Quine: Two Dogmas of Empiricism

Eugen
Von Otto Neurath stammt ja das Bild von der Wissenschaft als einem Schiff, das wir, wenn nötig, nur Planke um Planke umbauen können, während wir stets auf hoher See bleiben. Es gibt nirgendwo ein Trockendock, auf das wir das Ding als Ganzes schieben und überprüfen können.

Vielleicht ist es hilfreich, dieses Bild – die radikale Absage an jegliches Letztfundierungsprojekt - präsent zu halten, wenn wir im Folgenden versuchen wollen, Quines klassischen Aufsatz (1951) näher unter die Lupe zu nehmen. Quine (1908-2000) selbst wird gegen Ende seiner Untersuchungen zu einer noch provokanteren Formulierung dieser Absage gelangen, wenn er physikalische Objekte letztlich als nichts weiter als kulturelle Setzungen (cultural posits) auffasst, die von der Art her epistemisch durchaus mit den Göttern Homers vergleichbar sind.

Meine Absicht bei dieser Besprechung ist diesmal, mich mit Vorgaben bzgl. der Herangehensweise möglichst zurückzuhalten und es weitestgehend den Teilnehmern, resp. dem freien Austausch zwischen ihnen, zu überlassen, welche Aspekte der Thematik angesprochen und vertieft werden sollen.

Es ist also ausdrücklich nicht verlangt, möglichst dicht am Text zu bleiben (sehr wohl aber an der Thematik!). Auch ist keine Besprechung Abschnitt für Abschnitt geplant, (es sei denn, es wird von den Teilnehmern überwiegend so gewünscht). Jeder sollte aber den Aufsatz zumindest einmal ganz lesen. Es handelt sich ja um einen recht kurzen Text. Dann kann jeder erstmal frei seine jeweiligen Gedanken, Überlegungen, Fragen, zu denen er angeregt wurde, hier präsentieren.

Zwei Umstände gibt es natürlich, die für einige Interessierte evtl. höhere Hürden für den Zugang zu dem Text aufrichten.

Einmal ist es einfach die Tatsache, dass es sich um einen englischen Texthandelt bzw. dass nur der englische Originaltext online frei zugänglich ist. Allerdings schreibt Quine in einer knappen, prägnanten Diktion, so dass derjenige, der mit seinem Schulenglisch noch einigermaßen vertraut ist, keine größeren Schwierigkeiten haben dürfte. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, an eine deutsche Version heranzukommen, so dass ich vorerst nur selbst versuchen könnte, einzelne Passagen, die Probleme bereiten, zu übersetzen.

Ferner mag den einen oder anderen der Text tlw. recht „technisch“ anmuten. Quine stand bei Abfassung des Aufsatzes bereits unter dem starken Einfluss des logischen Empirismus - besonders Rudolf Carnaps, mit dem er auch persönlichen Austausch hatte - einer philosophischen Strömung, in der die formale Logik eine wichtige Rolle spielt. Dies gilt ebenfalls für die sich damals entwickelnde sog. Analytische Philosophie, der Quine ebenfalls als wichtiger Vertreter zugerechnet wird.
Dennoch sollten sich die, die sich, was die formale Logik anbetrifft, nicht so firm fühlen, nicht zu schnell abschrecken lassen. Der Text erfordert nach meiner Einschätzung in der Richtung höchstens ein paar Grundkenntnisse, um die Argumentation Quines nachvollziehen und sein Anliegen verstehen zu können.


Ich will die Besprechung einleiten, indem ich einfach einige meiner Überlegungen zu dem Text präsentiere. (Wie gesagt, braucht nicht unbedingt gleich an das, was ich sage, angeknüpft zu werden; wir „sammeln“ sozusagen erstmal). Ich beginne mit dem ersten Absatz, in dem Quine sein Vorhaben präsentiert, nämlich nichts Geringeres als die Infragestellung der Grundlagen des modernen Empirizismus überhaupt:


Zitat:
Modern empiricism has been conditioned in large part by two dogmas. One is a belief in some fundamental cleavage between truths which are analytic, or grounded in meanings independently of matters of fact and truths which are synthetic, or grounded in fact. The other dogma is reductionism: the belief that each meaningful statement is equivalent to some logical construct upon terms which refer to immediate experience. Both dogmas, I shall argue, are ill founded. One effect of abandoning them is, as we shall see, a blurring of the supposed boundary between speculative metaphysics and natural science. Another effect is a shift toward pragmatism.



