Treue

Steffen Herrmann
Es scheint, dass wir noch nicht viel weitergekommen sind.
Tatsächlich verwirrt mich die Verbindung von Treue und Sexualität. Das erscheint mir in ursprünglicher Hinsicht durchaus nicht notwendig. Warum also diese Verquickung? Wegen der Lust? Wegen der Nähe, die eine ausschliessende Wirkung haben kann?
Prinzipiell scheint mit mir ein entsexualisierter Treuebegriff möglich, und der ist uns aus der Geschichte auch überkommen, hatte seinen Höhenpunkt im Mittelalter (von der Treue zum Führer rede ich lieber nicht). Interessanterweise ist die Treue im Rittertum nicht nur (neben
der Tapferkeit) ein zentraler Wert, sondern beide Arten der Treue bestehen hier unbekümmert nebeneinander und sind in ihrem Inneren nahezu ungeschieden: Die Treue zum König und die Treue zur schönen Frau.
Ich denke, dass duie Treue im tieferen Sinne etwas mit Wahrhaftigkeit zu tun hat. Dem Anderen treu zu sein, heisst, nicht auf seinen Schein zu reagieren, sondern sich für ihn offenzuhalten, für ihn ansprechbar zu sein. Die Untreue ist mit einem Verdunkeln des Gesichtes verbunden, das
zu einer Maske werden kann. Ich denke, was Levinas über das Antlitz schreibt, kommt der Treue recht nahe.
Libertad
Zitat:
Original von Steffen Hermann
Es gibt in der Sexualmoral zwei Imperative[...]

Das Thema startet damit... Mal rein hypothetisch, wenn man Stanley Kubrick's Film '2001: Odysee im Weltraum' hinzuzieht: seitdem ein Gruppe der Affen den Stock in die Hand genommen hat, wurde soooo viel an dem Treuebegriff zwischenzeitlich nicht verändert.

Zitat:
Orignial von theophanu
Ob Treue ein Imperativ sein kann, hängt davon ab, ob uns dieser Wert a priori gegeben ist. Das wäre die einzige philsophische Reflexion, die mir hierzu einfallen würde. Haben wir Ethik, haben wir moralische Werte in uns, weil "ex nihilo" nichts entsteht?

Wenn man den Begriff des Urvertrauens einführt und die Möglichkeit des Mangels berücksichtigt, dann kann auch kein Imperativ der Treue gebildet werden. Treue ist vielleicht der eine dynamsische Wert...
niefre44
Theophanau.was glaubst du was einen soldaten,früher oder heute dazu bewegt an der seite seiner kameraden zu steben,oder z.b für einen führer in den tod zu gehen.das ist alleine mit dem verstand nicht zu meistern,sondern es sind homoerotische energien ,die sublimiert sind und keine direkt abfuhr brauchen.Man kann das auch bei z.b künstlern sehen,am meisten sind die sadistischen starken ,bad boys,amoralischen Männer die die am meisten imponieren,und man unterwirft sich ,wie ein weib sozusagen ,dem imponierer
theophanu
@ reinhard

Sokrates und seine Xanthippe: Vielleicht war seine konsequente Einwilligung in den Tod reiner Eskapismus? Feiger Hund! Zwinker

Durch Ererbtes und Erlerntes ist jedem Menschen nur ein gewisser Spielraum eigen. Wenn die, die ein Martyrium in der Partnerschaft aushalten, dem nicht entfliehen, dann gibt es darin irgend etwas, was sie mehr befriedigt, als ihre "Freiheit".

Ob sich ein Treuloser selbst schadet, hängt davon ab, ob er unter seinem Verhalten (wider besseres Wissen und Gewissen) leidet oder ob er sich selbst gerade darin findet. Und alle Varianten dazwischen.
Ebenso kann es sein, daß ein Treuloser dem bisherigen Partner siganilieren wollte: Du bist nicht der, mit dem ich mein Leben auf Dauer teilen will, was irgendwann durch eine neue Partnerwahl bestätigt wird, in der "Fesseln" gerne getragen werden und Treue selbstverständlich ist.

