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Ave,
wie ich vor einiger Zeit bereits eine Frage zu plotinischem Gedankengut formuliert habe, möchte ich an dieser Stelle ein weiteres Thema starten, das sich mit einer sehr elementaren, wenn nicht der elementarsten Frage im Zusammenhang mit dem sinnlichen Kosmos, befasst.
In einer seiner Enneaden ("Über Ewigkeit und Zeit") greift Plotin auf das schon vor ihm viel diskutierte Problem der Zeit zurück, das später Augustinus, Heidegger, aber auch Aristoteles und natürlich ganz besonders Albert Einstein beschäftigt hat. Grundlegend ist dabei die Annahme der Zeit als Abbild der ruhenden Ewigkeit. Zeit läuft simultan ab, wobei aber nur von der Gegenwart ausgesagt werden kann, dass sie wirklich ist, obwohl sie eigentlich nur im Werden verhaftet ist. Was aber viel interessanter ist : Zeit ist von der Seele geschaffen und von ihr abhängig. Das Bewusstsein, jede einzelne Seele, konstituiert ihre eigene Zeit, wie auch die Weltseele als ganze. Trotzdem ist Zeit absolut : Sie ist überall vorwärtsgerichtet und für jeden dasselbe; überall ist sie untrennbar mit der Materie verbunden, weil es ohne Zeit keinen Fluss geben kann, ohne Fluss aber nichts, was fließt.
Ich hoffe, ich habe die Enneade richtig interpretiert - aber sind das nicht teilweise Aussagen, die später Einstein maßgeblich in seiner Relativitätstheorie ausformulierte? Zeit war bereits für Platon etwas absolutes und dennoch ein Ausdruck der Seele (was bekanntlich dann Plotin dazu veranlasste, jedem seine eigene Zeit zu geben). Auch die Raum-Zeit-Kontinuität ist bereits im Timaios ausformuliert worden.
Wie verhalten sich nun Plotins/Platons Zeittheorie tatsächlich gegenüber der Einstein´schen Relativitätstheorie? Wo liegen prägnante Unterschiede? Oder deckt sich der Inhalt des Timaios bzw. der Enneade schon mit der RT?
Ich würde mich sehr über Antworten freuen. Ich bin weit davon entfernt, Plotin oder Platon unbedingt schon sämtliche Erkenntnisse der Geschichte zuschreiben zu wollen - aber es ist immer interessant, jene Ansätze scheinbar schon in jenen Zeiten vorzufinden. Und es interessiert mich gerade im Zusammenhang mit dem Platonismus umso mehr, da ich ihn sehr hoch schätze, gerade da er so viele zeitlose Erkenntnise vorwegnimmt, wenn man einfach bereit ist, ihn tiefgehender und in Zusammenhang mit der Geschichte und ihren Errungenschaften zu interpretieren. Aber ich bin offen für neue Erkenntnise, denn gerade diese Einstellung wird ja durch ihn vermittelt.
NACHTRAG : Thema aufgrund des Bezuges zu Plotin bewusst in diesem Forum erstellt.
Danke und MfG
wie ich vor einiger Zeit bereits eine Frage zu plotinischem Gedankengut formuliert habe, möchte ich an dieser Stelle ein weiteres Thema starten, das sich mit einer sehr elementaren, wenn nicht der elementarsten Frage im Zusammenhang mit dem sinnlichen Kosmos, befasst.
In einer seiner Enneaden ("Über Ewigkeit und Zeit") greift Plotin auf das schon vor ihm viel diskutierte Problem der Zeit zurück, das später Augustinus, Heidegger, aber auch Aristoteles und natürlich ganz besonders Albert Einstein beschäftigt hat. Grundlegend ist dabei die Annahme der Zeit als Abbild der ruhenden Ewigkeit. Zeit läuft simultan ab, wobei aber nur von der Gegenwart ausgesagt werden kann, dass sie wirklich ist, obwohl sie eigentlich nur im Werden verhaftet ist. Was aber viel interessanter ist : Zeit ist von der Seele geschaffen und von ihr abhängig. Das Bewusstsein, jede einzelne Seele, konstituiert ihre eigene Zeit, wie auch die Weltseele als ganze. Trotzdem ist Zeit absolut : Sie ist überall vorwärtsgerichtet und für jeden dasselbe; überall ist sie untrennbar mit der Materie verbunden, weil es ohne Zeit keinen Fluss geben kann, ohne Fluss aber nichts, was fließt.
Ich hoffe, ich habe die Enneade richtig interpretiert - aber sind das nicht teilweise Aussagen, die später Einstein maßgeblich in seiner Relativitätstheorie ausformulierte? Zeit war bereits für Platon etwas absolutes und dennoch ein Ausdruck der Seele (was bekanntlich dann Plotin dazu veranlasste, jedem seine eigene Zeit zu geben). Auch die Raum-Zeit-Kontinuität ist bereits im Timaios ausformuliert worden.
Wie verhalten sich nun Plotins/Platons Zeittheorie tatsächlich gegenüber der Einstein´schen Relativitätstheorie? Wo liegen prägnante Unterschiede? Oder deckt sich der Inhalt des Timaios bzw. der Enneade schon mit der RT?
Ich würde mich sehr über Antworten freuen. Ich bin weit davon entfernt, Plotin oder Platon unbedingt schon sämtliche Erkenntnisse der Geschichte zuschreiben zu wollen - aber es ist immer interessant, jene Ansätze scheinbar schon in jenen Zeiten vorzufinden. Und es interessiert mich gerade im Zusammenhang mit dem Platonismus umso mehr, da ich ihn sehr hoch schätze, gerade da er so viele zeitlose Erkenntnise vorwegnimmt, wenn man einfach bereit ist, ihn tiefgehender und in Zusammenhang mit der Geschichte und ihren Errungenschaften zu interpretieren. Aber ich bin offen für neue Erkenntnise, denn gerade diese Einstellung wird ja durch ihn vermittelt.
NACHTRAG : Thema aufgrund des Bezuges zu Plotin bewusst in diesem Forum erstellt.
Danke und MfG