Peter Singer's Lehren

glorin
Da ich jemand hier im Forum für ein Schulprojekt geholfen habe, fiel mehr der Name Peter Singer wieder in den Kopf. Seine Lehren dürften ja allgemein bekannt sein und ich möchte mal wissen, was ihr von ihm haltet. Um ihn besser zu verstehen, habe ich ein kurzes Zitat von ihm angefügt (Mensch und Tier sind nach ihm gleichwertig):

"Wenn Ärzte vor die Entscheidung gestellt werden, ein schwer
behindertes neugeborenes Kind oder ein gesundes Schimpansenbaby zu
retten, so halte ich es für legitim, das Leben des Affen dem des
behinderten Menschen vorzuziehen!"
Sun Deluge
hi glorin

ich habe heute zwei bücher von singer bekommen: 'praktische ethik' & 'wie sollen wir leben'. habe sie noch nicht gelesen, aber auf dem ersten blick sehr gut formuliert. wenn ich sie gelesen habe, dann hole ich mir noch 'die befreiung der tiere'.
Zitat:
Mensch und Tier sind nach ihm gleichwertig
sehe ich auch so. kaplan (habe ich: 'verrat der menschen an den tieren' und 'tiere haben rechte') vergleicht den speziesismus mit rassismus (der holocaust auf ihrem teller). darüber kann man sich streiten, aber ich persönlich teile seine sicht. neben singer und kaplan ist noch regan zu erwähnen. sie argumentieren nach schopenhauers mitleidsethik.
Zitat:
"Wenn Ärzte vor die Entscheidung gestellt werden, ein schwer behindertes neugeborenes Kind oder ein gesundes Schimpansenbaby zu retten, so halte ich es für legitim, das Leben des Affen dem des behinderten Menschen vorzuziehen!"
das ist ethik - wie man am besten handeln könnte/sollte. das beispiel mit dem behinderten kind, singer argumentiert recht sachlich, was bei solchen angelegenheiten wichtig ist. andere meinen widerum, es sei ethisch nicht haltbar, weil sie ihre gefühle mit ins spiel bringen. dennoch sollte man sich überlegen, ob ein neugeborenes ohne hirnrinde weiter leiden sollte, wenn es sowieso sterben wird. wenn keine defekte auftreten, dann sollte ein neugeborenes natürlich nicht getötet werden. bei tieren ist das das gleiche. christliche moral spielt eine grosse rolle, denn 'machet euch die welt untertan' heisst es schon in der bibel und dies wird auf nicht-menschliche tiere bezogen. folgen sind mord, ausbeutung und quälerei der tiere - gerechtfertigt? begründet?

singer hat schon viele tumulte erleben müssen, besonders weil die kritiker mehr emotional an seine ethik herangehen.

gruss, finn

ps: wenn ich etwas falsch erwähnt haben sollte, bitte ich um verzeihung.
tolwin
Passt hier: das erste Sonderheft von A&K aus dem Jahr 1995 mit dem Themenschwerpunkt Peter Singer, ist vollständig online verfügbar.

A&K 1995, Singer
Reinhard
Wer Peter Singers Eulen nicht mit nach Athen trägt, tut mir leid. Gottgleich, Seele, Hybris des Menschseins. Eigentlich widerspricht das doch dem christlichen Erlösungsgedanken und ist nur Ausdruck primitiven Volksaberglaubens einer vermeintlichen Christenheit und ihrer skrupellosen Führer, die ihre Segnungen mit in Krieg und Verderben schicken. Wo bleibt denn da die Schonung der Seelen ? Achso, in diesem Fall landen die Getöteten ja in Paradies oder Hölle, die Embryonen nicht und wenn nicht, warum nicht ? Sind 6,5 Mrd. Seelen auf diesem Erdball noch zu ertragen, wenn sie alle nach ihrem Freien Willen handeln ? So ein Blödsinn. Wenn sein Reich nicht von dieser Welt ist, warum denn aber dieser ethische Unsinn ?

