Mohammed Bamyeh - The Ends Of Globalization

karlchen
Da es bereits einen Teilnehmer gibt, wird hiermit der offizielle Lesethread zu dem 2000 erschienenen Werk gestartet.

Mohammed Bamyeh wurde 1959 in Amman, Jordanien, geboren. Er studierte Soziologie und Philosophie an der University of Wisconsin-Madison in der USA und unterrichtet als Director of Graduate Studies am Dpt. of Sociology der University of Pittsburgh, sowie als Visiting Associate Professor am Center for Contemporary Arab Studies an der Georgetown University.
Früher war er Professor for International Studies am Macalester Collage/ Minnesota.

Mehr zu persönlichen und privaten Daten konnte ich bislang noch nicht zusammentragen, dafür hier eine Auflistung zu seinen publiz./wiss. Arbeiten:

Wichtige Publikationen:

1999 - The Social Origins of Islam: Mind, Economy, Discourse
2000 - The Ends of Globalization
2007 - Of Death and Dominion: The Existenzial Foundations of Governance
2009 - Anarchy and Order
2010 (in Vorbereitung): Islam and Society: Movements, Structures, Critique

Hier ein Überblick über seine selbst zusammengestellten Conference Papers

“Hizbullah and the Theory of Social Movements.” American Sociological Association, Montreal, August 2006.

“Irrational Imperialism.” International Institute of Sociology, Stockholm, Sweden, July 2005.

“New Imperialism, New Solidarity: Two Pathways Through the Global Politics of Difference.” International Sociological Association, Brisbane, Australia, July 2002.

“Modernity as Reformation: Notes on Contemporary Islam.” International Sociological Association, Brisbane, Australia, July 2002.

“Solidarity: A Reconsideration of the Concept in the Context of Global Social Movements.” International Sociological Association, Brisbane, Australia, July 2002.

“Imperialism Today and the Rediscovery of Culture.” Crossroads in Cultural Studies, 4th International Conference, Tampere, Finland, June-July 2002.

“Two Early Modern Defeats: Napoleon, Zayni Barakat, and the Unfreezing of Ottoman Time.” Group on Early Modern Cultural Studies, New Orleans, November 2000.

“The Anarchic Future: Beyond Globalization and Empire.” Rethinking Marxism Conference, Amherst, MA, September 2000.

“How the Aztecs Arrived in the New World.” Group on Early Modern Cultural Studies, Coral Gables, FL, October 1999.

“The New Imperialism: Six Theses.” American Sociological Association, Chicago, August 1999.

“The Inception of Modernity: the View from Egypt.” Group on Early Modern Cultural Studies, Newport, RI, November 1998.

“Chaos and Conduits of Audibility.” American Sociological Association, San Francisco, August 1998.

“The Globalization of Western Questions.” The New Europe at the Cross-Roads Conference, York, UK, August 1997.

“The Ends of Imperialism Today: The Transnational Challenge.” Rethinking Marxism Conference, Amherst, MA, December 1996.

“The Rise and Fall of the Politics of ‘Calling’: Contemporary Reflections.” Association for Humanist Sociology, Hartford, CT, October 1996.

“The Tragic and the Inaudible: Pathways From Chaos.” American Sociological Association, New York, August 1996.

“Civil Society and the Idea of Totality.” Eastern Sociological Association, Boston, March 1996.

“The Coming Age of Ungovernability: Dislocations in Measures, Capitalism, and Knowledge.” Conference on Global Change, University of New Hamphire, Oct. 1995.

“Realm, Empire, Enclave: Notes on the Transmission of Governance.” International Conference on Multiculturalism and Transnationalism, University of Massachusetts-Lowell, Oct. 1994.

“Multicultural Societies and Transnational Effects: A Dialectic Revisited.” World Congress of the International Sociological Assoication, Bielefeld, Germany, July 1994.

“Global Consciousness and the Standardization of Cultures of Governance.” American Sociological Association, Pittsburgh, August 1992.

“The City and the Country: Belonging and Self-Sufficiency.” Theory, Culture & Society’s Tenth Anniversary Conference. Champion, PA, August 1992.

“Post-Structuralism and the Future of Collective Subjectivity.” Midwest Sociological Society, Chicago, April 1990.

“Israel, Palestine and Discursive Imagination: Notes on the Audible and Inaudible in the Conflict.” Modern Language Association, Washington, D.C., Dec. 1989.

“Habermas Deconstructed.” Radical Scholars Conference, Wisconsin Dells. May 1989.

“Recent Critical Arab Scholarship in History.” Arabic Circle, Middle Eastern Studies Center, University of Chicago, Feb. 1988.

“The Origins of Islam: Problems of Study.” Middle Eastern Studies Center, University of Chicago, Dec. 1987.


Seine Forschungsfelder beschreibt er als Islam, Globalzation, Social & Political Theory, Social Movements, Culture, Anarchism, Civil & Global Society, Sociology of Religion, Modernity & Tradition, Cultural Sociology.

Quellen: www.sociology.pitt.edu/people/M.BamyehCV.php , 17.02.2010 und www.pipl.com/directory/people/Mohammed/Bamyeh.

Als ersten Text werde ich eine Zusammenfassung des Vorwort für Diskussionen hier einstellen, die entsprechenden Texte gehen den Beteiligten als pn zu.

Viele Grüße und viel Spaß !! fröhlich
karlchen
Zum geplanten Vorgehen: Werde zu jedem Kapitel hier eine kurze Zusammenfassung mit weiterführenden Fragen einstellen und würde mich über rege Diskussionen sehr freuen !

Bis dann !! smile
ewig
Also mein Einstieg hier ist ein sehr kritischer. Vorerst erscheint mir der Herr Bamyeh nicht als sonderlich lesenswert. Vielleicht kannst Du diesen ersten Eindruck ja ändern.

