Umfrage: genetic engineering

Philipp-83
Hallo zusammen.

Ich muss in einer Facharbeit das umfangreiche Thema "genetic engineering" abhandeln. Zu diesem Zwecke hatte ich mir gedacht, die ganze Sache auch besonders vor dem ethischen Hintergrund zu beleuchten.
Deshalb würde ich gerne als Einleitung eine Umfrage präsentieren, die sich mit dem Thema beschäftigt, und bei der ihr mir sehr helfen könntet.

Sollte der Mensch, solange es die technischen Mittel zulassen, seinen Nachwuchs pränatal mit genetisch verbesserten Eigenschaften ausstatten?
(hoher IQ, körperliche Attraktivität, Immunität gegen Krankheiten etc.)
Oder geht der Mensch damit zu weit, verliert vielleicht die Kontrolle?
Voraussetzen würde ich lediglich die finanzielle Erschwinglichkeit für Jedermann. Sagen wir, es würde im Zuge einer Versicherungsleistung finanziert werden können.

Für ein paar Begründungen wäre ich sehr dankbar!!

Gruß Phil
carsten aus bochum
Hi,

ich kann Dir dazu die Sendung

"Über die Natur des Menschen in Zeiten der Biomedizin" vom 14.8.09, auf WDR5 "Das philosophische Radio" warm empfehlen.

Podcast findest Du hier:

http://www.wdr5.de/nachhoeren/das-philosophische-radio.html

winken
Philipp-83
Nett gemeint, aber die Folge hab ich bereits gehört. Lade mir jeden Freitag die neuste Folge runter. Trotzdem danke schön.
carsten aus bochum
Da wurden doch die Argumente von Habermas bezüglich der genetischen Gemeinsamkeit der Menschen besprochen, die, wenn verändert, einen neuen Menschen kreieren, auf die der lebensweltliche Hintergrund, aus dem die Normativität/Ethik schöpft nicht mehr zutrifft, ich glaube so nach einer guten halben Stunde.

Das Argument kann man doch sicher ausschlachten...!?
Philipp-83
Ganz genau, Habermas ist einige Male zitiert worden. Dass man die Wissenschaft bzw. Forschung und Entwicklung nicht aufhalten kann, aber als Philosoph zumindest versuchen sollte sie aktiv zu lenken. Vor allem aber auch seine Befürchtungen um der Gleichheit und Würde des Menschen wegen, oder dem Demokratiegedanken.
Soweit ich mich erinnere wurde Habermas aber auch in einigen Ansätzen kritisiert, werd mir das bei Zeiten sicher noch mal anhören.

Gruß Philipp
Nylen
Genetic Engineering im engeren Sinne ist sowas wie der Versuch den Menschen genetisch zu "verbessern". Das wäre mir eher unangenehm. Allerdings will ich nicht missen das "genetic Healing" aussondiert wird.

Ich habe also mal pro abgestimmt mit der eben genannten Einschränkung. Bessere Menschen züchten ist mir zuwieder. Ich bin allerdings sicher das es das Geben wird, wenn die Möglichkeiten bestehen. Irgendjemand wird es tun.
Kai
@Philipp-83

Kuck doch mal auf diese Seite

http://www.philolex.de/gentechn.htm

Da findest Du viele Argumente für genetic engineering
Philipp-83
Cool, danke Kai !

Die Seite kannte ich noch nicht und scheint auch sehr umfangreich zu sein.
Kann ich gut gebrauchen.

Gruß Philipp
Mariposa
Hallo Phil

Dieses Thema ist ziemlich interessant. Aber denkst du wirklich, dass mit körperlicher Attraktivität und einem hohen IQ Probleme einfach weggemacht werden? (Diese Frage ist natürlich rhetorisch gemeint, weil ich aus Erfahrung spreche...)
Ob wir Menschen die Kontrolle verlieren? Ist dies nicht bereits geschehen in unserer von Überforderung geprägten Gesellschaft?

Und auch mir, der ich dem Leben gut bin, scheinen Schmetterlinge und Seifenblasen und was ihrer Art unter Menschen ist, am meisten vom Glücke zu wissen.
[Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra]

Naja, Nietzsche hat ja unseren Nihilismus prophezeit...

Liebe Grüsse, Christina
carsten aus bochum
Zitat:
(Diese Frage ist natürlich rhetorisch gemeint, weil ich aus Erfahrung spreche...)