Und was die linken Ideologen angeht, wundert es jemanden, wenn man berücksichtigt, dass die theologische Dialektik Hegels von Marx und Engels kurz mal in eine materielle umgewandelt wurde, um dann im Gewande einer möglichen heilen Welt daherzustolzieren ? , nein eher zu stolpern. Auch hier geht doch die Saat der Hybris auf, wenn es um ethische Positionierungen geht. Dogma und Doktrin.

Nur kritische Offenheit des Denkens im Sinne eines Peter Singers, ermöglicht den notendigerweise flexiblen Umgang mit ethischen Fragen dieser Kategorien. Es ist schon richtig in diesem Zusammenhang auf die ethischen Prinzipien eines Schopenhauers hinzuweisen : Verletze niemanden, sondern helfe allen soviel du kannst, als Credo. Das Mitleiden setzt den Begriff des Leidens ja voraus und es ist deshalb völlig richtig nach dem Punkt zu forschen, von dem an gelitten werden kann und nicht nach dem, wo eine vermeintliche Seele sich einschleicht und wieder entfleucht. Danke.
glorin
@tolwin:

Danke für den Link.


@Reinhard Schauer: (Achtung geht leicht am Thema vorbei)
Könnte man nicht auch sagen, handel immer zu deinem besten und nimm kein fremdes Leid in dir auf? Denn wenn jedem dies gelingen würde und keiner mehr leiden würde, gäbe es kein Leid mehr. Was doch im allgemeinen besser wäre als Leid über viele zuverteilen.

Somit musst du dies nur für dich erreichen, denn so tust du ein Schritt in die richtige Richtung. Unabhängig davon, ob dir andere folgen können, oder nicht...
Arbmosal
Zitat:

Könnte man nicht auch sagen, handel immer zu deinem besten und nimm kein fremdes Leid in dir auf? Denn wenn jedem dies gelingen würde und keiner mehr leiden würde, gäbe es kein Leid mehr. Was doch im allgemeinen besser wäre als Leid über viele zuverteilen.


Ich hoffe, dass derartiges Utopiedenken irgendwann aus der Ethik verschwindet.
Idealisierungen sind nur nette Gedankenexperimente. Nützlich, wenn man dadurch zu etwas konkretem kommt, sonst aber nicht.

MfG
Chris
Zitat:
Original von glorin
"Wenn Ärzte vor die Entscheidung gestellt werden, ein schwer
behindertes neugeborenes Kind oder ein gesundes Schimpansenbaby zu
retten, so halte ich es für legitim, das Leben des Affen dem des
behinderten Menschen vorzuziehen!"

Wow, heftig! Wie nennt man das noch gleich? Euthanasie? Nur um's noch einmal klar zu stellen: Bei allem Respekt vor der Schöpfung, ein Menschenleben unter das eines Tieres zu stellen, ist abartig. Dabei auch noch behindertes Leben als "unwert" darzustellen, erinnert an den Geschichtsunterricht.
tolwin
Ach Göttchen. Nun habe ich extra die wunderbare Ausgabe von Aufklärung & Kritik verlinkt, um uns solche unfruchtbaren und flachen Kommentare zu ersparen smile
Ich kann selbstverständlich niemanden dazu zwingen, sich das Heftchen von A bis Z durchzulesen, aber genau an diesen intuitiven Gewissheiten krankt die ganze Diksussion - vor allem in deutschsprachigen Ländern - bzgl. d. praktischen Ethik und damit verbundenen Fragen um Euthanasie, Tier- u. Personenrechte & Co.
Sophie
@ Tolwin


Danke für den Link. Ich habe mir gerade den Aufsatz von Reinhard Merkel durchgelesen und der ist sehr lesenwert. Die Art und Weise, wie dort die Fragen differenziert behandelt werden und auch auf Widersprüchlichkeit der Rechtslage aufmerksam gemacht wird, ist sehr erhellend.
Reinhard
Original von tolwin
...um uns solche unfruchtbaren und flachen Kommentare zu ersparen smile

Oh, der Herr haben Niveau, tut das weh ? Uns erspart ? Der Herr haben uns seine Meinung gottseidank bisher erspart. Wie jovial, den Link zu setzen.

