Shamatic
Tag,
Ist die "Urknall-Theorie" die naturwissenschaftliche Rekonstruktion des Schöpfungsmythos (gibt zwar mehrere, aber ich meine die Vorstellung, dass "Gott" oder irgendein "Wesen" die Welt mit einem Male erschuf) ? Ist die Urknall-Theorie womöglich durch unsere kulturelle Tradition und Denkfiguren geprägt ? Wie seht ihr da die Zusammenhänge ? Ich habe auch mal was von einem Physiker gelesen, der die Ansicht vertrat, dass der "Bigbang" nur eine Art populärwissenschaftliche Verarbeitung und Präsentation der Physik ist. Leider weiß ich nicht mehr, wie dieser hieß. Wie sieht eigentlich die Kritik an der der Urknall Theorie aus ? Und wieso hört man so selten von dieser Kritik ? Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass im Alltagsbewusstsein vom "Urknall" als einer Tatsache gesprochen wird, da wird überhaupt nicht reflektiert, dass es sich um eine Theorie handelt. Wie sehen die Zusammenhänge zwischen Datenerhebung und Interpretation aus ?
Würd mich ma interessieren, was dazu so gedacht wird.
glorin
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| Ich habe auch mal was von einem Physiker gelesen, der die Ansicht vertrat, dass der "Bigbang" nur eine Art populärwissenschaftliche Verarbeitung und Präsentation der Physik ist. |
Dies kann eigentlich nicht sein. Denn die Physik kann sich genauso wenig mit den Urknall wie mit den Sternen beschäftigen.
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| Wie sieht eigentlich die Kritik an der der Urknall Theorie aus ? Und wieso hört man so selten von dieser Kritik ? Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass im Alltagsbewusstsein vom "Urknall" als einer Tatsache gesprochen wird, da wird überhaupt nicht reflektiert, dass es sich um eine Theorie handelt. Wie sehen die Zusammenhänge zwischen Datenerhebung und Interpretation aus ? |
Ich halte den Urknall nicht für wahrscheinlicher als jedwegige andere Theorie. Halte diesen aber auch nicht für unwahrscheinlich.
Philipp Wehrli
Zunächst einmal muss man feststellen, dass die Urknalltheorie nicht erklärt, weshalb es eine Welt gibt. Sie erklärt auch nicht, wie aus dem Nichts Etwas wurde. Sie beschreibt nur, wie sich das Universum seit den ersten Hundertstelsekunden(?) entwickelt hat. Es ist angesichts der bekannten Gesetze plausibel anzunehmen, dass es davor keine Zeit gab. Es gibt aber auch seriöse Theorien, nach denen es vor dem Universum ein anderes Universum gab (was 'vor' hier bedeutet, müsste allerdings genauer betrachtet werden).
Diese Urknalltheorie, die die Entwicklung seit den ersten Hundertstelsekunden(?) beschreibt, ist unter Physikern praktisch unbestritten. Ich bin überzeugt, dass sich daran kaum etwas Wesentliches ändern wird.
Seriöse Kritik kann es meiner Ansicht nach nur in zweierlei Hinsicht geben. Erstens eben von Physikern, die sich überlegen, ob es nicht auch ein pulsierendes Universum geben könnte. Oder ob das Universum nicht eher wie ein Schaum aus verschiedenen Universen ist (z. B. Andrej Linde).
Die zweite mögliche Kritik ist, wie oben erwähnt, dass die Urknalltheorie eben den Schöpfungsmythos nicht wirklich ersetzt. Die katholische Kirche behauptet meines Wissens, der Urknall sei eben das, was wir von der Schöpfung noch sehen. Die Urknalltheorie schliesst nicht aus, dass es einen Schöpfergott gibt. Sie erklärt nicht, weshalb es eine Welt gibt.
Telltale
Hi Shamatic
die Urknall-Theorie ist auf ganze simple Weise entstanden.
Beobachtungen haben ergeben, dass sich im All alles voneinander weg bewegt. Und da lag einfach der Schluß nahe, dass es vorher näher bei einander war, was dann im weiteren zu der logischen Annahme eines Urknalls führt. Gut nachvollziehbar eigentlich und völlig unmythisch vor allem.
