nikoweird
Macht uns Wohlstand glücklich?
Konfuzius sagte: Mit dem Wohlstand schwindet der Zusammenhalt. Daher ist Zusammenhalt wichtiger.
Also was bringt der Wohlstand und ist er wirklich so wichtig?
Sonntagssoziologe
Bei der aussage setzt Konfuzius schon voraus, dass Zusammenhalt wichtiger ist als Wohlstand. Wozu dient Zusammenhalt? Als Sebstzweck überzeugt er mich nicht.
Neo
Ich glaube man muß da unterscheiden zwischen individuellem und kollektivem Wohlstand.
Insgesamt haben Fortschritt und Wohlstand sehr große Vorteile und Erleichterungen gebracht. Leider nicht allen und hier liegt das Problem was den Zusammenhalt angeht.
Kollektiv gesehen erzeugt ungleich verteilter Wohlstand Neid, Hass und ist für den Zusammenhalt kontraproduktiv.
Man könnte es aber auch anders sehen und sagen, der Zusammenhalt ist die Basis dafür, dass der Wohlstand kollektiv ausgerichtet wird.
Wenn der Zusammenhalt krankt, kann es keinen Wohlstand geben, der allen gleich zugute kommt.
Schwierig. Die Frage nach dem Ei oder der Henne.
Individuell erzeugt Wohlstand zwar auch Erleichterung, aber er macht auf Dauer nicht glücklich, weil mit jeder Wunscherfüllung neue Wünsche und damit Unzufriedenheit mit dem erreichten entstehen.
Grüße
Kai
"Ja, Wohlstand hätten wir gern, anstatt,
dass uns am Ende der Wohlstand hat."
Wolf Biermann
Claudia
| Zitat: |
Original von nikoweird
Macht uns Wohlstand glücklich?
Konfuzius sagte: Mit dem Wohlstand schwindet der Zusammenhalt. Daher ist Zusammenhalt wichtiger.
Also was bringt der Wohlstand und ist er wirklich so wichtig? |
Ich glaube, es kommt drauf an, was man unter Wohlstand versteht.
Menschen neigen dazu, immer das gegebene als "normal" anzusehen und alles was darüber hinausgeht als "Wohlstand" zu betrachten.
Wer mehr Geld verdient vergleicht sich mit anderen die in derelben Gehaltsklasse liegen, läßt sich somit einen höheren Lebensstandard mit immensen Grunderhaltungslosten aufoktruieren und kommt mit seinem Geld kaum über die Runden.
Mit einem goldenen Löffel kann man auch nicht mehr als essen.
Ich glaube, dass es wichtig ist, genug zu besitzen, um seine Grundbedürfnisse abdecken zu können, und daß keine mittlere finazielle Katastrophe ausbricht weil z.B. die Waschmaschine kaputtgeht.
Alles was darüber hinausgeht (wozu brauche ich eine eigen Yacht, ein Flugzeug,....) halte ich für übertrieben und nicht unbedingt glücklich machend.
Ich glaube, daß Menschen in tatsächlicher Armut, die von einem Tag auf den nächsten leben, immer in der ungewissheit, ob sie genug Lebensmittel für ihre Familie auftreiben können, sehr, sehr glücklich sind, wenn sie unerwartete Hilfe (zur Selbsthilfe)erhalten, die sie dauerhaft von ihrer Armut befreit.
Wenn Wohlstand bedeutet, dass jeder mensch auf der Welt seine Grundbedürnisse abdecken und niemand mehr verhungern muss bzw. obdachlos ist, halte ich ihn durchaus für sehr erstrebenswert.
Dass mit dem Wohlstand der Zusammenhalt schwindet kann man immer wieder beobachten.
Es scheint fast so als würde Reichtum bzw. die extrem Konsumgüterorientierte Einstellung der westl.welt teilweise Egoismus ,Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht fördern. (wobei dasselbe auch in plötzlichen extremen Notsituationen, katastrophen usw. auftreten kann)
Allein unsere Wegwerfkultur (wegschmeissen ist häufig wesentl. billiger als reparieren) bewirkt mangelnde Sorgfalt mit de Dingen, mangelnden Respekt vor Rohstoffen und Ressourcen und eine mangelnde Sorgfalt im Umgang mit den Dingen und in weiterer Folge mit der Welt als Gesamtes.
