Jörn
An Polizeistaaten hab ich eigentlich nicht gedacht, hab den Begriff eher - wie soll ich sagen - metaphorisch gemeint, Denkpolizei kann es auch in Nichtpolizeistaaten geben :-)
Tarvoc
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Original von Heinrich
Denkpolizei kann es auch in Nichtpolizeistaaten geben. |
Na ja. Aber eigentlich wird man in 'ner Demokratie nur selten für Meinungsäußerung verhaftet...
ewig
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Original von Tarvoc
Nur muss man sich das Verhältnis von Philosophie und Ideologie anders denken denn als strenge gegenseitige Ausschließung. Ich persönlich würde sogar sagen, dass der Ansatz, das Verhältnis von Philosophie und Ideologie als strenge gegenseitige Ausschließung zu fassen, selbst bereits einen Fall von Ideologie darstellt. Aber das ist natürlich offen für Diskussion. |
Ich würde beides eigentlich gar nicht in eine Ebene setzen. Ideologien sind auf Kernsätze/Grundpositionen zentrierte Überzeugungskonglomerate. Philosophie läßt sich in so vielen Bereichen davon absetzen, und teilweise gar
darübersetzen (etwa als Sammelbehälter, der sich
auch mit jedweder Ideologie und jedeweder Beschäftigungsvariante mit diesen Ideologien auseinandersetzen kann), daß es mir schwer fällt, das als strenges Gegensatzpaar zu sehen.
Dennoch springt (mir) wesentlich ins Auge, daß bei Ideologien die Grundpositionen und dadurch auch die Ausrichtungen zu anderen Weltanschauungsmöglichkeiten schlichtweg fixiert sind, während Philosophie den Vorgang der Erforschung von Sichtweisen und der Relationierung von Positionen in den Vordergrund stellt und im Vorantasten auch alles, was zuvor für fix gehalten wurde, in Frage stellen
kann.
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| Aber Unterschiede aufzulisten klärt ja noch nicht die Frage, welches Verhältnis beides zueinander hat. |
Wie in meinem ersten Abschnitt schon angedeutet, würde ich "Verhältnis" in die Pluralform setzen; das erlaubt eine feingliedrigere Analyse.
Tarvoc
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Original von ewig
Ich würde beides eigentlich gar nicht in eine Ebene setzen. Ideologien sind auf Kernsätze/Grundpositionen zentrierte Überzeugungskonglomerate. Philosophie läßt sich in so vielen Bereichen davon absetzen, und teilweise gar darübersetzen (etwa als Sammelbehälter, der sich auch mit jedweder Ideologie und jedeweder Beschäftigungsvariante mit diesen Ideologien auseinandersetzen kann), daß es mir schwer fällt, das als strenges Gegensatzpaar zu sehen. |
Das scheint mir auch der bessere Ansatz zu sein, obwohl ich den Philosophiebegriff nicht für rein formal bzw. inhaltlich neutral halte.
| Zitat: |
Original von ewig
Dennoch springt (mir) wesentlich ins Auge, daß bei Ideologien die Grundpositionen und dadurch auch die Ausrichtungen zu anderen Weltanschauungsmöglichkeiten schlichtweg fixiert sind, während Philosophie den Vorgang der Erforschung von Sichtweisen und der Relationierung von Positionen in den Vordergrund stellt und im Vorantasten auch alles, was zuvor für fix gehalten wurde, in Frage stellen kann. |
Weiss ich nicht. Étienne Balibar zum Beispiel unterscheidet zwischen
totalitären Ideologien und
totalen Ideologien. Für totalitäre Ideologien gilt sicherlich das, was du sagst, bzw. sie zielen letztlich auf die Vernichtung jeder von ihnen abweichenden Ansicht. Totale Ideologien hingegen reagieren auf Andersheit nicht mit Ausschluss oder gar Vernichtung, sondern mit dem Versuch der Aneignung und Assimilation für die eigenen Zwecke. Ein Beispiel für so etwas wäre z.B. die Globalisierung bzw. der globale (kapitalistische) Markt, der nicht mehr an eine bestimmte Kultur gebunden ist, sondern beinahe jedes beliebige kulturelle Umfeld kolonialisieren und in seinem Sinne umbauen kann. Ein anderes Beispiel wäre die Religion des römischen Reiches, deren Polytheismus einfach die Götter unterworfener Völker irgendwie eingliederte (nur mit universalistischem Monotheismus hatte sie ein Problem).
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Original von ewig
Wie in meinem ersten Abschnitt schon angedeutet, würde ich "Verhältnis" in die Pluralform setzen; das erlaubt eine feingliedrigere Analyse. |
Von Verhältnissen zu sprechen ist immer eine gute Idee.
Archibald
@ Tarvoc:
Das ist natürlich richtig, aber, die "Gedankenpolizei" (ein Begriff von Orwell) arbeitet ja auch nicht so, dass sie das Ausdrücken von Gedanken verbietet, sondern so, dass sie es erlaubt, weil man nämlich nur so wirklich weiss, was einer denkt.
Die Repressialien bezüglich der veräusserten Meinung kommen dann nämlich durch die Hintertür, nacxh Aussen hin darfst du deine Meinung aber sagen!