nikoweird
Unsere heutige Gesellschaft ist mobiler und schneller denn je. Macht uns das freier, besser, glücklicher? Wozu der ganze Aufwand? Warum gibt es überhaupt Mobilität? Was ist der Sinn?
ewig
| Zitat: |
Original von nikoweird
Was ist der Sinn? |
Daß wir alle flexibel sind für den Arbeitsmarkt™.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von ewig
| Zitat: |
Original von nikoweird
Was ist der Sinn? |
Daß wir alle flexibel sind für den Arbeitsmarkt™. |
Das ist nicht alles. Die Mobilität reißt auch natürliche Grenzen ein, sodass das kapitalistische Establishment immer mehr Kraft und Ressourcen aufwenden muss, um neue, künstliche Grenzen zu errichten, weil die kapitalistische Weltgesellschaft ohne eine Grenzziehung, die für ihre Eliten vorteilhaft bzw. profitabel ist und für den Rest nicht, nicht
als solche überlebensfähig wäre: Sie würde entweder untergehen oder sich in irgendwas anderes verwandeln, oder beides.
Libertad
| Zitat: |
| Warum gibt es überhaupt Mobilität? |
Diese Frage ist überhaupt beeindruckend.
nikoweird
Zitat von Tarvoc: ... um neue, künstliche Grenzen zu errichten, weil die kapitalistische Weltgesellschaft ohne eine Grenzziehung, die für ihre Eliten vorteilhaft bzw. profitabel ist und für den Rest nicht, nicht als solche überlebensfähig wäre
warum braucht die Gesellschaft eine Grenzziehung, um überlebensfähig zu sein??

Und das hat sie doch eben eigentlich garnicht mehr...es geht immer schneller, höher, weiter und so weiter....
Andragon
Hallo zusammen
Also ich finde die Frage sehr interessant.
Allerdings stellen sich individuelle Fragen, die ich konsequenterweise, aber doch ein wenig nachlässig zuerst behandlen muss.
Ich weiss natürlich, wie die einzelnen Bezeichnungen oder Namen gemeint sind, aber mir ergeben sich immer frische Ideen und Gedankengänge, wenn ich mir die mögliche Bedeutung durch den Kopf gehen lasse. Also nicht böse sein, wenn das ganze überspitzt wirkt.
Die Erste Frage ist, was Mobilität ist. Das wort kommt ja aus dem lateinischen „Mobilitas/Mobilitatis“ und bedeutet etwa so viel, wie Beweglichkeit. Mit Beweglichkeit können wir zweierlei meinen. Zum ersten die Fähigkeit sich schnell, oder überhaupt (fort) zu bewegen. Zum anderen aber auch die Dehnbarkeit. Wir sagen einer Person, die einen Spagat vollführen kann nach, dass sie beweglich ist. Ein Rollstuhlfahrer ist nicht so mobil im Vergleich zu einem anderen, gesunden Menschen. Und doch würden wir ihn beweglich nennen, wenn er mit seiner Zunge den Ellenbogen berühren könnte.
Es gibt bestimmt noch viele Interpretationen von Mobilität.
Theoretisch und sehr salopp können wir sagen, dass alles mobil ist, denn wir können alles Mögliche von A nach B bewegen. Einige Dinge sind schwerer als andere und es entsteht der Eindruck, dass es eine Skala der Mobilität erstellt werden sollte.
Heute verstehen wir unter Mobilität die potentielle oder tatsächliche Fähigkeit von etwas, sich schnell von einem Ort zum anderen zu begeben. Auch da gibt es verschiedene „Grade“, die wohl äquivalent zur benötigten Zeit, bzw. Geschwindigkeit sind.
Die Schnelligkeit dieser Mobilität hängt von den Hilfsmitteln ab, aber zum Teil auch von sich selbst. Der Mensch z.B kann selbst bestimmen, ob er nun schnell laufen, oder spazieren will.
Eine frage war ja, weshalb es Mobilität gibt. Diese frage vermag ich nicht mit reinem Gewissen einfach so zu beantworten, denn woher wollen wir denn wissen, dass es Mobilität überhaupt gibt? (An dieser Stelle nehmen wir einfach einmal an, dass es sie gibt. Ich verweise aber auf Achilles und seine Schildkröte).
