Wittgenstein Tractatus logico philosophicus - Lektüre

karlchen
Zitat:
Original von Nylen
1 Die Welt ist alles, was der Fall ist.
2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.
3 Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.
4 Der Gedanke ist der sinnvolle Satz.
5 Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze.
(Der Elementarsatz ist eine Wahrheitsfunktion seiner selbst.)
6 Die allgemeine Form der Wahrheitsfunktion ist: [p, ¾, N(¾)].
Dies ist die allgemeine Form des Satzes.
7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. [/color]

2.03 Im Sachverhalt hängen die Gegenstände ineinander, wie die Glieder einer Kette.
2.031 Im Sachverhalt verhalten sich die Gegenstände in bestimmter Art und Weise zueinander.
2.032 Die Art und Weise, wie die Gegenstände im Sachverhalt zusammenhängen, ist die Struktur des Sachverhaltes.
2.033 Die Form ist die Möglichkeit der Struktur.
2.034 Die Struktur der Tatsache besteht aus den Strukturen der Sachverhalte.
2.04 Die Gesamtheit der bestehenden Sachverhalte ist die Welt.
2.05 Die Gesamtheit der bestehenden Sachverhalte bestimmt auch, welche Sachverhalte nicht bestehen.
2.06 Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit.
(Das Bestehen von Sachverhalten nennen wir auch eine positive, das Nichtbestehen eine negative Tatsache.)
2.061 Die Sachverhalte sind von einander unabhängig.
2.062 Aus dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Sachverhaltes kann nicht auf das Bestehen oder Nichtbestehen eines anderen geschlossen werden.
2.063 Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt.


Tschuldigt jetzt schon den unqualifizierten Einfall, aber finde es sehr spaßig und nicht uninteressant, diese zusammenfassenden Thesen einmal von hinten nach vorne zu lesen, dann funktioniert die Logik des tractatus fast noch besser ... Zwinker
Nylen
So schliessen wir Satz zwei ab:

2.2 Das Bild hat mit dem Abgebildeten die logische Form der Abbildung gemein.
2.201 Das Bild bildet die Wirklichkeit ab, indem es eine Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens von Sachverhalten darstellt.
2.202 Das Bild stellt eine mögliche Sachlage im logischen Raume dar.
2.203 Das Bild enthält die Möglichkeit der Sachlage, die es darstellt.
2.21 Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht; es ist richtig oder unrichtig, wahr oder falsch.
2.22 Das Bild stellt dar, was es darstellt, unabhängig von seiner Wahr- oder Falschheit, durch die Form der Abbildung.
2.221 Was das Bild darstellt, ist sein Sinn.
2.222 In der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung seines Sinnes mit der Wirklichkeit, besteht seine Wahrheit oder Falschheit.
2.223 Um zu erkennen, ob das Bild wahr oder falsch ist, müssen wir es mit der Wirklichkeit vergleichen.
2.224 Aus dem Bild allein ist nicht zu erkennen, ob es wahr oder falsch ist.
2.225 Ein a priori wahres Bild gibt es nicht.


Wichtig erscheinen mir die letzten beiden Sätze.
Ein Bild kann ich haben, also eine Vorstellung ohne das es einen adequaten Sachverhalt in der Wirklichkeit gibt. Ich kann auch ein falsches Bild haben. Die Elemente meines Bildes stimmen mit den Gegenständen im Sachverhalt überein oder nicht.
skimmie
Der Satz:

Zitat:
2.21 Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht; es ist richtig oder unrichtig, wahr oder falsch.


passt nicht in Wittgensteins bisheriges Logikschema, da er mit 'richtig oder unrichtig' normative (wertende) Aspekte einbringt.
Will er damit aufzeigen, dass auch diese in sein Logik-Paket gehören?
Nylen
Du selbst hast darauf hingewiesen das er sagt wir MACHEN und Bilder. Machen können wir dies richtig oder unrichtig. So versthe ich das hier.
skimmie
'Bilder machen' hat hier in dem TLP zwei Bedeutungen:
Einmal ordnet Wittgenstein genauestens - fast punktgleich wie in éinem Koordinatensystem - Tatsache, Sachlage, Sachverhalt u.a. der Wirklichkeit zu, was er ebenso,fast spiegelgleich, mit dem Bild macht.
Er zeichnet dabei sozusagen das physiologische Raster der physiologischen Bildentstehung nach und läßt die Bedeutung(Semantik) unter den Tisch fallen, darum verbindet er m.E. etwas wertendes aus dem ethischen Bereich in einem Atemzug mit logischen Aussageformen. Wittgenstein versachlicht Inhalte so sehr, dass sie 1:1 in ein logisches Schema passen, welches wiederum einem physio-logischen Schema entsprechen. Seiner Ansicht nach entspricht dann der Geist 1:1 der Anatomie, Physiologie.

