DayDream87
Warum erfand der Mensch das Geld und welche Macht wohnt diesem inne?
Ich lasse die Antworten einfach mal fließen...und sich entwickeln...
Shamatic
Interessantes Thema ! Ich würde hier erstmal nur anmerken wollen, dass sich die Frage nach dem "Warum" nur gebrochen fragen lässt. Wieso: Nur konkrete Individuen (so wie wir jetzt zB) können soetwas wie "Gründe" haben. Da jedoch das, was wir als "Geld" bezeichnen, eine lange und komplexe Geschichte hinter sich hat, gibt es hier keinen "einfachen Grund", so wie das bei Individuen der Fall sein kann. Natürlich muss "es" ja irgendwann angefangen haben und deshalb darf und muss man die Frage nach dem "Grund" schon stellen, aber man muss eben im Hinterkopf behalten, dass diese immer nur
Gültigkeit für eine jeweils konkrete historische Situation besitzt.
Damit hängt zusammen, dass es auch nicht so einfach möglich ist, nach einem homogenen Gegenstand namens "Geld" zu fragen. Heute ist "Geld" zb. was ganz anderes, wie sagen wir vor 3000 Jahren, deshalb muss man hier aufpassen, dass nicht die gegenwärtige Form von "Geld" einfach mal in die Geschichte zurückprojiziert wird. Oder umgekehrt, dass man einfach mal meint (was hier wohl viele schreiben werden), dass "Geld" früher mal ein "reines Tauschmittel" gewesen sei, und dass es deshalb heute immer noch ein "reines Tauschmittel" ist.
Ich würde also -wie so oft- dafür plädieren, über "Geld" nur in jeweils konkreter Form zu reden und nicht so zu tun als sei "Geld" irgendwie ein durch die Geschichte "immer-gleich-bleibendes-ding". Man sollte sich generell davon lösen, immer nur nach der "Substanz" oder dem "Wesen" eines Dinges zu fragen. (ok, es kann sein, dass dieser Beitrag erstmal nicht so verständlich daher kommt, aber das liegt an der zeit und anderen Dingen

)
Morgen wirds dann hoffentlich materialistischer in der Analyse
Tarvoc
Okay, man soll also (historisch-)materialistisch verfahren und nicht idealistisch. Und wie verfährst du nun materialistisch?
Erik van Thom
| Zitat: |
Original von DayDream87
Warum erfand der Mensch das Geld und welche Macht wohnt diesem inne?
Ich lasse die Antworten einfach mal fließen...und sich entwickeln... |
Frueher wurde getauscht, also zB eine Kuh gegen 12 Saecke Weizen oder 10 Saecke Rueben gegen ein Pony.
Das hatte den Nachteil mit dem Rausgeld, wenn etwas unterschiedlich viel wert war und die meisten Bauern eben nicht gerade genug kleine Kuehe zum Wechseln dabei hatten.
Mit der Erfindung des Geldes ist das umgangen. Wuerde man es abschaffen, wuerde wieder getauscht werden, und so wird das ja auch in zB Kriegszeiten mit Masseninflation gemacht.
Durch Geld, das etwas wert ist, und die Sachen, die man sich damit leisten kann, zeigt sich die Macht, die man hat, und der soziale Status.
Agathon
Aber eigentlich sind weniger die materiellen Dinge entscheidend, sondern eher die Dienstleistungen, die man ebenfalls gegen Geld tauschen kann.
Ich glaube darin liegt die eigentliche Macht des Geldes. Wer Geld hat kann andere Leute für sich arbeiten lassen.
Thanasius Lakon
"Permit me to issue and control the money of a nation,
and I care not who makes its laws"
Deutlicher kann man es kaum noch sagen!
Eine kleine Geschichte gibts
hier.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Thanasius Lakon
"Permit me to issue and control the money of a nation, and I care not who makes its laws." |
Etwas kurzsichtig. Im Zweifelsfalle kann der Gesetzgeber immer noch ein Gesetz zur Währungsreform verabschieden und das Geld, das du druckst, einfach entwerten. Es sei denn, du hast noch andere Machtfaktoren in der Hinterhand.
