen, ja gar keine Moral. Allerdings stellt sich die Frage, wie können wir eine Vorstellung von etwas haben, das es gar nicht gibt?
Wenn ich also nun z.B. sage:
Nemblaketa gibt es nicht; wie könntest du mir dann überhaupt zustimmen oder widersprechen, ohne eine Ahnung davon zu haben, was Nemblaketa ist oder aber sein soll?
Third
Moral ist ein Kulturgut. Es gibt in den verschiedenen Kulturgruppen und Zeitaltern einen Konsens darüber was sittlich ist und was nicht. Natürlich gibt es Grauzonen dort wo die Grenzen vom Sittlichen zum Unsittlichen überschritten werden. Es gibt also keine wahre Moral sondern eine Moral die in etwa vergleichbar ist mir der Mode die man trägt.
Grüße,
third.
Archibald
@ Third:
Auch ein willkürliches, nicht näher definierbartes "Kulturgut" ist nicht völlig definitionslos; es ist so:
Wenn ich sage, die Definition von X ist abhängig von dem, der sie definiert, und, ein "eigentliches x" gibt es gar nicht, dann ist diese Aussage unzulänglich, denn, sie würde auch für die Definition von "y" zutreffen, wobei y was ganz anderes als x ist.
Damit könnte man letztendlich immer sagen, "x" sei letztendlich dasselbe wie "y".
Third
x und y, so verschieden sie sein mögen, haben dennoch "etwas" gemein, das stimmt. Ich sage auch nicht dass keine moral wahr sein kann. Ich sage dass eine sogenannte "Die Moral" nicht wahr sein kann. Eine Moral kann nur für einen Menschen sobald er sich ihrer innerhalb einer Situation gewahr wird wahr sein; ja muss sogar genau dann wahr sein, weil sie durch das "gewahr werden" wahr wird. Ausserhalb dieser situation kann sie aber nicht wahr sein sondern bleibt höchstens eine modeerscheinung, in der es trends gibt, die bemerkbar sind, sich aber nicht festmachen lassen und dem frei denkenden Mensch auch keine Vorschrift sein können. Wahre Moral ist also einzigartig für einen Menschen in einer Situation aber völlig unabhängig von allen Gesetzen auch wenn manche Gesetze und Vorschriften gerne der Moral Herr wären. Aber jede Moral kann wahr sein. Nicht nur die "Guten".
Grüße,
Third.
Archibald
@ Third:
Dennoch gest du bei deinem Posting von einem möglichen "Wahrseinkönnen" einer Moral aus.
Was macht aber diese "Wahrheit" dieses "Wahrseins" deiner Meinung nach aus?
Ist die Moral "wahr", wenn die ihr zugrundeliegende Moralprämisse "richtig" ist?
Oder aber, ist sie "wahr", weil sich relative wahre Aussagen daraus ableiten lassen?
Ein Beispiel mit den Begriffen "gut" und "schlecht"; was gut oder schlecht ist, ist ersteinmal Geschmachsfrage, aber, relativiere ich die Aussagen, kann soetwas wie "gut" entstehen:
"Eine CD Rom ist BESSER zum Abspeichern großer Datenmengen als eine Diskette".
Objekltivitätskriterien hierbei sind z.B. die Speicherkapazität.
Wenn ich nun z.B. sage: "Sozialismus ist BESSER als Marktwirtschaft", dann fehlt das Bezugskriterium.
Third
Dann würde ich sagen es muss Instinkt sein was dir Handlung heiligt; Das aber ist paradox oder nicht? Immerhin kann ein naturgegebener Instinkt keine Moral sein, oder doch?
Überspitzt könnte man daraus ableiten dass der Mensch bestenfalls ein Tier ist. Alles Andere wäre eine Entfernung von dieser einzig wahren Moral: Dem Instinkt.