Für eine Sprache, bei der es wichtig ist, dass sie möglichst frei von Subjektivität ist, ist so ein Schema und auch die strikte Reduzierung auf Sachlichkeit von Vorteil bzw. unabdingbar, wie z.B. in der Wissenschaftssprache. Hier kommt es bei einer Theorie darauf an, dass sie frei ist von Wünschen, Vorurteilen oder Neigungen ist und auch so erstellt ist, dass sie prinzipiell falsifizierbar ist (Operationalisierung).

Aus Wittgensteins Überlegungen kann aber nicht geschlossen werden, dass der Geist 1:1 der Materie zuzuordnen ist oder ihr entspringt.
mark
Zitat:
Original von skimmie
Der Satz:

Zitat:
2.21 Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht; es ist richtig oder unrichtig, wahr oder falsch.


passt nicht in Wittgensteins bisheriges Logikschema, da er mit 'richtig oder unrichtig' normative (wertende) Aspekte einbringt.
Will er damit aufzeigen, dass auch diese in sein Logik-Paket gehören?


es hat doch nichts normatives oder gar ethisches, dass "draussen schneits" nun richtig sein kann oder auch nicht. wenn ich ein bild des strassburger münsters male mit zwei vollendeten türmen, dann stimmt diese bild eben nicht mit der wirklichkeit überein. das ist doch die einfachste sache der welt und jeder versteht was gemeint ist. und "bild" wird hier eben in einem weiteren sinn, bildhaft gebraucht.

[quote]"unter dem datum 29.september [tagebucheintrag] findet sich eine notiz, die auf den der bildtheorie des tractatus zugrundeliegenden gedankenblitz verweist: 'im satz wird eine welt probeweise zusammengestellt. (wie im pariser gerichtssaal ein automobilunglück mit puppen etc dargestelltwird).' die vorgeschichte dieses eintrags hat wittgenstein später mehreren personen erzählt. georg henrik von wright gibt sie wie folgt wieder:
[i]in einer zeitschrift las wittgnestein etwas über einen pariser prozess, der einen autounfall betraf. im laufe der verhandlung wurde vor ericht ein miniaturmodell des unfalls gezeigt. hier diente das modell als satz, d.h. als beschreibung eines möglichen sachverhalts. diese funktion verdankt es einer entsprechung zwischen den teilen des modells (den miniaturhäusern, -autos,-menschen) und dingen in der realität (häusern, autos und menschen). nun kam es wittgenstein in den sin, man könne die analogiebezehung umkehren und sagen, dass der satz - vermöge einer ähnliche netsprechung zwischen seien teilen nd der welt - als modell oder bild dient. die art nd weise, in der die teile des satzes miteinander verbunden sind - die struktur des satzes -, ist ein bild einer möglichen verbindung von elementen der wirklichkeit: ein möglicher sachverhalt."

(aus einem nachwort von joachim schulte in einer suhrkampausgabe des traktats)

im grunde ist es naheliegend es so zu sehen. die bild"theorie" entpuppt sich als einfaches bild der sprache bzw der sätze als bilder. niemand kann glaubhaft sagen, er verstünde nicht was damit gemeint sei, dass eine strasse in einer strassenkarte falsch eingezeichnet ist. mehr würd ich auch nicht hineingeheimsen.
alle probleme die diese "(ab)bildtheorie" hat hat letztlich jede aussage und auch jedes echte bild. trotzdem wird es ja verstanden und niemand hat sich je daran gestört, dass ein bild unterschiedlich verstanden werden kann und deswegen behauptet, das bild könne deswegen kein bild sein...

gruss
skimmie
Zitat:
Original von mark
es hat doch nichts normatives oder gar ethisches, dass "draussen schneits" nun richtig sein kann oder auch nicht. wenn ich ein bild des strassburger münsters male mit zwei vollendeten türmen, dann stimmt diese bild eben nicht mit der wirklichkeit überein. das ist doch die einfachste sache der welt und jeder versteht was gemeint ist. und "bild" wird hier eben in einem weiteren sinn, bildhaft gebraucht.

Ja, ist umgangssprachlich so. Im eigentlichen Sinne sagt Richtigkeit etwas aus über das geistige oder praktische Handeln bezüglich Regeln, die im gewissen Sinne als Maßstab dienen (das "machen" läßt wieder grüßen ;-))
Wahr/falsch bezieht sich hauptsächlich auf einen widergespiegelten Sachverhalt einer Aussage.

Zitat:
in einer zeitschrift las wittgnestein etwas über einen pariser prozess, der einen autounfall betraf. im laufe der verhandlung wurde vor ericht ein miniaturmodell des unfalls gezeigt. hier diente das modell als satz, d.h. als beschreibung eines möglichen sachverhalts. diese funktion verdankt es einer entsprechung zwischen den teilen des modells (den miniaturhäusern, -autos,-menschen) und dingen in der realität (häusern, autos und menschen). nun kam es wittgenstein in den sin, man könne die analogiebezehung umkehren und sagen, dass der satz - vermöge einer ähnliche netsprechung zwischen seien teilen nd der welt - als modell oder bild dient. die art nd weise, in der die teile des satzes miteinander verbunden sind - die struktur des satzes -, ist ein bild einer möglichen verbindung von elementen der wirklichkeit: ein möglicher sachverhalt."

