Hi.
@Reinhard
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Soso, Deine Metaphern scheinen mir nicht ohne Haken und Oesen zu sein. Unter Werkzeug verstehe ich schon mal was anderes, nämlich das Zuhandene, wie Heidegger sich ausdrückt. So wie ein Fernrohr die Erweiterung meines Gesichts ist, oder der Roboter die Erweiterung bestimmter Körperfunktionen. Ob ich das benutze, bleibt mir überlassen, ob ich logisch vorgehe eben nicht, denn das tue ich ohne wenn und aber, unabhängig von dem, was bei rüberkommt.
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Ebenso verhält es sich auch mit dem modallogischen System S5. Nichts und niemand zwingt dich, es zu benutzen. Ob du für eine bestimmte Aufgabe Gebrauch von S5 machst oder nicht, bleibt zuletzt stets dir überlassen.
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Auf was zielt die modale S5 Logik aber nun ab ? Formeln sind doch nicht ihrer selbst wegen da.
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Mit S5 hat man versucht, unser intuitives Verständnis der logischen Funktionsweise der Ausdrücke „es ist möglich dass“ und „es ist notwendig dass“ zu formalisieren. Dass dies gelungen ist, bezweifle ich, nützlich ist S5 dennoch – Anwendung findet der Kram z.B. auch in der Linguistik, der Informatik und der Mathematik.
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Nun ist es aber so, dass uns geometrische Verhältnisse nur durch die Anschauung verständlich werden können oder weiss jemand vielleicht apriori, dass die Winkelsumme im Dreieck immer 180 Grad beträgt ?
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In der euklidischen Geometrie gilt a priori, dass die Winkelsumme im Dreieck 180 Grad beträgt, das folgt – vereinfacht gesagt – einfach aus bestimmten Festlegungen. Wenn jemand eine dreiecksartige Fläche auf ein Blatt Papier zeichnet und diese, weil die Seiten womöglich leicht gebogen sind, eine Innenwinkelsumme ungleich 180 Grad hat, dann ist diese Fläche per Definition schlichtweg kein Dreieck. Derart genau nimmt das im Alltag aber natürlich niemand, denn das wäre eher hinderlich als nützlich.
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Mindestens in diesem Beispiel, dass ja dem Verständnis dienen sollte, wird also eine Anleihe in der besten aller möglichen Welt gemacht und dann behauptet, dass sei in jeder denkbaren Welt so.
Kann ich diese Anleihe vielleicht auch in einer anderen möglichen Welt machen und das in unsere übertragen?
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Ich verstehe die Frage nicht. Wie soll man etwas IN einer möglichen Welt machen? Mögliche Welten sind ja nicht so etwas wie Galaxien, Universen oder Paralleldimensionen, in die man reisen könnte, um dann in ihnen irgendwelche Dinge anzustellen. Mögliche Welten sind Formelmengen und in eine Formelmenge kann man nur hinein, wenn man eine Formel ist, was für uns Menschen freilich eine nicht zu erfüllende Bedingung ist^^
Oder willst du etwas FÜR eine mögliche Welt festlegen, also etwa, dass der Mittelpunkt eines Kreises von jedem Punkt der Peripherie gleich weit entfernt ist? Ist das, was du da festlegst, eine logische Wahrheit, dann gilt das – im Falle von S5 – automatisch für alle möglichen Welten.
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Welche Eigenschaften haben die fraglichen Formelmengen denn nun zu erfüllen? Vielleicht die, die zu einer sog. Weltformel führen könnten ?
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Weltformel? Wie kommst du denn jetzt darauf? Wie dem auch sei, die Bedingungen, die diese Formelmengen im Fall von S5 zu erfüllen haben, sind allesamt recht technischer Kram. Um, ohne sie weiter zu erläutern, einfach mal ein paar zu nennen: Die Formelmengen müssen maximal und konsistent sein, in ihnen müssen die Regeln und Gesetze der klassischen Logik gelten, sie müssen in einer Äquivalenzrelation zu jeder andern möglichen Welt stehen, sie müssen rekursiv durch die Formelbildungsregeln konstruierbar sein usw.
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und in wessen Dienste steht diese Logik ?
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In der des Anwenders.
@Pippen
Ich werde den fraglichen Beweis am besten mal in einer GAAAAANZ langen Variante darlegen, die aus demjenigen Grunde GAAAAANZ lang ist, weil ich pro Beweisschritt nur eine einzige Schlussregel und diese nur ein einziges mal anwenden werde. Ich werde dir auch in Klammern darunter den Kram in Wortsprache aufschreiben, allerdings wird dir das nichts helfen, da die Wortsprache bei den meisten Formeln des Beweises gänzlich unübersichtlich gerät. Daher rate ich dir, die gerade einmal fünf verwendeten Zeichen der Formalsprache zu lernen, da die Notation in Formelsprache übersichtlich bleibt (es hat eben schon seinen Grund, warum man diese Formelsprache entwickelt hat).
Zu den Zeichen:
„A“ wird gelesen als „es ist der Fall, dass A“.
