Sezuan
Da ich ein großer Verehrer dieses Philosophen bin und ich gerade einen interessanten Text von ihm lese, wollte ich euch die Leseprobe nicht vorenthalten. Der Inhalt erscheint mir als zu bedeutend. Außerdem möchte ich die Giordano-Bruno Stiftung - mit der ich mich hier öffentlich solidarisiere - unterstützen.
"Unter der Perspektive des „vernetzten Wissen“ wird deutlich, dass Biologismus und Kulturismus einander verstärkende Wahrnehmungsverzerrungen sind. Beide leiden unter dem gleichen Defizit, nämlich einer weitgehenden Ignoranz gegenüber der unaufhebbaren Verwobenheit von Natur und Kultur." Schmidt-Salomon skizziert in seinem Essay die Geschichte der Evolutionstheorie vom frühen Lamarckismus hin zur modernen Soziobiologie und zeigt auf, dass diese Entwicklung prinzipiell den Weg zu einer „Einheit des Wissens“ geebnet hat. Allerdings: Damit der angestrebte „transdisziplinäre Brückenbau“ gelingen kann, müssen „biologistische und kulturistische Sackgassen“ gemieden werden. Wichtig ist dabei vor allem die Überwindung „naturalistischer“ sowie „kulturistischer Fehlschlüsse“, deren verheerende theoretische wie praktische Konsequenzen (Sozialdarwinismus, Rassismus, „DNA-Fundamentalismus“, Kollektivismus, Dogmatismus etc.) nicht unterschätzt werden sollten.
Auszug aus dem 3. Kapitel "Jenseits von Biologismus und Kulturismus" In der Tat scheint die Zeit gekommen zu sein, in der es möglich sein sollte, den tiefen Graben zu überwinden, der zwischen den Naturwissenschaften einerseits und den Geistes- und Sozialwissenschaften andererseits entstanden ist. Durch die in den letzten Jahren vorangetriebene wissenschaftliche Entzauberung des Körper-Geist-Dualismus ist die entscheidende Barriere, die die Vereinheitlichung des Wissens traditionell behinderte, bereits aus dem Weg geräumt. Was nun ansteht (und was beispielsweise auf dem Gebiet der Hirn- und Bewusstseinsforschung schon heute vorbildlich praktiziert wird), ist der Versuch eines gemeinsamen Brückenbaus über den Graben hinweg, an dem sich nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Sozial- und Geisteswissenschaftler mit ihrem jeweils spezifischen Know-how beteiligen sollten.
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"Unter der Perspektive des „vernetzten Wissen“ wird deutlich, dass Biologismus und Kulturismus einander verstärkende Wahrnehmungsverzerrungen sind. Beide leiden unter dem gleichen Defizit, nämlich einer weitgehenden Ignoranz gegenüber der unaufhebbaren Verwobenheit von Natur und Kultur." Schmidt-Salomon skizziert in seinem Essay die Geschichte der Evolutionstheorie vom frühen Lamarckismus hin zur modernen Soziobiologie und zeigt auf, dass diese Entwicklung prinzipiell den Weg zu einer „Einheit des Wissens“ geebnet hat. Allerdings: Damit der angestrebte „transdisziplinäre Brückenbau“ gelingen kann, müssen „biologistische und kulturistische Sackgassen“ gemieden werden. Wichtig ist dabei vor allem die Überwindung „naturalistischer“ sowie „kulturistischer Fehlschlüsse“, deren verheerende theoretische wie praktische Konsequenzen (Sozialdarwinismus, Rassismus, „DNA-Fundamentalismus“, Kollektivismus, Dogmatismus etc.) nicht unterschätzt werden sollten.
Auszug aus dem 3. Kapitel "Jenseits von Biologismus und Kulturismus" In der Tat scheint die Zeit gekommen zu sein, in der es möglich sein sollte, den tiefen Graben zu überwinden, der zwischen den Naturwissenschaften einerseits und den Geistes- und Sozialwissenschaften andererseits entstanden ist. Durch die in den letzten Jahren vorangetriebene wissenschaftliche Entzauberung des Körper-Geist-Dualismus ist die entscheidende Barriere, die die Vereinheitlichung des Wissens traditionell behinderte, bereits aus dem Weg geräumt. Was nun ansteht (und was beispielsweise auf dem Gebiet der Hirn- und Bewusstseinsforschung schon heute vorbildlich praktiziert wird), ist der Versuch eines gemeinsamen Brückenbaus über den Graben hinweg, an dem sich nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Sozial- und Geisteswissenschaftler mit ihrem jeweils spezifischen Know-how beteiligen sollten.
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