Wenn ich auf die vielen Gespräche zurückblicke, die ich zumeist mit Frauen über Partnerschaftsprobleme geführt habe, war eines immer: Männer nehmen Warnzeichen der Frauen nicht ernst. Manchmal so lange nicht, bis die Frau schließlich schweigt und dann handelt. Wird der Mann schließlich wach, weil er die handfesten Konsequenzen nicht mehr ignorieren kann, ist es zu spät, weil die Frau keine Liebe mehr spürt.

Weil der Mensch aber gerade an Leid wachsen kann, besteht kein Grund, sich bis ans Ende seines Lebens zu grämen, sondern vielmehr daran das Positive der Erfahrung, der Reifung anzunehmen und in einer neuen Partnerschaft das eigene Phlegma gut im Auge zu behalten. Das so sehen zu können, erfordert Durchleiden und Abschließen der auch mal schön gewesenen Zeit mit unendlich viel Geduld zu sich selbst.


@ steffen

Ursprünglich hat es in unserer Entstehungsgeschichte keine Verquickung von Sex und Treue gegeben. Jede Höhlenfrau war für jeden Höhlenmann verfügbar.
Erst viel später, als man sich darüber bewußt geworden war, daß die Zeugung eines Kindes kein gruppendynamischer Vorgang, sondern die singuläre Zeugung zur Ursache hatte, wird es zu monogamen Verbindungen gekommen sein, die evolutionär von Vorteil gewesen sind. Ab da an (vielleicht mit Beginn der Sesshaftigkeit) wird es zu einer sehr engen Verbindung zur Brut (weil eigene) und der Brutmutter gekommen sein mit der Folge: Diese Frau und ihre Brut gehören mir.

Ent-sexualisierter Treuebegriff im Mittelalter:
Rittertum: Die Lehnspyramide war ein ausgefeiltes Schutz- und Trutzbündnis mit klaren Treuevorstellungen, die bei Verstößen hart sanktioniert wurden.
Minne: Um jetzt nicht Seiten zu schreiben, nur kurz: Eleonore von Aquitanien, durchdrungen von der im Orient beheimateten Minneidee, hat tatsächlich eine unglaubliche Kultivierung der rauhen Gesellen angestoßen, darunter eben auch das Verfassen von Minne-Lyrik mit dem Ideal der Hohen Minne: Eine hohe, verheiratete, also insgesamt unerreichbare Dame anzubeten und ihr bedingungslos und keusch zu Diensten zu sein. *schmacht*
Dazu "Moritz von Craûn", meine Lieblingsgeschichte:
Ein wackerer Ritter nimmt alle Mühen und Kosten für seine Herrin auf sich. Sie verspricht, ihm "angemessen" dafür zu danken. Als er nun den versprochenen Lohn einfordert, versucht sie, sich seiner Lästigkeit zu entziehen. Das versucht sie solange, bis ihm der Kamm und noch ein Teil schwillt und er sie in Anwesenheit ihres ohnmächtigen Gatten flachlegt. Es kommt wie in 30-Cent-Heftchen: Sie verliebt sich in ihn, er aber ordnet nur seinen Harnisch und reitet von dannen. In Tränen aufgelöst blickt sie ihm von den Zinnen aus nach. Welche Schmach! Nicht, weil er sie genommen hat, sondern weil er sie links liegen läßt....

Du wirst die vielen "Tagelieder" kennen, in denen die hohen Damen einen Vogelkäfig zwecks "der nächste bitte" ins Fenster stellten, und auch die Sinnenfreudigkeit in den Badehäusern, die "carmina burana" und vieles mehr. Und alles das trotz kirchlichem Dogma!
Also MA und besondere Treue? Naja!