Gruß
Telltale
glorin
| Zitat: |
| die Urknall-Theorie ist auf ganze simple Weise entstanden. Beobachtungen haben ergeben, dass sich im All alles voneinander weg bewegt. Und da lag einfach der Schluß nahe, dass es vorher näher bei einander war, was dann im weiteren zu der logischen Annahme eines Urknalls führt. Gut nachvollziehbar eigentlich und völlig unmythisch vor allem. |
Unmythisch? Wir kennen weder eine Energie, noch können wir uns die Energie vorstellen die dies bewirkt. Desweiteren ist uns nicht bekannt, warum sich das Universum immer schneller am ausdehnen ist. Bedenke nur mal den Paradoxen von Achilles und der Schildkröte, gleiches Prinzip. Nur das dieser die Schildkröte nie einholen kann und der Urknall nach deiner Aussage nie stattfinden konnte. Denn die Ausdehnug nimmt genauso rational ab, wenn man die Zeit zurück dreht, wie die Schildkröte eingeholt wird, wenn die Zeit weiter läuft.
Kai
Beobachtet wurde nicht, dass sich im All alles voneinander weg bewegt. Beobachtet wurde die Rotverschiebung des Lichts entfernt gelegener Galaxien. Und je weiter die Galaxien entfernt sind, um so mehr ist ihr Licht ins Rote verschoben.
Es gibt meines Wissens unter den Physikern die Minderheitsmeinung, dass sich das Universum nicht ausdehnt, sondern dass die Rotverschiebung des Lichts, die als einziges Indiz für die Expansion des Alls angesehen wird, durch eine Ermühdung des Lichts hervorgerufen wird. Und damit wird dann oft auch gleich der Urknall in Frage gestellt. Ich weise nicht darauf hin, weil ich dieser Theorie anhänge, sondern lediglich um darauf hinzuweisen, dass die Urknalltheorie so total unbestritten nun auch wieder nicht ist.
Nach Popper sind alle Theorie letztendlich Hypothesen.
Eugen
Ein ausgezeichnetes populärwissenschaftliches Buch im besten Sinn zum Thema ist "Big Bang" von Simon Singh.
Die letzte ernsthafte Konkurrenz zum Urknall-Modell war danach das sog. Steady-State-Modell, das u.a. von Fred Hoyle vertreten wurde. Das war aber auch schon in den 1950er Jahren. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass gerade Hoyle nicht nur der Theorie den von ihm spöttisch gemeinten Namen "Big Bang" gab, sondern dass er auch das Problem der sog. Nukleosynthese löste und damit einen entscheidenden Baustein zur Durchsetzung des Urknall-Modells lieferte.
Hoyle hielt bis zum Schluss an seinem Modell fest, sagte aber mit Blick auf die Urknall-Theorie etwas für wissenschaftliche Theorien allgemein sehr Bedenkenswertes:
| Zitat: |
| Ich denke, fairerweise muss man sagen, dass die Theorie starke Überlebensqualitäten beweist, und danach sollte man eigentlich bei einer Theorie suchen. Es gibt eine enge Parallele zwischen Theorie und Beobachtung auf der einen und Mutation und natürlicher Selektion auf der anderen Seite. Die Theorie liefert die Mutationen, die Beobachtung wirkt wie die natürliche Selektion. Es wird nie bewiesen, dass eine Theorie richtig ist. Bestenfalls kann eine Theorie überleben. |
Tatsächlich leistete ein katholischer Priester, Georges Lemaitre, wichtige Vorarbeiten für das Urknall-Modell. Dennoch besteht kein Zweifel, dass diese Theorie ihre Überzeugungskraft allein Beobachtungen und Experimenten nach modernen wissenschaftlichen Standards verdankt und nicht einer vermeintlichen Nähe zu einem religiösen Schöpfungsmythos.
Eugen
| Zitat: |
Original von Kai
Es gibt meines Wissens unter den Physikern die Minderheitsmeinung, dass sich das Universum nicht ausdehnt, sondern dass die Rotverschiebung des Lichts, die als einziges Indiz für die Expansion des Alls angesehen wird, durch eine Ermühdung des Lichts hervorgerufen wird. |
Ja, das war
Fritz Zwicky irgendwann in den 1920/30er Jahren...
