ewig
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Original von Heinrich
So ganz bin ich nicht überzeugt. Es gibt eben keine Schöpfung ein Schöpfers. |
Aber das angedeutete Konzept einer "Entstehung," eines Beginns von allem. Man benötigt dafür doch kein Wesen.
Shamatic
Ja, danke für die Beiträge, hab grad aber leider nicht die Zeit alle Links zu lesen...
Ich wurde teilweise missverstanden: Ich behaupte nicht, dass die Urknalltheorie identisch ist mit dem (christliche)n Schöpfungsmythos, sondern weise auf die Ähnlichkeit hin, die -wie ewig ebenfalls betont- in einem "Anfang", einer "Entstehung" liegt. Meine (wissenschaftstheoretische Frage zielt darauf ab, wie die Zusammenhänge zwischen Datenerhebung und Interpretation sind, also wie der Theoriebildungsprozess letztlich abläuft. Und hier bin ich durchaus der Meinung, dass kulturelle Denkfiguren eine nicht geringe Rolle spielen. Sehr platt gesagt: Wenn ich denke, dass die Welt einen "Anfang" gehabt haben muss, dann lege ich in Folge auch die Daten so zurecht, dass sie dieser Denkfigur entsprechen.
Jörn
Ich bin ja kein Wissenschaftshistoriker ... aber war es nicht so, dass die Urknalltheorie so ziemliche Probleme hatte sich gegen die Vorstellung eines statischen Universums durchzusetzen?
Nylen
Weder der Urknall noch ein mir bekannter Schöpfungsmythos können den Uranfang erklären.
Beispiel Urknall. Wo kam das alles her was sich im Urknall ausbreitete. Ich frage nicht nach dem Vorher, sondern nach dem Woher.
Und nun sagen wir mal Gott oder ein anderes Wesen hat das alles in die welt gesetzt. Woher kam dann Gott, bzw dieses Wesen?
Weder der Urknall noch der Schöpfungsmythos erklären das Mysterium der Existenz von etwas, geschweige den von allem.
Telltale
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Original von Nylen
Ich frage nicht nach dem Vorher, sondern nach dem Woher. |
Auch "Woher" impliziert "Vorher". Das ist aber nach meiner Überzeugung auch gar nicht schlimm, denn warum sollte denn die Frage nach dem "Vorher" nicht berechtigt sein?
Die einzige Antwort, die ich bisher hörte, lautete, dass Zeit und Raum erst mit dem Urknall entstanden wären und sich deshalb die Frage nach dem "Vorher" erübrigt. Und ich finde, wer eine derart unausgegorene Antwort anbietet (ganz besonders den Part mit der "entstehenden Zeit" beinhaltend), sollte sich mit Verweisen auf unsinnige Fragen lieber zurückhalten.
Ich selbst bin "Urknällen" gegenüber gar nicht abgeneigt, nur können sie (schon aus reinen Vernunftgründen) zumindest keine Zeit ENTSTEHEN lassen, was - durch das Kontinuum von Raum und Zeit - ebenfalls einen schweren Zweifel an der ENTSTEHUNG von Raum zuläßt.
Also müssen sowohl "Vorher" als auch "Woher" zugelassen sein. Und meiner Meinung nach ist das was der Urknall hervorbringt nichts anderes als das, was am Ende eines universalen Zyklus (wie er im Moment gerade stattfindet) hineingetan wurde. Warum auch nicht? Nach dem Energieerhaltungssatz ist im All nach 15 Milliarden Jahren nicht weniger Energie vorhanden als vor 15 Milliarden Jahren. Wo sollte sie auch sonst sein?
Somit wären also Beginn und Ende eines universalen Zyklus durch ein und dasselbe Ereignis markiert - den Urknall, wodurch eben vorher dasselbe wäre, wie nachher - das Universum. Falls Dir das zu phantasiegeschwängert vorkommt, so bin ich schon auf eine Alternative dazu gespannt, wie Zeit entstehen soll (und wieviel Zeit die Zeit dazu braucht

).