Was nun? Hat Treue etwas mit "Wahrhaftigkeit zu tun?
Zumindest ist sie etwas, was uns alle mal durch Liebe, mal durch Mitleid, mal durch Freundschaft miteinander verbindet.
Und schließt Treue in der Partnerschaft Sex mit ein? JA! Siehe auch Darstellung von Rebecca. "Ich will dich mit Haut und Haaren und allem, was darunter ist"
Ein Seitensprung bietet immer auch die Möglichkeit, sich neu zu verlieben. Und das passiert am einfachsten über ein wunderschönes, sexuelles Erleben, das ein gemeinsames Leben auf Wolke rosa vorgaukelt, was oft genug ein fataler Irrtum ist -
nur: Der Natur ist es Wurscht. Sie versucht immer und auf allen Wegen einzig die Art zu erhalten.
Und hierzu:


@ libertad:

Genau das ist die Frage: Wäre uns Treue implantiert, gäbe es keine "illegalen" Wege der Sexualität. Auf den ersten Blick erscheint der einzige Sinn unseres Daseins darin zu liegen, uns zu vermehren. Und auf den zweiten und dritten? Wenn wir im Sinne eines dynamischen Prozesses diese Welt nun mitgestalten - auch mit unserer Ethik?


@ niefre44

Höchst interessant, was Du schreibst. Und es scheint zu stimmen, was Du über die Griechen sagtest: Motivation war wohl, daß sich der Geliebte vor dem Geliebten während einer Schlacht nicht als feige entblößte. Wenn Du hierzu Details hättest, wäre ich Dir dankbar.
Und so scheint es gar nicht abwegig, daß tatsächlich homoerotische Energien sublimiert werden, wenn Männer bedingungslos treu einem charismatischen Führer folgen.
Und: Was schlußfolgerst Du daraus über Treue/Sex? Daß sie unzertrennlich sind?


Bis dann - und bleibt vor allem Euch selbst treu smile Theo
Quirm
Zitat:

was glaubst du was einen soldaten,früher oder heute dazu bewegt an der seite seiner kameraden zu steben,oder z.b für einen führer in den tod zu gehen.das ist alleine mit dem verstand nicht zu meistern,sondern es sind homoerotische energien ,die sublimiert sind und keine direkt abfuhr brauchen



Ganz recht. Die ersten Berserker der menschlichen Geschichte sind durch diese homoerotischen Energien hervor gegangen.
Stellt man sich die Urgesellschaft vor, soweit wir dies heute sagen können, so fand das Leben in Sippen statt.
Hier muss es einen Kern und einen Rand der Sippe gegeben haben, wobei der Kern nicht zum kämpfen wie der Rand nichts mit der Kinderzucht zu tun hatte. Nur in Extremfällen kam es zur Vermischung beider Gruppen- hier liegt der Urgedanke der Berufsarmee.

Dabei ist zu bemerken, dass der allgemeine Trieb des Mannes, wird er nicht befriedigt, sich aufstaut und früher oder später in einem Gewaltexzess mündet. Weiter kommt hinzu, dass die Randständigen der Sippe nichts zu verlieren hatten, wenn der Bruder im Kampfe gefallen war. Denn Frau und Kinder gab es für die ja nicht, so war der Kampfbruder der ihm nächste.
Stauten sich nun die Energien auf und der „Partner“ wurde im Kampf getötet, so gab es für den frühen Berserker keinen Grund mehr, sich oder seine Kräfte zurück zu halten.

Noch im 20.Jhr. war es so, dass die Männer in einer Armee von den Frauen separiert wurden und dass möglichst früh, so dass keine Frau und keine Kinder anhängig waren um genau diesen Berserker-Effekt zu erreichen.
Sollten wider Erwarten die Berserker gesiegt haben, so wurde im allgemeine mit einer Vergewaltigungsorgie für eine entsprechende Trieb/Energie Abfuhr gesorgt, welche die Oberbefehlshaber wohlweißlich freigaben.
theophanu
Hallo Quirm,

interessanter Beitrag! Und absolut nachvollziehbar.