„~A“ wird gelesen „es ist nicht der Fall, dass A“ oder „A ist nicht der Fall“.
„A -> B“ wird gelesen als „wenn A, dann B“ oder „wenn A der Fall ist, dann ist B der Fall“.
„LA“ wird gelesen als „es ist notwendig, dass A“ oder „es ist notwendig der Fall, dass A“.
„MA“ wird gelesen als „es ist möglich, dass A“ oder „es ist möglicherweise der Fall, dass A“.
Zu den verwendeten Schlussregeln:
Die Kontrapositionsregel:
Sie besagt, dass aus „A -> B“ („wenn A, dann B“) geschlossen werden darf auf „~B -> ~A“ („wenn es nicht der Fall ist, dass B, dann ist es nicht der Fall, dass A“). Um sie an einem Beispiel zu verdeutlichen. Nehmen wir als Prämisse „wenn es regnet, dann ist die Straße nass“. Diese Prämisse besagt, dass ohne Ausnahme gilt, dass, wann immer es regnet, dann auch die Straße nass ist. Daraus sollte schon ersichtlich sein, dass also dann, wenn die Straße nicht nass ist, es auch nicht regnet, denn würde es regnen, dann wäre die Straße ja nass.
Die Regel der uniformen Substitution:
Sie besagt, dass in einer beliebigen Formel eine beliebige Variable (also „p“, „q“, „r“ usw., ABER NICHT „~p“, „p & q“ oder ähnliches) durch eine beliebige andere Variable oder Formel (also „p“, „q“, „r“ usw. UND AUCH „~p“, „p & q“ oder ähnliches) ersetzt werden darf, SOFERN die Variable ÜBERALL in der Formel ersetzt wird. Hat man etwa die Formel „p & q & p“, dann darf man „p“ z.B. durch „s -> s“ ersetzen, sofern man BEIDE „p“ durch „s -> s“ ersetzt. Man kann von „p & q & p“ durch Subsitution von „p“ durch „s -> s“ also auf „(s -> s) & q & (s -> s)“ schließen, ABER NICHT auf „(s -> s) & q & p“.
Um ein Beispiel zu bringen: Nehmen wir als Prämisse „es regnet oder es regnet nicht“. Diese Prämisse ist trivialerweise logisch wahr. Jetzt kann man „es regnet“ durch „wenn es schneit, dann scheint die Sonne“ ersetzen um zu erhalten „wenn es schneit, dann scheint die Sonne, oder es ist nicht der Fall, dass wenn es schneit, dann die Sonne scheint“. Der Satz ist ein wenig holprig geraten, aber ein prüfender Blick sollte genügen festzustellen, dass dieser neue Satz ebenfalls eine logische Wahrheit ist. Das hat einen einfachen Grund. So ist ein Satz des Schemas „A oder B“ in einer klassischen Logik, wie auch S5 eine ist, wahr genau dann, wenn wenigstens einer der beiden Teilsätze „A“ oder „B“ wahr ist. Außerdem kann ein Satz nur entweder wahr oder falsch sein. Hat man daher einen Satz der Form „p v ~p“ (also etwa „es regnet oder es regnet nicht“), dann MUSS entweder „p“ oder „~p“ wahr sein. Damit ist aber auch sogleich der ganze Oder-Satz wahr. Ersetzt man nun die beiden „p“ (im Beispiel die beiden „es regnet“) jeweils durch denselben, auch noch so komplizierten Satz, hat man aber doch wieder nur einen Oder-Satz, auf dessen einer Seite ein Satz und auf dessen anderer dessen Negation steht. Damit MUSS wieder einer der beiden Sätze wahr sein und damit der ganze Oder-Satz. Substituiert man in andere Formeln, sieht die Sache ganz ähnlich aus. Generell gilt: Substiutiert man in eine logische Wahrheit, erhält man stets eine logische Wahrheit, substituiert man in einen Widerspruch, erhält man stets einen Widerspruch und substituiert man in einen kontingenten Satz, erhält man stets einen kontingenten Satz. Wenn die Regel der uniformen Substitution etwas seltsam anmuten sollte, kannst du ja mal versuchen, ein Gegenbeispiel zu finden, indem du etwa einen logisch wahren Satz nimmst, in ihn substituierst und dann einen Satz erhältst, der nicht logisch wahr ist – du wirst keines finden.
Die Regel der doppelten Negation:
Diese Regel erlaubt es, wenn man VOR einer Formel direkt hintereinander zwei Negatoren „~“ („es ist nicht der Fall, dass“) hat, beide Negatoren zu streichen. Aus „~~A“ („es ist nicht der Fall, dass es nicht der Fall ist, dass A“) folgt damit „A“ („es ist der Fall, dass A“). Diese Regel – denke ich – ist auch ohne Beispiel einleuchtend. Ansonsten: aus „wenn es nicht der Fall ist, dass es nicht der Fall ist, dass es schneit“ folgt „es schneit“.
