Warum es keinen immateriellen Geist, sprich keine Seele geben kann!... meiner Meinung nach ;)

Hegel
So, hallo erstmals, bin neu hier smile

Seit Jahrtausenden, so auch z.B. bei den Ägyptern, besteht der menschliche Glaube, dass es neben der körperlichen Einheit, auch eine ungreifbare, übergeifende und über den Körper bestimmende, eventuell sogar spirituelle Macht gibt die sich zuerst in einer bewussten Anpassung an das Leben- und später, frei nach Freud, sich im "Ich", also in einer Persönlichkeit mit Charaktereigenschaften äussert. Dieser Glaube scheint nur logisch denn in Lebewesen lässt sich nichts Materielles finden, was das Bewusstsein, das Wahrnehmen und das Lernen irgendwie beschreiben oder erklären könnte. Also hat der Mensch die Seele erfunden, behauptet dass sie mit dem Körper gekoppelt sei, jedoch über ihn bestimme und sich auch nach dem Tod von ihm trennen und an einen anderen Ort reisen würde. Viele Theorien gibt es über das sogenannte Leib-Seele Problem, und in Freuds Schriften lässt sich noch lesen dass keine direkte Beziehung zwischen beide Endpunkten, den psychischen Vorgängen und den Gehirnzellen, gegeben sei. Dort hat die Neuropsychologie in den letzten Jahrzenten bedeutende Fortschritte gemacht, die Verbindung von Körper und Seele, von materiellem und immateriellem aber noch immer nicht geklärt und erklärt. Manche Wissenschaftler und Philosophen wie z.B. Marvin Minsky haben auch die These aufgestellt dass es nichts dergleichen gibt wie die Seele, sondern alles nur determiniert, rein materiell vom Gehirn und vom Körper durch mechanisierte, biochemische und neuronale Vorgänge ein Bewusstsein, was der Mensch als Geist oder Seele versteht, illusioniert wird. Persönlich bin ich auch dieser Meinung, wegen ein paar Gedanken die mir durch den Kopf gegangen sind, und ich veruche diese hier so genau wie möglich zu erklären.
Geist, Seele oder wie man es auch nennt, worüber ich reden will, ist diese Vorstellung des Menchen der Existenz eines Gegenstücks des materiellen Körpers. Um meine Denkweise zu erklären muss ich erst den Begriff "Einheit" wie er in meiner Vorstellung besteht, definieren:
Die essentielle Frage der Philosophie ist sicherlich : "Was ist das Sein?" Ja, der einzige mögliche Weg ist über die Negation, nämlich dass es dem Nicht- Nichtsein gleichkommt. Nun kann man schlussfolgern dass nur diese zwei Zustände im universellen Bereich möglich sind. Dass dies quantitative Begriffe sind kann man wohl ausschliessen denn nichts kann mehr "sein" als etwas anderes "ist", schliesslich ist Nichtsein als unendlich umfassend zu verstehen, aus dem das Sein heraustritt, jedoch egal wie gross dieses Sein auch nur sein kann, es immer im gleichen 1-zu-1-Verhältnis gegenüber dem Unendlichen besteht(mathematisch : 4 x unendlich = 5 x unendlich).
Wenn wir, als "seiende" Menschen also von etwas sprechen, z. B. einem Auto, verstehen wir es so, als "seie" das Auto und unsere Denkprozesse sind auch dementsprechend strukuriert dass wir einem Wort, speziell Substantive als Subjekt und Objekt, gegenüber eine bestehende Einheit denken, z.B. ein Haus, ein Baum, ein Klavier. Als Verben denken wir uns eine Bewegung, Handlung und Veränderung der "seienden" Gegenstände. Doch zu behaupten ein Klavier "sei" also existiere ist meiner Meinung nach grundlegend falsch. Dies ist eine Illusion des menschlichen Denkvorgehens. Ein Klavier ist nur die Summe vo den materiellen Bausteinen aus denen es besteht. Diese einzelnen Bausteine, wie die Atome, oder Leptonen oder Neutrinos, die "sind" und zwar nicht nur wegen der Annahme dass es die kleinsten sondern mehr wegen des Umstandes dass diese Teilchen periodisch im Universum vorkommen und alles aus ihnen besteht. In meinen Augen kann man nur dann behaupten dass etwas "sei". Alles was gegeben ist. Jegliche Summe dieser periodischen Elemente, die unperiodisch im Universum auftritt und aus der man nicht Millionen andere Dinge formen kann in Verbindung mit anderen unperiodischen "Gleichgesinnten".
Schlussfolgernd: Der menschliche Geist ist auch nur eine Illusion des menschlichen durch chemisch reagierende Elementarbausteine bedingten Denkens. Nur ein weiterer Denkanstoss: Wenn es den Geist eines Menschen gäbe würde er als sogenannte "Einheit" neben der "Einheit" des Körpers existieren, und er würde dann nach Annahme beim Tod den Menschen verlassen. Hier ist meine Frage? Ein Mensch stirbt um 21:02 und 23 Sekunden. Herztod vor 1 Minute, nun Hirntod. Nun verlässt anscheinend die Seele diesen Körper. Aha, aber wann genau, in der 23-tausendsten Mikrosekunde nach dem tod oder gar noch 20 Nanosekunden danach, und verschwindet der Geist Stück für Stück oder innerhalb unendlicher Zeit? Dies allein illustriert schon die Absurdität dieses Gedankens. Noch ein Beispiel: Wie läuft das ganze bei einem anderen Tier ab? Bei einer Fliege? Bei einem Pantoffeltierchen? Bei einem Baum? Warum sollten diese Lebewesen denn keine Seele haben? Die Seele muss sich doch erst nach und nach während der Evolution entwickelt haben? Es wäre ja schwer anzunehmen dass die Seele "Plopp" beim Neandertaler z.B. aufgetaucht ist?
Bei solchem "Einheitsdenken" verläuft man sich meiner Meinung nach unvermeidlich im Irrgarten der Widersprüchlickeit und des Widersinns. Man kommt damit einfach nicht auf einen grünen Zweig und die einheitliche "Wahrheit" bleibt auch fern und noch ferner. Was fehlt im menschlichen Denken ist das Zerteilen ihrer Scheinrealität in naturelle, universelle, basische Wahrheiten.
Die Astronomie erklärt demnach das Universum um einiges besser als jegliche Religion oder Philosophie.

