Beginnen möchte ich wie es sich gehört mit einer kurzen Biographie des Autors. Da ich sie selbst verfasst habe darf ich sie auch unbedenklich in voller Länge hier posten. Das Ende ist etwas sehr persönlich, aber der Text wurde für einen Freund verfasst.
Karl Raimund Popper wurde am 28. Juli 1902 in Wien geboren. Er wurde in eine protestantische aufgeklärte Familie geboren, welche aber niemals ihre jüdischen Wurzeln loswurde. Dies teil Popper mit seinem Erzrivalen Wittgenstein. Der Vater war konvertuiert, wohl unter anderem um den anti-jüdischen Ressentiments der Zeit zu entgehen. zum Protestantismus hat sich Popper nie erklärt, wohl aber dazu das er ein Agnostiker sei. Die Frage nach Gott war sein Problem nicht. Popper wurde also früh mit dem Problem von Minderheiten und ihrem Kampf um Anerkennung bekannt. Auch seine Philosophie war anfangs eine Minderheitenposition die von da an aber einen Siegeszug antrat, wie ich noch zeigen möchte.
Popper schildert in seiner eigenen Biographie, daß er viele Diskussionen mit seinem Vater hatte und ihn dieser vieles lehrte. Die Bibliothek des Vaters war immer eine wichtige Quelle in Poppers Leben. Die Themen umfassten die grossen Philosophen, die moderne Wissenschaft und die sozialen Fragen der Zeit. In Namen: Kant, Mach, Marx um nur einige zu nennen. Was Popper diesen Diskussionen wohl verdankt sind einerseits die Forderung nach klarer Darstellung der Problemlage, aber noch mehr das kritzisieren von Autoritäten, vor allem jener welche sich der Kritik zu entziehen versuchen. In seiner Forderung nach klarer Sprache liegt wohl sein Skeptizismus gegen die jüngere Sprachphilosophie zugrunde, da er dieser Unklarheit und Verkomplizierung vorwarf.
"Alles was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen". Vermutlich wusste Popper nicht wie ähnlich er in dieser Hinsicht Wittgenstein war. Überhaupt ist ihre Rivalität ein trauriger Treppenwitz der Geschichte. Der erste Weltkrieg und der Untergang des Österreich-Ungarischen Reiches hinterliessen Spuren und einen früh gereiften ernsten, erwachsenen Menschen. Er verliess das Gymnasium, begann eine Schreinerlehre und trug sich als Gasthörer an der Universität ein. Popper bemerkte das diese Schreinerlehre der Versuch war mit den Händen zu arbeiten, was geprägt war durch seine damals sozialistische und kurzzeitig sogar marxistische Einstellung. Niemandem konnte das Elend der Bevölkerung nach dem grossen Krieg verborgen bleiben, und Leiden zu verringern blieb fortan sein wichtigstes ethisches Prinzip. Was ihn vom Sozialismus und Marxismus entfernte waren die Ereignisse in der
Hörlgasse .
Popper schildert, das diese Ereignisse tiefe Zweifel in ihm erweckten. Diese Zweifel betrafen die Selbstopferung für Ziele, welche ihrerseits zweifelhaft waren. Es betraf den blinden Glauben an indoktrinierende Demagogen. Und schliesslich brachte es ihn zu einer Kritik an Marx und am Marxismus. Vor allem an jenen Marxisten die glaubten, man müsse den Klassenkampf schüren und verschärfen, gleich welche Opfer das mit sich bringen würde. Die revolution verlangt Opfer, aber Popper war nicht bereit Menschenleben zu opfern für seine Ziele. Und er begann diese Ziele selbst zu bezweifeln. Vor allem bezweifelte er auch die Aufrichtigkeit der bürgerlichen Verfechter des Marxismus, welche sich zu Führern der Bewegung aufschwangen und Generälen gleich junge Menschen in den Kampf schickten.
Er blieb aber immer ein Sozialdemokrat, daß heisst ein Verfechter des Wohlfahrtstaates, dessen Aufgabe die Aufhebung des vermeidbaren Leides ist, also Hunger, Krankheit und ähnliches. Wie schon gesagt, wollte sich Popper nicht intzellektuell mit der Arbeiterklasse identifizieren, sondern indemm er selber Arbeiter wurde, doch stellte sich herraus, das er den physischen Belastungen der körperlichen arbeit nicht gewachsen war. Deshalb nahm er seine Schulbildung wieder auf, und holte sein abitur nach und schrieb sich in den Fächern Mathematik und Physik als Lehramt in der Universität ein. Er machte sein examen zwei Jahre später, aber fand keine Anstellung als Realschullehrer. Popper fand ein Betätigungsfeld als Sozialarbeiter und lernte in diesem Zusammenhang unter anderen Karl Bühler kennen, welcher ihn sehr prägte. Er studierte weiter und legte 1928 unter Bühler seine Dissertation ab.
