Arroganz

Erik van Thom
Zitat:
Original von Jay Ray
"Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz."

Aha, und wie sieht Niveau von oben aus?
Und wie was sieht Arroganz jeweils aus von oben und unten?
Tarvoc
Zitat:
Original von Erik van Thom
Aha, und wie sieht Niveau von oben aus?

Wie Niveau.

Zitat:
Original von Erik van Thom
Und wie was sieht Arroganz jeweils aus von oben

Wie Niveau.

Zitat:
Original von Erik van Thom
und unten?

Wie Arroganz.

Zwinker
Androklus
Arroganz ist für mich die Überheblichkeit von scheinbaren (sich überschätzenden)-Selbstbewußten.

Die bilden sich auf sich, ihre Leistungen(wenn sie diese denn überhaupt erbracht haben), Status, Geld richtig was ein und lassen das ihre Mitmenschen spüren. Meistens werten sie auch andere ab. Halten sich für etwas besseres.

Wahre selbstbewußte Menschen können auch auf Augenhöhe bleiben!
Ihnen ist klar was sie können und erreicht haben, aber behandeln ihre Mitmenschen eben anders.

Die Austrahlungen sind auch grundverschieden.
Spirit
Hallo Infernal Anodyne,

Zitat:
Original von Infernal Anodyne
Was ich wissen wollte und der Grund, weshalb ich diesen Thread starte ist: wie geht ihr damit um? Wie steht ihr dazu? Findet ihr euch selbst arrogant? Wenn ja: macht es euch nichts aus, da ihr es als 'begründet' anseht? Wo ist die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und (gespieltem?) Narzissmus? gruebel


wenn man von einer zumindest ansatzweise intersubjektiv wahrnehmbaren Form arroganten Verhaltens ausgeht, dann kann man sagen, dass es manche Menschen gibt, die selten und auch wenig arrogant auftreten, und andere Menschen, die einerseits häufig und zugleich auch sehr deutlich arrogant auftreten. Zeitlich und in der Expressivität gibt es hier eine Art „Arroganz-Raum“.
Wenn ich mir nun den einen extremen Rand ansehe, der sich auf Personen bezieht, die stets und extrem arrogant auftreten (etwa psychotisch „Ich bin Gott.“), dann gewinne ich den Eindruck, dass dies normalerweise nicht als Problem wahrgenommen wird: gerade weil dieses Verhalten so extrem ist, deshalb fällt es sehr leicht, sich von diesen Menschen zu distanzieren: man nimmt sie einfach nicht ernst. Das ist zumindest dann möglich, wenn man über die Möglichkeit der Distanznahme verfügt.

Wenn man mit einem hocharroganten Menschen stets in einem Raum verbringen MUSS und man sich auch nicht einfach auf einen technischen Vorgang mit dem anderen beschränken kann, in welchem dessen ständiger Selbstbezug nicht zum Ausdruck kommt, besteht eventuell auf Dauer ein Problem. Allerdings kann man auch hier allgemein fragen, was für eine Identifizierung hier vorliegt? Der Arrogante bringt entweder sprachlich oder im Verhalten „Arroganz“ zum Ausdruck. Ein Problem entsteht erst dann, wenn man dies entweder auf sich selbst bezieht und sich davon gekränkt fühlt, weil man sich nicht von dem Ausdruck des anderen abgrenzen kann, oder weil man sich mit dem Anderen eine Interaktion wünscht, die hierdurch nicht zustande kommt, weil man sich also nicht von diesem Wunsch abgrenzen kann.
Die Identifikation zeigt sich auch gerade dann, wenn der „Leidende“ versucht, den Arroganten von seinem Handeln abzubringen: also ihm seinen eigenen Wunsch oder die Distanzierung auferlegen möchte.