Die Regel LMI (L-M-Interchange):
Wie oben geschrieben steht „L“ für „es ist notwendig, dass“ und „M“ für „es ist möglich, dass“. Die Regel LMI gibt an, wie man aus einem „L“ ein „M“ und aus einem „M“ ein „L“ machen kann. Die Regel besagt, dass „~L~A“ („es ist nicht notwendig, dass A nicht der Fall ist“) gleichbedeutend ist mit „MA“ („es ist möglich, dass A der Fall ist“) und dass „~M~A“ („es ist unmöglich, dass A der Fall ist“) gleichbedeutend ist mit „LA“ („es ist notwendig, dass A der Fall ist“). Mit LMI kann so etwa von „~L~A“ auf „MA“ schließen, indem man das „~L~“ einfach zu „M“ umwandelt, aber auch auf ~~M~~A“, indem man das „L“ zu „~M~“ umwandelt. LMI sollte einleuchtend sein, um aber die Tradition zu ehren: aus „es ist unmöglich, dass Gott keine Stupsnase hat“ folgt „es ist notwendig, dass Gott eine Stupsnase hat“. Man kann zur Veranschaulichung auch die Rede von möglichen Welten übernehmen: aus „wenn es keine mögliche Welt gibt, in der Gott keine Stupsnase hat“ folgt „Gott hat in jeder möglichen Welt eine Stupsnase“.
Nun endlich zum Beweis:
„p“ kürze ab „Gott existiert“.
(1) Mp -> LMp
(Wenn es möglich ist, dass Gott existiert, dann ist es notwendig, dass es möglich ist, dass Gott existiert.)
Dies ist die Prämisse des Beweises und sogar eine logische Wahrheit in S5.
Mit Kontraposition folgt:
(2) ~LMp -> ~Mp
(Wenn es nicht notwendig ist, dass es möglich ist, dass Gott existiert, dann ist es unmöglich, dass Gott existiert.)
Mit LMI auf das „L“ in 2 folgt:
(3) ~~M~Mp -> ~Mp
Mit LMI auf das zweite „M“ in 3 folgt:
(4) ~~M~~L~p -> ~Mp
(Wenn es nicht der Fall ist, dass es unmöglich ist, dass es nicht der Fall ist, dass es nicht notwendig ist, dass Gott nicht existiert, dann ist es unmöglich, dass Gott existiert.)
Mit LMI auf das zweite „M“ in 4 folgt:
(5) ~~M~~L~p -> ~~L~p
(Wenn es nicht der Fall ist, dass es unmöglich ist, dass es nicht der Fall ist, dass es nicht notwendig ist, dass Gott nicht existiert, dann ist es nicht der Fall, dass es nicht notwendig ist, dass Gott nicht existiert.)
Mit dem Gesetz der doppelten Negation lassen sich die beiden Negatoren am Beginn von 5 eliminieren. Es folgt also:
(6) M~~L~p -> ~~L~p
(Wenn es möglich ist, dass es nicht der Fall ist, dass es nicht notwendig ist, dass Gott nicht existiert, dann ist es nicht der Fall, dass es nicht notwendig ist, dass Gott nicht existiert.)
Mit der uniformen Substitution der beiden „p“ durch „~p“ folgt:
(7) M~~L~~p -> ~~L~~p
(Wenn es möglich ist, dass es nicht der Fall ist, dass es nicht notwendig ist, dass es nicht der Fall ist, dass Gott nicht existiert, dann ist es nicht der Fall, dass es nicht notwendig ist, dass es nicht der Fall ist, dass Gott nicht existiert.)
Jetzt wenden wir LMI auf das erste „L“ INKLUSIVE des Negators davor und desjenigen dahinter in 7 an. Es folgt:
(8 ) M~M~p -> ~~L~~p
(Wenn es möglich ist, dass es unmöglich ist, dass Gott nicht existiert, dann ist es nicht der Fall, dass es nicht notwendig ist, dass es nicht der Fall ist, dass Gott nicht existiert.)
Nun wenden wir LMI auf das zweite „M“ INKLUSIVE des Negators davor und desjenigen dahinter in 8 an. Es folgt:
(9) MLp -> ~~L~~p
(Wenn es möglich ist, dass es notwendig ist, dass Gott existiert, dann ist es nicht der Fall, dass es nicht notwendig ist, dass es nicht der Fall ist, dass Gott nicht existiert.)
Wieder wenden wir LMI an, diesmal auf das zweite „L“ INKLUSIVE des Negators davor und desjenigen dahinter in 9. Es folgt:
(10) MLp -> ~M~p
(Wenn es möglich ist, dass es notwendig ist, dass Gott existiert, dann ist es unmöglich, dass Gott nicht existiert.)
Zuletzt wenden wir LMI nochmals an und zwar auf das zweite „M“ INKLUSIVE des Negators davor und desjenigen dahinter in 10. Es folgt:
(11) MLp -> Lp
(Wenn es möglich ist, dass es notwendig ist, dass Gott existiert, dann ist notwendig, dass Gott existiert.)
Voila, q.e.d.