Moral und Glückseligkeit

dicarrara
Kann man auch durch ein unmoralisches Leben glücklich werden? Oder ist es so, wie Aristoteles sagt, dass nur der tugendhafte Mensch wahrhaft glücklich sein kann? Und muss man für den höchsten Zustand der Glückseligkeit besonders intelligent sein?

Wie werde ich glücklich?
Nylen
Wenn man Tugendhaft versteht wie Aristoteles, als Exellenz, dass heisst Vervollkommnung in diesem und jenem, dann ja kann es zu Glückseligkeit führen. Dagegen ist das sklavische Unterwerfen unter eine Moral wohl eher hinderlich. Intelligenz ist ein schwieriges Wort hier. Meinst du ob man gebildet sein muss? Nein, denke ich nicht, aber in irgendwas muss man gut sein. Es ist di Tugend des Künstlers sich auszudrücken. Desto besser ihm das gelingt und desto mehr Anerkennung er erfährt, desto glücklicher wird er sein.
Der Krieger dagegen muss tapfer sein. Desto tapferer er ist, desto mehr Anerkennung und damit Glücklichsein.
Es gibt auch Menschen die ihr Glücklichsein finden in der Gebildetheit, also beziehen ihre Anerkennung daraus das sie gut Bescheid wissen.

Aber per se, ist Intelligenz nicht erforderlich.

Was das unmoralische Leben angeht, so erhalten Diebe ihre Anerkennung durch die grösse des Coups den sie vollbringen, oder Mörder durch die Schwere ihre Verbrechens. Aristoteles Tugend ist nicht unbedingt nach unserem Verständnis moralisch. Auch unmoralische Menschen können exellent in irgendwas sein, und dadurch Glücklich.
T1982
Hi.

Zitat:
Original von dicarrara
Kann man auch durch ein unmoralisches Leben glücklich werden? Oder ist es so, wie Aristoteles sagt, dass nur der tugendhafte Mensch wahrhaft glücklich sein kann? Und muss man für den höchsten Zustand der Glückseligkeit besonders intelligent sein?


Bei Aristoteles: ja, für ein maximal mögliches glückliches Leben schon. Nur so kannst Du Deine ganzen Tugenden ausleben und auch der Vernunft- und Wissensbestimmung des Menschen nachkommen. In Abstufungen ist es aber auch ohne Intelligenz möglich. Frag Mill: da musst Du erst Recht intelligent sein, weil Du nur so den wahren Wert einer Freude beurteilen kannst… Ein simples Zufriedensein ist für den Dummen dagegen leichter...

Frag Machiavelli und Du wirst nur ohne Moral (zumindest ohne die Moral, die allgemein akzeptiert wird) glücklich. Also sage mir, mein Kind: was ist Moral? großes Grinsen

Zitat:

Wie werde ich glücklich?


Dazu muss man viel (!) über Dich wissen. gruebel

Gruß
J*St*
@ diccarara,

erst einmal herzlich willkommen hier im Forum.

Die Auffassung von Aristoteles nennt sich Eudämonismus, und besagt eigentlich, das das Glück oder die Glückseligkeit das Ziel allen Handelns ist, und somit auch der Moral. Ich selber lehne bereits diesen Ansatz als oberflächlicih ab. In so fern halte ich es lieber mit Kant und einem, wie auch immer formulierten "objektiven Sittengesetz". Ob man aber als unmoralischer Mensch glücklich werden kann, weiß ich nicht. In dem Film "Zwei Glorreiche Halunken" geht das offensichtlich...l.o.l.
Intelligenz und Wissen hingegen scheinen mir beim Glücklichsein eher hinderlich zu sein, denn es ist doch so: Je mehr Du weißt, um so mehr weißt Du, wie schlecht diese Welt in Wahrheit ist. Gelt?

Letzte Frage: Glücklich wirst Du nur, wenn Du weise wirst. JSM
Andique
hallo,

um glücklich zu sein oder zu werden, sollte man versuchen einen Gleichgewichtszustand zwischen Ratio und Gefühl (Psyche) zu erreichen.
Auch "einfach gestrickte" Menschen können diesen Zustand erreichen und in ihrem Leben mit alltäglichen Inhalten Grosses erreichen.
Ein Mensch, der umfassender, philosophischer denkt, sollte daher auch ständig seine Gefühle berücksichtigen und das "kindliche Staunen" nicht verlernen.
Ein unmoralisches Handeln (im Sinne eines negativen Egoismus) führt zu einem Ungleichgewicht und daher zu einem chaotischen Innenleben, sogar wenn dies zu einem materiell erfolgreichen Aussenleben führt. Beispiele dafür gibt es genug horizontal und vertikal durch die Menschheitsgeschichte.
Dieser Gleichgewichtszustand führt zu einer inneren (R)einheit und somit zu einem harmonischen (kosmischen) Leben.

freundliche Grüsse
Jessimke
Wer aber behauptet, ein Mensch auf der Folter oder inmitten schwerer Schicksalsschläge sei glückselig, wenn er nur ein tüchtiger Mensch sei, redet mit Willen oder wider Willen sinnloses Zeug.