Ihr werdet sicher viele Widersprüchlichkeiten entdecken oder suchen, aber ich möchte auch noch mitteilen dass ich glaube dass man diese Theorie weder anständig belegen noch beweisen kann wegen des Sprache(menschliche Wahreit)-Wahrheit(naturelle, universelle Wahrheit)-Problems. Alles was ich hier geschrieben habe, ob ich es wollte oder nicht, ist stark vom "Einheitsdenken" geprägt, weil die Sprache es eben automatisch mit sich bringt. Man müsste der Wahrheit schon durch anständige Mathematik, nämlich ausschliess der logisch-kausalen, auf die Sprünge kommen. Vielleicht in 2000 Jahren?

So, schreibt mir bitte was ihr denkt?? Bin wirklich gespannt, habe nämlich Angst dass ich mich zu viel in meinen Gedanken verwoben habe. Der philosophische Dialog ist so furchtbar wichtig smile
Tarvoc
Zitat:
Original von Hegel
Der menschliche Geist ist auch nur eine Illusion.

Was ist denn eine Illusion? Gibt es nun eine Differenz zwischen Schein und Sein oder gibt es keine?
Jupp
Hallo Hegel,

Zitat:
Man müsste der Wahrheit schon durch anständige Mathematik, nämlich ausschliess der logisch-kausalen, auf die Sprünge kommen. Vielleicht in 2000 Jahren?


Nicht in aller Zeit - der weit verbreitete Irrglaube, daß Mathematik und Logik
Wahrheit außerhalb ihrer eigenen Axiome aussagen könnten, vergißt etwas
Wesentliches: Dein Hinweis auf die Sprache

Zitat:
Alles was ich hier geschrieben habe, ob ich es wollte oder nicht, ist stark vom "Einheitsdenken" geprägt, weil die Sprache es eben automatisch mit sich bringt.


hat auch hier seine Gültigkeit. Das ist also wie ich meine kein Ausweg.
Interessant ist sicher, darüber nachzudenken wie (und wo) auf der Basis
des neuronalen Gewitters im menschlichen Gehirn ein "lauffähiges"
Ichbewußtsein zustande kommt.
Agathon
Hallo Hegel,

ich könnte mir schon vorstellen, dass so etwas wie eine 'Seele' existiert und zwar auf Grundlage von Emergenz.