Probleme, die ich mit ihm und seinen Ausführungen habe, drängten sich bereits sehr schnell auf (ich beschränke das auf's inhaltliche; meine übliche formale Kritik gegen das frei-fabulierende Verweben hochabstrakter Konzepte scheint mir hier allerdings auch angebracht), nachdem ich mir erst einmal den zweiten Text vornahm:

Zitat:
Original von Mohammed Bamyeh in "Death and Dominion"
In an age of disease and conformity, death appears as it always has: as the outer limit to all power, all designs, all optimism, all heroism, all projects at transcending the given limits of action. If political life includes projects and games oriented toward transcendence, death, as a thoroughly nonpolitical, exterior, and uniform force, continues its eternal vigilance as the guarantor of forced exit from all levels of hierarchy. The starting promise must then be that death is decisively and primarily the opposite of power, not of life.

Strukturalisten dürften diese Prämisse für sehr unsinnig befinden. Wenn sich die Strukturen einer Hierarchie mit dem Ableben eines Inhabers nicht ändern, kann auch leicht unter der neuen Besetzung alles so bleiben wie es ist, inklusive der Zielausrichtung. Im Übrigen gibt es jede Menge Projekte von größerer Reichweite als ein Lebensalter, etwa die Nationalstaaten oder diverse Stiftungen.

Mir scheinen überhaupt diverse Passagen furchtbar an den Haaren herbeigezogen und völlig ohne Not zusammengeschustert, damit bloß nicht ersichtlich wird, wie wenig die Titelkonzepte miteinander zu tun haben, etwa:
Zitat:
Original von Mohammed Bamyeh in "Death and Dominion"
In the same way that human being entertain a sense of community through observing the commonality of their own fate with that of others, they sense that death – as the most universal common – is the ground of a universal community of which oneself is an ineluctable member. A person thus becomes a political animal not simply because one does not live alone, as Aristotle suggests when he describes the origins of politics in man. More primarily, one becomes so because one does not die alone.

Abgesehen von der höchst brüchigen Konstruktion der angeblich als gemeinsam empfundenen Todesbewußtseins-Basis (wobei wie als Skepsis-Prävention immer sehr betont wird, daß diese so subtil ist, daß sie vielleicht gar niemandem bewußt ist; Ich kann also jetzt gar nicht geltend machen, daß der Tod in meinen politischen Überlegungen gar keine Rolle spielt außer der, daß das Zutodekommen von Personen bei Aktionen möglichst zu vermeiden ist, weil das dem Mann zufolge ja vielleicht einfach zu subtil abläuft als daß ich selbst das bemerke), ist "more primarily" selbst dann noch vollkommen verkehrt. Die gemeinsame absolute Basis ist viel zu abstrakt und wird aus dem Alltag zu flächendeckend verdrängt, um die konkreten Notwendigkeiten, die sich aus der Unmöglichkeit ergeben, die vorgefundenen Lebensstandards allein auch halten zu können, als konstituierenden Faktor von Gemeinschaften auszustechen.

Zumindest bezüglich dieses Textes müßtestu am besten einmal klar machen, was Du daran für so interessant/bedeutsam hältst. Ich kann es leider nicht sehen.
Tarvoc
Zitat:
Original von ewig
Strukturalisten dürften diese Prämisse für sehr unsinnig befinden.

Diese Prämisse ist in mehr als einer Hinsicht sehr unsinnig. Mal abgesehen von der Überpersönlichkeit und Überindividualität gesellschaftlicher Strukturen ist der Tod heute sehr wohl ein Politikum. Man denke nur an die Debatten über Sterbehilfe, um nur ein Beispiel zu nennen. Ab einem bestimmten Punkt ihrer eigenen Entwicklung wandelt sich Biopolitik eben in Thanatopolitik.
karlchen
Also, werde erst einmal versuchen, die Einleitung von "The Ends Of Globalization" (EG) zusammenzufassen:

Bamyeh beginnt mit der bekannten Aussage zu den unterschiedlichen Entwicklungsständen und -geschwindigkeiten von Politik, Kultur und Wirtschaft in verschiedenen Teilen der Welt und schliesst daraus auf das Vorhandensein logischer Trennlinien, d.h. das Vorhandensein unterschiedlicher Logiken in diesen Bereichen.

Trennungsbewusstsein entstünde seit dem Beginn der Moderne negativ aus der Erfahrung logischer Ganzheit. Diese Erfahrung der Ganzheit enthielte auch totalitäre Merkmale. Ein allgemeines Merkmal moderner, gesellschaftlicher Logik sei die Schaffung eines neues Kosmos der Komplementarität zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur. In der "liberalen Gesellschaftspolitik" (lGP) sei der universelle Prototyp dieser Komplementarität der Nationalstaat. Konflikte zwischen diesem Typus und anderen Modellen hätten die Weltgeschichte zwischen 1919 und 1989 geprägt.

Laut lGP wäre das Modell des Nationalstaates der rationale Höhepunkt der Geschichtslogik. Nach Hannah Arendt wäre der ethische Grundsatz eines solchen Staates die alleinige Verfügung über die Grundrechte (universellen Rechte Lebensrechte) ihrer Mitglieder. Die lGP kämpfe damit nur zum Schein um mehr Freiheitrechte und lenke damit den Blick von dem sie begründenden totalitären Nationalismus ab. In einer weltweiten Ära des Nationalismus liessen sich Nationalismus und Totalitarismus aber nicht voneinander trennen. Nach Arendt wären die Vorbedingungen des Totalitarismus - die Umwandlung gesellschaftlicher Klassen in Massen, die Zerstörung jeglicher Gruppensolidarität, ein durchdringendes Gefühl individueller Isolation - auch nützlich für nationale Mobilisierung bzw. der Steigerung der nationaler Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Bedingungen wären auch die Vorbedingungen der modernen Massendemokratien.

Die grundlegenden Merkmale der globalen Moderne bestünden genau aus diesen Arten von Mobiliserung und Organisation, übergreifend um verschiedene Typen politischer und sozialer Systeme hinaus.

