Hallo Androklus.
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| „Demnach hat [Libet] sich selber zu einem Dogma bekannnt welche er über seine Auswertung gestellt hat. Leider wohl nicht ganz objektiv.“ |
Man muss hier mehrere Dinge trennen.
Zuallererst: Wer sich einreden lässt, Wissenschaft sei objektiv und würde nicht auf persönlichen Überzeugungen beruhen, der sitzt wohl abermals einem Dogma auf.
Zweitens sind die Ergebnisse Libets wissenschaftlich schon allein deshalb wertlos, weil sie glaube ich eine Personengruppe von 6 umfasst und es zudem weitere Kritik am Experimentdesign gibt – reichlich.
Drittens sind aber Experimente in der Art wie Libet sie durchführte immer wieder wiederholt worden und zeigten ähnliche Befunde. Diese sind: die Entscheidung darüber, wie reagiert wird steht schon eine gewisse Zeit fest, bevor diese Entscheidung bewusst wahrgenommen wird.
Was auch immer das bedeuten mag, es läuft darauf hinaus, dass uns zunächst unbewusste Bereiche, mitentscheiden und heißt erst mal nicht mehr, als dass
nicht allein das rationale Bewusstsein entscheidet – also das was Freud bereits 1895 berichtete.
Viertens sind Libets Interpretationen in der Tat andere, als diejenigen, die moderne Hirnforscher daraus ziehen wollten. Mit Vetofunktion sind nicht nur bei moralischen Erwägungen gemeint. Jeder kann das selbst nachprüfen. Wenn man atmet ist man sich die meiste Zeit dessen nicht bewusst. Will man aber ein langes Stück tauchen, so atmet man bewusster und tiefer und stellt das atmen unter Wasser schließlich ein. Man zieht damit einen unbewussten Vorgang ins Licht des Bewusstseins und entscheidet sich willentlich, weil man eben tauchen will. Das „mein Gehirn“ das nun schon wieder eine halbe Sekunde vor „mir“ gewusst hat, wird irgendwann ein albernes Spiel, das nichts erklärt. Deshalb kann Dir die „Befürchtung“ genommen werden:
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„Ich hoffe es auch aber befürchte das alles determiniert ist. Weil es für mich dann eher was von "hinnehmen und kapitulieren" hat als "machen und streben". Aber ist wohl Interpretationssache, vom Blickpunkt abhängig.
Vielleicht wären die Konsequenzen wenn es denn wirklich so wäre für uns Leben gar nicht so wichtig oder pessimistisch.“ |
Vor allem mit dem letzten Satz kommst Du weiter.
Wo liegt denn eigentlich der fundamentale Unterschied zwischen der Behauptung, nicht ich habe tauchen (Arzt werden, heiraten, in die Karibik reisen, ein Kreuzworträtsel lösen, ins Brahmskonzert gehen) wollen, sondern mein Gehirn? Was ändert sich in meinem Leben, wenn ich das glaube und nun davon ausgehe, dass ich gar nicht entscheide, dass ich gar kein Ich habe, weil im fMRT nie eines gesichtet wurde (ein entwaffnend blödes Argument, das wohl nur noch von Virchows Ausspruch er habe soundsoviele Körper geöffnet, nie sei ihm eine Seele begegnet, getoppt wird), dass ich sogar gar keinen Willen habe?
Nun, bei Licht betrachtet
kann ich mit dieser Erkenntnis überhaupt nichts anfangen, weil ich ja gar nicht entscheide. Ich muss also warten, wie mein Gehirn sich entscheidet und was ihm dazu einfällt.
Mein Gehirn, hat auf diese schwarzen gekrümmten Linien und Kurven auf weißem Papier in der Form reagiert, dass es sich entschieden hat, dass alles beim alten bleibt.
Natürlich kann man mir sagen, dass man die Luft anhält, sei nicht eine bewusste Entscheidung, sondern vielmehr das Resultat eines uralten biologischen Programms über das schon Neugeborene verfügen, aber auch da wird die Argumentation irgendwann nebulös, denn woher kennt mein evolutionär gestähltes Gehirn Karibikurlaube oder Brahmskonzerte?
Zusammengefasst liegen die Probleme der Deterministen darin, dass die immerhin erhebliche Erkenntnis, dass es ein Ich mit freiem Willen möglicherweise nicht gibt, in der Hirnforschervariante erschreckend folgenlos bleibt, dass Hirn
forschung ohne freien Willen schwer zu betreiben ist (wie man aus diesem Selbstwiderspruch rauskommt ist mir bisher nicht klar) und dass Hirnforscher nie erklären konnten, warum sich diskursive Wesen von Gründen beeinflussen lassen, außer der nachgeschobenen Erklärung, dass ein
Grund (falls Biologen damit überhaupt was anfangen können, die kennen nämlich oft nur
Ursachen und setzen diese einfach gleich) eben einen Reiz dargestellt haben müsse, der stark genug war um eine Wirkung zu erzielen.
Gruß,
Carsten