Zwar ist es nicht möglich Teile der Seele in Atomen oder unseren Körperzellen zu finden, aber nach dem Prinzip 'Die Gesamtheit ist mehr als die Summe ihrer Einzelteile' wäre es vorstellbar, daß die Seele oder der Geist ein Zusammenspiel vieler einzelner Komponenten ist, wie z.B. unsere Verhaltensweise, unser Charakter, unser Umfeld usw.

Genauso wie jedes Lebewesen so etwas wie eine eigene 'Geschichte' oder ähnliches haben kann ( die sich ebenso von selbst herausbildet, sich nicht abschütteln lässt, aber bei der es auch schwer ist sie in kleine Einzelteile zu zerlegen ), kann es doch auch eine eigene Seele besitzen.

Viele Grüße
Agathon
dan-te
Hallo Hegel,

ich finde diesen Thread sehr interessant. Zu einer Aussage möchte ich gerne Stellung beziehen.

Zitat:
Original von Hegel
Wie läuft das ganze bei einem anderen Tier ab? Bei einer Fliege? Bei einem Pantoffeltierchen? Bei einem Baum? Warum sollten diese Lebewesen denn keine Seele haben? Die Seele muss sich doch erst nach und nach während der Evolution entwickelt haben? Es wäre ja schwer anzunehmen dass die Seele "Plopp" beim Neandertaler z.B. aufgetaucht ist?


Auch jedes noch so kleine Tierchen hat eine "Seele", also ein "Bewusstsein für sich im Ganzen". Dies ist sichtbar, wenn du versuchst, es zu töten. Es wird versuchen, dies zu vermeiden.

Dieser Überlebensdrang ist meines Erachtens ein Beweis für ein Bewusstsein als Einheit. Sollte z.B. eine Fliege keine "Seele" haben, so hätte sie keinen Grund, ihr Leben zu erhalten. Insbesondere dann nicht, wenn das Überleben mit Schmerzen verbunden wäre.

Hier finde ich den Einwurf der Emergenz sehr interessant. Tatsächlich unterstütze ich diese Theorie. Warum sonst würde ein Tier (und auch ein Mensch) auf ein Bein, einen Arm etc. verzichten, um das Ganze am Leben zu erhalten?

Du hast Recht, es ist schwer, diese Gedanken zu formulieren. Ich hoffe, du kannst meine Gedankengänge nachvollziehen.

Viele Grüße!
Hegel
Zitat:
Was ist denn eine Illusion? Gibt es nun eine Differenz zwischen Schein und Sein oder gibt es keine?


@Tarvoc: Also meiner Meinung nach "gibt" es nur die Dinge die "sind" wie eben z.B, Elementarteilchen. Das Klavier scheint es nun zu geben, in unseren Köpfen, jedoch ist "Klavier" lediglich ein Wort das wir einer Summe von gegebenen Universumsbausteine zuschreiben. In dem Moment "scheint" es so das Klavier zu geben, aber eigentlich gibt es das "Scheinen" gar nicht, denn auch dieses Wort ist nur ein menschengebildetes Konstukt, was unserer Annahme die Bedeutung eines falsch gegebenen Sinnes meint, aber "Bedeutung" fällt auch in letztere Kategorie. Also kann es auch keinen Unterschied zwischen "Schein" und "Sein" geben, in Betracht gezogen dass ersteres nicht "ist". Alles was vom Menschen einen Namen bekomen hat, existiert eigentlich nur in der menschlichen Annahme. Als Beispiel könnte ich jetzt dreihundert zusammengewürfelte Atome aus dem Universum aufsammeln, diese zusammenführen und dem Geschöpf den Namen "Hilubena" geben. Heisst das, dass "Hilubena" "ist". Nein! So geht es ewig weiter mit Dingen die nicht "sind". Unsere Köpfe sind voll mit Wörtern und 99 % davon sind Universelle-Wahrheit-verkennende Gebilde. Streng gesehen gibt es keine "Wahrheit". Einfach gesagt. Das einzige, was existiert, also "ist" sind das Sein selbst und die Dinge die "sind". Das einzige was nicht existiert, also nicht "ist" sind das Nichtsein, und die Dinge die nicht "sind. Alles dazwischen ist schlichtweg Falschannahme.