Nicht übersehen darf man natürlich, dass „modern“ hier 1951 heisst, als Quine diesen Aufsatz geschrieben hat. Inwieweit die angeführten „Dogmen“ noch wirklich Geltung haben für das, was wir heute grundlegend für eine empiristische, also eine erfahrungsgeleitete Erkenntniseinstellung, halten, mag noch diskutiert werden.

Allerdings spricht Quine ein m.E. entscheidendes Merkmal des neuzeitlichen, modernen Empirismus nicht an, nämlich seinen aktiven, experimentellen, - oftmals mittels technischer Apparaturen - intervenierenden Charakter im Gegensatz zum Ideal einer passiven, kontemplativen Naturbetrachtung. Michael Hampe verdeutlicht diesen Unterschied, indem er einer aristotelischen eine archimedische Empirie gegenüberstellt, die für die Neuzeit seit Galilei zunehmend maßgeblich geworden ist:

„Das große Vorbild seiner empirischen Arbeit war für Galilei nicht der gewissenhafte Naturbeobachter Aristoteles, sondern der Techniker Archimedes. Die Archimedische und die Aristotelische Empirie unterscheiden sich jedoch ganz wesentlich voneinander. Die Aristotelische Empirie ist eine kontemplative, in der die Natur scheinbar von außen betrachtet wird, ohne zur Sammlung von Erkenntnissen in ihren Lauf einzugreifen. Die Archimedische Empirie ist eine intervenierende, die technische Apparate konstruiert, um zu erkennen. Sofern Galilei als der Stammvater der sogenannten experimentellen Philosophie anzusehen ist, ist es nicht die Aristotelische Naturkontemplation, die er als empirisches Evidenzverfahren gegen die bloße Buchgelehrsamkeit ins Felde führt, sondern die Archimedische Intervention." (Hampe, Michael: Eine kleine Geschichte des Naturgesetzbegriffs. 2007, S. 155 f.)

Evtl. lässt sich aber gerade mit diesem von Quine nicht herausgestellten, experimentellen Zug neuzeitlicher Empirie nochmals ein veränderter Blick auf die vermeintlichen Dogmen gewinnen und zwar durchaus ganz in Quines Sinn eines „Verwischens der unterstellten Grenze zwischen spekulativer Metaphysik und Naturwissenschaft“ sowie einer „Wendung zum Pragmatismus“?
Nylen
Freut mich das du Zeit gefunden hast uns ins Thema einzuführen.

Zu dem von dir gesagten:

Zitat:
Allerdings spricht Quine ein m.E. entscheidendes Merkmal des neuzeitlichen, modernen Empirismus nicht an, nämlich seinen aktiven, experimentellen, - oftmals mittels technischer Apparaturen - intervenierenden Charakter im Gegensatz zum Ideal einer passiven, kontemplativen Naturbetrachtung. Michael Hampe verdeutlicht diesen Unterschied, indem er einer aristotelischen eine archimedische Empirie gegenüberstellt, die für die Neuzeit seit Galilei zunehmend maßgeblich geworden ist:


Dies ist eine wesentliche Thematik bei Ian Hacking, welcher den Unterschied zwischen Darstellung und Eingreifen, also zwischen Theorie und praktischem Experiment hervorstreicht. Ich müsste mich allerdings erst einlesen, um hier entsprechende griffige Zitate zu finden die diesen Punkt erleuchten.
Nylen
Zum eigentlichen Thema mal Gedanken von mir.

1. Dogma: Erstmal leben wir natürlich in einer nach Quineschen Zeit. Anders gesagt als Student bin ich auf die Stolpersteine der Grenziehung zwischen synthetisch und analytisch gestossen worden, die mir bei Kant noch einleuchtend erschien.
Andererseits trennt Kant ja analytisch a priori, von synthetisch a posteriori.