Glaubst Du denn im Ernst, diesem Konflikt allein mit niveauvollen Kommentaren beikommen zu können ? Hier stehen doch völlig unterschiedliche Interessen gegenüber, die sich auf völlig unterschiedliche Weltanschauungen berufen und versuchen eine Beweisführung über das, was sie unter Philosophie verstehen, herzuleiten. Bewußtsein gegen Seele. Wer hat Angst vorm bösen Wolf ? , könnte man genauso fragen. Auch wenn ich mich der singerschen Vorstellung gut anschliessen kann, wie ich das auch schon angeführt habe, so bleibt mir der Standpunkt der vermeintlichen anderen Seite ziemlich fremd, da ich nie was mit Religion am Hut hatte und Ideologien sind mir ein Greuel. Tatsache ist aber nun mal, dass es viele Menschen gibt, die anders an solche Fragen rangehen als ich und das muss ich respektieren. Wenn jemand an eine Seele glaubt, dann hat er eben auch den Eindruck, sie könnte ihm weggenommen werden und er begeht halt in seinem Sinne eine Sünde, wenn er zuläßt, dass sie anderen weggenommen wird.

Andererseits ist mir auch nicht gänzlich klar, ob Bewußtsein und Leid nur zusammen bestehen oder wo hier die Grenze ist, die nicht überschritten werden dürfte.

In beiden Fällen ist es aber so, dass Kontinuität unterbrochen werden muss, wenn man einen verbindlichen Punkt bestimmen will und das wird immer willkürlich erfolgen müssen. Außerdem spielen hier eindeutig Macht und Kapitalinteressen mit rein, die ich nicht gänzlich durchschaue, die aber auch die Neigung entwickeln können, sich der singerschen Haltung anzuschließen.

Nun bin ich auch noch krankheitsbedingt in einem gewissen Sinne befangen und ich denke schon, wenn sich erst der Druck auf die Seite der sich Heilungversprechenden erhöht und der Prozess ist doch voll im Gange, dann wächst der Druck auf die Wissenschaft und die Politik.

Mit flachen Grüßen
R.S. unglücklich
Chris
Zitat:
Original von tolwin
Ach Göttchen. Nun habe ich extra die wunderbare Ausgabe von Aufklärung & Kritik verlinkt, um uns solche unfruchtbaren und flachen Kommentare zu ersparen

Solcher Stuss kommt also heraus, wenn man versucht, eine Ethik auf Logik aufzubauen, ohne sich aller Prämissen bewusst zu sein. So was kann echt nur grausam verkopften und von ihrer eigenen Menschlichkeit entfremdeten Philosophen passieren. Natürlich kann man alles relativieren, aber man muss es nicht.

Was unter Deinem Link für logische Stilblüten stehen - einfach herrlich! Wenn's nicht wirkliche Dämlichkeit wäre, könnte ich fast darüber lachen. Die tun als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen und würden umfassende und allgemeingültige Regeln bedienen. Die "Menschenwürde" deklarieren sie als inhaltsleeren Begriff, die "individuelle Selbstbestimmung" hingegen legen sie gerade so aus, wie es ihnen passt.

Der größte Wahnsinn ist mir hier begegnet:

Zitat:
Original von Peter Singer
Kindestötung vor dem Einsetzen von Selbstbewußtheit zu erlauben, kann schlechterdings für niemanden bedrohlich sein, der in der Lage ist, sich darüber Sorgen zu machen. Jeder, der versteht, was es heißt, zu leben oder zu sterben, muß bereits eine Person sein und besitzt dasselbe Recht auf Leben wie jeder von uns.

