ralfson
Ich sitze gerade an einer Ideenskizze zu einer Hausarbeit und stelle mir folgende Frage: was ist das Gegenteil von Freiheit? Spontan ist es Unfreiheit bzw. Gefangenschaft. Bezogen auf die Willensfreiheit vermute ich, dass Angst das Gegegnteil ist, die wiederum stellenweise von der Frucht unterschieden wird. Ein Freund sagte mir, in der praktischen Psychologie sei es gängig, Angst und Freiheit als Gegensatz aufzufassen. So wäre die Überwindung der Angst die Freiheit. So ist aber die Entscheidung als das Moment der Willensfreiheit nicht mitgedacht.
Ist jemandem von euch diese Auffassung von Angst und Freiheit in der Psychologie bekannt?
Kennt jemand von euch einen Philosophen der sich mit einem Gegensatz von Angst und Freiheit beschäftigt hat? (Kiergkegaard ist mir bereits bekannt, er meint aber etwas anderes als ich)
Meine These ist: Sowie das Individuum nicht immer ängstlich ist, ist es auch nicht immer frei. Im Akt der Entscheidung findet die Freiheit statt (im Sinne der positiven Freiheit "frei zu", als auch im Sinne der negativen Freiheit "frei von" (Angst) )
ralfson
"Abwesenheit einseitiger Abhängigkeit": ich denke, dass Abhängigkeiten für das Problem der Freiheit keine Rolle spielen, weil sie den Kontext für Willensmotive bieten. Zugespitzt ist das in der Tradition des Determinismus', wo es um eine abstrakte Abhängigkeit geht. Ich bin ein Anhänger der These, dass unter den Vorratssetzungen des Indeterminismus' auch keine Freiheit möglich ist. Deshalb spielen Abhängigkeiten in dieser Frage für mich keine Rolle.
Um das zu Ergänzen: der Angstbegriff arbeitet mit "unbestimmten" oder "zukünftigen Motiven", während Furcht auf einen konkreten Gegenstand gerichtet ist. Bei der Freiheit wird diese Unterscheidung nicht gemacht; es gibt zwar viele unterschiedliche Freiheitsbegriffe; manche meinen konkrete Sachverhalte (pol. Freiheit), andere sind metaphysisch. Deshalb war meine Vermutung: Freiheit ist das Gegenteil der Angst, die sich beide auf etwas unkronkretes beziehen.
FLorian K.
Freiheit ist zunächst einmal ein Begriff.
Das Problem ist tatsächlich, dass er nicht klar abgrenzbar ist und als Absolutum ohnehin keine Entsprechung in der Realität findet.
Demnach ist Freiheit ein Idealbild.
Die Frage, was das Gegenteil dieses Idealbildes ist, ist einzig und allein von dessen persönlicher Bewertung abhängig.
Man kann natürlich willkürlich Begriffsdefinitionen setzen:
"Für mich ist Freiheit die Abwesenheit von Angst"
"Für mich ist Freiheit die Abwesenheit von einseitigen Abhängikeiten"
u.s.w.
Einen Beweis für die Allgemeingültigkeit einer solchen Definition kann jedoch nicht erbracht werden.
Man kann allerhöchstens die immanente Logik einer solchen Begrifflichkeit aus sich heraus prüfen.
Dies bedeutet aber nicht, dass diese Definition damit die einzig zulässige (also in sich logische) Definition wäre.
Eine sinnvolle Herangehensweise an die Hausarbeit wäre da wohl:
Verschiedene Begrifflichkeiten von Freiheit zu betrachten und diese auf ihre innere Logik zu prüfen.
Nach dem Schema "Der Philosoph xy definiert Freiheit wie folgt..., nach seiner Definition wäre das Gegenteil also.."
carsten aus bochum
Hi ralfson.
Ich weiß nicht wieviel Zeit Du für Deine Hausarbeit hast, aber eine lesenswerte Aufarbeitung des Komplexes Angst und Freiheit, aus psychologischer, -analytischer, philosophischer und neurobiologischer Sicht findest Du im Kapitel 7 von Eugen Drewermann, Atem des Lebens Band 1: Das Gehirn[/i].
Sind allerdings 80 Seiten, ich denke einige Neuroteile kannst Du weglassen.