Noch vor lesen des Quinetextes in meiner Jugend hatte ich das Gefühl das mit dem a priori bei Kants analytischen Urteilen was nicht stimmt. Weil es für mich schon damals keine zeitlosen oder unveränderlichen Begriffe gab. Ausser Trivialitäten ist für mich nichts analytisches zu finden, das nicht einmal a posteriori gelernt werden musste. Dann las ich Quines Text und es war ein Augenöffner für mich. Er weckte mich aus dem dogmatischen Schlummer, wobei ich bereits im aufwachen war, da ich ja Popper gelesen hatte der schon viel früher als Quine die Dogmen des logischen Empirismus angriff.

2. Dogma. Auch dieses Dogma wurde von Popper bereits kritisiert (Beide zu finden in "Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie", welches aber nicht veröffentlicht war, und nur einigen Mitgliedern des Wiener Kreises bekannnt.)
Popper kritisiert ähnlich wie Quine, die Sicherheit von Protokollsätzen. Also letzten Instanzen der Wahrheitsfindung, welche der Empirismus behauptete.

Quine und Popper haben den selben Mann kritisiert. Rudolf Carnap nämlich. Den sie aber beide verehrten und der seine Positionen ihrer Kritik angepasst hat.
Quine ging zum Pragmatismus über und entdeckte diese amerikanische Tradition für sich wieder, Popper hingegen entwickelte die Position eines kritischen Rationalismus.

Wir wollen im Laufe des Themas auch noch auf Wilfried Sellars kommen und das dritte Dogma des Empirismus. Den Mythos des Gegebenen. Ich habe desweiteren die Bezugnahme auf John McDowells Buch "Mind and World" vorgeschlagen und werde mich da einlesen. Allerdings habe ich keinen Link, da dieses Werk noch zu jung ist um frei im Internet erhältlich zu sein.
Devinus
Mein erster Eindruck:
Eng geschnürt wie es nur die Engländer als Halskrause um sich haben können, gestern noch gesehen. Wahrscheinlich liegt es an der einfachen Sprache, vielleicht bekam Wittgenstein auch deshalb Kehlkopfkrebs, wer weiss.
Nomade
Hallo Nylen,
Zitat:
Original von Nylen
Wir wollen im Laufe des Themas auch noch auf Wilfried Sellars kommen und das dritte Dogma des Empirismus. Den Mythos des Gegebenen.

Kannst du bitte mal erklären, inwiefern sich zweites und drittes Dogma unterscheiden sollen?

Gruß,
Nomade
Nylen
Am einfachsten ich führe mal aus was die Position des logischen Empirismus war:

1. Klassische Semantik ist gültig. (1.Dogma)
2. Alles Wissen ist reduzierbar auf Beobachtungssätze und Wahrnehmungen. Dies geschieht mit Mitteln der formalen Logik. (2. Dogma)
3. Nominalismus und Bivalenzprinzip sind vorraussetzung.
4. Aufgabe der Philosophie ist semantische und logische Analyse und operieren mit analytischen Sätzen (1.Dogma)

Der Mythos des Gegebenen im speziellen bezeichnet:
1. Wahrnerhmugen und Sinnesdaten gehören sowohl zum Reich der Natur als auch zum Reich der logischen Gründe.
2. Als Teil des Reiches der Natur kommen die Sinnesdaten durch externe Beeinflusung zustande, und können im logischen Raum zur Rechtfertigung und Begründung verwendet werden.

Das zweite Dogma geht also um Reduktion sprachlciher Formulierungen und Begründungen auf Sinnesdaten. Das dritte Dogma um die Externalität dessen was Sinnesdaten erzeugt.
Eugen
Habe den interessanten Aufsatz von Sober angefangen, den wir in unserer Besprechung berücksichtigen sollten.

Sober macht insbesondere kritisch geltend, dass Quines Untersuchung und Verwerfung der Konzepte von Analytizität, Apriorität, Notwendigkeit selbst von eigentlicher Wissenschaft als unabhängig angesehenen philosophischen Standards folge, was im Widerspruch zu Quines eigener, später vorgetragener pragmatischer Einstellung stehe, Konzepte nur nach ihrer (wissenschaftlichen) Nützlichkeit zu beurteilen:

Zitat:
Quine taught us that the main question we should ask about a theory is whether it is indispensable as a device for explaining and predicting phenomena. The question then, should not be whether analyticity can be defined, but whether the concept is useful in science.
Devinus
Ich kann momentan dazu nur sammeln, und mir dazu stillschweigende Gedanken machen....