Gruß
Telltale
Jörn
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Original von Shamatic
Meine (wissenschaftstheoretische Frage zielt darauf ab, wie die Zusammenhänge zwischen Datenerhebung und Interpretation sind, also wie der Theoriebildungsprozess letztlich abläuft. Und hier bin ich durchaus der Meinung, dass kulturelle Denkfiguren eine nicht geringe Rolle spielen. Sehr platt gesagt: Wenn ich denke, dass die Welt einen "Anfang" gehabt haben muss, dann lege ich in Folge auch die Daten so zurecht, dass sie dieser Denkfigur entsprechen. |
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Original von Heinrich
Ich bin ja kein Wissenschaftshistoriker ... aber war es nicht so, dass die Urknalltheorie so ziemliche Probleme hatte sich gegen die Vorstellung eines statischen Universums durchzusetzen? |
Sehr platt gesagt: Die Theoretiker, die dachten, dass die Welt einen "Anfang" gehabt haben muss, sind ja in einer Wissenschaftkultur "sozialisiert" worden, in der da gegenteilige Paradigma galt (ich glaub: Steady-State-Theorie). Dann hätten sie, wenn deine Aussage stimmt) in der Folge auch die Daten so zurecht müssen, dass sie der Steady-State-Theorie-Denkfigur entsprechen. Taten sie aber nicht. Wissenschafttheoretisch spricht man daher ja seit Kuhn eben auch von Paradigmenwechseln.
Gibt es nicht auch Bilder, die den Urknall nicht mit einem Anfang in Verbindung bringen? Ich hab natürlich wie sich das so gehört "eine kurze Geschichte der Zeit" gelesen. Und wenn ich mich nicht ganz falsch erinnere, ist genau das der Versuch Hawkings.
Zudem spielen Mythen für unser Leben ja eine ganz andere Rolle. Ich machs auch platt :-) Mythen sind zum
Verstehen da. Während naturwissenschaftliches eben
Erklärungen bietet. Die erste Variante operiert mit Sinn, die zweite nicht, der genügen Kausalität oder Probabilismus.
Jetzt kann es aber sein, dass eine naturwissenschaftliche Erklärung in unserem Alltag, unserer Lebenswelt eben als Mythos goutiert wird, etwa der Billiardkugelmythos des kausalen Universums :-)
Eugen
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Original von ewig
Mythologisch sind im Zusammenhang mit der Urknallhypothese vor allem folgende Komponenten:
- Am Beginn des weithin angenommenen Ausdehnungsprozesses der Energie sei die Raumzeit (oder alternativ die Energie) "entstanden."
- Am Beginn des weithin angenommenen Ausdehnungsprozesses sei alle Energie auf einen "Punkt" konzentriert gewesen.
Diese Auffassungen verlassen das erklärbare physikalische Paradigma, indem sie Singularitäten einführen, die weder zwingend sind, noch irgend eine Erklärungsmacht haben. Sie bedienen lediglich auf eine zufriedenstellendere Weise die übliche Fragerei nach dem "Und was kam nun davor?", auf das man eigentlich weiterhin antworten muß: "Das bleibt spekulativ." bzw. "Wir wissen es (noch) nicht." |

dem kann ich in meinem - allerdings laienhaften - Verständnis nicht folgen. Mir erscheinen die genannten Formulierungen eigentlich nicht einfach als mythologische, also unwissenschaftliche (und damit zu eliminierende?) Komponenten der Theorie.
Sie sollen gerade keine mythisch-religiös motivierte Fragerei bedienen, sondern markieren umgekehrt die Stellen, an denen das Urknallmodell in seiner bisherigen Form an seine Grenzen stößt, d.h. die Stellen, von denen aus zwar notwendigerweise zunächst spekulativ, aber auf jeden Fall
in wissenschaftlicher Weise weiterzufragen ist.
Und das wird ja auch getan. Es gibt offenbar Ansätze, das "Davor" des etablierten Urknallmodells in den Griff zu bekommen: Szenarien eines pulsierenden Universums oder solche die tatsächlich eine Entstehung aus dem "Nichts" in Anlehnung an Erkenntnisse der Quantenphysik in Betracht ziehen.