Erst 1930 fand er eine Stelle als Lehrer allerdings nur an einer Hauptschule. Zeitgleich wurde er mit Hebert Feigl, einem Mitglied des
Wiener Kreises bekannt, der ihn ermutigte seine Gedanken zur Wissenschaftstheorie (Poper war sehr beeindruckt durch Einsteins erfolge) zu Papier zu bringen. Die Ermunterung Feigls führte zur Niederschrift seines Werkes "Die beiden Grundprobleme der Erkenntnsitheorie", welches zunächst allerdings unveröffentlicht blieb, war es doch für einen unbekannten Autor zu umfangreich. Allerdings lasen Neurath, Schlick, Feigl und vor allem Carnap sein Werk und forderten ihn auf ein kürzeres zusammenfassendes Werk zu verfassen, welches als "Logik der Forswchung" später Weltruhm erlangte. Vor allem war es beeinflusst durch den Wiener Kreis und derem logischen Positivismus, allerdings in klarer Abgrenzung zu diesem geschrieben. Carnap und sein Schüler Hempel schrieben Rezensionen und passten ihre Positionen der Kritik Poppers an. Andere Mitglieder des Kreises waren weniger wohlwollend so etwa Reichenbach. Aus der Tatsache das dieses Werk dem Denken des Wiener Kreises entsprungen ist, und dem logischen Positivismus, führte in Folge dazu, das Popper fälschlicherweise diesem Kreis und dieser Position zugeordnet wurde. Berühmt wurde der in den 60ern ausgetragene Positivismusstreit, in dem Popper, völlig missverstanden sich auf der Anklagebank befand, für Positionen die er nie gehabt hat oder vertreten hat.
Der Erfolg von Poppers Erstlingswerk im in und Ausland führte 1937 zu einer Einladung als Proffessor in Neuseeland, in Chrischurch zu wirken, die Popper annahm, und so dem Einmarsch Hitlers in Österreich entging. Er nutze die Zeit in Neuseeland zur Entwicklung seiner Sozialphilosophie, welche er unter dem Einfluss des Totalitarismus in Russland und Deutschland fertigte. Vor allem kritisierte er den Anspruch dieser politischen Mächte sich selbst durch historische Gesetze zu rechtfertigen. Sein wissenschaftliches Werk zum Thema "Das Elend des
Historizismus " wendet sich erstmals auch gegen den Determinismus den Popper sowohl aufs soziale, individuelle, als auch auf die Physik bezieht.
Sein zweites wichtiges Werk fällt in die Zeit des zweiten Weltkrieges, und kritisiert die Grundlagen des Sowjetkommunismus und des faschismus, ohne diese explizit zu nennen, als Kritik an den Vordenkern dieser Politischen Systeme, welche er in Platon , Hegel und Marx sieht. Das Werk erschien 1945 unter dem Titel: "Die
offene Gesellschaft und ihre Feinde."
Mit diesen vier genannten Werken, ist sämtliche weitere Philosophie Poppers vorrausgenommen, oder abgesteckt. In seinem Werk von der offenen Gesellschaft entwirft er auch die Transformation seiner kritischen Methode auf praktische soziale Belange, welche in ihrer Gänze als "kritischer Rationalismus" bezeichnet wird.
1946 wurde er Proffesor, an der London School of Economics and Political Science, wo er bis zur Erimitierung blieb.
1949 bat man ihn nach Amerika zu kommen, um Vorträge zu halten, und er traf mit Einstein, den Popper sehr bewunderte zusammen, sowie Mitgliedern des Wiener Kreises welche in die USA emigriert waren, u.a.
Carnap
In den 60er Jahren kam es zum sogenannten
Positivismusstreit , zwischen den Kritischen Rationalisten und der Frankfurter Schule.
Von den Studentenrevolten der 60er Jahre nahm er Notiz, aber sie erschreckten ihn auch, errinerten sie ihn doch an seine eigenen Erfahrungen als Jugendlicher Sozialist. Er bedauerte die "Verwirrung der Geister" jener Zeit, den Anti-Rationalismus.
In den 70ern gewann Poppers Sozialphilosophie unter Kanzler Helmut Schmidt Einfluss auf die moderne Sozialdemokratie.
Ebenfalls in den 70er baute Popper seine Philosophie aus. In seinem Werk "objektive Erkenntnis" entwirft er einen Anti-Subjektivistischen Erkenntnisentwurf, und kombiniert sie mit Erkenntnissen der Evolutionslehre.
Bis ins hohe Alter schrieb und reiste Popper um Gastvorträge zu halten.
Er starb, am 17. September 1994.
In der Woche als Karl Popper starb, stolpete ich, schwerst von meiner ersten Vollpsychose gezeichnet in einen Buchladen. Völlig von meinen Problemen überfrachtet griff ich ein Werk aus dem Regal welches den Titel "Alles Leben ist Problemlösen" trug. Ich verschlang es in einem Aufwasch, und las es ein zweites Mal inerhalb von 48 Stunden. Im gespräch mit einem Komilitonen erfuhr ich dann das Popper wenige Tage zuvor gestorben war. Konnte das denn sein. Und psychotisch wie ich war, glaubte ich das Poppers Geist in mich gefahren sei, dass ich die Reinkarnation Popers sei, bzw. sein werk weiterführen müsse. Dies war der Anstoss für mich Philosophie zu studieren.
Natürlich glaube ich heute nichts dergleichen mehr, bis auf den Punkt, die Philosophie meines Mentors weiterführen zu müssen.
Ende