(aus einem nachwort von joachim schulte in einer suhrkampausgabe des traktats)

Bei einer einfachen Analogie hat es Wittgenstein ja nicht belassen, er machte daraus ein analytisches Verfahren, was bei formalisierten Sachverhalten sinnvoll ist, aber bei der Beschreibung eines grandiosen Sonnenuntergangs nicht funktioniert.

Zitat:
im grunde ist es naheliegend es so zu sehen. die bild"theorie" entpuppt sich als einfaches bild der sprache bzw der sätze als bilder. niemand kann glaubhaft sagen, er verstünde nicht was damit gemeint sei, dass eine strasse in einer strassenkarte falsch eingezeichnet ist. mehr würd ich auch nicht hineingeheimsen.
Logisch betrachtet ist das natürlich richtig....ähem..wahr - wenn die Sprache dementsprechend in Prokuristes Bett passend gemacht wurde.


Zitat:
alle probleme die diese "(ab)bildtheorie" hat hat letztlich jede aussage und auch jedes echte bild. trotzdem wird es ja verstanden und niemand hat sich je daran gestört, dass ein bild unterschiedlich verstanden werden kann und deswegen behauptet, das bild könne deswegen kein bild sein...

Klaro, trotzdem sind die verschiedenen Theorien doch interessant. Es ist doch erstaunlich, wie weit z.B. Leukipp oder Epikur damals schon dachten, indem sie sich vorstellten, dass Gegenstände winzig kleine Atom-Gruppen (Demokrit) aussenden, die die Sinnesorgane dann aufnehmen und verarbeiten.
Platon favorisierte die bereits vorhandenen Ideen ials Abbilder in der Vorstellung. Andere sprachen von sozialer Determiniertheit, die eine Auswahlfunktion der Abbilder bedinge u.a.
Wie kommen bei all den Möglichkeiten 'Urbilder' zustande?
mark
Zitat:
Original von skimmie
Ja, ist umgangssprachlich so. Im eigentlichen Sinne sagt Richtigkeit etwas aus über das geistige oder praktische Handeln bezüglich Regeln, die im gewissen Sinne als Maßstab dienen (das "machen" läßt wieder grüßen ;-))
Wahr/falsch bezieht sich hauptsächlich auf einen widergespiegelten Sachverhalt einer Aussage.

jo, wenn man denn selbst die einfachsten und offensichtlichsten dinge vernebeln will, dann macht man es am besten so.
Zitat:

Bei einer einfachen Analogie hat es Wittgenstein ja nicht belassen, er machte daraus ein analytisches Verfahren, was bei formalisierten Sachverhalten sinnvoll ist, aber bei der Beschreibung eines grandiosen Sonnenuntergangs nicht funktioniert.

ich weiss nichts von einem analytischen verfahren.
Zitat:

Logisch betrachtet ist das natürlich richtig....ähem..wahr - wenn die Sprache dementsprechend in Prokuristes Bett passend gemacht wurde.

logisch betrachtet...?
Zitat:

Zitat:
alle probleme die diese "(ab)bildtheorie" hat hat letztlich jede aussage und auch jedes echte bild. trotzdem wird es ja verstanden und niemand hat sich je daran gestört, dass ein bild unterschiedlich verstanden werden kann und deswegen behauptet, das bild könne deswegen kein bild sein...

Klaro,

also, geht doch. merh wird doch gar nicht verlangt als das gelesene zu verstehen, oder?
man muss wittgenstein ja nicht gleich heiraten.
Zitat:

trotzdem sind die verschiedenen Theorien doch interessant.

wittgenstein wird immer dann schwierig, wenn man versucht eine theorie zu stricken.
das ist ien bissschen wie mit der platonischen ideenlehre. da kommt als schöpfer so ziemlich jeder in betracht, nur platon nicht.
warum sollte man denn überhaupt wittgensteins (zugegebenermassen etwas launischen) bemerkungen als theorie verstehen wollen? muss denn jeder der etwas sagt das gleich in theorienform machen?
du meckerst selbst darüber, dass wittgenstein etwas in form zu pressen versuchte, was da nicht hineinpasste. vielleicht entsteht der eindruck aber vornehmlich dann, wenn man genau das mit wittgenstein macht?

nachdem das mit dem bild jetzt "klaro" ist, kanns ja weiter zum dritten satz gehen...

gruss
Nylen
Zitat:
nachdem das mit dem bild jetzt "klaro" ist, kanns ja weiter zum dritten satz gehen...


Das sehe ich genauso, aber auch weil wir uns ja nicht das Wort im Mund rumdrehen müssen.