Ein wichtiger Punkt der vorliegenden Arbeit sei die Verbindung zwischen dem Wachstum der modernen Weltsysteme und den damit verbundenen Weltsichten bzw. -interpretationen mit totalitären Tendenzen.
Es bestünde Anlass zur Sorge, dass diese totalitären Tendenzen in dem aktuellen, transnationalen Zeitalter mehr hervorträten als in der Bombastizität liberaler Theorien. Um die gegenwärtigen Transformationen zu erfassenen, richte die vorliegende Arbeit einen mehr grundlegenden Blick auf die Prozesse der Globalisierung der Modernität in den Bereichen der Politik und Kultur. Die gesellschaftlichen, globalen Formen im Geiste der Modernität seien tiefer (fester) begründet als ihre Unterscheidung durch Handlungsbezeichnungen wie "Diktatur" oder "Demokratie". Jenseits dieser "idealen" Typen von Systemen gebe es eine grundlegende Gefährdung von Zivilgesellschaften - einerseits durch Zwang, andererseits durch Konsum - wodurch solche Gesellschafen Anhängsel des Staates würden oder diesen als letzgültige logische Adresse ihrer Handlungen und Überlegungen ansähen. Bei der augenblicklichen Globalisierung würde sich der Staat große kulturelle Reservoire aneignen inklusive ökonomischer Begründungen die von Wohlfahrtsgarantien bis zu imperialistischen Abenteuern aus nationalem Interesse reichten.

Das Buch beleuchte die Erosion dieser Totalitäten in unserer Zeit: Kap. 1 die poltisch-ökonomischen Heucheleien, die kulturellen Kap. 3.

Es hätte eine Menge von Autoren gegeben, die über solche Prozesse schrieben und sie z.B. "das Ende des Nationalstaates","das Ende der Politik" oder "das Ende der Geschichte" nannten. Diese Vorahnungen oder Beschreibungen könnten als Ausdruck davon verstanden werden, wie die Institutionen der Moderne den Verlust ihrer objektiven Begründungen erleben würden. Z.B. würde der Verlust des ökonomischen Pfeilers nicht automatisch zum Ende des Nationalstaates führen, aber mindestens zum Verlust der rationalen Begründung einer historisch begründeten Regulierung. Globaler Kapitalismus, truphierend und ohne Feinde, hätte viel weniger als früher Bedarf an staatlichem Schutz.

Dieser Punkt, der in Kapitel 2 ausgeführt würde, beschreibt den Machtverlust des Politikers, der eingebettet ist in Institutionen, die für ein vergangenes Zeitalter gemacht worden wären. Deshalb würde er zunehmend selbstreferentiell oder würde von einem institutionellen Überlebensinstinkt dazu gezwungen, neue Aufgaben zu finden. Entweder würden die nötigen Veränderung vollzogen, oder die lange zur Passivität, Machtdelegation und Abstumpfung erzogenen Massen gingen wieder aufeinander los.

Bamyeh möchte dann auch seine Themengewichtung erklären. Es sei gängig geworden, Globalisierung in die drei Bereiche Ökonomie, Politik und Kultur zu unterteilen. Diese unterschieden sich hinsichlich ihrer Logik und in ihrer gesellschaftlichen Funktion hinsichtlich der Globalisierung. Es existiere nur noch wenig außerhalb des Knotens der globalen Ökonomie. Andererseits mache es wenig Sinn, Menschen als innerhalb oder außerhalb einer transnationalen Kultur zu beschreiben, dagegen wäre es, zumindest als Anfang besser, zu beobachten, wie die meisten Menschen gezwungen wären, auf diese zu antworten. Die individuelle Distanz von der Globalisierung erschiene am größten bezüglich transnationaler Politik. Viele Menschen könnten wirklich als ausserhalb der politischen Globalisierung stehend beschrieben werden, da sie keine direkte Möglichkeit zum mitagieren, antworten und noch weniger zum beeinflussen hätten.

Der Schwerpunkt des Buches läge deshalb auf den Vektoren mit den geringsten Anteilen an Menschlichem, nämlich Politik und Kultur und weniger im Bereich der Logik des globalen Kapitalismus, der besonders auf dem Gebiet der transnationalen Studien diskutiert würde. Daher könnten die Elemente transnationalen Lebens untersucht werden, die nicht ausschliesslich in strukturellen Begriffen bestimmt würden, sondern innerhalb der Globalisierung den Weg des Experiment gingen, ideologische Wahlmöglichkeiten oder Raum für subjektive Bewertung böten, oder sich im Kampf gegen andere Vorstellungen befänden, also auch die der Transienz und Anarchie, selbst wenn diese geordnet oder institutionell begründet schienen.

Dieses beträfe auch den Begriff "Rationalität" (Verstand), den Bamyeh in anderem Sinne gebrauche als Max Weber oder Jürgen Habermas. Also nicht
als Abkömmling von Vernunft, sondern eher als Namensvetter einer integrierten Sicht der Welt: Eine vernünftige Sicht ist für Bamyeh eine, in der die Logiken des politischen, ökonomischen und kulturellen Lebens harmonisch zusammenwirken um sich gegenseitig zu verstärken. Eine vernünftige Sicht sei eine umfassende Sicht, die sich nur aus einem systematischen Zusammenhang der verschiedenen Bereiche des sozialen Lebens ableiten liesse. Über- oder Unterlegenheit einer solchen Sichtweise liesse sich nur daran ablesen, in welchem Maß inhaltliche Gesamtheit und Integration der drei Sphären erreicht wären und nicht daran, in welchem Maße sie vernünftig sei oder Aberglauben, Magie oder Verschwörungsdenken auflöse.

