Rebecca
Das Wort "Bildung" wird ja viel in den Mund genommen. Aber weit gefehlt, so man denn sagt: Lasst Taten sprechen.
Deutschland ist einmal das Land der Dichter und Denker gewesen. Und selbstverständlich gibt es auch weiterhin die fähigen Menschen in unseren Reihen. Sieht man ja täglich, wenn man hier im Forum liest. *Schleim*
Aber im Ernst, ich finde es erschreckend, wie wenig doch viele Jugendliche wissen. Ich wohne in einem Dichterviertel, aber als ich mal so beiläufig einen Nachbarsjungen von 14 nach Heine fragte, da hatte der den Namen noch nie gehört. Nur als Beispiel.
"Kinder sind unsere Zukunft" im Sinne der Erfüllung eines Generationsvertrages ist heute wohl in Anbetracht der desolaten Lage in unserem Lande schon beinahe so was wie "Blasphemie". Anmaßung. Aber ich bin der Meinung, dass unsere Kinder selbst eine Zukunft haben sollten. Und da ist nun einmal in meinen Augen "Bildung" ein ganz wesentlicher Faktor, um erfolgreich im (Alltags)leben bestehen zu können.
Aber ich glaube auch, dass es "Bildung für alle" geben muss. Für alle "bezahlbar gemacht" und zu eröffnen. Mehr spezielle Förderung des Einzelnen, mehr Lehrerqualifikation, für die es nicht nur ein Gelderwerb als Beruf sondern Berufung ist.
Aber meine Frage: Wie seht ihr das? Was muss in unserem Bildungswesen getan werden? Wie motiviert man die Jugend?
Was muss unser Staat dringend für Änderungen herbeiführen?
Ich hörte beispielsweise aus Österreich, dass es dort ein Jahr so eine Art "Vorschule" für Kinder aus ausländischen Familien gibt, wo es also eine Sprachförderung bereits im Vorfeld der Schule gibt. Und nicht erst eine schon vorprogrammierte Ausgrenzung der Erstklässler, wo zu Hause die Eltern vielleicht auch wenig Deutsch können. Nur so als Beispiel.
Ich finde, es wird viel von Bildung geredet - aber was wird denn wirklich getan? Darüber nachgedacht, ob es kostenlosen Kakao oder Milch geben soll?
Seneca meinte
Non vitae sed scolae discimus
Eltern sagten es immer mahnend ihren Kindern anders herum: Für das Leben lernen wir....
Das sollte so verinnerlicht werden und weitergegeben. Aber was liegt im Argen mit unserem "Bildungswesen"? Was sind dringende Erfordernisse, damit Deutschland sich nicht bei einer "Pisa-Studie" blamiert? Und man auf eine Frage nach Verdi nicht nur hört, das sei eine Gewerkschaft...
Was sollte unser Staat für Bildung tun?
Freundliche Grüße
Rebecca
T1982
| Zitat: |
Original von Rebecca
Was sollte unser Staat für Bildung tun?
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Die katastrophalen Zustände an den Universitäten bzgl. des akademischen Mittelbaus ändern! Man darf nur 12 Jahre mit befristeten Stellen an der Universität beschäftigt werden – im akademischen Mittelbau gibt es aber (praktisch) keine unbefristeten Stellen mehr. Was heißt das? Entweder hat man mit Ende 30/Anfang 40 seine Professur oder man ist arbeitslos. Die Folgen? Zum Einen: das Potential von hochqualifizierten, fähigen Leute liegt anschließend brach. Zum Anderen: eine Unmenge an qualifizierten (Nachwuchs)Wissenschaftlern kehrt, um auf Nummer Sicher zu gehen, schon früh der akademischen Arbeitswelt den Rücken…
Und das ist einem Land, das sich – gerade in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit – um kaum etwas mehr kümmern sollte als um Bildung, Forschung und Wissenschaft...
schlinge
Bildung ist ständiges Betreten des Unbekannten. Mit Bildungssystem kann man das nicht bezwingen. Und Bildung wird nie ein paar % der Bevölkerung überschreiten, die meisten fühlen sich vom Geburt an gebildet.