3 Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.
3.1 Im Satz drückt sich der Gedanke sinnlich wahrnehmbar aus.
3.2 Im Satze kann der Gedanke so ausgedrückt sein, dass den Gegenständen des Gedankens Elemente des Satzzeichens entsprechen.
3.3 Nur der Satz hat Sinn; nur im Zusammenhang des Satzes hat ein Name Bedeutung.
3.4 Der Satz bestimmt einen Ort im logischen Raum. Die Existenz dieses logischen Ortes ist durch die Existenz der Bestandteile allein verbürgt, durch die Existenz des sinnvollen Satzes.
3.5 Das angewandte, gedachte Satzeichen ist der Gedanke.


In Anlehnung an Frege verstehe ich Wittgenstein so. Der Sachverhalt wird abgebildet im Bild, das Bild wiederum im Satz, oder die Aussenwelt erzeugt die Vorstellung, die Vorstellung den Gedanken.
mark
schlüsselst du das jetzt noch weiter auf? hast du eine standardverfahrensweise so dass wir wissen, wann wir zu was etwas sagen können, sollen...damit nicht alles durcheinander gerät?
Nylen
Ach Mark fühl dich frei etwas beizutragen. Deine Beiträge bisher in diesem Thread waren sehr gut. Das mit dem Wort im Mund rumdrehen solltest du aber schon verstanden haben. Will nur das wir nahe am Text bleiben smile
Nylen
So beginnen wir mit Wittgensteins eigenen Erläuterungen zu Satz 3

3 Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.
3.001 »Ein Sachverhalt ist denkbar«, heißt: Wir können uns ein Bild von ihm machen.
3.01 Die Gesamtheit der wahren Gedanken sind ein Bild der Welt.
3.02 Der Gedanke enthält die Möglichkeit der Sachlage, die er denkt. Was denkbar ist, ist auch möglich.
3.03 Wir können nichts Unlogisches denken, weil wir sonst unlogisch denken müssten.
3.031 Man sagte einmal, dass Gott alles schaffen könne, nur nichts, was den logischen Gesetzen zuwider wäre. - Wir können nämlich von einer »unlogischen« Welt nicht sagen, wie sie aussähe.
3.032 Etwas »der Logik Widersprechendes« in der Sprache darstellen, kann man ebensowenig, wie in der Geometrie eine den Gesetzen des Raumes widersprechende Figur durch ihre Koordinaten darstellen; oder die Koordinaten eines Punktes angeben, welcher nicht existiert.
3.0321 Wohl können wir einen Sachverhalt räumlich darstellen, welcher den Gesetzen der Physik, aber keinen, der den Gesetzen der Geometrie zuwiderliefe.
3.04 Ein a priori richtiger Gedanke wäre ein solcher, dessen Möglichkeit seine Wahrheit bedingte.
3.05 Nur so könnten wir a priori wissen, dass ein Gedanke wahr ist, wenn aus dem Gedanken selbst (ohne Vergleichsobjekt) seine Wahrheit zu erkennen wäre.
skimmie
Zitat:
Original von Nylen
3 Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.

"Logische Bild" erinnert mich an Tangram: Logisch, formal, übersichtlich- dementsprechendwäre also ein Gedanke.

Zitat:
3.1 Im Satz drückt sich der Gedanke sinnlich wahrnehmbar aus.

Wittgenstein wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was die Forschung noch so alles über dieses "sinnlich wahrnehmbar" herausfinden würde. Wahrnehmung basiert (einfach gesagt) auf zwei Konzepte, die simultan und parallel ablaufen: Datensteuerung und Konzeptsteuerung. DS beinhaltet ein 'simples' Schema nach Reiz, Merkmalen und figuraler Synthese; bei KS ist es schon etwas komplizierter, da die Reizmerkmale im Gedächtnis abgeglichen werden und mit noch anderen Merkmalen eine Vergleichsidentifizierung gestartet wird.
Wittgensteins Dalegungen entspricht eher der DS.

Zitat:
3.2 Im Satze kann der Gedanke so ausgedrückt sein, dass den Gegenständen des Gedankens Elemente des Satzzeichens entsprechen.

Bekanntes 1:1 Schema.

Zitat:
3.3 Nur der Satz hat Sinn; nur im Zusammenhang des Satzes hat ein Name Bedeutung.

Also geschlossene Veranstaltung der Sachlichkeit, subjektive Einfärbungen bzw. Bedeutungen sind nicht eingeladen.

Zitat:
3.4 Der Satz bestimmt einen Ort im logischen Raum. Die Existenz dieses logischen Ortes ist durch die Existenz der Bestandteile allein verbürgt, durch die Existenz des sinnvollen Satzes.

OK, Scotty.

Zitat:
3.5 Das angewandte, gedachte Satzeichen ist der Gedanke.

