dmichelle
Hallo,
ich habe letztens über den Ausdruck "humanes Töten" diskutiert und dachte mir, ich frage mal nach weiteren Ansichten.
Was bedeutet für euch humanes töten?
Ist der Begriff "human" in diesem Zusammenhang überhaupt zulässig?
Ist der Ausdruck deswegen widersprüchlich?
...
Ich freue mich über Antworten.
Nylen
Was schwebt dir da denn eigentlich vor?
Es ist sehr human, das Mencshen töten. Aber darum geht es hier wohl nicht. Du fragst eher nach sanftem töten oder? Und da ist dann die Frage berechtigt wer will den wen hier sanft töten. schwebt dir amerikanische Todesstrafe vor und die Frage ob Giftspritze humaner sei als Elektrischer Stuhl.
Oder geht es dir um "Euthanasie", also das sanfte geleiten in den Tod, bekannt als Sterbehilfe?
Präzisiere einfach mal deine Fragestellung, bzw. die Problemsituation, dann kann man auch konkreter Antworten.
dmichelle
Nun, der Ausdruck "humanes töten" wird vor allen Dingen benutzt, um das schnelle Töten, statt dem langsamen qualvollen Tot, von Tieren zu beschreiben - durch Menschenhand.
Mein Diskussionspartner regte sich in sprachphilosophischer Weise darüber auf... Humanes Töten sei für ihn ein Widespruch. Denn menschliches (humanes) Handeln impliziert nicht das Töten anderer Lebewesen.
Das Töten als solches sei anmalisch und nicht mit dem Begriff des Humanen zu vereinen.
Hilft Dir das weiter....??
Sun Deluge
hi dmichelle
meine definition von humanen töten (auf menschen bezogen): der selbstbestimmte freitod, also auf eigenen wunsch bzw. die aktive oder passive sterbehilfe. vom töten durch einen anderen menschen, obwohl man nicht will das man stirbt, halte ich nichs. das ist schlicht und einfach mord. ich weiss jetzt nicht, ob du menschen auch ausschliessen würdest (sonder-situationen) oder ob es dir nur um tiere geht.
| Zitat: |
| Denn menschliches (humanes) Handeln impliziert nicht das Töten anderer Lebewesen. Das Töten als solches sei anmalisch und nicht mit dem Begriff des Humanen zu vereinen. |
das kann man so sehen oder wiederum anders, es kommt darauf an, wie.
irgendwie kann töten beides sein, human oder allgemein der tatsache des tötens wegen, genau das gegenteil. das liegt immer im auge des betrachters.
human wäre z.b. alles selbstbestimmte handeln (bei menschen). erwähnen würde ich unheilbare krankheiten oder den gewollten freitod. bei dem freitod kommt es darauf an, ob das willkürlich und ohne hintergrund geschehen soll und noch durch therapien zu ändern ist oder ob der wert des lebens im allgemein nicht mehr erkannt wird oder ob krankheiten umheilbar sind und nur noch leid verursachen (z.b. hat sigmund freud aufgrund seines gaumenkrebs um sterbehilfe von seinen arzt gebeten).
bei tieren ist es ein wenig anders weil sie nicht gefragt werden, sondern der tötung der willkür wegen dem menschen ausgesetzt sind d.h. nicht die tiere bestimmen über sich selber, sondern die menschen über die tiere: ich weiss nicht in wie fern sich tiere des eigenen bewusstseins bewusst sind (viele säugetiere sind sich jedenfalls über vergangenheit, zukunft und gegenwart im klaren). die frage stellt sich nun, ob es einzig und allein nur darauf ankommt und ich würde persönlich sagen, nicht nur die selbstreflexion selber sondern auch das leidempfinden spielt eine wichtige rolle, denn tiere die ihrer selbst nicht wirklich bewusst sind könnten gleichermassen leiden, denke ich.
die handlung des tötens selber verläuft in beiden fällen, mensch und andere tiere, in biologischer hinsicht gleich. von daher wäre ich aufgrund dieser biologischen gemeinsamkeiten dafür - wenn ein wesen das schmerz empfinden kann und dies auch auf dauer ausgesetzt ist und nichts mehr daran geändert werden kann, damit meine ich krankheiten oder ähnliche schädigungen - dass beide (ob nun mensch oder tier) den tod 'antreten dürfen' damit sie den unerträglichem leid nicht mehr ausgesetzt sind. tiere werden getötet aber bei dem mensch ist es etwas anderes, denn er muss sein einverständnis geben weil dieser seine zukunft planen kann was bei tieren eher nicht oder nur teilweise der fall ist, falls er, der mensch, noch bei bewusstsein sein sollte. schwieriger ist es nun bei komapatienten aber ich denke das der wunsch, die geräte abzuschalten (falls so eine situation eintreten sollte), schriftlich hinterlegt werden könnte. diesen wunsch, so meine ich, sollte auch berücksichtigt werden. darum finde ich persönlich wichtig, vorher darüber zu sprechen oder zumindest nachzudenken.