Weitere Vorteile eines solchen Gebrauchs von Verstand ergäben sich in Zusammenhang mit der Globalisierung, da sie die ungeeigneten Unterscheidungen "vormodern", "modern" und postmodern" ersetze und einen neuen Blick auf Vernünftiges oder Unvernünftiges in verschiedenen Epochen ermögliche. Endlich läge ein Vorteil in der Verbindung des Begriffs mit dem der Voraussagbarkeit: Vernunft in diesem Sinne mache die Welt nicht unbedingt verständlicher, aber bedeutungsvoller und vorhersagbarer. Überlegungen zu Konflikten oder Koexistenzen würden daher mehr zusammenhängend und mehrdimensionaler hinsichtlich ihrer Grenzen und Möglichkeiten, statt abhängig von Zufall und Bedingtheit. Veränderungen eines solchen Ausblicks wären geordneter und langsamer und weniger irrational, weniger krampfhaft, betrags- oder modeabhängig.

Das Buch wäre eine substantielle Neubearbeitung des Trend Reports "Transnationalität" in der Zeitschrift "Current Sociology", bei der mehr Gewicht auf interdisziplinäre Ausrichtung gelegt worden sei.

Kapitel 1 untersucht die Entwicklung von moderner Regierungsmacht in weltweiter Sicht. Die Dimensionen "innerlich" und "äusserlich" zeigen auf verschiedene Ausrichtungen, die die Parameter des Politischen weltweit bilden. Diese Parameter tragen zum Wachstum der globalen Formen bei, die durch die Logik des Vergleichs strukturiert werden aber schlecht ausgestattet sind bezüglich Flexibilität und Vitalität hinsichtlich sich ändernder geschichtlicher Umstände.

Kapitel 2, ein Übergangskapitel, fasst Schlussfolgerungen hinsichtlich der wichtigsten Aspekte der zukünftigen Globalisierung zusammen und führt zu Anmerkungen zur Dynamik und Gebrauch von Begriffen wie "Kultur" und "Zivilisation".

Kapitel 3 untersucht die allgemeinen historischen und aktuellen Grundlagen der kulturellen Globalisierung als eine Folge der politischen. Der Begriff "Kultur" in diesem Sinne wird anhand dreier Dimensionen genauer bestimmt, nämlich anhand der Aspekte, die zu einem Gefühl der sozialen Solidarität beitragen, anhand der Überzeugungen hinsichtlich der Lebensführung (des lifestyles) und anhand der wichtigsten Aspekte der kommunikativen Praktiken.

Insgesamt will diese Arbeit dazu beitragen, philosophische und geschichtliche Grundlagen für die Diskussion logischer Zusammenhänge und Brüche zu bieten, die die gegenwärtigen transnationalen Phänomene und Prozesse durchdringen.

Da dies nun doch eine längere Zusammenfassung wurde, werde ich auf die Kritikpunkte zu "Of Death and Dominion" später eingehen.

Finde aber, dass in dem Vorwort zu EG schon eine Menge interessanter Punkte und Aspekte angeschnitten wird.

Bin gespannt auf Eure Kommentare !
karlchen
Hallo ewig, hinsichtlich der beiden von Dir kritisierten DD-Zitats würde ich Dir teilweise recht geben, wenn man die zitierten Sätze für sich alleine stehen liesse. Im Zusammenhang gelesen, verstehe ich Bamyehs Argumentation aber anders.

In der Gesellschaftphilosophie ist es sicher nicht unüblich, Analysen hinsichtlich zentraler Themen wie Ökonomie, Poltitik oder Individuum durchzuführen

Warum also nicht, wie auch bei Tarvoc anklingt, anhand des Themas Tod und des gesellschaftlichen Umgangs damit.

So verstehe ich in etwa die Umschreibung als "Gemeinschaft von Sterblichen" im zweiten Zitat.

Das erste verstehe ich so, daß Bamyeh meint, es fände gegenüber dem persönlichen im politischen, gesellschaftlichen Bereich eine Bedeutungsverlagerung des Todesmotivs statt, was ja nicht verwundert, da sich damit auch die analytische Ebene (und somit die Bedeutungsstruktur) ändert.

Insgesamt greifst Du hier sicher nicht die zentralen Argumentationsstränge des Textes heraus. Werde diese im nächsten posting mal aus meiner Sicht heraus zusammenstellen. Ich finde den theoretischen Ansatz hier u.a. deshalb interessant, weil im Rahmen einer globalisierten Medienwelt die "letalen Ereignisse" sicher auch eine große mediale und vermutlich auch gesellschaftpolitische Bedeutung besitzen.

Viele Grüße !
Tarvoc
Hallo, karlchen.

Ich muss sagen, dein vorletzter Beitrag hat durchaus mein Interesse geweckt. Ich denke, ich werde mir das Buch und den Autor mal genauer ansehen.
Kennst du zufällig die Bücher von Immanuel Wallerstein? Hier scheint mir eine gewisse theoretische Nähe zu bestehen. But I might be wrong...
Reinhard
Zitat:
Endlich läge ein Vorteil in der Verbindung des Begriffs mit dem der Voraussagbarkeit: Vernunft in diesem Sinne mache die Welt nicht unbedingt verständlicher, aber bedeutungsvoller und vorhersagbarer.