Mhmm...irgendwie verflogen, Scotty? Error- dazu passende Koordinaten nicht gefunden.
Nylen
Hehe zu Satz 3.5 kommen noch Wittgies Erläuterungen. Aber erstmal zu 3.1

3.1 Im Satz drückt sich der Gedanke sinnlich wahrnehmbar aus.
3.11 Wir benützen das sinnlich wahrnehmbare Zeichen (Laut- oder Schriftzeichen etc.) des Satzes als Projektionsmethode der möglichen Sachlage.
Die Projektionsmethode ist das Denken des Satz-Sinnes.
3.12 Das Zeichen, durch welches wir den Gedanken ausdrücken, nenne ich das Satzzeichen. Und der Satz ist das Satzzeichen in seiner projektiven Beziehung zur Welt.
3.13 Zum Satz gehört alles, was zur Projektion gehört; aber nicht das Projizierte.
Also die Möglichkeit des Projizierten, aber nicht dieses selbst.
Im Satz ist also sein Sinn noch nicht enthalten, wohl aber die Möglichkeit, ihn auszudücken.
(»Der Inhalt des Satzes« heißt der Inhalt des sinnvollen Satzes.)
Im Satz ist die Form seines Sinnes enthalten, aber nicht dessen Inhalt.
3.14 Das Satzzeichen besteht darin, dass sich seine Elemente, die Wörter, in ihm auf bestimmte Art und Weise zueinander verhalten.
Das Satzzeichen ist eine Tatsache.
3.141 Der Satz ist kein Wörtergemisch. - (Wie das musikalische Thema kein Gemisch von Tönen.)
Der Satz ist artikuliert.
3.142 Nur Tatsachen können einen Sinn ausdrücken, eine Klasse von Namen kann es nicht.
3.143 Dass das Satzzeichen eine Tatsache ist, wird durch die gewöhnliche Ausdrucksform der Schrift oder des Druckes verschleiert.
Denn im gedruckten Satz z.B. sieht das Satzzeichen nicht wesentlich verschieden aus vom Wort.
(So war es möglich, dass Frege den Satz einen zusammengesetzten Namen nannte.)
3.1431 Sehr klar wird das Wesen des Satzzeichens, wenn wir es uns, statt aus Schriftzeichen, aus räumlichen Gegenständen (etwa Tischen, Stühlen, Büchern) zusammengesetzt denken.
Die gegenseitige räumliche Lage dieser Dinge drückt dann den Sinn des Satzes aus.
3.1432 Nicht: »Das komplexe Zeichen ›aRb‹ sagt, dass a in der Beziehung R zu b steht«, sondern: Dass »a« in einer gewissen Beziehung zu »b« steht, sagt, dass aRb.
3.144 Sachlagen kann man beschreiben, nicht benennen.
(Namen gleichen Punkten, Sätze Pfeilen, sie haben Sinn.)
Nylen
3.2 Im Satze kann der Gedanke so ausgedrückt sein, dass den Gegenständen des Gedankens Elemente des Satzzeichens entsprechen.
3.201 Diese Elemente nenne ich »einfache Zeichen« und den Satz »vollständig analysiert«.
3.202 Die im Satze angewandten einfachen Zeichen heißen Namen.
3.203 Der name bedeutet den Gegenstand. Der Gegenstand ist seine Bedeutung. (»A« ist dasselbe Zeichen wie »A«.)
3.21 Der Konfiguration der einfachen Zeichen im Satzzeichen entsprechen die Konfigurationen der Gegenstände in der Sachlage.
3.22 Der Name vertritt im Satz den Gegenstand.
3.221 Die Gegenstände kann ich nur nennen. Zeichen vertreten sie. Ich kann nur von ihnen sprechen, sie aussprechen kann ich nicht. Ein Satz kann nur sagen, wie ein Ding ist, nicht was es ist.
3.23 Die Forderung der Möglichkeit der einfachen Zeichen ist die Forderung der Bestimmtheit des Sinnes.
3.24 Der Satz, welcher vom Komplex handelt, steht in interner Beziehung zum Satze, der von dessen Bestandteil handelt.
Der Komplex kann nur durch seine Beschreibung gegeben sein, und diese wird stimmen oder nicht stimmen. Der Satz, in welchem von einem Komplex die Rede ist, wird, wenn dieser nicht existiert, nicht unsinnig, sondern einfach falsch sein.
Dass ein Satzelement einen Komplex bezeichnet, kann man aus einer Unbestimmtheit in den Sätzen sehen, worin es vorkommt. Wir wissen, durch diesen Satz ist noch nicht alles bestimmt. (Die Allgemeinheitsbezeichnung enthält ja ein Urbild.)
Die Zusammenfassung des Symbols eines Komplexes in ein einfaches Symbol kann durch eine Definition ausgedrückt werden.
3.25 Es gibt eine und nur eine vollständige Analyse des Satzes.
3.251 Der Satz drückt auf bestimmte, klar angebbare Weise aus, was er ausdrückt: Der Satz ist artikuliert.
3.26 Der Name ist durch keine Definition weiter zu zergliedern: er ist ein Urzeichen.
3.261 Jedes difinierte Zeichen bezeichnet über jene Zeichen, durch welche es definier wurde; und die Definitionen weisen den Weg.
Zwei Zeichen, ein Urzeichen, und ein durch Urzeichen definiertes, können nicht auf dieselbe Art und Weise bezeichnen. Namen kann man nicht durch Definitionen auseinanderlegen. (Kein Zeichen, welches allein, selbständig eine Bedeutung hat.)
3.262 Was in den Zeichen nicht zum Ausdruck kommt, das zeigt ihre Anwendung. Was die Zeichen verschlucken, das spricht ihre Anwendung aus.
3.263 Die Bedeutung von Urzeichen können durch Erläuterungen erklärt werden. Erläuterungen sind Sätze, welche die Urzeichen enthalten. Sie können also nur verstanden werden, wenn die Bedeutungen dieser Zeichen bereits bekannt sind.
Nylen
In den folgenden und im letzten abschnitt baut Wittgenstein seine Logik auf. Wer in moderner formaler Logik vetraut ist, sollte das meiste schon kennen, bzw. hier einen interessanten Einstieg finden. Problem ist die Notation im Text. Diese ist nicht übertragbar ins Forum ohne grossen Aufwand. Sobald ihr also auf Notationen trefft, könnt ihr sie hier richtig nachschauen. http://tractatus.hochholzer.info/index.php?site=main