Das Urknallmodell hat sich durchgesetzt. Wir haben derzeit nichts besseres. Und es läuft an seinen Grenzen offenbar u.a. auf einen (vorläufigen Begriff) wie "Singularität" hinaus. Aber der hat mitnichten die Funktion, aufzuzeigen wo Wissenschaft mit ihrem Latein am Ende ist und nun die Theologen übernehmen müssen, sondern die, zu kennzeichnen, wo im Modell weiterzufragen ist.
Jörn
Nach meinem Gefühl geht es
ewig und
Shamatic nicht darum, solche Vorstellungen in der Wissenschaft zu eliminieren. Die Wissenschaft ist ein Produkt ihrer Zeit und kann sich als solche nie sicher sein, inwiefern sie prägenden (teilweise mythologischen) Bildern verhaftet bleibt. Dabei wird das Wörtchen Mythos gar nicht unbedingt in einem pejorativen Sinne verwendet, sondern vielleicht (weitherzig interpretiert) als (große) Erzählung - und Erzählungen haben nun mal in der Regel einen Anfang :-)
Unser metaphysisches Staunen darüber, dass überhaupt etwas ist und nicht nichts werden sie damit womöglich nicht beruhigen können :-) Aber das ist ein anderes Thema ...
mark
ich würde sagen: er hat völlig recht.
Sophie
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Original von mark
allerdings ist die lage keineswegs so klar wie man durch diese darstellung veilelicht versucht sein könnte anzunehmen. |
Der Hinweis ist natürlich berechtigt.
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letzteres ist genau der punkt mit der singularität und der "zeitspanne" zwischen einem "zeitpunkt" 0 und dem anfang der gültigkeit der bekannten fundamentaltheorien. |
Gültigkeit der Fundamentaltheorien? Das ergibt für mich keinen Sinn. Höchstens in dem Zusammenhang, dass Urknalltheoretiker nicht unbedingt behaupten, dass das Universum aus dem Nichts ensteht, bzw. einen Schöpfer braucht, aber das heißt noch lange nicht, dass ihre Behauptung, dass die Fundamentaltheorien irgendwann mal kurz nach dem Urknall Gültigkeit erlangen, eine wissenschaftliche Aussage wäre, sondern denkerisch-spekulative Betrachtung von Bruchstücken, die gefunden wurden.
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| im fall der kosmologie kann das so nicht mehr funktionieren. |
Eben. Das ist auch gar nicht schlimm, nur sollte man eben auf der Hut sein und sich fragen, wo Hyphothesen beginnen mehr Fakt vorzugaukeln, als ihnen möglich ist . Das ist natürlich auch eine Frage des Detailwissens und das hat dann mit manchen Vorwürfen gar nichts mehr zu tun und bei der Vermittlung, eine Frage des zurückhaltenden Formulierens.
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| so kommt man dann ja auch völlig folgerichtig zu diesen kuriositäten "unseres" universums als speziellem einzelereignis unter vielen universen. |
Verstehe ich nicht. Was genau ist denn daran kurios?
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einfach in diesem spannungsverhältnis von gesetz und geschichte. |
Ja, sicher. Auch das ist nicht schlimm, denn das bedingt einander. Kosmologie ist nicht wahrer oder unwahrer als Geschichte. Ein im Jetzt geflochtenes Spiel halt.
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| es hilft natürlich wenig, die kosmologie deswegen in die hände der philosophie zu übergeben, |
Lassen wir sie doch da wo sie ist. In den abstrahierten Welten und jenseits der Empirie.
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| denn die ist ja um keinen deut empirischer und leistet nichts, was physiker nicht auch leisten könnten. |
Ach ich weiß nicht. Dieses Physiker -Philososphen Lagerisitk hat mir noch nie gefallen. Das liegt wohl daran, dass ich mich und jeden anderen als das denkerische Geschehen selbst einordne. Da mag das physikalische Denken andere Grenzen und Gebiete haben, als das Philosophische, aber gemeinsame Grundlage ist das Denkgeschehen und da greifen die Herangehensweisen oder Ergebnisse auch ineinander.