Dort wird neben Kirkegaard noch Heidegger angesprochen.
Gruß,
Carsten
FLorian K.
Ich habe ma etwas nachgedacht und möchte eine Definition von Freiheit vorschlagen, die ich für mich als richtig erachte (was nicht heißt, dass sie die einzig mögliche Definition sein soll)
*Freiheit ist ein Maß für die Bandbreite an Handlungsmöglichkeiten, die einem Subjekt offenstehen. Je breiter das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten eines Individuums ist, desto freier ist es.*
Gegenteil wäre demnach die völlige Handlungsunfähigkeit.
Norich
ich kenn nur epikur dazu, aber der sagt weniger, dass angst gegenteil freiheit ist, sondern dass der weise nicht fürchten muss und so an freiheit gewinnt.
ich hab auch ein ideenkonstrukt für ne facharbeit mal angefertigt, darin geht ob der mensch eigentlich frei is.... (zumindest indirekt... sowas kannste auch mit einbeziehen)
gruß
Androklus
Absolute Freiheit gibt es sowieso nicht. Weil jeder von irgendetwas abhängig ist. Und Abhängigkeit ist für auch eine Form von Beschränkung.
| Zitat: |
von ralfson:
Um das zu Ergänzen: der Angstbegriff arbeitet mit "unbestimmten" oder "zukünftigen Motiven", während Furcht auf einen konkreten Gegenstand gerichtet ist. Bei der Freiheit wird diese Unterscheidung nicht gemacht; es gibt zwar viele unterschiedliche Freiheitsbegriffe; manche meinen konkrete Sachverhalte (pol. Freiheit), andere sind metaphysisch. Deshalb war meine Vermutung: Freiheit ist das Gegenteil der Angst, die sich beide auf etwas unkronkretes beziehen. |
Naja, das ist aber im allgemeinen und psychologischen Gebrauch nicht der Fall. Angst kann genauso gegenwärtig und auch begründet sein.
Ich habe eher mal versucht in rationale und irrationale Ängste zu unterscheiden.
rationale:
Angst vorm Tod(bei Krankheit)
Angst vor finanziellen Ruin
Ängste bei konkreten Bedrohungen: Überfall, Krieg...
irrationale:
Angst vor Menschen
Angst zu gehen
Angst vor geschlossenen Räumen...
Natürlich ist es schwierig, aber gerade die rationalen Ängste sind offensichtlicher begründet und betreffen fast alle Menschen. Die scheinbar irrationalen(subjektive Gründe gibt es immer irgendwo) haben auch meistens Menschen mit psychischen Problemen. Solche Ängste kann man auch eher durch gewissen Strategien wieder loswerden.
Die anderen Dinge neben Süchten, Ängsten die unser Leben einschränken sind physisch-anatomische, Normen, Gesetze, Gesellschaftsordnungen. Oder sogar Religionen. Letztere besonders dann wenn man sein Leben nach diesen ausrichtet.
Aber das müßte man noch detaillierter angehen denke ich.
| Zitat: |
| ich kenn nur epikur dazu, aber der sagt weniger, dass angst gegenteil freiheit ist, sondern dass der weise nicht fürchten muss und so an freiheit gewinnt. |
Klar kann Wissen unbegründete Ängste abbauen oder sogar vorbeugen. Vor allem Vorurteile welche zu Angst und Hass führen kann.
Oder wenn jemand der ein z.B. ein Pferd nicht kennt und damit die Natur der Tiere, so kann er davor Angst haben. Lernt er sie kennen und damit ihr Wesen, so kann diese Angst überwinden.
Und wenn jemand weiß das eine Eisdecke dick genug ist um Menschen zu tragen, dann hat er natürlich weniger (keine) Angst als derjenige der es nicht richtig einschätzen kann.
Mut ist glaube ich das Kompensationsgefühl um Ängste zu überwinden. Basierend auf Entschlossenheit und dem daraus resultierenden Willen.
Archibald
@ ralfson:
Guck doch mal unter g.o.ogle:
Z.B:
www.anthroposophy.com/.../GA4-Inhalt.html
www.philosophieverstaendlich.de/
freiheit
/.../locke.html
www.rudolf-steiner.de/.../index.php?/...Philosophie...