Ich denk mir oft, dass es ich bei unsere Konsumgesellschaft um eine "Ersatzdroge" für mangelnde menschliche Wärme, Liebe und Zusammenhalt handelt.
Die meisten wirklich wichtigen Dinge (mit Ausnahme der Grundversorgung) kann man eben nicht mit geld kaufen...
carsten aus bochum
Hi nikoweird.
| Zitat: |
„Macht uns Wohlstand glücklich?
Konfuzius sagte: Mit dem Wohlstand schwindet der Zusammenhalt. Daher ist Zusammenhalt wichtiger.
Also was bringt der Wohlstand und ist er wirklich so wichtig?“ |
Das konfuzianische Weltbild ist völlig anders als unseres, aber meine Meinung ist, dass uns die sozialen und technischen Neuerungen die uns eine lange Zeit des Weges unserer menschlichen Entwicklung zufriedener machten, inzwisch inzwischen kaum noch zufriedener machen. Wir bessern überall nach, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, doch die Zufriedenheit stellt sich nicht mehr ein.
Ich glaube auf vielen Ebenen kann man sagen, dass wir am Überfluss zugrunde gehen.
Gruß,
Carsten
Tarvoc
| Zitat: |
Original von nikoweird
Konfuzius sagte: Mit dem Wohlstand schwindet der Zusammenhalt. Daher ist Zusammenhalt wichtiger. |
Konfuzius hätte vielleicht mal einen Logik-Kurs besuchen sollen.
nikoweird
Wir bessern überall nach, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, doch die Zufriedenheit stellt sich nicht mehr ein.
Ich glaube auf vielen Ebenen kann man sagen, dass wir am Überfluss zugrunde gehen.
Gruß,
Carsten[/quote]
ein annonymes Sprichwort(Indianer?) lautet:
,,der weiße Mann wird vor vollenTellern verhungern''
grüße
Kai
"Der weiße Mann wird vor vollen Tellern hungern."
So ist es jedenfalls bei mir, da ich ständig gegen meinen Bauch ankämpfe.
Dass Viele durch steigenden Wohlstand nicht glücklicher werden, spricht nicht gegen den Wohlstand, sondern gegen diese Vielen. Die haben ein subjektives Problem, in dem sie den Wohlstand, um den sie Milliarden andere Menschen beneiden, nicht zu schätzen wissen.
Shamatic
| Zitat: |
| Dass Viele durch steigenden Wohlstand nicht glücklicher werden, spricht nicht gegen den Wohlstand, sondern gegen diese Vielen. Die haben ein subjektives Problem, in dem sie den Wohlstand, um den sie Milliarden andere Menschen beneiden, nicht zu schätzen wissen. |
Dass es Menschen gibt, die unglücklich sind, obwohl sie genug zum Überleben haben, spricht nicht notwendig "gegen" diese Individuen, so als wären sie einfach individuell unfähig oder sowas. Es ist womöglich ein Indiz dafür, dass die herrschende Form des (materiellen) "Wohlstands" und ihr gesamter gesellschaftlicher Kontext selbst Mängel aufweist bzw. so strukturiert ist, dass eben Dinge wie Depressionen oder andere Probleme erscheinen.
Man kann zB mal fragen, wieso ist es eigentlich so, dass viele Menschen überhaupt garnicht den Reichtum
wertschätzen, den sie haben und sich mit ganz anderen (Schein-)Problemen beschäftigen ? Wieso ist das Bewusstsein überhaupt so strukturiert, dass es irgendwie "immer unzufrieden" ist ? Man kann natürlich immer alles auf individuelles Fehlversagen schieben, aber interessanter wären doch die sozialen Felder, in denen gewisse Identitäten und Bewusstseinsformen überhaupt erst gebildet werden...