Freude
Nylen
Gibt da einen Film ...das Erstlingswerk von George Lucas. Heisst THX 1197. Dort können sie durch gezielte Drogenverabreichung Verhalten steuern etc...auch eine Alptraumvorstellungen. Du benutzt deine Zahnpasta und wirst zum willenlosen Zombie.

Im Film befreit eine Frau einen anderen Mann aus diesem künstlichen Traum. Danach lässt er sich nicht aufhalten und wird vom system gejagt, bis er die unterirdischen Städte verlässt und an die Oberfläche des Planeten kommt. Dort sieht er nur noch die Überreste des atomaren Holocaust der die Menschen unter die Erde getrieben hat.

Unheimlicher Film. Sehr empfehlenswert
Mariposa
Findet ihr nicht auch, dass es nicht auf solche Oberflächlichkeiten wie Attraktivität und IQ ankommt? Ich finde, Ästhetik und Intelligenz ist ganz was anderes... Ok, ihr könnt mir schon vorwerfen, dass ich dies nicht beurteile könne, da mich viele attraktiv finden und mein IQ auch überdurchschnittlich ist... Jedoch was bringt mir meine äussere Schönheit, wenn die Leute nicht sehen, dass meine innere Schönheit noch viel grösser ist? Und nicht verstehen, dass ich trotzdem einen Minderwertigkeitskomplex habe... Und naja, auch ein hoher IQ hat eine Kehrseite der Medaille, denn man kann nicht überall hervorragend sein, denn man muss sich entscheiden, da man nicht alles gleichzeitig tun kann. Und wenn man grad psychisch sehr belastet ist, kann man noch so einen hohen IQ haben, man kann diesen nicht völlig ausschöpfen, denn man ist blockiert und kann sich nicht richtig entfalten...

Liebe Grüsse, Christina

ps: der Kokon öffnet sich immer mehr und der Schmetterling Mariposa befreit sich von den dunklen Fängen des Nihilismus...
tolwin
@Philipp-83

Es wurden schon Links gegeben, deshalb ein eher das Formale betreffende Vorschlag: was mir bei den Diskussionen Rumd um das sog. "genetic engineering" auffiel, ist, daß der Begriff nicht einheitlich gebraucht wird. Alle Ansätze beinhalten im Kern immer eine Selektion von genetischen Informationen, aber es scheint durchaus massive Unterschiede in deren moralischen Beurteilung zu geben im Rahmen der Pränataldiagnostik (PND).

Entweder 1) man selektiert Embryonen für die Implantation, nachdem man sie zuvor auf bestimmte genetische Eigenschaften hin mit Erfolg getestet hat.

Bei der PND jedoch geht es ausschließlich um diesen Punkt. Und die PND wird gerne mit dem folgenden Punkt in einen Topf geworfen:

2) man selektiert Embryonen für die Implantation, nachdem man sie zuvor mit Erfolg in eine bestimmte Richtung genetisch manipuliert hat.

In der Regel bedeutet genau das Genetic Engineering . Es beinhaltet eine Manipulation von genetischen Informationen. Die Selektion auf Manipulationsbasis geht also erheblich weiter als die Selektion auf Testbasis. Denn eine Manipulation setzt sinnvollerweise einen Test voraus, aber nicht umgekehrt.
Durch die Manipulation kann man die in der Natur vorgefundenen Anlagen verändern; und durch die rein testbasierte Selektion kann man lediglich unter den in der Natur vorgefundenen Anlagen eine gezielte Auswahl treffen und damit einer reinen Zufallsauswahl zuvorkommen.

Mein Vorschlag ist also, dies klar voneinander abzugrenzen und dann auch getrennt auf ihre ethischen Implikationen hin zu untersuchen. Du benutzt in Deinem Eröffnungsbeitrag den Begriff "ausstatten". Das ist schon sehr undeutlich. Statten wir ein Kind indirekt nicht bereits dann schon mit einem höheren IQ aus, wenn wir im Rahmen der PND nicht Embryo a, sondern Embro b wählen (der nach dieser Wahl in den Uterus eingepflanz wird), weil es so aussieht, als ob er die Anlagen zu einem höheren IQ besitzt? Oder statten wir ein Kind erst dann mit einem höheren IQ aus, wenn wir konkret in seine genetischen Informationen manipulativ eingreifen?
Und wo ist hier die Grenze? Was macht diese Unterschiede moralisch bedeutsam? All das sind enorm wichtige Fragen.

Auch Habermas tut sich unheimlich schwer (vielleicht drückt er sich wie so oft einfach nur unmöglich aus und ich verstehe ihn nicht) mit dieser Unterscheidung.