Freiheit...
www.arte*.tuvalu*/de/Die-Welt-verstehen/philosophie/3012268.html
Ist das so schwer, selber zu tun? (Das ist nur eine der Auswahl der ersten Links, die ich gefunden habe).
Ich denke, die psychologische Erklärung ist philosophisch unhaltbar, denn, sie fragt nach der Motivation, nicht, nach dem inneren Wesen der "Sache" Freiheit!
So sagen Psychologen z.B. auch, Frustation erzeuge Agression, trotzdem ist die Definition "angesammelte Frustrationsentladung" für den Begriff "Agression" denkbar schlecht!
FLorian K.
Klar sind Ängste eine Einschränkung der Freiheit. Aber nicht alle Einschränkungen der Freiheit sind Ängste.
Alle Raben sind Vögel aber nicht jeder Vogel ist ein Rabe.
Es gibt viele Einschränkungen der Freiheit, die nicht auf Ängsten basieren.
Wenn jemand blind geboren wurde ist er damit zwangsläufig in seiner Freiheit eingeschränkt.
Wenn man gefesselt ist, ist man in seiner Freiheit eingeschränkt, auch wenn man keine Angst dabei empfindet.
Lithrian
| Zitat: |
Original von FLorian K.
*Freiheit ist ein Maß für die Bandbreite an Handlungsmöglichkeiten, die einem Subjekt offenstehen. Je breiter das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten eines Individuums ist, desto freier ist es.*
Gegenteil wäre demnach die völlige Handlungsunfähigkeit. |
Da würde ich erwidern, dass Handlungsunfähigkeit ein Zustand ist und Handlungsmöglichkeit eine Potenz. Das ist wie Äpfel und Bratpfannen...
Außerdem: Je gewitzter ein Mensch ist, desto breiter ist das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten eines Individuums...
Wie bereits erwähnt, ist hier der Freiheitsbegriff in seiner völligen Überfülltheit wieder leer...
glorin
@ralfson:
| Zitat: |
| Ist jemandem von euch diese Auffassung von Angst und Freiheit in der Psychologie bekannt? |
Das ist eine weit verbreitete Meinung, der ich aber nichts abgewinnen kann.
Denn Angst kann frei machen. Ich spreche jetzt aber nicht von der herkömmlichen immer Gegenwärtigen Angst, sonder von den Teilaspekt der Panik.
Von deiner Gesselschaft bekommst du Regeln vorgesetzt. Diese verinnerlichen die meisten Menschen auch, z.B. du darfst nicht töten. Nur die wenigsten töten nicht aus angst vor den Folgen, sondern eher aus Gewissensbissen, diese entstehen durch die Ethik der Gesellschaft die man übernimmt.
Übergreift einen nun die Panik verdrängt man nun diese Fesseln der Panik. Man wirft sie ab und tötet z.B. einen Menschen.
Nun kann man auf zwei Arten ergumentieren. 1. die Panik zwingt dich etwas zutun. Dann wärst du nicht frei 2. Die Panik hilft dir dich zu befreien. Dann wärst du frei.
Ich kann der zweiten Möglichkeit mehr abgewinnen. Auch wenn ich den Menschen unter Panik immer noch nicht als frei bezeichnen würde. Erst wenn jemand dazu bereit ist und wenn er es schaffen sollte wie auch immer, jegliche Gefühle, Emotionen, seine Ethik, usw. abzulegen kann man ihn als Willensfrei bezeichnen.
In diesem Fall ist zwar auch Angst ein Zeichen der unfreiheit. Aber auch jegliches anderes Gefühl würde man mit hineinbeziehen müssen. Von einer körperlichen Freiheit wäre dann aber immer noch nicht zureden und ich bezweifel sogar das diese ein Gott erreichen könnte. Daher würde ich als höchstes Gut die psychische Freiheit bezeichnen. In diesem Fall können Emotionen aber keine Freiheit verheißen.
Somit dürfte nicht nur die Angst als unfreiheit bezeichnet werden, sondern jegliches Gedankengut das durch Emotionen und ähnliches geprägt werden. Aber selbst jemand der diese ablegen könnte wäre noch nicht psychischfrei. Er müsste auch jegliche Erfahrung u.ä. ablegen um als frei gelten zukönnen.