ewig
| Zitat: |
Original von Kai
Dass Viele durch steigenden Wohlstand nicht glücklicher werden, spricht nicht gegen den Wohlstand, sondern gegen diese Vielen. Die haben ein subjektives Problem, in dem sie den Wohlstand, um den sie Milliarden andere Menschen beneiden, nicht zu schätzen wissen. |
Daß der "Wohlstand" auf dem Fundament weggerodeter Regenwälder und leergefischter Meere basiert, spricht sicher auch nicht gegen den "Wohlstand," sondern dafür, daß Regenwälder und Meere einfach zu klein sind, wenn sie sich so schnell wegroden und leerfischen lassen. Immerhin ist ja der "Wohlstand" bei der Mehrheit der Weltbevölkerung noch nicht einmal angekommen, da hätte uns der Mann mit Rauschebart (für die, die an ihn glauben) ruhig etwas größere Gefilde vermachen können.
| Zitat: |
Original von Shamatic
Man kann zB mal fragen, wieso ist es eigentlich so, dass viele Menschen überhaupt garnicht den Reichtum wertschätzen, den sie haben und sich mit ganz anderen (Schein-)Problemen beschäftigen ? Wieso ist das Bewusstsein überhaupt so strukturiert, dass es irgendwie "immer unzufrieden" ist ? Man kann natürlich immer alles auf individuelles Fehlversagen schieben, aber interessanter wären doch die sozialen Felder, in denen gewisse Identitäten und Bewusstseinsformen überhaupt erst gebildet werden... |
Das hat wenig mit sozialen Feldern und Bewußtseinsformen zu tun, sondern liegt daran, wie die Psyche ganz allgemein gestrickt ist. Was man hat und jeden Tag sieht, wird hedonisch nivelliert. Es ist nichts besonderes, denn es war gestern auch schon da. Was man haben möchte, und
noch nicht hat, das zu erringen erhöht die hedonische Tagesbilanz. Ein Fazit, das sich aus diesen Gegebenheiten ziehen läßt ist z.B. die Möglichkeit der Stabilisierung gesellschaftlicher Zustände auf einem deutlich niedrigeren ressourcen-intensiven Niveau, ohne daß dadurch die hedonische Bilanz Schaden nähme, auch wenn Kai oben wohl unter Wohlstand mindestens teilweise auch eine hohe Energiebilanz verstehen dürfte, wogegen ich sehr wettern muß.
Shamatic
@ewig: Irgendwie widersprichst du dir da. Natürlich hat es mit den gesellschaftlichen Kontexten zu tun, ich hab dazu einfach mal andere Termini benutzt: Soziales Feld und Bewusstseinsform. Das, was man jeden Tag sieht, ist ja nichts, was irgendwie abseits sozialer Interaktion stattfindet. Gut, du nennst es, "wie die Psyche allgemein gestrickt" ist, naja ok, aber die Psyche, wie auch immer sie "allgemein" gestrickt sein mag, ist immer gesellschaftlich vermittelt und deshalb ist ein Blick auf die (medial vermittelten) Diskurse beispielsweise über "Konsum" etc. nicht verkehrt. Ich weiß nicht woher der Gedanke stammt, evtl. Hegel, dass die Befriedigung eines Bedürfnisses, neue Bedürfnisse schafft ? Egal.. Aufjedenfall ist es einfach zu platt, wenn man das wie Kai macht. Man muss doch mal fragen, wie "der Konsum" in unserer gesellschaftsform so funktioniert und wie dieser zustande kommt, inklusive die diskurse, die diesen umgeben, stichwort "werbung", "marketing" etc.
Kai
| Zitat: |
| Original ewig: ... "Wohlstand" auf dem Fundament weggerodeter Regenwälder und leergefischter Meere ... |
Umweltzerstörung befürworte ich natürlich nicht. Ich bin aber im Gegensatz zu manchen Grünen der Auffassung, dass Massenwohlstand nicht notwendigerweise mit Umweltzerstörung einhergehen muss. Die Umweltzerstörung ist das Ergebnis von Kurzsichtigkeit, von kurzfristigen Profitdenken.