Androklus
| Zitat: |
Original von Kai
Beobachtet wurde nicht, dass sich im All alles voneinander weg bewegt. Beobachtet wurde die Rotverschiebung des Lichts entfernt gelegener Galaxien. Und je weiter die Galaxien entfernt sind, um so mehr ist ihr Licht ins Rote verschoben.
Es gibt meines Wissens unter den Physikern die Minderheitsmeinung, dass sich das Universum nicht ausdehnt, sondern dass die Rotverschiebung des Lichts, die als einziges Indiz für die Expansion des Alls angesehen wird, durch eine Ermühdung des Lichts hervorgerufen wird. Und damit wird dann oft auch gleich der Urknall in Frage gestellt. Ich weise nicht darauf hin, weil ich dieser Theorie anhänge, sondern lediglich um darauf hinzuweisen, dass die Urknalltheorie so total unbestritten nun auch wieder nicht ist.
Nach Popper sind alle Theorie letztendlich Hypothesen. |
Nicht nur die Rotverschiebung sondern auch die
kosmische Hintergrundstrahlung...
| Zitat: |
Der Urknall soll den Anfangspunkt der Entstehung von Materie und Raumzeit darstellen. Da die physikalischen Theorien aber die Existenz von Raum, Zeit und Materie voraussetzen, lässt sich der eigentliche Urknall mit ihnen nicht beschreiben. Nach dem Urknall soll in Phasen die heutige physikalische Welt entstanden sein. Bestandteil der Theorie ist auch eine dauerhafte Ausdehnung des Universums. Diese Expansion des Universums, die astronomisch beobachtet werden kann, hat überhaupt erst zur Theorie des Urknalls geführt.
Neben der Expansion kann die Theorie auch das Spektrum der Hintergrundstrahlung des Universums erklären, ebenso die Häufigkeitsverteilung der chemischen Elemente im Weltraum (insbesondere Wasserstoff, Deuterium und die Isotope des Helium).
Erklärt wird auch, warum die ältesten Sterne nicht älter als etwa 13 Milliarden Jahre alt zu sein scheinen: Mit astronomischen Beobachtungen hat man das Alter des Universums – und somit den Zeitpunkt des Urknalls – auf 13,7 Milliarden Jahre eingeschätzt (±0,2 Milliarden Jahre)
Die beobachtete Auseinanderbewegung der Galaxien ergibt zurückgerechnet einen Zeitpunkt, an dem diese auf ein enges Raumgebiet konzentriert waren. Zu jener Zeit muss die Temperatur sehr hoch und der Abstand zwischen allen Objekten sehr gering gewesen sein.
Das prinzipiell mögliche Gegenstück des Urknalls, ein Kollaps des Universums, wird als Big Crunch bezeichnet. Beobachtungen haben allerdings gezeigt, dass die Massendichte im Universum zu gering ist, als dass sie durch ihre Gravitationswirkung einen derartigen Kollaps herbeiführen könnte. Das Universum wird sich vermutlich stetig weiter ausdehnen. |
Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Urknall
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Original von Glorin
Unmythisch? Wir kennen weder eine Energie, noch können wir uns die Energie vorstellen die dies bewirkt. Desweiteren ist uns nicht bekannt, warum sich das Universum immer schneller am ausdehnen ist. Bedenke nur mal den Paradoxen von Achilles und der Schildkröte, gleiches Prinzip. Nur das dieser die Schildkröte nie einholen kann und der Urknall nach deiner Aussage nie stattfinden konnte. Denn die Ausdehnug nimmt genauso rational ab, wenn man die Zeit zurück dreht, wie die Schildkröte eingeholt wird, wenn die Zeit weiter läuft. |
Das Universum hat sich Anfangs inflationär ausgedehnt.
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Bei einem Alter von 1036 s sank die Temperatur auf etwa 1027 K ab. Auf der Grundlage von GUT-Modellen nimmt man an, dass sich die Starke Wechselwirkung bei dieser Temperatur von der GUT-Kraft abspaltete. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit einem Phasenübergang wie dem Kristallisieren von Wasser zu Eis durch Abkühlung. Man geht davon aus, dass diese Abspaltung verzögert eingesetzt hat, so wie es auch bei einem Kristallisationsvorgang möglich ist. Anders als Wasser besitzt ein Eiskristall bestimmte Vorzugsrichtungen, die sich bei der Kristallisation in eine zufällige Richtung orientieren. Dieser Vorgang wird als spontane Symmetriebrechung bezeichnet, in diesem Beispiel die Brechung der Kugelsymmetrie von Wasser.