Meine Ansicht ist die Folgende: bei der Selektion auf Testbasis vermag ich beim besten Willen nicht sehen, was daran moralisch bedenklich oder gar verbotswürdig sein soll, wenn in die Zufallsauswahl der Naur zugunsten einer der sich präsentierenden Alternativen im Interesse des Menschen bzw. der Eltern korrigierend eingegriffen wird.
Und ich würde meinen, daß es auch unbegründet ist, einen solchen Eingriff, wie bisweilen vorgeschlagen, nur dann zuzulassen, wenn bei den Eltern des Embryos ganz betimmte genetische Risikofaktoren vorliegen. Warum soll es den Eltern vom Staat verboten werden, die Auswahl unter ihren verschiedenen Embryonen, soweit wie möglich, nach jeder beliebigen genetischen Ausstattung, die sie wünschen, vorzunehmen? Man kann sich sich - gleichsam eine Stufe früher im Prozess der Nachwuchsplanung - einen Zeugungspartner, wenn man denn dies möchte, ja auch danach aussuchen ob sich in dessen Familie eine bestimmte ausgeprägte Veranlagung findet.
Zudem: wie steht es denn mit einer Selektion in einem Stadium nach der Implantation bzw. Einnistung, nämlich einer Selektion im Weg der Abtreibung? Mit Recht ist in Deutschland die Frühabtreibung ohne jede medizinische Indikation strafrechtlich freigegeben. Jede Frau kann aus jedem beliebigen Grund eine solche Abtreibung vornehmen lassen. Wer aus jedem beliebigen Grund abtreiben kann, der kann aber - und das ist eine zwingende logische Folgerung - eben auch zum Zweck jeder beliebigen ihm gewünschten Selektion abtreiben. Oder genauer gesagt: jede Frau kann, soweit technisch möglich, im Weg der PND die genetische Ausstattung ihres Embryos testen lassen und sich je nach Ausgang dieser Tests für oder gegen die Existenz ihres Embrybos entscheiden.

Die Selektion als Manipulation hingegen ist problematisch. Und ich meine, sie muss schon deshalb verboten sein, weil nicht auszuschließen ist, daß sie - wenn auch nicht beabsichtigt - bei dem Embryo Schäden hervorruft, die den späteren Menschen in seinem Überlebens- oder Gedunsheitsinteresse z. T. sehr bedeutsam verletzten könnte.

@Mariposa

Zitat:
. Und wenn man grad psychisch sehr belastet ist, kann man noch so einen hohen IQ haben, man kann diesen nicht völlig ausschöpfen, denn man ist blockiert und kann sich nicht richtig entfalten...


Das mag richtig sein. Aber es ist nicht in jedem Fall richtig. So ist bei Menschen mit hohem IQ das Risiko der Ausbildung von Posttraumatischen Belastungsstörungen signifikant geringer. Sprich: je intelligenter ein Mensch ist, deso unwahrscheinlicher ist es, an einer solchen Störung zu leiden.
Wenn es also daum geht, daß Eltern ihrem Kind die Chance auf eine solche Störung minimieren wollen, ist es zulässig im Rahmen einer Selektion auf Testbasis ein Kind mit Anlagen zur Ausbildung einer hohen Intelligenz zu wählen. Das ist natürlich nur eine theoretische Überlegung und ich weiß nicht, wie man sowas feststellt oder ob es überhaupt derart klar möglich ist.
carsten aus bochum
Hi.

@ tolwin:

Jede Zuchtauswahl ist ja eine Genmanipulation und bei künstlicher Befruchtung tut man ja oft genau das, d.h. eine Frau, die ein Kind will, würde vermutlich keine Spermien von einem kleinwüchsigen Alkoholiker mit einem IQ von 65 bevorzugen.
In weiten Teilen der Bevölkerung ist man sich einig, dass man Embryonen, mit schweren Defekten abtreibt, auch das ist, wenn man so will, eine Form der Genmanipulation.