Aristoteles: Nikomachische Ethik. Philosophie von platon bis Nietzsche

-> eigene Meinung : Glückseligkeit bedeutet nicht unbedingt Freude und ein "akutes" Glücksgefühl, sondern in diesem Falle vielmehr die Fähigkeit die Situation zu akzeptieren, in gewissem Maße zufrieden zu sein und nicht mit seinem Schicksal zu hadern. Daher stimme ich Aristoteles nicht zu, da man durch Tüchtigkeit, hier Zufriedenheit in jeder Situation, glückselig sein kann, auch wenn man in diesem Moment offensichtlich nicht voller Freude ist.

AARRGH!! ??! winken motz großes Grinsen
Phil_
wie ließe sich das Glück bewahren und aufrecht erhalten ohne die wohlwollende Gesinnung anderer?
Aristoteles

Wenn man das Verständis von Glück nach Aristoteles betrachtet wird an der eben zitierten Weißheit klar, dass der Mensch ohne "die Gesinnung anderer" nicht glücklich sein kann ,sprich der Mensch als Gesellschaftswesen ist auch in Bezug auf das Glücklichsein auf Mitmenschen angewiesen. Denn Glück allein bringt dem Menschen nicht viel, da er immer im Kontakt mit Anderen steht und sich nicht komplett isolieren kann.
Durch negative Beziehungen kann das Glück durch Einflüße schneller wieder weg sein als man es erhalten hat.
Deshalb ist die "wohlwollende Gesinnung" sogar notwendig für einen lange andauernden Glückszustand.
Des weiteren multipliziert sich das Glück, so bald man es teilt.
V_P_S
"[...]Dagenen über die Frage nach dem Wesen der Glückseligkeitt gehen die Meinungen weit auseinander, und die große Masse urteilt darüber ganz anders als die höher Gebildeten[...]"

( Aristoteles; Nikomachische Ethik. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S.4703 )


Anhand diesen Zitates kann man erkennen, dass Glückseligkeit definitiv eine individuelle Tugend ist, lieber dicarrara.
Ein Sklave im Antiken Griechenland gibt sich mit weniger zufrieden als ein Aristokrat. Parallel dazu würde selbiger Sklave sicherlich andere Dinge erwarten um glücklich zu werden, als der o.g. Aristokrat.
Folglich ist das Gefühl der Glückseligkeit mit unserem Stand determiniert.

Ferner leitet unsere Erfahrung die Intensität unserer Glückseligkeit. Erfahrung kann man hier als Erwartung analog zu bereits erlebten Dingen definieren. Der Sklave wird glücklich, wenn man ihm einen Kanten Brot gibt, sollte er davor vielleicht 3 Tage gehungert haben oder sonst immer nur ein paar Krümel bekommen hat.
Der Aristokrat, der an Reichtum und Völle gewöhnt ist, wird wesentlich schwieriger zufrieden und damit glücklich zu stellen sein.

Ich hoffe, lieber dicarrara, ich konnte dir ein paar Denkastöße geben Zwinker

PS: Der Aristokrat, der sich mit den Brotkrumen zufrieden gibt, ist am glücklichsten roll
dicarrara
Danke für Eure Antworten. Ich hab jetzt nicht die Zeit und Muße, alles einzeln gebührend zu beantworten, sorry. Nur kurze Gedanken dazu:

Ein tugendhaftes Leben im Sinne Aristoteles ist also Vervollkommnung den Anlagen gemäß (?). Ist es ungefähr das, was man heute "Selbstverwirklichung" nennt? Geht es bei Aristoteles nicht auch um "das Gute" im Gegensatz zu dem moralisch Schlechten?

Und Aristoteles als "oberflächlich" zu beschimpfen ist schon ganz schön frech (aber nicht unsympathisch ^^). Kant find ich auch interessant, aber seine argumentative Begründung für den kategorischen Imperativ erschien mir doch recht spärlich. Bin überhaupt recht skeptisch, wenn von "objektiv" die Rede ist. Was macht ein Sittengesetz objektiv?

Das Rezept mit dem Gleichgewichtszustand spricht mich spontan an. Wobei ich allerdings auch immer wieder gerade die Turbulenzen im Leben genieße. Aber zur Harmonie zurückkehren zu können... das hat schon was seliges.