Schneemann
| Zitat: |
Original von DayDream87
Warum erfand der Mensch das Geld und welche Macht wohnt diesem inne?
|
Tja, das war wohl einer der grossen Fehler in der Menschheitsgeschichte.
Der Grundgedanke war natürlich richtig, nämlich statt dem Austausch von Waren ein einheitliches, handliches Zahlungsmittel einzuführen welches man in Waren umrechnet. Damit das funktioniert braucht man aber ein limitiertes Zahlungsmittel das schwer zu beschaffen ist, weshalb man früher klugerweise die limitierten Metalle Gold und Silber wählte. Diese "Währung" war sicher und konstant, es gab also über Jahrhunderte keinerlei Inflation oder ähnliches. Leider waren diese Goldstücke wohl schwer zu tragen und anfällig für Räubereien, weshalb man das Gold und das Silber in Banken verstaute und stattdessen einfach nur noch bedrucktes Papier austauschte anstelle des Goldes. Tja, und letzteres ware der grosse Fehler, denn nun kann man sich plötzlich beliebig neues Geld schaffen, selbst wenn man gar keinen entsprechenden Goldschatz in der Hinterhand hat. Es wird einfach neues Papiergeld gedruckt für das gar keine Goldbarren in den Banken mehr existieren. Genau dies ist heute der Fall und dieses ungedeckte Geld führt dazu dass unser Geld beständig an Wert verliert und dies fürht uns von einer Krise in die nächste. Mein Tipp: kauft wieder Gold.
Gruss,
Schneemann
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Schneemann
Genau dies ist heute der Fall und dieses ungedeckte Geld führt uns von einer Krise in die nächste. |
Als ob die Erfindung von nicht-gedecktem Geld irgendwie Zufall wäre und nicht bestimmten Zwecken diente. Geld wird nicht einfach so gedruckt, wenn gar niemand ein Interesse daran hat - selbst dann nicht, wenn man's kann. Was uns von einer Krise in die nächste führt, ist die Dynamik des Kapitals.
mark
| Zitat: |
| Original von Tarvoc Was uns von einer Krise in die nächste führt, ist die Dynamik des Kapitals. |
kann man durchaus so ausdrücken.
dies sache ist natürlich die, dass in dieser dynamik natürlich andere grössen auch eine rolle spielen. und jeder nimmt sich eben seine lieblingsgrösse heraus, je nachdem was er für naturgegeben, nicht veränderbar, nicht realistischerweise veränderbar, nicht wünschenswert etc sieht.
da kann eben auch die gier schuld sein. sagen die anderen, die ist ja aber doch wesentlicher antrieb.
und so ist wohl das kapital ebenfalls nicht nur ursache der krise sondern auch ursache des funktionierens.
ist ein bissschen wie bei vermeintlichen nebenwirkungen die nur unerwünschte effekte der eigentlichen wirkung sind. das ist ja nicht immer zu trennen.
die amerikaner haben da eine echt locker einstellung dazu, die krise gehört eben dazu, die armut auch, krise ist gut, armut ist gut, das ganze betrachtend. der einzig wirklich soziale gedanke dazu ist, dass sich das rad dreht und die armut niemanden per geburt trifft oder vergleichbares. denn das ist sozusagen armut die nicht gut ist. verständlicherweise. armut ist ja nur dann gut, wenn sie als antrieb wirkt, das heisst, es braucht eine realistische perspektive. das ist der gesamte sozialgedanke der amerikaner. so eine art chancengleichheit.
es ist schwierig, dem etwas substantielles entgegen zu setzen.
gruss
Sun Deluge
Hallo,
Waren welche untereinander getauscht wurden, waren abhängig vom Nutzen und wie viel man davon finden konnte - Gold war und ist noch heute wahrscheinlich so viel wert, weil es eben selten ist. Geld hingegen kann man ständig vermehren. Nur, der Wert wird willkürlich gegeben, so wie die Gesellschaft zu diesem gerade steht. Das unterscheidet Paper vom Nutzen der Waren. Der reale Bezug fehlt, weil dieser Nutzen zweideutig gesehen wird: mit Geld kann man bezahlen, aber man kann es nicht essen, weil es nur für ein Zweck steht.