3.3 Nur der Satz hat Sinn; nur im Zusammenhang des Satzes hat ein Name Bedeutung.
3.31 Jeden Teil des Satzes, der seinen Sinn charakterisiert, nenne ich einen Ausdruck (ein Symbol).
(Der Satz selbst ist ein Ausdruck.)
Ausdruck ist alles, für den Sinn des Satzes Wesentliche, was Sätze miteinander gemein haben können.
Der Ausdruck kennzeichnet eine Form und einen Inhalt.
3.311 Der Ausdruck setzt die Formen aller Sätze voraus, in welchem er vorkommen kann. Er ist das gemeinsame charakteristische Merkmal einer Klasse von Sätzen.
3.312 Er wird also dargestellt durch die allgemeine Form der Sätze, die er charakterisiert.
Und zwar wird in dieser Form der Ausdruck konstant und alles übrige variabel sein.
3.313 Der Ausdruck wird also durch eine Variable dargestellt, deren Werte die Sätze sind, die den Ausdruck enthalten. (Im Grenzfall wird die Variable zur Konstanten, der Ausdruck zum Satz.)
Ich nenne eine solche Variable »Satzvariable«.
3.314 Der Ausdruck hat nur im Satz Bedeutung. Jede Variable lässt sich als Satzvariable auffassen.
(Auch der variable Name.)
3.315 Verwandeln wir einen Bestandteil eines Satzes in eine Variable, so gibt es eine Klasse von Sätzen, welche sämtlich Werte des so entstandenen variablen Satzes sind. Diese Klasse hängt im allgemeinen noch davon ab, was wir, nach willkürlicher Übereinkunft, mit Teilen jenes Satzes meinen. Verwandeln wir aber alle jene Zeichen, deren Bedeutung willkürlich bestimmt wurde, in Variablen, so gibt es nun noch immer eine solche Klasse. Diese aber ist nun von keiner Übereinkunft abhängig, sondern nur noch von der Natur des Satzes. Sie entspricht einer logischen Form - einem logischen Urbild.
3.316 Welche Werte die Satzvariable annehmen darf, wird festgesetzt.
Die Festsetzung der Werte ist die Variable.
3.317 Die Festsetzung der Werte der Satzvariablen ist die Angabe der Sätze, deren gemeinsames Merkmal die Variable ist.
Die Festsetzung ist eine Beschreibung dieser Sätze.
Die Festsetzung wird also nur von Symbolen, nicht von deren Bedeutung handeln.
Und nur dies ist der Festsetzung wesentlich, dass sie nur eine Beschreibung von Symbolen ist und nicht über das Bezeichnete aussagt.
Wie die Beschreibung der Sätze geschieht, ist unwesentlich.
3.318 Den Satz fasse ich - wie Frege und Russell - als Funktion der in ihm enthaltenen Ausdrücke auf.
3.32 Das Zeichen ist das sinnlich Wahrnehmbare am Symbol.
3.321 Zwei verschiedene Symbole können also das Zeichen (Schriftzeichen oder Lautzeichen etc.) miteinander gemein haben - sie bezeichnen dann auf verschiedene Art und Weise.
3.322 Es kann nie das gemeinsame Merkmal zweier Gegenstände anzeigen, dass wir sie mit demselben Zeichen, aber durch zwei verschiedene Bezeichnungsweisen bezeichnen. Denn das Zeichen ist ja willkürlich. Man könnte also auch zwei verschiedene Zeichen wählen, und wo bliebe dann das Gemeinsame in der Bezeichnung?
3.323 In der Umgangssprache kommt es ungemein häufig vor, dass dasselbe Wort auf verschiedene Art und Weise bezeichnet - also verschiedene Symbolen angehört -, oder, dass zwei Wörter, die auf verschiedene Art und Weise bezeichnen, äußerlich in der gleichen Weise im Satz angewandt werden.
So erscheint das Wort »ist« als Kopula, als Gleichheitszeichen und als Ausdruck der Existenz; »existieren« als intransitives Zeitwort wie »gehen«; »identisch« als Eigenschaftswort; wir reden von Etwas, aber auch davon, dass etwas geschieht.
(Im Satze »Grün ist grün« - wo das erste Wort ein Personenname, das letzte ein Eigenschaftswort ist - haben diese Worte nicht einfach verschiedene Bedeutung, sondern es sind verschiedene Symbole.)
3.324 So entstehen leicht die fundamentalsten Verwechselungen (deren die ganze Philosophie voll ist).
3.325 Um diesen Irrtümern zu entgehen, müssen wir eine Zeichensprache verwenden, welche sie ausschließt, indem sie nicht das gleiche Zeichen in verschiednen Symbolen, und Zeichen, welche auf verschiedene Art bezeichnen, nicht äußerlich auf die gleiche Art verwenden. Eine Zeichensprache also, die der logischen Grammatik - der logischen Syntax - gehorcht.