Zitat:
Noch im 20.Jhr. war es so, dass die Männer in einer Armee von den Frauen separiert wurden und dass möglichst früh, so dass keine Frau und keine Kinder anhängig waren um genau diesen Berserker-Effekt zu erreichen.
Sollten wider Erwarten die Berserker gesiegt haben, so wurde im allgemeine mit einer Vergewaltigungsorgie für eine entsprechende Trieb/Energie Abfuhr gesorgt, welche die Oberbefehlshaber wohlweißlich freigaben.


Das hätte man sehr ähnlich über die Spartakiaten schreiben können. Auch ihnen überließ man ab und an (eigene) Bergvölker zum Triebablassen.

Und wenn Du nun auf das Thema blickst: Was ist Deine Meinung zu Treue und Sexualität?

Gruß, Theo
Quirm
Meine Ansicht zur Treue ?!
Differenziert, würde ich sagen.

Geschichtlich ist es doch so, dass die Treue einen gewissen Sinn nicht entbehren konnte.

Nimmt man einmal an, dass Geld für Energie steht; soll hießen dass wenn ich eine bestimmte Kraft in eine Sache investiere ich diese in Form von Geld zurück bekomme, so dass ich von dieser Energie mir etwas leisten kann, für was ich die Kraft nicht investiert hatte.
(Bsp. Ich baue Kartoffeln an, verkaufe davon den von mir nicht benötigten Teil um mir eine Hacke zu kaufen, womit ich beim Unkraut jäten eine Zeitersparnis habe, und somit mehr Kartoffeln anbauen kann)

Bin ich nun in der Lage, genug Energie aufzubringen mehr um mehr als eine Frau mit genügend Nahrung zu versorgen (falls diese sich nicht wie heute üblich selbst versorgen kann), warum sollte ich dies nicht tun ?
Allerdings war es vor nicht allzu langer Zeit ja so, dass die Energie, welche ein Mann aufbringen konnte um dauerhaft sich und seinen Familie zu versorgen begrenzt. Somit war die Begrenzung durchaus sinnvoll, denn wer kam für den Nachwuchs auf, wenn die Frau von dem Mann nicht mehr ernährt wurde, oder woher nahm die Frau das Nötigste ?

Heute ist es ja so, dass der Nachwuchs mehr oder weniger planbar ist., auch sind die Einkommen Einzelner nicht mehr so begrenzt wie es zu vormaligen Zeiten war, so wäre ja, falls die Versorgungsfrage wegfällt die der Treue doch wohl obsolet, oder ?

Natürlich muss hier auch der gesundheitliche Standart mich betrachtet werden, hier sollte man freilich nicht für die Verbreitung etwaiger Krankheiten sorge tragen, sondern auch und vor allem zu dem Schutz des Partners beitragen. Aber hierfür gibt es ja auch mehr als fähige Mittel in der heutigen Zeit.
Werden also beide Punkte außer Frage gestellt (Versorgung Partner und des Nachwuchses, wie auch die Gesundheit) so ist die Treue meiner Ansicht nach ein überholtes Konzept.
theophanu
@ quirm

Zitat:


Heute ist es ja so, dass der Nachwuchs mehr oder weniger planbar ist., auch sind die Einkommen Einzelner nicht mehr so begrenzt wie es zu vormaligen Zeiten war, so wäre ja, falls die Versorgungsfrage wegfällt die der Treue doch wohl obsolet, oder ?

Werden also beide Punkte außer Frage gestellt (Versorgung Partner und des Nachwuchses, wie auch die Gesundheit) so ist die Treue meiner Ansicht nach ein überholtes Konzept.