Zitat:
Nicht in aller Zeit - der weit verbreitete Irrglaube, daß Mathematik und Logik Wahrheit außerhalb ihrer eigenen Axiome aussagen könnten, vergißt etwas Wesentliches: Dein Hinweis auf die Sprache


@Jupp: Warum glaubst du denn nicht daran , dass man mit einer neuen Art von Mathematik die ausschliesslisch aus Axiomen besteht und mit logisch-kausalen Regeln funktioniert, das Universum neu definieren könnte?

Zitat:
ich könnte mir schon vorstellen, dass so etwas wie eine 'Seele' existiert und zwar auf Grundlage von Emergenz.


@Agathon: Genau, diese Theorie finde ich auch sehr interessant, jedoch glaube ich nicht dass "DIE SEELE" aus der Verbindung von vielen kleinen Agenten emergiert, sondern eher dass diese viele kleinen Intelligenzen so viele Verbindungen schaffen dass eine riesige gewobene, jedoch nicht einheitliche, Intelligenz entsteht. Demnach lebt ein Lebewesen in meinen Augen nicht wirklich, es gibt das Leben nämlich gar nicht, sondern wir sind nichts anderes als sehr, sehr, seeeeeehr komplexe Roboter.

Zitat:
Auch jedes noch so kleine Tierchen hat eine "Seele", also ein "Bewusstsein für sich im Ganzen". Dies ist sichtbar, wenn du versuchst, es zu töten. Es wird versuchen, dies zu vermeiden.


@dan-te: Ja, einverstanden, aber ist dies auch etwas "Ganzes". Ein Beispiel der Evolution: Eine Affenmutter hat angenommen eine Seele, jetzt ihr Sohn, der nächste Schritt Richtung Mensch hat ganz leicht verändertes Genmaterial und auch eine ganz andere Seele, jedoch haben sich Seelen auf einmal exponentiell entwickelt wenn du dir das Bewusstsein und die Inteligenz des Menschen anschaust. Anzunehmen, eine Seele wäre etwas Individuelles, fällt mir schwer. Logischer wäre vielmals, wenn die scheinende "Seele" die Summe aller Intelligenzen des Menschen verbunden mit Erbmaterial darstellt und so würde sich das ganze Konzept auch viel logischer in die Evolution einbinden. Demnach könnte die Seele auch nichts Ganzes mehr sein da sie aus Billionen Komponenten besteht. Denk noch einmal darüber nach. Alles was der Mensch in seiner Geschichte bisher entdeckt hat, hat sich als teilbar in Elementarteilchen herausgestellt. Warum sollte die "Seele" das einzige Ganze im ganzen Universum sein? Es ist meiner Meinung nach nur ein Wort smile
Tarvoc
Zitat:
Original von Hegel
In dem Moment "scheint" es so das Klavier zu geben, aber eigentlich gibt es das "Scheinen" gar nicht.

Also gibt es das Klavier? gruebel Meiner Kernfrage weichst du konstant aus. Ich habe nicht gefragt, ob es Schein gibt, sondern was Schein ist.

Du redest vom Schein ständig als von etwas Existierendem.
Hegel
Zitat:
Also gibt es das Klavier? gruebel Meiner Kernfrage weichst du konstant aus. Ich habe nicht gefragt, ob es Schein gibt, sondern was Schein ist. Du redest vom Schein ständig als von etwas Existierendem.


"Schein" ist lediglich ein Wort das der Mensch gebraucht um Dinge zu beschreiben, die ihm anders vorkommen, als sie im zweiten Anlauf gemerkt oder vermutet, sind.
Schein ist also kein Zustand wie Sein oder Nichtsein sondern eine Beschreibung des Menschen für ein Ding das er nicht einordnen kann.
Hinzugefügt: Trotzdem gibt es das Schein eigentlich garnicht weil es jetzt ironisch gesagt, ein Schein seiner selbst ist.
Ich rede vom Schein als etwas existierendes weil es mir die Sprache nicht anders erlaubt diesen Umstand in neuronalen, physikalischen und chemischen Ausdrücken zu bestimmen Zwinker

Ich hoffe du kannst meine überlegung nachvollziehen.
Tarvoc
Zitat:
Original von Hegel
"Schein" ist lediglich ein Wort [...]