Jeder, der versteht, was es heißt, zu leben, sollte sich dessen bewusst, sein, was für ein unschätzbares und großartiges Geschenk dieses Leben ist! Allein schon dieses Leben für sich - die Möglichkeit, Möglichkeiten zu haben, die Fähigkeit, wahrzunehmen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten - sei es behindert oder nicht behindert - zu entfalten. Singer hält es also für jeden unbedrohlich, Kinder vor dem Einsetzen von Selbstbewusstheit zu erlauben. Abartig ist das, einfach nur abartig. Wer so etwas schreibt, hat jeglichen emotionalen und menschlichen Bezug zu seiner eigenen Person und seinem eigenen Leben verloren. Dadurch kann er einen solchen positiven Bezug - nicht einmal die Möglichkeit dazu - natürlich auch niemand anderem zusprechen.
glorin
Hm, gestern Abend habe ich noch mit Jay Ray gesprochen. Und er hatte den mMn sinnvollen Vorschlag gemacht, das wir dieses Gespräch etwas mehr gestaltet. (Er schlug vor das wir uns einem bestimmten von Singer angesprochenen Themen widmen, dieses alle durchlesen und dann durch kauen. Ich denke dies wäre wirklich vorteilhaft und würde uns hier manchen Kommentar ersparen.) Hat jemand etwas gegen diesen Vorschlag einzuwenden?


mfg.
glorin
Arbmosal
Ich finde die Idee gut. Ich hab "Praktische Ethik" mehrfach gelsen und bin daher einigermaßen vorbeiretet auch wenn ich sonst gar keine Singer-Lektüre kenne.

@Chris: Wenn jemand sagt Menschenleben und Tierleben sei prizipiell gleich (so wie schwarze Menschen und weiße Menschen prizipiell glecih sind), und das Bewusstsein als Kriterium nimmt, verlangt dieser jemand in keinem mir bekanntem Fall Menschen schlechter zu behandeln sondern er fordert, dass man TIERE BESSER BEHANDELT!!

MfG
Sun Deluge
Zitat:
Chris
Wow, heftig! Wie nennt man das noch gleich? Euthanasie? Nur um's noch einmal klar zu stellen: Bei allem Respekt vor der Schöpfung, ein Menschenleben unter das eines Tieres zu stellen, ist abartig. Dabei auch noch behindertes Leben als "unwert" darzustellen, erinnert an den Geschichtsunterricht.
und da haben wir es schon wieder! schöpfung - von gott gegebenes leben. typisch christliche moral. eine kurze und knappe frage: wenn du nicht töten dürftest, wie würdest du mit einem neugeborenem umgehen, dass noch kein jahr alt ist (also noch kein ausgeprägtes selbstbewusstsein entwickelt hat) und an einer unheilbaren krankheit leidet? im fall von zb anenzephalie wird das neugeborene wohl oder übel leider sterben müssen. würdest du es dem hungertod überlassen, schmerzmittel spritzen und es noch länger leiden lassen, oder lieber gleich töten und es von unerträglichen schmerzen befreien? der schwangerschaftsabbruch ist nichts anderes - das leben im inneren wird nach aussen getragen und die möglichkeit besteht immer noch, dass es innerhalb eines bestimmten zeitraums getötet werden kann. deshalb sind meiner meinung nach ultraschall-untersuchungen sehr wichtig.
Zitat:
Chris
Bei allem Respekt vor der Schöpfung, ein Menschenleben unter das eines Tieres zu stellen, ist abartig.
es geht hauptsächlich darum, dass kein unnötiges leiden verlängert wird. es ist recht schwer zu verarbeiten, aber man sollte dennoch sachlich bleiben und nicht in gefühle versinken. wenn ein mensch erwachsen ist und eine behinderung hat, dann sollte eine euthanasie nicht durchgeführt werden weil sich die persönlichkeit schon vor langer zeit entwickelt hat. und das gleichheitsprinzip ist auch nicht schlecht, denn man sollte nicht nach der schöpfung gehen, dass man als mensch über den tieren stehen sollte. das ist schlicht und einfach unfug.
glorin
@Chris:

Zitat:
Bei allem Respekt vor der Schöpfung, ein Menschenleben unter das eines Tieres zu stellen, ist abartig.