Also, da soll der Namensvetter einer integrierten Sicht der Welt, die aus einem Zusammenwirken der unterschiedlichen Logiken von Politik, Ökonomie und Kultur besteht, eine bedeutungsvollere Welt schaffen, die zwar besser voraussagbar aber eben nicht besser verständlich ist. ?? Wer will das denn von welchem Standpunkt aus auf welche Weise beurteilen? In welchem Sinne überhaupt bedeutungsvoller? und mit welchen Ansprüchen an das Normative als objektive Basis unseres Handelns ist das verbunden? Da kann ich mich des Eindrucks, den Ewig hier schon geäußert hat, auch einfach nicht erwehren, das ist Begriffsverwirrung durch Vergleich abstrakter Begriffe, die ihren Boden des Anschaulichen gänzlich verlassen haben. Da gestatte ich mir doch die Bemerkung, dass hier nur ideologische Absichten im Spiel sein können, die noch nicht erkennbar sind oder der Verfasser treibt ein Spiel aus eigenen Profilierungsabsichten. Vielleicht sind mir aber auch nur nicht die Weihen solcher Erkenntnisse gegeben, weil ich den Tod bisher als das Ende meines Lebens betrachtet habe und nun hier erfahren muss, dass es wohl übergordnete Instanzen gibt, die den Tod als Faktum eines übergeordneten Prozesses, der mit der Erbsünde aber nichts zu tun haben will, ansehen. Das fegt dann ganz schön über die Köpfe, in denen die Logik immer noch beheimatet ist, hinweg, nein, verlagert die Logik der abgeschlagenen Köpfe in den Organismus, der nur leider kopflos bleiben wird. Für mich käme es vielmehr auf die Besinnung auf den Einzelnen an.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard geschockt
karlchen
Hallo Reinhard, ich vermute erst einmal, dass in diesem Werk versucht werden soll, eine gesellschaftpolitische Analyse durchzuführen. Ob und wie weit daraus dann auf Handlungsnormen geschlossen werden soll, kann ich auch noch nicht beurteilen, da die Werke und Autor für mich auch ziemlich neu sind - auf beides aufmerksam wurde ich vor ein paar Jahren durch ein Essay, das im Deutchlandradio Kultur gesendet wurde.

Jedenfalls verspricht der Autor eine gesellschaftsphilosophische Analyse der globalen Gegenwart mit vielseitigen, ungewöhnlichen und eben auch, eben "transnationale" Perspektiven - die man vielleicht auch holistisch oder humanitär nennen könnte. Inwieweit ihm diese Analyse gelingt oder interessante Ergebnisse bringt, kann ich auch nicht voraussagen.

Vielleicht taucht darin ja auch das Motiv der Erbsünde auf - wer weiß ? Das Individuum als Einzelne(r) soll wohl eine größere Rolle spielen ...


@ tarvoc: Wallerstein kannte ich bislang noch nicht, laut Wikipedia scheint es aber tatsächlich Parallelen in der thematischen Ausrichtung und/oder Analyse zu geben. Nicht uninteressant, danke für Deinen Tip !

Viele Grüße !
Eugen
Wallerstein wird in Bamyehs Buch einmmal erwähnt, außerdem erscheint er mit einem Titel in der Bibliographie, wenn G**gle sich nicht täuscht.

Wie bei den Kritikern vor mir auch schon anklingt, fehlte mir ebenfalls bei dem Vorwort ein bißchen die Bodenhaftung. Mag aber einerseits daran liegen, dass ich mit den diskutierten Konzepten nicht allzu gut vertraut bin. Andererseits sollte man in Rechnung stellen, dass es sich erstmal nur um das Vorwort handelt, das eben nur in groben, allgemeinen Zügen über die Hauptthesen und den Gang der Untersuchung informieren will. Kein Wunder, dass da vieles sehr abstrakt bleibt.
Bleibt abzuwarten, ob Bamyeh seinen Anspruch einer neuen integrierten Sicht der Welt in kleiner Münze einlösen kann.

Dementsprechend wäre ich auch dafür, nicht zu sehr an dem Vorwort kleben zu bleiben und erstmal im Text weiterzugehen. Ohne weiteres Wissen, dürfte das Vorwort eher Anlass zu allerlei Missverständnissen geben.
karlchen
Neben dem Versuch einer bloßen Zusammenfassung wären mir ein paar Anmerkungen schon noch wichtig:

Der Text scheint mir auch an manchen Stellen bewußt mehrdeutig zu sein - wie auch auf dem Klappentext (pN) von den Verlegern der University of Minnesota angedeutet.

Trotzdem -oder somit vielleicht auch gewollt- reizen mich auch einige Aussagen zum (erst einmal vorläufigen) Widerspruch :

Politik und Kultur hinsichtlich ihrer humanitären Anteile gleich- und hinsichtlich der Ökonomie niederwertiger darzustellen wäre aus meiner Sicht doppelt falsch und so als Begründung unbrauchbar.

Mein Haupteinwand ginge aber auch erst einmal gegen Bamyehs Definition von "rationaliy", die mir überbestimmt bzw. eher utopisch vorkommt: das Kriterium einer maximale Optimierung von was auch immer kann kaum als allgemeingültige Handlungmaxime sinnvoll sein - höchstens seinerseits wieder als Ideal. Gesellschaftliche oder politische Realitäten können nicht einseitig positiv sein.
Über- oder Unterlegenheit von Argumentationen oder Zielen am Erfüllungsgrad ihrer Maximalforderungen festzumachen ist bestenfalls rhetorisch interessant.

Auch die Begriffsbestimmung von Kultur erscheint stark eingeschränkt z.B. fehlte hier eine historische Perspektive.

Mal schauen, wie sich diese Kritikpukte bei der Lektüre des Haupttextes entwickeln. smile
karlchen
In Kürze ist dann auch eine Zusammenfassung zum Vorwort von DD (Death and Dominion) fertig und damit startet dann auch ein neues Thema dazu. smile
ewig
Zitat:
Original von karlchen
Hallo ewig, hinsichtlich der beiden von Dir kritisierten DD-Zitats würde ich Dir teilweise recht geben, wenn man die zitierten Sätze für sich alleine stehen liesse. Im Zusammenhang gelesen, verstehe ich Bamyehs Argumentation aber anders.

In der Gesellschaftphilosophie ist es sicher nicht unüblich, Analysen hinsichtlich zentraler Themen wie Ökonomie, Poltitik oder Individuum durchzuführen

Warum also nicht, wie auch bei Tarvoc anklingt, anhand des Themas Tod und des gesellschaftlichen Umgangs damit.

Okay.