Du weichst dem Problem aus. Du meinst, eine Perspektive einnehmen zu können, die unmöglich ist. Unmöglich ist sie, weil sie sich widerspricht. Wenn jede Perspektive auf die Welt nur aus der Materialität der Welt heraus erwachsen kann, dann gibt es keine äußere Perspektive auf die Welt, von der aus ihre reine Materialität festgestellt oder ausgesagt werden könnte. Du bist ein Pseudomaterialist. Du behauptest, alles auf irgendwelche Elementarteilchen reduzieren zu können, aber in Wirklichkeit kannst du das nur, weil du noch an die Perspektive eines außerhalb der Welt stehenden Gottes glaubst, von der aus man Aussagen über die Welt als Ganze machen könnte. Die Kern-These des Materialismus lautet: Es gibt keine "Welt als Ganze".

Siehe auch: Unser Nichterkennen der Welt als Ganzes ist eine Eigenschaft der Welt, nicht unseres Erkennens.
Hegel
Zitat:
Du weichst dem Problem aus. Du meinst, eine Perspektive einnehmen zu können, die es nicht gibt.


Welche Antwort erwartest du denn ? Entschuldige, aber ich sehe nicht wie ich dem Problem ausweiche und warum es diese Persepektive nicht geben kann? Könntest du genauer erklären warum und wie du das meinst?

Ich sage: "Schein" ist lediglich ein Wort" - und das meine ich auch so, ich bin fest davon überzeugt dass es "Schein" nicht gibt. Etwas kann "scheinen" indem es für unsere Wahrnehmung nach etwas anderem aussieht als das was es wirklich ist. Die essentielle Frage hier was "ist", würde ich mit : Nur der Zustand des Objektes oder der seiner Komponenten, wie man's nimmt, der wirklich "ist", beantworten.
Tarvoc
Es ist bezeichnend, dass du die Frage danach, was ist, mit der Tautologie beantwortest, dass eben das ist, was ist.
Die eigentliche Frage ist: Von welcher Position innerhalb der Welt kann ausgesagt werden, dass die Welt als Ganze ontologisch vollständig konstituiert ist?
Hegel
Danke smile lese morgen alles durch, dann antworte ich dir Zwinker
Tarvoc
Nachtrag: Die Sache ist die, dass du den Exzess des Scheins nicht wegbekommst. Ihn auf die Sprache zu verschieben hilft letztlich kein Bisschen, denn dann spukt er eben dort herum. Ein fundamentaler Makel alles Sprachlichen wäre, wenn er bestünde, in der Sprache nicht direkt als solcher benennbar.
Andique
hallo,

<<Die Kern-These des Materialismus lautet: Es gibt keine "Welt als Ganze".>>
kleine Zwischenfrage:
Die Welt ( oder auch das "Sein" ) muss so konstituiert sein, dass es Bewusstsein hervorgebracht hat. Kann man von dieser Tatsache aus nicht sagen, dass dann die Welt vollständig, ja sogar so vollkommen ist, da es eben Bewusstsein, beim Menschen sogar Geist, also die Fähigkeit über das Bewusstsein nachzudenken, hervorgebracht hat?
Was meinst du genau mit "Welt als Ganzes"?

freundliche Grüsse
Tarvoc
Ich verstehe nicht ganz, worauf du hinauswillst. Was ich meine, ist einfach das, was ich in dem anderen Thread geschrieben habe: Dass die Welt als Ganzheit kein Gegenstand unserer Erkenntnis ist, ist keine Eigenschaft unseres Erkenntnisapparates, sondern eine Eigenschaft der Welt. Wir sind nicht deshalb unfähig, die Welt als Ganzheit zu erkennen, weil unser Erkenntnisapparat von der Welt, die wir erkennen, strikt getrennt wäre, sondern im Gegenteil weil er es nicht ist und nicht sein kann. Deshalb ist eine Perspektive, die die Welt als ontologisch vollständig konstituierte, in sich abgeschlossene und selbstbezügliche positive Seinsordnung, also als eine Ganzheit betrachtet, unmöglich, denn um sie so betrachten zu können, müsste man eine Position außerhalb von ihr einnehmen - und eine solche Position gibt es eben nicht. Es ist für das Bestehen der Welt selbst konstitutiv, dass es in ihr "Lücken" gibt.
Deldrimor
Ersteinmal vielen Dank für diesen Thread, er liest sich sehr spannend, wenn auch ein wenig anstrengend ;-). Zunächst einmal möchte ich erwähnen das es bei mir ein gewisses Unbehagen auslöst wenn ich eine innere Diskussion über die Existenz von soetwas wie der Seele führe. Leider bin ich noch nicht allzu bewandert was die professionelle Abgrenzung einzelner Terminologien angeht bzw. welche philosophisch relevanten Strömungen welches Verständnis einzelner Begriffe haben. Man möge mir also verzeihen wenn ich allzu naiv auftrete.