Dies macht er nicht einmal! Er stellt sie nur gleich. Hm, ich persöhnlich stelle aber das Menschenleben unter das von einigen Tierleben. Warum? Einige Tiere erfreuen mehr Menschen, als manche Menschen. Sie dienen mehr dem allgemeinwohl und es gibt auch weniger von ihnen. Also warum sollte ich sie unter ein Menschenleben stellen.

Wenn ich dich fragen würde, ob etwas das dem Allgemeinwohl mehr schadet, oder etwas das dem Allgemeinwohl mehr Nützt als schadet bestehen bleiben soll. Was würdest du antworten. (Du kennst mein oberen Text nicht. Ich könnte diese Frage z.B. stellen, wenn wir darüber reden wie stark uns der 2Weltkrieg geschadet hat.) Also was würdest du mir antworten?

Hm, genau das letztere. Also, warum sollte es bei dem Wert von zwei Individuen anders sein? Reine Arroganz, steckt hinter den Worten der Menschen, die dies bestreiten wollen. Und um Missverständnise vorzubeugen, nicht Singer hat diesen Vergleich aufgestellt, sondern ich! Manche Tiere sind mehr Wert als manche Menschen.
Chris
Zitat:
Original von Arbmosal
@Chris: Wenn jemand sagt Menschenleben und Tierleben sei prizipiell gleich (so wie schwarze Menschen und weiße Menschen prizipiell glecih sind), und das Bewusstsein als Kriterium nimmt, verlangt dieser jemand in keinem mir bekanntem Fall Menschen schlechter zu behandeln sondern er fordert, dass man TIERE BESSER BEHANDELT!!

MfG

Inwiefern sollen Menschen und Tiere denn bittesehr gleich sein?! Vom Bewusstsein her ganz gewiss nicht. Du kannst sie Dir gleichreden wie Du willst.
Menschen und Menschen sind gleich, egal welche Hautfarbe sie haben. Menschen und Tiere nicht, da sie unterschiedliches Bewusstsein haben und dieses Unterschiedlichsein eine Gleichheit oder auch nur eine Ähnlichkeit in der Person unmöglich macht.

Selbstverständlich ist Singer der Meinung, dass es richtig ist, einen neugeborenen behinderten Menschen sterben zu lassen, um einen Schimpansen zu retten. Hier wird das Tier vor den Menschen gestellt, das ist eindeutig. Damit übertritt Singer eine Grenze, die dem kategorischen Imperativ widerspricht. Wie würde Singer damit umgehen, wenn der Schimpanse ebenfalls behindert wäre - wie sieht es hier mit den Rechten aus?

Tiere besser behandeln kann man auch, ohne sie auf eine Ebene mit dem Menschen zu stellen.

@Sun:
Wenn das unumstößliche Todesurteil bereits gefällt ist und sich alles Weitere Handeln an einem solchen Kind darauf beschränkt, seinen sicheren Tod herbeizuführen, wäre ich selbstverständlich dafür, sein Leiden zu verkürzen, es also nicht dem Hungertod zu überlassen. Jedoch sehe ich Schwierigkeiten in der Rechtssprechung, da meiner Meinung nach alle aktiven Tötungen an lebenden Menschen eine eingehende Einzelfallbetrachtung erfordern - und zwar bevor sie getötet werden.

Zitat:
Original von Sun Deluge
es geht hauptsächlich darum, dass kein unnötiges leiden verlängert wird.

Singer sprach sehr pauschal von einem behinderten Neugeborenen und kein Wort von seiner Lebensfähigkeit. Bei Anenzephalie ist der Fall sehr klar.