Geht man von den beiden Polen des weiter oben skizzierten „Arroganz-Raumes“ aus, dann stellt sich die allgemeine Frage, wo auf den Dimensionen des Arroganz-Raums die (inter)subjektiv „unerträgliche“ Arroganzwahrnehmung beginnt und wo sie aufhört: in welchem Bereich also Menschen nicht als störend arrogant empfunden werden und in welchem sie als so (psychotisch) arrogant wahrgenommen werden, dass es automatisch leicht fällt, sich von ihnen zu distanzieren.
Es stellt sich dann vor allem auch individuelle Frage, wie breit dieses Kontinuum ist und ob es überhaupt vorliegt.
Es gibt Menschen, welchen das arrogante Verhalten anderer Menschen nichts ausmacht. Meines Erachtens liegt dies daran, dass diese Menschen über ein stabiles Selbstwertgefühl und Abgrenzungsvermögen verfügen, weshalb sie sich überhaupt nicht mit den arroganten Gebärden anderer identifizieren. Je mehr ein Mensch jedoch selbst ein Problem an dieser Stelle hat, desto mehr gewinnt die Arroganz anderer Menschen an unerträglichen Wahrnehmungswert. Das Problem, das hier unmittelbar auftritt, ist das Problem einer Identifizierung mit dem Ausdruck des anderen: „Was bildet dieser arrogante Schnösel sich ein, so etwas zu MIR zu sagen?“ „Hast du diesen arroganten Typen gesehen, das war ja unerträglich, wie sich dieser Typ aufgeführt hat!“. „Der denkt wohl, dass er etwas Besseres ist (als ich).“
Wenn man Menschen beobachtet, die sich über arrogante Menschen beschweren, dann fällt sogleich auf, dass diese sich in diesem Moment, je mehr Gefühl sich in ihnen anstaut, ebenfalls arrogant diesem Menschen gegenüber verhalten.
Je mehr ein Mensch das Verhalten arroganter Menschen auf sich selbst bezieht und je mehr er unter der Haltung des arroganten Menschen subjektiv leidet, desto größer wird der Abschnitt im Arroganz-Raum, unter dem er leidet. Am Ende erscheint vielleicht beinahe jeder zweite als arrogant und man leidet stets darunter, erlebt sich hilflos, als Opfer der anderen.

Der Arrogante und derjenige, der unter Arroganten leidet, bilden in gewisser Hinsicht ein Paar. Der Arrogante bringt ein Gefühl zum Ausdruck, das in dem anderen eine besondere Resonanz erzeugt, die ihn dann ebenfalls zu einem arroganten Verhalten führt, obwohl dieser von sich selbst das Bild aufrecht erhalten möchte, dass er selbst nicht arrogant sei. Und dies ist wohl auch mit Ursache für sein Problem, weshalb er unter dem anderen so leidet: dass er durch den anderen zu einem Gefühl veranlasst wird, das er am anderen als Verhaltensausdruck beurteilt und als störend empfindet – wodurch er sich schon über den anderen stellt – und dass dann, wenn er diese Gefühle selbst zum Ausdruck bringt, ein Verhalten folgt, das hiernach gerechtfertigt werden muss, da es nicht als arrogant erscheinen soll. Der eigene Narzissmus oder die Egozentriertheit werden also am anderen als schmerzhaft erfahren, verurteilt und eventuell bekämpft, da der eigene nicht (ausreichend) gelebt und erkannt werden darf.

Für diejenigen jedoch, für die Arroganz überhaupt nicht störend ist, da sie das Verhalten der anderen überhaupt nicht auf sich beziehen, existiert das alles kaum: sie bekommen nur mit, dass andere, die selbst arrogant auftreten oder ihre Arroganz zeitweilig unterdrücken, sich immer wieder über Arrogante aufregen.


Wenn diese Überlegungen einigermaßen stimmig sind, dann folgt daraus, dass ein Mensch, wenn er unter dem arroganten Verhalten anderer leidet,
1. versuchen sollte, sich von diesen zu distanzieren
2. versuchen sollte, eventuelle Wünsche, mit dem anderen ein bestimmte Interaktion einzugehen, loslassen sollte
3. versuchen sollte, den eigenen Gefühle, die in der Interaktion zustande kommen, Ausdruck zu verleihen, durchaus auch authentisch in arroganter Weise, und dazu stehen zu können, diese also nicht zu rechtfertigen und auch nicht zu verurteilen: das Gefühl als Gefühl annehmen.