In diesem Fall aber wäre der Begriff "Moral" überflüssig, weil man auch direkt vom Instinkt sprechen könnte. Man braucht den Begriff dann schlichtweg nicht.... Er könnte auch abgeschafft werden wenn es so wäre
Grüße, third.
Archibald
| Zitat: |
Original von Third
Dann würde ich sagen es muss Instinkt sein was dir Handlung heiligt; Das aber ist paradox oder nicht? Immerhin kann ein naturgegebener Instinkt keine Moral sein, oder doch?
Grüße, third. |
Sobald eine Sache "geheiligt" wird, liegt diueser "Heiligung" schon eine Moral zugrunde; "Heiligsein" ist nämlich kein objektives Kriterium der Dinge, sondern, ein subjektives, es sei denn, man führt wieder diese Relativierung ein!
Steffen Herrmann
Wenn man sich vom Transzendentalen löst, findet man eine Schnittmenge. Sowohl die 'Wahrheit' als auch die 'Moral' hat einen bestimmten Geltungsrahmen. Kant sah das anders, aber sein Versuch, einen moralischen Satz wie 'Du sollst nicht stehlen' als für immer und überall gültig zu setzen, hat mich nicht überzeugen können. Auch die Wahrheit muss vom Absoluten abgelöst werden. Alles was zu einem erfolgreichen Handeln beiträgt, partizipiert an der Wahrheit. Der Unterschied des moralischen zum propositionalen Satz ist, dass bei ersterem das Subjekt nicht eine zwecksetzende Transzendenz sondern ein Bestandteil ist, die Moral überschreitet das Individuum zugunsten der Gattung. Also grob gesagt: Wenn du der Wahrheit nicht folgst, ist es nicht gut für dein Ziel (was immer es ist), wenn du der Moral nicht folgst, ist es nicht gut für die Menschheit. Die Sache liegt natürlich komplizierter, Einwände sind möglich (wer kann sie nennen), aber im Kern verhält es sich so.
Third
vielleicht existiert moral auch nur deswegen weil es ein wort bzw den namen dafür gibt. damit ist etwas gemeint, was eine behauptung ist. Gewisse Menschen haben behauptet was sittlich und was nich tsittlich sei. Seitdem gibt es Moral als Gegenstand einer Diskussion den man bejahen oder verneinen kann.
Ich glaube aber an keine Schnittmenge weil die Einzigartigkeit jeder Konstellation im Leben derart individuell ist, dass man zwar eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten treffen kann, nicht aber über den eintretenden Fall, der aber der Einzige interessante für den ist, der ihn erlebt.
Grüße, third.
Archibald
| Zitat: |
Original von Steffen Herrmann
.................................... Also grob gesagt: Wenn du der Wahrheit nicht folgst, ist es nicht gut für dein Ziel (was immer es ist), wenn du der Moral nicht folgst, ist es nicht gut für die Menschheit. Die Sache liegt natürlich komplizierter, Einwände sind möglich (wer kann sie nennen), aber im Kern verhält es sich so. |
In Ersterem gebe ich dir Recht, aber, im zweiten Teil des Satzes ist mir das Moralwort "gut" nicht gut genug definiert!
Mann könnte natürlich "Das Gute" als Verallgemeinerung von allen "für etwas gut" nehmen, in dem Sinne: "Für die Erreichung eines Zieles notwendig" (was ja auch denn eine wahre Aussage zulässt), aber, das "allgemeine Gute" unterstellt, soll es denn "wahr" sein, ein allgemein zu erreichendes Ziel, welches aus den Einzelzielen des "kleinen Gutseins" folgt.
Gerade aber das wage ich zu bezweifeln.
"Dem Schönen, Edlen, Guten"
steht vor dem Portal einer frankfurter Oper.
Würde man das nach deinem Prinzip vervollständigen, stünde dort:
"Dem Schönen, Edlen, Guten und, unter Berücksichtigung aller Interessen sorgfältig abgewägtem Demokratischen"
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