Exebeche
Menschliches Verhalten ist fast ausschließlich Affenverhalten.
Wenn man Berichte von Forschern hört, die das Verhalten von Affen studieren glauben Menschen immer wieder festzustellen, wie erstaunlich ähnlich die Affen in ihrem Verhalten dem unseren doch eigentlich sind.
Dabei ist es mehr als auf der Hand liegend, dass umgekehrt das menschliche Verhalten aus dem der Affen hervorgegangen ist.
In einer etwas radikaleren Formulierung heißt das:
Menschliches Verhalten ist fast ausschließlich Affenverhalten.
Obwohl wir in der Lage sind uns zu reflektieren und zu hinterfragen, macht das den allergeringsten Teil unseres Denkens aus.
Der Großteil ist dominiert von intuitiven Entscheidungen, die unsere unbewussten Hirnbereiche uns vorgeben.
So sind wir etwa in der Lage mit Zahlen zu jonglieren wie kein anderes Lebewesen, jedoch wie verwenden wir es?
Wir rechnen uns z.B. aus, wie wir das teure Auto finanzieren, aber dass wir das teure Auto haben wollen ist eine Entscheidung, die unbewusst getroffen wird, weil etwas tief in uns drin weiß, dass wir damit einfach besser aussehen, wenn wir der Kleinen Blonden vom obersten Stockwerk nächstes mal im Parkhaus generös den Vortritt lassen.
Unsere Fähigkeit mit Sprache und Zahlen umzugehen hat ganz erstaunliche Blüten getrieben, doch von unserer Affennatur hat sie uns längst nicht befreit.
Wenn ich mich in unserer westlichen Kultur umsehe, sehe ich eine Zivilisation, in der die Menschen von einer Lustquelle zur nächsten getrieben werden, in ständigem Bemühen etwas darzustellen als das sie gerne wahrgenommen werden wollen. Unmengen von Energie fließen in dieses Bestreben von Menschen als etwas bestimmtes wahrgenommen zu werden.
In anderen Teilen der Welt, wie z.B. in bestimmten Ländern Afrikas ist das Leben sogar von Mechanismen dominiert, die man nicht einmal auf Affenverhalten zurückführen kann, sondern dort findet eine so gnadenlose evolutionäre Auslese statt, dass die Menschen garnicht anders können als nach den Regeln der Evolution spielen und den angeborenen Verhaltensweisen folgen, die wir Menschen-Affen nach wie vor beherrschen.
Halten wir also fest: Wir Menschen-Affen verfügen über einen Hirnbereich, der uns Fähigkeiten gibt, mit denen wir erstaunliche und bewundernswürdige Ergebnisse hervorgebracht haben.
Er unterscheidet uns allerdings nur graduell von unseren Vorfahren.
Interessanterweise ist gerade eine weitere Bastion im Fallen begriffen:
Die Moral ist eine Eigenschaft, von der viele seit langem dachten, sie mache den eigentlichen Unterschied zwischen Mensch und Affe aus.
Es gibt klare Hinweise darauf, dass Affen bereits ein ausgeprägtes Verständnis von Fairness besitzen:
"Zwei Tiere im benachbarten Käfig mussten eine Aufgabe lösen, was sie auch gemacht haben. Als Belohnung bekamen sie eine Gurke, die sie nicht besonder mögen, aber trotzdem fressen. Dann aber erhielt eines der Tiere statt einer Gurke Weintrauben, ein echter Leckerbissen für Kapuzineraffen. Das andere Tier bekam weiter die ungeliebte Salatgurke. Doch der Gurkenempfänger hat sofort erkannt, dass er mit zweitklassigem Futter abgespeist wurde, hat das Interesse an der Aufgabe verloren und wütend die Gurke auf uns geschmissen."