Beste Grüße,
S.
Androklus
Naja, ich finde die arroganten MEnschen sollten sich mal eher hinterfragen und ihr Auftreten vernünftig reflektieren. Anscheinend fehlt es ihnen da ja. Oder sie bekommen nicht genug negative Rückmeldungen(vielleicht auch durch Ignoranten) so das sie es nicht selber richtig wahrnehmen. Aber ich denke, so egoistisch wie sie meistens sind, ist es ihnen sogar egal.

Ich gebe zu das ich mich manchmal drüber aufrege, aber oft versuche solche Personen zu ignorieren.

Ja an Selbstbewußtsein bzw Selbstwertgefühl fehlt es mir öfters, aber es sind auch genug andere "normale" Menschen welche damit Probleme haben.
Erik van Thom
@Tarvoc:
Bist du dir da sicher? Wieso wirkt ein arroganter Mensch auf einen, der intelligenter ist und ein hoeheres Niveau hat, nicht wie ein arroganter Mensch, sondern wie ein "niveauvoller"?

Warum wirkt ein arroganter Mensch auf einen dummen Menschen wie ein arroganter Mensch, und nicht wie einer mit Niveau?

Und wieso sieht das Niveau eines durchschnittlichen Menschen wie Niveau aus, wenn es einer von oben betrachtet, der ein viel hoeheres Niveau hat?
Rebecca
Zitat:
Original von Reinhard
Ich will den ganzen Käse von objektiv, neutral und subjektiv nicht nochmal runterleiern. Jeder, der sich bisher hier geäußert hat, neigt ja ganz offensichtlich eher zur Seite der Minderwertigkeitskomplexe ohne die wirkliche Fähigkeit zur Arroganz. Warum fragt man mich nicht eigentlich gleich, dann ist doch sehr schnell Ruhe im Karton. Ich will so bleiben, wie ich bin. Du darfst.

Mit arroganzen Grüßen
Reinhard großes Grinsen


Ach, lieber Reinhard, ich schrieb doch schon einmal:

"Ich hatte die Wahl zwischen falscher Bescheidenheit und ehrlicher Arroganz - ich wählte Zweitere". großes Grinsen

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. roll

Außerdem ist Ehrlichkeit eine Tugend! Freude

Freundliche Grüße
Sister im Geiste winken
Jörn
Zitat:
höheres Niveau

Ein anderes Wort für Arroganz ist vielleicht "Hochmut". Mit "hoch" und "tief" gab es - glaub ich - schon ein paar Beiträge, ich denke das passt so Pie mal Daumen. Die grundlegende Figur dahinter scheint mir das "zur Schau stellende Brechen" der grundsätzlichen Symmetrie zwischen zwei (oder) mehr Menschen. Gewissermaßen kontrafaktisch unterstellen wir - vermute ich - immer eine Symmetrie zwischen den Menschen. Faktisch ist diese ziemlich oft aufgehoben: manchmal zurecht und manchmal zu unrecht. Manchmal auf angemessene Weise sichtbar, manchmal unangemessen.

Der Arrogante stellt sich über den Anderen und zwar auf eine unangemessene zur Schau stellenden Art, er bricht die Symmetrie, die Augenhöhe wird verlassen, er erhöht sich, er ist überheblich und das bereitet ihm häufig Freude. Nehmen wir zwei Schachspieler als Beispiel. Im Schach gibt es Wertungszahlen, je höher je besser :-) Der eine hat 1500 - das ist so lala. Der andere hat 2300 - das ist schon ganz schön üppig. Die Symmetrie ist hier faktisch in Bezug auf die Spielstärke (sonst nichts) "gebrochen". Natürlich genügt das nicht, um den stärkeren Spieler arrogant zu nennen. Er muss auch noch die Nase hoch tragen, den "Symmetriebruch" zur Schau stellen, sich vielleicht darin weiden. Obwohl er faktisch der Bessere ist, ist seine Art damit umzugehen einfach unangemessen und falsch: er ist ein arroganter *Hintern* :-)