Die Frage, die sich stellt ist ja die, ob man nicht nur therapieren, sondern auch optimieren soll.
Soweit ich Habermas‘ Argumente, die ich hier nur über Dritte kenne, verstanden habe, lauten sie, dass ein weitgehend identischer Genpool den Menschen eint. Habermas‘ grundsätzlicher Standpunkt scheint hier zu sein, dass die Gene die Menschen (ihr Verhalten, ihr Denken und Fühlen, ihre Wünsche) in der biologischen Tiefe verbindet.
Es geht ja nicht nur darum, ob ein Mensch nun einen IQ von 200 hat, sondern vielleicht auch ... keine Angst mehr, keine Gewissensbisse (prima, wenn man Soldaten züchten will), keine Aggressionen, kein Suchtverhalten mehr, keine manisch-depressiven Schwankungen.
Gelänge das, so ist auch das normative Fundament dieser Menschen ein anderes und der Diskurs mit den unmanipulierten Restmenschen würde nach und nach zerstört, das ist ein grundsätzliches Problem, was man leicht erkennen kann.

Eine andere Kritik, nicht von H., ist eine eher technische: in meinen Augen haben sehr viele „Optimierungen“ des Menschen neben dem Licht auch sehr viel Schatten erzeugt, der gerne nicht gesehen wird, insofern wäre ich hier eher sehr sehr vorsichtig, doch so wie das Doping längst kein Sportphänomen mehr ist, sondern ein Phänomen der Gesamtbevölkerung, Beta-Blocker, Sedativa, Antidepressiva für die Arbeit und den Unistress; Kokain, Viagra, Wachstumshormone, Testosteron & Co. fürs Private; Partydrogen für Parties; Ritalin, damit auch die Kleinen schon früh das Schlucken lernen und nun hat die Spitze den Schritt zum Gendoping bereits getan.
Noch sind die Folgen unabsehbar (man wundert sich zwar immer wieder, wie „gesunde“ junge Spitzensportler zwischen 20 und 35 Infarkte und Schlaganfälle bekommen – und schiebt das auf unerkannte Herzfehler, wo ja Sportler bekanntermaßen auch so gut wie nie medizinischen Checks unterzogen werden...) aber es könnte ja gut gehen.
Ist wie der Rabatt-Effekt: man könnte ja einen Vorteil haben, den dann, wenn man ihn nicht wahrnimmt, ein anderer hätte, eine wahrhaft kauzm zu kompensierende narzisstische Kränkung.
Ich glaube jedoch, dass eine gezielte Genmanipulaton SciFi bleiben wird. Die allermeisten Gensequenzen werden im Laufe der Entwicklung mehrfach abgelesen und codieren in diesen unterschiedlichen Entwicklungsstadien völlig verschiedene Eigenschaften, so das die gezielte Manipulation genau einer „unerwünschten“ Eigenschaft ohnehin in den seltstensten Fällen gelingen kann.
Persönlich habe ich wenig Zweifel daran, dass diese Eingriffe in der Überzahl nur mit schwersten Defekten und Spätfolgen erkauft wird.

Das Diskussionssprektrum reicht sicher von einen ultrakonservativen „man soll der Natur (Schöpfung) nicht ins Handwerk pfuschen“ Einstellung, die übersieht, wo wir das überall bereits erfolgreich tun und einer fortschrittseuphorischen, „gemacht wird, was geht“ Einstellung, die zu oft leugnet, dass die negativen Folgen, die man sich damit einkauft eben keine düsteren Zukunftsszenarien sind, sondern längst Alltag.


@ Mariposa:

Mein Lachen bezog sich eher auf die lustige Selbstverständlichkeit Deiner Bemerkung, ich wollte nicht abstreiten, dass Attraktivität und Intelligenz nicht vor Lebensproblemen schützen.
Ich glaube, diese Einstellung des „zu viel Nachdenkens“ und dadurch erst Probleme erzeugen, die ein robusterer Lebensansatz nicht haben soll, ist eine Illusion. Nicht nur Posttraumata, auch andere Therapien gelingen besser, wenn man intelligent und – vielleicht überraschenderweise – physisch attraktiv ist.
Diese simple Romantik des Bauarbeiters, ders zufrieden ist, wenn er arbeitet, Bier trinkt und Wochenends die Liebste beglückt, oder eben dem weiblichen Pendant, deren Leben nach Erscheinen des Prinzen in der weißen Kutsche nur noch durch die frohe Sorge um die Brut getoppt wird, ist doch eher ein Mythos.
Die Realität der Prolls ist der chronische Neid und die Missgunst, auf entsprechend niedrigem Niveau.
Auch wenn es böse klingt die wirklich Unterprivilegierten kriegte und kriegt man schlicht deshlab so unzureichend organisiert, nicht weil die überall brutal unterdrückt wurden, sondern weil es zu einem Wir-Gefühl, einer echten Identifikation mit dem anderen, über das Ende einer Kitschserie hinaus oft nicht reicht.