Sollen wir uns wiedersprechen, wenn alles in Deinem Leben wie geplant eintritt und Du von Deiner Partnerin, Mutter Deiner Kinder, betrogen wirst? Und Du im schlimmsten Fall nicht mehr sicher sein kannst, daß die Kinder wirklich von Dir sind?
Das ist ja genau das Dilemma: Verstand versus Gefühl. Mit dem Verstand hast Du vieles theoretisch sicher in der Hand - bis Dir Gefühle einen verdammt dicken Strich durch die Rechnung machen. Sowohl positiv, als auch negativ....
niefre44
theophanau.ich habe noch nir behauptet das sie zertrennlich sind,sondern das die treue in der sublimierung liegt und nicht in einem moralischen bestandteil.
es geht auch nicht um die feigheit,eine mutter rettet ihr kind auch nicht weil sie sonst bei ihm als feigheit dasteht sondern aus einer Verbindung,einem Instinkt,der nichts mit denken oder verstand zu tun hat.
Quirm.kann man leicht nachvollziehen,darfst aber die treue und Loyalität im eigenen Staate nicht vergessen die stärker dadurch geworden ist.Und die disziplin die auch dazu beiträgt.
Quirm
Zitat:
Original von theophanu

Sollen wir uns wiedersprechen, wenn alles in Deinem Leben wie geplant eintritt und Du von Deiner Partnerin, Mutter Deiner Kinder, betrogen wirst? Und Du im schlimmsten Fall nicht mehr sicher sein kannst, daß die Kinder wirklich von Dir sind?
Das ist ja genau das Dilemma: Verstand versus Gefühl. Mit dem Verstand hast Du vieles theoretisch sicher in der Hand - bis Dir Gefühle einen verdammt dicken Strich durch die Rechnung machen. Sowohl positiv, als auch negativ....


Der Punkt ist doch, für welches Konzept man sich entscheidet.

Wenn ich mich für das Konzept der Treue auch wider dem Verstand entscheide und der Partner dies genau so sieht, so sollte man doch nicht davon ausgehen, dass der Partner oder man selber mittendrin mal auf die Idee kommt, vor allem ohne die andere Seite informiert zu haben, das Konzept zu verwerfen. (Konzepttreue, diese ist keineswegs überholt; )

Sollte es dazu kommen, oder gekommen sein, so war das Konzept von Anfang an nicht geeignet und man verlagt mit Recht Schadensersatz für die arglistige Täuschung.
Lithrian
Zitat:
Original von Steffen Herrmann
[...], sondern beide Arten der Treue bestehen hier unbekümmert nebeneinander und sind in ihrem Inneren nahezu ungeschieden: Die Treue zum König und die Treue zur schönen Frau.


Sehe ich anders. In jedem Artus-Roman birgt die Liebe zu einer Frau und die damit verbundenen Pflichten die Gefahr der Vernachlässigung der ritterlichen Pflichten [vgl. z.B. Hartmann von Aua, Iwein oder Erec].

Minne hat nichts mit Partnertreue zu tun, weil es keine Partnerschaft gibt. Es ist ein unindividuelles Machtverhältnis, eine unbeantwortete Unterordnung, eine Dienerschaft. Treu sind sie nur ihrer eigenen sozialen Rolle. Aber natürlich hat es was mit Begehren und Sexualität zu tun.
Und sie war nicht bedingungslos. Warum schmachtest du, theophanu? :-P

Ich weiß nicht, ob ich soweit gehen würde, Treue als überholt anzusehen. Ich glaube, dass es schwierig ist, das Konzept richtig für eine Beziehung zu individualisieren. Oft nur durch Zwang, Einschränkung etc. durchgesetzt. Das Problem bei der Konzeptfrage ist ja, dass jemanden kennenlernt und nicht die Kompatibilität der Konzepte analysiert, sich deshalb im Laufe einer Beziehung meistens auf die gesellschaftlich akzeptierte Variante, also meistens auf die traditionell treue Variante, "eininigt"... Und das in praktisch jeder Zwischenstufe...
Sonntagssoziologe
Nach Georg Simmel ist Treue das, was eine Beziehung aufrecht erhält, wenn die Gründe, weswegen die Beziehung zustandekam, nicht mehr vorhanden sind. Weiterhin ist Treue nicht das Interesse an einer Person, sondern das Interesse an der Beziehung als solche. Insofern könnte man fremdgehen, solange man es heimlich tut, also die Beziehung nicht aufs Spiel setzen will, solange ist man treu. Da man ja an der Beziehung weiterhin interessiert ist. Untreu würde man, wenn man offen sagt: "Schatz, ich gehe eben mal zur Nachbarin ins Bett, wenn dir das nicht paßt, dann geh."
theophanu
@ niefre44