Zitat:
Original von Eugen
Von Otto Neurath stammt ja das Bild von der Wissenschaft als einem Schiff, das wir, wenn nötig, nur Planke um Planke umbauen können, während wir stets auf hoher See bleiben. Es gibt nirgendwo ein Trockendock, auf das wir das Ding als Ganzes schieben und überprüfen können.


Ich glaub es ist doch ernster, als ich dachte. Soviel ich in Erinnerung habe war es Leibniz, der bereits empfahl, das Ding eben zu verkleinern, um es auf den Tisch zu bekommen. Allerdings bin ich doch angenehm überrascht, dass das was man normalerweise unter einer Letztbegründung verstehen würde, nämlich bis an die Quelle des Urgrundes zu gelangen, wo evtl. dann noch das erste Glied der Kette uns die Begründung für alles nachfolgende liefert, oder der unabdingbare erste Schritt, der die Kette nie hat abreissen lassen, hier nicht steht. Sondern eher eine Hebung als Ganzes gemeint ist, wahrscheinlich was dann auch noch als solches empirisch beobachtet werden können muss, um dem Ding da auf dem Tisch als Letztbegründung sozusagen einen Namen zu geben. Ich finde das Ferkel da auf dem Tisch eigentlich ganz süss, und es quieckt lebendig, jedoch gehört es da wohl eher weniger hin.

Nur mit dem letzten Satz (erster Beitrag, zweiter Absatz, hier unzitiert) wo physikalische Objekte letztendlich nichts weiter als kulturelle Setzungen sind (von wem gesetzt, wohin gesetzt, warum überhaupt gesetzt?) kann ich jetzt erst mal, so ganz am Anfang wo ich mit diesem wie mir scheint doch sehr interessantem Thema, sagen wir: theoretisch zwar etwas anfangen, aber praktisch doch eher gleich entweder als unmöglich im Sinne von unerhört verwerfen, oder aus grundsätzlichen Überlegungen heraus ganz weit beiseite legen, um nicht doch wieder altertümliche Huhn-Ei-Fragen erneut diskutieren zu müssen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich auch die Götter Homers nicht kenne.

Eigentlich wollte ich aber nur aufschreiben, was Hans Albert in zwei Briefen an Popper zu Quine schrieb. Soll ich? Kommt dann noch..., ...ggfls.
Nylen
Zitat:
Eigentlich wollte ich aber nur aufschreiben, was Hans Albert in zwei Briefen an Popper zu Quine schrieb. Soll ich? Kommt dann noch..., ...ggfls.


Daran hätte ich als Popperverehrer natürlich Interesse.
karlchen
Zitat:
Original von Eugen
Habe den interessanten Aufsatz von Sober angefangen, den wir in unserer Besprechung berücksichtigen sollten.

Sober macht insbesondere kritisch geltend, dass Quines Untersuchung und Verwerfung der Konzepte von Analytizität, Apriorität, Notwendigkeit selbst von eigentlicher Wissenschaft als unabhängig angesehenen philosophischen Standards folge, was im Widerspruch zu Quines eigener, später vorgetragener pragmatischer Einstellung stehe, Konzepte nur nach ihrer (wissenschaftlichen) Nützlichkeit zu beurteilen:

Zitat:
Quine taught us that the main question we should ask about a theory is whether it is indispensable as a device for explaining and predicting phenomena. The question then, should not be whether analyticity can be defined, but whether the concept is useful in science.


Mir scheint Quines Empirizismus zwar allzu starke Abgrenzungen zwischen Teildisziplinen aufzulösen und definitorische Rigidität nur als Teildiziplinen zuzulassen.

Auf der anderen Seite wird dadurch allzuviel zum Randbereich, und das empirische Zentrum zu einem neuen, ziemlich trägen Dogma.

HG !
Eugen
Zitat:
Original von karlchen
Auf der anderen Seite wird dadurch allzuviel zum Randbereich, und das empirische Zentrum zu einem neuen, ziemlich trägen Dogma.


Dazu hätte ich doch gerne ein bißchen mehr gewusst: Inwiefern siehst du bei Quine ein neues Dogma, noch dazu ein ziemlich träges, am Werk?
karlchen
Zitat:
Original von Devinus
Eigentlich wollte ich aber nur aufschreiben, was Hans Albert in zwei Briefen an Popper zu Quine schrieb. Soll ich? Kommt dann noch..., ...ggfls.