Was Kosmologie betrifft ist für mich ein philosophischer Hinweis urwichtig und das ist eben, dass Vorhandensein notwendigweise nicht enstanden und nicht vergehen kann.
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| ich würde, überraschung, trotzdem vermuten, dass dieser geradezu gordisch anmutende knoten aufzulösen ist. allerdings würd ich ebenfalls vermuten, dass man dazu ne extrem fette und hässliche kröte zu schlucken muss. wär ja nicht das erste mal. |
Kann schon sein, dass an jedem neuen semiexistenten Gitterpunkt eine fette Kröte sitzt. Andererseits sollte man das Bewusstsein nicht vergessen, dem es eventuell beim Ertreppeln irgendwann möglich sein kann, in eine abgerundete Sicht zu fallen.
Eugen
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Original von Shamatic
Ich wurde teilweise missverstanden: Ich behaupte nicht, dass die Urknalltheorie identisch ist mit dem (christliche)n Schöpfungsmythos, sondern weise auf die Ähnlichkeit hin, die -wie ewig ebenfalls betont- in einem "Anfang", einer "Entstehung" liegt... |
Bemerkenswert ist in der Tat, dass gerade ein
katholischer Priester, der es bis zum päpstlichen Prälaten brachte, eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Urknalltheorie spielte. Bei Wiki firmiert
Georges Lemaître sogar als deren "Begründer". Immerhin aber war er es, der den überzeugten "Steady-state-ler" Einstein schließlich umdrehen konnte. Das hat er wohl kaum mit der Bibel in der Hand geschafft.
Mir scheint der Priester Lemaître gerade kein Indiz für die letztliche "Mythenverhaftetheit" der Wissenschaft bzw. der wissenschaftlichen Theoriebildung zu sein, sondern eher ein Beispiel für die schärfer werdende funktionale Aufsplitterung der Gesellschaft in immer autonomere Teilsysteme (Politik, Wirtschaft, Recht, Religion, Wissenschaft...), die ihren eigenen Regeln folgen und nicht mehr auf andere Systeme zurückgreifen. Die Kunst des modernen Individuums besteht darin, einerseits der Autonomie der Teilsysteme, denen es in verschiedenen sozialen Rollen angehört, Rechnung zu tragen, andererseits aber dabei irgendwie "die Belastung, keinen selbstverständlichen sozialen Ort zu haben" (Reemtsma) kompensieren zu müssen.
Insofern erscheint mir Lemaître nicht wie einer, der aufgrund seines religiösen Hintergrunds die Wissenschaft voranbrachte, sondern als einer, der es offenbar irgendwie schaffte, sich zwischen zwei Rollen, die jeweils ganz eigene, nicht vereinbare "Codes" erfordern, sehr erfolgreich hin und her zu bewegen.
(Bezeichnend die Geschichte bei Singh, wie er es aus Sorge um die wissenschaftliche Reputation der Urknalltheorie schaffte, den Papst davon zu überzeugen, doch bitte keine weiteren Statements zu dieser abzugeben!)
gbg
Hallo.
Hätte da eine Frage an wer mag:
Wäre ein geschlossener bzw. geöffneter Reißverschluss nicht ein gutes Modell für den Ursprung und die Entwicklung des Universums?
Zuerst "Eines neben dem kein Anderes ist" anstatt Eines und dann die Hervortretung von Polaritäten.
Die Hervortretung von Polaritäten auch von uns Menschen die wir
in Polaritäten leben
(Subjekt/Objekt Spaltung)
und in Polaritäten denken
(Bsp.: laut<-> leise)
P.S.: Aber auch das Hervortreten z.B. der vier Grundkräfte aus vermuteter einer Grundkraft und der Welle/Teilchen Dualismus wo man ebenfalls von einem Gemeinsamen darüberstehenden ausgeht oder der Enstehung und Annihilierung von Teilchen und Antiteilchen.
P.S.2: Darauf gekommen bin ich analog des Zurückgehens zum Urknall.