Ich bitte doch darum, meine Beiträge genauer zu lesen.
Ich war an historischen Quellen für mein Gehörtes bzw. von Dir Geschriebenes interessiert.
Umgeleitete homoerotische Energien kann ich mir bei einer Armee noch vorstellen, was keineswegs heißt, daß das m e i n Verständnis von Treue ist. Aber da fehlt mir vielleicht der Plan, weil ich Frau bin.

@ quirm

Sorry, aber an Deiner Lebensunerfahrenheit scheiden sich wieder unsere Geister. Verwahre das auf, was Du hier geschrieben hast und schaue es Dir in etwa 10 Jahren noch einmal an.

@ lithrian

Ich glaube, es ging Steffen bei der Minne um die Frage, ob an ihrem Exempel zu zeigen ist, daß Sexualität von Treue zu trennen ist und nicht um einen partnerschaftlichen Aspekt. Ansonsten gebe ich Dir in Deiner Darstellung recht. (*schmacht* hieß: Der Ritter durfte die Dame anschmachten, idealiter blieb sie für ihn unerreichbar)

@ sonntagssoziologe

Kein schlechter Ansatz!
Aber hat Treue nicht auch was mit Ehrlichkeit zu tun? Und zwar nicht ehrlich den eigenen Trieben gegenüber zu sein wie in Deinem ersten Beispiel (ich kann alles haben), sondern ehrlich gegenüber dem Partner?
Quirm
Zitat:

Sorry, aber an Deiner Lebensunerfahrenheit scheiden sich wieder unsere Geister. Verwahre das auf, was Du hier geschrieben hast und schaue es Dir in etwa 10 Jahren noch einmal an


Aha, der Altersjoker also. Nun ja, ich nehme trotzdem noch einmal Bezug auf das von Dir geschriebene:

Zitat:

Sollen wir uns wiedersprechen, wenn alles in Deinem Leben wie geplant eintritt und Du von Deiner Partnerin, Mutter Deiner Kinder, betrogen wirst? Und Du im schlimmsten Fall nicht mehr sicher sein kannst, daß die Kinder wirklich von Dir sind?


Nur um das noch mal klar zu stellen; mein Konzept ging davon aus, dass BEIDE Partner sich über selbiges einig sind.

Dass heißt, wenn ich eine Partnerin habe (hypothetische Position), dann spreche ich das Thema offen an (sofern ich mich gegen das Konzept der Treue entscheide). Dass heißt eine offene Beziehung oder gar keine.
Freilich gilt dies für beide Seiten. Hierbei sollte auch beachtet werden, dass wenn Kinder im Spiel sind, diese eindeutig zugeordnet werden.

Was ich aber damit nicht meinte ist, dann wenn man sich für das Treue-konzept ausgesprochen hat, dies dann einseitig nicht mehr so sieht und damit bricht ohne den Partner zu informieren. Hierbei sehe ich berechtigte Regressansprüche;

Sollte sich im laufe der Partnerschaft Änderungen ergeben, so muss darüber offen gesprochen werden; Hinterlist und Arglist um an die Energie (Geld) des Partners zu kommen tangieren das Treue Prinzip in keinster weise. Nur wird, Energie (Geld) fällig, wenn der Vertrag einseitig/beidseitig gebrochen wird.