Zitat:
Insgesamt greifst Du hier sicher nicht die zentralen Argumentationsstränge des Textes heraus.

Das stimmt sicherlich, aber wenn ich schon frühzeitig etwas lese, was mir unstimmig erscheint, hält mich das i.d.R. vom Weiterlesen ab.

Zitat:
Ich finde den theoretischen Ansatz hier u.a. deshalb interessant, weil im Rahmen einer globalisierten Medienwelt die "letalen Ereignisse" sicher auch eine große mediale und vermutlich auch gesellschaftpolitische Bedeutung besitzen.

Das stimmt, aber ich denke, sie hätten diese nicht in gleichem Maße, wenn nicht zeitgleich das große Töten und Sterben in den medialisierten Teilen der Welt eine Pause eingelegt hätte. Gerade deshalb würde ich hier übrigens weiter gegen Bamyeh argumentieren, daß der Tod für weite Teile der Weltbevölkerung mittlerweile zu abstrakt geworden ist als daß diese ihn überhaupt noch in gesteigertem Maße auf sich selbst bezieht und entsprechend gemeinschaftliches Handeln immer weniger vom Blick auf den Tod bestimmt wird (und mehr mit Blick auf Verteilungsproblematiken und Leiderfahrung).
karlchen
Hallo ewig. Du hast das Argumet schön dialektisch herausgearbeit, aber ein solcher Bedeutungsbezug verstärkt ja eher noch die global-gesellschaftliche Bedeutung des Themas.

Trotzdem ist dieses Werk von Bamyeh ein schwieriger, wenn auch interessanter und mutiger Ansatz. Ob ich allerdings wirklich die Zeit habe, dazu ein Thema zu starten, weiß ich noch nicht (vielleicht später). Erst einmal wollte ich mich mit EG weitermachen. Trotzdem sollte man auch "schwierige" Themen in der Philosophie nicht fürchten, vielleicht aber in einem zugangs(passwort)beschränkten Bereich ?

Viele Grüße !
karlchen
1.Kapitel: "Regierung" und "Neue Weltordnung"

Teil 1: Bamyeh beginnt mit der provokanten These: Wenn der Nationalstaat überlebt, dann nur, weil es keine Alternnative zur globalen Institutionalisierung gibt.

Große, unbewegliche Staatengebilde, argumentiert er weiter, könnten nicht zurücktreten, sondern lediglich untergehen. Institutionalisierung wirkt in einer solchen Schlussphase zwar stabilisierend, aber nur um den Preis der lebendigen Weiterentwicklung im Bereich des sozialen Lebens und der Wirtschaft. Dies zeige sich auch in der starken Trennung der politischen, ökonomischen und kulturellen Sektoren über einen großen Teil der heutigen Gesellschaften hinweg. Am negativsten wären die Auswirkungen im politischen Bereich, wo sich katastrophale politische Alleingänge mit einer Kultur der Machtausübung zunehmend verbinden liessen.

Politische Macht und Mechanismen der Globalisierung und Gleichschaltung verbänden sich entweder durch Integration von Gesellschaften in die globale oder durch Errichtung von Ähnlichkeiten hinsichtlich ihrer poltischen oder kulturellen Struktur. Damit liesse sich eine Doppelstrategie im Transnationalismus erkennen: Vorstellungen von Partikularismus oder Universalimen entsprängen eher der gleichen als von gegensätzlichen Logiken, was hier auch weiter ausgeführt werden soll.

Im Zuge einer Integration würden Teile der nationalen Souveranität auf eine höhere Ebene verlagert. Dies erfolge in einer Weise, die auch Teile des Selbstbewusstseins beträfen. So unterschiedliche Bereiche wie Westeuropa, Nord-Amerika, Südost-Asien, der Commonwealth der Unabhängigen Staaten, West- und Südafrika, die Arabische Welt, der Pazifische Raum und Lateinamerika strebten so mit unterschiedlichem Erfolg und Ausrichtung eine regionale Integration (ihrer Bestandteile) an. Dabei unterscheide sich eine solche regionale Integration von einer Zollunion oder eine Bündnis oder einem Handelsraum durch die aufzugebenden Vollmachten und Teile der nationalen Identität. (Zsfsg. von Seite 1 bis Ende Abschnitt 2, Seite 2, ... overarching domains of control. Rest des Kap. folgt demnächst).

smile
karlchen
Bamyeh argumentiert weiter, dass die Abgabe nationaler Souveranität an internationale Strukturen möglicherweise teiweise durch die Annahme begünstigt wäre, dass der Eintritt in übernationale Strukturen einzelne Merkmale nationaler Gesellschaften möglichst lange bewahren könnte. Diesbezüglich sieht er als Beispiel Unterschiede zwischen Westeuropa und der arabischen Welt.

In Europe, wo nationale Gesellschaften sich vor der Einigung lange bekriegten, sei diese Integration gelungen, in der Arabischen Welt dagegen nicht. Hier sei geschichtlich der staatsbezogene Nationalismus viel schwächer ausgebildet und geneigt, Anleihen vom pan-arabischen Nationalismen oder anderen grenzüberschreitenden, solidaristischen Bewegungen aufzunehmen. Im Gegensatz dazu seien die europäischen Länder hinsichtlich ihrer nationalen Kultur so selbstbewusst, dass sie nie und immer noch nie pan-europäische, kulturelle Solidarität ernstnähmen.
Bamyeh argumentiert, dass die relative Schwäche einer gemeinsamen Kultur (gegründet auf gemeinsame Sprache, Anerkennung einer gemeinsamen Geschichte, freizugänglichen Handelsverbindungen usw.) in Europa der Union geholfen, in der Arabischen Welt aber gestört hätte. Dies erklärt er damit, dass die Regierungen der europäischen Länder weniger besorgt gewesen wären, dass die wohlbehütete historische Identität sofort geschwächt und letztendlich aufgelöst würde, nachdem sie in eine transnationale Integration eingebettet wurde. So erhielte, obwohl nicht länger notwendig, die nationalen Politik innerhalb von Europa das kulturelle Reservoir, dass diese Länder innerhalb einer transnationalen Gesellschaft handlungsfähig bleiben liesse.
Im Gegenteil dazu, würde die arabische Politik befürchten, bei einer solchen Vereinigung ihrer einzigen Machtbasis verlustig zu gehen, nämlich die der nationalen Regierung. Arabischen Regierungen fehlte die klar unterscheidbare kulturelle Basis, und diese seien sich des Mangels bewusst, keine kulturelle Traditionen zu unterstützen, die am Schicksal der sie regierenden Politik interessiert wären. Im Gegenteil, solche Regierungen würden dort gewöhnlich, besonders von der Mittelklasse, als frühere Verbindungen zerreissend und Bewegungsfreiheiten einengend erlebt.

