Arroganz

Infernal Anodyne
Ob dieses Thema tatsächlich in das Forum gehört, weiß ich nicht. Aber zur Philosophie gehört schätze ich mal so ziemlich jedes Thema..

Arroganz ist eine Sache, mit der ich in letzter Zeit sehr stark zu kämpfen habe. Nicht bei mir - im Gegenteil: ich neige eher dazu mich selbst herunterzuspielen, (was auch nicht zwingend gut ist, aber darüber will ich jetzt nicht unbedingt reden) -, sondern im Bezug auf meine Mitmenschen. Ihr Narzissmus zerfrisst mich. Ganz gleich, ob er ihrer Ansicht nach 'begründet' sein mag. Meiner Meinung nach gibt es für so etwas keine Begründung und obgleich es lediglich ein Produkt ihrer Minderwertigkeitskomplexe ist, kann es andere Menschen zerstören. Insbesondere bei vermeintlich intelligenten Menschen habe ich beobachtet, dass ein Großteil (glücklicherweise nicht alle, doch es sind wirklich einige) von ihnen zu starker Arroganz neigen..

Selbst Zitate wie "Arroganz ist das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes" (Jean Rostand) können mich nicht aufheitern (selbst wenn sie der Wahrheit entsprechen!). Arroganz ist unnötig und tut weh, womit ich mich keinesfalls irgendwie rechtfertigen möchte für meine..Dummheit? Ich finde nicht das richtige Wort, ist ja auch egal..

Was ich wissen wollte und der Grund, weshalb ich diesen Thread starte ist: wie geht ihr damit um? Wie steht ihr dazu? Findet ihr euch selbst arrogant? Wenn ja: macht es euch nichts aus, da ihr es als 'begründet' anseht? Wo ist die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und (gespieltem?) Narzissmus? gruebel
Nik
Zitat:
Original von Infernal Anodyne
Ob dieses Thema tatsächlich in das Forum gehört, weiß ich nicht. Aber zur Philosophie gehört schätze ich mal so ziemlich jedes Thema..

Arroganz ist eine Sache, mit der ich in letzter Zeit sehr stark zu kämpfen habe. Nicht bei mir - im Gegenteil: ich neige eher dazu mich selbst herunterzuspielen, (was auch nicht zwingend gut ist, aber darüber will ich jetzt nicht unbedingt reden) -, sondern im Bezug auf meine Mitmenschen. Ihr Narzissmus zerfrisst mich. Ganz gleich, ob er ihrer Ansicht nach 'begründet' sein mag. Meiner Meinung nach gibt es für so etwas keine Begründung und obgleich es lediglich ein Produkt ihrer Minderwertigkeitskomplexe ist, kann es andere Menschen zerstören. Insbesondere bei vermeintlich intelligenten Menschen habe ich beobachtet, dass ein Großteil (glücklicherweise nicht alle, doch es sind wirklich einige) von ihnen zu starker Arroganz neigen..

Selbst Zitate wie "Arroganz ist das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes" (Jean Rostand) können mich nicht aufheitern (selbst wenn sie der Wahrheit entsprechen!). Arroganz ist unnötig und tut weh, womit ich mich keinesfalls irgendwie rechtfertigen möchte für meine..Dummheit? Ich finde nicht das richtige Wort, ist ja auch egal..

Was ich wissen wollte und der Grund, weshalb ich diesen Thread starte ist: wie geht ihr damit um? Wie steht ihr dazu? Findet ihr euch selbst arrogant? Wenn ja: macht es euch nichts aus, da ihr es als 'begründet' anseht? Wo ist die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und (gespieltem?) Narzissmus? gruebel

Luhmann sagt, Borniertheit ("Arroganz") ist eine Möglichkeit, mit informationeller Überforderung umzugehen (..."Komplexität zu reduzieren"). Die andere Möglichkeit (die andere Seite derselben Unterscheidung) ist Akzeptanz.
SothaSil
Ich denke, dass in einer Kultur, in der das einzelne Individuum einen so hohen Stellenwert hat wie in unserer ist es "verständlich", wenn Menschen zu Arroganz neigen. Sie werden in dem Gefühl bestätigt, das jeder Mensch etwas Einzigartiges ist und rechnen sich dadurch einen hohen Wert zu, egal ob er tatsächlich berechtigt ist ooder nicht.