Hier die Zusammenführung von Polaritäten.
Zunächst die Zusammenführung der Polaritäten im Objekt und dann die Vereinigung der Subjekt/Objekt Spaltung nicht zu nichts sondern zum "Einen neben dem kein Anderes ist" aus dem man sich dann die Welt aus diesem hervorgegangen denken kann.
Das "Nichts" aus dem die Welt hervorgegangen sein sollte träte hier erst garnicht auf sondern im Gegenteil eine Potenzialität die Polaritäten hervorzubringen vermag!
L.G. gbg
ewig
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Original von Heinrich
Nach meinem Gefühl geht es ewig und Shamatic nicht darum, solche Vorstellungen in der Wissenschaft zu eliminieren. Die Wissenschaft ist ein Produkt ihrer Zeit und kann sich als solche nie sicher sein, inwiefern sie prägenden (teilweise mythologischen) Bildern verhaftet bleibt. Dabei wird das Wörtchen Mythos gar nicht unbedingt in einem pejorativen Sinne verwendet, sondern vielleicht (weitherzig interpretiert) als (große) Erzählung - und Erzählungen haben nun mal in der Regel einen Anfang :-) |
Ich will hier nur für mich sprechen: Als mythologisch bezeichne ich in dem Zusammenhang das Resulat der vor allem gern in der populärwissenschaftlichen Vermittlung verwendeten vereinfachten Darstellung (die dann beim Empfänger eben in den beiden oben schon erwähnten nicht zwingenden, obschon psychisch befriedigenden - daher mythologischen - Annahmen gipfelt).
Das heißt nicht, daß wissenschaftliche Betrachtungsweisen an ihren äußersten Rändern nicht spekulativ sein darf oder (zwischen der Wahlmöglichkeit eines Forschungshalts einerseits und der Extrapolation des Möglichen/Denkbaren über das gegenwärtig experientell erschließbare hinaus andererseits) gar sein
muß, aber diese spekulativen Teile müssen im Diskurs und auch in der Vermittlung entsprechend
markiert werden.
Andere haben das oben auch bereits angesprochen. Daß etwa der populärwissenschaftliche Chef-Obervermittler der Kosmologie in Funk und Fernsehen, Prof. Dr. Harald Lesch in seinen Darstellungen zur Urknalltheorie stets mit Begrifflichkeiten wie "Anfang des Universums" (etwa anstelle von "erste für uns rekonstruierbare Dynamik des Universums") aufwartet, bleibt problematisch, weil es Annahmen, die eigentlich vor allem etwas über unseren Erkenntnishorizont und nicht zwingend etwas über die tatsächlichen Gegegenheiten vor der angenommenen dynamischen Extrapolation aussagen, für den Zuschauer ins vermeintlich Ontologische bewegt. "Aha, Urknall = Entstehung des Universums." <= Mythos
Lesch entscheidet sich hier dafür (warum auch immer), den Eindruck zu erwecken, die Wissenschaft wüßte, daß und wie das Universum entstanden sei, sei besser als zu sagen: "Bis hierhin können wir die Entwicklung des einsehbaren Universums halbwegs zurückverfolgen, davor wird's für uns leider zappenduster." Vielleicht erreicht man damit ja tatsächlich mehr Leute oder diese "Ungenauigkeiten" sind letztlich gar nicht so schlimm wie ich meine, aber ich find's durchaus suboptimal.
Shamatic und Eugen geht es ja anscheinend stärker um die Frage, inwiefern die Sozialisierung der Wissenschaftler sich in ihre Theorie eingeprägt hat, also ob da ein direkter Zusammenhang zwischen christlich-abendländischer Teleologie und moderner Kosmologie besteht. Ich meine, was immer da am Anfang stecken mochte, die zu stark vereinfachte Vermittlung der Theorie leistet heute den mythischen Elementen Vorschub. (Wobei man immer noch die Frage aufwerfen kann, ob die Vermittlung in dieser Form vielleicht auch deshalb gewählt wird, weil man weite Teile des Publikums auf eine dafür empfängliche Weise vorgeprägt sieht.)