Die blose Definition von Unfreiheit als Angst hallte ich für lächerlich und nicht wirklich für überlegt. Daher würde ich von einer solchen Betrachtung abraten. Denn auch positive Dinge, wie Liebe können die Freiheit, auch die psychische beeinflussen.
FLorian K.
| Zitat: |
Original von Lithrian
Da würde ich erwidern, dass Handlungsunfähigkeit ein Zustand ist und Handlungsmöglichkeit eine Potenz. Das ist wie Äpfel und Bratpfannen...
Außerdem: Je gewitzter ein Mensch ist, desto breiter ist das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten eines Individuums...
Wie bereits erwähnt, ist hier der Freiheitsbegriff in seiner völligen Überfülltheit wieder leer... |
Handlungsmöglichkeit mag eine Potenz sein.
Der Besitz von etwas ist aber ein Zustand.
Demnach muss auch der Besitz von Handlungsmöglichkeiten ein Zustand sein.
Besitzt ein Individuum die Möglichkeit Dinge zu tun, zu denen es nicht fähig ist?
Richtig ist, dass persönliche Fähigkeiten Freiheit schaffen. (je gewitzter ein Mensch desto mehr Handlungsmöglichkeiten hat er... genau richtig erkannt!)
Der Erwerb von Fähigkeiten schafft also Freiheit, Handlungen auszuführen, derer man vorher nicht fähig war.
Demnach wird Freiheit eben nicht zu einem leeren Begriff.
Anderes Beispiel:
Man ist gefesselt. Man ist also für diesen Moment der Fähigkeit und damit auch der Möglichkeit zum Laufen beraubt. Dies schränkt die Freiheit ein.
Man befreit sich oder wird befreit.
Man erhält die Fähigkeit und Möglichkeit zu Laufen wieder.
Dadurch erhält man wieder mehr Freiheit.
Ich möchte allerdings nochmal betonen, dass ich die von mir vorgestellte Definition nicht als allgemeingültig ansehe, sondern nur als eine mögliche.
xerxkes49
Freiheit und Angst gehören verschiedenen sprachlichen Kategorien an. Es gibt Beziehungen zwischen beiden Begriffen. Man kann frei sein und dennoch Angst haben.
Freiheit ist aus Sicht der Philosopie ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen zu können. Sie ist damit Autonomie des Individuums. Für Kant war sie die Möglichkeit von sich aus etwas anzufangen. Freiheit kann unterschieden werden in Willens- und Handlungsfreiheit. Freiheit des Individuums steht immer in Beziehung zur Natur und zur Freiheit der anderen. Freiheit kann auch als Prinzip für Systeme gelten (Gesellschaft, Staat, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst). Man spricht dann von Freiheit der Wissenschaft, Kunst, ...
Angst ist ein Gefühl des Menschen und ein Begriff der Psychologie.
Archibald
@ Florian:
Und genau deswegen halte ich nichts von derPsychologie!
Bevor wir uns also z.B. über "den Raben" unterhalten, gilt es erst einmal, "Vogel" zu definieren.....
Oder, mal ganz allgemein ausgedrückt:
Psychologisch gesehen kann man jede Form der Motivation als "Form einer Angst" sehen.
Die Motivation, Überstunden zu machen, ist die Angst vor der Lohneinbusse.
Doie Motivation, zu studieren, ist die Angst vor dem Bildungsverlust.
Usw, usw.
Mo-M.
| Zitat: |
Original von FLorian K.
Eine sinnvolle Herangehensweise an die Hausarbeit wäre da wohl:
Verschiedene Begrifflichkeiten von Freiheit zu betrachten und diese auf ihre innere Logik zu prüfen.
Nach dem Schema "Der Philosoph xy definiert Freiheit wie folgt..., nach seiner Definition wäre das Gegenteil also.." |
Vorweg: Ich sehe gerade - nach Schreiben des kompletten Beitrages - an dem Datum, dass sich die Hausarbeit sicher schon erledigt hat. Allerdings finde ich die Fragestellung durchaus sehr spannend, daher würde ich meinen Beitrag dennoch posten wollen. Ich hoffe, dass ich damit nicht nur sinnlos einen Thread "hochhole"...