du sprachst tiere an. ich persönlich lehne es ab, tiere umzubringen, wenn sie gesund sind. es gibt verschiedene gründe warum tiere umgebracht werden und die meisten kennen wir. deutschland hat als einziges land (andere sind mir nicht bekannt) ein tierschutzgesetz, das das quälen anderer mitgeschöpfe aus nicht notwendigen gründen keineswegs gestattet ist. dennoch frage ich mich, ob diese gesetze konsequent genug sind, wenn tiere dennoch geschlachtet werden oder für versuche hinhalten müssen. das ist der punkt des humanen das du ansprichst: tiere können ohne leiden geschlachtet werden, aber ob deren bewusstsein wirklich schnell und gründlich ausgelöscht wird ohne das unnötiges leid entsteht, wissen wir nicht. der mensch selber, er ist auch nur ein tier das des individuellen denkens wegen in solchen fällen nicht gerade zuverlässig ist, und wir können uns einfach nicht sicher sein, ob das wirklich human von statten geht. die definition human ist ein wenig schwammig, die grenzen verlaufen ineinander über. der mensch weiss, dass ihm der tod bevorstehen könnte wenn er bedroht wird, und daher das töten nicht human ist. bei tieren ist es eben diese sache, sie kennen diese bestimmten situationen nicht. sie selber kennen auch keinen tod und wenn sie schmerzen spüren, haben sie das gefühl, dass diese niemals aufhören werden weil sie die gründe nicht kennen. nun, in beiden fällen ist das töten gleich, auch die auswirkungen.
Nylen
also Sun hat ja schon schön geantwortet.
Von mir nur soviel: Das Töten von Tieren zum Verzehr oder auch nur aus Spass gehört zur Conditio Humana, ist also menschlich alzu menschlich, und in diesem Sinne human.
Aber human hat im deutschen Sprachgebrauch eben eine besondere ethische Bedeutung. Nicht "menschlich" sondern "ethisch gut".
Ist es also "ethisch gut" Tiere zu töten. Das ist eine schwere Frage. Einerseits gehören tierische Nährstoffe zu unserem Wesen. Andererseits sind wir theoretisch in der Lage uns anders zu ernähren.
Dazu gibt es aber hier schon einen langen Thread den ich dir ans Herz lege.
Fleischessen in der heutigen Zeit?
Sun Deluge
hi Nylen
| Zitat: |
| Das Töten von Tieren zum Verzehr oder auch nur aus Spass gehört zur Conditio Humana, ist also menschlich alzu menschlich, und in diesem Sinne human. |
töten aus spass ist aber nicht wirklich die feine art. das es menschlich ist bestreite ich keinenfalls, aber aus spass... muss nicht ethisch gut sein, finde ich. der mensch hat zwar einen nutzen am spass, aber das nicht für lange zeit und die notwendigkeit kann man auch nicht so erkennen weil das leben des tieres länger andauern könnte als der spass. eigentlich ist das töten der tiere für fleischkonsum irgendwie auch nur spass, denn es stellt ja eine gaumenfreude dar.
ich frage mich, ob ethik überhaupt existiert oder moral dem tier entgegengebracht wird, wenn man den tieren diesen schutz nicht gewährleistet und dadurch jeder aus spass quälen, foltern oder töten darf, wie das aufhängen an allen vier extremitäten streunender hunde zwischen zwei bäumen um sie auszupeitschen oder andere folter auszuüben. der weg zum tod wird meistens nicht sonderlich beachtet und da das tier immernoch in der rechtslage ein gegenstand darstellt (denke ich, das es immer noch so ist) und in anderen kulturen noch viel verherendere voreingenommenheit herrscht, ist es schwer, dagegen etwas zu unternehmen. ja, allzu menschlich. doch vernunft sollte dennoch eingesetzt werden. aber für die stärkeren, in diesem fall der mensch, spricht nichts gegen leiden, denn er ist auch nicht der von den schmerzen betroffene. ich würde sagen, das ist die gleiche moral oder noch ein wenig extremer, als die der sklaventreiberei.
im grunde ist das töten das erlösen vom leben und der möglicherweise vom mensch ausgeübten folter. das kann man als vorteil sehen oder als nachteil.