Gruss
Archibald
@ Daydream:
Er erfand es, weil direkter Tausch nicht funktioniert: Ich tausche einen Tisch gegen ein Paar Schuhe; mein Gegenüber braucht aber einen Stuhl, und ich eine andere Schuhgröße.
Geld ist ein universelles Tauschmittel, das erleichtert das Erreichen der Tauschabsicht!
Shamatic
Warum sollte ein Gegenstand von sich aus irgendwie "Wert" (in diesem Begriff liegt das ganze Mysterium) erlangen ? "Tauschwerte" sind immer gesellschaftlich zugeschriebene "Werte". Anders gesagt: Die "Werthaftigkeit" eines Gegenstandes resultiert nicht einfach aus der "Seltenheit" des Gegenstandes, als wäre das irgendein natürlicher Mechanismus, sondern erst die gesellschaftlich konstruierten Zuschreibungen erschaffen dieses mysteriöse Etwas, das wir (Tausch-) Wert nennen. Also ist auch das Gold Resultat dieser Zuschreibungsprozesse, mit denen ein Tauschwert erst in die Welt gesetzt wird und gesellschaftliche Relevanz erhält. Man könnte in diesem Sinne sagen, dass der "Tauschwert" eine "objektive Gedankenform" darstellt.
Anders gesagt: Der "Tauschwert" ist eine gesellschaftliche Fiktion, die jedoch reale Auswirkungen hat ! (und hier lässt sich natürlich drüber streiten, wie diese Auswirkungen zu beurteilen sind....)
Erstmal soweit, muss los.
Kai
Die Menschheit hätte sich zu ihrer heutigen Höhe (Wissenschaft, Technik, Kultur, Produktivität) nicht entwickeln können ohne Arbeitsteilung. (Menschen teilen sie sich die Arbeit so, dass verschiedene Menschen verschiedene Tätigkeiten verrichten, für die sie ausgebildet oder besonders begabt sind, die aber jede für sich allein nicht reichen würde um einem Menschen oder der Menschheit das Überleben zu ermöglichen.) Arbeitsteilung aber macht Tausch unumgänglich. Tausch wiederum macht Geld unumgänglich. Und wenn einmal etwas als Zweck entstanden ist, dann entwickelt es oft eine Eigendynamik, wird zum Selbstzweck. So ist es auch mit dem Geld.
Geld ist ein unabdingbarer Bestandteil der modernen Welt. Auf nationaler Ebene haben sich in den letzten 150 Jahren Regelwerke entwickelt, innerhalb derer sich der Geldverkehr bewegt. Aber die heutigen Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten haben die Welt bzw. die Erde so "schrumpfen" lassen, dass wir internationale Regelwerke für Geldverkehr benötigen. Und da es gelungen ist, auf nationaler Ebene solche Regelwerke zu schaffen, warum sollte es da nicht gelingen, solche auch auf internationaler Ebene zu schaffen? Die Versuche das Geld gänzlich abzuschaffen sind jedenfalls im 20. Jahrhundert mehrfach grandios bzw. grausamst gescheitert.
Androklus
Mit Geld lassen sich durch Kauf eher direkt die Dinge besorgen welche auch wirklich benötigt werden. Als im reinen Gegenstandstauschen.
Wenn Bauer Meier Wolle braucht aber der Schäfer keine Milch oder Kühe haben will muß Bauer Meier über Umwege versuchen andere Tauschgegenstände zu besorgen um doch noch an Wolle zu kommen. Oder jemand anderen mit Wolle finden.
Ich finde die Frage viel spannender: wie haben es wenige MEnschen geschafft sich vor anderen zu bereichern um Macht/Anhänger zu gewinnen um noch reicher und mächtiger zu werden?
Das war nämlich schon immer so bis heute.