(Die Begriffsschrift Freges und Russells ist eine solche Sprache, die allerdings noch nicht alle Fehler ausschließt.)
3.326 Um das Symbol am Zeichen zu erkennen, muss man auf den sinnvollen Gebrauch achten.
3.327 Das Zeichen bestimmt erst mit seiner logisch-syntaktischen Verwendung zusammen eine logische Form.
3.328 Wird ein Zeichen nicht gebraucht, so ist es bedeutungslos. Das ist der Sinn der Devise Occams.
(Wenn sich alles so verhält als hätte ein Zeichen Bedeutung, dann hat es auch Bedeutung.)
3.33 In der logischen Syntax darf nie die Bedeutung eines Zeichens eine Rolle spielen; sie muss sich aufstellen lassen, ohne dass dabei von der Bedeutung eines Zeichens die Rede wäre, sie darf nur die Beschreibung der Ausdrücke voraussetzen.
3.331 Von dieser Bemerkung sehen wir in Russells »Theory of Types« hinüber: Der Irrtum Russells zeigt sich darin, dass er bei der Aufstellung der Zeichenregeln von der Bedeutung der Zeichen reden musste.
3.332 Kein Satz kann etwas über sich selbst aussagen, weil das Satzzeichen nicht in sich selbst enthalten sein kann (das ist die ganze »Theory of Types«).
3.333 Eine Funktion kann darum nicht ihr eigenes Argument sein, weil das Funktionszeichen bereits das Urbild seines Arguments enthält und es sich nicht selbst enthalten kann.
Nehmen wir nämlich an, die Funktion F(fx) könnte ihr eigenes Argument sein; dann gäbe es also einen Satz: »F(F(fx))« und in diesem müssen die äußere Funktion F und die innere Funtion F verschiedene Bedeutungen haben, denn die innere hat die Form Æ(fx), die äußere die Form È(Æ(fx)). Gemeinsam ist den beiden Funktionen nur der Buchstabe »F«, der aber allein nichts bezeichnet.
Dies wird sofort klar, wenn wir statt »F(Fu)« schreiben »($Æ):F(Æu).Æu=Fu«.
Hiermit erledigt sich Russells Paradox.
3.334 Die Regeln der logischen Syntax müssen sich von selbst verstehen, wenn man nur weiß, wie ein jedes Zeichen bezeichnet.
3.34 Der Satz besitzt wesentliche und zufällige Züge.
Zufällig sind die Züge, die von der besonderen Art der Hervorbringung des Satzzeichens herrühren. Wesentlich diejenigen, welche allein den Satz befähigen, seinen Sinn auszudrücken.
3.341 Das Wesentliche am Satz ist also das, was allen Sätzen, welche den gleichen Sinn ausdrücken können, gemeinsam ist.
Und ebenso ist allgemein das Wesentliche am Symbol das, was alle Symbole, die denselben Zweck erfüllen können, gemeinsam haben.
3.3411 Man könnte also sagen: Der eigentliche Name ist das, was alle Symbole, die den Gegenstand bezeichnen, gemeinsam haben. Es würde sich so successive ergeben, dass keinerlei Zusammensetzung für den Namen wesentlich ist.
3.342 An unseren Notationen ist zwar etwas willkürlich, aber das ist nicht willkürlich: Dass, wenn wir etwas willkürlich bestimmt haben, dann etwas anderes der Fall sein muss. (Dies hängt von dem Wesen der Notation ab.)
3.3421 Eine besondere Bezeichnungsweise mag unwichtig sein, aber wichtig ist es immer, dass diese eine mögliche Bezeichnungsweise ist. Und so verhält es sich in der Philosophie überhaupt: Das Einzelne erweist sich immer wieder als unwichtig, aber die Möglichkeit jedes Einzelnen gibt uns einen Aufschluss über das Wesen der Welt.
3.343 Definitionen sind Regeln der Übersetzung von einer Sprache in eine andere. Jede richtige Zeichensprache muss sich in jede andere nach solchen Regeln übersetzen lassen: Dies ist, was sie alle gemeinsam haben.
3.344 Das, was am Symbol bezeichnet, ist das Gemeinsame aller jener Symbole, durch die das erste den Regeln der logischen Syntax zufolge ersetzt werden kann.
3.3441 Man kann z.B. das Gemeinsame aller Notationen für die Wahrheitsfunktion so ausdrücken: Es ist ihnen gemeinsam, dass sich alle - z.B. - durch die Notation von »~« (»nicht p«) und »pÚq« (»p oder q«) ersetzen lassen.
(Hiermit ist die Art und Weise gekennzeichnet, wie eine spezielle mögliche Notation uns allgemeine Aufschlüsse geben kann.)
3.3442 Das Zeichen des Komplexes löst sich auch bei der Analyse nicht willkürlich auf, so dass etwa seine Auflösung in jedem Satzgefüge eine andere wäre.
Der Russe
Ich möchte versuchen, dieses Thema wieder zu beleben.