Über "Bildung" kann man streiten und Wähler gewinnen , aber es ist was es ist, ein Gefühl "ich weiß, dass ich nichts weiß".
Archibald
@ Rebecca:
Ich denke, der Inhald des Lehrstoffes, also dessen, was gesellschaftlich relevant ist, hat sich verändert, und, das, was man wirklich lernen muss, dem kommen veraltete Lehrpläne nicht nach; wir leben im Computerzeitalter, und, da ist es wichtiger zu wissen, welchen Browser man wofür braucht als zu wissen, wie dieser Heiner (oder hiess der anders) war.
Zumal der konservative Bildungsplan es versäumt hat, das (z.B.) fürs Abitur zu lernende kompakt genug zusammenzufassen.
barbara
| Zitat: |
Original von Rebecca
Aber ich glaube auch, dass es "Bildung für alle" geben muss. Für alle "bezahlbar gemacht" und zu eröffnen. Mehr spezielle Förderung des Einzelnen, mehr Lehrerqualifikation, für die es nicht nur ein Gelderwerb als Beruf sondern Berufung ist. |
Ich habe eher Einblick in die Verhältnisse der Schweiz und Frankreich, die grundlegenden Malaisen, nehme ihc an, werden überall etwa dieselben sein...
überfrachtete Lehrpläne, zu detaillierte Lehrpläne. Zu viel Bürokratie. Zu wenig Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten für dein Einzelnen, seien es LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern.
Das System "Bildungsgutschein" wär mE einen Versuch wert und würde auf alle Fälle reichlich Bewegung in die Bildungslandschaft bringen. Gemeinsam mit einem System standardisierter staatlicher Prüfungen, die vergleichbare Qualifikationen bundesweit oder gar europaweit schaffen.
| Zitat: |
Original von Rebecca
Aber meine Frage: Wie seht ihr das? Was muss in unserem Bildungswesen getan werden? Wie motiviert man die Jugend? |
Kinder lernen von Natur aus gerne. Da ist es ein Unding, sie motivieren zu wollen. Wenn sie etwas interessiert, sind sie Feuer und Flamme und lernen eine Unmenge Informationen in kürzester Zeit.
Sinnvoller wäre, Kinder darin zu unterstützen, ihre eigenen Motive zu finden, ihre eigenen Gründe, etwas zu lernen.
grüsse, barbara
Agathon
Hallo,
solange wir Erwachsenen der Bildung keinen höheren Stellenwert zuweisen, wird sie sich auch nicht in unserer Gesellschaft verankern, da kann die Politik auch nicht mehr viel tun.
Mal ehrlich, nach Abschluß der Schule oder der Uni ist Schluß mit Bildung, daß einzige was dann noch gelesen wird ist höchstens die 'Bild' oder Einkaufsprospekte.
Wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen und die Eltern vorm Fernseher oder Computer sitzen, werden sie sich sicher schon fragen, was sie überhaupt von der Schule haben und warum sie dort lernen?
Oder die Eltern haben gerade mal einen Realschulabschluß, haben es aber als Autohändler oder Immobilienmakler zu etwas gebracht, haben ein eigenes Haus und fahren protzige Autos, wozu dann noch Bildung?
Viele Grüße
Agathon
Rebecca
Hallo zusammen und vielen Dank erst einmal für eure Antworten.
Ja, es ist, wie es ist - und das ist traurig. Wenn also, wie geschehen, ein Kind gefragt wird, was es einmal werden möchte und dann antworte: Hartz IV-ler, dann wirft das ein bezeichnendes Bild auf die Situation in unserem Lande.
Mit der wir uns aber keineswegs abfinden dürfen.
Gerade hier die User in diesem Forum, die sich doch philosophisch, sprich: denkend, betätigen, wissen doch um den Unterschied von einer "blanken Existenz" und "durchgeistigter Sinn- und Wesenserforschung" aller Dinge.
