Soll man an die Hölle glauben?

mr.monks
Zitat:
willst du mich jetzt aufm arm nehmen? was hat menschliche judikative mit göttlichem gerechtigkeitssystem zu tun? und, wird gott wirklich ein paar menschen einfach so vergessen wollen oder sie übersehen? ausserdem liegt der tod nicht in gottes hand, und gott kann ein neugeborenes leben nicht als gut oder schlecht bewerten, denn es kann noch keine verbrechen begangen haben. gottes gerechtigkeitssystem greift also nicht.

ALLES haben die beiden miteinander zu tun. Wenn du auch nur im Ansatz verstanden hättest, was ich schreibe, dann wüsstest du das.
Nochmal. Versteht man das Gericht Gottes als eine letztgültige Instanz, vor der jeder Verbrecher das bekommt, was er verdient, dann ergibt alles, was ich geschrieben habe einen Sinn. Die Hölle wäre dann ein Teil der Gerechtigkeit und damit für einen Menschen, dem Unrecht wiederfahren ist, das er aber nicht begleichen kann, etwas durchaus wünschenswertes.
Verstehst du endlich und antwortest mir auf das, was ich schreibe?
Ahorn
Und mir ist das ein Rätsel warum diese Gläubigen meist immer so verspannt sind. gruebel
Sun Deluge
Zitat:
Ahorn
Und mir ist das ein Rätsel warum diese Gläubigen meist immer so verspannt sind.
weil es darum geht, dass es angeblich ein besseres leben nach dem tod geben könnte um das man kämpfen sollte, also das leben was sie nie zu lebzeiten gehabt haben. die seele soll nicht verloren gehen oder so was. hat vielleicht auch andere gründe. mir wäre lieber, wenn ich kein leben nach dem tode habe.


@ mr.monks

*gähn*
ach so, ein rache-gott auch noch.
auch verbrecher kommen ins jenseits, wenn sie an gott glauben, nicht in die hölle. aber ich glaube auch nicht ans jenseits oder himmel oder paradies etc. ich glaube an das nichts nach dem leben, der geist wird ausgeschaltet und die einzige gerechtigkeit wird der tod sein, denn vor ihm wird keiner weglaufen.

im allgemein: diese theoretischen spekulationen sind mir zu gewagt, ich bin raus. das was ich vermute habe ich geschrieben, fertig.

'Soll man an die Hölle glauben?'
da reicht auch ein einfaches: glaub wie dir recht ist.
mr.monks
Zitat:
da reicht auch ein einfaches: glaub wie dir recht ist.

Ausgezeichnet. Dann habe ich also deine Erlaubnis weiterhin nicht an die Hölle zu glauben? Zwinker
Traumhaft.
Zitat:
mir wäre lieber, wenn ich kein leben nach dem tode habe

Jeder nach seiner Façon...

Zitat:
ach so, ein rache-gott auch noch.

Ja. Da kommen wir zum ersten Mal in einer deiner Äußerungen an etwas, das in einem Bild der Hölle möglicherweise ein Problem darstellt.
Dörthe
Zitat:
Original von Ahorn
Und mir ist das ein Rätsel warum diese Gläubigen meist immer so verspannt sind. gruebel


hehe , jap wir habenauch nen streng gläubigen Christen und nen *Glaubensgemeinschaft* in der Klasse... ist immer unterhaltsam...xD

Also Frieden?
mr.monks
Wollen wir uns wieder dem Thema widmen?

Unterteilen wir die Frage etwas:
1. Was ist die Hölle?

Hier hatten Sun Deluge und ich eine kleine Differenz.

2. Gibt es eine Hölle?

Diese Frage zu diskutieren hätte wenig Sinn, aber eine Antwort darauf beendet die Diskussion, ob man an die Hölle glauben soll.