Eine Partnerschaft sollte meiner Meinung nach sowieso einmal im Jahr überprüft werden, ob die vereinbarten Modalitäten so noch gültig sind.

Noch was, hier geht es nicht darum mit welchem Konzept ich gerade arbeite, nur um die Möglichkeiten der Konzepte selbst.
Libertad
@Quirm

Wie lieblos und maschinell... Kinder eindeutig zuordnen, ja, wem denn? Beiden, oder?

Zitat:
Dass heißt eine offene Beziehung oder gar keine.

Das spricht man so lange eindeutig so vollmundig, bis man sein Herz einmal gebrochen bekommen hat. Brichst Du mir das Herz, brech' ich Dir die Beine. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, denn er ist wie Du. Damit sei gemeint, dass Diskretion in Liebesbeziehungen ganz sinnvoll sein kann.

Einmal im Jahr wird zum Beziehungsrichter gerannt zwecks Überprüfung der Funktion starr festgelegter Modalität. Und was geschieht in der Zwischenzeit, da wird das Herz wieder in den Eisschrank gelegt? Materielle und emotionale Planwirtschaft bedingen sich nicht absolut.
Quirm
Zitat:
Original von Libertad
@Quirm

Wie lieblos und maschinell... Kinder eindeutig zuordnen, ja, wem denn? Beiden, oder?

Zitat:
Dass heißt eine offene Beziehung oder gar keine.

Das spricht man so lange eindeutig so vollmundig, bis man sein Herz einmal gebrochen bekommen hat. Brichst Du mir das Herz, brech' ich Dir die Beine. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, denn er ist wie Du.

Einmal im Jahr wird zum Beziehungsrichter gerannt zwecks Überprüfung der Funktion starr festgelegter Modalität. Und was geschieht in der Zwischenzeit, da wird das Herz wieder in den Eisschrank gelegt? Materielle und emotionale Planwirtschaft bedingen sich nicht absolut.


Oha. Nun die einfachste Lösung; Liebe aus Partnerschaften raushalten. Steht doch schon im Anhalter:
Liebe: wenn möglich vermeiden !

Zu dem maschinellen Standpunkt: ja man könnte meinen dass dies von einer KI geschrieben wurde.
Nichts desto trotz kenne ich mehr als ein Paar, welches die offene Beziehung seit Jahren lebt. Freilich ist nicht jeder hierfür geeignet; deswegen sollte man sich, wie schon gesagt, über das Konzept einig sein.
Wenn dies nämlich nicht der Fall ist, so sollte man sich dass Bein eher abhacken, bevor die Blutvergiftung das Herz erreicht und der Körper stirbt, um mal ein bissel allegorisch zu reden.

Sind sich aber beide Partner über das Konzept einig und überprüfen dies ggf. zu einem fest gelegten Zeitpunkt, so sehe ich weniger schwere Probleme eine Beziehung zu führen als bei konventionellen Modellen.

Nachtrag:
das Zuordnen der Kinder; hier ist gemeint dass Dir kein Kuckucksei unter gejubelt wird.

Ps. Dies sind Strategien zur Bewältigung von Lebenssituationen; aber seien wir doch mal ehrlich; keine Strategie überlebt Feindkontakt !
Libertad
Hmmm, ich wollte gar nicht abstreiten, dass eine offene Beziehung mitunter eine sehr stabile Beziehung ist. Aber damit fängt man überlicherweise nicht damit an, oder? So ein Konzept erfordert Erkenntnis und Reife.

Zitat:
Original von Quirm
Liebe aus Partnerschaften raushalten.

Wenn damit irrtümlicherweise ein absoluter Besitzanspruch an die Autonomie des anderen gestellt wird, auf jeden Fall. Und dieser Irrtum passiert nicht eben selten. Dann liegt ein Irrtum um den Inhalt des Konzepts vor, dann schreibst Du:

Zitat:
Original von Quirm
Wenn dies nämlich nicht der Fall ist, so sollte man sich dass Bein eher abhacken, bevor die Blutvergiftung das Herz erreicht und der Körper stirbt, um mal ein bissel allegorisch zu reden.