Jetzt würde sich natürlich die Frage ergeben: Muss das sein? Kann ich nicht morgens aufstehen und das tun, was mir gewährleistet, dass ich mir meine Brötchen kaufen kann. Und wenn ich diese mir erarbeitet habe, mich dem Spaß und Spiel in Talkshows o.ä. widmen kann. Alles so lehrreich, mitten aus dem Leben. Und so dämlich. Aber das darf doch nicht bezeichnend für eine junge Generation sein und weiterhin bleiben?
Schon richtig, dass es immer eine "geistige Elite", wenn ich das mal so nennen darf, gegeben hat und geben wird. Aber warum? Bildung war eben nicht für alle da, nicht allen zugänglich. Da fielen schon einmal arme Menschen direkt aus dem Raster, wenn sie sich ein Studium bzw. das ihrer Filia oder des filius nicht leisten konnten. Das fing doch schon bei Schuldgeld an, bei der Verpflichtung des Selbstkaufes von Lehrmitteln etc.
Bildung war ein Privileg der Reichen. Na ja, die "Klassen" mussten erhalten bleiben. Die "Macht" der "Oberen" gewahrt bleiben.
Es gibt doch so viele fähige junge Menschen im Lande und es wäre traurig, wenn diese nicht entsprechend gefördert würden.
Und ich bin der Meinung, dass es ganz wichtig ist, das, was man schlichtweg "Kultur" nennt, ein Erbe der Musik, der Litaratur, der Malerei....um nur einige zu nennen, allen zugänglich machen muss - fernab auch späterer pekuniärer Verwertbarkeit.
Ich selbst habe Latein nicht gemocht, war aber hinterher dankbar, dass man mich dazu "zwang" es zu lernen, denn ich empfand, dass durch Latein bsp. man logisches Denken lernt. Aber das nur am Rande.
Ich finde es, wie Barbara anführt, sehr wichtig, die Kinder zu motivieren, d.h. sie nicht zu blockieren in ihrem ureigensten Bedürfnis nach Erfahrungen und Wissen. Sie sollten aber wählen können aus vielen Möglichkeiten, wo sich dann ihre Stärken herauskristallisieren. Das bedingt aber erst einmal eine Beschäftigung mit allem und nicht direkt eine "Förderung" in eine bestimmte Richtung, nur weil der Knabe doch schon früh einen Nagel in die Wand schlagen konnte. "Ach, ganz der Vater, das wird mal ein geschickter....." was auch immer.
Eine Förderung also von besser ausgebildeten Lehrern, die mehr "Einzelbetrachtung" machen als sture Orientierung an Lehrstoffen?
Was kann man tun? Welche neuen Möglichkeiten sollte man aufzeigen und auch gesetzlich verankern?
Wenn man sich vorstellt, dass in den Regelsätzen von Hartz IV "Bildung" mit Euro Null zu Buche schlug, dann kann man nur sagen: Armes Deutschland.
Freundliche Grüße
Rebecca
Archibald
@ Agathon:
Mal ehrlich, nach Abschluß der Schule oder der Uni ist Schluß mit Bildung, daß einzige was dann noch gelesen wird ist höchstens die 'Bild' oder Einkaufsprospekte.
Recht hast du, und, das Ganze ist auch nicht gut so!
Ich vermisse im Laufe meines Lebens zusehends meine Allgemeinbildung, und, das Arbeitsleben ist dieser auch nicht förderlich!
In meinen Augen müsste es eine Art "Bildung für Erwachsene" geben, und zwar, wenigstens einen Tag in 2 Wochen, werktags, ohne Lohnabzug.
ewig
| Zitat: |
Original von barbara
Kinder lernen von Natur aus gerne. Da ist es ein Unding, sie motivieren zu wollen. Wenn sie etwas interessiert, sind sie Feuer und Flamme und lernen eine Unmenge Informationen in kürzester Zeit.
