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Die müssen glauben, dass Maria ungestorben zum Himmel aufgefahren ist, denn es ist ein Dogma. Da hast du also zumindest einen Menschen, der eine Ausnahme macht.
Wenn ich es recht in Erinnerung habe, ist nach islamischer Version auch Mohammed lebendig zum Himmel aufgefahren. Ist Jesus nach islamischer Auffassung gestorben? Vielleicht gleichfalls nicht, jedenfalls wurde er nicht hingerichtet.
Und dann die Knaben Henoch und Gaymed!
Die Weltgeschichte ist voll von Menschen, denen der Tod vorenthalten blieb! |
Ich meinte damit Menschen, nicht solche, die nicht aufgrund von Mythologie für unsterblich erklärt werden. Maria, Jesus, Mohammed, Henoch und Gaymed scheinen zumindest heute nicht mehr zu existieren, wenn sie dies täten wäre es nicht bekannt. Diese Personen existieren unseres Wissens aber nicht mehr, und ob sie gestorben sind oder nicht, können wir nicht sagen. Wenn sie aber existiert haben, und wenn sie Menschen waren, dann liegt der Schluss nahe, dass sie außerhalb mythologischer Vorstellungen doch gestorben sind. Bei Jesus ist sein Tod sogar christologisch bedeutend. Bei den Muslimen darf Jesus nicht am Kreuz sterben, da ein erhabener Prophet nicht wie ein Aufrührer hingerichtet werden darf, das ist aber keine Aussage über seinen tatsächlichen Tod.
Auch Maria ist gestorben, sofern sie ein Mensch war, denn nach der Genesis des AT sterben alle Menschen, die nicht vom Baum des Lebens gegessen haben. Adam und Eva blieb dies verwehrt, da alle anderen Menschen Nachkommen der Beiden sind, sind alle sterblich.
Das Dogma über Maria besagt auch nicht ihre Unsterblichkeit, oder die Tatsache, sie sei nicht gestorben, sondern ihre "leibliche Aufnahme in den Himmel", was durchaus nicht bedeutet, dass sie nicht gestorben ist, vielmehr dass sie unmittelbar und ohne Stationen wie das Fegefeuer zu durchlaufen transzendiert wurde. Aber das ist selbstverständlich eine mythologische Sicht, und dieses Dogma hat religionsphilosophische Gründe, die es zu lösen galt. Es ist ein Zweckdogma, aber nicht primär ein ontologisches Dogma über Maria.
Es gibt noch eine bedeutende mythologische Figur, dir ganz explizit unsterblich ist. Sie taucht in der Bibel auf, aber vor allem im Gilgamesch-Epos. Diese Figur ist das Paradebeispiel für einen unsterblichen Menschen: Noah und seine Frau. Das Gilgamesch-Epos ist das älteste schriftlich menschliche Zeugnis in Epos-Form, welches überhaupt existiert, und die Geschichte um Noah ist hier ganz zentral. Noah heißt in diesem Epos Utama-Peshti (die Schreibweise ist aber ob der Konsonantenschrift variabel):
Im Gilgameschepos bricht Gilgamesch auf, das Geheimnis der Unsterblichkeit zu ergründen weil sein engster Freund, Enkidu, von ihm getötet wurde. Er erfährt, dass es nur einen einzigen Menschen gibt, der das Geheimnis der Unsterblichkeit kennt. Dieser ist Utama-Peshti. Nach einer langen und gefahrvollen Reise kommt der bei diesem Mann an, und er erfährt das Geheimnis seiner Unsterblichkeit: Die Göttin Istar hatte einst die gesamte Erde von allem Sterblichen reinwaschen wollen, durch eine große Sintflut. Sie hatte ausgesagt, dass jedes sterbliche Wesen durch diese Flut umkommen werde. Utama-Peshti aber hatte in weiser Voraussicht eine Arche gebaut für sich und seine Frau, und er hatte die Sintflut überlebt. Da Götter aber nicht lügen dürfen, und Istar alles Sterbliche von der Erde tilgen wollte, musste sie Utama-Peshti (und seine Frau) unsterblich machen, damit sich ihre Aussage erfüllt: "Ich werde alles Sterbliche von dieser Welt tilgen". Da Utama nun unsterblich ist, sagt Istar die Wahrheit.
Gilgamesch nützt diese Tatsache aber nichts, und Enkidu bleibt tot.