hans68
hi,
Devinus:
ja, es handelt sich um meine sicht auf eine erforschenden haltung in gesprächen, um eine kleine äußerst provisorische skizze, was das andere der eristik sein könnte. ich habe versucht deine problematisierung ein stück weit zu lösen, als du geschrieben hast:
Devinus:
ich denke man kann aus einem eristischen hin- und her aussteigen, dies erfordert aber nicht nur sprachmittel, sondern auch eine andere haltung der gesprächführenden, denke ich. die eristik kann als eine "negative lehre", dazu dienen besser und fürhzeitig zu erkennen, wann eine diskussion ins unfruchtbare oder in eine kampfdiskussion abgleitet.
ja, ich denke, es ist immer wieder gut, sich zu fragen bzw. den anderen vor welchen hintergrund er/sie etwas annimmt, von welchen werten und interessen, von welcher geschichtlichen darstellung, theoretischen rahmen, etc., die person ausgeht. ich finde wichtig, dass man in einem gespräch diskussions- und dialogphasen unterscheidet. im dialog muss es, finde ich, tatsächich darum gehen, einen gedanken "vor sich hinzustellen" und - egal von wem er stammt - von verschiedenen seiten zu beleuchten. was man dabei herausfindet, kann dann unter umständen als brücke benützt werden, sodass, wo vorher "richtig" und "falsch" gedacht wurde, dann eben unterschiedliche perspektiven sichtbar werden. freilich gibt es grenzen und differenzen - diese kann man dann aber auch aussprechen und unter umständen besser benennen. ob man dann darüber diskutiert oder streitet, kann man dann immer noch entscheiden. (literaturtipp: David Bohm, Der Dialog)
beim brücken bauen, muss man aber darauf achten - vor allem bei sich selbst - dass man dabei aufrichtig bleibt, denn nichts ist schlimmer als bevormundendes, paternalistisches gehabe, von oben herab, dass insgeheim schon zu wissen meint, wo die rede des anderen hinführen wird.
die quellen von missverständnissen sind wohl vielfältig ... wollen wir diese erläutern?
nun, ich habe mich auf den kunstgriff 1 der "erweiterung" bezogen. diese kann wohl eristisch motiviert sein, oder eben eine andere perspektive darstellen. wenn ich sofort mit einer gegenpolemik, also ebenfalls eristisch reagiere, werde ich nie wissen, ob der andere bloß einen anderen fokus auf das thema hat.
nehmen wir das exempel 1 des ersten kunstgriffs ("Die Engländer sind die erste dramatische Nation etc ..."): Schopenhauer informiert uns, dass sein gesprächspartner versuchte, eine andere, ungewöhnliche definition des dramatischen (musik und oper sollen inbegriffen sein) einzuführen, um ihn - Schopenhauer - zu "schlagen". wir haben keinen grund an Schopenhauers beispiel zu zweifeln und wir können getrost annehmen, dass wir es hier offenbar mit einem eitlen streitgespräch zu tun haben - doch aus der schriftlichen darstellung des gesprächs allein ergibt sich das nicht. in einem gespräch kann man ja durchaus mal unübliche definitionen durchgehen lassen, vorausgesetzt, dass der andere den nutzen dieser anderen definition darlegt. man braucht also nicht sofort eristisch dagegenhalten, sondern man kann den anderen einfach fragen.
allerdings hast du recht, bei diskussionen ist es schwierig und vielleicht nicht ratsam zugleich im eigenen und "im kopf" des anderen zu denken, das kann dann zu eigener verwirrung führen. beim dialog ist das aber wünschenswert.
ich denke, du hast völlig recht - bei der eristik geht es um machtspielchen oder -kämpfe, und nicht um die sache. allerdings gibt es auch realitätsbereiche, wo die sache nicht außerhalb des konflikts existiert - z.b. die lohnhöhe bei lohnverhandlungen. die frage wäre, ob die philosophie tatsächlich sowas wie einen universellen rahmen darstellen kann, in dem sich prinzipell alle finden können, oder ob - wie verschoben auch immer - machtkämpfe in ihr ausgetragen werden -man darf ja nicht vergessen, dass sie als lehre für zukünftige regierende in der antiken polis "erfunden" wurde.