Die bei der verzögerten Abspaltung freigewordene Energie führte zu einer Phase extrem rascher Expansion, der so genannten Inflation, wobei zwischen den Zeitpunkten 1035 s und 1033 s eine Ausdehnung um einen Faktor von etwa 1050 stattfand. Diese überlichtschnelle Ausdehnung des Universums steht nicht im Widerspruch zur Relativitätstheorie, da diese nur eine überlichtschnelle Bewegung im Raum, nicht jedoch eine überlichtschnelle Ausdehnung des Raumes selbst verbietet. Der Bereich, der dem heute beobachtbaren Universum entspricht, hätte dabei der Theorie zufolge von einem Durchmesser, der den eines Protons weit unterschreitet, auf etwa 10 cm expandieren müssen.
Eine Inflationsphase kann mehrere kosmologische Beobachtungen erklären, für die man andernfalls kaum eine Erklärung findet, nämlich
* die globale Homogenität des Kosmos (Horizontproblem),
* die großräumigen Strukturen im Kosmos wie Galaxien und Galaxienhaufen,
* die geringe Krümmung des Raumes (Flachheitsproblem),
* die Tatsache, dass keine magnetischen Monopole beobachtet werden.
Siehe dazu Inflationäres Universum.
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Für die (beschleunigte) Raumexpansion heute macht man vor allem dunkle Energie verantwortlich.
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Nachdem die Expansion des Universums durch die Beobachtung der Rotverschiebung der Galaxien als etabliert galt, wurden detailliertere Messungen durchgeführt, um die Geschwindigkeit der Expansion und ihre Veränderung über die Lebenszeit des Universums zu bestimmen. Traditionelle Modelle besagten, dass die Expansion aufgrund der Materie und der durch sie wirkenden Gravitationsanziehung verlangsamt wird; Messungen sollten diese Verlangsamung quantifizieren.
Die Messungen, die im Wesentlichen auf Entfernungsbestimmungen weit entfernter Supernovae vom Typ 1a basierten, ergaben entgegen dieser Lehrmeinung eine Zunahme der Expansionsgeschwindigkeit. Diese unerwartete Beobachtung wird seitdem auf eine unbestimmte Dunkle Energie zurückgeführt. In den Modellen besteht das Universum zu 72 % aus Dunkler Energie, 23% aus Dunkler Materie und zu 5 % aus der sichtbaren, baryonischen Materie.
Die Existenz einer Dunklen Energie könnte auch eine Erklärung für die „Flachheit“ des Universums sein. Es ist bekannt, dass die normale Materie nicht ausreicht, um dem Universum eine flache (das heißt im Wesentlichen euklidische) Geometrie zu geben; sie stellt nur 2–5 % der notwendigen Masse. Aus Beobachtungen der gravitativen Anziehung zwischen den Galaxien ergibt sich aber, dass Dunkle Materie maximal 30 % der erforderlichen Materie sein kann. Dunkle Energie (aufgrund der einsteinschen Formel E = mc2 hat sie ein Masseäquivalent) würde die fehlende Masse gerade liefern.
Dunkle Energie ist ebenfalls ein wichtiger Parameter in Modellen zur Strukturbildung im Universum.
Über die genaue Natur der dunklen Energie kann derzeit nur spekuliert werden. Die einfachste Lösung ist, einen geeigneten Wert einer kosmologischen Konstanten zu postulieren und als gegebene und grundlegende Eigenschaft des Universums hinzunehmen.
Ein Vorschlag ist, die dunkle Energie als Vakuumenergie, die in der Quantenfeldtheorie auftritt, zu verstehen. Allerdings gibt es bislang keine überzeugenden quantitativen Herleitungen.