3. Was für Gründe gibt es, (nicht) an die Hölle zu glauben?

4. Soll man an die Hölle glauben? (Im Sinne von: Ist es Sinnvoll an die Hölle zu glauben)

5. Sollte man an die Hölle glauben? (Teilfrage von 3. und gilt nur für den Fall, dass man nicht an die Hölle glaubt)

Ich persönlich finde es interessant, dass die Frage hier als eine Frage der Norm gestellt ist. Ich habe die Frage des Glaubens nie als ein "sollen" oder "nicht-sollen" empfunden, sondern mehr als einen Zustand.
Kai
Einen Menschen oder ein anderes Schmerz und Leid bewusst erlebendes Wesen zu quälen, ist ein Verbrechen. In allen Ländern der Welt. Zumindestens der Theorie nach. Und einen Menschen oder ein anderes Schmerz und Leid bewusst erlebendes Wesen für alle Ewigkeit zu quälen, ist ein in seiner Scheußlichkeit nicht mehr überbietbares Verbrechen. Und die Androhung eines in seiner Scheußlichkeit nicht mehr überbietbaren Verbrechens ist selbst ein abscheuliches Verbrechen.

Das schlimme ist, dass kleinen Kindern, lange bevor die in der Lage sind, darüber kritisch nachzudenken, der Glauben an eine Hölle eingeimpft wird. Und was man uns in unserer Kindheit anerzieht, wird uns häufig zur zweiten Natur. Menschen, die in ihrer Kindheit nichts von der Hölle gehört haben, haben später auch mit der Hölle kein Problem. Ein Problem haben damit leider viele von denen, die in der Kindheit Opfer religiöser Indoktrination wurden.
Locksmith
Christologisch betrachtet ist die Hölle einerseits ein Ort, wo nichts Gutes herrscht und daher auch Gottes Gnade nicht hinreichen kann, um die Seelen der Menschen zu trösten, und andererseits ein Ort, wo sich Gottes Gerechtigkeit manifestiert, indem diejenigen Seelen, welche Zeit ihres Lebens nur Böses getan haben, ihre gerechte Strafe erhalten. Sie ist darum die geistliche Perfektion der menschlichen Vorstellung, dass jede böse Tat auch bestraft werden muss, während der Himmel die geistliche Perfektion unseres immanenten Wollens ist, dass jede gute Tat auch belohnt wird.

Für mich kann die Hölle aber auch schon Ausdruck eines irdischen Zustandes sein, nämlich jenes geistigen Zustandes, in welchem der Mensch versucht, ganz ohne Glauben zu leben, und dagegen alles seinem eigenen Verstand unterordnet. Da nämlich der Verstand nur urteilen kann, seine Urteile aber keineswegs nur objektiv sind, sondern fast immer einen Wertgehalt aufweisen, führt dies fast immer auch zur Ver-urteilung, und da der Verstand sich nicht nur auf äußere Objekte richtet, sondern regelmäßig das eigene Subjekt zum Gegenstand hat, in letzter Instanz auch zur Verurteilung des eigenen Subjekts. - Dies aber ist die Hölle, dass man sein eigener Richter und sein eigener Angeklagter ist, und sich dem Gericht darum nicht entziehen kann. Gleichzeitig gibt es nicht die geringste Hoffnung auf einen Freispruch, weil man sich im Zuge seiner Verteidigung in immer größere Widersprüche verstricken muss, dem der eigene Richter (der Verstand) mit absoluter Sicherheit nachspüren kann, da er ja sozusagen ein Hausgenosse des Angeklagten ist. Doch auch zu einer abschließenden Verurteilung kommt es nicht, denn der Angeklagte hat ja das Recht, sich selber zu verteidigen, und davon macht er auch ausreichend Gebrauch, fürchtet er doch, dass er sein Leben verlieren könnte, wenn er es nicht tut. So wird der Prozess bis in die Ewigkeit verlängert, da die Gegner absolut ebenbürtig sind, und es muss dem Angeklagten schließlich bewusst werden, dass dies bereits die gefürchtete Bestrafung ist, und der Gerichtssaal bereits das eigentliche Gefägnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Es gibt daher nur 2 Möglichkeiten dieser "Hölle" zu entkommen:

1.) der Verstandesmensch begeht Selbstmord und entflieht somit den ganzen Selbstvorwürfen, die ihn ohnehin nur mehr quälen. Er hat dabei allerdings auch sein Leben aufgegeben, und damit gerade das verloren, was er durch seine Verteidigung zu retten gesucht hat. Sein Leben ist damit verwirkt und er wurde Opfer seiner eigenen Selbstgerechtigkeit.