Monarchen, Ölscheichs, Bill Gates. Ok, bei Bill Gates weiß ich es...
ewig
Geld ist ein reines Tauschmittel.
| Zitat: |
Original von Kai
Die Versuche das Geld gänzlich abzuschaffen sind jedenfalls im 20. Jahrhundert mehrfach grandios bzw. grausamst gescheitert. |
Welche gab's denn da so?
| Zitat: |
Original von Androklus
Ok, bei Bill Gates weiß ich es...
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Erzähl mal.
Kai
Welche Versuche es gab, das Geld abzuschaffen? Die Kommunisten wollten das Geld abschaffen, bzw. Verhältnisse herbeiführen, in denen es verschwinden würde.
Für Marx war Geld etwas, das an einem bestimmten Entwicklungspunkt der Menschheit mit Notwendigkeit entsteht, aber an einem späteren Entwicklungspunkt der Menschheit mit Notwendigkeit wieder verschwindet. Denn im Kommunismus (der nach Marx das notwendige Ergebnis der menschlichen Geschichte ist) würden alle Menschen nach ihren Fähigkeiten arbeiten und von dem Erarbeiteten nach ihren Bedürfnissen nehmen. Ohne das Geld nötig sei, um die Verteilung der Güter und Dienstleitung irgendwie zu steuern. Diesen Auffassungen lag ein irreales, viel zu optimistisches Menschenbild zu Grunde.
Wo die Kommunisten an die Macht kamen, behielten sie zwar das Geld bei, aber dies sollte nur ein vorübergehender Zustand sein, bis der Kommunismus realisiert sei. Außerdem hatte nach ihrer Vorstellung Geld im Sozialismus eine andere Bedeutung als im Kapitalismus. Eigentlich bleibt nur der Name. Der marxistischen Ökonomie nach verlieren die Produktionsmittel durch die Vergesellschaftung im Sozialismus sofort ihre Wertform und sind nur noch Gebrauchswerte. Dadurch gibt es keine Warenproduktion, keine Lohnarbeit und kein Geld mehr. Solange das Leistungsprinzip noch gelten würde, bekämen die Arbeiter einen Gutschein, aus dem hervorgeht, wieviel Arbeit sie geleistet haben und welcher Anteil am Konsumgüterfont ihnen daher zusteht. Aber das ist kein Geld mehr. Es zirkuliert nicht mehr.
Wie weit man mit diesen kommunistischen Experimenten gekommen ist, weiß jeder, der nicht durch ideologisch bedingte unbewusste Erkenntnisschranken daran gehindert ist, offensichtliche Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Kai
Wie weit man mit diesen kommunistischen Experimenten gekommen ist, weiß jeder, der nicht durch ideologisch bedingte unbewusste Erkenntnisschranken daran gehindert ist, offensichtliche Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. |
Ich hab' mir ja zuerst überlegt, auf deinen Beitrag argumentativ zu antworten, aber bei dem Satz kam mir die Erleuchtung. Du hast völlig Recht: Wer bin ich schon, dass ich mit meinen ideologischen unbewussten Erkenntnisschranken mit Dir, der Du direkten, unmittelbaren Einblick in das Reich der offensichtlichen Tatsachen hast, diskutieren könnte? Nein, mir gebührt es nur, still meinen Platz einzunehmen und Deinen befreienden, erleuchtenden Worten zu lauschen. Ich habe Dir sogar dankbar dafür zu sein, dass Du überhaupt bereit bist, meine exzentrische, anachronistische Präsenz zu tolerieren. Vielen
Dank,
Meister.
ewig
Hallo Kai,
Die mir bekannten Formen des praktizierten Kommunismus/Sozialismus haben die Geldzirkulation nicht angetastet. Möglicherweise kenne ich einfach zu wenige. Vielleicht könntest Du ja ein Beispiel dafür bringen, wo Münz- und Papiergeld wirklich mit dem Anspruch auf Dauerhaftigkeit abgeschafft und durch die Ausgabe von Bezugsscheinen für Leistungen ersetzt wurde. (Und dies am besten nicht in einer Phase, in der das herkömmliche Geld gerade zufällig durch ökonomische Entwicklungen oder den politischen Zusammenbruch eines Staatswesens entwertet wurde, denn dort könnte man ja behaupten, die Umstellung hätte mit der Entwertung zu tun.)
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