Wieso ist es Unfug, dass der Mensch nicht über den Tieren stehen soll? Nur nicht über bestimmten Tieren? Oder über allen Tieren? Wo soll die Grenze sein, wer legt sie fest? Der Mensch hat die Fähigkeit zur Person, sich selbst zu reflektieren und vor allem die Fähigkeit, von sich selbst und von der Situation zu abstrahieren. Kein Tier kann das. Tiere haben bereits Rechte, kein Mensch in Deutschland darf mit einem Tier machen, was er will. Sie aber mit dem Menschen gleichzusetzen, das geht nicht.
Chris
Zitat:
Original von glorin
Dies macht er nicht einmal! Er stellt sie nur gleich.

Nein, macht er nicht. Er tötet den Menschen und lässt den Schimpansen leben. Er stellt das Leben des Menschen unter das des Tieres.

Zitat:
Original von glorin
Einige Tiere erfreuen mehr Menschen, als manche Menschen.

Das ist doch mal ein Kriterium für den Wert eines Lebens - es erfreut glorin mehr! ??!
Zu solchen Abartigkeiten kommt mancher Utilitarist ...

Zitat:
Original von glorin
Wenn ich dich fragen würde, ob etwas das dem Allgemeinwohl mehr schadet, oder etwas das dem Allgemeinwohl mehr Nützt als schadet bestehen bleiben soll. Was würdest du antworten. (Du kennst mein oberen Text nicht. Ich könnte diese Frage z.B. stellen, wenn wir darüber reden wie stark uns der 2Weltkrieg geschadet hat.) Also was würdest du mir antworten?

Klar, warum führen wir nicht einfach wieder die Todesstrafe ein - so viel, wie die Schwerverbrecher täglich den Steuerzahler kosten! ??!
Hier hinkt dieser dämliche Utilitarismus - wer soll die Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen und Unnutzen bestimmen? Du ganz bestimmt nicht und die Gesamtheit der Gesellschaft kann das ebenfalls nicht.

Zitat:
Original von glorin
Und um Missverständnise vorzubeugen, nicht Singer hat diesen Vergleich aufgestellt, sondern ich!

Daran hege ich keinen Zweifel. Hätte Singer solchen Schrott von sich gelassen, sähe seine Popularität nochmal anders aus ...
tolwin
Zitat:
Menschen und Menschen sind gleich, egal welche Hautfarbe sie haben. Menschen und Tiere nicht, da sie unterschiedliches Bewusstsein haben und dieses Unterschiedlichsein eine Gleichheit oder auch nur eine Ähnlichkeit in der Person unmöglich macht.


Eine Person ist nach Singer eine distinkte Entität in der Zeit, also ein Wesen, welche eine biografische Identität und ein gewisse soziale Vitalität besitzt. Offensichtlich hat nicht jeder Mensch diese biografische Identität und soziale Vitalität und nicht jedes nichtmenschliche Tier hat keine solche. Es sind also graduelle Unterschiede. In diesem Sinne wäre ein gesunder Schimpanse mit den kognitiven Fähigkeiten eines 2 jährigen Kindes eine Person, ein geschädigtes neugeborenes Kind ohne Gehirnrinde offensichtlich keine Person.
Nur Personen kommt ein individuelles Recht auf Leben zu, da nur sie überhaupt ein Interesse daran besitzen können.

Und genau das ist der Kern, der in der Debatte nicht deutlich gemacht wurde. Es geht in Singers Ansatz darum, gleiche Präferenzen gleich zu behandeln, ganz egal, wer diese Präferenz besitzt. Würden wir durch eine großartige Entdeckung feststellen, daß auch Kartoffeln, Kohlköpfe, Schmetterlinge oder ein virtuelle Person in einer Comutersimulation vitale Interessen am weiterleben, sozialen Kontakten etc. besitzen, so müssten wir auch diese Präferenzen in unere Überlegungen gleichermaßen einbeziehen.