Sinnvoller wäre, Kinder darin zu unterstützen, ihre eigenen Motive zu finden, ihre eigenen Gründe, etwas zu lernen. |
Das klingt immer sehr hübsch und ist auch richtig, allein, wir können (bislang) nicht für jedes Kind eine separate Lehrkraft abstellen, sondern müssen pädagogische Bemühungen bündeln, so daß Hänschen Klein eben heute wie alle anderen das Dividieren lernt und nicht, wie man eine Lokomotive bedient, obwohl er letzteres vermutlich viel lieber (und motivierter) lernen würde.
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Original von Rebecca
Ja, es ist, wie es ist - und das ist traurig. Wenn also, wie geschehen, ein Kind gefragt wird, was es einmal werden möchte und dann antworte: Hartz IV-ler, dann wirft das ein bezeichnendes Bild auf die Situation in unserem Lande. |
Diese Einstellung ist aber letztlich weniger unrealistisch als der Glaube, morgen wären wie von Zauberhand für alle Kinderlein von heute Planstellen erwachsen, mit denen ihr Lebensunterhalt gesichert und ihr Lebensinhalt gewährleistet sei. Die Arbeitswelt von morgen wird nur eine Fortsetzung der Abeitswelt von heute sein und die ist der reinste Krampf, zermürbend, das Gegenteil von einladend. Man wird dazu
gepreßt, um nach Arbeit zu
betteln und erhält in der überwiegenden Anzahl der Fälle eine
entmutigende Absage. Wo soll sie denn da herkommen, die Motivation, um für diesen Fleischwolf zu lernen? Hartz4 ist da im Vergleich einfach nicht ausreichend demütigender als das. (Noch nicht.)
barbara
| Zitat: |
Original von ewig
Das klingt immer sehr hübsch und ist auch richtig, allein, wir können (bislang) nicht für jedes Kind eine separate Lehrkraft abstellen, sondern müssen pädagogische Bemühungen bündeln, so daß Hänschen Klein eben heute wie alle anderen das Dividieren lernt und nicht, wie man eine Lokomotive bedient, obwohl er letzteres vermutlich viel lieber (und motivierter) lernen würde. |
Bei dem, was Schule heute alles kaputtmacht scheint mir manchmal, gar keine Schule wär noch besser als das, was jetzt passiert. Da würde man doch lieber einem Lokomotivführer einen Zustupf gehen, damit klein Hänschen ein Jahr lang oder vier Jahre lang mitfahren und das Lokführerhandwerk lernen kann. Die notwendigen Kenntnisse in Rechnen und Schreiben würde er dabei ganz nebenbei auch aufschnappen. Als Lokführer muss man schliesslich Fahrpläne lesen und einhalten können und die Instrumente bedienen können.
Eine Schule, die sich mehr an der Praxis orientiert und am alten Prinzip von Lehrmeister und Lehrling ist sicher nicht schlechter als die Massenabfertigung im Klassenzimmer von heute.
grüsse, barbara
carsten aus bochum
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„Eine Schule, die sich mehr an der Praxis orientiert und am alten Prinzip von Lehrmeister und Lehrling ist sicher nicht schlechter als die Massenabfertigung im Klassenzimmer von heute.“
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Tja, da komme ich auch so manches Mal ins Grübeln.
Hört man von „früher“ assoziiert man das mit Fehlern über Fehlern, kaltem Grauen, schwarzer Pädagogik, stupider Büffelei, alles vom Schlimmsten. Seit dem sind Verbesserungen über Verbesserungen eingetreten, die Klassen kleiner, die Lehrer netter, der Unterricht nicht mehr frontal, alles viel demokratischer, aktiv entdeckend und so geht es seit Jahrzehnten und das Resultat ist, dass wir vielleicht noch nicht von einer Bildungswüste sprechen, aber wir im internationalen Vergleich nun nicht mehr mit stolzem Kamm dastehen.
Und irgendwie passt das hinten und vorne nicht zusammen...
Lithrian
Alte Lehrmethoden müssen nicht immer schlecht sein.
Es geht immer noch schlechter!
Frontalunterricht hat halt einfach die den größten Wert von Information / Zeit...
barbara
Hallo Carsten
ich weiss es nicht ob es so viel besser ist.