Jetzt zu dem Bonmot mit dem Niveau und der Arroganz ("Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.") Mir gefällt das. Auch wenn ich Kinski sonst langweilig finde. Aber egal, der Satz ist gut. Es passt oft. Aber - wichtig - zum Glück nicht immer :-)

Im Schach ist es (im obigen Beispiel) einfach, den Niveauunterschied fest zu stellen. Er ist objektiv und nichts ist daran zu rütteln. In anderen Fällen liegen die Dinge oft komplizierter. Nehmen wir an, Sepp sei ein totaler Dummkopf. Pit hingegen ist ein cleveres Kerlchen, klug und gebildet dazu. Sepp spürt zwar den Niveauunterschied, kann ihn aber aufgrund seiner Dummköpfigkeit nicht wirklich richtig einschätzen. Für ihn ist Pit nicht klüger, sondern arrogant. Diese Einschätzung kann vielleicht (ggf. auch unbewusst) zum eigenen Schutz geschehen, um die eigene intellektuelle Unterlegenheit nicht zugeben zu müssen.

Menschen mit reichem Wortschatz fallen einer solchen Einschätzung recht häufig zum Opfer, glaube ich. Die anderen denken, er prahlt mit seinem Vermögen (im doppelten Sinne des Wortes), während der Wortreiche vielleicht nur unvorsichtigerweise authentisch war :-) statt sich ein wenig in Demut (dem Gegenstück der Arroganz) zu üben. Ein schwieriges Geschäft :-) Vielleicht gilt auch hier: Eigentum verpflichtet. Zu was? - zur Vorsicht?

Wie auch immer, das Geschäft ist schwierig, weil vieles unter einen Hut, in ein Verhalten muss: was wahr ist, was richtig und angemessen ist, was authentisch ist und sicher noch einiges mehr. (Wahr, schön und gut sozusagen.) Hier kann man vermutlich mehr als leicht daneben greifen. Naja - obwohl es so schwer ist, haben es auch viele ganz gut drauf :-) Aber nicht alle :-)
Androklus
Nach Hochmut kommt der Fall...und dann schlägt man richtig auf.
Tarvoc
Zitat:
Original von Erik van Thom
Bist du dir da sicher?

Nein. Meine Äußerung war vor allem als Subversion des Kinski-Zitates gedacht und sollte seine Willkürlichkeit herausstellen.
Kai
Ist es irgendjemanden bekannt, ob Einstein oder Russell sich jemals arrogant verhalten haben?
Ich glaube, wirkliche Überlegenheit braucht und demonstriert keine Arroganz.
Tarvoc
Zitat:
Original von Kai
Ist es irgendjemanden bekannt, ob Einstein oder Russell sich jemals arrogant verhalten haben?

Weiss ich nicht, aber z.B. von Wittgenstein ist ein gewisses überhebliches Verhalten bekannt.
ete
Zitat:
Original von Kai
Ich glaube, wirkliche Überlegenheit braucht und demonstriert keine Arroganz.

Da steckt doch schon viel Arroganz drin...
Kai
@ete
Einstein und Russell waren Genies. Einsteins Relativitätstheorie und Russells Principia Mathematica können die meisten Menschen nicht einmal verstehen, geschweige denn selbst erdenken. Und wenn sich Genies ihrer geistigen Überlegenheit bewusst sind, ist dies mE keine Arroganz. Einstein und Russell haben aber nie andere Menschen zu ihren Sklaven machen wollen. Sie waren sozial engagierte Menschen. Ganz im Gegenteil zu Wittgenstein, der sein Millionenerbe an seine reichen Geschwister verschenkte, anstatt es sozial Schwachen oder deren Organisationen zu geben. Damit demonstrierte er Blindheit für soziale Probleme. Und seine Philosophie, seine 1. und seine 2., ist auch vielfach angreifbar.
Tarvoc
Zitat:
Original von Kai
seine 2., ist auch vielfach angreifbar.