Wenn unser Herz immobil (vgl. Immobilie) wäre, dann würde es keine (Dehn/Expansions- und Kontraktions) Bewegungen ausführen. Das Blut könnte sich nicht (fort-) bewegen. In diesem Sinne könnten wir also davon ausgehen, dass Mobilität eine Notwendigkeit unserer „Existenz“ ist. Die Sinnfrage lasse ich jetzt aussenweg.
Es gibt also kontraktions-, expansions-, und Weggerichtete Mobilität und warscheinlich noch viel mehr.
Wenn wir ein Mobiltelefon bei uns tragen, sagt man uns nach, dass man aufgrund dieses Geräts mobil ist, denn einerseits können wir gehen, wohin wir wollen und sind dabei in der Lage andere Menschen zu erreichen. Dieses gerät mobilisiert sozusagen unsere Kommunikation, aber nicht primär die Geschwindigkeit unserer Fortbewegung bzw. nur die Fortbewegung unserer Worte und Gedanken.
Das interessante ist aber andererseits auch, dass nun andere ebenfalls mobiler werden, zumindest in der Beziehung zum Mobiltelefonträger, denn sie können ihn erreichen, egal wo er gerade ist.
Die grosse Frage ist natürlich, ob das nun positiv ist.
In dieser Form der Mobilität z.B verändern sich soziale Gefüge. Das Gerät hat auch einen Einfluss auf den Tragenden usw. Man müsste hier eine Kosten- Nutzen Abwägung machen und beobachtungen aus dem Sozialverhalten hinzuziehen. Brauchen wir so etwas wirklich? Lohnt sich diese Form der Mobilität, auch wenn es im geringsten Masse negative Auswirkungen geben könnte?
Ich würde hier sagen, dass die Vernetzungen Abhängigkeiten und Verfügbarkeitsansprüche schafft, die sich negativ auf die Freiheit auswirken kann.
Bei der Mobilität im Sinne der Fortbewegung mit der Bahn usw. haben wir einerseits die positive Freiheit etwas zu tun. Wir können in die Ferien reisen. Der hohe Grad der Mobilität erlaubt es uns mit einem Flugzeug innerhalb von 24 Stunden jeden Punkt der Erde zu erreichen. Wir sind sogar in der Lage auf den Mond zu reisen. Diese Mobilität ist doch schön. Der Negative Aspekt ist, dass vielleicht andere darunter leiden. Die Umwelt aufgrund der Abgase und das Destinationsland wegen den sozialen und kulturellen Folgen. Beispiele hierzu gibt es zu genüge.
Die Frage, ob wir uns von der Mobilität befreien können (negative Freiheit) ist eine andere. Wenn wir an unser Herz denken, dann müssen wir wohl einsehen, dass wir hier einem Zwang unterliegen.
Daran wird sich wohl auch niemand stören.
Was ist aber mit der Mobilität im Alltag? Wenn wir zur Arbeit oder zum Studium fahren müssen?
Können wir hier immer noch wählen, ob wir zu Fuss gehen, oder den Zug nehmen müssen? Wird vorausgesetzt, dass man mit dem Auto zur Arbeit kommt? Unterliegen wir hier nicht einem Zwang?
Warum nun der ganze Aufwand? Weil es Vorteile bringt. Mobil zu sein ist bequem und bringt viele, vor allem kurzfristige Vorteile.
Schon die alten Römerstrassen erlaubten es der Armee schnell an einem Kriegsschauplatz zu sein. Die schnellen Meldereiter ermöglichten eine schnelle Kommunikation, die über Sieg und niederlage entscheiden konnte.
Heute werden Miliardenbeträge von A nach B verschoben. Die Nachrichten berichten nach wenigen Sekunden von einem Erdbeben am anderen Ende des Globus.
Sicherlich gibt es viele positive Eigenschaften der Mobilität, aber wie beim Herzschlag, so denke ich, ist es ratsam das richtige Mass zu halten. Was wollen wir mit so viel Information? Mit so wenig eigener Bewegung?