Ja, also liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.
Quirm
Zitat:

So ein Konzept erfordert Erkenntnis und Reife.

Ok, Erkenntnis und Reife. Nur hat Reife wenig mit dem Alter zu tun, entgegen dem landläufigen Glauben.

Zitat:

absoluter Besitzanspruch an die Autonomie

Es ist nicht zu empfehlen, das Menschen mit einem gewissen Autonomieanspruch sich mit Menschen einlassen, welche Absolutheiten verlangen.
Freilich hält dass viele nicht davon ab; zu deren späteren Unglück.

Hier möchte ich noch einmal auf die Unterscheidung zwischen verliebt sein und Liebe hinweisen.

Das Erste ist eine körperliche Reaktion (Hormone) welche ca. 2- 7 Jahre vorhält und danach unweigerlich abflaut. Heutige Untersuchen zeigen aber, dass die Zeit dieser Phase sich eher verkürzt (0,5 -1 jahr).
Liebe hingegen ist am besten zu erklären in den ich folgenden Satz wiederhole:

Freunde hat man weil man die Eigenschaften des Anderen mag.
Liebe ist, wenn man zusammenbleibt, trotz dessen man gewisse Eigenschaften des Anderen nicht mag.
Oder kurz: Liebe ist es nur, wenn man trotzdem lacht, ähm bleibt.

um aber wieder auf das hier gesagte zu kommen: das Erste ist eher sowas wie Katzengold, da nicht von Dauer; jeder der sich auf so etwas einlässt wird früher oder später die "rosa" Brille los und damit Gefahr laufen enttäsucht zu werden, da er den Partner plötzlich anders sieht.

Das Zweite ist aber hart erarbeitet und das Ergebnis von der Anstregnung beider Seiten, so dass diese mit der Zeit eher wächst als dass sich das verliert.


Zitat:

Ja, also liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.


Wenn ich das Verliebt sein eher abwürge, also mich von dem Objekt in das ich verliebt bin abwende um damit eine (Ent)täuschung für mich in der Zukunft abzuwenden, tue ich dem anderen den gleichen Gefallen, nämlich ich gebe ihm keine Change sich in mir zu täuschen.
Libertad
Zitat:
Nur hat Reife wenig mit dem Alter zu tun, entgegen dem landläufigen Glauben.

Sicher; kluge Leute haben erkannt, dass es besser wäre, würden wir jüngern, anstatt zu altern. Aber vielleicht sagen reife Menschen sowas ja auch nur, weil der Lack eben nicht ewig dran bleibt.

Growing old is not for sissies. (Bette Davis)

[Anm.: Vor der Tötung des Genitivs hieß es: entgegen des landläufigen Glaubens. Oder?]
Quirm
Zitat:
Original von Libertad
Zitat:
Nur hat Reife wenig mit dem Alter zu tun, entgegen dem landläufigen Glauben.

Sicher; kluge Leute haben erkannt, dass es besser wäre, würden wir jüngern, anstatt zu altern. Aber vielleicht sagen reife Menschen sowas ja auch nur, weil der Lack eben nicht ewig dran bleibt.



Sicher. Aber hier ist auch gemeint gewesen, dass Alte ( fröhlich )
nicht unbedingt reifer sind als Junge.


Persönlich kann ich mehr als ein Beispiel für dieses FAKTUM bringen.

Zitat:

[Anm.: Vor der Tötung des Genitivs hieß es: entgegen des landläufigen Glaubens. Oder?]


Möglich. Haste gut aufgepasst ! Bekommst ein Bienchen und darfst Dich jetzt eine Runde froien. großes Grinsen


ps.
Zitat:

Growing old is not for sissies. (Bette Davis)


nur die Besten sterben jung (Onkelz)
winken