Gruß,

Carsten
Philipp-83
@ mariposa

Dann will ich dir auf deine rhetorische Frage dennoch kurz antworten, da ich derlei Behauptung nicht aufgestellt habe. Vielmehr habe ich mich mit einer Tendenz über meine eigene Einschätzung der Problematik eher bedeckt halten wollen, um der Diskussion nicht schon die Richtung vorzugeben.
Aber ich unterstütze deine Meinung, dass durch einen solchen Eingriff ganz bestimmt nicht alle Problem behoben sind.
Was den Kontrollverlust des Menschen betrifft kann ich deine These nur partiell teilen. Sicher haben wir Menschen in einigen Bereichen des täglichen Lebens die Kontrolle verloren, ganz zu schweigen von der Überforderung, die an vielen Stellen spürbar ist. Diese gewichte ich jedoch weitaus niedriger als den totalen Kontrollverlust, quasi den GAU, den ich bei der Genmanipulation im Kopf habe.


@ tolwin

Die Unterscheidung die du machst ist ethisch betrachtet sehr richtig und wichtig. Vielleicht habe ich mich auch etwas "schwammig" ausgedrückt. Mir ging es tatsächlich um den konkreten Eingriff in das Erbgut, der ja in dem von mir beschriebenen Maße noch überhaupt nicht realisierbar ist.
Auch das noch in den Kinderschuhen befindliche Feld der Epigenetik wirft in diesem Zusammenhang noch viel zu viele Fragen auf, die evtl. nur empirisch geklärt werden könnten.
Die Möglichkeit der Abtreibung ist in meinen Augen ein Grundbaustein der Menschenrechte. Davon, dass es Menschen gibt, die beim Sex gerne auf die Verhütung verzichten möchten (aus welchen Gründen auch immer), und dann im Falle eines positiven Schwangerschaftstests beliebig oft von ihrem Abtreibungsrecht gebrauch machen, ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Solange das nicht auf Kosten des Steuerzahlers geschieht, möchte ich denjenigen dieses Recht auch nicht absprechen.
Was ich persönlich darüber denke steht auf einem anderen Blatt. Ich sehe halt einfach die Bedenken nicht, die in Debatten immer wieder zu hören sind. Man kann zu einem derartig frühen Zeitpunkt noch nicht von einem entwickelten Menschen sprechen, welchem dementsprechend auch noch nicht das damit einhergehende Recht auf die Wahrung der Würde zugesprochen werden kann.
Kai
Häufig wird bei der Diskussion über Gentechnik der Eindruck vermittelt, eine Veränderung von Genen sei etwas unnatürliches, neuartiges, grundsätzlich gefährliches, verrücktes, abartiges etc. Tatsächlich ist es aber so, dass eine Veränderung von Genen seit Milliarden von Jahren ständig vor sich geht. Ohne diese gäbe es überhaupt keine Evolution des Lebens. Und wenn diese Veränderungen fast immer katastrophale Folgen haben würden, dann frage ich mich, warum die bisherigen Veränderungen soviele stabile Lebensformen haben hervorbringen können, warum es eine Verkomplizierung der Gene und damit eine Höherentwicklung des Lebens hat geben können, warum es in der Natur nicht von lebensunfähigen Missgeburten wimmelt.

Erfolgreiche Evolution ist möglich. Das beweist die Naturgeschichte. Das beweist, dass aus einfachen Einzellern Menschen entstehen konnten. Ob die Menschen heute schon über das nötige Wissen verfügen, um in diese Evolution erfolgreich einzugreifen, orientiert an selbstgewählten Zielen ihre Selbstevolution zu betreiben, ist eine andere Frage. Sollten sich die Menschen nicht in den nächsten Jahrhunderten ausrotten, werden die Menschen sich dieses Wissen verschaffen. Das ist nur eine Frage der Zeit. Und wenn die Möglichkeit ersteinmal besteht, wird es Menschen geben, die davon Gebrauch machen. Selbst wenn es 99,9% aller Menschen bei ihrem Nachwuchs nicht machen sollten, ein Promille der Erdbevölkerung sind heute schon 6,8 Millionen.