Ich bin der Meinung das sich unser "Geist" über den eigenen Körper hinaus erstreckt. Ich verstehe darunter jedoch keine Form von Energie, welche vom Körper unabhängig ist. Auch bereitet mir die theoretische Trennung der Welt in Dinge die "Sind" und Dinge welche nur "Scheinen" ein wenig Kopfschmerzen, da meines erachtens eine klare Abgrenzung lediglich wunschdenken ist und die theoretische Eliminierung des "Scheins" und deren aufgehen im "Sein" nicht meinem empirischen Verständnis der Welt entspricht.

Der Vergleich das der Mensch eine sehr komplexe Maschine darstellt, ähnlich einem Roboter, befreit uns nicht von der Frage warum ein Mensch planend in die Zukunft schreitet, bzw. trauernd in die Vergangenheit blickt. Das denken und Abstrahieren in verschiedenen Zeitrahmen erhebt den Menschen über die schlichte Existenzfrage und zwingt ihn zur Reflexion. Ein auf die blosse Existenz hin gezüchtetes Selbstverständnis würde soetwas wie ein Klavier garnicht erst vom "Schein" in das "Sein" führen.

Unser Selbstverständnis behindert meines erachtens ein deterministisches System. Wenn man das Leben als ein Uhrwerk begreift verkennt man die Unterschiede die zwischen den einzelnen Augenblicken liegen. Unabhängig davon ob ein Ding "ist" oder nur zu sein "scheint" verbleibt die Erinnerung bzw. das Subjektiv gesehene im Beobachter. Diese nicht verifizierbare Tatsache ist individuell und immateriell. Sie ist für die Welt nur "schein" aber für den Beobachter auch "Sein", nichtzuletzt weil sie nun Teil seiner Selbst ist.
dan-te
Sehr interessant. Hierzu zwei Anmerkungen von mir.

Nehmen wir an, die Seele/der Geist (oder wie auch immer man das Selbstverständnis nennen möchte) ist tatsächlich vorhanden und vom Körper nicht getrennt (dies beinhaltet auch die Emergenz-Theorie). Was passiert dann, wenn der Körper verletzt wird? Wenn er modifiziert wird. Verändert sich meine Seele (ich nutze jetzt einfach diesen Begriff), wenn ich ein Bein verliere? Übernehme ich einen Teil der Seele eines anderen, wenn ich ein Organ transplantiert bekomme?

Zum Thema Sein und Schein möchte ich auf eine interessante, wenngleich auch etwas merkwürdige erkenntnistheoretische Sichtweise verweisen, den Solipsismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Solipsismus).
Jupp
Zitat:
@Jupp: Warum glaubst du denn nicht daran , dass man mit einer neuen Art von Mathematik die ausschliesslisch aus Axiomen besteht und mit logisch-kausalen Regeln funktioniert, das Universum neu definieren könnte?


Tarvoc hat wie ich finde das Wesentliche formuliert, ich schließe mich ihm insoweit an.
Wie Du oben schriebst soll hier von "Wahrheit" die Rede sein, die gibt es aber
nicht neben oder in etwas, sondern nur absolut. Damit ist jeder Versuch einer
Definition von Anfang an widersprüchlich - es sei denn, wie ich schon sagte,
innerhalb eines Axiomensystems, das aber (ich wiederhole mich nochmals)
in keiner Zeit "das Ganze" beschreiben kann.
(Wurde auch schon des öfteren gesagt: Du kannst nicht auf etwas zeigen und
sagen "das ist Alles".)
Andique
Zitat:
Original von Tarvoc
Ich verstehe nicht ganz, worauf du hinauswillst. Was ich meine, ist einfach das, was ich in dem anderen Thread geschrieben habe: Dass die Welt als Ganzheit kein Gegenstand unserer Erkenntnis ist, ist keine Eigenschaft unseres Erkenntnisapparates, sondern eine Eigenschaft der Welt. Wir sind nicht deshalb unfähig, die Welt als Ganzheit zu erkennen, weil unser Erkenntnisapparat von der Welt, die wir erkennen, strikt getrennt wäre, sondern im Gegenteil weil er es nicht ist und nicht sein kann. Deshalb ist eine Perspektive, die die Welt als ontologisch vollständig konstituierte, in sich abgeschlossene und selbstbezügliche positive Seinsordnung, also als eine Ganzheit betrachtet, unmöglich, denn um sie so betrachten zu können, müsste man eine Position außerhalb von ihr einnehmen - und eine solche Position gibt es eben nicht. Es ist für das Bestehen der Welt selbst konstitutiv, dass es in ihr "Lücken" gibt.