( Aus SWR2 Wissen 27.08.09, "Das selbstlose Ich", Klaus Wilhelm - Manuskript + Podcast )
Im gleichen Manuskript ist auch beschrieben, dass Affen mit Artgenossen, die ihnen häufig das Fell kraulen deutlich öfter das Futter teilen.
In einem Beitrag von Spiegel online (den ich jetzt nicht mehr finde) ist die Rede davon, dass unser Sinn für Gerechtigkeit beim Teilen aus Neid hervorgegangen ist.
Wie wir sehen hat also die Evolution selbst diese Blüten getrieben.
Dieser Sinn ist etwas Primitives, was uns gegebenenfalls auch den (in den Medien geradezu archetypisch auftauchenden) Trieb zur Rache einpflanzt, der so stark werden kann, dass sogar der Überlebenswille dahinter zurücktritt.
Damit dürfte auch klar sein, dass unser Sinn für Gerechtigkeit keine über alle Dinge erhabene Größe darstellen kann.
Die Rache als Instrument von Gerechtigkeit kann dann durchaus funktionabel sein, wenn die anderen Artgenossen wissen, dass man sie fürchten muss.
Das bringt uns zu einem der wesentlichsten Grundmerkmale der Moral:
Reputation.
Faires Verhalten etabliert sich unter Affen da, wo es der eigenen Reputation zuträglich ist.
Aber nicht nur Moral, sondern das gesamte soziale Gefüge basiert auf dem Prinzip der Reputation.
So ist das Anstreben der Alphamännchen-Position ein langer harter Weg, auf dem viele Kämpfe unter den Augen der Allgemeinheit ausgetragen werden müssen.
Dabei muss es gar nicht grundsätzlich zu Kämpfen kommen, sondern es reicht mithin vor den Augen der Öffentlichkeit eine Situation herbeizuführen, in der die Unterlegenheit eines anderen ersichtlich wird. Je mehr Konkurrenten als unterlegen markiert sind, desto mehr nähert sich ein Männchen der Position des Alphamännchens.
Ähnliche Verhaltensmuster finden wir wenn etwa eine Gruppe junger Männer in der Fußgängerzone durch Lautstärke und provozierendes Verhalten ihre Dominanz über die Umgebung demonstrieren.
Aber wir finden es natürlich genauso im Büroalltag, wenn etwa ein Vorgesetzter ungerechte Sanktionen über eine Einzelperson verhängt, obwohl die Rollen eigentlich schon klar verteilt sind.
Wie sehr die Reputation das Grundgerüst einer sozialen Gesellschaft ist, hat sich auch bei dem Beinahe-Zusammenbruch des Bankensystems gezeigt, was zum wesentlichen Teil dadurch bedingt war, dass die Banken einander nicht mehr vertrauten und schlicht kein Geld mehr herausgaben.
Man könnte fast sagen, dass Moral ein folgerichtiges Produkt der Beschaffenheit von sozialen Systemen ist.
Daraus können bei zunehmender Intelligenz (also Abstraktionsfähigkeit) natürlich auch Begriffe wie Ehre und Schande hervorgehen.
Reputation ist von daher also eine Art logisches Grundgerüst sozialer Strukturen.
[EDIT:
Ich muss zugeben, bei nochmaligem Durchlesen ist es ein unverzeihlicher Fehler von mir, das so dargestellt zu haben, als wäre in Afrika Affenverhalten noch ausgeprägter als in westlichen Kulturen.
Gemeint war eine spezielle Art von Affenverhalten:
Clanbildung.
Ein Abschnitt des Themas Prinzipien sozialer Strukturen, dem ich entweder den nächsten Post oder einen ganzen Thread widmen werde.
Und ich muss hinzufügen, dass die Unvermeidbarkeit solcher Mechanismen genauso radikal in westlichen Kulturen zu finden ist - ich sehe das z.B. in den Gangs von Slums wie man es überwiegend von amerikanischen Großstädten kennt, allerdings auch in Deutschland und anderen Teilen des Westens (und der ganzen Welt). ]
Wenn man Berichte von Forschern hört, die das Verhalten von Affen studieren glauben Menschen immer wieder festzustellen, wie erstaunlich ähnlich die Affen in ihrem Verhalten dem unseren doch eigentlich sind.