Sophie
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Original von gbg
P.S.2: Darauf gekommen bin ich analog des Zurückgehens zum Urknall. |
Ja, nur wenn die Polaritäten zusammengeführt werden können, wann geschieht das und wann war dann das Ereignis Urknall? Können polare Wesen ihn zeitlich datieren oder ist das zeitliche datieren 'nur' eine abstrakte Konstruktion von polaren Wesen?
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Das "Nichts" aus dem die Welt hervorgegangen sein sollte träte hier erst garnicht auf sondern im Gegenteil eine Potenzialität die Polaritäten hervorzubringen vermag!
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Ja, Polaritäten und mehr.
gbg
| Zitat: |
Original von Sophie
Ja, nur wenn die Polaritäten zusammengeführt werden können, wann geschieht das und wann war dann das Ereignis Urknall? Können polare Wesen ihn zeitlich datieren oder ist das zeitliche datieren 'nur' eine abstrakte Konstruktion von polaren Wesen?
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Hallo Sophie.
Die Zusammenführung der Gegensätze erfolgt in der Urknallsingularität.
Dies war bekantlich vor einigen Miliarden Jahren.
Aber auch noch heute wie mein Beispiel von der Entstehung von Teilchen und Antiteilchen zeigen sollte.
Zur Zeit:
Die Zeit ist vielleicht könnte man sagen eine Innenarchitekturzeit von uns Polaritätswesen im sein und im denken von unserer Erschaffung durch den "Einen neben dem kein Zweites ist" an.
L.G. gbg
gbg
Zu erwähnen wäre hier vielleicht noch die Erschaffung der Polarität von Raum und Zeit als Ereignisse nebeneinander und Ereignisse nacheinander.
Und vielleicht auch die Erschaffung der Polarität von Energie und Materie als Fähigkeit Arbei zu verrichten und eine träge Masse zu besitzen.
L.G. gbg
Sophie
| Zitat: |
Original von gbg
Die Zusammenführung der Gegensätze erfolgt in der Urknallsingularität.
Dies war bekantlich vor einigen Miliarden Jahren.
Aber auch noch heute wie mein Beispiel von der Entstehung von Teilchen und Antiteilchen zeigen sollte.
Zu erwähnen wäre hier vielleicht noch die Erschaffung der Polarität von Raum und Zeit als Ereignisse nebeneinander und Ereignisse nacheinander. |
Ah, du meinst also, dass etwas, was jetzt geschieht (nebeneinander), auch als großes Hintereinander geschehen könnte, bzw. von uns so gesehen wird.
Androklus
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Original von Nylen
Weder der Urknall noch ein mir bekannter Schöpfungsmythos können den Uranfang erklären.
Beispiel Urknall. Wo kam das alles her was sich im Urknall ausbreitete. Ich frage nicht nach dem Vorher, sondern nach dem Woher.
Und nun sagen wir mal Gott oder ein anderes Wesen hat das alles in die welt gesetzt. Woher kam dann Gott, bzw dieses Wesen?
Weder der Urknall noch der Schöpfungsmythos erklären das Mysterium der Existenz von etwas, geschweige den von allem. |
Wir können uns weil wir in einer Kausalwelt "kausalitätsfixiert" sind eben nicht vorstellen das diese Kausalwelt irgendwo endlich und doch ohne Anfang vom Anfang ist.
Alles muß einen Sinn und eine Erklärung haben. Die Astronomen und Physiker sagen nur ab wann die Naturgesetze vermutlich galten. Nämlich ab da wo die Zeit und der Raum entstand.
Heutige Beobachtungen/Messungen des Universums decken sich nunmal am besten mit der Urknall-Theorie welche bestimmte Phänomene besser als andere Theorien erklärt.
Nylen
Ich bin kein Skeptiker was die Urknalltheorie angeht. Ich glaube sogar an das inflationsmodell welches noch etwas moderner ist.
Ich habe auch kein echtes Problem damit das Raum-Zeit erst entstanden ist als die Singularität explodierte.