Grad heut hab ich aufgeschnappt, wie die Künstler in der Renaissance ausgebildet wurden: jahrelang als Lehrlinge in einem Atelier, sie lernten das Handwerk von Grund auf und übten, übten, übten. Bestimmt in kleineren Gruppen als heute, der Meister immer vor Augen und verfügbar für Fragen. Toll. So wird man wirklich gut in einem Beruf.
und heut: so klein sind die Klassen nach wie vor nicht - in der Erwachsenenbildung sind Gruppen von mehr als 12 Personen selten, in Schulen die Regel - stupide Büffelei, sprich Auswendiglernen, ist so übel gar nicht als Methode und dürfte gern häufiger angewandt werden, aktiv entdeckendes Lernen ist kaum mehr als eine modische Floskel. Und wenn es mal wirklich um die Wurst geht, dann sind auch all die schönen Leitbilder von Gleichheit, Gerechtigkeit und so weiter vergessen, am Schluss ist es doch nur Dressur, und nichts anderes, der Schüler hat zu parieren, das wars. Und wer das nicht tut, auf den wird eine Armee von Spezialistinnen losgelassn, wenn nötig bis zum demütigenden Etikett "nicht therapierbar". Wo ich es grundsätzlich für eine ganz gesunde Sache halte, dieses verlogene System nicht zu mögen und dagegen Widerstand zu leisten.
Da frag ich mich doch, ob es früher trotz aller Probleme nicht möglicherweise einfacher und klarer war, wo immerhin klar gesagt wurde, dass es um Dressur geht - es war eine Einheit von Reden udn Handeln, auch wenn das Handeln oft in Gewalt bestand. Während heute tonnenweise Wischiwaschi und Gesülze abgeliefert wird, darin findet sich doch niemand zurecht, da gibts nichts, woran sich ein Kind halten kann.
(ja, die Vermutung ist richtig, ich hab einige schlechte und schockierende Erfahrungen mit öffentlicher Schule gemacht)
grüsse, barbara
carsten aus bochum
Naja, irgendwie ist wohl nicht so richtig angekommen, dass ich genau das auch meinte.
Meine schlimmsten Lehrer waren diese Sozialärsche, die einen, ob man wollte oder nicht, in den Klassenverband integrieren wollten.
Dabei hätte mir interessanter Unterricht schon gereicht.
barbara
Womöglich hab ich auch einfach die passende Gelegenheit genutzt, wieder mal etwas Dampf abzulassen. Es ging keineswegs darum, dir zu widersprechen, auch wenn ich dein Lob der "modernen Verbesserungen" durchaus eher wörtlich als ironisch verstanden hatte.
grüsse, barbara
Reinhard
Hallo, ich denke, Bildungswesen ist ja nur die Begleitung eines auf Eigeninitiative angewiesenen Strebens. Meist sagen Eltern ja, meinem Kind soll es mal besser gehen als uns und meinen hauptsächlich materielle, existenzielle Zusammenhänge. Der Mensch lebt nicht vom Geld allein, könnte man heute fast spöttisch sagen. Wenn Eltern sich also abplacken, um ihren Kindern gute Voraussetzungen für später zu schaffen, vergessen sie dabei oft völlig, dass Wertschätzungen nicht aus materiellem Streben selbst erwachsen können. Hier läge in erster Linie das Problem, das durch ein begleitendes System allein nicht behoben werden kann. Wodurch sonst? Durch Eindämmung solcher Denkweisen und da beisst sich dann die Katze in ihren berühmt, berüchtigten Schwanz.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Rebecca
Lieber Reinhard, vollkommen d´accord mit dir. Die Bildungs-Bewusstseinsbildung müsste begleitend zum "Wissenserwerb" und Förderung des Einzelnen zwecks Erlangung der Möglichkeit zum "Überleben" durch Einsatz seiner Fähigkeiten noch "Herzensbildung" betreiben. Im Sinne von: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Denn eine traurige Grundstimmung hat sich m.E nach Raum geschaffen, und nicht zuletzt durch eine verlogene Politik. Nämlich die eines "ichglaubenix"-Denkens. Und das mit dem "Hier und Heute" leben ist ja ganz gut und schön. Aber ohne den Zusatz: Nach uns die Sintflut!