Alternativ wird dunkle Energie als die Wirkung eines Skalarfeldes, Quintessenz genannt, angesehen. Die Fluktuationen eines solchen Feldes breiten sich typischerweise mit Fast-Lichtgeschwindigkeit aus. Aus diesem Grund neigt ein solches Feld auch nicht zu gravitativem Klumpen: Die Fluktuationen in überdichten Regionen strömen sehr schnell in unterdichte Regionen und führen so zu einer praktisch homogenen Verteilung. Die Elementarteilchen, welche man einem solchen Skalarfeld zuschreibt, wären überaus leicht (ungefähr 1082-stel der Masse eines Elektrons) und dürften – von der Gravitation abgesehen – praktisch nicht mit normaler (baryonischer) Materie wechselwirken. |
Wie das mit der Vakuumenergie funktioniert weiß ich auch nicht genau. Irgendwie mit Teilchenpaare welche entstehen und sich wieder vernichten.
Aber die Urknalltheorie erklärt bis jetzt die genannten Beobachtungen am besten und mir ist keine bessere bekannt. Und man kann schon sagen das es eine Theorie ist.
Sophie
Es gibt von Erwin Kohaut (Physiker) und Walter Weiss (Philosoph) philosphisch - physiklaisch Gedanken zur Welt, die sich u.a. kritisch mit der Art und Weise, wie teilweise mit dem Urknallmodell als sicheres Ereignis umgegangen wird, beschäftigen, in
Universum und Bewusstsein
Jörn
| Zitat: |
Original von Shamatic
Ist die "Urknall-Theorie" die naturwissenschaftliche Rekonstruktion des Schöpfungsmythos (gibt zwar mehrere, aber ich meine die Vorstellung, dass "Gott" oder irgendein "Wesen" die Welt mit einem Male erschuf) ? |
Wo soll die Analogie liegen, wenn der Kern des Schöpfungsmythos fehlt, nämlich ein Wesen, das die Welt schöpft. Und in der Regel sind solche Geschichte sinnhaft verfasst. Sinn gehört aber nicht zum Gegenstandsbereich der Physik, oder? Ein weitere Punkt: Solche Mythen sollen das Unfassbare fassbar machen. Ist das beim Urknall so? Ich finde das keineswegs, eher im Gegenteil ...
Kai
Außer Fritz Zwicky vertrat auch Edwin Hubble (der die Rotverschiebung als erster entdeckte) die Ermühdungstheorie. In einem Brief an den Physiker R. A. Millikan vom 15. Mai 1953 schrieb er: »Ich stimme mit Ihnen überein, dass die Hypothese der Lichtermüdung einfacher und weniger irrational ist.« Es gibt noch weitere imposante Namen.
Umfangreiche Darstellung Ermühdung statt Dopplereffekt:
http://morte.martin-gunz.com/kosmos.htm
Telltale
@ Sophie
Meine Güte, wo gräbst Du nur immer diese Sachen aus? Das ist ja wirklich kaum noch zu glauben.
Jedenfalls bin ich Dir nicht nur dankbar, dass Du diesen Link eingestellt hast, sondern mein Herz hat geradezu einen Hüpfer gemacht, als ich auf den Seiten 48/49 auf folgenden Abschnitt gestoßen bin:
| Zitat: |
1. Wie können Raum und Zeit "entstehen", wenn Raum und Zeit (besser: Veränderung) Voraussetzungen des Entstehens sind?
Im Klartext: Raum kann nicht "entstehen": Vielmehr kann ohne Raum nichts (= kein Ding) "entstehen". Und: Veränderung (in etwa gleichbedeutend mit "Zeit" in dem Sinn, daß Zeit erst "entsteht", wenn Bewußtsein Sichveränderndes - also Ding! - beobachtet und mißt!) kann gar nicht entstehen!
Denn: Veränderte sich die Veränderung (= als gemessene: die Zeit), wäre die Veränderung (= also Meßbares) als solche(s) perdu.
Was sollte sich denn an der Veränderung (= der Zeit für das Bewußtsein) verändern, wenn nicht deren ureigenste Eigenschaft, nämlich das Sich-Verändern (= das Zeit-Sein)?
Vielmehr ist das einzige Unveränderliche (in) unserer Welt der Umstand, daß sich eben alles, das sich in der Raumzeit befindet, stets verändert; Heraklit: "Panta rhei - alles fließt."