Dabei ist es mehr als auf der Hand liegend, dass umgekehrt das menschliche Verhalten aus dem der Affen hervorgegangen ist.
In einer etwas radikaleren Formulierung heißt das:
Menschliches Verhalten ist fast ausschließlich Affenverhalten.
Obwohl wir in der Lage sind uns zu reflektieren und zu hinterfragen, macht das den allergeringsten Teil unseres Denkens aus.
Der Großteil ist dominiert von intuitiven Entscheidungen, die unsere unbewussten Hirnbereiche uns vorgeben.
So sind wir etwa in der Lage mit Zahlen zu jonglieren wie kein anderes Lebewesen, jedoch wie verwenden wir es?
Wir rechnen uns z.B. aus, wie wir das teure Auto finanzieren, aber dass wir das teure Auto haben wollen ist eine Entscheidung, die unbewusst getroffen wird, weil etwas tief in uns drin weiß, dass wir damit einfach besser aussehen, wenn wir der Kleinen Blonden vom obersten Stockwerk nächstes mal im Parkhaus generös den Vortritt lassen.
Unsere Fähigkeit mit Sprache und Zahlen umzugehen hat ganz erstaunliche Blüten getrieben, doch von unserer Affennatur hat sie uns längst nicht befreit.
Wenn ich mich in unserer westlichen Kultur umsehe, sehe ich eine Zivilisation, in der die Menschen von einer Lustquelle zur nächsten getrieben werden, in ständigem Bemühen etwas darzustellen als das sie gerne wahrgenommen werden wollen. Unmengen von Energie fließen in dieses Bestreben von Menschen als etwas bestimmtes wahrgenommen zu werden.
In anderen Teilen der Welt, wie z.B. in bestimmten Ländern Afrikas ist das Leben sogar von Mechanismen dominiert, die man nicht einmal auf Affenverhalten zurückführen kann, sondern dort findet eine so gnadenlose evolutionäre Auslese statt, dass die Menschen garnicht anders können als nach den Regeln der Evolution spielen und den angeborenen Verhaltensweisen folgen, die wir Menschen-Affen nach wie vor beherrschen.
Halten wir also fest: Wir Menschen-Affen verfügen über einen Hirnbereich, der uns Fähigkeiten gibt, mit denen wir erstaunliche und bewundernswürdige Ergebnisse hervorgebracht haben.
Er unterscheidet uns allerdings nur graduell von unseren Vorfahren.
Interessanterweise ist gerade eine weitere Bastion im Fallen begriffen:
Die Moral ist eine Eigenschaft, von der viele seit langem dachten, sie mache den eigentlichen Unterschied zwischen Mensch und Affe aus.
Es gibt klare Hinweise darauf, dass Affen bereits ein ausgeprägtes Verständnis von Fairness besitzen:
"Zwei Tiere im benachbarten Käfig mussten eine Aufgabe lösen, was sie auch gemacht haben. Als Belohnung bekamen sie eine Gurke, die sie nicht besonder mögen, aber trotzdem fressen. Dann aber erhielt eines der Tiere statt einer Gurke Weintrauben, ein echter Leckerbissen für Kapuzineraffen. Das andere Tier bekam weiter die ungeliebte Salatgurke. Doch der Gurkenempfänger hat sofort erkannt, dass er mit zweitklassigem Futter abgespeist wurde, hat das Interesse an der Aufgabe verloren und wütend die Gurke auf uns geschmissen."
( Aus SWR2 Wissen 27.08.09, "Das selbstlose Ich", Klaus Wilhelm - Manuskript + Podcast )
Im gleichen Manuskript ist auch beschrieben, dass Affen mit Artgenossen, die ihnen häufig das Fell kraulen deutlich öfter das Futter teilen.