Dazu noch einmal die Auffassung eines der klügsten derzeit lebenden Menschen, Stephen Hawkings (aus einem WELT-Artikel vom 20.3.1999): "Selbstverständlich werden viele Menschen ein Verbot der Manipulation am menschlichen Genom fordern, aber ich bezweifle stark, daß sie es verhindern können. [...] Vorausgesetzt wir schaffen uns keine totalitäre Weltordnung, wird einer irgendwann irgendwo optimierte Menschen erschaffen. [...] am Ende des nächsten Jahrtausends - sofern die Menschheit bis dorthin gelangt - werden die Veränderungen fundamental sein."
Philipp-83
Wenn man bedenkt, dass menschliches Leben auf der Erde in absehbarer Zukunft unmöglich wird, wenn nämlich in mehreren Milliarden Jahren die Sonne explodiert, erhält unser Dasein irgendwie einen fatalistischen Charakter. Falls wir uns bis dahin nicht schon lange selbst ausgerottet haben und auch die Möglichkeit, einen Planeten zu besiedeln, der außerhalb unseres Sonnensystems liegt, nicht zu ermöglichen im Stande sind, werden die Menschen spätestens im Angesicht der drohenden Katastrophe, auf die Manipulation des Genoms nicht verzichten.
Nur werden wir so weit gar nicht erst gehen müssen. Es liegt in der Natur des Menschen sich stets zu verbessern, sich stets zu entwickeln, nach immer mehr Wachstum und Fortschritt zu streben. Irgendwann wird allerdings der Punkt erreicht, an dem die uns zur Verfügung stehenden Elemente nicht weiter ausgeschöpft werden können, wo die Erdbevölkerung ein kritisches Maß erreicht, die natürlichen Ressourcen nahezu ausgebeutet sind und wir auch auf geistiger, moralischer und emotionaler Ebene alle Grenzen hinter uns gelassen haben. In diesem Fall wird genetic engineering, als einziger und letzter Lösungsvorschlag, frei von jeglichem ethischen Bedenken, in die Tat umgestzt werden.
carsten aus bochum
Gerade Hawkings sozialpolitischen Ergüsse finde ich eher fragwürdig als klug.
Kai
@Philipp-83

"Absehbare Zukunft" und "mehrere Milliarden Jahre" sind für mich Dinge, die doch weit auseinander liegen.

Wenn man die ca. 5 Mrd. Jahre Erdgeschichte als ein Jahr ansieht, dann entsteht der Mensch in den Abendstunden des 31. Dezember. Den modernen Menschen, den Homo Sapiens Sapiens, gibt es seit drei Minuten und die moderne Welt, wie sie für uns normal ist, noch nicht einmal eine Sekunde. Den Menschen wird es in einigen Mrd. Jahren nicht mehr geben. Wahrscheinlich viel früher schon nicht mehr. Es geht um die Erhaltung des bewussten, intelligenten Lebens. Das könnte in späteren Zeiten auf ganz anderen Trägern (eventuell Computern) existieren als gegenwärtig (Körper/Gehirn). Sollte das intelligente Leben fortbestehen, wird es lange vor dem Untergang unseres Sonnensystems weite Teile des Universums besiedelt haben. Die Supernova unserer Sonne braucht uns nun wirklich kein Kopfzerbrechen bereiten. Passieren kann es aber leider, dass wir uns in den nächsten Jahrhunderten ausrotten ohne vorher etwas hervorgebracht zu haben, das uns überdauert und übersteigt.
Philipp-83
Ich hatte bereits während der Verknüpfung des Attributes "absehbar" mit den mehreren Milliarden ein gewisses Zucken im linken Auge gespürt Zwinker
Das "Absehbare" sollte lediglich die Tatsache verdeutlichen, dass wir nicht bis in alle Ewigkeit auf diesem Planeten hausen werden.

Die Supernova wird das menschliche Geschlecht bei derzeitiger Entwicklung nicht erleben. Es ist nur fraglich, wie sich diese Entwicklung dahingehend lenken lässt, möglichst lange, zu möglichst guten Bedingungen hier zu leben.
Um das zu erreichen, werden wir auch vor der Manipulation des menschlichen Genoms nicht haltmachen, sofern uns diese Möglichkeiten jemals eröffnet werden, wovon ich ausgehe.

Um das von dir gewählte Szenario aufzugreifen, in dem der Planet Erde von Maschinen bzw. Computern besiedelt wird, kommt mir die Frage, ob man sich nicht besser mit der Endlichkeit des Seins abfinden sollte. Natürlich sollten alle zumutbaren Hebel in Bewegung gesetzt werden, auch im Sinne zukünftiger Generationen, das nahende Ende zu verzögern.
Doch erfüllt nicht auch gerade die Endlichkeit seinen Zweck? Definiert nicht erst der Tod das Leben des Individuums?