FLorian K.
Neulich habe ich mit einem Bekannten über Moral diskutiert und er konfrontierte mich mit folgendem Problem:
Man sitzt im Bahnwärterhäuschen und kann eine Weiche bedienen.
Man sieht einen Zug, in dem sich 5 Personen befinden. Der Zug rast mit extrem hoher Geschwindigkeit.
Wenn der Zug entgleist kann man sicher sein, dass alle Insassen sterben.
Die Weiche ist so eingestellt, dass der Zug mit Sicherheit entgleist, wenn man die Weiche nicht betätigt.
Auf der Bahnstrecke befindet sich aber auch eine Person.
Wenn man die Weiche umlegt und die 5 Leute rettet, wird die Person auf den Schienen überfahren.
Man hat keine andere Handlungsmöglichkeit, als die Weiche umzulegen oder es zu lassen.
Was soll man tun?
Ich habe mich inzwischen mit mehreren Leuten darüber unterhalten und es kamen 2 verschiedene Antworten:
1. Man müsse die Weiche umlegen, da man damit 5 Leute rettet und nur eine Person tötet.
Das Leben von 5 wiege mehr als das Leben eines Einzelnen.
2. Man dürfe die Weiche nicht umlegen. Wenn man die Weiche umlegt, hat man jemanden getötet. Wenn man hingegen nichts tut sind 5 Leute ohne das eigene Zutun gestorben.
Welche Antwort bevorzugt Ihr oder habt Ihr noch eine andere?
Wie würdet Ihr Eure Entscheidung begründen?
(Meiner Meinung nach, haben beide Antworten einige derbe "Schönheitsfehler")
T1982
http://www.br-online.de/br-alpha/geist-u...24495000819.xml
Das alte Lied: zählen Konsequenzen oder zählt die Handlung an sich? Dürfen Menschen zu Mitteln für andere Zwecke werden? Im Link gibt es das Gleis-Beispiel unter neurowissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet.
PS
Ich lege die Weiche um (utilitaristisch) - Nicht-Handeln ist auch ein Handeln
FLorian K.
Ah danke für den Link! Daher hatte er das wohl.
Ich habe da eine eigene Antwort auf das Problem... ich würde aus dem Bauch heraus entscheiden. (also je nach persönlichem Empfinden die Weiche umlegen oder nicht)
Ich halte Moral für nicht quantifizierbar und mit den Mitteln der sprachlichen Logik nicht begründbar.
Daher würde ich versuchen zu handeln, ohne diese Handlung zu hinterfragen oder eben untelassen ohne den Sinn der Unterlassung zu hinterfragen.
Ich würde in beiden Fällen versuchen, mich danach so wenig wie möglich schlecht zu fühlen.
Das war übrigens auch meine Antwort bevor ich den Bericht da gesehen habe
FLorian K.
Vielen Dank... man lernt nie aus.
T1982
| Zitat: |
Original von FLorian K.
Vielen Dank... man lernt nie aus. |
Gerne!

In der Tat - das sollte ein JEDER verinnerlichen
Agathon
Hallo,
es ist egal was man tut, man hat auf jeden Fall menschliches Leben auf dem Gewissen.
Angehörige des oder der Getöteten werden dich beschuldigen die falsche Entscheidung getroffen zu haben.
Das einzige was einem dieses
Dilemma meiner Meinung nach lehrt ist, daß es Situationen gibt, in der man nur alles falsch machen kann, egal wie man handelt.
Viele Grüße
Agathon
T1982
| Zitat: |
Original von Agathon
Das einzige was einem dieses Dilemma meiner Meinung nach lehrt ist, daß es Situationen gibt, in der man nur alles falsch machen kann, egal wie man handelt. |
Nun, ein Spinoza würde (nicht nur in diesem Fall) das genaue Gegenteil davon behaupten: nach einer genauen Analyse der Situation erkennt man gerade, dass es NICHT die eigene Schuld ist, wenn nach der Entscheidung für einige Leute Leid auftaucht. Es ist nicht eigene Schuld, die man auflädt - sondern eine lange Kausalkette, die zu dieser Situation geführt hat.
Gruß
Archibald
@ Florian:
Ich würde meine Entscheidung durch Rückschlussfolgerung begründen:
"Warum befindet sich die Person auf den Weichen, hat sie nichts von der Gefahr gewusst?"
"Sind die Weichen ordnungsgemäß nach Plan gestellt? Wenn nicht, warum nicht?"
"Wieso ist die Weiche so eingestellt, dass der Zug mit Sicherheit entgleisen würde?"
usw.