Der Mensch sieht sich heutzutage nicht als Teil eines Ganzen, sondern (meist) nur als einzelne Person, mit individueller Freiheit. Ich denke, dass auch die Meinungsfreiheit sich mit einbringt: Die Subjektivität des Einzelnen wird dadurch hervorgehoben; dem Menschen verrinnt die Eigenschaft sich selbst von außen zu betrachten, egal ob von einer anderen Person aus oder als selbst unpersönlich.

Um zu deinen Fragen zu kommen: Ich sehe mich in manchen Situationen schon als arrogant an, da ich mir meinen Standpunkt, den ich zu besimmten Dingen vertrete selbst genau überlege und hinterfrage. Anderen Menschen Recht geben in meiner eventuellen Fehlbarkeit kann ich also nur, wenn die Einwände, die gegen meine Position gebracht werden, gut begründet sind. Es ist vielleicht so ne Art "gesunde" Arroganz. gruebel

Aber du hast Recht in dem Punkt, dass Arroganz im eigentlichen Sinne verwerflich ist. Viele Menschen denken einfach zu konstant; sie sehen nicht ein, dass ein Mensch sich in seiner Perspektive verändern muss bzw. er automatisch Veränderungen unterwerfen ist. Der Glaube an die Unfehlbarkeit des Selbst passt in diese Gegebenheit nicht rein.

Aber mal schauen, was euch so einfällt Zwinker

mfg
SothaSil
Erik van Thom
Ich muss mir immer denken, "was fuer eine arme Sau", und "ich bin viel cooler, schoener, alles", wenn jemand wieder meint sich aufmanndln zu muessen. Bei arroganten Frauen ist es nicht anders, denen hat man in der Grundschule immer aufs Pausenbrot gefurzt oder ihnen die Brille geklaut und dann blinde Kuh mit ihnen gespielt.

Manchmal denke ich mir, wie man nur so aus dem letzten Loch pfeifen kann und gleichzeitig auf so hohem Ross sitzen; und dann wieder, dass das wahrscheinlich nicht nur kein Widerspruch ist, sondern sich sogar gegenseitig ergaenzt.

Das beste ist, sich emotional nicht involvieren lassen.
Wenn Leute richtig darauf aus sind, einen zu demuetigen, damit sie selber wieder grandios sind (und dabei alleine manchmal sogar zur Selbstverachtung neigen) muss man sich halt klar machen, dass es eben arme Menschen sind. (Wobei die Gelegenheit, retour zu geben, manchmal wirklich unwiderstehlich ist gnihihihi.)

Ich glaube, das Beste ist, sie auf den Arm zu nehmen, oder?
Und Grenzen setzen! ("Nicht mit mir, Dummbatz.")
Und in wirklich schweren Faellen gibt es auch noch den Rechtsweg.
carsten aus bochum
Hi Infernal Anodyne.

Ich kann mich Nik von einer psychoanalytischen Warte aus gesehen gut anschließen.
Arroganz ist einer extremen Form ein interessantes Syndrom einer schwer narzisstischen Störung und hat dort (und in abgeschwächter Weise wohl immer) die Funktion, die Kommunikation zu zerstören. Sie geht im beschriebenen Fall oft mit einer Pseuodstupidität einher, wo hochintelligente Menschen scheinbar nichts mehr verstehen, so kommt niemand mehr an sie ran.

So rein menschlich und persönlich hat man wohl immer mehrere Seiten.
Im allgemeinen bin ich weniger arrogant, finde aber, dass Arroganz in einigen Fällen eine mich befriedigende Reaktion auf Dumpfbacken ist, dann bin ich für diesen Modus ganz dankbar.
Arroganz hat dann den Charakter einer kalten Abfuhr und ist ökonomisch lohnender als ein Wutausbruch.

Gruß,

Carsten
raphael
Hallo!