Echt? Erzähl' doch mal.
FLorian K.
Zitat:

Hallo Infernal Anodyne,

Zitat:
Original von Infernal Anodyne
Was ich wissen wollte und der Grund, weshalb ich diesen Thread starte ist: wie geht ihr damit um? Wie steht ihr dazu? Findet ihr euch selbst arrogant? Wenn ja: macht es euch nichts aus, da ihr es als 'begründet' anseht? Wo ist die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und (gespieltem?) Narzissmus? gruebel


wenn man von einer zumindest ansatzweise intersubjektiv wahrnehmbaren Form arroganten Verhaltens ausgeht, dann kann man sagen, dass es manche Menschen gibt, die selten und auch wenig arrogant auftreten, und andere Menschen, die einerseits häufig und zugleich auch sehr deutlich arrogant auftreten. Zeitlich und in der Expressivität gibt es hier eine Art „Arroganz-Raum“.
Wenn ich mir nun den einen extremen Rand ansehe, der sich auf Personen bezieht, die stets und extrem arrogant auftreten (etwa psychotisch „Ich bin Gott.“), dann gewinne ich den Eindruck, dass dies normalerweise nicht als Problem wahrgenommen wird: gerade weil dieses Verhalten so extrem ist, deshalb fällt es sehr leicht, sich von diesen Menschen zu distanzieren: man nimmt sie einfach nicht ernst. Das ist zumindest dann möglich, wenn man über die Möglichkeit der Distanznahme verfügt.

Wenn man mit einem hocharroganten Menschen stets in einem Raum verbringen MUSS und man sich auch nicht einfach auf einen technischen Vorgang mit dem anderen beschränken kann, in welchem dessen ständiger Selbstbezug nicht zum Ausdruck kommt, besteht eventuell auf Dauer ein Problem. Allerdings kann man auch hier allgemein fragen, was für eine Identifizierung hier vorliegt? Der Arrogante bringt entweder sprachlich oder im Verhalten „Arroganz“ zum Ausdruck. Ein Problem entsteht erst dann, wenn man dies entweder auf sich selbst bezieht und sich davon gekränkt fühlt, weil man sich nicht von dem Ausdruck des anderen abgrenzen kann, oder weil man sich mit dem Anderen eine Interaktion wünscht, die hierdurch nicht zustande kommt, weil man sich also nicht von diesem Wunsch abgrenzen kann.
Die Identifikation zeigt sich auch gerade dann, wenn der „Leidende“ versucht, den Arroganten von seinem Handeln abzubringen: also ihm seinen eigenen Wunsch oder die Distanzierung auferlegen möchte.

Geht man von den beiden Polen des weiter oben skizzierten „Arroganz-Raumes“ aus, dann stellt sich die allgemeine Frage, wo auf den Dimensionen des Arroganz-Raums die (inter)subjektiv „unerträgliche“ Arroganzwahrnehmung beginnt und wo sie aufhört: in welchem Bereich also Menschen nicht als störend arrogant empfunden werden und in welchem sie als so (psychotisch) arrogant wahrgenommen werden, dass es automatisch leicht fällt, sich von ihnen zu distanzieren.
Es stellt sich dann vor allem auch individuelle Frage, wie breit dieses Kontinuum ist und ob es überhaupt vorliegt.
Es gibt Menschen, welchen das arrogante Verhalten anderer Menschen nichts ausmacht. Meines Erachtens liegt dies daran, dass diese Menschen über ein stabiles Selbstwertgefühl und Abgrenzungsvermögen verfügen, weshalb sie sich überhaupt nicht mit den arroganten Gebärden anderer identifizieren. Je mehr ein Mensch jedoch selbst ein Problem an dieser Stelle hat, desto mehr gewinnt die Arroganz anderer Menschen an unerträglichen Wahrnehmungswert. Das Problem, das hier unmittelbar auftritt, ist das Problem einer Identifizierung mit dem Ausdruck des anderen: „Was bildet dieser arrogante Schnösel sich ein, so etwas zu MIR zu sagen?“ „Hast du diesen arroganten Typen gesehen, das war ja unerträglich, wie sich dieser Typ aufgeführt hat!“. „Der denkt wohl, dass er etwas Besseres ist (als ich).“
Wenn man Menschen beobachtet, die sich über arrogante Menschen beschweren, dann fällt sogleich auf, dass diese sich in diesem Moment, je mehr Gefühl sich in ihnen anstaut, ebenfalls arrogant diesem Menschen gegenüber verhalten.
Je mehr ein Mensch das Verhalten arroganter Menschen auf sich selbst bezieht und je mehr er unter der Haltung des arroganten Menschen subjektiv leidet, desto größer wird der Abschnitt im Arroganz-Raum, unter dem er leidet. Am Ende erscheint vielleicht beinahe jeder zweite als arrogant und man leidet stets darunter, erlebt sich hilflos, als Opfer der anderen.