(bis Ende des nächsten Abschnitts ... disruption of former links and freedoms of movement. Fortsetung folgt !)
karlchen
und weiter im Text:

Die Prozesse der Integration beträfen grundlegende Dimensionen des Regierens, nämlich die des Bereiches ihrer Legitimität, die Prozesse der Verähnlichung die formalen - also z.B. der (geschtlich-kulturellen) Begründung dieser Legitimität. In diesem Sinne wäre eine Untersuchung dieser formalen Prozesse eine Untersuchung der Globalisierung von Standardformen von Regierungen. Im Einzelnen würde dies bedeuten, in welchem Grade sich Regierungssysteme hinsichtlich diese formalen Strukturen, ihren Handlungslogiken und Sozialsysteme ähnelten.
Kommunikation darüber entspräche aber auch den Gepflogenheiten dieser institutionellen Verähnlichung, d.h. hier entstünde ein nahezu standardisiertes Regierungsmodell, das nicht mehr in lokalen Traditionen sonder in globaler, ritualisierter Selbstreferentialität begründet wäre.
Es sei in der Poltikwissenschaft modern geworden, Übertragbarkeit von Modellen hauptsächlich nur hinsichtlich der Begriffe "Diktatur" oder "Demokratie" zu untersuchen, Bamyeh glaubt aber eher an eine reelle Orientierung am "gesellschaftlichen Ansehen" und nicht am "Entwicklungsgrad" oder "Wohlstand", so dass er zum Schluss kommt, sowohl Diktaturen als auch die gegenwärtigen Massendemokratien seien Folgeentwicklungen von totalitären Regierunsformen, mit dem Ziel, Regierunsmacht zu institutionaliseren und zu konservieren.

Heutzutage agiere Regierungsmacht inmitten sich auflösender soziokulturelle Notwendigkeiten und Zwecke, aber selbst in ihrer Blütezeit, wäre eine solch einseitige Bestimmung von Repräsentation nicht unanfällig für Infragestellung gewesen. Bisher seien übernationale Bewegungen wie z.B. pan-Afrikanismus oder pan-Arabismus noch nicht erfolgreich gewesen, mit Staaten konkurrierende politische Machtfaktoren zu werden, sondern selbst da wo solche "Bewegungen" politisch erfolgreich waren wie seit 1979 im Iran, in Ghana unter Kwame Nkrumah oder in Ägypten unten Gamal Abdel Nasser, wären sie im folgenden wieder den dortigen nationalstaatlichen Interessen untergeordnet worden.
Umgekehrt wären sezessionistische Bewegungen, die die territoriale Reichweite nationaler Macht einschränken wollten, nur nach extrem harten Auseinandersetzungen erfolgreich gewesen (z.B. in Eritrea). Auch im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, Jugoslawiens oder der Tschechoslowakei wären wiederum Nationalstaaten entstanden, die die kosmopolitischen oder multikulturellen Ideologien ihrer Vorgänger durch nationalistische ersetzt hätten.
Somit hätte sich im internationalen Staatenverband, ein historisch fundiertes, normatives und totalitäres Regierungsverständnis durchgesetzt, ungeachtet einer zunehmenden ökonomischen Globalisierung und der transnationaler Kommunikation, Reisefreiheit und möglicher Solidarität.
Verbände wie die UN, die Organization for African Unity (OAU), die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) oder die European Community hätten immer versucht, das bestehende Staatsgefüge vor Veränderung zu bewahren und nichtstaatliche Gruppierungen von Machtansprüchen fernzuhalten.

Saskia Sassen meinte, dass immer noch versucht würde, nationales Kapital festzuhalten, mit dem Hintergrund nocht nicht vorhandener, internationaler Garantien. Das heißt, Nationalstaaten könnten nur noch überleben, wenn sie ökonomischen Rückhalt oder Leistungen böten z.B. Eigentumsrechte und Kapitalschutz und würde so mehr und mehr Anhängsel des globalisierten Wirtschfts- bzw. Finanzsystems, was mit einer Verminderung politischer Regulierung einherginge.
Justin Rosenberg beschreibe eine solche Zunahme anarchischer Muster zwischenstaatlichen Beziehungen, die nach Marx mit einer Abkopplung politischer von ökonmischen Strukturen begründet werden könnten, was im heutigen transnationalen Zusammenhang, in dem der globale Wirtschaftsraum besser organisiert wäre als der der politische, leicht zu beobachten sei.

Auf der anderen Seite entstünde die Anarchie in einer geschlossenen, selbstreferentiellen politischen Welt, die einen geschlossenen, selbstreferentiellen Machtanspruch verfolge und proklamiere, auch ganz von selber und unterstütze diese sogar in ihrem Fortdauern.
Stanley Hoffman meinte, dass allein die Existenz eine solchen Forschungsfeldes wie "internationale Beziehungen" Teil und Rahmen der US-Außenpolitik nach dem 2.Weltkrieg gewesen wäre. Die Nähe zur "schmutzigen Welt" politischer Leitlinien isolierte das Forschungsfeld von ernsthaften kulturellen oder philosophischen Perspektiven, so dass es eine Beratungsrolle bekam und um Vohersage- und Anwendungsbezüge herum strukturiert worden sei.