Arroganz, Hochmut, Hoffart, Anmaßung, Dünkel
Gibt´s Unterschiede in den Bedeutungen?

Die Arroganz als narzisstisches Massenphänomen ganzer Völker oder Religionen, ein weiteres Kapitel, das geschrieben gehörte!
Der Iwan, der Kraut, der Frog ...

MIt freundlichen Grüßen
Raphael
Lithrian
Also den systemtheoretischen Ansatz finde ich auch sehr passend.

Darüber hinaus muss ich mich raphael anschließen, es ist ein Massenphänomen. Das liegt wohl unter anderem daran, dass wir die Welt gerne komplett so deuten, dass es unser Ego möglichst stark unterstützt.

Allerdings bin ich da etwas zwiegespalten. Einerseits kenne ich viele (- besonders junge Autoren neigen dazu -) Leute, bei denen mich Arroganz und Egomanie stören, andererseits werde ich sicherlich auch von Leuten als arrogant angesehen. Aber wenn man im Seminar sitzt und eine Antwort/Frage hört, bei der man als Dozent Tomaten nach Studenten werfen würde... Da ist der Tonfall im Kommentar vielleicht nicht angemessen.

Ich denke, der Unterschied ist, dass arrogante Menschen oft Schwierigkeiten mit der Differenzierung von intrinsischer und extrinsischer Motivation haben... Da kommt es zu einer Zuordnungsstörung. Das führt auch zu weitreichenderen Problemen: Man macht sich nicht nur unbeliebt, man kann auch aus Fehlern nichts lernen / sie nicht verarbeiten, wenn bei Versagen immer nur die Anderen Schuld sind... In einem solchen Falle sollte man mit Leuten versuchen, darüber zu reden, wenn es einem am Herzen liegt... Sonst muss man sich eben zusammenreißen und darüber hinwegsehen...
glorin
@Infernal Anodyne:
Zitat:
Nicht bei mir - im Gegenteil: ich neige eher dazu mich selbst herunterzuspielen, (was auch nicht zwingend gut ist, aber darüber will ich jetzt nicht unbedingt reden)


Manche nennen genau diese Aussagen Arrogant!

Zitat:
Ihr Narzissmus zerfrisst mich. Ganz gleich, ob er ihrer Ansicht nach 'begründet' sein mag. Meiner Meinung nach gibt es für so etwas keine Begründung und obgleich es lediglich ein Produkt ihrer Minderwertigkeitskomplexe ist, kann es andere Menschen zerstören.


Womöglich würde es auch diese Menschen zerstören, wenn sie einen Teil ihres Wesens den du Arroganz nennst für dich aufgeben müssten.

Zitat:
Insbesondere bei vermeintlich intelligenten Menschen habe ich beobachtet, dass ein Großteil (glücklicherweise nicht alle, doch es sind wirklich einige) von ihnen zu starker Arroganz neigen..


Echt? Ja, da hast du eigentlich schon recht. Liegt aber evtl. auch daran, dass dies dich bei dümmeren Menschen nicht stört. Da sich hier kein Neid aufbaut.

Zitat:
Was ich wissen wollte und der Grund, weshalb ich diesen Thread starte ist: wie geht ihr damit um? Wie steht ihr dazu?


Warum sollte ich mich durch die Arroganz einer anderen Person stören lassen? Mich hat diese noch nie gestört.

Zitat:
Findet ihr euch selbst arrogant? Wenn ja: macht es euch nichts aus, da ihr es als 'begründet' anseht? Wo ist die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und (gespieltem?) Narzissmus?


Solange er nicht gespielt ist, habe ich kein Problem damit. Und ja, wenn ich es beabsichtige kann ich auch mal ein Arroagantes A** sein. Bin ich normalerweiße aber nicht.


@Sotha:
Zitat:
Ich denke, dass in einer Kultur, in der das einzelne Individuum einen so hohen Stellenwert hat wie in unserer ist es "verständlich", wenn Menschen zu Arroganz neigen. Sie werden in dem Gefühl bestätigt, das jeder Mensch etwas Einzigartiges ist und rechnen sich dadurch einen hohen Wert zu, egal ob er tatsächlich berechtigt ist ooder nicht.


