Wahre These - Ideologie?

Archibald
Eine falsche Behauptung kann man gut als "Ideologie" bezeichnen, jene, welche diese behaupten, auch als "Verschwörungstheoretiker" oder aber "psychisch Kranke".

Was aber mit jenen, die eine WAHRE These vertreten?

Hängen die auch einer Ideologie an?
ewig
Ist eine Behauptung allein schon eine Ideologie?
Neo
Zitat:
Original von Archibald
Eine falsche Behauptung kann man gut als "Ideologie" bezeichnen, jene, welche diese behaupten, auch als "Verschwörungstheoretiker" oder aber "psychisch Kranke".


Eine falsche Behauptung muß nicht unbedingt auf psychischer Krankheit beruhen. Genausogut kann eiskalte Berechnung dahinter stecken (bei psychisch bester Gesundheit) oder aber einfach Irrglaube.
Die Inquisitoren die behaupteten, jemand stehe mit dem Teufel im Bunde sind dafür ein gutes Beispiel.

Sicher gab es darunter einen Haufen Paranoiker, aber wohl auch eiskalte Intriganten oder auch - wohl die Mehrheit - einfach Irrgläubige (nicht mit Irren gleichzusetzen).

Und (was immer wieder vergssen wird): vlt hatte man ja in einigen wenigen Fällen sogar Recht ?
glorin
Zitat:
Was aber mit jenen, die eine WAHRE These vertreten?


Diese hängen auch einer Ideologie nach. Eine Ideologie muss nicht zwangsläufig falsch sein.
Tarvoc
Die erste Frage sollte sein: In welcher Beziehung steht der Ideologiebegriff überhaupt zum Aufstellen von Behauptungen.
Jörn
Von der Tendenz hätte würde ich meinen, Ideologen haben die Antwort stets in der Tasche, während Philosophen immer noch ein Frage im Ärmel haben.
Tarvoc
Zitat:
Original von Heinrich
Von der Tendenz hätte würde ich meinen, Ideologen haben die Antwort stets in der Tasche, während Philosophen immer noch ein Frage im Ärmel haben.

Bist du sicher? Während der Zeit des Prager Frühlings etwa hatten die sowjetischen Propagandamagazine oft Headlines wie "Was will Dubcek wirklich?", "Wer steckt wirklich hinter den politischen Vorgängen in der Tschechoslowakei?", etc. Oder denk' zum Beispiel an Verschwörungstheorien aus diversen Richtungen: "Wer steckt wirklich hinter dem Angriff auf's World Trade Center? Bin Laden? Oder doch eher die Juden / das CIA / der militärisch-industrielle Komplex / blazorg?" etc. Ideologie kann durchaus auch auf Fragen aufbauen. Fragen sind nämlich auch nicht einfach harmlos. Das einfachste Beispiel ist ja der Witz von dem Mann, der von einem Richter gefragt wird: "Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen? Antworten Sie nur mit Ja oder Nein!"
Neo
Zitat:
Original von Tarvoc
Das einfachste Beispiel ist ja der Witz von dem Mann, der von einem Richter gefragt wird: "Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen? Antworten Sie nur mit Ja oder Nein!"

Die einfachste Antwort darauf wäre: "Ja, das tue ich doch immer, wenn Sie dabei nicht zusehen, Herr Richter".
Tarvoc
Meinetwegen. Worum es geht, ist, dass sich ein Philosoph nicht nur darüber definieren kann, dass er halt immer irgendwelche Fragen hat. Jemand kann die ganze Zeit Fragen stellen und trotzdem kein Philosoph sein und jemand kann Philosoph sein, ohne viel mit der spezifischen Satzform der Frage zu arbeiten.
Neo
Zitat:
Original von Tarvoc
Meinetwegen. Worum es geht, ist, dass sich ein Philosoph nicht nur darüber definieren kann, dass er halt immer irgendwelche Fragen hat. Jemand kann die ganze Zeit Fragen stellen und trotzdem kein Philosoph sein und jemand kann Philosoph sein, ohne viel mit der spezifischen Satzform der Frage zu arbeiten.

Schon. Sein kann man alles mögliche. Worum es doch geht ist, woran andere erkennen können, was man ist. Bei einem Philosophen scheint mir das Stellen der richtigen Fragen schon ein wichtiges Merkmal zu sein und dazu zu gehören. Oder anders: ein Philosoph der nur schweigt, mag einer sein, ist aber als socher nicht zu erkennen.
Tarvoc
Zitat:
Original von Neo
Bei einem Philosophen scheint mir das Stellen der richtigen Fragen schon ein wichtiges Merkmal zu sein und dazu zu gehören.

"Das Stellen der richtigen Fragen" ist aber schon was anderes als "immer noch eine Frage im Ärmel haben". Zwinker
Jörn
Zitat:
Original von Tarvoc
"Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen? Antworten Sie nur mit Ja oder Nein!"

Sicher. Genau diese Art Frage hatte ich natürlich auch im Sinn, was denn sonst.
Archibald
@ ewig:

Ich würde sagen, eine Behauptung selber ist eine Art "Subideologie", ähnlich, wie ein Wort eine Art "Subsatz" ist.
ewig
Zitat:
Original von Tarvoc
Zitat:
Original von Heinrich
Von der Tendenz hätte würde ich meinen, Ideologen haben die Antwort stets in der Tasche, während Philosophen immer noch ein Frage im Ärmel haben.