Fände ich auch großartig ! Aber nicht nur versprechen ... viele Grüße !! smile
Devinus
Hans Albert schrieb am 05.11.1966 zu Popper bezüglich eines Philosophen-Kongreß und was da so lief, zum Thema Quine lediglich: „Ein anderer benutzte Quine, den er irgendwie mit Heidegger versöhnte, um der deutschen »hermeneutischen« Philosophie wieder auf die Sprünge zu helfen.“ (Wer wohl dieser Andere gewesen ist, der das dort gesagt hat?)

Am 08.09.1992 schrieb Hans Albert zu Karl Popper: „Max und ich (und übrigens auch Bernd Fleischmann) haben an einem Seminar über Wissenschaft und Metaphysik teilgenommen, wo Deine Auffassungen mit denen von Quine konfrontiert wurden (die Alexander Rosenberg vertrat). Ich brauche Dir kaum zu sagen, daß uns die Quinesche Position nicht plausibel gemacht werden konnte. Immerhin konnte man mit Rosenberg gut diskutieren, und er gab zu, daß der kritische Rationalismus zumindest »praktische« Vorzüge hat.“

Bitte schön.
karlchen
Zitat:
Original von Eugen
Zitat:
Original von karlchen
Auf der anderen Seite wird dadurch allzuviel zum Randbereich, und das empirische Zentrum zu einem neuen, ziemlich trägen Dogma.


Dazu hätte ich doch gerne ein bißchen mehr gewusst: Inwiefern siehst du bei Quine ein neues Dogma, noch dazu ein ziemlich träges, am Werk?


Lieber Eugen, habe meinen Kommentar z.B. aus diesen Textstellen bei Quine abgeleitet:

"One effect of abandoning [the two dogma] them is, as we shall see, a blurring of the supposed boundary between speculative metaphysics and natural science. Another effect is a shift toward pragmatism."

"But what I am now urging is that even in taking the statement as unit we have drawn our grid too finely. The unit of empirical significance is the whole of science." und dann seine theoretischen Folgerungen aus der logischen Untersuchung von Aussagesätzen und seiner Sprachkritik:

"VI. EMPIRICISM WITHOUT THE DOGMAS

The totality of our so-called knowledge or beliefs, from the most casual matters of geography and history to the profoundest laws of atomic physics or even of pure mathematics and logic, is a man-made fabric which impinges on experience only along the edges. Or, to change the figure, total science is like a field of force whose boundary conditions are experience. A conflict with experience at the periphery occasions readjustments in the interior of the field. Truth values have to be redistributed over some of our statements. Re-evaluation of some statements entails re-evaluation of others, because of their logical interconnections -- the logical laws being in turn simply certain further statements of the system, certain further elements of the field. Having re-evaluated one statement we must re-evaluate some others, whether they be statements logically connected with the first or whether they be the statements of logical connections themselves. But the total field is so undetermined by its boundary conditions, experience, that there is much latitude of choice as to what statements to re-evaluate in the light of any single contrary experience. No particular experiences are linked with any particular statements in the interior of the field, except indirectly through considerations of equilibrium affecting the field as a whole.

If this view is right, it is misleading to speak of the empirical content of an individual statement -- especially if it be a statement at all remote from the experiential periphery of the field.
. Fore it becomes folly to seek a boundary between synthetic statements, which hold contingently on experience, and analytic statements which hold come what may. Any statement can be held true come what may, if we make drastic enough adjustments elsewhere in the system. Even a statement very close to the periphery can be held true in the face of recalcitrant experience by pleading hallucination or by amending certain statements of the kind called logical laws. Conversely, by the same token, no statement is immune to revision. Revision even of the logical law of the excluded middle has been proposed as a means of simplifying quantum mechanics; and what difference is there in principle between such a shift and the shift whereby Kepler superseded Ptolemy, or Einstein Newton, or Darwin Aristotle?