Jörn
| Zitat: |
Original von Agathon
es ist egal was man tut, man hat auf jeden Fall menschliches Leben auf dem Gewissen. |
es ist egal was man tut, man hat auf jeden Fall menschliches Leben gerettet.
(wenn obiges gilt, dann doch auch das unten, oder?)
Nadia
Hi junger T-Philosoph
Na, da bist du ja wieder.Siehst du dich als Lehrender?
Nadja
Norich
| Zitat: |
Original von T1982
PS
Ich lege die Weiche um (utilitaristisch) - Nicht-Handeln ist auch ein Handeln |
denke auch so, 5 leben sind besser als 1 ...
was würdet ihr tun müsstet ihr entscheiden zwischen dem wärter, also nicht euch... der immer zur gleichen zeit den gleisdienst macht, und den personen aus dem zug die zu schnell auf den wärter zufahren... würdet ihr sagen er solle dort verschwinden oder nichts sagen und den zug fahren lassen (über ihn)
| Zitat: |
Heinrich
es ist egal was man tut, man hat auf jeden Fall menschliches Leben gerettet.
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naja man tötet es auch...
Lithrian
Ich denke, man lernt nicht, was man tun würde oder sollte, sondern man lernt zu hoffen, dass man nicht in solche Situationen kommt...
Jörn
| Zitat: |
Original von Norich
naja man tötet es auch... |
dadurch, dass du meinen Beitrag halbiert hast, fehlt halt jetzt genau die Hälfte, die du monierst ...
Androklus
| Zitat: |
Original von FLorian K.
Ah danke für den Link! Daher hatte er das wohl.
Ich habe da eine eigene Antwort auf das Problem... ich würde aus dem Bauch heraus entscheiden. (also je nach persönlichem Empfinden die Weiche umlegen oder nicht)
Ich halte Moral für nicht quantifizierbar und mit den Mitteln der sprachlichen Logik nicht begründbar.
Daher würde ich versuchen zu handeln, ohne diese Handlung zu hinterfragen oder eben untelassen ohne den Sinn der Unterlassung zu hinterfragen.
Ich würde in beiden Fällen versuchen, mich danach so wenig wie möglich schlecht zu fühlen.
Das war übrigens auch meine Antwort bevor ich den Bericht da gesehen habe
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Bauchentscheidungen haben genauso mit Emotionen zu tun wie ein schlechtes GEwissen.
Und warum ist Moral sprachlich nicht begründbar? Weil sich niemand als Apostel aufspielen will?
FLorian K.
| Zitat: |
Original von Androklus
Bauchentscheidungen haben genauso mit Emotionen zu tun wie ein schlechtes GEwissen.
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Genau! Ich sehe moralische Entscheidungen als emotionale Entscheidungen an.
Weil der moralische Kompass des Menschen eben auch ein emotionaler ist. (s. z.B. schlechtes Gewissen)
| Zitat: |
Und warum ist Moral sprachlich nicht begründbar? Weil sich niemand als Apostel aufspielen will? |
Vielleicht habe ich das etwas unscharf ausgedrückt. Nicht begründbar meint hier: Nicht beweisbar im Hinblick auf ihre Allgemeingültigkeit.
Agathon
| Zitat: |
Original von Heinrich
es ist egal was man tut, man hat auf jeden Fall menschliches Leben gerettet.
(wenn obiges gilt, dann doch auch das unten, oder?) |
Naja als Held wird man wahrscheinlich nicht gefeiert werden, aber moralisch verurteilt wohl auch nicht. Die meisten sind sicher eher froh, daß sie nicht in deiner Haut gesteckt haben.
Da die Situation sowieso ausweglos ist, was wäre wenn man einfach eine Münze wirft und das Schicksal entscheiden lässt?
Kann man dann noch moralisch verurteilt werden?
schlinge
Ich glaube, es war Daedron, der schrieb:" Gott sein, der sich gern ans Kreuz nagelt".
Passt zu dem Thread.
ete
| Zitat: |
Original von FLorian K.
Genau! Ich sehe moralische Entscheidungen als emotionale Entscheidungen an.
Weil der moralische Kompass des Menschen eben auch ein emotionaler ist. (s. z.B. schlechtes Gewissen) |
Jein.
Es geht zwar um moralisches Wahrnehmen, dazu auch um Argumentieren und Handeln, also um die philosophische Untersuchung hinsichtlich der Frage, wie der 'moral point of view' bestimmt werden kann. Dieser Reflektions- und Begründungsanteil hat viel mit der Ratio zu tun.
Androklus
@Florian: Aber ich sehe da einen Widerspruch. Müßtest du dann nicht versuchen die Entscheidung rational zu treffen.
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