Alles annehmen können, das wärs halt. Ich würde mir aber vermutlich schwer tun, körperliche Qualen anzunehmen. Zur Glückseligkeit gehört für mich schon auch zumindest die Abwesenheit von größeren Schmerzen.

Die wohlwollende Gesinnung anderer - ja vielleicht ist das wirklich das Entscheidende? Die Liebe...

Wenn Glückseligkeit Zufriedenheit ist, dann muss man nur noch schaffen, zufrieden zu sein. Wenn ich mich mit Sklaven vergleiche, bin ich schon zufrieden. Wenn ich meinen Jetztzustand mit den schönsten Erinnerungen vergleiche, kommt gelegentlich Unzufriedenheit auf. Immer dieses Vergleichen...
MaNic'
Glück ohne Moral ist gar nicht möglich, weil jeder der glücklich ist niemals unmoralisch ist aus seiner Sicht...

Denn der, der die Moral bildet nach der sich das Individuum richtet, ist das Individuum selbst. Selbst wenn man sagt man gehöre einer bestimmten ethischen Sichtweise an so hätte man sich selbst für diesen Weg entschieden. Man bestimmt also eigens was man für moralisch und unmoralisch hält, je nachdem was unserer Vernunft entspringt. Und wenn nun also jeder seine eigene Moral hat, und ich von dem naturbedingten Egoismus jedes Einzelnen ausgehe, so setzt sich jeder Mensch seine eigene Glückseligkeit als höchstes Ziel.
Demnach sind nur zwei Fälle möglich:

1. Man erreicht die persönliche Glückseligkeit nicht und somit ist die Frage nach Glück als unmoralischer Mensch unwichtig!

ODER

2. Man erreicht annähernd das gewünschte Glück, nach dem man strebt. Dieses Glück müsste moralisch sein, da es sich jeder individuuell als höchstes Ziel gesetzt hat und da die eigene Moral die einzige ist nach der man sich nach den Naturgesetzen der egozentrischen Selektion richten kann. Es wäre niemals unmoralisch, höchstens aus zweiter Sicht, was aber für das Individuum an sich in seiner Moral nicht von Belang wäre.

*PS.: Falls jetzt jemand so etwas einwenden möchte wie Menschen sind nicht egozentrisch! Guck dir doch die Leute an die Brot an die Armen verteilen oder ähnliches! Denen entgegene ich, dass hinter jeder Handlung ein Eigennutzen steckt und wenn es auch nur gesellschaftliche Akzeptanz oder auch ein reines Gewissen ist... es gibt immer einen.
FLorian K.
Um untersuchen zu können, ob Glückseligkeit Moral benötigt, sollte man erstmal den Begriff "Glückseligkeit" definieren.

Ich würde hier folgende Definition vorschlagen:

"Glück ist ein Maß dafür, wie weit sich die persönlichen Bedürfnisse eines Menschen mit dessen persönlicher Lebenssituation decken. Glückseligkeit ist ein Zustand, in dem sich die Bedürfnisse eines Menschen vollkommen mit dessen Lebenssituation decken. "

Nach dieser Definition gäbe es zwei Möglichkeiten sein persönliches Glück zu erhöhen:

1. Man verbessert die eigene Lebenssituation
2. Man passt seine Bedürfnisse an

Ersteres wird beispielsweise in vielen "westlichen" Ideologien angestrebt. Letzteres ist unter anderem eine Kernaussage des Buddhismus. (s. die vier edlen Wahrheiten
"1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
4. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad." - in diesem Fall ganz dreist aus WIKI zitiert großes Grinsen )

Beide Varianten benötigen die Moral nicht zwangsläufig.

Es wäre beispielsweise denkbar, dass jemand die eigene Lebenssituation verbessert (im Sinne seiner Bedürfnisse) und dies auf Kosten von anderen tut.
Auch wäre es möglich, dass jemand seine Bedürfnisse dahingehend herunterfährt, dass er keine moralischen Bedürfnisse mehr hat.
Auch Moral geht auf Bedürfnisse zurück.

In der Praxis dürfte es aber schwierig sein, Glück zu erreichen, wenn man Moral gänzlich außer Acht lässt.