Selbst Theorien das es vor dem Urknall ein anderes Universum gab, bzw das es mehrere Universen gibt ist für mich nicht problematisch.
Aber alles das beantwortet die alte philosophische Frage nicht warum überhaupt etwas ist und nicht etwa nichts.
Hier werrden selbst seriöse Wissenschaftler dann wortkarg und gestehen ein das es Gott sein könnte. Doch wo kommt Gott her. Wie kommt Gott in die Welt? Gott beantwortet das Problem gar nicht.
Insofern ist für mich die Ausgangsfrage Urknall oder Schöpfung, beides unbefriedigend. Sie setzen einen Anfang in der Zeit und eine Kausalkette, die wir bis zu 0.000000xxxxxx sek nach dem absoluten Anfang zurückverfolgen können. Aber sie setzt vorraus das etwas schon da war, nämlich eine Singularität, bzw Gott.
Dies scheint dann ja wohl EWIG existiert zu haben, bzw zeitlos und raumlos. Und hier versagt alle Erklärung und Vorstellungskraft des Menschen.
Wir wissen heute das materie buchstäblich aus dem Nichts entstehen kann. Aber woher kommt die Energie dazu?
Alle mir bekannten Theorien verfehlen diese Fragestellung komplett. Und das zurecht weil wir es nicht wissen. Es liegt jenseits der möglichkeit unserer Erkenntnis möglicherweise oder jenseits unseres Denkvermögens.
Androklus
Ja das ist in der Tat nicht befriedigend. Aber es wäre auch auf der anderen Seite blöd wenn man alles erklären könnte und wüßte. Was soll man(die Menschheit) da noch groß lernen? Wo ist der Antrieb dann noch zu forschen usw?
Ich persönlich kann nicht an Gott glauben, dafür passiert mir zu viel Unheil auf der Welt. Ok, man könnte jetzt mit "Passiver Gerechtigkeit" kommen wie von Luther eingeführt, aber was erklärt das schon?
Kann mir jemand erzählen warum Kinder an Krebs und Schlaganfällen sterben. Millionen Kinder nicht mal das erste Lebensjahr erreichen und an Hunger, Malaria und Durchfällen sterben. Menschen andere Unschuldigen quälen, die Schädel einhauen. Die Natur ausbeuten, Arten ausrotten und Tiere quälen?
Warum es Naturkatastrophen gibt welche Unzählige in Unglück stürzen?
Wenn es einen Gott gibt dann ist er grausam. Diejenigen welchen es einigermaßen gut geht die können die Schöpfung als Chance sehen, welche die nur LEid erfahren als Verfluchung.
Und da helfen Personen wie "Hiobs" auch wenig. Nur Fanatiker können noch so stark glauben wenn ihnen alles genommen wurde. Hält aber wohl eher am Leben als an nichts mehr zu glauben...
Auf der anderen Seite will ich den Gottglauben und Religion nicht ganz verfluchen und behaupte das er auch Halt und Antrieb ist. Kraft fürs LEben geben kann.
Auch wenn es schon immer Religionskonflikte(und damit verbundenes LEid) gegeben hat und gibt. Ich selber bin zumindest eher Atheist bin(vielleicht aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen/Schicksalsschläge, obwohl ich versuche aus jeden Mist noch was positives zu ziehen und es mir immer wieder mal besser geht), aber will Religionen und GLauben auch nicht verteufeln.
Was wäre wenn man alles beantwortet und aufklärt? Vielleicht wäre das sogar einen eigenen Thread wert. Was gibt und nimmt man den MEnschen dann?
Ich selber habe mir oft gedacht in der Neugier "ist ja schön wenn man dieses großen letzten Rätsel wie Bewußtsein/Entstehungsgeschichte des Alls löst" aber mir auch versucht Konsequenzen auszumalen.
Auch befürchte ich das die Welt tatsächlich determiniert ist, aber hoffe das unser Wille doch einer "übernatürlichen Magie" zugehört und wir frei sind.
Das ist auch irgendwo inkonsequent und ambivalent. Aber ich bin auch nur ein MEnsch!
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