Denn das fordert zu Egoismus auf. Jeder ist sich selbst der Nächste.
Ich meine, es ist schon so viel an Werten verloren gegangen.
Freundliche Grüße
Rebecca
Libertad
Manches Mal gewinne ich den Eindruck, da ist schon gefährlich viel Bezug auf Werte verloren gegangen, die Menschen kennen nicht mehr die großen drei - Medizin, Recht und Wirtschaft. Die Gestaltung dieser Werte durch Forderung wird öffentlich gerne nicht unterstützt. Die deutsche Ausgabe einer großen französischen Monatszeitung hat darauf erst kürzlich Bezug genommen.
Die Politik kracht einen Nihilismus nach dem anderen raus, die Relevanz der medialen Tagespolitik ist nichtig. Der Sekundenzeiger der Agenda wird gehegt und geflegt und immer wieder hochpoliert dargestellt, vom Datumsrädchen der Agenda wissen nur noch einige wenige zu berichten.
Wäre es eine Aufgabe der öffentlichen Bildung, effiziente Wege und Sicherheit im Sein ohne Anwendung von Gewalt zu vermitteln, dann müsste sich einiges verändern. Und wie Reinhard schon beschreibt, der gern propagierte reine Materialismus ist nur der flüchtige Weg zur Zufriedenheit.
Gibt es irgendeine Ameisenkolonie, die Nachwuchs produziert, obwohl es vorn und hinten ungerecht verteilt ist? Das Einzige was auf der Welt gerecht verteilt wurde, ist der Verstand. Jeder glaubt, genug davon zu besitzen.
Apfel
Hallo
Es hapert (unter anderem) an der Notenerosion.
Als ich zur Schule ging, hatte meine alte Philosophielehrerin erklärt, dass die Notengebung im Laufe der Jahrzehnte immer laxer wurden. Dass liegt daran, dass es für Lehrer aus verschiedenen Gründen weniger Ärger bedeutet, mildere Noten zu geben (auch wenn Schüler das nicht wahrhaben wollen). So wie die Berge durch Erosion über die Jahre abgetragen werden, so geht es Werten, die nur durch die seelische Anstrenung der Menschen aufrecht bleiben.
Als Schüler habe ich das damals nicht gerne gehört und ich konnte es nicht leiden, wenn ältere Menschen ihre größere Fleißbereitschaft betonten. Heute muss ich leider feststellen, dass wir seit damals eine weitere Erosionsstufe abgerutscht sind.
Eine andere seelische Erosion vermute ich bei der jetzigen Elterngeneration. Die Bereitschaft, den Kindern Widerstand gegen deren Bequemlichkeit zu leisten, ist gesunken. Außerdem wollte man die tyrannische Pädagogik vorigen Zeit überwinden, also das andere Extrem. Grenzen müssen aber manchmal eben bitter durchgefochten werden. Die heutigen Lehrer haben anscheinend auch keine Lust, doppelten Widerstand zu leisten, also lässt man jede Generation mehr sausen.
Eine einfache Lösung wären strengere Noten an allen Schulen.
Aus meiner Schulzeit weiß ich, dass viele (unter anderem ich) in etlichen Fächern immer nur so knapp durchkamen. Setzt man die Notenanforderungen höher, so kommen dieselben immer noch knapp durch aber auf höherem Niveau, nach dem Motto: Ein Pferd springt so hoch, wie es muss.
T1982
Die Inflation guter Noten geht an der Uni munter weiter. Mit ganz wenigen Ausnahmen (z.B. Jura) liegen Durchschnittsabschlussnoten in praktische allen Fächern zwischen einer einigermaßen hohen 1,x und einer tiefen 2,x.
http://www.wissenschaftsrat.de/texte/7769-07.pdf
Grüße
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