In einem Beitrag von Spiegel online (den ich jetzt nicht mehr finde) ist die Rede davon, dass unser Sinn für Gerechtigkeit beim Teilen aus Neid hervorgegangen ist.
Wie wir sehen hat also die Evolution selbst diese Blüten getrieben.
Dieser Sinn ist etwas Primitives, was uns gegebenenfalls auch den (in den Medien geradezu archetypisch auftauchenden) Trieb zur Rache einpflanzt, der so stark werden kann, dass sogar der Überlebenswille dahinter zurücktritt.
Damit dürfte auch klar sein, dass unser Sinn für Gerechtigkeit keine über alle Dinge erhabene Größe darstellen kann.
Die Rache als Instrument von Gerechtigkeit kann dann durchaus funktionabel sein, wenn die anderen Artgenossen wissen, dass man sie fürchten muss.
Das bringt uns zu einem der wesentlichsten Grundmerkmale der Moral:
Reputation.
Faires Verhalten etabliert sich unter Affen da, wo es der eigenen Reputation zuträglich ist.
Aber nicht nur Moral, sondern das gesamte soziale Gefüge basiert auf dem Prinzip der Reputation.
So ist das Anstreben der Alphamännchen-Position ein langer harter Weg, auf dem viele Kämpfe unter den Augen der Allgemeinheit ausgetragen werden müssen.
Dabei muss es gar nicht grundsätzlich zu Kämpfen kommen, sondern es reicht mithin vor den Augen der Öffentlichkeit eine Situation herbeizuführen, in der die Unterlegenheit eines anderen ersichtlich wird. Je mehr Konkurrenten als unterlegen markiert sind, desto mehr nähert sich ein Männchen der Position des Alphamännchens.
Ähnliche Verhaltensmuster finden wir wenn etwa eine Gruppe junger Männer in der Fußgängerzone durch Lautstärke und provozierendes Verhalten ihre Dominanz über die Umgebung demonstrieren.
Aber wir finden es natürlich genauso im Büroalltag, wenn etwa ein Vorgesetzter ungerechte Sanktionen über eine Einzelperson verhängt, obwohl die Rollen eigentlich schon klar verteilt sind.
Wie sehr die Reputation das Grundgerüst einer sozialen Gesellschaft ist, hat sich auch bei dem Beinahe-Zusammenbruch des Bankensystems gezeigt, was zum wesentlichen Teil dadurch bedingt war, dass die Banken einander nicht mehr vertrauten und schlicht kein Geld mehr herausgaben.
Man könnte fast sagen, dass Moral ein folgerichtiges Produkt der Beschaffenheit von sozialen Systemen ist.
Daraus können bei zunehmender Intelligenz (also Abstraktionsfähigkeit) natürlich auch Begriffe wie Ehre und Schande hervorgehen.
Reputation ist von daher also eine Art logisches Grundgerüst sozialer Strukturen.
[EDIT:
Ich muss zugeben, bei nochmaligem Durchlesen ist es ein unverzeihlicher Fehler von mir, das so dargestellt zu haben, als wäre in Afrika Affenverhalten noch ausgeprägter als in westlichen Kulturen.
Gemeint war eine spezielle Art von Affenverhalten:
Clanbildung.
Ein Abschnitt des Themas Prinzipien sozialer Strukturen, dem ich entweder den nächsten Post oder einen ganzen Thread widmen werde.
Und ich muss hinzufügen, dass die Unvermeidbarkeit solcher Mechanismen genauso radikal in westlichen Kulturen zu finden ist - ich sehe das z.B. in den Gangs von Slums wie man es überwiegend von amerikanischen Großstädten kennt, allerdings auch in Deutschland und anderen Teilen des Westens (und der ganzen Welt). ]