FLorian K.
Um untersuchen zu können, ob Glückseligkeit Moral benötigt, sollte man erstmal den Begriff "Glückseligkeit" definieren.
Ich würde hier folgende Definition vorschlagen:
"Glück ist ein Maß dafür, wie weit sich die persönlichen Bedürfnisse eines Menschen mit dessen persönlicher Lebenssituation decken. Glückseligkeit ist ein Zustand, in dem sich die Bedürfnisse eines Menschen vollkommen mit dessen Lebenssituation decken. "
Nach dieser Definition gäbe es zwei Möglichkeiten sein persönliches Glück zu erhöhen:
1. Man verbessert die eigene Lebenssituation
2. Man passt seine Bedürfnisse an
Ersteres wird beispielsweise in vielen "westlichen" Ideologien angestrebt. Letzteres ist unter anderem eine Kernaussage des Buddhismus. (s. die vier edlen Wahrheiten
"1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
4. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad." - in diesem Fall ganz dreist aus WIKI zitiert

)
Beide Varianten benötigen die Moral nicht zwangsläufig.
Es wäre beispielsweise denkbar, dass jemand die eigene Lebenssituation verbessert (im Sinne seiner Bedürfnisse) und dies auf Kosten von anderen tut.
Auch wäre es möglich, dass jemand seine Bedürfnisse dahingehend herunterfährt, dass er keine moralischen Bedürfnisse mehr hat.
Auch Moral geht auf Bedürfnisse zurück.
In der Praxis dürfte es aber schwierig sein, Glück zu erreichen, wenn man Moral gänzlich außer Acht lässt.
Die Menschen sind von ihrer biologischen Anlage her soziale Lebewesen. Sie haben ein biologisches Grundbedürfnis nach sozialem Kontakt. Wird dieses Bedürfnis nicht befriedigt, hat dies schwerwiegende psychische und körperliche Folgen. (Beispiel: Caspar Hauser)
Moral ist die Spielregel des sozialen Kontakts. Außerhalb von sozialem Kontakt hat Moral keine Bedeutung. (z.B. wenn man ganz alleine auf der Welt wäre)
Biologische Bedürfnisse zu überwinden ist schwer möglich. Die Verdrängung eines Bedürfnisses kann leicht zu einer Verschlechterung der Lebenssituation führen. (Durch psychische Schäden und Krankheit)
Wer also auf die Verbesserung der Lebenssituation abzielt, kommt im Normalfall nicht gänzlich ohne die Moral aus.
(Auch deshalb, weil die Lebenssituation aller sich verschlechtern würde, wenn niemand mehr moralische Grundsätze hätte)
Auch wer auf die Anpassung der eigenen Bedürfnisse aus ist, wird sich zwangsläufig an die Moral anpassen. Oder zumindest nichts Unmoralisches mehr tun.
Unmoralische Handlungen resultieren ja daraus, dass jemand seine Lebenssituation auf Kosten der Verschlechterung der Lebenssituation anderer verbessern will.
Oder um es mal etwas "buddhistischer"

auszudrücken:
Wo kein Bedürfnis ist, ist auch kein Handeln.
Wo kein Handeln ist, kann auch kein unmoralisches Handeln stattfinden.