Diese Empfehlung möchte ich unterstützen, zumindest dahingehend, die Begriffsklärung des zugrundegelegten Verständnisses von Freiheit sehr ernst zu nehmen.
Hierzu ist es sicherlich sinnvoll 2-3 verschiedene Auffassungen einmal darzulegen (mehr wird meiner Meinung nach schwierig - entweder in Bezug auf die zu schreibende Menge oder auf die Qualität der Darstellung) und sich dann für eine Auffassung als Ausgangspunkt der eigenen Argumentation klar zu benennen. Hierbei ist es dann die Frage, wie lang die Hausarbeit sein darf/welchen Aufwand man betreiben will, die entscheidet ob man es dabei belässt oder alle Verständnisse mit ihrer Antinomie durchdekliniert.
Ein Buch, dass ich sehr gerne gelesen habe - auch wenn das schon eine Weile her ist - ist "Das Handwerk der Freiheit" von Peter Bieri. Es ist zwar recht populärwissenschaftlich geschrieben, das tut der Aussagekraft jedoch meiner Meinung nach keinen Abbruch, im Gegenteil.
Die hier vertretene Position des Kompatibilismus verträgt sich auch ganz gut mit deinem Ansatz der Angst als Gegenteil der Freiheit, allerdings würde ich einschränken wollen, dass (lähmende) Angst eher unter eine ganze Klasse mentaler Zustände fällt, die man nach Bieri den "Erfahrungen der Unfreiheit" (so heißt auch das 4. Kapitel des angesprochenen Buches) zuordnen könnte.
Ich weiß, dass der Kompatibilismus in der Willensfreiheitsdebatte von Vielen oft eher belächelt wird, aber ungeachtet dessen halte ich den dort oft vertretenen Ansatz der Hinterfragung des Begriffes von Willensfreiheit als das unverursachte Initiieren einer (neuen) Kausalkette für sehr vielversprechend. Wenn wir die falschen Fragen stellen - sinnlose Fragen - kann man keine befriedigende Antwort darauf erhalten. Die Frage nach einem absoluten Unverursachtsein ist in meinen Augen eine sinnlose Frage.
Ein Mensch, der seine Angst überwindet, wäre also dieser Position nach frei. Frei nämlich, das zu tun was er will. Allerdings nicht zu wollen, was er will - das würde in einem infiniten Regress enden. Allerdings scheint es das zu sein, was manche Positionen von der Willensfreiheit einfordern. Ich bin schon einmal gespannt, welchen Widerspruch ich damit provoziere!
Taurus
Freiheit und Angst sind wie alles, eine Frage der Bestimmung und der Perspektive.
Man kann einen, sich selbst als frei bestimmten Menschen, in Ketten(unfrei) halten.
wenn dieser Mensch keine Angst vor der Autorität hat, wird die Einschränkung seiner Möglichkeiten, nichts daran ändern, das er sich als frei bestimmt.
Darum hält Ihn die Autorität ja in Ketten, um Angst zu erzeugen, die Ihn unfrei machen soll.
Der sich als frei bestimmende Mensch hingegen, sieht die Auturität als unfrei an, sieht sie doch keine andere Wahl als Ihn in Ketten zu legen, was nur ein Zeichen von Angst gegnüber Ihm zum Ausdruck bringt.
Alles eine Frage der Bestimmung und der Perspektive, aber an Beiden realitäten ändert sich nichts, sie bleiben real.
Freiheit und Angst unterliegen individueller Bestimmung und Perspektive.
Und das Individuum erschafft die entsprechende Realität, so wie es das immer tut.
snpm
@ Taurus
Was bleibt einem da noch zu denken? ^^
Eines noch:
Die Idee der absoluten Freiheit ist real nicht gegeben, ist man doch immer von etwas abhängig.
Mo-M.
| Zitat: |
Original von snpm
Eines noch:
Die Idee der absoluten Freiheit ist real nicht gegeben, ist man doch immer von etwas abhängig. |
Ist es nicht gerade das, das den Begriff der Freiheit bestimmten sollte? Gründe für etwas haben zu
dürfen?
Stellen wir uns doch einmal vor, unser Handeln hinge von nichts in der Welt ab - Wäre das nicht furchtbar? Man würde vollkommen zusammenhangslos irgendetwas tun, was man überhaupt nicht will. Das eigene Handeln hängt von eigenen Entscheidungen ab.