ja, ich denke du schilderst das zutreffend. chirurgen etwa könnten sich während einer operation auf ein vorgehen einigen, dass sich im nachhinein als unangemessen darstellen könnte, und das in der medizinischen community als "pfuscherei" gelten würde. sie haben gemeinsam etwas "approbiert", was aber unangemessen war.
im übrigen verwende ich persönlich den term "objektive wahrheit" nicht, aber das ist eine große und andere diskussion, die uns hier wohl überfordern würde, oder?
ich denke, wir können in zukunft einfach bei den kunstgriffen, die uns interessanter vorkommen, versuchen, eigene beispiele zu finden, um sich ein bisschen darin zu üben, sie in verschiedenen zusammenhängen zu erkennen. wir müssen nicht jeden kunstgriff durchnehmen, nur die zu denen uns etwas einfällt, wenn's uns spaß macht, oder?
lg
hans
Devinus:
| Zitat: |
| Ich bin etwas ratlos, ob es sich hier um Sätze zum Quellentext handelt, oder um Deine, Hans, ethische Sicht auf Gesprächsführungen. |
ja, es handelt sich um meine sicht auf eine erforschenden haltung in gesprächen, um eine kleine äußerst provisorische skizze, was das andere der eristik sein könnte. ich habe versucht deine problematisierung ein stück weit zu lösen, als du geschrieben hast:
Devinus:
| Zitat: |
| Die Frage ist nur, was wenn der andere auch über das Gegenmittel verfügt. Gibt es auch eine Antwort auf dieses, oder ist es letztendlich nur noch ein Hin- und Her von den bekannten zwei Mitteln? |
ich denke man kann aus einem eristischen hin- und her aussteigen, dies erfordert aber nicht nur sprachmittel, sondern auch eine andere haltung der gesprächführenden, denke ich. die eristik kann als eine "negative lehre", dazu dienen besser und fürhzeitig zu erkennen, wann eine diskussion ins unfruchtbare oder in eine kampfdiskussion abgleitet.
| Zitat: |
| Auffällig dabei ist jedoch, wie Du eigentich für den Gesprächsteilnehmer mitdenkst Du baust z.B. Brücken, damit er aus einer verfahrenen Gesprächssituation wieder rauskommst. Du hast wohl etwas gefunden worauf Missverständnisse beruhen? |
ja, ich denke, es ist immer wieder gut, sich zu fragen bzw. den anderen vor welchen hintergrund er/sie etwas annimmt, von welchen werten und interessen, von welcher geschichtlichen darstellung, theoretischen rahmen, etc., die person ausgeht. ich finde wichtig, dass man in einem gespräch diskussions- und dialogphasen unterscheidet. im dialog muss es, finde ich, tatsächich darum gehen, einen gedanken "vor sich hinzustellen" und - egal von wem er stammt - von verschiedenen seiten zu beleuchten. was man dabei herausfindet, kann dann unter umständen als brücke benützt werden, sodass, wo vorher "richtig" und "falsch" gedacht wurde, dann eben unterschiedliche perspektiven sichtbar werden. freilich gibt es grenzen und differenzen - diese kann man dann aber auch aussprechen und unter umständen besser benennen. ob man dann darüber diskutiert oder streitet, kann man dann immer noch entscheiden. (literaturtipp: David Bohm, Der Dialog)
beim brücken bauen, muss man aber darauf achten - vor allem bei sich selbst - dass man dabei aufrichtig bleibt, denn nichts ist schlimmer als bevormundendes, paternalistisches gehabe, von oben herab, dass insgeheim schon zu wissen meint, wo die rede des anderen hinführen wird.
die quellen von missverständnissen sind wohl vielfältig ... wollen wir diese erläutern?
| Zitat: |
| Du schreibst z.B. davon wenn jemand Deinen Definitionsrahmen erweitert |
nun, ich habe mich auf den kunstgriff 1 der "erweiterung" bezogen. diese kann wohl eristisch motiviert sein, oder eben eine andere perspektive darstellen. wenn ich sofort mit einer gegenpolemik, also ebenfalls eristisch reagiere, werde ich nie wissen, ob der andere bloß einen anderen fokus auf das thema hat.