Der Arrogante und derjenige, der unter Arroganten leidet, bilden in gewisser Hinsicht ein Paar. Der Arrogante bringt ein Gefühl zum Ausdruck, das in dem anderen eine besondere Resonanz erzeugt, die ihn dann ebenfalls zu einem arroganten Verhalten führt, obwohl dieser von sich selbst das Bild aufrecht erhalten möchte, dass er selbst nicht arrogant sei. Und dies ist wohl auch mit Ursache für sein Problem, weshalb er unter dem anderen so leidet: dass er durch den anderen zu einem Gefühl veranlasst wird, das er am anderen als Verhaltensausdruck beurteilt und als störend empfindet – wodurch er sich schon über den anderen stellt – und dass dann, wenn er diese Gefühle selbst zum Ausdruck bringt, ein Verhalten folgt, das hiernach gerechtfertigt werden muss, da es nicht als arrogant erscheinen soll. Der eigene Narzissmus oder die Egozentriertheit werden also am anderen als schmerzhaft erfahren, verurteilt und eventuell bekämpft, da der eigene nicht (ausreichend) gelebt und erkannt werden darf.

Für diejenigen jedoch, für die Arroganz überhaupt nicht störend ist, da sie das Verhalten der anderen überhaupt nicht auf sich beziehen, existiert das alles kaum: sie bekommen nur mit, dass andere, die selbst arrogant auftreten oder ihre Arroganz zeitweilig unterdrücken, sich immer wieder über Arrogante aufregen.


Wenn diese Überlegungen einigermaßen stimmig sind, dann folgt daraus, dass ein Mensch, wenn er unter dem arroganten Verhalten anderer leidet,
1. versuchen sollte, sich von diesen zu distanzieren
2. versuchen sollte, eventuelle Wünsche, mit dem anderen ein bestimmte Interaktion einzugehen, loslassen sollte
3. versuchen sollte, den eigenen Gefühle, die in der Interaktion zustande kommen, Ausdruck zu verleihen, durchaus auch authentisch in arroganter Weise, und dazu stehen zu können, diese also nicht zu rechtfertigen und auch nicht zu verurteilen: das Gefühl als Gefühl annehmen.

Beste Grüße,
S.


darauf kann wahre arroganz nur eines antworten:

Spaggn großes Grinsen
Tarvoc
Was ja beweisen würde, dass Kinski Unrecht hat: Arroganz ist kein Zeichen von Niveau, sondern im Gegenteil das ultimative Zeichen von Vulgarität. roll
FLorian K.
Ich möchte mich hiermit ausdrücklich für meinen letzten arroganten und unqualifizierten Kommentar entschuldigen.

Als ich gestern betrunken war, fand ich ihn noch irre witzig... nunja

In diesem Sinne nix für ungut und prosit
Tarvoc
Zitat:
Original von FLorian K.
Ich möchte mich hiermit ausdrücklich für meinen letzten arroganten und unqualifizierten Kommentar entschuldigen.

Ich hab' das ehrlich gesagt gar nicht mit dir als Person identifiziert. Ich dachte, du wolltest lediglich ein Beispiel für wahre Arroganz geben. Zwinker
Spirit
Zitat:
Original von FLorian K.
Ich möchte mich hiermit ausdrücklich für meinen letzten arroganten und unqualifizierten Kommentar entschuldigen.

Als ich gestern betrunken war, fand ich ihn noch irre witzig... nunja

In diesem Sinne nix für ungut und prosit


prosit smile