Aber was sind diese Entscheidungen, von denen wir im Handeln abhängig sind? Nun, solange es
meine Entscheidungen sind, die zu meinem Handeln führen und ich in diesem nicht durch fremde Entscheidungen fremdbestimmt bin, so bin ich es, der entscheidet. Denn meine Entscheidungen kann ich nur als identisch mit mir begreifen. Tue ich dies, so bin ich es der handelt.
Von nichts abhängig zu sein im eigenen Handeln, kann/sollte man sich nicht wünschen - was keinesfalls heißt, dass wir immer frei
sind! Meistens ist man zu einem gewissen Grad fremdbestimmt, die Frage ist nur, zu welchem Anteil. Allerdings ist es nicht die Frage nach Abhängigkeit des Willens, sondern nach seiner Eigen- oder Fremdbestimmung!
snpm
@ Mo-M. Ich kann mich mit deinen Begriffen der Eigen- und Fremdbestimmung nicht ganz anfreunden, obwohl ich verstehe was damit gemeint ist. Hierbei ist wahrscheinlich der Kontext ausschlaggebend.
Der Begriff der Freiheit IST nicht von ihren Grenzen zu trennen.
Ich schätze wir sehen das ähnlich, nur versucht du ein moralisches Urteil (in Form deiner Hypothesen) in Zusammenhang mit dem Freiheitsbegriff zu fällen. Ist auch ok.
Reinhard
| Zitat: |
| ..., nur versucht du ein moralisches Urteil (in Form deiner Hypothesen) in Zusammenhang mit dem Freiheitsbegriff zu fällen. Ist auch ok. |
Hallo snpm, dann ist ja wohl alles ok. und damit wieder gar nichts. Einerseits sagt Mo.-M er sähe die Freiheit darin, einen Grund haben zu dürfen. Soweit ok. Etwas zu dürfen beinhaltet aber auch die Möglichkeit das nicht zu dürfen. Wer oder was bestimmt nun aber darüber, was sein sollte und was nicht? Das kann der, der nach Gründen handelt selber nicht sein. Das Sollen kann aber nicht logisch begründet werden, was im Übrigen auch auf den kantschen Imperativ zutrifft, es sei denn, man nimmt eine für alle Menschen gleich verpflichtende Instanz an. Damit überweist man aber die Freiheit in einen ethisch-religiösen Kontext. Man entscheidet also nur in dem Sinne frei, als dass man etwas will, weil man nicht anders kann. Hätte man eine Entscheidungsfreiheit, dann müßte ja die anschauliche Wirklichkeit selber verschiedene Möglichkeiten ihrer Bestimmung offenlassen und das ist eine völlige Unmöglichkeit, da wir ja schon immer in ihr stecken und diese damit völlig der Notwendigkeit unterliegt.
Notwendigkeit und Freiheit sind demzufolge keine Begriffe der gegenständlichen Welt, sondern liegen im Übergang von Möglichkeit, die durch sie und einen grundlosen Akt der Freiheit wirklich geworden sein müssen. Zwischen diesen unterschiedenen Betrachtungsebenen gibt es aber keinen logischen Übergang, eben nur die Vorstellung von Freiheit im Sinne von unabhängig vom Kausalnexus. Die Vorstellung von Entscheidungsfreiheit bleibt dann allenfalls eine sinnlose Reflexion, um mit Kierkegaard zu sprechen.
Verbleibt, was wir üblicherweise als materielle Freiheit ansehen, dass uns Hindernisse im Wege stehen, um unseren Willen umzusetzen. Da wird die Freiheit dann zu einem negativen Begriff, weil, um diese " Freiheit " zu gewinnen, zunächst mal ein Hindernis da sein muss, das es zu überwinden gilt. Hier ist die Freiheit selber nur durch das zu bestimmen, was sich ihr entgegensetzt, durch die jeweilige Abhängigkeit oder auch Bedingtheit. Insofern ist diese Freiheit nicht einmal ein Ideal, allenfalls eine Unabhängigkeit von bestimmten Abhängigkeiten.
Mit Freundlichen Grüßen
Reinhard
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