2.) er glaubt und suspendiert damit seinen eigenen Verstand. Wieder metaphorisch gesprochen bedeutet dies: das Gericht wird aufgehoben, der Richter wird wegen Befangenheit seines Amtes enthoben, die Verhandlung ist zu Ende; ODER: das Gericht bleibt zunächst bestehen, aber ein weiterer Fürsprecher tritt auf, ein Anwalt, der sich auf einen Rechtsgrund beruft, den das Gericht ohne weiteres Zögern akzeptieren muss: "Begnadigung von ganz oben" - die Verhandlung ist zu Ende. Der Angeklagte ist frei.



Was dieses letzte Verständnis von Hölle angeht, glaube ich, muss man nicht daran glauben, sondern sie existiert mE bereits hier und jetzt, egal ob in den Gerichtssälen menschlicher Selbstgerechtigkeit oder in den rauchenden Köpfen skeptischer Philosophen. Dagegen würde sowohl hier als auch dort ein bisschen Glauben an das Gute im Menschen nicht schaden.



LS



PS: sorry für die vielen Bilder. Manchmal wirkt meine Sprache etwas blumig. Zwinker
Kai
Den Strenggläubigen der verschiedensten Religionen geht es nicht darum, ob Menschen Böses getan haben, sondern ob sie die richtige - also ihre! - Religion haben. Wer die falschen Götter - die Götter anderer Religionen - anbetet, wird bestraft. Mit ewiger (!) Folter.

"So jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird von dem Wein der Zornes GOttes trinken, der eingeschenket und lauter ist in seines Zornes Kelch; und wird gequälet werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht ... Und der Teufel, der sie verführete, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da das Tier und der falsche Prophet war; und werden gequälet werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit."

Aus "Die Offenbarung des Johannes", ein Teil der Bibel. Eine psychopathische Rachephantasterei auf dem Niveau von Grimms Märchen.
(U. a. hier nachlesbar zur Erheiterung oder zum Gruseln: http://www.awmach.org/BL5/re.htm)
Jay Ray
Zitat:
Original von Kai
Eine psychopathische Rachephantasterei auf dem Niveau von Grimms Märchen.

Hmm - funktional würde ich es eher als ins Genre "Angst+Ekel-Propaganda" einreihen, der die Gegner einschüchtern - und vor allem auch Wankelmütige aus den eigenen Reihen davon abhalten soll, abtrünnig zu werden. Je wirksamer der emotionale Eindruck durch solche Geschichten vermittelt werden kann, desto weniger physische Repressalien wie zB öffentliche Hinrichtungen sind als Anschauungsmaterial nötig.

Dies natürlich vor dem Hintergrund, daß die betreffende Gruppe oder "Clan" die Integrität der eigenen Identität (meist in der Gestalt ihrer Ideologie und ggf ihrer Riten) über alles andere in der Welt stellt - und sich dessen bewußt ist, kein konkurrenzlos attraktives Angebot zu haben, dh sich schwach und potentiell existenzbedroht fühlt.

Die großen Kriegsparteien der letzten Weltkriege haben es ganz ähnlich gemacht - egal ob böse judenkapitalkommunuistische Weltverschwörung oder böse Nazikrauts - oder die bösen Postfaschisten westlich des Schutzwalls, oder die bösen nahöstlichen Diktatoren mit ihren verschollenen Massenbushmessern....

Also alles kein Phänomen, das exklusiv bei einer oder mehreren Religionen auftreten würde.

Wenn "Hölle"heutzutage hierzulande.kein großes Thema ist (von Terrorangst mal abgesehen), liegt es nicht zuletzt daran, daß wir ein offenbar attraktives System haben, bei dem die Leute eher zu uns überlaufen als umgekehrt - dh die eigenen Leute auch ohne Angst vor Strafe wegen Republikflucht dableiben.
mr.monks
Zitat:
Original von Locksmith
Christologisch betrachtet ist die Hölle einerseits ein Ort, wo nichts Gutes herrscht und daher auch Gottes Gnade nicht hinreichen kann, um die Seelen der Menschen zu trösten, und andererseits ein Ort, wo sich Gottes Gerechtigkeit manifestiert, indem diejenigen Seelen, welche Zeit ihres Lebens nur Böses getan haben, ihre gerechte Strafe erhalten. Sie ist darum die geistliche Perfektion der menschlichen Vorstellung, dass jede böse Tat auch bestraft werden muss, während der Himmel die geistliche Perfektion unseres immanenten Wollens ist, dass jede gute Tat auch belohnt wird.