Bist du sicher? Während der Zeit des Prager Frühlings etwa hatten die sowjetischen Propagandamagazine oft Headlines wie "Was will Dubcek wirklich?", "Wer steckt wirklich hinter den politischen Vorgängen in der Tschechoslowakei?", etc. Oder denk' zum Beispiel an Verschwörungstheorien aus diversen Richtungen: "Wer steckt wirklich hinter dem Angriff auf's World Trade Center? Bin Laden? Oder doch eher die Juden / das CIA / der militärisch-industrielle Komplex / blazorg?" etc. Ideologie kann durchaus auch auf Fragen aufbauen. Fragen sind nämlich auch nicht einfach harmlos. Das einfachste Beispiel ist ja der Witz von dem Mann, der von einem Richter gefragt wird: "Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen? Antworten Sie nur mit Ja oder Nein!"

Diese Art Fragen sind aber rein rhetorischer Natur und lenken die Blickrichtung genau auf die bereits vorbereiteten und keineswegs aushandelbaren Antworten. Die Frageform ist nicht das entscheidende, insofern würde ich Heinrich hier vorläufig recht geben.
Jörn
"Der kritische Weg ist allein noch offen" (Kant) Ich weiß nicht, wie weit man Kant gerecht wird, wenn man hier an "prüfen" denkt und es für unsere Zwecke hernimmt. Dann könnte man die Frage/Antwort-Sentenz vielleicht umformulieren: Die Philosophie fragt und prüft, wo Ideologie und/oder Dogmatismus (?) (in der Regel simple und oft auch nicht zur Hinterfragung vorgesehene) Antworten parat haben.
Tarvoc
Zitat:
Original von ewig
Diese Art Fragen sind aber rein rhetorischer Natur und lenken die Blickrichtung genau auf die bereits vorbereiteten und keineswegs aushandelbaren Antworten.

Aber es gibt gar keine in diesem Sinne "neutralen" oder "harmlosen" Fragen. Jede Frage eröffnet einen bestimmten Raum möglicher Antworten, aus dem einige Reaktionen ausgeschlossen sind. Auf die Frage "Was kann ich wissen?" ist zum Beispiel "dreihundert Gramm Hackfleisch, drei Tomaten, Zwiebeln und Gewürze" keine Antwort. (Um mal ein intentional absurdes Beispiel zu bringen. Man kann aber auch Beispiele finden, die weniger offensichtlich sind.)

Zitat:
Original von Heinrich
Die Philosophie fragt und prüft, wo Ideologie und/oder Dogmatismus (?) (in der Regel simple und oft auch nicht zur Hinterfragung vorgesehene) Antworten parat haben.

Mein Problem mit dieser Äußerung ist, dass das einfach eine viel zu vorgefertigte und finale Antwort auf die Frage ist, was denn Philosophie sei. Zwinker
Jörn
Man kann hier beides sehen: einen Selbstwiderspruch, weil ich eine Antwort gebe, wo doch eine Frage sein müsste. Oder eine Bestätigung: Kaum gibt jemand eine Antwort, steht ein anderer auf der Matte und stellt sie in Frage.
Tarvoc
Es ist beides. Und das zeigt, dass sich Philosophie und Ideologie nicht einfach mal eben so streng auseinanderdividieren lassen. Was nicht heißen soll, dass es keinen Unterschied gäbe oder dass jede Philosophie immer Ideologie wäre oder so ein Käse. Nur muss man sich das Verhältnis von Philosophie und Ideologie anders denken denn als strenge gegenseitige Ausschließung. Ich persönlich würde sogar sagen, dass der Ansatz, das Verhältnis von Philosophie und Ideologie als strenge gegenseitige Ausschließung zu fassen, selbst bereits einen Fall von Ideologie darstellt. Aber das ist natürlich offen für Diskussion.
Jörn
Ich würde mich eher für die Unterschiede stark machen, vermutlich weil für mich das Wort "Ideologie" pejorativen Charakter hat. Wäre der selbe Satz ("Der kritische Weg ist allein noch offen" (Kant) ...) von einem Ideologen gekommen, dann hättest du nach deiner Einwendung vermutlich nicht mit einer Antwort rechnen müssen, sondern mit der Polizei. (Wenn man mir diese kleine Übertreibung zugestehen will.) Natürlich gibt es auch in der Philosophie Antworten, aber dann geht es eben kritisch weiter - oder anders: es geht weiter, weil und wenn sie kritisch gesehen wird.
Tarvoc
Ich würde auch Unterschiede betonen. Aber Unterschiede aufzulisten klärt ja noch nicht die Frage, welches Verhältnis beides zueinander hat. Übrigens scheine ich in der Tat einen weiteren Ideologiebegriff als du zu haben. Obwohl ich den Begriff auch tendentiell negativ konnotieren würde, bin ich z.B. nicht der Ansicht, dass Ideologie sich exklusiv auf Polizeistaaten beschränkt. Auch das Verhältnis von Ideologie und ihrer Kritik bedarf näherer Beleuchtung.