Ich habe gerade begonnen, den ersten Satz des Textes zu lesen.

Satz 1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.

Frage 1: Ist bzw. zeigt Satz 1 eine Tatsache?

Satz 2: Die Tatsache ist das Bestehen von Sachverhalten.

Frage 2: Besteht also Satz 1 als Sachverhalt?

Satz 2.01: Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen.)

Frage 2.01: Ist Satz 1 als Sachverhalt eine Verbindung von Gegenständen?

Antwort 2.01(1): Ja, "Die Welt" und "alles, was der Fall ist" vertreten Gegenstände.

=>..............

Antwort 2.01(2): Nein. - Frage 2.01(2): Wofür stehen "Die Welt" und "alles, was der Fall ist"?

Antwort 2.01(2.1): "Die Welt" steht für "alles, was der Fall ist", und "alles, was der Fall ist" steht für "Die Welt".

Hieraus:

=> Satz 1 ist keinem Sachverhalt zuzuordnen, weder einem bestehenden noch einem nicht-bestehenden.

=> Satz 1 ist bzw. zeigt keine Tatsache.

=> Satz 1 zeigt keine (oder keinen Teil der) Welt.

Weiter komme ich momentan nicht. Die Sprache ist zu schwer...

An dieser Stelle folgende Frage: In welcher Sprache ist Tractatus geschrieben?
Nylen
Hallo.

verstehe ich das richtig, dass du kein Deutscher bist, sondern evt. Russe smile

Der Traktatus wurde ursprünglich in Deutsch geschrieben und von Bertrand Russel ins Englische übertragen so ich weiss.

Du hast völlig recht, dass Satz 1 weder einen Sachverhalt beschreibt, noch entsprechend eine Tatsache ist. Wittgenstein spricht bei Sätzen dieser Art von "unsinnigen Sätzen"

So ist auch der vorletzte Satz des Traktatus zu verstehen:

Zitat Wittgenstein :

6.54 Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)
Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
Der Russe
Ja, in der Tat, ich bin ein "Russe". Aber ich glaube, man kann von mir nicht mehr sinnvoll als von einem echten (also dem Bild eines Russen entsprechend) Russen sprechen...

Also, das war ja meine Frage mit der Sprache des Tractatus, die du beantwortet hast. Die Sprache des Tractatus ist somit eine unsinnige Sprache. Der Text sagt uns also nichts.

Er muss aber doch etwas "zeigen". Ich hoffe dann bei weiterer Lektüre zu sehen, was er zeigt.

Aber im Augenblick habe ich etwas im Sinn, was mich beim ganzen Vorhaben des Autors doch ein wenig stört.

Was diktiert genau diese Wortwahl des Textes - die logische Struktur der Argumentationen, die den Text zusammenhalten, oder die Bedeutung der einzelnen benutzten Wörter?
Nylen
Zitat:
Original von Der Russe
Ja, in der Tat, ich bin ein "Russe". Aber ich glaube, man kann von mir nicht mehr sinnvoll als von einem echten (also dem Bild eines Russen entsprechend) Russen sprechen...


Ich habe kein Problem mit echten oder falschen Russen Zwinker

Zitat:

Also, das war ja meine Frage mit der Sprache des Tractatus, die du beantwortet hast. Die Sprache des Tractatus ist somit eine unsinnige Sprache. Der Text sagt uns also nichts.


Der Text ist Unsinnig, das ist aber Metaphysik. Er beschreibt keine äussere Wirklichkeit, wohl aber eine gewisse Logik der Sprache.

Zitat:

Was diktiert genau diese Wortwahl des Textes - die logische Struktur der Argumentationen, die den Text zusammenhalten, oder die Bedeutung der einzelnen benutzten Wörter?


Beides. Die Wörter scheinen vertraut und doch sind sie genauestens defeniert, im Rahmen des Traktat. Die Struktur des Traktats ist eine eher literarische Hochleistung als eine philosophische wie ich finde. Der Text hat eine Tiefenstruktur. Desto tiefer man dringt von 2 zu 2.0 zu 2.00 zu 2.000 etc desto mehr erläutert sich der Text.