Hm, konnte diese Aussage zwar noch nie Nachvollziehen. Aber dieses Verhalten zeigt sich allerdings wirklich bei vielen Mitmenschen.
Agathon
Hallo,

wie man auf Arroganz reagiert? Einfach nicht ignorieren Zwinker

Oder wie heißt es doch so schön : Hochmut kommt vor dem Fall.

Viele Grüße
Agathon
Lithrian
Und manche Leute brauchen Arroganz und Egomanie, um durch den Tag zu kommen! Zwinker Jedem das seine... Ist vielleicht auch eine Art der Entschleunigung und Stetigkeit, wenn man einen Festen Anker in der Welt sieht: Sich selbst!
Agent Orange
Zitat:
Original von SothaSil

Um zu deinen Fragen zu kommen: Ich sehe mich in manchen Situationen schon als arrogant an, da ich mir meinen Standpunkt, den ich zu besimmten Dingen vertrete selbst genau überlege und hinterfrage. Anderen Menschen Recht geben in meiner eventuellen Fehlbarkeit kann ich also nur, wenn die Einwände, die gegen meine Position gebracht werden, gut begründet sind. Es ist vielleicht so ne Art "gesunde" Arroganz. gruebel



Das ist durchaus nicht arrogant, sondern vernünftig. Im Gegenteil, arrogant wäre doch eher der Versuch, den Anderen ohne diskutable Argumente widerlegen zu wollen.
Infernal Anodyne
Naja, die 'gesunde Arroganz' bezeichne ich ja auch nicht als Arroganz an sich - würde ja bedeuten, dass alle 'nicht-arroganten' Menschen unter Minderwertigkeitskomplexen leiden (was vermeintlich arrogante Menschen auch tun) - und das wäre mind. genauso schlimm.
messa
Statt zu lieben was man nicht hat sollte man das was man hat lieben
Jörn
Zitat:
Original von Jean Rostand
"Arroganz ist das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes"

Ist das nicht ebenso arrogant? Arrogant gegenüber Arroganten zu sein, ist natürlich irgendwie hübsch :-)
ete
Es gibt mehrere Optionen, Arroganz zu begegnen, einige wurden genannt.
Eine weitere ist das einfühlsame Verstehen; hier wird nicht primär nach der Ursache gefragt (was mit Schuldzuweisung verbunden ist), sondern nach dem subjektiven Sinn.
FLorian K.
Manchmal ist Arroganz nur das Ergebnis der nüchternen Betrachtung seines Gegenübers Zwinker Zwinker
Kai
Ich bin nicht arrogant. Obwohl ich es sein könnte. Zwinker
Jay Ray
... um noch einen anderen Aspekt des Begriffs "Arroganz" ins Spiel zu bringen - hier ein Ausspruch von Klaus Kinski:

"Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz."
Nik
Zitat:
Original von Jay Ray
... um noch einen anderen Aspekt des Begriffs "Arroganz" ins Spiel zu bringen - hier ein Ausspruch von Klaus Kinski:

"Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz."

Der hatte ja auch jede Menge davon. Aber nur zum Schein, wie man neuerdings von intimer Seite her hören konnte. Allgemein gilt auch hier wieder: Deviante Handhabung von informationeller Überforderung. Das Niveau allerdings bestimmt die aufgebaute innere Komplexität. Und damit konnte Kinski zumindest nach außen gerichtet nicht gerade aufwarten.
Reinhard
Ich will den ganzen Käse von objektiv, neutral und subjektiv nicht nochmal runterleiern. Jeder, der sich bisher hier geäußert hat, neigt ja ganz offensichtlich eher zur Seite der Minderwertigkeitskomplexe ohne die wirkliche Fähigkeit zur Arroganz. Warum fragt man mich nicht eigentlich gleich, dann ist doch sehr schnell Ruhe im Karton. Ich will so bleiben, wie ich bin. Du darfst.

Mit arroganzen Grüßen
Reinhard großes Grinsen