For vividness I have been speaking in terms of varying distances from a sensory periphery. Let me try now to clarify this notion without metaphor. Certain statements, though about physical objects and not sense experience, seem peculiarly germane to sense experience -- and in a selective way: some statements to some experiences, others to others. Such statements, especially germane to particular experiences, I picture as near the periphery. But in this relation of "germaneness" I envisage nothing more than a loose association reflecting the relative likelihood, in practice, of our choosing one statement rather than another for revision in the event of recalcitrant experience. For example, we can imagine recalcitrant experiences to which we would surely be inclined to accommodate our system by re-evaluating just the statement that there are brick houses on Elm Street, together with related statements on the same topic. We can imagine other recalcitrant experiences to which we would be inclined to accommodate our system by re-evaluating just the statement that there are no centaurs, along with kindred statements. A recalcitrant experience can, I have already urged, bc accommodated by any of various alternative re-evaluations in various alternative quarters of the total system; but, in the cases which we are now imagining, our natural tendency to disturb the total system as little as possible would lead us to focus our revisions upon these specific statements concerning brick houses or centaurs. These statements are felt, therefore, to have a sharper empirical reference than highly theoretical statements of physics or logic or ontology. The latter statements may be thought of as relatively centrally located within the total network, meaning merely that little preferential connection with any particular sense data obtrudes itself.
As an empiricist I continue to think of the conceptual scheme of science as a tool, ultimately, for predicting future experience in the light of past experience. Physical objects are conceptually imported into the situation as convenient intermediaries -- not by definition in terms of experience, but simply as irreducible posits18b comparable, epistemologically, to the gods of Homer. Let me interject that for my part I do, qua lay physicist, believe in physical objects and not in Homer's gods; and I consider it a scientific error to believe otherwise. But in point of epistemological footing the physical objects and the gods differ only in degree and not in kind. Both sorts of entities enter our conception only as cultural posits. The myth of physical objects is epistemologically superior to most in that it has proved more efficacious than other myths as a device for working a manageable structure into the flux of experience.
(1951)
Imagine, for the sake of analogy, that we are given the rational numbers. We develop an algebraic theory for reasoning about them, but we find it inconveniently complex, because certain functions such as square root lack values for some arguments. Then it is discovered that the rules of our algebra can be much simplified by conceptually augmenting our ontology with some mythical entities, to be called irrational numbers. All we continue to be really interested in, first and last, are rational numbers; but we find that we can commonly get from one law about rational numbers to another much more quickly and simply by pretending that the irrational numbers are there too.

I think this a fair account of the introduction of irrational numbers and other extensions of the number system. The fact that the mythical status of irrational numbers eventually gave way to the Dedekind- Russell version of them as certain infinite classes of ratios is irrelevant to my analogy. That version is impossible anyway as long as reality is limited to the rational numbers and not extended to classes of them.

Now I suggest that experience is analogous to the rational numbers and that the physical objects, in analogy to the irrational numbers, are posits which serve merely to simplify our treatment of experience. The physical objects are no more reducible to experience than the irrational numbers to rational numbers, but their incorporation into the theory enables us to get more easily from one statement about experience to another.

The salient differences between the positing of physical objects and the positing of irrational numbers are, I think, just two. First, the factor of simplication is more overwhelming in the case of physical objects than in the numerical case. Second, the positing of physical objects is far more archaic, being indeed coeval, I expect, with language itself. For language is social and so depends for its development upon intersubjective reference.


Positing does not stop with macroscopic physical objects. Objects at the atomic level and beyond are posited to make the laws of macroscopic objects, and ultimately the laws of experience, simpler and more manageable; and we need not expect or demand full definition of atomic and subatomic entities in terms of macroscopic ones, any more than definition of macroscopic things in terms of sense data. Science is a continuation of common sense, and it continues the common-sense expedient of swelling ontology to simplify theory.

Physical objects, small and large, are not the only posits. Forces are another example; and indeed we are told nowadays that the boundary between energy and matter is obsolete. Moreover, the abstract entities which are the substance of mathematics -- ultimately classes and classes of classes and so on up -- are another posit in the same spirit. Epistemologically these are myths on the same footing with physical objects and gods, neither better nor worse except for differences in the degree to which they expedite our dealings with sense experiences.

The over-all algebra of rational and irrational numbers is underdetermined by the algebra of rational numbers, but is smoother and more convenient; and it includes the algebra of rational numbers as a jagged or gerrymandered part.19b Total science, mathematical and natural and human, is similarly but more extremely underdetermined by experience. The edge of the system must be kept squared with experience; the rest, with all its elaborate myths or fictions, has as its objective the simplicity of laws.