Was du über das Funktionieren der menschliche Psyche schreibst, da stimme ich dir zu. Ab einer gewissen Höhe des materiellen Lebensstandards ist Unzufriedenheit - jedenfalls mit seinem materiellen Leben - ein psychisches Problem.
Shamatic
| Zitat: |
Original von Kai
[...]Ab einer gewissen Höhe des materiellen Lebensstandards ist Unzufriedenheit - jedenfalls mit seinem materiellen Leben - ein psychisches Problem. |
Irgendwie macht der Satz so keinen Sinn, bzw verstehe ich ihn nicht. Außerdem wiederhole ich meine These nochmal: Ich denke nicht, dass es einfach an der Quantität des materiellen Wohlstands liegt, dass individuelle Probleme mit diesem entstehen, sondern an der
Qualität, Form und dem gesellschaftlichem Zusammenhang, in denen dieser materielle Reichtum produziert wird. Wie sieht es mit den Diskursen aus, die besagen, dass die materiellen Warenkörper "Ausdruck der Individualität" seien oder "Möglichkeiten sein Potential zu entfalten" etc. ?
Oder ein anderer Gedanke: Wenn ich jemandem der sein Leben lang nichts hatte und aus Verhältnissen stammt, die sich nicht mit denen von "hier" vergleichen lassen, all das Zeugs geben würde, was ich beispielsweise in meinem Zimmer habe, dann würde diese Person zunächst mit vielem erstma nichts anfangen können, weil viele Gegenstände nur Sinn in eben jenem Kontext machen, in denen ich gelebt habe. Ein Wecker, Computer, Fernseher, irgendwelche Zimmerverschmückungen, wäre alles zunächst "sinnlos". Anscheinend liegt es hier an der Form und Qualität der Gegenstände, dass sie zunächst nicht brauchbar sind. Der herrschende "Wohlstand" ist also kein neutrales Konzept, sondern Ausdruck einer spezifischen Lebensform innerhalb spezifische ökonomisch-politisch-kultureller Verhältnisse, die sich extrem schnell verändern aufgrund der ökonomischen Rationalität der Warenproduktion....
Archibald
@ Niko:
Was ist "Wohlstand", und, was ist "Zusammenhalt" ?
"Zusammenhalt" bezieht sich immer auf etwas; Auf WAS bitte?
"Wohlstand" wird am "Wohlbefinden" bemessen, wie bitteschön bemisst man dieses?
niefre44
Archibald.ich denke mal er meint mit wohlstand den Privaten Luxus,der ihn von der gesellschaft unabhängig macht.Genauso wie kapitalismus ,der gesellschaft schadet.Kann eignetlich nur in diesem zusammenhang gemeint sein.
Archibald
@ 44:
Ich fragte nach den Dingen, welche sich auf vergleichbarer Ebene befinden................
nikoweird
| Zitat: |
Original von Archibald
@ Niko:
Was ist "Wohlstand", und, was ist "Zusammenhalt" ?
"Zusammenhalt" bezieht sich immer auf etwas; Auf WAS bitte?
"Wohlstand" wird am "Wohlbefinden" bemessen, wie bitteschön bemisst man dieses? |
Zusammenhalt ist das Gegenteil von ,,Wegschau-Gesellschaft''.
Wohlstand misst man am BIP, also ist hauptsächlich materiell
Archibald
@ Niko:
Zum Zusammenhalt:
"Wegschauen" bemisst sich aber auch an irgendetwas; nun bin ich genauso schlau wie vorher!
Zum Wohlstand: "BIP" Soll wohl das "Inlandsssozialprodukt" sein, also, Geld!
Aber, der Wert des Geldes ist nur durch seinen Tauschwert gegeben (100.000 Milliarden Reichsmartk von 1928 kosten heute auf dem Flohmarkt 20 bis 50 Cent), und, "Tauschwert" ist nicht materiell, weil "Wert" selber immateriell ist!
nikoweird
Zitat von Archibald:
Zum Zusammenhalt:
"Wegschauen" bemisst sich aber auch an irgendetwas; nun bin ich genauso schlau wie vorher! (Zitatende)
ich verstehe dich nicht.
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