Nylen
Bei Töten aus Spass dachte ich mehr an Jagdgesellschaften, Stichwort Fuchsjagd. Weniger daran Hamster in der Mikrowelle zu grillen.
Sadismus ist nochmal ein extremer Sonderfall, und das Sadismus an Tieren nicht strafbar ist, ist natürlich ein Skandal.
Aber auch Fuchsjagden sind für mich ethisch bedenklich, da sie keinen Nährwert haben.
Sun Deluge
@ Nylen
sehe ich auch so.
| Zitat: |
| Weniger daran Hamster in der Mikrowelle zu grillen. |
sowas solls auch geben, leider. das geht, aber das sollte man nicht machen und viele kennen die grenze nicht von dem was sie machen können aber zuliebe der anderen nicht machen sollten, eigentlich gibt es überhaupt keine grenze, denke ich. sie meinen nach dem motto: wie gewonnen (das leben), so zeronnen. grenzen werden höchstens in gesetzen gesehen aber ob sich an diesen jemand hält... oft ist es jedenfalls nicht so.
| Zitat: |
| Sadismus ist nochmal ein extremer Sonderfall, und das Sadismus an Tieren nicht strafbar ist, ist natürlich ein Skandal. |
sadismus allgemein sollte es meinetwegen nicht geben aber hier haben wir wieder das animalisch und herrische, die natur des menschen die in jeden von uns steckt. allein wenn sado-maso getätigt wird, so wird man es nie gänzlich wegbekommen. da sind aber noch die handlungen einzuordnen ob das richtig ins fleisch geht oder höchstens heisses wachs auf die haut tropft. jedenfalls können tiere nicht sagen, dass sie masochistisch behandelt werden wollen oder nicht, das recht nimmt sich der mensch.
| Zitat: |
| Aber auch Fuchsjagden sind für mich ethisch bedenklich, da sie keinen Nährwert haben. |
wenn sie wenigstens die tiere weiter nutzen würden, als nahrung. dies ist aber angeblich nicht möglich wegen fuchsbandwürmern, tollwut oder anderen erregern die sie in sich tragen könnten, von daher ist die ganze aktion fuchsjagd alles andere, nur keine notwendigkeit.
schlinge
"humanes Töten"- für die ausgedacht, die ihren Schnitzel nicht essen können ohne sicher zu sein, dass Schwein sanft sterben musste. Muss, schon klar, dann aber sanft. Und man isst adrenalinfreies Schwein.
Rebecca
Nun ist "Humanes Töten" die Abgrenzung zum "Töten". Der Mensch ist sich bewusst, dass eben der Tod und das Sterben das Endgültige ist und Schlimmste, was einem Lebewesen widerfahren kann.
Ein Tier tötet und fragt nicht dabei, ob es dem anderen weh tut oder wie das Leiden und die Schmerzen möglichst gering zu halten sind.
Wenn also bei diesem "Letztem", der Wegnahme/Auslöschung eines Lebens dieses als
das Höchste in der Werteskala des Tötenden steht, wenn er also in diesem letzten Akt, den er einem anderen Lebewesen (Mensch oder Tier) antun MUSS -aus was für Gründen auch immer - er sein Mitgefühl nicht verleugnet, dann handelt er "menschlich". Human.
Und das verstehe ich in der Rückbezüglichkeit "human". Ausgehend von dem ausübenden "menschlichen Mensch" und im Ergebnis trotz des Tötungsaktes noch der Respekt vor dem Lebewesen, dem nicht jetzt noch Leid und Schmerz unnötig zugefügt werden muss.
Und ich meine, das ist sicherlich manchmal nicht so einfach, denn es bedingt, dass Hass und Rachsucht dort nichts zu suchen haben.
Freundliche Grüße
Rebecca
Sun Deluge
Rebecca: Der Mensch ist sich bewusst, dass eben der Tod und das Sterben das Endgültige ist und Schlimmste, was einem Lebewesen widerfahren kann.
ich denke, das dies auch einigen schlachttieren bewusst ist, wenn ihre artgenossen die neben ihnen umgebracht werden plötzlich anfangen zu schreien. es spürt inmitten dieser schreie, das böse liegt in der luft...