Ontological questions, under this view, are on a par with questions of natural science.20b Consider the question whether to countenance classes as entities. This, as I have argued elsewhere,10a21b is the question whether to quantify with respect to variables which take classes as values. Now Carnap ["Empiricism, semantics, and ontology," Revue internationale de philosophie 4 (1950), 20-40.] has maintained11a that this is a question not of matters of fact but of choosing a convenient language form, a convenient conceptual scheme or framework for science. With this I agree, but only on the proviso that the same be conceded regarding scientific hypotheses generally. Carnap has recognized12a that he is able to preserve a double standard for ontological questions and scientific hypotheses only by assuming an absolute distinction between the analytic and the synthetic; and I need not say again that this is a distinction which I reject. 22b
(1951)
Some issues do, I grant, seem more a question of convenient conceptual scheme and others more a question of brute fact.
The issue over there being classes seems more a question of convenient conceptual scheme; the issue over there being centaurs, or brick houses on Elm Street, seems more a question of fact. But I have been urging that this difference is only one of degree, and that it turns upon our vaguely pragmatic inclination to adjust one strand of the fabric of science rather than another in accommodating some particular recalcitrant experience. Conservatism figures in such choices, and so does the quest for simplicity. Carnap, Lewis, and others take a pragmatic stand on the question of choosing between language forms, scientific frameworks; but their pragmatism leaves off at the imagined boundary between the analytic and the synthetic. In repudiating such a boundary I espouse a more thorough pragmatism. Each man is given a scientific heritage plus a continuing barrage of sensory stimulation; and the considerations which guide him in warping his scientific heritage to fit his continuing sensory promptings are, where rational, pragmatic. "

Viele Grüße !
Devinus
Zitat:
(1) No unmarried man is married.


Kein unverheirateter Mann heiratet also. Dies war ja bereits die Forderung Nietzsches, und die Kritik an den Pfarrern, dass selbige meinten, sie würde zwei Menschen miteinander verheiraten können. Sie müssten es schon vorher sein. Folglich, wenn alles richtig verlaufen sollte, ist dieses Beispiel logisch dann richtig, wenn die Trauung lediglich ein förmlicher Akt sein sollte, aber dann falsch, wenn man glaubt, dass Menschen in der Lage wären zwei andere Menschen zu verheiraten. Wären sie nicht gleichermaßen dann mit dem Paar verbunden? Gar eine Ehe zu dritt und das ohne 3maliges Jawort? Wenn diese zwei Dogmen zusammengeführt werden würden, müsste der Begriff der Heirat erst mal näher unter die Lupe genommen werden, oder gar neu definiert werden, und ggfls. das zweite Dogma, den förmlichen Akt, anders benannt werden. Heiraten und Hochzeit feiern, sind vielleicht doch verschiedentliche Dinge.

Was mich aber doch mal am Rande auch interessieren würde wäre, was Quine mit Gödel zu tun hatte. Ich hab gelesen, dass sie sich im sog. Wiener Kreis trafen.
Nylen
Zitat:
Was mich aber doch mal am Rande auch interessieren würde wäre, was Quine mit Gödel zu tun hatte. Ich hab gelesen, dass sie sich im sog. Wiener Kreis trafen.


Nun was alle diese Leute einte war das interesse an formaler Logik. Gödel hat es geschafft zu zeigen wie man eine in sich vollkommen geschlossene Logik bauen kann und zeigen kann das sie Vollständig ist. Da bin ich aber nicht sicher inwiefern das sein Verdients war. Wichtiger war wohl das er gezeigt hat das Mathematik kein solche Vollständiges System ist.
karlchen
Danke für die Zitate !! Herzliche Grüße ! smile
karlchen
hatte @ Devinus vergessen ... sorry ... Grüße ! smile
Devinus
War schon klar @ karlchen. Hatte ja bereits im Vorfeld schon mein Bitteschön gesetzt. Aber dann nochmal: Bitteschön gern geschehen und Dankeschön für Dein Danke und Deine herzlichen Grüße, die ich ebenso für dich übrig habe. Und bei der Gelegenheit auch nochmal Danke an Nylen für die letzte Antwort hier - jedoch, ein Eingehen auf dieses Bitte- und Dankesschreiben ist nicht weiter nötig.
karlchen
smile