Christologisch ist das ein ziemlicher Unsinn

@ Kai
Ich wäre vorsichtig damit was ich zitiere. Die Offenbarung des Johannes ist eines der schwierigsten und eines der am meisten missverstandenen Bücher.
Ahorn
Zitat:
Hmm - funktional würde ich es eher als ins Genre "Angst+Ekel-Propaganda" einreihen, der die Gegner einschüchtern - und vor allem auch Wankelmütige aus den eigenen Reihen davon abhalten soll, abtrünnig zu werden. Je wirksamer der emotionale Eindruck durch solche Geschichten vermittelt werden kann, desto weniger physische Repressalien wie zB öffentliche Hinrichtungen sind als Anschauungsmaterial nötig.

Aber wie könnte man diese armen Menschen den helfen (?)
Ich versuche sie einfach als ein Naturereignis zu sehen, sie werden schon irgend einen Sinn erfüllen wie viele andere Dinge auch.
Qu_ner
Hi Ahorn,

meinst du wirklich, daß die Natur damit was zu tun hat? Ich denke, es sind die althergebrachten menschlichen Schwächen wie Macht, Landgewinn, Reichtum, Besitz...
Gruß, Qu
Neophyt
Zitat:
weil es darum geht, dass es angeblich ein besseres leben nach dem tod geben könnte um das man kämpfen sollte, also das leben was sie nie zu lebzeiten gehabt haben. die seele soll nicht verloren gehen oder so was.


Angenommen es gibt eine Seele bedeutet dies noch nicht das man nach dem Tod in eine bessere Welt(Himmel) oder einer extrem negativen Welt(Hölle) kommt. Villeicht ist die Welt nach dem Tod ja genauso mies wie diese Welt hier.^^
Locksmith
Zitat:
Den Strenggläubigen der verschiedensten Religionen geht es nicht darum, ob Menschen Böses getan haben, sondern ob sie die richtige - also ihre! - Religion haben. Wer die falschen Götter - die Götter anderer Religionen - anbetet, wird bestraft. Mit ewiger (!) Folter.

Woher weißt du, worum es den "Strenggläubigen" geht? Hast du schon mit einem "Strenggläubigen" darüber gesprochen? Wie viele "Strenggläubige" kennst du, und wie viele davon haben dich mit der Hölle bedroht, falls du nicht zu ihrem Glauben übertrittst? Sind das nicht extreme Klischees, die du hier präsentierst? Wo sind die Fundierungen, Beweise, Statistiken? - Bitte schön!

Ich selber gehe auch in eine Gemeinde und ich habe tatsächlich immer wieder versucht, die Gemeinde zu verlassen, weil ich aus persönlichen Gründen immer wieder an Gott gezweifelt habe. Trotzdem hat mich keiner mit der Hölle bedroht, als ich meinen Entschluss geäußert hatte, mich von Gott abzukehren. Noch weniger war so etwas wie die Hölle auch der Grund, mich der Gemeinde und somit "Gott" wieder zuzuwenden. Es mag so fanatische Gemeinden geben oder Sekten, wo dieses oder ähnliches Verhalten der Brauch ist (ich denke da zB an *Sekte*), aber die Regel unter "normalen" staatlich anerkannten Gemeinden ist es keinesfalls.

Falls du nun meinst, du hättest nicht über bestimmte Gemeinden geredet, sondern über die Religion als solches, dann sollte dir bewusst sein, dass es die Religion als solches nicht gibt (wie auch schon einer meiner Vorredner richtigerweise festgestellt hat). Es gibt nur "religiöse Menschen"! Unter diesen mag es einige Fanatiker geben, Menschen, die ihre Religion dazu verwenden, um andere zu unterdrücken, oder um sich selber besser zu fühlen. Aber das zeigt nur die Möglichkeit auf, dass Religion auch für autoritäre Zwecke mißbraucht werden kann, was jedoch genauso in Familien, Schulklassen, Arbeitsplätzen und vermeintlich demokratischen Staaten möglich ist!

Wie gesagt - ich selber glaube an keine Hölle, die erst dort anfängt, wo das Leben zu Ende geht, sondern ich glaube einfach, dass es an einem selber liegt, ob man sein Leben zum Himmel oder zur Hölle macht.
Kai
@mr.monks
Zitat:
Die Offenbarung des Johannes ist eines der schwierigsten und eines der am meisten missverstandenen Bücher.