Ob uns das Glücklicher macht? Sofern ich den Philosophen richtig verstanden habe, ist Glück ein Zustand der Seele und meint damit nicht das Glück des Zufalls. (Wir wollen nun auch beiden Formen der Eudaimonia beiseite lassen, wobei Zufall keiner von beiden ist).
Jetzt müssten wir definieren, was Glück wirklich ist.
Ich würde zwischen kurzfristiger Befridigung und dem „Phasenglück“ unterscheiden, zwischen Qualität und Quantität, dem kurzfristig subjektiven und dem langfristig „objektiven“.
Wenn wir schnell in den Ferien nach Costa Rica fliegen können, dann bringt uns das kurzfristig Entspannung, Spass, Freude und Befriedigung, die ich als kurzfristiges Glück interpretieren würde.
Subjektiv würde ich behaupten, dass das langfristige Glück eher davon profitieren könnte, wenn sowohl die Mobilität als positive als auch negative Freiheit beiseite gelegt werden kann. Metaphorisch gesprochen ist der Weg ist das Ziel und durch die Beschleunigung der Mobilität verlieren wir das Interesse am Weg, bzw den Bezug zum wichtigen.
Ich könnte das auch noch weiter ausführen, wenn das gewünscht wird. Ich hoffe, ich konnte einige Ideen beisteuern und wünsche einen schönen Abend
Andragon
Kai
Die Mobilität war ursprünglich die Fähigkeit der Urzelle sich im Urozean frei zu bewegen, um an verschiedenen Stellen ihren Stoffwechsel zu tätigen. Einige Lebewesen sind nicht mobil und können nur die Stoffe aufnehmen, die zufällig vorbeikommen. (Pflanzen) Rollstuhlfahrer sind weniger mobil als andere Menschen und bedauern dies in der Regel. Ein Häuschen und eine Heimat zu haben, ist eine schöne Sache. Und wenn jemand sagt, du musst das aufgeben und 500 km entfernt eine Arbeitstelle antreten, ist dies inhuman. Aber wer möchte seine Reisefreiheit aufgeben? Also, wie so oft im Leben hat es sein für und wider, muss ein Mittelweg gefunden werden.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von nikoweird
warum braucht die Gesellschaft eine Grenzziehung, um überlebensfähig zu sein?? |
Weil unsere gegenwärtige Weltgesellschaft durch ihre Ungleichheiten strukturell konstituiert ist. Bezweifeln kann man, dass das für
jede Art von Gesellschaft gelten muss, aber für die gegenwärtige gilt es.
Steffen Herrmann
Warum gibt es überhaupt Mobilität?
Das ist vordergründig leicht zu beantworten. Der Mensch zieht den Ressourcen hinterher wie jedes andere Lebewesen. Schon die meisten Vögel wechseln im Winter ihr Quartier.
Die sich ergebenden Fragen wären zum Beispiel:
- Was sind das für Ressourcen, die uns zur Mobilität bringen (verführen?)
- Kann man sich der Mobilität überhaupt entziehen? Welches sind die Strategien der Immobiltät? Der Hartz-Vier mit fünf Büchsen Bier am Tag und Endlos-Soaps? Der Bauer auf seiner Alm, der subventioniert werden muss, damit er überleben kann? Der Aussteiger in einem senegalesischen Dorf, der nach ein paar Jahren zurückkommt, weil er pleite ist?
Libertad
| Zitat: |
| Warum gibt es überhaupt Mobilität? |
Das wird offenbar ernstlich rezipiert.
Flora und Fauna bilden voneinander unterschiedliche und gegenseitig abhängige Merkmale der Mobilität heraus. Die Funktion des Menschen innerhalb seiner Umwelt hat sich durch die Entwicklung der Landwirtschaft im Laufe der Zeit verändert, sodass wir heute unter anderem in der Lage sind, die Vor- und Nachteile der Vielfalt unserer Mobilität zu diskutieren.
Unter den Aspekten der sozialen Mobilität:
Welche Gemeinsamkeiten haben Schubkarre und Rohrpost?