Oder, schärfer formuliert:
Die Veränderung selbst (als Verändernde des Veränderlichen) ist unveränderlich.
Sie kann daher auch nicht werden oder gar "entstehen". |
Du kannst Dir sicher vorstellen, warum ich da Kopf gestanden habe.
Also Danke nochmals.
Gruß
Telltale
ewig
Mythologisch sind im Zusammenhang mit der Urknallhypothese vor allem folgende Komponenten:
- Am Beginn des weithin angenommenen Ausdehnungsprozesses der Energie sei die Raumzeit (oder alternativ die Energie) "entstanden."
- Am Beginn des weithin angenommenen Ausdehnungsprozesses sei alle Energie auf einen "Punkt" konzentriert gewesen.
Diese Auffassungen verlassen das erklärbare physikalische Paradigma, indem sie Singularitäten einführen, die weder zwingend sind, noch irgend eine Erklärungsmacht haben. Sie bedienen lediglich auf eine zufriedenstellendere Weise die übliche Fragerei nach dem "Und was kam nun davor?", auf das man eigentlich weiterhin antworten muß: "Das bleibt spekulativ." bzw. "Wir wissen es (noch) nicht."
mark
| Zitat: |
Original von Sophie
Es gibt von Erwin Kohaut (Physiker) und Walter Weiss (Philosoph) philosphisch - physiklaisch Gedanken zur Welt, die sich u.a. kritisch mit der Art und Weise, wie teilweise mit dem Urknallmodell als sicheres Ereignis umgegangen wird, beschäftigen, in Universum und Bewusstsein |
da wird natürlich vieles mit berechtigung angesprochen. allerdings ist die lage keineswegs so klar wie man durch diese darstellung veilelicht versucht sein könnte anzunehmen. diese probleme sind in der kosmologie keinesfalls unreflektiert. nur dringt diese reflektion tatsächlich kaum nach aussen und ist in populärwissenschaftlichen darstellungen auch wirklich unterrepräsentiert. aber das ist eben auch kein massstab für die behandlung dieser angelegenheiten in der kosmologie und angrenzender gebiete.
vor einigen jahren gabs mal einen artikel im scientific american, der mir dazu in erinnerung geblieben ist. der titel leutete: misconceptions about the big bang. baffeled by the expansion of the universe? you're not alone. even astronomers frequently get i wrong.
wie üblich wurden die zentralen punkte kurz zusammengefasst: the expansion of the universe is one of the most fundamental concepts of modern science yet one of the most widely misunderstood.
(dazu hat hawking mit sicherheit einen wichtigen beitrag geleistet durch seine wissenschaftsvermittlung im pop art stil. )
und: strictly speaking, the big bang model has very little to sy about the bog bang itself. it describes what happened afterward.
letzteres ist genau der punkt mit der singularität und der "zeitspanne" zwischen einem "zeitpunkt" 0 und dem anfang der gültigkeit der bekannten fundamentaltheorien.
es ist zweifellos richtig daran zu erinnern, dass ein mathematisches modell allein keine physikalische theorie ist. normalerweise abstrahiert man in der physik von den speziellen verläufen der einzelgeschichten. im fall der kosmologie kann das so nicht mehr funktionieren. so kommt man dann ja auch völlig folgerichtig zu diesen kuriositäten "unseres" universums als speziellem einzelereignis unter vielen universen. der effekt tritt quasi automatisch ein, physik und kosmologie stehen einfach in diesem spannungsverhältnis von gesetz und geschichte.
es hilft natürlich wenig, die kosmologie deswegen in die hände der philosophie zu übergeben, denn die ist ja um keinen deut empirischer und leistet nichts, was physiker nicht auch leisten könnten.
ich würde, überraschung, trotzdem vermuten, dass dieser geradezu gordisch anmutende knoten aufzulösen ist. allerdings würd ich ebenfalls vermuten, dass man dazu ne extrem fette und hässliche kröte zu schlucken muss. wär ja nicht das erste mal.
und, wer weiss, vielleicht ist es so eine art adamssche kröte. gruselig.
gruss
die autoren des artikels waren übrigens charles lineweaver (wie passend) und tamara davis.