Selbstverständlich habe ich deinen Beitrag im anderen Thread gelesen.
ich kann dir da nicht zustimmen. Die Natur, die Welt, das Universum, das Sein ist doch eine Ganzheit. Getrennt, dualisiert wird sie durch einen erkennenden Menschen. Es entsteht die Dualität zwischen Subjekt/Objekt; Erkennendem/Erkanntem usw.
Aber erst diese Trennung macht die Welt vollständig. Ohne Dualität wäre die Welt, das Sein nicht vollständig und keine Ganzheit. Das Sein, die Welt benötigt einen Erkennenden, ein Subjekt um überhaupt erkannt werden zu können.

Warum soll es keine Position ausserhalb der Welt geben? Einige nennen es Weltgeist, ich nenne es kosmisches Bewusstsein. Dieses allumfassende Bewusstsein ist, da es auch alle (subjektive) Bewusstseine umfasst, vollkommen objektiv. Ich habe dies in meinem Thread "Fundamentalsätze der Existenz" als ein Existential des Seins hergeleitet. Nur weil ich da nicht mehr schreibe, heisst dies doch nicht dass ich von meiner Position abgerückt bin.

Interessant ist zu dieser Thematik vielleicht folgender Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt-Objekt-Spaltung

Diese Spaltung kann auch durch eine dialektische Synthese der Gegenpole Bewusstsein/Sein überwunden werden, was dann zu einem Metabewusstsein führt, welches uns ermöglicht, die Welt als eine geistige Ganzheit zu erkennen.

freundliche Grüsse

P.S. Ich weiss nicht, wie es anderen ergeht, doch es ist sehr schwer im Forum Links anzugeben. Ich musste diesen Beitrag einige Male editieren bevor der Link korrekt funktioniert. Könnte man dies nicht verbessern?
Shui
@dan-te
Zitat:
Auch jedes noch so kleine Tierchen hat eine "Seele", also ein "Bewusstsein für sich im Ganzen". Dies ist sichtbar, wenn du versuchst, es zu töten. Es wird versuchen, dies zu vermeiden.

Und wieso wollen Wespen dann auch vermeiden, dass ich sie ausm Fenster schmeiß, damit sie weiterleben, statt kläglich an der Scheibe zu verrecken?

@Hegel
Zitat:
Auch wenn du behauptest das geht nicht, werfe ich mal bissl Kritik ein. Aha, aber wann genau, in der 23-tausendsten Mikrosekunde nach dem tod oder gar noch 20 Nanosekunden danach, und verschwindet der Geist Stück für Stück oder innerhalb unendlicher Zeit?

Wieso sollte das wichtig sein?
Photosynthese gibt es auch, ohne dass wir den genauen Prozess beschreiben können.

Zitat:
Warum sollten diese Lebewesen denn keine Seele haben?

Weil sie nicht über ein ausreichend komplexes Nervensystem verfügen, um eine eigene Persönlichkeit zu besitzen.

Zitat:
Die Seele muss sich doch erst nach und nach während der Evolution entwickelt haben? Es wäre ja schwer anzunehmen dass die Seele "Plopp" beim Neandertaler z.B. aufgetaucht ist?

Und was willst du damit ausdrücken?

Zitat:
Das Klavier scheint es nun zu geben, in unseren Köpfen, jedoch ist "Klavier" lediglich ein Wort das wir einer Summe von gegebenen Universumsbausteine zuschreiben.

Und warum darf man dieser Summe keinen Namen geben?