Rebecca: Ein Tier tötet und fragt nicht dabei, ob es dem anderen weh tut oder wie das Leiden und die Schmerzen möglichst gering zu halten sind.
weil sie es nicht besser wissen. das ist aber noch lange kein grund, dass menschen dies nachmachen müssen, dann von human sprechen und gleichzeitig das der tod das schlimmste wäre (obwohl der tod genau das beste sein könnte).
Rebecca: Wenn also bei diesem "Letztem", der Wegnahme/Auslöschung eines Lebens dieses als das Höchste in der Werteskala des Tötenden steht, wenn er also in diesem letzten Akt, den er einem anderen Lebewesen (Mensch oder Tier) antun MUSS -aus was für Gründen auch immer - er sein Mitgefühl nicht verleugnet, dann handelt er "menschlich". Human.
muss ist notwendigeit und beim beispiel menschen sieht man nicht immer diese notwendigkeit des fleischessens, das aber aus verschiedenen blickwinkeln. dieses muss ist nur ein spass, der spass des geschmacks. das mitgefühl bringt dem opfer auch nichts mehr, denn dann war die handlung des tötens anscheinend schlecht. da sind uns wiederum andere raubtiere überlegen. und wie wird sooft das tier bewertet? so, dass es mit samthandschuhen angefass wird? diejenigen denen der tod entgegengebracht wird, werden so wenig wert für ihr leben bekommen. das schwein sitzt auf dem boden und der mensch als henker weiss, dass es nun jeden egal ist, was mit ihm geschieht. das 'humane' oder menschliche' oder wie auch immer scheint mir heuchlerisch zu sein. wenn das leben wert hat, dann kann man sich genau so gut nach andere nahrung umschauen. aber der tod wird in kauf genommen. sehen wir nicht hin zu den schlachthäusern, sondern in den schönen blauen himmel. aber seien wir mal ehrlich, was interessiert es den fleischessenden, wie und ob ein tier stirbt, wenn noch nicht einmal jemand mitbekommt, wie viele menschen sterben, weil wir nicht wissen wer existiert und wer stirbt, weil sie nicht in unserer wahrnehmung leben, ist es uns egal. der einzige trost, auch für die opfer, ist, dass irgendwann jedes leben zu ende sein wird und im nachhinein niemand wirklich je existiert hat, dann andere auf unsere asche herumspringen die ebenfalls zu dergleichen zusammenfallen werden. vielleicht ist der tod die erlösung vom leben, von den schmerz und leid, von dieser sicht aus ist es nun auch egal wie das sterben aussieht, ob nun getötet werden oder mit altersschwäche zusammenfallen. vorteilhaft für tiere ist, dass sie nicht so allzusehr am leben hängen wie menschen, wir uns die qualen durch unser nachdenken über den tod selber bereiten. das drama beginnt immer wieder von anfang, mit jeden neuen leben.
Rebecca: Und ich meine, das ist sicherlich manchmal nicht so einfach, denn es bedingt, dass Hass und Rachsucht dort nichts zu suchen haben.
und wie soll das verhindert werden? der mensch kennt die konsequenzen seines handelns, von daher ist es nicht einfach von einfachheit zu sprechen. der mensch ist dann genau so unzuverlässig wie ein tier das seine opfer tötet, aber noch darüber hinaus ist er seines denkens wegen fähig den tieren bewusst schmerzen zuzufügen. allerdings töten viele raubtiere mit einem biss ins genick oder hals so wirkungsvoll, dass die beute oft schneller tot ist als wenn der mensch in einigen fällen die tiere erst ausbluten lässt und das herz dabei weiterschlagen muss (wegen irgend welchen religionen).
also ich denke, die beste art zu töten ist gift. doch das fleisch soll ja gegessen werden...
amyntas
"die beste art zu töten"
das klingt so rechtfertigend. wenn doch hinter dem töten keine notwendigkeit besteht, wie sie z.B immer hinter dem akt des tötens von (raub)tieren zu finden ist, dann bleibt die rechtfertigung aus. und wenn sie ausbleibt dann gibt es auch keine "beste art". denn "beste art" sollte sich wol auf das minimale vorhanden sein von faktoren wie z.B schmerz beziehen. wenn jedoch die notwendigkeit des tötens als solche infrage steht, wie soll sich dann der akt des töten als solcher noch beschönigend bewerten lassen ?
@ Sun Deluge :
du warst vorher konsequent in der folgerung des müssens. warum urteilst du nun so harsch ?
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