Das Beispiel mit dem Wahlzwang zw. Schimpanse und Kleinkind ist irreführend. Deshalb ist es auch ein schlechtes Beispiel. Der Schmimpanse als Person mit individuellem Lebensrecht und das geschädigte Neugeborene ohne Personenstatus, sagt überhaupt nichts darüber aus, welches Leben wertvoller ist. Relevant ist lediglich, daß es moralisch nicht - oder kaum - zu begründen ist, einer Person ohne ihrer Zustimmung das Leben zu nehmen, da es eine fundamentales Präferenz frustriert.
Die Spezieszugehörigkeit ist dabei nicht von Bedeutung. Die Unterscheidung Tier und Mensch ist hinfällig. Wer das nicht begreift, wird Singers Ansatz nicht verstehen können. Sprechen wir also von Personen und nicht-Personen. Und daraus folgt ansonsten nichts weiter. Auch nicht-Personen haben viele weitere Präferenzen, welche wie alle anderen gleichermaßen berücksichtigt werden müssen. Ganz besonders gilt das für eine Präferenz, welches jede empfindungsfähige Wesen besitzt: nämlich unnötiges Leiden zu vermeiden. Dazu muss es keine Person sein.

Zitat:
Singer sprach sehr pauschal von einem behinderten Neugeborenen und kein Wort von seiner Lebensfähigkeit


Die Lebensfähigkeit ist für Singer auch nicht sonderlich bedeutsam. Denn sie schwankt von Ort und Zeit erheblich. Was genau eine Behinderung bedeutet ist natürlich genau zu untersuchen. Er stellt fest:

Zitat:
People with disabilities is too broad a category for any single answer to apply to all of them. At a minimum, we need to distinguish between people who have intellectual capacities that are sufficient for them to be able to choose how they wish to live, and those who lack such capacities.

(ZS f. Heilpädädagogik, Januar/2003)


Es geht demnach um den Grad der Schädigung. Scheinbar bist Du auch der Ansicht, daß es so schwere Schäden gibt, welche das Leben nicht weiter Lebenswert machen. Und deshalb sprichst Du Dich ja locker flockig auch für das aus, was eigentlich die Singer-Debatte entflammte: die aktive Tötung von Neugeborenen. Ich finde das erstaunlich. Du stimmst ihm also im Kern zu. Aber dennoch wetterst Du gegen ihn - bzw. die wenigen Sätze, welche Du von ihm kennst.

Zitat:
Jedoch sehe ich Schwierigkeiten in der Rechtssprechung, da meiner Meinung nach alle aktiven Tötungen an lebenden Menschen eine eingehende Einzelfallbetrachtung erfordern - und zwar bevor sie getötet werden.


Hier argumentierst Du exakt wie Singer. Genau so stellt er sich das nämlich auch vor. Natürlich meintest Du, "aktiven Tötungen an Personen". Sonst stellt sich kein Bezug her zu dem, was Singer möche. Denn ob sie leben oder nicht nicht der Punkt. Auch das anenzephale Kind lebt, auch die Weinbergschnecke lebt, sowie die geistig fitte Oma Trude. Es geht darum, ob wir deren Präferenzen durch den Tötungsakt frustrieren oder nicht.
glorin
Zitat:
Nein, macht er nicht. Er tötet den Menschen und lässt den Schimpansen leben. Er stellt das Leben des Menschen unter das des Tieres.


Nein, sie sind gleich. Nur bestimmte Merkmale dieser Mensch aufweist stellen ihn in diesem Fall unter den Affen. Würde auch der Affe diese Merkmale wären sie wieder gleich.

Zitat:
Das ist doch mal ein Kriterium für den Wert eines Lebens - es erfreut glorin mehr! ??! Zu solchen Abartigkeiten kommt mancher Utilitarist ...


Kannst du leugnen das ein K**sch*er weniger Menschen erfreut, als der Eisbär Knut?