Die Menschen sind von ihrer biologischen Anlage her soziale Lebewesen. Sie haben ein biologisches Grundbedürfnis nach sozialem Kontakt. Wird dieses Bedürfnis nicht befriedigt, hat dies schwerwiegende psychische und körperliche Folgen. (Beispiel: Caspar Hauser)

Moral ist die Spielregel des sozialen Kontakts. Außerhalb von sozialem Kontakt hat Moral keine Bedeutung. (z.B. wenn man ganz alleine auf der Welt wäre)

Biologische Bedürfnisse zu überwinden ist schwer möglich. Die Verdrängung eines Bedürfnisses kann leicht zu einer Verschlechterung der Lebenssituation führen. (Durch psychische Schäden und Krankheit)

Wer also auf die Verbesserung der Lebenssituation abzielt, kommt im Normalfall nicht gänzlich ohne die Moral aus.
(Auch deshalb, weil die Lebenssituation aller sich verschlechtern würde, wenn niemand mehr moralische Grundsätze hätte)

Auch wer auf die Anpassung der eigenen Bedürfnisse aus ist, wird sich zwangsläufig an die Moral anpassen. Oder zumindest nichts Unmoralisches mehr tun.
Unmoralische Handlungen resultieren ja daraus, dass jemand seine Lebenssituation auf Kosten der Verschlechterung der Lebenssituation anderer verbessern will.

Oder um es mal etwas "buddhistischer" Freude auszudrücken:

Wo kein Bedürfnis ist, ist auch kein Handeln.
Wo kein Handeln ist, kann auch kein unmoralisches Handeln stattfinden.
SchwarzeGalle
Hallo dicarrara. Aristoteles sieht die Moral und ihren Gebrauch als Teilprodukt der Vernunft an. Also wäre ein unmoralischer Mensch auch zumindest teilweise unvernünftig und nach seiner eigenen Drei-Stufen-Theorie auf dem Stand der Triebhaftigkeit. Nach Aristoteles, und es klingt unter Anbetracht der Prämissen durchaus logisch, kann eine solche Präsenz keine Glückseligkeit genießen, denn aus inadäquaten Bausteinen kann kein Mensch ein richtiges Haus bauen.
Rhetorix
Zitat:
Original von dicarrara
Kann man auch durch ein unmoralisches Leben glücklich werden? Oder ist es so, wie Aristoteles sagt, dass nur der tugendhafte Mensch wahrhaft glücklich sein kann? Und muss man für den höchsten Zustand der Glückseligkeit besonders intelligent sein?

Wenn nur den tugendhafte Mensch glücklich werden könnte, dann wäre es schlecht um uns bestellt, denn welcher Mensch ist grundsätzlich tugendhaft?

Moralisches Handeln ist ein Handeln, das nicht auf Kosten anderer geht, möglichst sogar zu deren Glück und Wohlergehen beiträgt.
Normal empfindende Menschen spüren Glücksgefühle, wenn sie anderen etwas Gutes tun. Sie tun das mittelbar auch für sich selbst (an der Bescherung hat der Schenker oft mehr Vergnügen als der Beschenkte).
Normal empfindende Menschen spüren auch eine Beunruhigung, wenn sie Unrecht getan haben, und diese Beunruhigung ist glücks-kontraproduktiv.

Es gibt aber auch Menschen, die sich nicht in andere Menschen (und in Tiere) hineinversetzen können und keinerlei Unbehagen, sondern eher sogar Vergnügen daran empfinden, andere zu quälen. Auf den ersten Blick scheinen sie die These zu widerlegen, dass man nur mit moralischem Handeln glücklich werden kann.
Richtig scheint mir allerdings, dass solche 'untugendhafte' Menschen - Soziopathen - es generell schwer haben mit dem eigenen Glück und das hierfür erforderliche innere Gleichgewicht nicht finden.

Moralisch zu handeln, genügt jedoch nicht, um glücklich zu leben.
Dazu ist vielmehr auch erforderlich, klug mit sich selbst umzugehen und sich selbst Gutes zu tun. Wer diesen Aspekt vergisst, läuft übrigens auch Gefahr, anderen mit seiner Moral auf die Nerven zu gehen und als permanenter Vorwurf in der Gegend herumzustehen. Was wiederum nicht gut ist.
Norich
Zitat:
Original von dicarrara
Kann man auch durch ein unmoralisches Leben glücklich werden? Oder ist es so, wie Aristoteles sagt, dass nur der tugendhafte Mensch wahrhaft glücklich sein kann? Und muss man für den höchsten Zustand der Glückseligkeit besonders intelligent sein?

Wie werde ich glücklich?


ich denke glück und intelligenz sind eher gegensätzlich, man hat mehr intellekt die probleme zu erkennen, fische z.b. spühren keinen schmerz sondern nur stress und würmer keinerlei emotionen .... die sind auf jedenfall nicht unglücklich oder...

zudem gibtes das buch die kunst ein egoist zu sein, da wird beschrieben wie man entgegen anderer leute meinung glücklich wird, das könnte ich nahe legen (auch wenn ich nich wirklich zustimme)

gruß großes Grinsen ??!