Ich vermute, ein oder mehrere verfolgte Christen im Römischen Reich haben sich diese göttliche Strafaktion gegen die Menschheit zusammenphantasiert. Vielleicht hatte auch irgendjemand eine richtige Psychose. Als dann im 4. Jahrhundert die Bibel zusammengestellt wurde und viele frühchristliche Schriften wegen allzu großer Kindlichkeit und Albernheit nicht aufgenommen wurden, da schaffte es doch noch die Offenbarung des Johannes hineinzurutschen. Und einmal drin, musste sie natürlich wahr sein. Und als man dazu überging, die Geschichte nicht mehr wörtlich zu nehmen, musste sie ein tieferen Sinn haben. Und einen solchen tieferen Sinn zu finden oder zu konstruieren, dass ist allerdings sehr schwierig.

@Locksmith

Zitat:
Woher weißt du, worum es den "Strenggläubigen" geht? Hast du schon mit einem "Strenggläubigen" darüber gesprochen? Wie viele "Strenggläubige" kennst du, und wie viele davon haben dich mit der Hölle bedroht, falls du nicht zu ihrem Glauben übertrittst? Sind das nicht extreme Klischees, die du hier präsentierst? Wo sind die Fundierungen, Beweise, Statistiken? - Bitte schön!

Du scheinst dich nicht gut mit der Geschichte auszukennen. Z. B. mit der Geschichte der Weltreligionen Christentum und Islam. Dort war es bis vor kurzem die offizielle Linie (Fundamentalisten sehen das weiterhin so!), dass nur die Gläubigen der eigenen Gruppe in den Himmel kommen. Die Katholische Kirche hat erst im 20. Jahrhundert in Erwägung gezogen, dass auch evangelische Christen in den Himmel kommen können. Von Moslems mal ganz abgesehen. Und die strenggläubigen Moslems gehen davon aus, dass alle Christen in der Hölle landen werden. Agnostiker wie ich sowieso. Nun hab ich allerdings vor dem Teufel soviel Angst wie vor Gargamel.
mr.monks
Zitat:
Original von Kai
Ich vermute, ein oder mehrere verfolgte Christen im Römischen Reich haben sich diese göttliche Strafaktion gegen die Menschheit zusammenphantasiert. Vielleicht hatte auch irgendjemand eine richtige Psychose. Als dann im 4. Jahrhundert die Bibel zusammengestellt wurde und viele frühchristliche Schriften wegen allzu großer Kindlichkeit und Albernheit nicht aufgenommen wurden, da schaffte es doch noch die Offenbarung des Johannes hineinzurutschen. Und einmal drin, musste sie natürlich wahr sein. Und als man dazu überging, die Geschichte nicht mehr wörtlich zu nehmen, musste sie ein tieferen Sinn haben. Und einen solchen tieferen Sinn zu finden oder zu konstruieren, dass ist allerdings sehr schwierig.


Der Prozess, in dem die Johannesoffenbarung in den Kanon aufgenommen wurde, war alles andere als ein "hineinrutschen". Die Bücher wurden sehr genau auf ihre Christologie und Gotteslehre untersucht und natürlich versuchte man nur Schriften aufzunehmen, bei denen man die Verfasserschaft für apostolisch hielt.
Die Schwierigkeit in der Interpretation der Johannesoffenbarung liegt nun aber darin, dass die Bildsprache alles andere als eindeutig ist. Ich will mal versuchen, dir das an dem Textabschnitt klarzumachen, den du herangezogen hast.
Ich will jetzt mal nicht der Frage nachgehen in wieweit es schon ein Problem ist, eine Übersetzung von 1545 zu verwenden. Immerhin sind andere Texte aus dieser Zeit auch nicht unmittelbar verständlich.
Zitat:
"So jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird von dem Wein der Zornes GOttes trinken, der eingeschenket und lauter ist in seines Zornes Kelch; und wird gequälet werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht ... Und der Teufel, der sie verführete, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da das Tier und der falsche Prophet war; und werden gequälet werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit."