Zitat:
Klar, warum führen wir nicht einfach wieder die Todesstrafe ein - so viel, wie die Schwerverbrecher täglich den Steuerzahler kosten! ??! Hier hinkt dieser dämliche Utilitarismus - wer soll die Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen und Unnutzen bestimmen? Du ganz bestimmt nicht und die Gesamtheit der Gesellschaft kann das ebenfalls nicht.


Nur du redest von der Todesstrafe. Ich nicht. Ich spreche nur von irrationalen Verhältnisen und pranger somit unser Handeln an.

Zitat:
Daran hege ich keinen Zweifel. Hätte Singer solchen Schrott von sich gelassen, sähe seine Popularität nochmal anders aus ...


Singer hatte auch in Europa 15Jahre rede Verbot. (Wenn ich mich nicht irre.) Nur weil er einigen Menschen auf die Füße gedrehten ist. Ich führe seine Gedankengänge weiter. Die ihn ein Lebenslange rede Verbot wohl in Deutschland eingebracht hätte. Unabhängig, ob dies seine Meinung ist, oder nicht. Das diese Meinung einigen nicht gefällt war mir vorne rein klar. Und das ich auch hier auf die pure Arroganz von einigen Membern treffen würden, die diese Aussagen schon vor dem verstehen verwerfen, war mich auch klar. Das du sie als Schrott probagierst habe ich erwartet. Von einigen kann man hier nur mit bestimmten antworten rechnen. Da sie zu einigen themen eine unerschütliche Meinung aufgebaut haben, die sich nicht durch logisches denken erweichen läst.


PS. Ich bin persöhnlich auch gegen Todesstrafe, nur einmal zu Information.
Arbmosal
Zitat:
Original von Chris
[quote]Original von Arbmosal
@Chris: Wenn jemand sagt Menschenleben und Tierleben sei prizipiell gleich (so wie schwarze Menschen und weiße Menschen prizipiell glecih sind), und das Bewusstsein als Kriterium nimmt, verlangt dieser jemand in keinem mir bekanntem Fall Menschen schlechter zu behandeln sondern er fordert, dass man TIERE BESSER BEHANDELT!!

MfG

Inwiefern sollen Menschen und Tiere denn bittesehr gleich sein?! Vom Bewusstsein her ganz gewiss nicht. Du kannst sie Dir gleichreden wie Du willst.
Menschen und Menschen sind gleich, egal welche Hautfarbe sie haben. Menschen und Tiere nicht, da sie unterschiedliches Bewusstsein haben und dieses Unterschiedlichsein eine Gleichheit oder auch nur eine Ähnlichkeit in der Person unmöglich macht.

Sie sind Lebewesen. That's it! Nun gehts weiter. Pflanzen, Bakterien usw. haben ziemlich sicher gar keine Bewusstsein. Insekten, Arachnoiden usw wohl auch nicht.
Tiere haben aber ganz bestimmt ein Bewusstsein. Menschen aber auch und zwar ein wesentlich komplexeres, mit einem SELBST-Bewusstsein mit dem sie sich als Individuen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begreifen. Manche Behinderte haben das eben nicht.

Worin unterscheiden sich Tiere denn vom Menschen?
Sie gehören unterschiedlichen Spezien an. OK stimmt. Aber wenn die Rasse kein Trennungsmerkmal sein darf, warum dann die Spezies?
Die Fälle in denen man einen Affen rettet indem man ein neugeborenes oder schwerbehindertes Menschlein tötet sind allerdings ohnehin sehr absurd.

Nochmal: Für Singer ist die Spezies kein moralisch relevantes Merkmal.
Wenn du einen gesunden Menschen und einen gesunden Affen auf selbem Entwicklungsstadium hast (zB beide neugeboren oder beide ausgewachsen) und dir nur 3 Möglichkeiten bleiben:
1: Beide sterben
2: nur der Affe stirbt
3: nur der Mensch stirbt
wird dir Singer immer zu Nummer 2 raten.

MfG