(Anfang 3.letzter Abschnitt des 1.Kapitels bis ... structured largely around predictive and applicable theories.)

Fortsetzung folgt ! smile
ewig
Ich habe mir nun endlich mal die Zeit für den Bamyeh abzweigen können, also hier ein paar Gedanken zu zwei noch aus Anmerkungen zum Vorwort aufgegriffene Themenzweigen:

Zitat:
Original von karlchen
Mein Haupteinwand ginge aber auch erst einmal gegen Bamyehs Definition von "rationaliy", die mir überbestimmt bzw. eher utopisch vorkommt: das Kriterium einer maximale Optimierung von was auch immer kann kaum als allgemeingültige Handlungsmaxime sinnvoll sein - höchstens seinerseits wieder als Ideal. Gesellschaftliche oder politische Realitäten können nicht einseitig positiv sein.
Über- oder Unterlegenheit von Argumentationen oder Zielen am Erfüllungsgrad ihrer Maximalforderungen festzumachen ist bestenfalls rhetorisch interessant.


Sofern ich das richtig verstanden habe, geht es Bamyeh da um eine Art innere Schlüssigkeit des Zusammenwirkens der drei von ihm beobachteten Teilparadigmen Politik, Kultur und Wirtschaft, die sich gegenseitig in einem Gleichgewicht halten bzw. sinnvoll auseinander hervortreten. Zum Vgl. nochmal den Originaltext:

Zitat:
Original von Bamyeh
A rational vision is for me one in which the logics of political, economic, and cultural life work harmoniously to reinforce each other. Thus, a rational vision is a total vision, which can only flow out of systematic coherence of the various spheres of social life. This approach means that the superiority or inferiority of one rational outlook to another can only be adjudicated in terms of its degree of wholeness and integration of the three spheres, and not in terms of how much it approximates “reason” and dispels superstition, magic, or conspiratorial thinking.


Es ließe sich mE allerdings fragen, ob wir überhaupt eine Gesellschaftsform finden, in der dies nicht mehr oder minder ohnehin der Fall ist, und ferner, inwiefern dieser Begriff dann überhaupt irgendeinen Nutzen hätte.

Zitat:
Original von karlchen
Auch die Begriffsbestimmung von Kultur erscheint stark eingeschränkt z.B. fehlte hier eine historische Perspektive.

Mir fiel vor allem auf, daß er einen zentralen Bestandteil der modernen Welt, die Wissenschaft, nicht explizit einordnet. Man muß wohl annehmen, daß diese unter „Kultur“ subsummiert ist. Das ist insbesondere aus dem Grunde frappierend, als die technologisch-methodische Eskalation nach wie vor selbstbeschleunigt voranschreitet und das, was man Globalisierung nennt, in der Vergangenheit ganz maßgeblich co-generiert hat.

Mehr dann im Laufe der kommenden Woche…
karlchen
Danke ewig, für Deine interessanten Kommentare. Deinen Kritikpunkt bzgl. des Fehlens eines Wissenschaftsdiskurses finde ich voll zutreffend. Meine zwar auch, dass Bamyeh den Faktor (und seine Auswirkungen) auf die drei Bereiche aufteilt, als mitkonstituierender Faktor moderner Gesellschaften besitzt er aber auf jeden Fall größere gesellschaftspolitische Bedeutung und sollte dementsprechend zumindest mitbeachtet werden.
Bamyeh schreibt zwar, dass er das ökonomische Feld in seiner Betrachtung weitgehend ausklammern möchte, legt aber einen starken Schwerpunkt auf allgemeine Staats- und Kulturpolitik.
Und da gibt es natürlich noch viel mehr, z.B. eben auch Wissenschaftspolitik. Und hinsichtlich der Kulturpolitik würde ich mir auch gelegentlich eine differenziertere Auseinandersetzung mit einzelnen Themen, z.B. aus der Religions-, Familien- oder Sozialpolitik, wünschen. fröhlich

Viele Grüße !
karlchen
Und hier die Fortsetzung Rest der Kapitelzusammenfassung (meine Kommentare dann nach dem Ende der Zusammenfassung):

Für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg sieht Bamyeh eine Abwendung vom Realismus-Paradigma, dass darauf abhob, dass Staaten sich als autonome Spieler auf der Weltbühne hauptsächlich um ihre eigenen Staatsinteressen kümmerten.
Bündnispolitik, bei der nationalstaatliche Hoheiten auf gemeiname Strukturen übertagen werden, könnte das Potential anarchistischer und zufälliger Vorgänge auf zwischenstaatlicher Ebene vermindern.

Auf der anderen Seite sei nationale Selbstbestimmtheitund -bewusstsein typische Mekmale der globalen Moderne. Selbstgenügsame logische Notwendigkeit sei der Kern des Diktates eines modernen Staatsverständnisses.
Michel Foucault argumentierte, dass Machiavellis "Der Fürst" den Paradigmenwechsel vom konkreten "Herrschaftsinteresse" aufs (neutrale) Sachprinzip der "staatliche Notwendigkeit zeige, ohne dass zwischen Regierungs- und Staastinteresen eine fundamentelle, essentielle, natürliche und juristische Verbindung bestehen müsse, wobei die Regierungskunst dann die daraus entstehenden Gefährdungen umschiffen müsste. Colin Gordon würde das Argumet erweitern, indem er die Entwicklung des Staatsverständnisses als "selbstreferentielles Mysterium" bzw. selbstbegründene "Staatsraison" dokumentierte. Dass dies ausreichte, zeige das Fehlen der Notwendigkeit einer ausserhalb ihrerselbst liegenden Begründung bzw. Legitimation von Politik. (Ende drittletzter Absatz: ... to be structurally rooted in any origins exterior to politics proper.)

smile