Frage 1: Wer ist das Tier?
Frage 2: Was bedeutet das Malzeichen?
Frage 3: Was bedeuten diese Tatsachen für uns?
Frage 4: Ist das alles wörtlich oder Symbolisch zu verstehen?
Frage 5: Inwieweit versteht man den Text sogar bewusst falsch, wenn man ihn wörtlich nimmt?
etc.
Wenn du auf alle diese Fragen eine Antwort hast, dann können wir mal drüber reden, ob du den Text richtig verstehst.
Wiegesagt. Mit der Offenbarung wäre ich sehr vorsichtig"
Rebecca
Mr. Monks schrieb:

<<Aber vielleicht leben wir schon in der besten aller möglichen Welten. So sagt zumindest glaube ich Leibniz. <<

Wenn Leibniz in Bezug auf das Theodizee-Problem dies schrieb, dann war jedoch die Grundthese, dass Gott "geübt" hatte, sprich: Dass er mehrere Welten geschaffen habe und diese jetzt, auf der wir leben, er als die beste befand.
Diese Aussage nun ist sicherlich eine im Zuge der Gesamtheit der Theodizee- Problematik eine zu überdenkende.

Es heißt nicht, dass diese Welt die nunmehr beste und daher nicht mehr verbesserungsfähig wäre. So behält sich "Gott" also vor, diese mal zu zerstören! Wer ist dann Schuld? Na, wer schon. Die "unvollkommen Geschaffenen". Gott zerstört dann sein eigenes Werk.
Üben, üben, üben! großes Grinsen

Apropos Hölle: Lt. Sartre sind das "die anderen".

"Die Hölle" ist ein pobates Mittel der christlichen Religion, ihre "Schäfchen" bei der Stange, sprich: "lieb und folgsam" zu halten.
Brav die Kirchensteuern zu zahlen - früher war das mit dem Ablass schon recht gut, da konnte man sich wenigstens eine Zeit erkaufen, damit man nicht allzu lange in der"Zwischenstation" verharren musste. Fegefeuer genannt.
Was als "Verbrechen" zählte - so es denn ein Gläubiger beging - war natürlich auch sehr interpretationsfähig. Ausgelegt von der "Geschäftsführung" in Rom. Töten war immer dann gut, so es denn die Vernichtung der "Nichtchristen" betraf. Jedoch, so man denn anderen zu Leibe rückte, ab in den "Untergrund".
"Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren...."

Auch ich glaube daran, dass es später auch noch "etwas" gibt. Aber eben anders. Und keinesfalls kleine rote Teufelchen, die Feuer anzünden und rumpieksen. Sorry.

Ethische und moralische Richtlinien - meinetwegen auch die Gebote der Steintafeln - als Richtlinien - okay. Ansonsten gibt es so etwas wie "Gewissen". Und entgegen diesem zu handeln - und zwar hier und heute und auf unserer Welt - das ist die Strafe, das ist die Hölle. Des Einzelnen. Seine Schuld zu tragen, darunter zu leiden.
"Ein gutes Gewissen, ist ein sanftes Ruhekissen" befanden unsere Großeltern. Nun, manche "Gewissen" sind auch weit gesteckt... gruebel

Schlimm, dass die Kinder immer noch mit Märchen vom "schwarzen Mann" belastet werden. Der "Höllenschlund" sollte jedenfalls nicht mehr gelehrt werden.

Also: Don´t worry, be happy! roll

Freundliche Grüße
Rebecca winken
Reinhard
Zitat:
Original Rebecca :

"Die Hölle" ist ein pobates Mittel.....


Hallo Rebecca, war mir doch gleich so, hab es nur nicht auszusprechen gewagt : Alles im *Hintern*. Wie Du die Dinge immer auf den Punkt bringst, erstaunlich. Da bin ich doch glatt bei Dir.

Mit netten Grüßen
Reinhard großes Grinsen
Rebecca
Zitat:
Original von Reinhard Schauer
Zitat:
Original Rebecca :

"Die Hölle" ist ein pobates Mittel.....


Hallo Rebecca, war mir doch gleich so, hab es nur nicht auszusprechen gewagt : Alles im *Hintern*. Wie Du die Dinge immer auf den Punkt bringst, erstaunlich. Da bin ich doch glatt bei Dir.

Mit netten Grüßen
Reinhard großes Grinsen


Danke Reinhard. Manchmal ist das ja so,: Warum einfach, wenn´s auch umständlich geht? großes Grinsen

Nette Grüße
Rebecca winken