nehmen wir das exempel 1 des ersten kunstgriffs ("Die Engländer sind die erste dramatische Nation etc ..."): Schopenhauer informiert uns, dass sein gesprächspartner versuchte, eine andere, ungewöhnliche definition des dramatischen (musik und oper sollen inbegriffen sein) einzuführen, um ihn - Schopenhauer - zu "schlagen". wir haben keinen grund an Schopenhauers beispiel zu zweifeln und wir können getrost annehmen, dass wir es hier offenbar mit einem eitlen streitgespräch zu tun haben - doch aus der schriftlichen darstellung des gesprächs allein ergibt sich das nicht. in einem gespräch kann man ja durchaus mal unübliche definitionen durchgehen lassen, vorausgesetzt, dass der andere den nutzen dieser anderen definition darlegt. man braucht also nicht sofort eristisch dagegenhalten, sondern man kann den anderen einfach fragen.
allerdings hast du recht, bei diskussionen ist es schwierig und vielleicht nicht ratsam zugleich im eigenen und "im kopf" des anderen zu denken, das kann dann zu eigener verwirrung führen. beim dialog ist das aber wünschenswert.
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| Ich habe mich schon des öfteren gefragt, warum manchmal im Leben das als letztes und gültiges Wort gelten soll, was derjenige ausspricht, der das Sagen hat. Der also auch im Gespräch letztendlich das Sagen hat, weil er dafür ausersehen ist, das Sagen zu haben (wie manche Chefs oder auch Menschen, die grundsätzlich in der mächtigeren Position sind, weil andere z.B. finanzielle abhängig von ihnen sind). |
ich denke, du hast völlig recht - bei der eristik geht es um machtspielchen oder -kämpfe, und nicht um die sache. allerdings gibt es auch realitätsbereiche, wo die sache nicht außerhalb des konflikts existiert - z.b. die lohnhöhe bei lohnverhandlungen. die frage wäre, ob die philosophie tatsächlich sowas wie einen universellen rahmen darstellen kann, in dem sich prinzipell alle finden können, oder ob - wie verschoben auch immer - machtkämpfe in ihr ausgetragen werden -man darf ja nicht vergessen, dass sie als lehre für zukünftige regierende in der antiken polis "erfunden" wurde.
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| Kann es sein, dass es auch darum geht eigentlich nicht sich gegenseitig zu überzeugen, sondern um die Zuhörer von sich zu überzeugen. Wenn das so ist, verstehe ich jetzt auch warum er z.B. von Eitelkeiten spricht. Und mir kommt es manchmal so vor, als ob man im Gespräch eher auf die "Hörer" schaut, auch wenn sie nur hypothetisch angenommen sind, als auf das Gegenüber. Quasi auf den Hörer wie in einen Spiegel schaut, der das Gespräch reflektiert - der maßgeblich auch dafür zuständig ist, was die Zulässigkeit der Argumente betrifft, oder man selbst glaubt, was ein Dritter dazu sagen könnte, und so spricht und denkt, als ob dies auch tatsächlich so wäre (unabhängig zunächst ob es wirklich so ist, was ja auch sein könnte). So etwas in der Art meint Schopenhauer doch mit seiner Begrifflichkeit der "Approbation", oder? |
ja, ich denke du schilderst das zutreffend. chirurgen etwa könnten sich während einer operation auf ein vorgehen einigen, dass sich im nachhinein als unangemessen darstellen könnte, und das in der medizinischen community als "pfuscherei" gelten würde. sie haben gemeinsam etwas "approbiert", was aber unangemessen war.
im übrigen verwende ich persönlich den term "objektive wahrheit" nicht, aber das ist eine große und andere diskussion, die uns hier wohl überfordern würde, oder?
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| Aber im Grunde, und ich bin jetzt mitlerweile doch ziemlich pessimistisch was unser Vorhaben anbelangt, |
ich denke, wir können in zukunft einfach bei den kunstgriffen, die uns interessanter vorkommen, versuchen, eigene beispiele zu finden, um sich ein bisschen darin zu üben, sie in verschiedenen zusammenhängen zu erkennen. wir müssen nicht jeden kunstgriff durchnehmen, nur die zu denen uns etwas einfällt, wenn's uns spaß macht, oder?
lg
hans
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