Sophie
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Original von Telltale
Meine Güte, wo gräbst Du nur immer diese Sachen aus? |
Hm, so richtig will mir das nicht mehr einfallen. Ich weiß nur, dass mir der Buchtitel interessant erschien und ich mir das Buch besorgt habe. Das ist ist jetzt schon zig Jahre her und ich habe da schon manche denkerische Anregung gefunden.
Weiß ist teilweise ein guter philosophischer Beobachter. Er hat aber auch gewaltige Berghaarphasen.
| Zitat: |
Was sollte sich denn an der Veränderung (= der Zeit für das Bewußtsein) verändern, wenn nicht deren ureigenste Eigenschaft, nämlich das Sich-Verändern (= das Zeit-Sein)?
Vielmehr ist das einzige Unveränderliche (in) unserer Welt der Umstand, daß sich eben alles, das sich in der Raumzeit befindet, stets verändert; Heraklit: "Panta rhei - alles fließt."
Die Veränderung selbst (als Verändernde des Veränderlichen) ist unveränderlich.
Sie kann daher auch nicht werden oder gar "entstehen". |
Ja, das hat er geschnackelt, nur kann er es nicht auf Parmenides übertragen. Was er zu Parmenides schreibt, würde dem Fass den Boden ausschlagen, wenn es einen hätte. Ich erspar es dir heute mal. Aber glaube ja nicht, dass ich immer so nett bin.
Dennoch ist das Buch in vielen Abschnitten sehr lesenwert.
@ mark
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| da wird natürlich vieles mit berechtigung angesprochen. |
Ah. Gut.
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| ich würde, überraschung, trotzdem vermuten, dass dieser geradezu gordisch anmutende knoten aufzulösen ist. |
Na mal sehen. Wer weiß. Vielleicht gelingt es den postaktuellen Forschern ja, die Umkehrabbildung des Hologramm eines Heliumsatoms zu erkennen und sie finden dann beim Abtasten der Atome eine holographische letzte Botschaft Gottes an seine Schöpfung:
Wir entschuldigen uns für die Strapazen.
Telltale
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Original von Sophie
Was er zu Parmenides schreibt... |
Kommt den dazu noch was? Bin erst auf den Seiten wo es um das RZK geht und da stehen eine Menge Formeln - das stopt etwas den Lesefluß.
Sophie
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Original von Telltale
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Original von Sophie
Was er zu Parmenides schreibt... |
Kommt den dazu noch was? Bin erst auf den Seiten wo es um das RZK geht und da stehen eine Menge Formeln - das stopt etwas den Lesefluß. |
Wenn die ganz runter scrollst, kommst du zum Stichwörterverzeichnis, mit Seitenklickangaben.
Jörn
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Original von ewig
Mythologisch sind im Zusammenhang mit der Urknallhypothese vor allem folgende Komponenten:
- Am Beginn des weithin angenommenen Ausdehnungsprozesses der Energie sei die Raumzeit (oder alternativ die Energie) "entstanden."
- Am Beginn des weithin angenommenen Ausdehnungsprozesses sei alle Energie auf einen "Punkt" konzentriert gewesen.
Diese Auffassungen verlassen das erklärbare physikalische Paradigma, indem sie Singularitäten einführen, die weder zwingend sind, noch irgend eine Erklärungsmacht haben. Sie bedienen lediglich auf eine zufriedenstellendere Weise die übliche Fragerei nach dem "Und was kam nun davor?", auf das man eigentlich weiterhin antworten muß: "Das bleibt spekulativ." bzw. "Wir wissen es (noch) nicht." |
So ganz bin ich nicht überzeugt. Es gibt eben keine Schöpfung ein Schöpfers. Und zudem gibt es durchaus - nach dem, was ich weiß - Versuche hinter den Urknall zurück zufragen, was anders als bei Schöpfungsmythen nicht auf eine Häresie hinaus läuft.
x-everest-x
wie einer meiner Vorredner halte ich den Urknall nicht für wahrscheinlicher als jedwegige andere Theorie. Halte diesen aber auch nicht für unwahrscheinlich.
Auch möglich das der Urknall nur einen Teilbereich des Universums erfasst und der Raum ewig und unendlcih stationärer Natur ist...
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